Metal-CD-Review: Orden Ogan – Gunmen (2017)

Alben-Titel: Gunmen
Künstler / Band: Orden Ogan (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. Juli 2017
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobi – Guitars
Sebastian „Seeb“ Levermann – Vocals, Guitars, Keyboards
Niels Löffler – Bass
Dirk Meyer-Berhorn – Drums

Track-Liste:

1. Gunman (05:17)
2. Fields of Sorrow (06:43)
3. Forlorn and Forsaken (04:48)
4. Vampire in Ghost Town (06:16)
5. Come with Me to the Other Side (06:14)
6. The Face of Silence (06:14)
7. Ashen Rain (03:53)
8. Down Here (Wanted: Dead Or Alive) (03:15)
9. One Last Chance (05:15)
10. Finis Coronat Opus (08:48)

Gut bestückt… und schwer bewaffnet.

GUNMEN ist das mittlerweile sechste offizielle Studioalbum von ORDEN OGAN – einer bereits 1996 Power Metal-Formation aus Deutschland, die sich im Laufe der Jahre mehr als gemausert hat. Und: die spätestens mit ihrem Vertrag beim recht erfolgreichen Genre-Label AFM Records eine entsprechend große Fangemeinde um sich scharen konnte – was den Vollblut-Musikern auch allemal zu gönnen ist. Sicher auch, da sie sich bei ihren Studioalben eigentlich noch nie die Blöße gegeben und darüber hinaus klare Alleinstellungsmerkmale entwickelt haben – sodass man als geneigter Genre-Fan gerade mit den beiden letztaktuellen Alben TO THE END (siehe Review) und RAVENHEAD (Review) kaum etwas falsch machen konnte und kann. Umso spannender ist die Frage, ob auch das groß angekündigte neue Album GUNMEN hält was es verspricht – und sich damit problemlos in die Riege der gelungenen ORDEN OGAN-Alben einreihen kann. Dabei konnten sich eingefleischte Fans und interessierte schon vorab einen ungefähren Eindruck verschaffen: sowohl der Titeltrack GUNMEN als auch FIELDS OF SORROW wurden kurz vor dem eigentlichen Alben-Release als Appetit-anregende Singles veröffentlicht.

Eben jene beiden Titel sind es dann auch, die das mit 10 vollwertigen Nummern bestückte Album einleiten – welches mit dem Wegfall eines sonst obligatorischen Intros, Outros und sonstiger Zwischenspiele recht kompakt daherkommt, dank der Spielzeit von knapp einer Stunde aber dennoch ausreichend neues ORDEN OGAN-Material bereithält. Material, das zweifelsohne dazu in der Lage ist die Geister zu scheiden – und das nicht nur aufgrund des eher ungewöhnlichen, sicher nicht unproblematischen Western-Themas. Denn: nicht jeder wird sich mit dem mittlerweile fest etablierten, typischen ORDEN OGAN-Sound im Fahrwasser von Bands wie BLIND GUARDIAN anfreunden können. Wobei, und das ist das besondere: es eigentlich immer ausreichend Argumente für die eine oder andere Seite gibt. So lassen sich bereits zum Auftakt des Albums, respektive innerhalb der beiden als Singles ausgekoppelten Titel GUNMEN und FIELDS OF SORROW entsprechende Anhaltspunkte finden. Grundsätzlich handelt es sich hier um zwei starke Genre-Nummern mit einem hohen Wiedererkennungswert – die sich hinsichtlich ihres von den Mitgliedern an den Tag gelegten Handwerks, der Qualität des Songwritings sowie insbesondere der wuchtigen instrumentalen Passagen beileibe nicht verstecken müss(t)en.

Und doch gibt es da etwas, was den potentiellen Hörgenuss teils merklich trüben könnte. Da wäre beispielsweise die Tatsache, dass der hiesige Leadsänger Sebastian „Seeb“ Levermann zwar eine recht markante Stimme hat und sich im Hinblick auf das Genre durchaus von seinen zahlreichen Kollegen abhebt – aber dennoch niemals so agiert, als würde er wirklich alles geben. Anders gesagt: wenn es nicht die fehlende (Aussage-)Kraft ist die man als störend empfinden könnte, ist es die fehlende Variabilität. Oder aber, und das führt einen schnell zum wahren Knackpunkt von GUNMEN – die eher ungünstige Abmischung sowie die weite Teile des Albums tragenden Unterstützungen seitens der Chöre. Schließlich stellt sich gerade bei diesen nicht selten das Gefühl ein, als hätte man sie im Verhältnis zur im schlimmsten Fall als monoton zu bezeichnenden Leadgesangsdarbietung dringend benötigt – andererseits, und das wiegt noch etwas schlimmer; klingen sie aber auch einfach nicht gut. Woran genau das liegt ist schwer zu sagen – die den Gesang allgemein eher benachteiligende, so gesehen das Ganze eher aufweichende Abmischung und Produktion ist hier aber sicher nicht unbeteiligt.

Fest steht aber: vergleicht man die Chöre von ORDEN OGAN mit anderen – etwa den sich gut für eine Gegenüberstellung anbietenden, meist kongenialen Chor- und auch Keyboard-Kreationen von Phil Giordana (FAIRYLAND) – so steht schnell fest, wer hier die Hosen an hat. Oder besser gesagt: wer am ehesten dazu in der Lage ist, aus vergleichsweise geringen Mitteln großes herauzuholen. Immerhin: das leicht progressiv angehauchte COME WITH ME TO THE OTHER SIDE ist eine echte positive Überraschung, und einige der anderen Nummern lassen einen zumindest stellenweise aufhorchen. Insgesamt betrachtet aber offenbart GUNMEN zu viele Probleme. Probleme auf einem vergleichsweise hohen Niveau – und solche, die eher nicht in Verbindung mit dem eigentlichen Western-Konzept stehen. Aber dennoch: der in so gut wie jeder Nummern anberaumte, dabei aber nicht immer aufgehende symphonische Pomp; die deutlich überakzentuierten bis schlicht nervigen Chöre, der etwas zu gradlinige Leadgesang und das Ausbleiben klar auszumachender Highlights hinterlassen einen faden Beigeschmack. Dem Album bleiben so nur seine guten handwerklichen Aspekte, zahlreiche atmosphärische Instrumentalstrecken sowie einige gelungene Soli – doch das ist für eine Band wie ORDEN OGAN einfach etwas zu wenig.

Absolute Anspieltipps: COME WITH ME TO THE OTHER SIDE


„Ein solides Handwerk und ein grundsätzlich funktionierendes Songwriting treffen auf einen zunehmend problematischen Leadgesang und eine ärgerliche Überproduktion inklusive der vermutlich ungünstigsten Power Metal-Chöre der letzten Jahre.“

Metal-CD-Review: ORDEN OGAN – Ravenhead (2015)

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Alben-Titel: Ravenhead
Künstler / Band: Orden Ogan (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. Januar 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobi – Guitars
Seeb – Vocals, Guitars, Keyboards
Niels – Bass, Vocals (choirs)
Dirk – Drums

Track-Liste:

1. Orden Ogan (01:26)
2. Ravenhead (06:06)
3. F.E.V.E.R (04:24)
4. The Lake (04:16)
5. Evil Lies in Every Man (05:45)
6. Here at the End of the World (05:02)
7. A Reason to Give (04:32)
8. Deaf Among the Blind (05:06)
9. Sorrow Is Your Tale (05:43)
10. In Grief and Chains (02:13)
11. Too Soon (03:51)

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte…

Es gibt sie immer noch – Bands aus deutschen Landen, die sich im Verlauf der letzten Monate und Jahre wahrlich gemausert haben. Bei manchen verläuft dieser Prozess eher hintergründig und im stillen ab, bei anderen wiederum unter den Augen der Welt – wie sicherlich auch bei ORDEN OGAN und ihrer stetig wachsenden Fangemeinde. Dabei war es zunächst recht still um die Band aus Nordrhein-Westfalen, die im Zeitraum von ihrer Bandgründung im Jahre 1996 bis in das Jahr 2007 nur ein einziges Album (TESTIMONIUM A.D., 2004) veröffentlicht hatte. Mit dem Jahre 2008 kam jedoch der Umschwung, und sei er nur gefühlt – und mit ihm allerhand neues, zumeist verdächtig hochkarätiges Material. So kommt es, dass auf das letztaktuelle und im allgemeinen sehr gut angenommene Studioalbum TO THE END aus dem Jahre 2012 (Review) schon das nächste folgt – das vielversprechende, 11 Titel starke RAVENHEAD. Ein Album, von dem man im besten Fall bereits gehört hat; und sei es in Form der bereits im Dezember 2014 veröffentlichten Singleauskopplung F.E.V.E.R. – ein Titel, zu dem auch ein entsprechendes Musikvideo abgedreht wurde.

Mit dem nun veröffentlichten Album zeigt sich dabei zunächst eines: der vermittelte Ersteindruck der Single und des Videos, sowie den Hörproben scheint in diesem Fall sehr gut mit der Qualität des finalen Produktes zu harmonieren. ORDEN OGAN sind schon längst keine Nischen- oder Spartenband mehr, sie sind eine feste Größe im Bereich des deutschen Power Metal. Eine Größe, bei der nicht nur der immer weiter wachsende Bekanntheitsgrad Bände spricht – sondern glücklicherweise auch das bisher entstandene Material. RAVENHEAD ist dabei insofern eine Überraschung und ein weiterer Meilenstein, als dass man dieses Mal zu keinem Zeitpunkt mehr von potentiellen Schwächen hinsichtlich der Qualität des Materials, der Inszenierung oder etwaigen handwerklichen Leistungen sprechen kann. Das Album schrammt so nah an der theoretischen Perfektion, dass vor allem Freunden des Genres das Herz aufblühen oder ein Licht aufgehen sollte – und das interessanterweise auch ganz ohne einen jeglichen, oftmals fast schon obligatorischen Kitsch-Faktor.

Diese Anleihen scheinen ORDEN OGAN schon lange abgelegt zu haben – sodass die perfekte Symbiose aus härteren und absolut hymnentauglichen Momenten auch auf RAVENHEAD sehr gut zur Geltung kommt. Dabei ist es vor allem der insgesamt eher bodenständige, geerdete Eindruck, der begeistert – wobei es derzeit wohl nur ORDEN OGAN gelingt, dass einem Album trotz eben jener Bodenständigkeit eine gewisse epische Gesamtwirkung ebenfalls nicht abhanden kommt. Das liegt zweifelsohne auch den schmackigen, gut abgemischten Männer-Chören, die das Antlitz so manchen Titels auf RAVENHEAD zieren – warum auch nicht, handelt es sich hier um ein weiteres starkes Alleinstellungsmerkmal. Eines, das einerseits wunderbar markant ist – sich andererseits aber auch nicht allzu schnell abnutzt. Aber auch die Gitarren bekommen ausreichend Raum, sich zu entfalten. Im Zusammenspiel mit dem mehr als soliden Drumming entsteht so schnell eine schön druckvolle Kulisse – die dann auch noch von einem vergleichsweise außergewöhnlichen Sänger wie Sebastian „Seeb“ Levermann aufgegriffen und zusätzlich garniert wird. So vermag man oftmals kaum zu sagen, ob es nun jene gewisse Rauheit und Andersartigkeit ist, die ORDEN OGAN auszeichnet – oder die offerierte Melodiösität. Im wahrscheinlichsten Fall sollte man alle drei Begriffe miteinander kombinieren, und noch das kleine Wörtchen Perfektion mit in den großen Topf werfen – und fertig ist ein überraschend fein abgestimmtes Gesamtprodukt.

Somit bleibe eigentlich nur noch zu klären, in wie weit das sehr gute Album (das ist es in jedem Fall) eine Chance auf die allerhöchsten Etagen bezüglich des Power Metal-Siegertreppchens hat. Das muss wohl ein jeder für sich selbst entscheiden – im Sinne der Vollständigkeit dieses Reviews spräche wohl auch nur eine Sache dagegen. Und zwar die, dass sich ORDEN OGAN auf RAVENHEAD durchgängig von ihrer besten Seite zeigen – diese qualitative Grenze aber zu keinem Zeitpunkt überraschend durchbrechen. Im positiven Sinne, versteht sich – und in Form einer wahren Ausnahme-Nummer, auf die man immer wieder zurückgreifen würde oder wollte.

Kurzum: RAVENHEAD ist das vielleicht beste bisherige ORDEN OGAN-Album – schlicht, da die Band weiter an ihrem Sound gefeilt und der theoretischen Perfektion verdächtig nahe gebracht hat. Markant sowohl im Sinne der offerierten Qualität und in Form eines Aushängeschilds sind der allgemein bodenständige Eindruck gepaart mit einem Hang zu einer ungekünstelten Epik, die wuchtigen Männerchorgesänge und die Vollendete Beherrschung der Instrumente in Zusammenhang mit einer perfekten Vor- und Nachbearbeitung (Produktion, Abmischung, Mastering). Das einzige, was dann mitunter auf der Strecke bleiben kann ist das markante Aha-Erlebnis im einzelnen – vielmehr ist es die Gesamtzahl der Titel, das Album als Ganzes welches eine entsprechende Wirkung entfaltet. Eine einstweilen etwas zu gleichförmige vielleicht, hie und da hätte man aus der etablierten Atmosphäre ausbrechen können oder sollen – aber immerhin geht es hier um Kritik auf hohem Niveau. die Scheibe kann allen bedenkenlos ans Herz gelegt werden, die einen Power Metal Made In Germany schon immer etwas abgewinnen konnten, oder einfach mal erleben wollen welche späten Früchte Combos wie HELLOWEEN oder GAMME RAY hervorgebracht haben.

Absolute Anspieltipps: Alle


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„Das I steht fest wie ein Fels in der Brandung – wenn überhaupt fehlt nur noch das Tüpfelchen.“

Metal-CD-Review: ORDEN OGAN – To The End (2012)

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Album: To The End | Band: Orden Ogan (weitere Band-Inhalte)

Land: Deutschland – Stil: Power Metal – Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobi – Gitarre
Nils – Keyboard, Gesang (Backing)
Sebastian „Seeb“ Levermann – Gesang (Lead), Gitarre, Keyboard
Niels Löffler – Bass
Dirk Meyer-Berhorn – Schlagzeug

01 The Frozen Few 01.56
02 To The End
05.52
03 The Things We Believe In 05.05
04 Land Of The Dead 04.42
05 The Ice Kings 04.54
06 Till The Stars Cry Out 06.16
07 This World Of Ice 04.43
08 Dying Paradise 06.07
09 Mystic Symphony 04.16
10 Angels War 07.20
11 Take This Light 03.33

Wenn es mit uns schon zuende geht, dann doch wenigstens mit entsprechenden Hymnen.

Vorwort: ORDEN OGAN – das ist der etwas merkwürdig anmutende (irgendwie möchte man immer ein zusätzliches R zwischen das O und G setzen) Name einer deutschen Power Metal-Band, die seit 1996 ihr Unwesen treibt. Oder eher gegenteiliges – schließlich reagierten Kritiker und Fans mit Wohlwollen auf die bisherigen Releases, sodass die Band eine immer größere Fangemeinde um sich scharen konnten. Dies, und einige entsprechende Vorab-Ankündigungen und Trailer sorgten auch dafür, dass TO THE END besonders heiss erwartet wurde. Nach etwa einem gutem halben Jahr Verspätung erschien es nun endlich – als Nachfolgealbum von EASTON HOPE (Review) und als potentieller weiterer Meilenstein in der Bandgeschichte. Werden die Hoffnungen der Fans bedient – oder waren die Erwartungen inzwischen einfach zu hoch geworden ? Eine rhetorische Frage – denn eingefleischte Fans von ORDEN OGAN werden sich sowieso begierig auf das neue Werk stürzen, welches passenderweise ein wintertaugliches Cover-Artwork ziert. Doch wagen wir einen genaueren, möglichst unbeeinflussten Blick.

Kritik: TO THE END beinhaltet 11 Titel in der Standard-, 13 Titel in der Limited Edition – uns soll in dieser Hinsicht erst einmal die Standard-Variante reichen, Bonustracks sind ja ohnehin nur als nette Dreingabe zu sehen; auch wenn sie ein Album einstweilen dann doch noch ab- oder aufwerten könn(t)en. Es erklingt also THE FROZEN FEW, das etwa 2-minütige Intro – welches im Gegensatz zum Vorgänger nun deutlicher weniger symphonisch, als vielmehr angenehm schwermetallisch ausfällt. Taste this riff, it’s fucking tasty würde hier wohl mancher gerne schreien – und in der Tat, man hält es noch wenig spektakulär und eher simpel; aber doch recht aussagekräftig. Mit dem Opener und Titeltrack TO THE END bestätigt sich nun auch eine von manchen gehütete Hoffnung: die Gitarren stehen wieder deutlicher im Vordergrund, und sorgen für eine ordentliche Portion Melodie und Härte. Man sieht, wie einfach es doch sein kann, den Hörer zu begeistern und zu fesseln – etwa mit Riffs wie diesen, die einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen werden. Auch sonst klingt die Nummer deutlich klarer strukturiert und organisiert, einzelne Knackpunkte des Vorgängers werden nun bereinigt – wie etwa im Hinblick auf den Chorgesang. Der fällt nun deutlich weniger aufdringlich und künstlich aus, während auch der Soli-Part und das Schlagzeugspiel weitaus ‚lebendiger‘ und organischer klingen.

Was nun noch fehlt, ist ein kultverdächtiger Refrain – den gibt es allerdings erst in der Folgenummer THE THINGS WE BELIEVE IN serviert. Auch hier zeigt sich: weniger ist manchmal mehr. Der Sound wirkt im Gegensatz zum Vorgänger deutlich ‚entschlackter‘ (in positiver Hinsicht), klarer – ohne dass man befürchten müsste, dass stattdessen ein gewisser Kuschelfaktor auftreten würde. Auch Leadsänger Sebastian „Seeb“ Levermann scheint seine Stimmlage gefunden zu haben, und begeistert nun durch eine bemerkenswerte Kontinuität und unterschwellige Präsenz. Es folgt LAND OF THE DEAD – ein Stück, welches erneut den Fokus auf die Gitarren statt auf überschwängliche Keyboard-Eskapaden legt. Lediglich der Refrain könnte etwas mehr Pfeffer vertragen – die Chörgesänge klingen etwas zu weich, zurückhaltend und künstlich aufgeblasen. THE ICE KINGS ist wiederum eine Ballade, die vor allem durch den glasklaren, emotionalen Gesang und die Akustikgitarre an Wert gewinnt. Später kommen noch die schweren Gitarren im Refrain hinzu, während sich die symphonischen Elemente dezent im Hintergrund halten. Alles in allem eine schöne, atmosphärische und ‚entschleunigende‘ Nummer – lediglich der Wunsch nach ein wenig mehr Mystik (bei einem abenteuerlichen Textinhalt wie diesem) könnte gerade in Bezug auf den beinahe zu fröhlichen Refrain unbeantwortet im Raum stehen bleiben.

TILL THE STARS CRY OUT bietet nun ein eher unglückliches Schauspiel, welches in dieser Form auch des öfteren auf dem Vorgängeralbum vertreten war. Die Nummer beginnt noch super-knackig, und bietet einen kultverdächtigen Instrumentalteil – doch die Chorgesänge wissen diesen pompösen Eindruck wieder etwas zu schmälern. Es ist, wie es ist – nicht jede Band ist in der Lage, ihren Power Metal mit entsprechend schmackigen und passigen Chören auszustatten; erst Recht wenn einem weniger Möglichkeiten oder Mittel zur Verfügung stehen. Wobei auch das nicht immer von Bedeutung ist – selbst FAIRYLAND haben auf ihrem Debüt OF WARS IN OSHYRIA deutlich wohlklingendere Chöre. Der rassige Power Metal-Instrumentalteil (der im weiteren Verlauf des Liedes hie und da wieder auftritt), will einfach nicht Recht zu den langatmigen Chorgesängen passen. Das episch inszenierte THIS WORLD OF ICE erinnert nun ein wenig an THE BLACK HEART vom Vorgängeralbum – bleibt aber doch deutlich hinter diesem zurück. Etwas zu verwaschen klingen die Chöre und Gitarren, die Songstruktur offenbart keine nennenswerten Höhepunkte. So kommt es, dass der gut gemachte Auftakt und Ausklang dieses Titels weitaus spannender und erhabener klingen, als das dazwischenliegende.

Doch es wird wieder besser – und zwar nicht zu knapp. DYING PARADISE und MYSTIC SYMPHONY sind zwei Nummern, gegen die man wahrlich nichts sagen kann. Hier stimmt wieder alles: es gibt eingängige Riffs am Fliessband, besser platzierte Chorgesänge, wohldosierte Keyboard-Elemente (bei MYSTIC SYMPHONY allerdings schon wieder hart an der Grenze), ein mitreißendes Tempo bei immer wieder eingestreuten, abwechslungsreichen Passagen – was will man mehr ? Vielleicht ja eine Nummer wie ANGELS WAR, die aufgrund des etwas anders intonierten Gesangsparts überraschenderweise an KELDIAN erinnert, zumindest zu Beginn. Davon abgesehen liefern ORDEN OGAN hier den längst überfälligen Beweis, dass sie es auch vermögen im Midtempo Spannung zu erzeugen. Die nötigen Mittel hierfür: ein sattes, bassiges Instrumental-Brett inklusive genialer Rifflinien, ein lebendiges Schlagzeug, ein variabler aber bedachter Gesang; Abwechslung in Form von Tempowechseln und Instrumentalpassagen. Super Sache, das. Bleibt nur noch das abschließende TAKE THIS LIGHT – mit etwas über 3 Minuten eine vergleichsweise kurzer, aber dennoch zu Herzen gehende Nummer mit reichlich Balladen-Potential. Das Piano fügt sich perfekt in die Komposition ein, der Gesang wirkt überraschend ehrlich und verdammt intensiv – so kann es also auch gehen. Kitsch klingt jedenfalls ganz anders.

Fazit: TO THE END offenbart dem Hörer ein Wechselbad der Gefühle – und dem Rezensenten ein Hadern mit seiner Wertungsvergabe. Einfach ausgedrückt: es beginnt mit einem grundsoliden, noch nicht ganz so spektakulären Auftakt; den man für sich betrachtet in einem Wertungsbreich von 70-80 Punkten ansiedeln könnte. Im Mittelteil sackt das Potential dann plötzlich auf gefühlte 40-50 Punkte ab; nur um gegen Ende auf gefühlte 100 Punkte zu steigen. Das sind jeweils etwa 3 bis 4 Titel in den entsprechenden Wertungsbereichen – eine vielleicht krude Rechnung, aber man sollte es so nachvollziehbar wie möglich halten. Das ebenfalls dieses Jahr erschienene, teils deutliche inhaltliche Parallelen aufweisende KINGS WILL FALL von WINTERSTORM kann TO THE END dann aber doch mit Leichtigkeit übertreffen, und bugsiert sich so schon einmal in eine gefühlte Power Metal TOP 10 des Jahres 2012. Vom Dasein als bestes Genre-Album des Jahres ist TO THE END gerade bei der starken Konkurrenz dann aber doch noch ein stückweit entfernt. Da das Album aber in jedem Fall sowohl anspruchsvoller als auch eingängiger ausgefallen als der Vorgänger EASTON HOPE, sollte man dieses 2012’er Release keinesfalls unter den Tisch kehren, weder als Teil der ORDEN OGAN-Diskografie noch als eigenständiges Werk. Fans werden ohnehin zuschlagen, alle anderen können vorab versuchen, sich mit den beiden offiziellen Videoclips zum Album anzufreunden.

Anspieltipps: DYING PARADISE, MYSTIC SYMPHONY, ANGELS WAR, TAKE THIS LIGHT + Videos

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Metal-CD-Review: ORDEN OGAN – Easton Hope (2010)

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Album: Easton Hope | Band: Orden Ogan (weitere Band-Inhalte)

Land: Deutschland – Stil: Power Metal – Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Sebastian „Seeb“ Levermann – Gesang, Gitarre
Tobi – Gitarre
Lars Schneider – Bass
Ghnu – Schlagzeug
Nils – Keyboard

01 Rise And Ruin 02.16
02 Nobody Leaves
05.57
03 Goodbye 04.10
04 Easton Hope 06.49
05 Welcome Liberty 05.46
06 All These Dark Years 05.47
07 Nothing Remains 06.46
08 Requiem 04.58
09 We Are Pirates 07.34
10 The Black Heart 06.00
11 Of Downfall And Decline 08.51

Was auch immer der Bandname bedeutet – er klingt so abenteuerlich wie die Musik.

Vorwort: ORDEN OGAN existieren bereits seit 1996, und lieferten aus ihrem Basislager in Nordrhein-Westfalen seit jeher nur allzu gerne angenommenen Genre-Stoff für Fans und Freunde ab des Folk- (früher) oder auch Power Metal (später) ab.  Nach den ersten Demos, dem Debüt-Album aus dem Jahre 2004 und einem weiteren Album  stand 2010 dann der Langspieler EASTON HOPE ins Haus. Ein vielversprechendes Werk – und vielleicht auch ein weiterer Meilenstein in der Band-Diskografie ?

Kritik: Könnte man einen Einstieg in ein vielversprechendes Power Metal-Album besser oder epischer gestalten, als mit einem Intro wie RISE AND RUIN ? In der Tat klingt das Ganze stark nach einer ansprechenden Film-Musik aus entsprechend versierter Feder. Hier gibt es wahrlich nichts zu bemängeln – sodass der Übergang zum Opener NOBOY LEAVES voller mannigfaltiger Erwartungen erfolgt. Und, diese waren in diesem Fall gar nicht mal zu hoch angesetzt – ORDEN OGAN können von den ersten Akkorden an überzeugen. Vor allem durch den enorm melodischen anmutenden Power Metal-Anspruch – aber  auch aufgrund der bemerkenswerten Performances der einzelnen Mitglieder. Leadsänger Sebastian „Seeb“ Levermann besitzt ein vergleichsweise einzigartiges Organ, und weiss dies auch entsprechend in Szene zu setzen. Seine etwas bodenständigere, rauere Art (inklusive gefühlsreicherer Variationen) bietet so eine willkommene Abwechslung zu den nur allzu oft vertretenen High-Pitched und Scream-Vertretern des Genres. Aber auch die Gitarren klingen verdammt satt und versiert gehandhabt, ebenso wie Bass und Schlagzeug. Die zwar etwas behelfsmäßig klingenden, aber doch wirksamen Männerchöre unterstützen die reichlich schmetternde und bassige Wirkung, in Sachen Keyboard hält man sich noch gepflegt zurück – eine gute Entscheidung, wie sich herausstellt. Alles in allem handelt es sich um einen rassigen Power Metal-Opener, den man nicht besser hätte inszenieren können.

Mit dem folgenden GOODBYE wird der Klangeindruck nun noch etwas vielfältiger. Hier werden verschiedene musikalische Ansätze zu einem neuen, großen Ganzen verwoben – etwa durch die progressiven Anleihen und den Tempowechseln,den symphonischen Soundtrackklängen oder dem scheinbar über allem schwebenden Refrain. Auch wenn das Schlagzeug für ordentlich Druck sorgt, ist der Titel tempotechnisch eher gemäßigt ausgefallen – und dennoch besitzt er eine recht mitreissende Wirkung; nicht zuletzt durch die übertragenen Emotionen (eindringlich-aggressiv in den Strophen, verschwörerisch im Refrain). Ganz ähnlich geht es auch im Titeltrack EASTON HOPE zu – nur, dass das Liedgut entsprechend dem Dasein als Titeltrack deutlich epischer und abwechslungsreicher ausfällt. Nach einer Nummer mit einer vergleichsweise einfachen Struktur kommt dergleichen natürlich gerade richtig. Wenn man so will, könnte man gar Parallele zu den schwedischen Kollegen von DRAGONLAND feststellen; die Riffs und die symphonischen Elemente lassen jedenfalls darauf schließen. Das Problem ist nur, dass der Sänger das Arrangement dann doch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt, und für einen etwas raueren, wenn nicht gar schieferen Grundton sorgt als beispielsweise eben genannte Vergleichsband. Dennoch, dafür dass ORDEN OGAN grundsätzlich nicht als Symphonic Power Metal-Band zu bezeichnen sind, schrammen sie überraschenderweise recht oft an den Grenzen dieser Definition. Das klingt dann manchmal recht ordentlich, manchmal aber eben auch etwas zu gewollt.

Dies bestätigen auch Titel wie WELCOME LIBERTY – die eine recht satte, aber auch leicht verwaschene Sound-Kulisse offenbaren. Aber immerhin, neben den eingängigen, gut inszenierten Chorgesängen sorgen hier die etwas rauere, stampfende Midtempo-Strophen für einen wunderbaren Gegensatz in Bezug auf den pompösen Refrain und die stimmungsmachenden Instrumental-Passagen. Auch ALL THESE DARK YEARS vereint abermals verschiedene Genre-Ansätze in einem reichhaltigen Klangbild. Zu Beginn noch ein recht geradliniges, Riff-gelandenes Metal-Stück mit einer Prise Keyboard im Hintergrund geht es plötzlich hinüber ins balladeske – wo sich Leadsänger Sebastian „Seeb“ Levermann nun von einer gänzlich anderen, aber doch überraschend angenehmen Seite zeigen kann. Natürlich bleibt es nicht bei der einen Wandlung, für Abwechslung ist reichlich gesorgt. Was dann allerdings doch eher negativ auffällt ist der geradezu ’sphärische‘ Refrain, der ruhig noch ein stückweit härter, respektive ‚peppiger‘ hätte ausfallen können. Der Chorgesang klingt hier irgendwie ‚unecht‘ und lasch, zudem erinnert er ein wenig an KELDIAN – nur dass diese derlei kosmische Erfahrungen einfach deutlich besser inszenieren können. Etwas schade ist auch, dass trotz der enormen Abwechslung und Klangvielfalt nun schon 4 Titel in Folge einen ähnlichen emotionalen Eindruck transportieren (besonders durch die Refrains) – einen etwas diffusen, leicht melancholischen; in jedem Fall aber nicht wirklich spektakulären oder ergreifend-emotionalen. Es scheint, als hätte sich hier etwas emotionale Kühle eingeschlichen, die einem technischen Anspruch hat weichen müssen.

Leider wird das auch mit dem folgenden NOTHING REMAINS nicht wirklich besser – es zeigt sich, dass die Musik von ORDEN OGAN zwar aus vielerlei Elementen besteht, eine etwas klarere, zielstrebigere Richtung aber vielleicht auch nicht ganz verkehrt wäre. Diese Feststellung bestätigt sich nun auch durch die beiden Folgetitel, die nun endlich eindeutig zu kategorisieren und für einen selbst entsprechend emotional zu verarbeiten sind. Das REQUIEM ist eine wunderbare Ballade voller Tiefgang, die lediglich etwas weniger repetitiv hätte ausfallen können. Denn ab Minute 2 wird der Refrain kontinuierlich bis zum Ende wiederholt, und das bei sich nur wenig verändernder Instrumental-Kulisse. Sei es drum – ORDEN OGAN zeigen hier, dass sie auch gänzlich ohne Gitarren gut klingen können – in epischen Momenten wie diesen vielleicht sogar noch besser als mit, den plötzlich klappt es auch mit den Chorgesängen. WE ARE PIREATES ist dann das stellvertretende Power Metal-Highlight im besten Uptempo-Gewand – endlich einmal ändern ORDEN OGAN die Fahrtrichtung, und präsentieren einen etwas lockereren, eingängigeren, mitreissenderen Titel mit Mitsing-Potential. Das kommt nach dem eher bedächtigen, teils diffusen Mittelteil natürlich einer Art Offenbarung gleich. Denn nicht nur die Grundstimmung hat sich verändert – auch der Chorgesang klingt nun deutlicher besser; auch wenn es inhaltlich natürlich nicht allzu viel zu vermelden gibt. Offenbar markierte man mit dem REQUIEM tatsächlich einen Wendepunkt – denn auch THE BLACK HEART zeigt sich als deutlich eingängigere, klarer strukturierte und vor allem beeindruckendere Nummer mit Hymnen-Potential; und gleichzeitig vielleicht sogar als bester Titel des Albums. Den Ausklang bildet nun noch OF DOWNFALL AND DECLINE, ein episch angelegtes Stück mit einer Spielzeit von 9-einhalb Minuten. Doch was ist das: es regiert eine allgemeine Kraftlosigkeit, weder scheint der Titel nennenswerte Ecken und Kanten zu besitzen; noch wird er ausreichend eindringlich dargeboten. Das Schlagzeug agiert künstlich und uninspiriert, die Chorgesänge sind schrecklich lamentierend, die Gitarren klingen lasch, der Gesang wirkt gelangweilt. Nach dem Vorgänger THE BLACK HEART eine echte Enttäuschung – und ein gutes Beispiel dafür, wie sehr einzelne ORDEN OGAN-Titel eines Albums qualitativ auseinanderdriften können.

Fazit: So ganz überzeugend ist EASTON HOPE nicht – und schon gar nicht durchgängig. Nach dem stimmigen Intro und dem bombastischen, vor Spielfreude geradezu explodierenden Opener wird es im weiteren Verlauf immer ruhiger, unspektakulärer und gleichförmiger. Vielleicht sogar langweiliger – und das, obwohl sich ORDEN OGAN allem Anschein nach bemühen, stets für ein Übermaß an technischer Perfektion und Abwechslung zu sorgen. Vielleicht ist aber genau das auch der Knackpunkt: vielleicht sind sie ein wenig zu technisch an die Sache herangegangen – was allerdings noch immer nicht die eher schrecklichen als stimmig inszenierten Chorgesänge erklärt. Glücklicherweise reissen sie das Ruder gegen Ende hin noch einmal herum – und verbessern sich sowohl hinsichtlich eben jenes Chorgesangs, als auch dem Spiel mit verschiedenen Stimmungen. Hier gibt es dann endlich die versprochenen, abenteuerlichen Berg- und Talfahrten: eine Ballade wie REQUIEM lädt zum Träumen ein, eine Hymne wie WE ARE PIRATES zum feiern – und ein Epos wie THE BLACK HEART zum staunen. Den man wiederum beinahe wieder zunichte man, indem man eine als Epos getarnte, absolut lasche 08/15-Nummer wie OF DOWNFALL AND DECLINE präsentiert. Bleibt ein etwas zwiespältiger Eindruck – und der Wunsch, dass in Zukunft sowohl Lückenfüller, ein allzu technischer Anspruch als auch die oftmals schrecklichen Chorgesangspassagen vermieden werden.

Anspieltipps: RISE AND RUIN, NOBODY LEAVES, REQUIEM, WE ARE PIRATES, THE BLACK HEART


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ORDEN OGAN – Land Of The Dead (Official Video)

Das Reich der Toten liegt keinesfalls in weiter Ferne.

Das ging aber verdammt schnell. Noch während der erste offizielle Videoclip zum neuen ORDEN OGAN-Album TO THE END rotiert, folgt bereits der zweite: LAND OF THE DEAD. Doch so ist das eben, wenn ein neues Album beworben werden soll – der Stichtag des Releases ist noch relativ frisch (26. Oktober 2012). Im neuen Video zeigen die Power Metaller nun, dass die Welt der Toten nicht unbedingt in weiter Ferne existiert; sondern vielmehr längst in unserem Alltag Einzug gehalten hat. Auch wenn ORDEN OGAN es kaum schaffen, den rundum guten Eindruck des ersten offiziellen Videos noch zu toppen – dafür wirken die Büro-Szenen etwas zu altbacken und zu simpel – bleibt die Band so verdientermaßen im Gespräch.