REINXEED – A New World (Metal News)

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Von den niemals müde werdenden Schweden.

Ach ja… so richtig warm werden wird man hier auf Oliverdsw.Wordpress wohl nicht mehr mit den Schweden von REINXEED. Schon gar nicht, da das letzte Album WELCOME TO THE THEATER geradezu unterirdisch abschneidete (Review), und auch sonst vieles gegen die schwedische Power Metal-Hitschmiede spricht. Vielleicht ja auch die schiere Anzahl der bis dato veröffentlichten Alben, für die man sich einstweilen etwas mehr Zeit hätte nehmen sollen ? Mit A NEW WORLD bringt es die Combo auf mittlerweile sechs Studioalben seit 2008 – längst ein alljährliches Vergnügen, wie es scheint. Lediglich durch eine Compilation, die in qualitativer Hinsicht allerdings alles andere als herausragend ausfiel (SWEDISH HITZ GOES METAL, 2011), unterbrach man das Schema. All das kann den zahlreichen Fans der Band relativ egal sein – denn REINXEED machen ohnehin weiter mit dem, was sie lieben. Und das wohl auch noch in Zukunft, und vielleicht sogar weiterhin Jahr für Jahr. Es bleibt die stille Hoffnung, dass die Band sich doch etwas mehr Zeit nimmt und gibt, wenn es um das Schreiben neuer Songs geht. So gut wie sicher ist nämlich, dass man in Bezug auf A NEW WORLD nicht allzu viele Überraschungen erwarten sollte. Tommy Johansson & Co hauen einfach alles an Material raus, was irgendwie möglich ist. Ob nun über REINXEED oder aber GOLDEN RESURRECTION… die unten verlinkte Videosingle zu GUITAR HERO vermittelt einen ersten Eindruck. Fans sollten sich den 05. September vormerken – alle anderen höchstwahrscheinlich nicht.

Metal-CD-Review: REINXEED – Welcome To The Theater (2012)

Land: Schweden – Stil: Melodic Power Metal

01. Welcome (Intro) (01:12)
02. Life Will Find A Way (05:37)
03. Follow Me (03:52)
04. Save Us (05:55)
05. Stranger Tides (05:30)
06. Somewhere In Time (06:16)
07. Freedom (08:15)
08. No Fate (06:50)
09. Temple Of The Crystal Skulls (04:35)
10. Welcome To The Theater (03:46)

Power Metal aus der Schwedischen Fliessband-Produktionsschmiede.

Vorwort: Dass die fidelen Schweden um Mastermind Tommy Johansson offenbar Probleme haben zur Ruhe zu kommen wurde bereits im letzten Review zum Konzept-Album 1912 behandelt (Link). So geht auch dieses Mal nicht viel Zeit ins Land, bis REINXEED das nächste Album präsentieren: WELCOME TO THE THEATER heisst das gute, 10 Titel starke Stück, mit welchem man sich abermals anschickt, einen grundsoliden Melodic Power Metal mit leichten symphonischen Einflüssen zu präsentieren. Aber, kann das überhaupt noch gutgehen – bei der Fülle an Veröffentlichungen und Nebenprojekten ? In der Tat machen es REINXEED den Kritikern leicht – zumindest wenn es um Negativschlagzeilen geht. Dass der Power Metal ohnehin schon Gefahr lauft, als ‚Massenware von der Stange‘ abgestempelt zu werden, scheint die Schweden offenbar nicht zu kümmern – sodass sie gängigen Vorurteilen nicht entgegenwirken und stattdessen entsprechendes Vorurteils-Futter abliefern. Ja; muss es wirklich sein so bald nach 1912 schon wieder ein Album abzuliefern ? Grundsätzlich nein, doch wenn; dann sollte das enthaltende Material doch zumindest so wirken, als hätte es unbedingt ‚rausgemusst‘ aus den kreativen Köpfen.

Kritik: Um der tatsächlichen Qualität von WELCOME TO THE THEATER auf den Grund zu gehen, gilt es, sich erst einmal mit dem kurzen Intro WELCOME auseinanderzusetzen. Dieses besteht, ganz REINXEED-typisch, aus reichlichen symphonischen Anleihen und allerlei Samples, die so oder ähnlich auch schon auf den letzten Alben zu hören waren. Das Ganze klingt ein wenig nach einer Mischung aus einer festlichen Weihnachtsstimmung und einem abgedroschenen FLUCH DER KARIBIK-Flair – also nicht wirklich nach einer explizit ‚zündenden‘ Idee. Der fehlende Druck und der etwas blecherne Sound sorgen für den Rest – also schnell weiter zum Opener LIFE WILL FIND A WAY. Und auch der startet REINXEED-typisch, nämlich mit einem unverkennbaren (aber eben etwas kraftlosen) Uptempo-Drumming, den flotten Riffs und dem hohen Gesang von Tommy Johansson. All das gehört zweifelsohne zu den grundlegenden Zutaten der Band – doch leider schafft man es hier kaum, auch nur ansatzweise einen ‚Aha-Effekt‘ zu erzeugen. Die Melodien wirken relativ belanglos, das Liedgut allgemein wenig inspiriert und austauschbar – dieser Titel hätte genausogut auf dem letzten, oder noch früheren Alben enthalten sein können. Die eingespielten symphonischen Effekte machen zwar einen netten (wenn auch vermehrt klischeehaften) Eindruck, doch die restliche Instrumentierung wirkt wie schon zigmal gehört – einem lauwarmen Aufguss gleich.

Es folgt FOLLOW ME, ein Titel der sich ebenfalls als wenig vielversprechend herausstellt – das, was REINXEED hier abliefern, klingt einfach viel zu harmlos und plump, einzelne Passagen geraten zu 100% austauschbar. Wer die früheren Alben gehört hat, wird ebenfalls bemerken, dass alle Bandmitglieder offenbar weniger ‚lustvoll‘ zugange sind – es gibt keine wirklich fetzigen Riffs mehr, der Gesang harmoniert nicht mehr wirklich mit der Instrumentierung, die ’symphonischen‘ Elemente klingen weniger qualitativ als vor 2 oder 3 Jahren. So scheint es unvermeidlich, dass man sich bei einem Titel wie dem nun folgenden SAVE US ein gutes altes, knackiges SAVE ME von LABYRINTH sehnlichst herbeiwünscht. Wenn schon Kitsch, dann richtig – das heisst um eine anständige Präsentation und einen grundsätzlich fetten Sound bemüht. REINXEED treiben ihr Konzept nun auf die Spitze – sodass ihnen die Ideen auszugehen scheinen, sowie auch das Gespür für wirklich mitreissende Melodien. Die eingespielte weibliche Gaststimme sorgt allenfalls für ein müdes Lächeln, als dass sie die zerbrechliche (da enorm künstliche) Atmosphäre unterstützen würde – und dass, wo sich REINXEED schon längst über den Status als ‚Laien‘ hinweggesetzt haben sollten. Gerade der Refrain zeigt auf, dass sich die Schweden hier offenbar mehr vorgenommen haben als sie können: einer Band wie DRAGONLAND würde man dergleichen schon viel eher zutrauen.

Mit STRANGER TIDES wird es nun wieder symphonisch – beziehungsweise eher plump-symphonisch. Im Jahre 2012 reicht es einfach nicht mehr, sich auf derlei Hintergrund-Elemente zu beschränken; auch die restliche Instrumentierung sollte entsprechend zünden. Und wieder klingt das Ganze ein klein wenig nach einer abgeschmackten Version von DRAGONLAND – wobei es der Gesang von Tommy Johansson (mit den typischen Scream-Ausbrüchen ins extreme) in diesem Fall nicht wirklich besser macht. Der Refrain ist abermals kraftlos (überhaupt, was soll der Stimmverzerrer ?), der Titel macht zu keinem Zeitpunkt den Eindruck einen wirklich druckvollen Power Metal servieren zu wollen. Lediglich eine Soli-Passage mit darauffolgender Soundtrack-Atmosphäre sorgt gegen Ende für einen kleinen Lichtblick. Der ist jedoch alsbald wieder vergessen, wenn SOMEWHERE IN TIME beginnt – eine Nummer, die mit ihren 80er-Reminiszenzen und dem Lobgesang auf einen Freund nun vermehrt einer Light-Version von POWER QUEST anmutet. Das Problem erscheint offensichtlich – REINXEED wecken auf ihrem neusten Werk Erinnerungen an andere Bands und deren Outputs, doch wissen diesen ständig zu unterbieten. Immerhin, der Titel weist ein gewisses Potential auf und gehört zweifelsohne zu den angenehmeren.

Mit FREEDOM folgt ein Stück, welches – wie sollte es anders sein – wieder zahlreiche Parallelen zu anderen Bands spürbar werden lässt. Und das allein aufgrund der Titelbezeichnung – wer sich zumindest ein klein wenig im Power Metal auskennt, wird hier schnell darin erinnert, wie gut dieses Genre eigentlich klingen kann. Diese Feststellung hat aber leider nichts mit REINXEED zu tun – vielmehr denkt man an wahrlich glorreiche Zeiten zurück, in denen eine Band wie STRATOVARIUS eine selbige Titelbezeichnung verwendete (Kostprobe gefällig ?). Aber das hier – hält weder einem Vergleich stand (was kein Muss ist), noch überzeugt es auf anderen Ebenen. Es regiert der Kitsch, eine allgemeine Plumpheit und Ideenarmut, und der halbherzige Einsatz von Instrumenten. Tatsächlich versucht man gerade diesen Titel noch auf ein explizit ‚erhabenes‘ Maß zu bugsieren – immerhin hat er eine Spielzeit von knapp 8 Minuten. Doch gerade diese vermeintlich epischen Segmente werden durch den extrem ‚kreischigen‘ Gesang von Tommy Johansson ad absurdum geführt. Diese Art ‚Extrem‘ funktioniert eben nur bei Titeln, die nicht mehr sein wollen als locker-leichter Power Metal (siehe REACH FOR THE SKY vom letzten Album), wenn REINXEED nun vermehrt versuchen ihren Sound in Richtung Drama / DRAGONLAND zu lenken, dann wird es einfach nur lächerlich. Doch auch mit dem folgenden NO FATE versucht man auf eben dieser Scheine zu fahren – was dementsprechend fehlschlägt.

Nun wird es noch einmal spannend: TEMPEL OF THE CRYSTAL SKULLS ist der erste Titel, der nicht mehr versucht als das Potential der Band (derzeitig) hergibt. Zudem ist er relativ simpel gehalten, und prescht mit einem unaufhörlichen Tempo gen Zielgerade – ein stark melodiöser Refrain und einige Stimmungs- und Tempiwechsel runden den Titel ab. Aber, sind das wirklich REINXEED wie sie heutzutage klingen ? Nein, vielmehr handelt es sich um einen ‚Retro-Track‘, der die alten Zeiten der Band (und die Anfangszeiten des Power Metal) aufgreift und dementsprechend nostalgisch wirkt. Dass gerade dieser Titel einer der stärksten des Albums ist, sollte einem also wahrhaft zu denken geben. Ebenfalls etwas seltsam: WELCOME TO THE THEATER ist der Finaltrack des Albums, den man sich doch eher zum Auftakt hätte vorstellen können. Und tatsächlich, so mäßig und abgedroschen wie die vorigen Titel klingt er nicht. So steigern sich REINXEED püntklich (oder eben nicht) zum Abschluss des Albums, das heisst in den letzten beiden Titeln.

Fazit: REINXEED scheint das gleiche Schicksal zu erleien wie GAIA EPICUS. Beide Bands waren von Anfang nicht als besonders anspruchsvoll einzustufen, machten in ihren Anfangszeiten aber dennoch Spaß und glänzten durch eine enorme Spielfreude – doch im Laufe der Jahre wirkt das stets gleiche, neu aufgegossene Material eben immer abgedroschener. Im Falle von REINXEED ist die Entwicklung sogar noch bedenklicher – denn eine jegliche ‚Steigerung, die mit mit zunehmender Band-Erfahrung erwarten würde und sollte, zeichnet sich nicht ab. Eher im Gegenteil: WELCOME TO THE THEATER wirkt noch schwächer und innovationsarmer als der ebenfalls schon stark geschmacksabhängige Vorgänger 1912. Selbst bei Power Metallern, die auf eine gewisse Portion Kitsch nicht verzichten möchten, ist also definitiv Vorsicht geboten. Wohin soll das alles noch führen, und wird es nächstes Jahr schon wieder ein neues Album geben ? Dann doch mal lieber eine kreative Pause einlegen, und später mit einem wirklich frischen und satt produziertem (!) Output zurückkehren.

Anspieltipps: TEMPLE OF THE CRYSTAL SKULLS, WELCOME TO THE THEATER

Metal-CD-Review: REINXEED – 1912 (2011)

Land: Schweden – Stil: Melodic Power Metal

1. 1912
2. The Final Hour
3. Terror Has Begun
4. Spirit Lives On
5. Through The Fire
6. The Fall Of Man
7. The Voyage
8. We Must Go Faster
9. Challenge The Storm
10. Reach For The Sky
11. Farewell
12. Lost At Sea

‚Übertreibung‘ ist ein Wort, dass diese Schweden nicht kennen.

Vorwort: Kaum eine andere Band ist in eingeschworenen Metal-Kreisen so umstritten wie die Schwedische Power Metal-Combo REINXEED. Das melodische Quintett um Frontmann Tommy Johansson verkörpert im Grunde all das, was von nicht wenigen Hörern gern als ‚belangloser‘ und ‚übertriebener Kitsch‘ eingestuft wird. Und tatsächlich, während sich anderswo mehr in Zurückhaltung geübt wird; darf es bei REINXEED gern und stets ein wenig ‚mehr‘ sein. Ein wenig mehr von allem – in erster Linie macht sich das an süffig-süßen Keyboardpassagen, superschnellen Drums mit Doublebass-Dauerbefeuerung und allerlei Samples aus der ‚Konserve‘ bemerkbar. Und, nicht zuletzt an Frontmann Tommy Johansson, der sein Stimmorgan stets bis auf das äußerste zu strapazieren weiss und dabei so manch extreme, die Boxenmembran zu zerreissen drohende Stimmlage erreicht. Hinzu kommt eine in diesem Sinne treffende optische Erscheinung, mancherlei plump produziertes Musikvideo – und fertig ist die Metalband aus der Konserve, welche im Fahrwasser von Bands wie SONATA ARCTICA, RHAPSODY OF FIRE, STRATOVARIUS oder DRAGONFORCE mitschwimmt. Jedoch muss man sich, auch in Anbetracht ihres weltweiten Erfolges, durchaus die Frage stellen, ob nicht vielleicht doch ‚mehr‘ hinter dem Projekt REINXEED (sowie auch der mit REINXEED in naher Verbindung stehenden Combo GOLDEN RESURRECTION) steckt. Schließlich veröffentlicht die Band mit 1912 schon ihr viertes Album – das vierte innerhalb von gerade einmal 4 Jahren. Tatsächlich entstanden REINXEED schon im Jahre 2000, doch bis es zur aktuellen ‚1-Release-pro-Jahr‘ Situation kam, musste erst einige Zeit ins Land gehen.

Kritik: Nun, was fällt dem geneigten Hörer an einem Album wie 1912 wohl zuerst auf ? Richtig, es ist in der Tat selbige Jahreszahl und das dazu entstandene Front-Cover, welches keinen Zweifel dran lässt dass REINXEED ein Konzeptalbum über die Geschichte der Titanic (!) kreiert haben. Dazu kann man stehen wie man will; in jedem Fall handelt es sich um ein regelrechtes Novum in Metal-Kreisen – sodass man den Schweden schon einmal keine Ideenlosigkeit oder Mutlosigkeit unterstellen kann. Zumindest nicht, was das ‚Konzept angeht – ob dies auch für die Musik gilt, soll an dieser Stelle noch festgestellt werden. Das 12 Titel starke Album beginnt sogleich mit dem Opener und Titeltrack 1912, einer flotten Melodic Metal-Nummer mit reichlich Melodie und einigen (wenn auch besonders künstlich klingenden) symphonischen Anleihen. Wer die bisherigen Alben der Band gehört hat, wird hier gewiss nichts weltbewegendes vorfinden – stattdessen wird man wie gewohnt relativ schnell von der allgemeinen Eingängigkeit des Liedguts in den Bann gezogen. Wenngleich der instrumentale Part gewiss nicht als musikalische Offenbarung zu bezeichnen ist, gesellt sich schnell ein anderes, deutlich expliziteres Problem in die Reihe der Kritikpunkte: der Gesang von Tommy Johansson. Nicht nur, dass er wahrlich ‚ultrahoch‘ ist und durch ständige Power-Screams zusätzliche hochfrequent-quietschende ‚Explosionen‘ erzeugt, es wird besonders deutlich dass Mr. Johannson in so manch hoher Lage alles andere als brilliert. Es scheint, als würde das Konzept schlicht durchgezogen – komme was wolle, egal wie es (stellenweise) klingt. Aber was soll man machen – dieser Aspekt gehört zu REINXEED wie die Butter zum Brot; pardon, die Keyboards zu einem jeden REINXEED-Instrumental.

So geht man auch in THE FINAL HOUR kaum andere Wege, sondern kloppt stattdessen erneut ordentlich auf alles, was der Aufnahmeraum an Instrumenten hergegeben hat – wobei ein Großteil aus der Konserve stammt. Tatsächlich ist es manchmal gar nicht so leicht jede einzelne Tonspur / jedes Instrument (ob ‚echt‘ oder nicht) herauszuhören, beziehungsweise das musikalische Durcheinander zu ‚entschlüsseln‘. Das schnelle Tempo und die generell etwas ‚überladen‘ wirkenden Songstrukturen helfen da beileibe nicht – sondern lassen einen relativ klebrigen, kitschigen Einheitsbrei entstehen. Wirklich ‚erhellende‘ Momente (der Stille, des pompösen) bleiben aus, sodass lediglich der Refrain als Orientierung herhalten kann – doch auch der ist viel zu gewöhnlich und unspektakulär, als dass er Begeisterungsstürme auslösen könnte. Es erklingt TERROR HAS BEGUN, ein Stück, welches überraschenderweise stark an das Schaffen von SABATON erinnert. Einen Unterschied allerdings gibt es, der sicherlich nicht überraschend kommt: das Tempo. So geht der ‚militärisch-erhabene‘ Anspruch der Vorlage flöten, und REINXEED lassen ein jegliches (wenn auch abgekupfertes) Potential in einem See aus Kitsch zerfließen. Überhaupt klingt gerade das (ununterbrochen schnelle) Drumming alles andere als natürlich oder organisch – genauso gut hätte man einem Drumcomputer die Arbeit überlassen können.

Sicher, einige nette Soli werden auf 1912 präsentiert – doch fällt es reichlich schwer, diese den völlig überladenen Strukturen zu entnehmen. Das ist auch der Fall im folgenden SPIRIT LIVES ON, welches nun zweifelsohne stark an DRAGONFORCE erinnert. Abermals ein Problem: die mehr und mehr ’scheppernd‘ wirkenden Drums, die dem Hörer einfach keine Ruhepause gönnen und es schlicht verhindern, dass wirklich einmalige Song-Höhepunkte entstehen können. Diese Form des Drummings ist in etwa vergleichbar mit den früheren DRAGONFORCE-Alben, mehr noch aber mit dem Debüt von POWER QUEST – Hauptsache ein Dauerfeuer abfackeln; unabhängig von Rhythmik, Anspruch oder (produktionstechnischer) Qualität. THROUGH THE FIRE erleidet ein ähnliches Schicksal, gerade gegen Mitte des Albums wird es vermehrt schwer, die einzelnen Titel (besonders im Nachhinein) auseinanderzuhalten. Sie gleichen sich schlicht zu sehr und lassen ein gewisses Maß an Eigenständigkeit vermissen. Auch die Tatsache, dass es keine wirklichen Interludes oder überleitende Erzählparts gibt (das hätte sich auf einem Album wie diesem doch sicherlich angeboten) macht es zusätzlich schwer, den ‚Brei‘ portionsweise zu verköstigen. Vielmehr läuft man ständig Gefahr, sich zu verschlucken – was sicherlich Schade ist in Anbetracht von potentiell hochkarätigen Titeln wie THE FALL OF MAN. Hier kann die Band erstmals mit einem etwas stärkeren, nicht ganz so künstlich klingenden Beginn aufwarten, verzettelt sich danach aber auch wieder allzu schnell in hektischen Drumpassagen und disharmonischen Kopfschmerz-Arrangements.

Mit THE VOYAGE kommt nun das zum Tragen, was das Album die ganze Zeit nicht bieten konnte: Atmosphäre. Endlich nimmt man sich ausgiebig Zeit für ein sich langsam entfaltendes Intro, bevor der volle Instrumentaleinsatz erst nach etwa einer Minute entfesselt wird. Und auch dann klingt der Titel noch vergleichsweise ‚harmlos‘ im Vergleich zu den vorherigen – positiv zu bewerten ist das zurückgefahrene Tempo, die zurückgestellte musikalische Penetranz, die etwas tiefere Stimmlage von Mr. Johansson in den Strophen, sowie die gesteigerte Melodie-Verliebtheit. Ärgerlich nur, dass auf etwas merkwürdige Stimm-Experimente nicht verzichtet wurde – und so gerade die ‚Chorpassagen‘ und der Refrain recht makaber wirken. WE MUST GO FASTER ist ebenfalls eines der erträglicheren Stücke des Albums, und glicht nach dem komplett überfrachteten Auftakt einer kleinen musikalischen Offenbarung. So lassen sich REINXEED hören – indem man weniger auf ein anhaltendes Tempo, als vielmehr auf instrumentale Abwechslung, die ein oder andere ’stillere‘ Passage und eine ausgewogene Mischung von tieferen und höheren Gesangslagen setzt. Auch der Refrain setzt sich schnell in den Gehörgängen fest, eine Extraportion Melodie rundet das Ganze ab.

Tatsächlich nimmt die Qualität von 1912 im weiteren Verlauf bedeutend zu, offenbar hat man sich die stärkeren Nummern bewusst für einen späteren Zeitpunkt aufgehoben. Denn auch das folgende CHALLENGE THE STORM weiss zu überzeugen, wenngleich es sich um eine Nummer mit recht penetrantem Drum-Part handelt. Doch stellenweise werden gar Erinnerungen an frühere Zeiten von AVANTASIA wach – sofern man gerne, oder auch frevelhafterweise einmal soweit ausholen möchte. Interessant verhält es sich auch mit einer Nummer wie REACH FOR THE SKY, welche klischeehafter nicht hätte inszeniert werden können. Aus irgendeinem Grund jedoch macht diese Nummer – trotz unglaublicher Gesangshöhen und Highspeed-Drumming – mehr Spaß als die ersten 5 Titel des Albums zusammen. Die Laufzeit geht mit knapp 4 Minuten in Ordnung, der Sound und die Spielfreude erinnern hier verstärkt an frühere REINXEED-Alben. Und der Refrain ist sogar richtig gut – wäre der Gesang etwas gemäßigter (in der Tat ist vom Gesang die Rede) ausgefallen, wäre er vielleicht sogar perfekt. Man kann wohl behaupten, dass sich das Blatt für REINXEED wieder teilweise wendet, wenn sie richtig abdrehen – und einen Titel wie diesen hier abliefern. Bleiben noch FAREWELL – eine grundsolide, insgesamt angenehme Melodic Metal Nummer – und das stark atmosphärische Outro LOST AT THE SEA, welches als Soundtrack-taugliches Zwischenspiel voller Übersee-Atmosphäre leider viel zu spät kommt.

Fazit: In der Tat sollte man einigermaßen Stress-Resistent sein, um 1912 einigermaßen genießen zu können. Wem DRAGONFORCE ‚zu schnell‘, RHAPSODY OF FIRE ‚zu überladen‘ und STRATOVARIUS ‚zu keyboardlastig‘ sind, der wird auch oder gerade mit REINXEED arge Probleme haben. Und er wird der Tatsache, dass mit dem Themenkomplex der Titanic mal ein etwas anderer Inhalt präsentiert wird, relativ unbeeindruckt gegenüberstehen. Schließlich werden selbige Inhalte und Emotionen zumeist kaum mit Gefühl oder einem sinnigen Gespür transportiert, sondern mit der guten alten Holzhammer-Methode. Rasant-schnell, ultra-überladen und beinahe jaulend-hoch gesungen – das sind REINXEED, eine Band; die dennoch in vereinzelten Momenten Spaß macht und eine gewisse Ambition und Liebe zur Musik nicht vermissen lässt. Wer mit Kitsch und der übertriebenen Ausreizung aller den Power Metal kennzeichnenden Elemente kein Problem hat, der sollte definitiv mal Probehören.

Anspieltipps: THE VOYAGE, WE MUST GO FASTER, REACH FOR THE SKY

Metal-CD-Review: REINXEED – The Light (2008)

Land: Schweden – Genre: Melodic Power Metal

1. The Light
2. Legacy
3. Great Hall Of ReinXeed
4. Magic Night
5. Eternity
6. Shyrheny
7. Northern Sky
8. Kingdom Fall
9. End Of This Journey
10. Heavenly Fire

Heute möchte ich ein hierzulande eher unbekanntes Album aus dem Jahre 2008 vorstellen. Es handelt sich hierbei um ein recht… „typisches“ PowerMetal-Album der schwedischen Band Reinxeed. Doch eigentlich ist es am häufigsten Sänger und Frontmann Tommy Johannson (Sänger, Gitarre, Bass, Keys) der hervorsticht. Weitere Bandmitglieder sind Kerry Lundberg (Gitarre, Hintergrundvocals), Christer Viklund (Bass) und Mattias Lindberg (Drums).

Nun, ich muss – zum wiederholten Male – zugeben, dass ich persönlich auch ein Fan des kitschigen oder eher klischeehaften Power Metal bin. Einzige Voraussetzung: steht Melodic oder Symphonic drauf, muss es auch drin sein. Das heisst de facto, die Band sollte ihr Handwerk verstehen und eine solide Produktion abliefern. In dieser Hinsicht ist Reinxeed, zumindest zum Zeitpunkt des Releases dieses ersten Albums der Jungs, sicherlich noch nicht perfekt gewesen. Der Symphonic-Anteil an der Musik lässt sich schnell heraushören: oftmals sind es eher künstlich wirkende Instrumente oder Samples aus dem Computer, und überhaupt klingt das Ganze (relativ kurze und mit 10 Tracks ohne Intros etc. recht wenig abwechslungsreich) Album ein wenig… unecht.


Dennoch, und das muss man Reinxeed wohl lassen: ist dies ein durchaus ambitionierter Versuch, ebenfalls einen guten Platz in der Riege der eher fröhlichen, schnellen und kitschigen Power Metaller Fuss zu fassen. Es klappt – aber nur bedingt ! Tatsächlich besitzen einige der Songs einen gewissen, vielleicht gar „magischen“ Charme. So finde ich Eternity gar nicht übel, auch die Samples (die ein wenig an Filmmusik-Scores erinnern) scheinen passend eingepflegt. Das gesamte Album ist ohnehin als Konzept-Album angelegt – als eine möglichst harmonisierende Mischung aus Power Metal und Filmmusik. Besonders auffallend ist natürlich auch die Stimme beziehungsweise die stark variierende Stimmlage des Leadsängers. Er bewegt sich quasi auf allen erdenklichen Höhen und Tiefen, und erreicht dabei einstweilen recht heftige Level in den höchsten Tonlagen. Dieses High-Pitched-Screaming war ja schon immer Geschmackssache im Power Metal. Generell habe ich nichts dagegen, im Gegenteil – weshalb ich auch die (zugegeben, manchmal etwas wackeligen !) höheren Gesangseinlagen auf dieser Scheibe mag. So ist The Light, für mich der Titeltrack des Albums, ein echter Double-Bass Kracher mit einem furiosen (da stimmlich extrem ausgereizten) Finale. Gut, so etwas mag man oder eben nicht.

Insgesamt und allgemein bin ich aber der Meinung, dass eine solche Mischung (Power Metal + Filmmusik) gut vereinbar ist. In diesem Falle geschieht das noch etwas zaghaft, und nicht ganz so melodiös wie ich vielleicht erwartet hätte. Ich erhoffe mir mehr vom nächsten Album, und lausche bis dahin meinen 2 oder 3 Favoriten auf diesem hier. Viel mehr habe ich für mich persönlich nämlich nicht wirklich entdecken können. Ein recht nettes Fan-Video (Lego…) zu einem meiner Lieblingssong des Albums: