Metal-CD-Review: POWER QUEST – Sixth Dimension (2017)

Alben-Titel: Sixth Dimension
Künstler / Band: Power Quest (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Oktober 2017
Land: England
Stil / Genre: Power Metal
Label: Inner Wound Recordings

Alben-Lineup:

Steve Williams – Keyboards
Paul Finnie – Bass
Rich Smith – Drums
Ashley Edison – Vocals
Glyn Williams – Guitars
Andrew Kopczyk – Guitars

Track-Liste:

1. Lords of Tomorrow (05:20)
2. Starlight City (05:51)
3. Kings and Glory (05:45)
4. Face the Raven (05:24)
5. No More Heroes (04:39)
6. Revolution Fighters (06:35)
7. Pray for the Day (05:57)
8. Coming Home (04:45)
9. The Sixth Dimension (08:41)

Willkommen in der elften, pardon; sechsten Dimension.

In der Tat ist es nun schon wieder etwas her, dass man etwas größeres von den Engländern von POWER QUEST gehört hat. Schließlich wurde es nach dem 2011’er Album BLOOD ALLIANCE (siehe Review) plötzlich verdächtig ruhig um die Band, die mit Alben wie NEVERWORLD (2003, Review) oder MAGIC NEVER DIES (2005, Review) einst ein Stück britische Power Metal-Geschichte geschrieben hatte. Mit ein Grund für den schon ab 2009 eher holprigen Werdegang war sicher auch der Weggang des angestammten Leadsängers Alessio Garavello, der auf BLOOD ALLIANCE noch von Chity Somapala vertreten wurde – überraschenderweise. Immerhin veredelte der gebürtige Kolumbianer schon waschechte Geheimtipp-Alben wie etwa das 2004’er ECHOES OF A NIGHTMARE von MOONLIGHT AGONY (Review), trotz seiner offensichtlichen Probleme eine feste und wirklich zu ihm passende Band zu finden. Dementsprechend währte auch seine Karriere bei POWER QUEST nicht allzu lang. Die wiederum rekrutierten daraufhin den bis dato eher unbekannten Colin Callanan – doch auch der sollte nicht lange bei den Engländern verweilen. Mit Ashley Edison (DENDERA) sollten POWER QUEST dann aber endlich ihren Mann gefunden haben – zumindest sieht es aktuell stark danach aus.

Und tatsächlich; nach der offiziellen Wiedervereinigung der Band im Jahre 2016, der kurzen Rückkehr-EP FACE THE RAVEN und einigen Ankündigungen ist es nun soweit: das passend betitelte sechste Studioalbum SIXTH DIMENSION ist endlich am Start. Selbiges erscheint erstmals über INNER WOUND RECORDS (u.a. AXENSTAR), beinhaltet 9 Titel – und könnte genau da weiter machen, wo die Band einst mit BLOOD ALLIANCE aufgehört hatte. Einen kleinen Wermutstropfen gilt es aber durchaus vorab festzuhalten: streng genommen ist das Album mit nur 7 neuen Titeln bestückt. FACE THE RAVEN und COMING HOME waren schließlich schon auf der FACE THE RAVEN-EP enthalten – und sind eingeschworenen Fans der Combo seit mittlerweile einem Jahr wohl bekannt. Das sollte allerdings kein ausschlaggebendes Kriterium sein – schließlich kommt es wie so oft weniger auf die Quantität, als vielmehr auf die offerierte Qualität des Liedguts an. Und gerade diesbezüglich schneiden die neuen alten POWER QUEST überraschend… frisch ab.

Und das hat vornehmlich zwei Gründe. Zum einen ist es der neue Leadsänger Ashley Edison, der schlicht eine verdammt gute Figur macht und eine überaus angenehme Stimmfarbe hat – sodass man sich schlichtweg fragen muss, wo er nur all die Jahre gesteckt hat. Zum anderen, und das ist sicherlich mindestens ebenso wichtig; sind POWER QUEST noch klar als POWER QUEST zu erkennen. Neben der allgemein eher temporeichen Gangart, der ausgeprägten Spielfreude an den Gitarren und den hymnisch-hochtrabenden Refrains darf es so auch mal das ein oder andere Keyboard-Intermezzo sein – ganz wie in den guten alten Zeiten eben. Sicher schließt das auch mit ein, dass POWER QUEST weiterhin Gefahr laufen hie und da eher kitschig zu klingen. Doch daran sollten sich die wenigsten stören – die Engländer hatten schließlich schon seit jeher ihren eigenen Kopf. Und: hart, beziehungsweise eher knackig genug klingt das Ganze immer noch. Somit bleibt eigentlich nur noch abzuwägen, in die Nähe welcher Qualitätsstandards und welcher Vergleichsalben sich SIXTH DIMENSION letztendlich hievt.

Und ob man diesen Vergleich nun gutheißt oder nicht: die Musik von POWER QUEST hat durchaus einiges mit dem Werk von DRAGONFORCE gemeinsam. Und dass nicht nur, da beide Bands einen gemeinsamen Hintergrund (in Form des einst bei DRAGONHEART tätigen Keyboarders Steve Williams) und mindestens einen einschneidenden Wechsel ihres Leadsängers hinter sich haben. Auch musikalisch finden sich einige Parallelen – wie etwa in Bezug auf die ganz ähnlich gestalteten Melodiebögen, die bereits erwähnte Keyboardarbeit oder die zumeist hymnisch angehauchten Refrains inklusive den für beide Bands so typischen Hintergrundchören. Abgesehen vom sich klar unterscheidenden Tempo und dem letztendlich gesetzten musikalischen Schwerpunkt aber haben POWER QUEST einen enormen theoretischen Vorteil: sie sind schon eher für eine Überraschung gut. Und die ist SIXTH DIMENSION letztendlich auch geworden, irgendwie und glücklicherweise.

Schließlich ist der Spaßfaktor vor allem zum Auftakt des Albums enorm, gerade in Anbetracht des Wechselspiels aus direkt zündenden schmackigen Hymnen (LORDS OF TOMORROW, KINGS AND GLORY), zünftigen Stampfern (STARLIGHT CITY, FACE THE RAVEN) und puren gute-Laune-Brechern a’la NO MORE HEROES. Dass später auch noch geradezu fleischgewordene POWER QUEST-Trademarks a’la PRAY FOR THE DAY oder COMING HOME folgen, rundet das Ganze ab. Warum das Album dennoch kein Meilenstein geworden ist, lässt sich am ehesten an den leider Gottes klar erkennbaren schwächeren Nummern des Albums festmachen – und niemals am an den Tag gelegten Handwerk oder der gelungenen Produktionsarbeit. Mit dem stark an HAMMERFALL erinnernden REVOLUTION FIGHTERS beispielsweise hat man sich nicht den größten Gefallen getan – auch, weil Leadsänger Ashley Edison in den höchsten Lagen nicht mehr ganz so stilsicher klingt.

Den größten Fauxpas aber leisteten sich POWER QUEST mit dem Rausschmeißer und längsten Titel des Albums, dem Titeltrack SIXTH DIMENSION. Der klingt schließlich schon in den ersten Momenten höchst problematisch – und hinterlässt einen ebenso generischen wie absolut unspektakulären Eindruck. Die fehlende Kraft, die zu aufdringliche elektronische Komponente und der vergleichsweise schiefe Leadgesang verhindern hier schlicht zu vieles. Vor allem aber, und das wirkt sich dann doch deutlich aus; verhindert man so ein würdiges Alben-Finale.Durch den ebenfalls recht gekünstelt klingenden Gastgesangspart von Anette Olzon Blyckert (Ex-NIGHTWISH) wird das Ganze dann auch nicht mehr aufgewertet – durch das schiere Fremdkörper-Gefühl eher im Gegenteil.

Insgesamt ist es den Engländern aber noch gelungen, eine ordentliche Rückkehr hinzulegen. Eine, die vielleicht nicht die früheren Alben; aber doch den direkten Vorgänger BLOOD ALLIANCE locker zu übertreffen vermag. Es bleibt zu hoffen, dass für die Band nun wirklich alle Unklarheiten beseitigt sind – und POWER QUEST in eine glorreiche Zukunft blicken können.

Absolute Anspieltipps: LORDS OF TOMORROW, STARLIGHT CITY, NO MORE HEROES, COMING HOME


„Trotz einer handvoll schwächerer Titel eine rundum gelungene Rückkehr.“

Das Große POWER QUEST-Comeback – Studio Update & Neue EP (Metal News)

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Na, das ist doch mal eine positive Nachricht – POWER QUEST sind zurück, und haben auch gleich neues Material mitgebracht. Mal sehen, wie sich die Band mit dem neuen Lineup macht… und ob man es schafft, an alte Glanzzeiten a’la MAGIC NEVER DIES (Review) anzuknüpfen.

Der offizielle Pressetext:

The band have recorded 2 brand new songs plus a re-recording and re-mix of a song from the back catalogue for the new EP which will be released in September. Recording took place at Rogue Studios in London with Alessio Garavello producing the sessions. The mix will be handled by Lasse Lammert in Germany.

Artwork for the EP is being provided by Felipe Machado who previously worked on the Blood Alliance and Master of Illusion with us. The track listing and title of the EP will be released in a few weeks time.

The EP will be available exclusively at the shows in Derby and London in September but not before. It is limited to 1000 copies in digipak format, with the first 500 to be numbered. One week after the London show a number between 1-500 will be randomly selected and whoever has purchased that particular copy will get a “ticket for life” to any PQ headline show. This won’t include festival or support shows.

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Metal-CD-Review: POWER QUEST – Magic Never Dies (2005)

Land: Großbritannien – Stil: Melodic Power Metal

Die Trackliste:

1. Ascension
2. Find My Heaven
3. Galaxies Unknown
4. Hold on to Love
5. Diamond Sky
6. The Message
7. Soulfire
8. Children of the Dream
9. Strike Force
10. Another World
11. Magic Never Dies

Das dritte Album soll es nun endgültig richten.

Vorwort: Nach den beiden ersten Studioalben der Engländer von POWER QUEST (WINGS OF FOREVER und NEVERWORLD), steht uns nun das dritte Werk ins Haus, welches den vielversprechenden Namen MAGIC NEVER DIES trägt. Hoffentlich ist genau das auch der Fall – doch wer bereits den mehr als soliden Vorgänger gehört hat, wird bereits wissen, dass der Musik von POWER QUEST tatsächlich etwas ‚magisches‘ innewohnt. Eine Besonderheit, die die einzelnen Titel gleichsam fröhlich und eingängig, aber eben auch kompositorisch erhaben erscheinen lässt – da werden Fans von potentiellen Vergleichsbands wie STRATOVARIUS natürlich zu Recht hellhörig. Der Unterschied ist, dass POWER QUEST als Anfang des neuen Millenniums frisch entstandene Bandformation noch auf keine derart weit zurückreichende Bandgeschichte blicken kann – auch wenn die einzelnen Mitglieder einiges auf dem Kerbholz haben, beziehungsweise an reicher Erfahrung mitbringen. Mit den 2 vorherigen Alben konnten die Jungs also weiterhin Erfahrungen sammeln, und so in ihrem neuen Gesamtwerk MAGIC NEVER DIES kumulieren. Ob das Ergebnis entsprechend überzeugend klingt ?

Kritik: Im Gegensatz zum Vorgänger setzt man bei der aktuellen Scheibe auf ein ‚richtiges‘ Intro, das möchtig-pompöse ASCENSION nämlich. Hier offenbart sich dem Hörer ein erster, interessant-vielfältiger Eindruck von dem was da noch kommen mag – die Komposition klingt wie eine inspirierende, antreibende Mischung aus Filmscore und Märchen-Hörbuch. So wirkt der Übergang zum Opener FIND MY HEAVEN etwas abrupt und befremdlich, da sich POWER QUEST nun in einem gänzlich anderem Soundgewand präsentieren. Allerdings ist eben das ihr Soundgewand: das Tempo zieht an, die Gitarren steigen ein, der Fantasie des Keyboards scheinen keine Grenzen gesetzt. Es dauert nicht lange, bis man gefangen ist in der höchst melodiösen Welt der spielfreudigen Power Metaller, die einen nicht mehr loslässt und immer wieder beeindruckt. Im Gegensatz zum Vorgängeralbum wirken die Kompositionen nun noch ein stückweit professioneller und nicht einmal mehr ansatzweise angestrengt; die Erfahrung macht sich also endlich bezahlt. Das Ganze wirkt schön beschwingt, ohne zu sehr in überschwänglichen Kitsch abzudriften – doch die wirkliche Überhymne, die auf dem Vorgängeralbum SACRED LAND war, kommt erst jetzt, und damit an dritter Stelle. GALAXIES UNKNOWN heisst das gute Stück, welches einen unvergleichlichen Drive entwickelt und dem Albentitel mehr als gerecht wird. Hier legen POWER QUEST die Messlatte für anregend-fantasievolle Metal-Produktionen ein gutes stückweit höher.

Diese Art von Musik ist ‚harmlos‘, viel zu eingängig und innovationslos, möchte nun manch einer sagen ? In gewisser Hinsicht, beziehungsweise aus gewissen Blickwinkeln mag dies zutreffen. Doch an und für sich betrachtet machen POWER QUEST das absolut beste aus ihrer Liebe zur Musik und ihrer Liebe zu verträumten Arrangements – einen temporeichen Power-Metal mit Märchen-Charakter, der schnell die Herzen der Hörer erobern kann. Gesetzt, sie lassen sich auf den Sound und seine Wirkung ein – dann wirkt ein perfekt vorgetragener Refrain wie in GALAXIES UNKNOWN geradezu euphorisierend, auch wenn die Lyrics sicher beliebte Klischees aufgreifen. Sei’s drum, POWER QUEST rocken – auf einem sehr hohen Niveau. Auch das folgende HOLD ON TO LOVE macht einen überaus guten Eindruck, setzt es die POWER QUEST-Tradition der etwas gemächlicheren, leicht balladesken Nummern als Intermezzi fort. Dieses Mal allerdings wirken diese verträumt-melancholischen Nummern nicht mehr wie Experimente – sondern wie absolut vollwertige, gnadenlos versiert vorgetragene Midtempo-Hymnen mit Gefühls-Charakter. So macht auch die ‚ruhigere‘ Seite der Band Spaß wie nie zuvor. Passenderweise regiert auch auf MAGIC NEVER DIES ein gehobenes Maß an Abwechslung, DIAMOND SKY ist eine der nächsten Uptempo-Brecher mit Mitsing-Potential. Wer mag, darf diese Nummer gerne mit dem Opener, FIND MY HEAVEN vergleichen – doch qualitativ geht es noch etwas erhabener zu. Ein sagenhaftes Soli, tolle Backgroundgesänge und der schlicht ‚übernatürliche‘ Touch machen Titel wie diesen zu einem Genuss.

Mit Nummern wie THE MESSAGE wird es nun ‚gefährlich‘, beziehungsweise gewagt – es geht in Richtung Ballade, und zwar zu 100 Prozent. Doch tatsächlich – auch das gelingt POWER QUEST nun erstmals wirklich zufriedenstellend. Das Ganze wirkt ehrlich, gesanglich angenehm und mit so manchem Höhepunkt garniert. Das folgende SOULFIRE setzt wiederum einen drauf, und präsentier sich als nächste super-eingängige Hymne mit einem der stärksten POWER QUEST-Refrains bisher. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht – man hört und spürt es in Fällen wie diesen, ob es jemand wirklich ehrlich mit seiner Musik meint. Hymne folgt auf Hymne – doch was sich dem Hörer nun in Form des andächtigen CHILDREN OF THE DREAM offenbart, gleicht einem weiteren hervorzuhebenden Geniestreich. Hier handelt es sich zweifelsohne um einen der ergreifendsten Titel des Albums – Melancholie und Selbstreflexion werden hier ganz groß geschrieben. Niemals wird man diesen Ausnahme-Titel missen möchten – schon allein deshalb, weil er es vermag den Hörer in seine eigene Kindheit zurückzuversetzen. Mit STRIKE FORCE, ANOTHER WORLD und dem Titeltrack MAGIC NEVER DIES geht es munter weiter – in bester Hymnen-Manier. Mal etwas ruhig-gemäßigter, mal deutlich flotter und epischer – POWER QUEST decken eine größere Bandbreite an Eindrücken ab als gedacht, und bewegen sich mit ihrer ‚Märchenhaftigkeit‘ und musikalischen Magie auf einem verdammt hohen Niveau.

Fazit: Wie bei bisher jedem POWER QUEST-Album gilt – selbsterklärte Feinde eines wie-auch-immer gearteten ‚Kitsches‘ im Heavy Metal, aufgepasst – diese Musik könnte nichts für Euch sein. Doch für die ist MAGIC NEVER DIES auch nicht geschaffen worden, eher für solche, die sich an tollen Melodien, fantasievollen Arrangements und reichlich Keyboardeinsatz erfreuen können und wollen. In dieser Hinsicht hieven POWER QUEST das Genre nun auf eine völlig neue Ebene – zweifelsohne ist das dritte Studioalbum der Engländer das bisher ausgereifteste, abwechslungsreichste, erhabenste. Das Versprechen, dass die (von der Musik ausgehende) Magie niemals stirbt, kann gehalten werden – zumindest, wenn POWER QUEST weiterhin so ausnahmslos gute Musik machen. Musik, die die Laune hebt, die inspiriert, und einfach nur Spaß macht. Ja, auch das kann die Kraft des Power Metal ausmachen ! Ein Resümee: das Debütalbum erhielt 6.0/10 Punkten, der Nachfolger 8.5/10; und nun… man siehe selbst. Bravo !

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Metal-CD-Review: POWER QUEST – Neverworld (2003)

Land: Großbritannien – Stil: Melodic Power Metal

Die Trackliste:

Neverworld (Power Quest Part II)
Temple Of Fire
Edge Of Time
Sacred Land
When I’m Gone
For Evermore
Well Of Souls
Into The Light
Lost Without You

Die (hoffentlich erhabene) Quest geht in die zweite Runde.

Vorwort: POWER QUEST sind zurück, und zwar in Lichtgeschwindigkeit. Zwischen ihrem Debütalbum WINGS OF FOREVER von 2002 und der aktuellen Scheibe, NEVERWORLD, liegen nun wahrlich keine endloser Produktionszeitraum. Es scheint, als hätte die Band (die zu ihrer Anfangszeit zweifelsohne als eine Art Ableger von DRAGONFORCE zu sehen war), etwas zu sagen – ob das ausgesprochene dabei auf taube Metal-Ohren stösst oder nicht, hängt dicher auch davon ab, ob die Engländer sich die Kritik zum Vorgänger zu Herzen genommen haben. Wie schon beim Einstandswerk gilt es auf NEVERWORLD 9 Tracks für sich zu entdecken (zumindest in der Standard-Version); die versprechen, wunderbar melodisch und hymnen-lastig daherzukommen.

Kritik: Den Silberling schnell eingelegt, und los geht’s – der Opener NEVERWORLD – POWER QUEST PART 2 beginnt durch die Boxen zu schallen. Und, damit ist den Jungs bereits die erste Überraschung gelungen: nicht nur, dass so ein sinniger Bogen zum Vorgängeralbum geschlagen wird (auf dem sich der erste Part befindet), auch der Sound wirkt nun endlich wunderbar druckvoll und satt produziert. Dies war einer der Hauptkritikpunkte am Vorgänger – wie auch das etwas penetrante und repetitive Schlagzeugspiel. Lauscht man nun den Klängen von NEVERWORLD, so muss man feststellen, dass diese Eindrücke der Vergangenheit angehören. Richtig – auch wenn sie erst 1 bis 2 Jahre zurückliegt, diesbezüglich ist der Unterschied gravierend. Solange das Ganze aber in eine derart auffällig-positive Richtung geht, soll es allen Melodic Metal-Liebhabern nur recht sein. Und nicht nur in Bezug auf die (technische) Qualität haben sich POWER QUEST enorm gesteigert – auch das Songwriting wirkt viel ausgefeilter, abwechslungsreicher; kurzum: unterhaltsamer. Mit einer Laufzeit von knapp 9 Minuten ist bereits der Opener eine recht ‚pompöse‘ Nummer – doch wirkliche Durststrecken gibt es keine. Endlich sind auch die Gitarren deutlicher in den Fokus gerückt, gleichzeitig klingen die Riffs viel kräftiger, versierter und stimmiger. Welch ein Quantensprung – neben all diesen essentiellen Verbesserungen gibt es nun ebenfalls ansprechende Soli-Parts (Gitarre und Keyboard), eine perfekte Songstruktur, einen angenehmen Gesangspart und einen dezenten, aber wirkungsvollen 80’er-Jahre-Touch.

Stichwort Gesangspart: Leadsänger Allessio Garavallo bewies bereits auf dem Vorgänger, dass er gerade die höheren Lagen meisterhaft beherrscht – auch wenn diese Art von Gesang nach wie vor als Geschmacksfrage zu bezeichnen ist. Nach wie vor gilt: wem bereits ein paar Keyboard-Anleihen, ultrahohe Powerscreams und süffisante Melodien im Heavy Metal zu viel des Guten sind, der wird auch keine Freude an und mit NEVERWORLD haben. Alle anderen aber werden dafür umso mehr belohnt, auch wenn man es in Sachen Eingängigkeit einstweilen fast schon übertreibt – TEMPLE OF FIRE ist hierfür ein passendes Beispiel. So kunterbunt, so ‚cheesy‘ kann Power Metal sein – man sollte eine entsprechend gute Laune als ‚Folge‘ einplanen. Aber im Gegensatz zu Werken anderer Bands und Genrevertreter wirkt das, was POWER QUEST hier machen niemals aufgesetzt oder übertrieben in Szene gesetzt – es scheint sie glauben an das was tun, und leben es auch. Umso vorteilhafter ist es da, wenn man sich zumindest ein stückweit auf diese (bunte) Metal-Welt einlassen kann, um ein Stückchen vom Kuchen der guten Laune und der Ohrwum-Melodien abzubekommen. Mit Titeln wie EDGE OF TIME serviert man nun auch wieder etwas gemäßigtere Midtempo-Stampfer im Retro-Outfit, die sich als sinnige Alternative zu etwaigen Balladen präsentieren. Markant: der stilsicher umgesetzte Refrain mit den dezenten Backing-Vocals, sowie der kultig anmutende 80’s-Synthiesound. Auch einen ausführlicheren Soli-Teil soll es hier geben, wobei der Faktor Abwechslung ganz groß geschrieben wird.

Und nun haben es also auch POWER QUEST geschafft – die Rede ist von der Schaffung einer zeitlosen Über-Hymne im Sinne etwaiger Vorbilder a’la HELLOWEEN oder STRATOVARIUS (ein Vergleich bietet sich immer auffälliger an), die sich auf ewig in das Gedächtnis brennen soll. Diese Nummer hört auf den Namen SACRED LAND, und ist bis dato das stärkste, was die Engländer an Output abgeliefert haben. Ein absolut unverkennbarer, einzigartiger Sound, sagenhafte Samples und eine Stimmung, die sich irgendwo zwischen majestätisch-erhaben und verspielt-melancholisch bewegt, runden den Titel ab und machen ihn zu etwas ganz großem. Hier gilt zweifelsohne: unbedingt einmal selbst reinhören, kaum ein anderer Titel steht so stellvertretend für die Qualität und die aufkommende Stimmung beim Genuss eines POWER QUEST-Albums. Und wer glaubt, dass es im Grunde keine Rolle spielt was die Jungs da eigentlich singen, der irrt – auch den Songtext sollte man sich einmal genauer zu Gemüte führen, eventuell wird man überrascht sein. Doch nun darf erst einmal weiter gefeiert werden, mit einem Instrumental, welches seinesgleichen sucht. Da erscheint es nicht weiter verwunderlich, dass die stark balladeske Folgenummer WHEN IM GONE in Sachen Spielfreude, Ausdruckskraft und Wirkung nicht wirklich mithalten kann – doch auch diese ruhigere Seite von POWER QUEST weiss zu überzeugen, gerade im Refrain; mit den verträumten Hintergrundgesängen und der Akustikgitarre. Zugegeben, in den Strophen wirkt das Ganze etwas zu künstlich und überladen – der enorme Keyboardeinsatz scheint einfach besser auf die Uptempo-Nummern zu passen als auf eine ‚andächtige‘ Ballade.

Der nächste Titel im Bunde ist FOR EVERMORE, der ein wenig wie eine Mischung aus der vorhergegangen Nummer und Nummer 3 des Albums, EDGE OF TIME wirkt. Verantwortlich hierfür sind die sich stark ähnelnden Samples und Spielweisen – nur in Sachen Druck und überschwänglicher Spielfreude legt man noch eine Schippe drauf. Somit gilt hier ein umgekehrtes Prinzip: FOR EVERMORE ist kein Lückenfüller, eher degradiert er Titel #3 und #5 zu eben solchen, da er die Stärken und Höhepunkte beider vereint. Das flotte WELL OF SOULS weist dann schon wieder deutlich mehr Eigenständigkeit auf, und brilliert zudem mit einem sehr starken Refrain in bester Hymnen-Manier. Auch INTO THE LIGHT macht Laune – beinahe ausnahmslos gute, beschwingte; versteht sich. Das sind eben POWER QUEST wie sie leiben und leben – schön sphärisch, schnell, melodiös und positiv-kitschig. Das über 10 Minute lange Finalstück LOST WITHOUT YOU stimmt dagegen wieder etwas nachdenklicher stimmende, balladeskere Töne an – und wird zusätzlich mit einer Gast-Performance von Sabine Edelsbacher (EDENBRIDGE) aufgewertet. So entsteht eine angenehme Halb-Ballade mit ausreichend Metal-Elementen und einem perfekten Maß an Abwechslung. Die 80’er leben hoch…

Fazit: Wer an die noch relativ frische Bandformation POWER QUEST Erwartungen hegte, die mit dem Debütalbum nicht ganz erfüllt werden konnten; wird sein Heilmittel in NEVERWORLD finden. Hier präsentieren die Britannier einen äusserst starken Nachfolger, der die schon vorhandenen Stärken des Vorgängers erneut aufgreift, unter der Einwirkung einer deutlich qualitativeren Produktion und anspruchsvolleren Arrangements aber zusätzlich aufwertet und in 9 sagenhaften Melodic Metal-Nummern verewigt. Miesepeter nicht erwünscht – auf NEVERWORLD regiert eine ungeheuer gute Laune und eine enorme Spielfreude, die sich teilweise auch auf den Hörer zu übertragen weiss. Und damit haben POWER QUEST schon viel erreicht.

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Metal-CD-Review: POWER QUEST – Wings Of Forever (2002)

Land: Großbritannien – Stil: Melodic / Neoclassical Power Metal

Die Trackliste:

Prelude To Destiny (Intro)
Wings Of Forever
Far Away
Glory Tonight
Power Quest (Part 1)
Beyond The Stars
Immortal Plains
Follow Your Heart
Freedom Of Thought
Distant Lands (Outro)

Eine neue ‚Quest‘ erscheint im Abenteuertagebuch.

Vorwort: Neuer Melodic Metal-Stuff aus England – eine Offenbarung oder doch eher ein unbeholfener Versuch, inmitten der Massen von zahlreichen Genrevertretern Fuss zu fassen ? So lange sind die Jungs der plötzlich das Licht der Welt erblickenden Bandformation POWER QUEST noch nicht im Geschäft – tatsächlich wurde die Band erst im Jahre 2001 gegründet. Verantwortlich hierfür zeichnete sich ein gewisser Steve Williams, der vorher bei DRAGON HEART tätig war – der Band, die später unter dem Namen DRAGONFORCE agieren und bekannt werden sollte. In der Tat ist die Geschichte der beiden Bands eng miteinander verknüpft, auch DRAGONFORCE-Leadsänger ZP Theart war auf der ersten POWER QUEST-Demo zu hören. Für das nun vorliegende Debütalbum WINGS OF FOREVER allerdings hat man Alessio Garavello als Frontstimme verpflichtet, der zusammen mit Gitarrist Andrea Martongelli von seiner eigenen Band ARTEMIS zu POWER QUEST gestoßen ist. Man sieht, ganz so leicht zu durchschauen ist das Line-Up und die betreffende Hintergrundgeschichte nicht – doch daran sollte man sich nicht weiter stören. Denn schließlich gilt es für POWER QUEST jetzt vorrangig, eine neue musikalische Geschichte zu schreiben. Im besten Fall, versteht sich.

Kritik: Das Album beginnt mit dem Intro PRELUDE TO DESTINY; einem beschwingt-leichten, knapp 2-minütigen Stück welches in etwa an eine Mischung aus 80’er-Jahre-Synthiesound, Computerspielvertonung und Filmsoundtrack erinnert. Was sich nach etwas schwerlich vorstellbarem anhört, klingt weder besonders spektakulär noch zu verbraucht – es handelt sich um ein solides, stimmiges Intro; nicht mehr und nicht weniger. Am spannendsten wird es natürlich, wenn erstmals die Gitarren und ein leichter Power-Scream zu hören sind – die Lust auf mehr machen und nun den Übergang zum Opener WINGS OF FOREVER bilden. In der Tat befindet man sich bereits jetzt mitten im POWER QUEST-Universum – und an das muss man sich zwangsläufig ersteinmal gewöhnen. Der Sound ist schnell, fetzig und überaus melodisch – aber eben auch extrem ’süßlich‘, wofür sich der ununterbrochene Keyboardeinsatz verantwortlich zeigt. Der sorgt hier und da für einen angenehm ’sphärischen‘ Eindruck, sodass eine gewisse Harmonie im Zusammenspiel mit den (typischen) Lyrics entsteht – doch Freunde eines eher ‚puristischen‘ Power Metals werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Dafür ist die Soundkulisse von POWER QUEST einfach viel zu überladen, und noch mehr: Drums und Gesang weisen eine gewisse Penetranz auf, die man aushalten muss. Alessio Garavello fällt dies nicht ganz so schwer, da er doch ein recht angenehmes Organ hat – doch gerade die Drums bieten wenig Abwechslung und sorgen für einen recht monotonen Eindruck des Liedgutes.

Besieht man das folgende FAR AWAY, wird dies ebenfalls ersichtlich. Im Grunde handelt es sich um eine absolut ‚catchy‘ Hymne voller positiver Energie, Mitsing-Potential und massiven Kitsch-Anleihen – was man alles noch auf der Positiv-Seite verbuchen könnte, zählt man sich zeitweise auch gern mal zu den Happy Metallern. Doch in den Instrumentals zeigen POWER QUEST noch ihre deutlichsten Schwächen: die Gitarren sind kaum zu hören und insgesamt eher zu vernachlässigen, die Drums ’scheppern‘ unentwegt in ein und derselben Manier; wobei eher höhe Töne zu vernehmen sind als beispielsweise ein satter, antreibender Double-Bass. Denn in der Tat erweist sich auch die Produktionsqualität als noch verbesserungswürdig, wenngleich sie solider wirkt als bei Debütalben vieler Genrekollegen. Es ist also wahrlich schade, dass die Band auf ihrem Debütalbum noch keine wirklich nennenswerte musikalische Diversität entfalten, in bester Happy Metal-Manier zelebrieren kann – Stücke wie GLORY TONIGHT hat man anderswo schön stilsicherer vorgetragen bekommen, und zudem mit einem weitaus druckvolleren Sound. Und, noch viel wichtiger: nicht unter der Ägide eines derart penetranten, repetitiven Schlagzeugs. Auch wenn die Gitarren hier – endlich – einmal etwas stärker in den Fokus rücken, so bleibt das POWER QUEST-Endprodukt ein vor Kitsch reichlich triefendes, sicherlich nicht für jedermann erträgliches.

Doch das Potential hin zur Erschaffung ganz großer Hymnen ist zweifelsohne gegeben – was besonders gut ersichtlich ist an Titeln wie POWER QUEST PART 1, einem Titel, der eine etwas ‚epischere‘ Herangehensweise an den Tag legt. Etwas stärkere Riffs, deutlich weniger Tempo, ein stärkerer Fokus auf den Gesang – so kann es gehen. BEYOND THE STARS dagegen erinnert stark an die ersten Stücke des Albums – hauptsache viel Tempo durch den unharmonisch klingenden Drum-Part, und ein supersüßer Kitsch-Refrain mit Ohrwurmpotential. Aber eben auch ein deutlich austauschbarer – wirkliche Hymnen werden auf WINGS OF FOREVER nicht präsentiert. IMMORTAL PLAINS fungiert nun erstmals als waschechte Ballade mit Piano-Geklimper und minimalen Instrumentalpart, wobei der Gesang klar im Vordergrund steht. Der klingt hier, zugegeben, etwas gewöhnungsbedürftig und gekünstelt – da Garavallo hier in tieferen Lagen singt, in denen er schlicht noch nicht die glaubwürdigkeit aufzeigen kann wie in den höheren, höchsten Lagen. Der weibliche Gastgesang dagegen klingt wunderbar und passend, sodass man sagen kann: insgesamt ist das Ganze noch als rund zu bezeichnen. Und nun die Überraschung: FOLLOW YOUR HEART stellt sich als echtes kleines Highlight heraus. Hier legen die Engländer einen der stärksten Songs des Albums vor – erstmals gerät das Ganze schön abwechslungsreich (Tempowechsel), einigermaßen gitarrenlastig und generell geschickt komponiert. Und auch das folgende FREEDOM OF THOUGHT vermag zu rocken – da haben POWER QUEST ihre stärksten Titel doch glatt im letzten Viertel des Albums versteckt. Das Outro DISTANT LANDS überzeugt ebenfalls durch einen deutlicher natürlicher wirkenden, ruhig-besinnlicher Klang; hauptsächlich getragen von den Gitarren. Man sieht, die Engländer können es doch… nur an der Umsetzung muss noch gefeilt werden.

Fazit: Die Grundlagen sind geschaffen – POWER QUEST liefern mit WINGS OF FOREVER ein rundum solides, allerdings weit von einer musikalischen Perfektion entferntes Einstandsalbum ab. Neben den enorm repetitiven Elementen wird man sich vor allem noch am stark monotonen, unausgegorenen Sound der Drums sowie an einer generellen ‚Flachheit‘ der Produktion stören. Ebenfalls ärgerlich, wenngleich auch beabsichtigtes Stilmittel: die Gitarren wirken enorm hintergründig, stattdessen dominieren die bittersüßen Keyboardteppiche nahezu jeden einzelnen Titel. In Sachen Gesang und Lyrics werden solide Leistungen dargeboten, doch etwas wirklich neues, restlos beeindruckendes sollte man nicht erwarten. Im Gegenteil, alles wirkt noch zu austauschbar, zu wenig eigenständig und überraschungsarm. Jedoch kann man Geschmack an der Band und ihrer Interpretation eines gute-Laune-Power-Metals finden – es bleibt zu hoffen, dass sich die Jungs bis zu ihrem nächsten Album noch deutlich verbessern werden.