Metal-CD-Review: ODIN – Endless Journey (2014)

odin-endless-journey_500

Alben-Titel: Endless Journey
Künstler / Band: Odin (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. Januar 2014
Land: Japan
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black-listed Productions

Alben-Lineup:

Caesar – Bass
Yazin – Guitars
Ryusa – Guitars
Vocchang – Vocals

Track-Liste:

1. Fabula Aeternus (02:30)
2. Endless Providence (06:08)
3. Wind (04:35)
4. Daydream by the Sea (05:28)
5. The Prince of Babylone (05:56)
6. Awakening Again (03:42)
7. Please Show Me Your Map (03:17)
8. Reincarnation (05:40)
9. My Guiding Light (04:22)
10. The Moment (07:05)

Eine Reise, die niemals endet… ?

Wen oder was haben wir denn hier ? Hinter dem nicht wirklich japanisch anmutendem Bandnamen ODIN verbirgt sich eine Power Metal-Fraktion aus Tokio, die zu großen Teilen aus Mitgliedern der schon etwas bekannteren Combo KNIGHTS OF ROUND besteht. Aber auch ein ehemaliges KNIGHTS OF ROUND-Mitglied ist mit von der Partie, Leadsänger Vocchang – der nach seinem Ausscheiden bei den Rittern der Tafelrunde im Jahre 2008 eine neue Herausforderung respektive Möglichkeit suchte, um auch weiterhin eine ganz ähnliche Musik machen zu können. Doch ganz unabhängig von den Gründen, die zu ODIN’s Status als quasi-Ableger der Hauptband KNIGHTS OF ROUND geführt haben; stellt sich die Frage ob das neue Projekt auch musikalisch begeistern kann. Fakt ist: mit dem Anfang des Jahres erschienen Dabütalbum ENDLESS JOURNEY richtet man sich recht explizit an alteingesessene Fans der KNIGHTS OF ROUND, in etwa vergleichbare Bands wie DRAGON GUARDIAN, SKYWINGS oder MATENROU OPERA – und natürlich Freunden eines kunterbunten melodischen Power Metals aus Japan.

Das merkt man auch sofort, legt man einen Silberling wie diesen ein: von der ersten bis zur letzten Sekunde des Albums werden süß-süffige Melodien noch und nöcher präsentiert. Freunde einer etwas härteren Gangart können also schon jetzt aufhören zu lesen – jene, die es auch gerne mal etwas kitschiger haben wollen dagegen nicht. Doch sollte es andererseits keine allzu große Überraschung sein, dass nun auch ODIN einen typisch japanischen Power Metal machen – inklusive reichlich Herzschmerz, beschwingter Melodiebögen und selbstverständlich auf Englisch eingesungenen Texten. Gleichwohl sollte man erwähnen, dass das hier Dargebotene nicht selten an der Grenze zum Unverständlichen kratzt – seit dem 2007’er KNIGHTS OF ROUND-Album ETERNITY hat sich offenbar nicht viel getan bei Frontmann Vocchang. Interessierte könnten also auf eine weitere Hürde stoßen – um überhaupt erst ein Textverständnis zu ermöglichen, ist es Pflicht die dazugehörigen Lyrics lesebereit zu halten. Ob das wirklich hilft oder eher in einem weiteren Nachteil mündet, ist eine andere Frage. Denn zumindest inhaltlich können ODIN nicht viel reißen, dargebotene Kost wie diese hat man schon x-Mal gehört – nur eben in nicht ganz so gebrochenem und grammatikalisch vielleicht etwas korrekterem Englisch.

Es ist demnach nicht ganz leicht, ein Album wie ENDLESS JOURNEY korrekt einzuordnen und auch zu bewerten. Fakt ist, dass es sich um ein Album handelt welches insbesondere Freunde von Bands wie BALFLARE, JUPITER oder eben den KNIGHTS OF ROUND ansprechen; und vielleicht sogar begeistern wird. Fakt ist aber auch, dass es alles andere als frei von Schwächen ist – die sich auch mal explizit bemerkbar machen können. Die mitunter größte ist der bereits erwähnte Leadgesang, der neben seiner schieren Undeutlichkeit auch im allgemeinen deutlich hinter den Ambitionen etwaiger Genrekollegen zurückbleibt. Sicher tut hier auch die etwas eigene Abmischung ihr übriges – der Gesang droht hie und da in der Gesamtkulisse unterzugehen, und das nicht zu knapp.

Eine große Stärke haben ODIN aber zweifelsohne; auch wenn sie mit der sicher nicht allein sind im japanischen Power Metal-Genre. Sie beherrschen das Gitarrenspiel – und können jeden noch so unspektakulär erscheinenden Titel um ein vielfaches aufwerten. Das reicht, um das Album ins qualitative Mittelfeld zu retten – viel mehr aber auch nicht. Denn was tatsächlich alles schiefgehen kann, zeigen ODIN ausgerechnet im episch angelegten Rausschmeißer THE MOMENT – einer dezent überladenen Nummer mit irreführenden Melodiebögen, unharmonischen Chorelementen und – wie sollte es anders sein – einem absolut untergehenden Leadgesangspart. Aber auch die vorhergehende Nummer, MY GUIDING LIGHT ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei – derart balladesk sollten ODIN dann vielleicht doch nicht auftreten; zumindest nicht solange sich nicht etwas im Hinblick auf den Leadgesang verändert. Immerhin: bei der schmackigen Power-Ballade PLEASE SHOW ME YOUR MAP funktioniert das ganze aber schon eher, und hinterlässt einen nicht ganz so faden Beigeschmack.

ENDLESS JOURNEY richtet sich damit klar an beinharte Fans eines Power Metals der typisch japanischen Sorte – und das beinahe ausschließlich. Die simple Formel, die sich daraus ergibt ist folgende: man wird über umso mehr Schwächen von ODIN hinwegsehen können, je mehr man dieser Musikrichtung im allgemeinen zugetan ist. Im Gedächtnis bleiben vor allem einige herausragende Gitarrenparts, die mit einem enormen Fingerspitzengefühl und einer spürbaren Lebendigkeit dargeboten werden – doch abgesehen davon gibt es auf ENDLESS JOURNEY verdächtig wenig zu holen. Für einen potentiellen Nachfolger gibt es also reichlich Verbesserungsbedarf – man darf gespannt sein, was ODIN oder auch die KNIGHTS OF ROUND als nächstes vorhaben.

Absolute Anspieltipps: ENDLESS PROVIDENCE, WIND, PLEASE SHOW ME YOUR MAP, REINCARNATION


65button

„Tolle Melodien und Gitarrenparts, doch noch zu viele Schwächen um nachhaltig zu begeistern.“