Metal-CD-Review: ORION’S REIGN – Scores Of War (2018)

Alben-Titel: Scores Of War
Künstler / Band: Orion’s Reign (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. Oktober 2018
Land: Griechenland
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Pride & Joy Music

Alben-Lineup:

George Thanasoglou – Guitars
Noel Kardaris – Drums
Michael Batistatos – Guitars (lead), Bass
Kirk Gazouleas – Keyboards
Daniel Vasconcelos – Vocals

Track-Liste:

1. Elder Blood (05:57)
2. Together We March (05:18)
3. Gravewalker (06:01)
4. The Undefeated Gaul (04:20)
5. An Adventure Song (05:36)
6. Freedom Is Not Negotiable (04:51)
7. Nostos (02:56)
8. Warrior’s Pride (05:33)
9. Withering Heart (06:13)
10. Last Stand (04:24)
11. Ride to War (06:01)

Von den Nachwirkungen des nuklearen Winters.

Ja, sie sind wieder da. Beinahe exakt 10 Jahre nachdem sie ihr Debütalbum NUCLEAR WINTER als reine Independent-Produktion veröffentlichten, legen ORION’S REIGN endlich in Form eines neuen Langspielers über Pride & Joy Music nach. Selbiger horcht auf den Titel SCORES OF WAR, beinhaltet 11 Titel bei einer Gesamtspielzeit von einer knappen Stunde – und kumuliert in etwa das, was die Griechen in den letzten Jahren an Aktivität durchschimmern ließen. Das sie einiges an Talent haben, konnte man schließlich bereits aufgrund der zeitweise veröffentlichten Singles erahnen – die allerdings zumeist in Form von neu interpretierten Weihnachts-Titeln oder Cover-Versionen daherkamen. Umso schöner ist es, nun endlich wieder auch komplett eigenes Material aus der ORION’S REIGN-Schmiede auf die Lauscher zu bekommen – wobei es durchaus von Vorteil sein kann, wenn man dem Genre des eher symphonisch angehauchten Power Metals zugetan ist. Oder vielleicht sogar ganz explizit auf der Suche nach einem offiziellen (und durchaus würdigen Nachfolger) von ursprünglichen Pionier-Acts wie RHAPSODY OF FIRE ist, die zwar noch immer existieren – sich aber mittlerweile recht weit von ihren Wurzeln entfernt haben.

ORION’S REIGN dagegen scheinen sich gerade erst gefunden und auf eine musikalische Marschrichtung fokussiert zu haben – was sich im vorläufigen Ergebnis in Form des zweiten Studioalbums SCORES OF WAR schon einmal mehr als einfach nur hören lässt. Mit verantwortlich dafür sind natürlich die hervorragenden Leistungen der einzelnen Mitglieder, wobei vor allem Leadsänger Daniel Vasconcelos einen ebenso guten wie unverwechselbaren Eindruck hinterlässt – aber eben auch die im allgemeinen recht wohlklingende, dabei ebenso ausgewogene wie druckvolle Produktion. Während man derlei Aspekte durchaus als unbedingte Voraussetzung betrachten könnte – und das gerade in der heutigen Zeit und in Anbetracht des quantitativen Ansturms auf das Genre – setzten ORION’S REIGN aber noch eins drauf, und inszenieren sich als vergleichsweise aussagekräftige symphonische Combo mit einem Hang zum düsteren und (angenehm) theatralischen. Wobei, und das ist das schöne; auch gewisse Alleinstellungsmerkmale nicht zu kurz kommen. Dass gerade die ungemein wichtig sind, braucht man nicht zusätzlich erwähnen. Eine von so vielen weiteren Genre-Bands zu etablieren, dass kann schließlich jeder – doch wirklich zu überzeugen und auch nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben, gelingt zweifelsohne nicht jedem.

Glücklicherweise ist kaum zu verhehlen, dass ORION’S REIGN  diesbezüglich auf einem absolut richtigen Weg sind – und sich ihr SCORES OF WAR relativ problemlos von der Masse abzuheben vermag. Und das auch, wenn es das von einem quasi-Verschnitt von Morderkaiser (ein Charakter aus League Of Legends) verzierte Cover-Artwork zunächst nicht unbedingt vermuten lässt. Doch sei es der mächtig daherstampfende Opener ELDER BLOOD, die kongeniale Single-Auskopplung TOGETHER WE MRACH mit einem Feature von Tim „Ripper“ Owens, das beeindruckende THE GRAVEWALKER, das düstere THE UNDEFEATED GAUL oder das von Mark Boals und Bob Katsionis begleitete LAST STAND – ORION’S REIGN zeigen dem geneigten Hörer schnell auf, dass sie einiges in Petto haben. Vor allem natürlich wenn es darum geht, diverse Chor-Elemente sowie andere sonst in den symphonischen Gefilden des Genres übliche klangliche Raffinessen in ihre Kompositionen einzubauen – was hier interessanterweise so unverbraucht und erfrischend klingt wie sonst schon lange nicht mehr. Der etwas weiter oben anberaumte RHAPSODY-Vergleich kommt also vielleicht doch nicht ganz von ungefähr, jedoch viel eher in Bezug auf die etablierte Wirkung als hinsichtlich des letztendlich doch alles andere als deckungsgleichen Sounds. Glücklicherweise, relativ eindeutige RHAPSODY-Klone gibt es schließlich ohnehin genug.

In jedem Fall ist es nicht abwegig, ORION’S REIGN als vielversprechende neue Pioniere des Symphonic Metal-Genres zu bezeichnen – die die Konkurrenz schon jetzt alt aussehen lassen können. Vielleicht ja auch oder gerade, da sich die Griechen eher klassisch geben und allerlei Erinnerungen an die glorreichen Tage des Symphonic Power Metals wach werden lassen – und dass ohne vorangegangenes bloß zu wiederholen – sodass insbesondere Freunde der in den frühen 2000ern in Italien aufgekommenen Genre-Strömungen in Form von Bands wie eben RHAPSODY, LUCA TURILLI oder THY MAJESTY nun ein wahres Freudenfest zu Ehren ORION’S REIGN feiern können. Aber auch Anhänger eines eher in Richtung BLIND GUARDIAN orientierten Riff-orientierten Sounds mit starken Leadvocals (der feucht-fröhliche AN ADVENTURE SONG und das hymnische WARRIOR’S PRIDE bedienen eben genau diese Sparte) oder klassischer True Metal-Wuchthymnen (RIDE TO WAR, was dezent an MANOWAR oder MAJESTY erinnert) sollten getrost einen intensiveren Blick riskieren. Was die Zukunft des Genres betrifft, steht somit vor allem eines fest: ORION’S REIGN sollte man auf dem Schirm haben.

Absolute Anspieltipps: ELDER BLOOD, TOGETHER WE MARCH, THE GRAVEWALKER, LAST STAND


„Einem geschenkten Gaul schaut man nichts ins Maul, oder: von einer Cover-Band zu einem waschechten Biest.“

ORION’S REIGN (GRE) – The Undefeated Gaul Official Video & Together We March Lyric Video (2018)

Dieser Gaul ist alles andere als lahm.

Gegen Ende des Jahres tut sich noch einmal was in der Power Metal-Szene. So auch im Hinblick auf die aus Griechenland stammende Combo ORION’S REIGN, die die letzten Jahre eigentlich nur kleinere Singles veröffentlicht hat. Nun aber soll mit SCORES OF WAR endlich der Nachfolger zum 2008 erschienen Debütalbum NUCLEAR WINTER erscheinen. Es wird spannend – und offenbar auch recht qualitativ. Die beiden bereits veröffentlichten Tracks machen jedenfalls ordentlich was her.