Metal-CD-Review: ORATORY – Last Prophecy (EP, 1999)

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Alben-Titel: Last Prophecy (EP)
Künstler / Band: Oratory (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1999
Land: Portugal
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Recital Records

Alben-Lineup:

Rui Santos – Bass
Miguel Gomes – Guitars
António Silva – Keyboards
Ana Lara – Vocals
João Rodrigues – Drums
Marco Alves – Vocals

Track-Liste:

1. The Other Side of the Sea (07:56)
2. Last Prophecy (00:11)
3. Life in Another Star (04:22)
4. Oratory (06:41)

Eine von vielen Daseinsformen von ORATORY.

LAST PROPHECY ist die erste EP der portugiesischen Melodic Power Metal-Formation ORATORY – einer Band mit einer ebenso interessanten wie bewegten Geschichte; vor allem in Bezug auf etwaige Besetzungswechsel. Schließlich hat die 1994 gegründete Band vor dieser Erst-EP bereits zwei Demos veröffentlicht, die man durchaus als rar bezeichnen könnte – und über die es so gut wie keine Informationen gibt. Fakt ist wohl nur, dass diese eher experimenteller Natur waren (wie es beispielsweise auf Youtube zu hören ist); und letztendlich weniger mit LAST PROPHECY gemein haben als es zu vermuten wäre. Die vorliegende EP beschreibt somit – und so gesehen – den bereits zweiten Lebensabschnitt der Band. Einen, der mit dem bald auf die EP folgenden Debütalbum ILLUSION DIMENSIONS (Review) in Stein gemeißelt werden, aber nicht allzu lange anhalten sollte – das zweite Album BEYOND EARTH (Review) sah schon wieder ein etwas anderes Konzept vor. Und selbst das wurde wiederum nicht allzu lange aufrechterhalten, wie man heute weiß – ORATORY haben nach einem letzten Lebenszeichen aus dem Jahre 2005 (die INTERLUDIUM-EP, Review) nichts mehr von sich hören lassen.

Und dazu kann man nur sagen: leider. Denn ausgerechnet jene quasi-Alternativband, die im Laufe der Jahre mit dem ehemaligen ORATORY-Leadsänger Marco Alves aus dem Boden gestampft wurde; konnte sich höchstens als eine der peinlichsten Genre-Bands überhaupt einen Namen machen. Die Rede ist von WATERLAND – eine Band, deren Musik deutliche Parallelen zu der von ORATORY aufweist, sich aber spätestens in Bezug auf die Qualität des Outputs nicht mehr mit dem jeweiligen Original messen kann. Umso wehmütiger stimmt es einen dann auch, eine EP wie LAST PROPHECY zu hören. Eine EP, die noch meilenweit von einer wie auch immer gearteten Perfektion entfernt ist, aber schon locker aufzeigt was die Combo damals alles in Petto hatte – und viele Kollegen (ja, auch die von WATERLAND) verdammt alt aussehen lässt. Letztendlich handelt es sich hier um nicht weniger als den Grundstein der Portugiesen, deren Karriere mit ILLUSION DIMENSION den wohl einzigen und auch letzten Höhepunkt fand.

Und so ist es eine (fast) ebenso wohltuende Angelegenheit, sich diese Debüt-EP zu Gemüte zu führen – von der interessanterweise nur ein Titel auf das Debütalbum übernommen wurde: der Titeltrack LAST PROPHECY. Der klingt auf der vorliegenden EP noch nicht ganz so ausgereift, ist aber dennoch ein bessere der ruhigeren ORATORY-Nummern. Interessant ist nur, dass diese Ur-Version mit zusätzlichen Spinett-Klängen versehen ist – und so noch ein wenig mehr an den Sound der Kollegen von RHAPSODY OF FIRE erinnert. Vermutlich um sich ihre Eigenständigkeit zu wahren wurden diese Elemente auf dem Debütalbum deutlich zurückgefahren – eine gute Entscheidung, wie sich zeigte. Der eigentliche Grund für die Anschaffung dieser EP findet sich rückwirkend betrachtet aber ohnehin in den beiden anderen Titeln, THE OTHER SIDE OF THE SEA und ORATORY. Diese sind beide recht solide – wenn auch kein Vergleich zu den späteren Nummern auf dem Debütalbum, was wohl auch ein Grund dafür ist wieso man sich gegen sie entschieden hat. Dennoch lassen sie sich hören – was besonders an der Interaktion von Leadsänger Marco Alves und seiner Gesangspartnerin Ana Lara liegt; aber auch an den flotten Soli und den ansprechenden Instrumentalpassagen.

Grundsätzlich besteht die EP zwar nur aus drei vollwertigen Titeln, und kommt auf eine Spielzeit von knapp 20 Minuten. Dennoch reicht das hier präsentierte Material locker aus, um den geneigten Genre-Fan zu begeistern – sowohl aus damaliger als auch heutiger Sicht. Allerdings auch nur, und das ist die Einschränkung; als Vorgeschmack auf das Debütalbum ILLUSION DIMENSIONS. Für eine alleinstehende EP ist es dann doch etwas zu wenig Material, zudem ähneln sich die drei hier dargebotenen Nummern relativ stark.

Absolute Anspieltipps: THE OTHER SIDE OF THE SEA, LIFE IN ANOTHER STAR


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„Ein alles andere als überwältigender, aber doch zufriedenstellender Vorgeschmack.“

Metal-CD-Review: ORATORY – Interludium (EP, 2005)

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Alben-Titel: Interludium (EP)
Künstler / Band: Oratory (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Juli 2005
Land: Portugal
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Recital Records

Alben-Lineup:

Rui Santos – Bass
Miguel Gomes – Guitars
António Silva – Keyboards
Ana Lara – Vocals
Pedro Cabral – Drums

Track-Liste:

1. As One (03:19)
2. Free of Secrets (03:51
3. Song of Lust (Live in S.Pedro do Sul – 2004) 0(3:44)
4. Fight for the Light (Live in S.Pedro do Sul – 2004) (04:13)
5. Rising Land (Live in Paradise Garage – 2000) (04:18)
6. Still Waiting for the King (unreleased track) (02:40)
7. Lusitania (Tarantula cover) (04:50)
8. Eternal Flame (Bangles cover) (03:29)
9. Beyond Earth (remix) (04:02)

Durchatmen – es ist Zeit für ein Interludium.

Der Fall ORATORY ist schon ein interessanter. Während die portugiesische Band schon früh begonnen hat (das heißt, im Jahr 1994) und es im Laufe der Jahre zu drei markanten Demo-Veröffentlichungen gebracht hat; sollte das Debütalbum noch bis zum Jahr 2000 auf sich warten lassen. Dieses war insgesamt betrachtet grundsolide, hatte jedoch mit leichten Schwächen in Bezug auf den Sound zu kämpfen (siehe Link zum Komplett-Review). Ein noch größerer Streitpunkt eröffnete sich dann allerdings erst mit dem Nachfolger BEYOND EARTH aus dem Jahre 2002 (Review), auf dem nun nicht mehr das ansprechende Gesangsduett aus Marco Alves und Ana Lara zu hören war – sondern nur noch der weibliche Gesangspart. Der hatte zwar auch einiges zu bieten, doch letztendlich ging das auf dem Debüt überraschende Alleinstellungsmerkmal des zweistimmigen Leadgesangs verloren; und somit auch eine Besonderheit von ORATORY. Eine, die trotz kleinerer Schwächen irgendwie doch recht gut zum melodiösen und einstweilen etwas kitschig anmutenden Sound der Band passte.

Als Wink mit dem Zaunpfahl könnte sich daher INTERLUDIUM erweisen – die ORATORY-EP aus dem Jahre 2005. Die scheint die Position der nunmehr allein agierenden Leadsängerin Ana Lara erneut festigen zu wollen, und offeriert neben einem kleinen Rückblick in Form von Live-Aufnahmen auch eine handvoll neuer Titel. Genauer gesagt splittet es sich wie folgt (und mitunter etwas kompliziert) auf: drei der Titel sind Live-Aufnahmen, zwei sind Cover-Versionen, einer ein Remix einer alten Nummer, einer ein bisher unveröffentlichter Titel; und drei sind gänzlich neu. Abwechslungsreich, und vor allem für Fans der beiden Vorgängeralben lohnenswert ist das Ganze also allemal ausgefallen.

Bleibt die Frage nach dem eigentlichen Wert der enthaltenen Titel – ein Aspekt, über den man streiten könnte. Denn insbesondere die Live-Aufnahmen schneiden eher schlecht ab. Schlicht, weil sie einfach nicht gut klingen, vor allem nicht gesanglich – und von einer wie auch immer gearteten Stimmung bei einem Live-Konzert kommt nur wenig rüber. Fatal: gerade bei einer Nummer wie FIGHT FOR THE LIGHT schneidet Ana Lara alles andere als glorreich ab, sodass man den Gedanken an eine Live-Version die von Marco Alves präsentiert werden würde; kaum ablegen kann. Interessanter- und glücklicherweise kann man ihn aber in RISING LAND hören – da die Aufnahme nicht wie die anderen aus 2004, sondern aus dem Jahre 2000 stammt. Das klingt dann schon etwas interessanter, da das alte Gesangs-Duett seine Wirkung nicht verfehlt – aber leider handelt es sich nicht unbedingt um einen der stärksten damaligen ORATORY-Titel.

Während der Remix von BEYOND EARTH und der alte, unveröffentlichte Titel STILL WAITIN FOR THE KING recht unspektakulär und eher zu vernachlässigen daherkommen, sind es dann ausgerechnet die Cover-Versionen, die einen aufhorchen lassen – und wie. In diesem Falle sind beide gelungen, wobei besonders das vielen bekannte ETERNAL FLAME einen wunderbaren Metal-Anstrich bekommt – und trotz der nicht ganz unproblematischen Rhythmik verdächtig gut klingt. Schade ist nur, dass die Aufnahme offenbar etwas älter ist oder unter ungünstigen Umständen aufgenommen wurde – die Tonqualität ist hier merklich schlechter als bei den anderen Nummern oder dem Cover von TARANTULA’s LUSITANIA; welches mit einer ungewöhnlich starken Gesangsdarbietung aufwartet. Bleiben nur noch die beiden gänzlich neuen Titel – die nicht wirklich stark, aber auch kein Reinfall sind. Sie entsprechen in etwa der bereits auf BEYOND EARTH etablierten Qualität, klingen jedoch nicht mehr ganz so… künstlich, wenn man so will.

Für Fans von ORATORY ist die INTERLUDIUM-EP damit allemal eine lohnenswerte Investition – da man entsprechend viel für sein Geld bekommt. Vor allem der Faktor der Abwechslung macht in diesem Fall vieles aus; denn wann bekommt man sonst schon eine EP, die gleich 5 verschiedene Typen von Titeln (neue, unveröffentlichte, Live-Aufnahmen, Cover, Remixe) präsentiert ? Über alles andere kann oder sollte man vielleicht sogar streiten – da davon sicher auch die Zukunft der Band abhängt. ORATORY machen grundsätzlich gute, aber keineswegs spektakuläre Musik – die aufgrund des recht hohen Kitsch-Faktors und dem nicht unbedingt auf Härte ausgelegten Sounds nicht jedem Gefallen wird.

Absolute Anspieltipps: AS ONE, LUSITANIA, ETERNAL FLAME


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„Eine kurze, aber dennoch gut bestückte EP für Fans der Band.“

Metal-CD-Review: ORATORY – Beyond Earth (2002)

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Alben-Titel: Beyond Earth
Künstler / Band: Oratory (mehr)
Veröffentlichungsdatum: April 2002
Land: Italien
Stil / Genre: Heavy Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Rui Santos – Bass
João Rodrigues – Drums
Ana Lara – Vocals
António Silva – Keyboards
Miguel Gomes – Guitars

Track-Liste:

1. Old Man’s Prophecy (03:35)
2. Living Wisdom (04:46)
3. Concilium (05:30)
4. Song of Lust (03:18)
5. Eternal (04:43)
6. Your Glory Won’t Last Forever (04:32)
7. Victory of Light (05:07)
8. Story of All Times (04:07)
9. Heroes From the Past (03:41)
10. Beyond Earth (04:00)
11. A New Quest (06:55)

Ein Schritt in die richtige Richtung ?

Man kennt sie nur allzu gut. Bands, die ein Debütalbum abgeliefert haben das vielversprechend war; aber etwaige musikalische Gelüste nicht vollständig stillen konnte – schlicht, da man weit hinter den eigentlich zu erwartenden Möglichkeiten zurückblieb. Das 2000’er Studioalbum ILLUSION DIMENSIONS (Review) der portugiesischen Power Metal-Combo ORATORY wäre in diesem Falle ein absolutes Paradebeispiel. Das Konzept war ansprechend, die Idee des zweistimmigen Leadgesangs gut; zahlreiche ansprechende Melodien fanden sich zuhauf – doch rein soundtechnisch sah es eher düster aus. Anders gesagt: dem Album fehlte es einfach an Bumms – sodass sich die angepeilte erhabene Gesamtwirkung einfach nicht besonders gut auf den Hörer übertragen konnte und vieles auf der Strecke blieb.

Und nun kommt der Nachfolger BEYOND EARTH daher – der in erster Linie wie eine Antwort auf entsprechend ins Universum gesandte Wünsche wirkt. Endlich haben ORATORY einen Sound geschaffen, der schön druckvoll durch die Boxen rauscht – schlicht, da sich alle Mitglieder noch einmal ein stückweit mehr ins zeug gelegt haben und vor allem die Abmischung und Produktion stimmen. Dass sich am Konzept der Band dagegen nicht allzu viel geändert hat, man noch immer auf kunterbunt-süße und leicht kitschig anmutende Melodien abzielt – das könnte den ein oder anderen nach wie vor dezent abschrecken. Fakt ist aber, dass die mit BEYOND EARTH erzielte Wirkung eine ganz andere ist als noch bei ILLUSION DIMENSIONS – da man die Refrains dieses Mal nicht nur heimlich mitsummen wird, sondern auch von einer grundsoliden schwermetallischen Kulisse unterstützt weiß. Besonders das Drumming profitiert von den neuen Ambitionen und dem aufgepeppten Klang der Band – sodass einer der kritischsten Faktoren des Debütalbums endlich der Vergangenheit angehört. Aber auch hinsichtlich der Gitarren hat man noch einmal ordentlich angezogen – während man das Keyboard gleichzeitig etwas weiter in den Hintergrund rückte.

Eine weitere, wenn nicht die größte Veränderung findet sich jedoch in Bezug auf den Leadgesang, an dem bereits auf dem Debüt nur wenig auszusetzen war: vorbei sind die Zeiten der Duette, Ana Lara (die auf dem Debüt eine eher untergeordnete Rolle zu spielen schien) avanciert hier zur vollwertigen Frontfrau und ersetzt somit auch ihren ehemaligen Kollegen Marco Alves. Hierbei handelt es sich um eine Maßnahme, der man gewiss mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen wird – sorgte gerade der zweistimmige Leadgesang für einen weiteren Besonderheitsfaktor der Band. Andererseits hat es mit Ana Lara richtig getroffen; hat sie Marco Alves eine Nasenspitze voraus und vermag es sowohl mit den Ansätzen einer genretypischen Divenhaftigkeit als auch einer relativ geerdeten Stimme zu punkten. Schade ist nur, dass man im gleichen Atemzug auch die auf dem Debüt so markanten Chorgesänge nun etwas vernachlässigt – sodass das Album hauptsächlich von der weiblichen Gesangsstimme getragen wird. Was gut ist, aber den Wunsch nach etwas mehr Vielfalt zurücklässt – gerade da man auf dem Vorgänger entsprechend vorgelegt hatte.

Während man die Änderungen hinsichtlich des Sounds und der internen Neubesetzung also weitestgehend gutheissen kann, bleibt es letztendlich am typischen ORATORY-Sound, die Hörer zu begeistern. Und der ist nach wie vor dezent verträumt, hymnisch; wenn man so will poetisch – was sich in einigen besonders starken Nummern wie OLD MANS PROPHECY, SONG OF LUST oder YOUR GLORY WONT LAST FOREVER niederschlägt. Aber auch in den etwas langsameren, schön stampfenden Nummern schneiden ORATORY dieses Mal verdammt gut ab – wobei LIVING WISDOM den diesbezüglichen Höhepunkt markiert. In einige Titel scheint sie sich dann aber doch noch eingeschlichen zu haben, jene schiere Kraftlosigkeit die auch den Vorgänger betraf: besonders CONCILIUM und HEROES FROM THE PAST wirken eher verhalten und am ehesten so, als würde man hier erneut aus irgendeinem Grund hinter seinen eigentlichen Möglichkeiten zurückbleiben. Die obligatorische Ballade wird nach wie vor eine reine Geschmacksfrage sein – die STORY OF ALL TIMES ist nicht schlecht, aber gesanglich etwas merkwürdig vorgetragen. Kurios: der letzte Titel des Albums, A NEW QUEST ist nicht wirklich ein überlanges Epos – sondern beinhaltet einen Hidden Track. Doch eine soundtechnisch zusätzlich problematische Demo-Version eines halbgaren Titels des Debütalbums zu hören, dass ist in einem Fall wie diesem nun wirklich überflüssig.

Einen Großteil der mit dem Debütalbum von ORATORY einhergehenden Schwächen konnte die Band mit BEYOND EARTH zwar ausmerzen – aber leider nicht alle. Auch wenn der Sound insgesamt deutlich mehr Bumms hat als zuvor, bleibt auch dieses Mal das Gefühl nicht aus; als wäre die Band möglicherweise noch zu viel mehr imstande. Inbesondere die Keyboard-Elemente klingen noch immer viel zu unnatürlich und wie fremde Objekte in der musikalischen Szenerie. Dass der Leadgesang nun komplett von Ana Lara übernommen wird, ist ein zweischneidiges Schwert – sicherlich hat man den richtigen oder die richtige von den beiden ehemaligen Gesangskollegen erwählt, doch fehlt es dem Album so an Abwechslung und zusätzlich markanten Elementen. Dem hätte man locker entgegenwirken können, wenn man auf ähnliche Chorgesänge wie die aus dem Vorgänger gesetzt hätte – doch das ist leider nicht der Fall. Schlussendlich: man hat sich verbessert, ja – aber der Weg zum Genre-Thron ist noch lang und beschwerlich.

Absolute Anspieltipps: OLD MANS PROPHECY, YOUR GLORY WONT LAST FOREVER, BEYOND EARTH, A NEW QUEST


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„Die Verbesserungen sind spürbar, doch das Gesamtpaket stimmt noch immer nicht.“

Metal-CD-Review: ORATORY – Illusion Dimensions (2000)

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Alben-Titel: Illusion Dimensions
Künstler / Band: Oratory (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 17. Oktober 2000
Land: Portugal
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Rui Santos – Bass
Marco Alves – Vocals
João Rodrigues – Drums
Ana Lara – Vocals
António Silva – Keyboards
Miguel Gomes – Guitars

Track-Liste:

1. Illusion Dimensions (01:18)
2. With Glory and Melody (06:10)
3. Fight for the Light (04:03)
4. Kingdom’s Legacy (05:32)
5. Metal Messenger (04:22)
6. In the Sky (05:10)
7. Last Prophecy (00:15)
8. Life in Another Star (04:47)
9. Rising Land (04:37)
10. Choose Your Future (05:15)
11. World of Illusions (05:24)
12. Galaxy (08:59)

Irgendetwas fehlt… aber was ?

Power Metal-Alben, die sich explizit mit fantastischen Themen und Settings voller Drachen, Kämpfen zwischen Schwerter-klirrenden Helden und allerlei mehr befassen gibt es bekanntlich zuhauf – doch solche, die einen Schritt weitergehen und nicht weniger als den Kosmos selbst besingen; schon nicht mehr ganz so häufig. Einer der interessanten Kandidaten, auf dem man aber genau das macht, findet sich auch mit ILLUSION DIMENSIONS – dem vielversprechenden Debütalbum von einer Bandcombo namens ORATORY. Die bereits 1994 gegründete Band stammt dabei ausnahmsweise mal nicht aus Italien oder dem hohen Norden – sondern aus Portugal. Ebenfalls vielversprechend erscheint, dass die Band größtenteils auf einen zweistimmigen Leadgesang setzt – Marco Alves und seine Kollegin Ana Lara wechseln sich hier in Duett-artigen Passagen ab. Somit sollte eigentlich alles stimmen; doch letztendlich wirkt dem potentiell hochkarätigen Power Metal-Fest doch noch etwas entgegen.

So finden sich zahlreiche hymnisch-schwungvolle Melodien und grundsätzlich alle Zutaten, die Genre-Fans direkt ansprechen werden – sofern man denn geneigt ist, sich von einer gewissen Portion Kitsch nicht abschrecken zu lassen. Und doch gibt es ein Problem, welches sich schon vor dem ersten intensiven Hördurchlauf der insgesamt 12 Titel abzeichnet. Unglücklicherweise betrifft dieses nicht weniger als den Sound, oder eher die Soundqualität der Band. Schließlich merkt man recht schnell, dass ORATORY einiges in Petto haben; diese Inhalte aber einfach nicht so vermitteln können wie sie es vermutlich wollten. Denn während es am Gesang nur wenig zu mäkeln gibt (die Bodenständigkeit von Marco Alves ist sogar recht angenehm), sieht es in Bezug auf die Instrumente schon wesentlich schlechter aus.

Betroffen sind dann tatsächlich auch alle beteiligten Instrumente und Musiker – von den Drums über den Bass bis hin zu den Gitarren, überall finden sich Faktoren die den Hörgenuss doch merklich trüben. Dabei sei es einmal dahingestellt, welchen Anteil die Musiker selbst daran haben – und welchen die ungünstige Produktion. Denn gerade die beschreibt eines der schwächsten Merkmale des Albums; es fehlt schlicht an Druck und Rauhheit. Eine Rauhheit, die möglicherweise einen angenehmen Gegenpol zum im allgemeinen recht lieblichen Gesang gebildet hätte – stattdessen regiert eine gewisse Form der unspektakulären Gleichförmigkeit. Einstweilen scheint man das Ganze dann durch einen exzessiven Einsatz des Keyboards ausgleichen zu wollen – was nicht immer gut funktioniert. Besonders, wenn man es eindeutig übertreibt – wie in einigen markanten Passagen in WITH GLORY AND MELODY oder FIGHT FOR THE LIGHT. Überraschend gut gelungen sind dagegen die Chorgesänge, die vor allem in den Refrains immer mal wieder auftauchen – hier stellt sich dann doch noch die erhoffte, schmetternde Wirkung ein die dem Ganzen einen zusätzlichen Bumms verpasst.

Trotz dieser Schwierigkeit im Bereich des klanglichen Gesameindrucks könnte es das Album beileibe schaffen, seine Hörer in seinen Bann zu ziehen. Vor allem natürlich dann, wenn man gewissen melodischen Spielereien und einigen süffig-süßen Ansätzen nicht abgeneigt ist. So kommen auch die seit RHAPSODY beliebten Spinett-Klänge zum Einsatz – in diesem Sinne ist beispielsweise eine Nummer KINGDOM’S LEGACY schon fast zu schön um wahr zu sein. Fakt ist aber, dass Nummern wie diese im Gedächtnis bleiben und man sich schnell beim Mitsummen ertappt. Schade ist nur, dass es ILLUSION DIMENSION insgesamt (und aufgrund oben genannter Faktoren) insgesamt an Druck und Power zu fehlen scheint – was natürlich besonders fatal auswirkt, wenn man eine Nummer wie METAL MESSENGER schreibt und präsentiert. Hier ist also noch reichlich Luft nach oben vorhanden. Die eigentlich hochkarätigen Nummern verstecken sich aber ohnehin erst im weiteren Verlauf – spätestens ab dem schön stampfenden RISING LAND ist alles in bester Ordnung. So sehr, dass man fast geneigt ist über die Sound-technischen Schwächen hinwegzusehen.

Anders gesagt: ein wenig mehr Kraft hier, ein wenig mehr Druck dort – und schon wäre aus ILLUSION DIMENSIONS ein zeitlos gutes Genre-Album geworden. Dennoch reicht es auch so noch für eine (nur leicht eingeschränkte) Empfehlung. Wer über einen vergleichsweise schwachen Drumming-Part, einen einstweilen etwas zu überschwänglichen Keyboardeinsatz und eine gewisse; man nenne es musikalische Süße hinwegsehen kann – den erwarten hier einige überraschend atmosphärische Minuten vollgepackt mit ansprechenden Melodien. Es bleibt zu hoffen, dass ORATORY sich in Bezug auf ein nächstes Studioalbum noch markant verbessern.

Absolute Anspieltipps: KINGDOM’S LEGACY, METAL MESSENGER, RISING LAND, WORLD OF ILLUSION


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„Ein melodisches Fest für alle Genre-Fans mit viel Luft nach oben – vor allem soundtechnisch. Und dennoch besitzt das Album etwas… magisches.“