Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – The 8th Sin (2007)

Alben-Titel: The 8th Sin
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Mai 2007
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums

Track-Liste:

1. Call Out to the World (03:48)
2. Never Again (03:19)
3. Not the Only (05:16)
4. Tell Me (04:13)
5. Not like You (04:25)
6. Leave Me Alone (03:00)
7. Till I Come Alive (03:45)
8. Strong Enough (03:13)
9. Me (04:13)
10. Pain & Pleasure (03:53)
11. Fools Parade (02:37)

Eine kleine Sünde hat doch wohl jeder frei.

Ja, die 2000er Jahre markierten eine recht aktive Zeit für die schwedischen Power Metaller der NOCTURNAL RITES – auch oder gerade aufgrund des markanten Lineup-Wechsels zu Beginn des neuen Jahrtausends, bei dem der auch heute noch in der Band aktive Jonny Lindqvist für den einstigen Frontmann Anders Zackrisson kam. Gleichzeitig aber handelte es sich auch um eine Zeit, in der nicht immer alles rund lief für die Schweden – die sich mit Alben wie THE SACRED TALISMAN (siehe Review) oder dem hervorragenden Alben-Duo aus dem 2000’er AFTERLIFE (Review) sowie dem 2002 erschienenen SHADOWLAND (Review) die Messlatte selbst ziemlich hoch gelegt hatten. Eine der somit fast schon abzusehenden Folgen war, dass bereits das 2005 veröffentlichte NEW WORLD MESSIAH (Review) dezente Probleme hatte die hohen Erwartungen zu erfüllen – woraufhin sich die Band abermals zusammensetzte und beschloss, etwas neues auszuprobieren.

Denn, und das muss man den Schweden zumindest in der Theorie hoch anrechnen: sich nur wiederholen, das wollten sie nicht – vielmehr ward der Blick stets explizit nach vorn gerichtet, was auch die teils neuerlichen stilistischen Ausrichtungen auf dem 2005 erschienenen GRAND ILLUSION (Review) erklärt. Eben diese Einstellung oder auch Vorgehensweise geriet den NOCTURNAL RITES aber spätestens auf dem vorliegenden THE 8TH SIN zu einem echten Nachteil. Einen, der die Band sogar in relative Existenznöte brachte – und dafür sorgte, dass bis zu einem neuen NOCTURNAL RITES-Release (namentlich das 2017 veröffentlichte PHOENIX, Review) ganze 10 weitere Jahre vergehen sollten. Aber wie es eben so ist: manchmal muss man tief fallen, um zu erkennen was man möglicherweise falsch gemacht oder zumindest anders hätte lösen können – wofür THE 8TH SIN wie fast kein zweites Genre-Album Pate steht. Sicher, unter gewissen Gesichtspunkten kann das Album durchaus bestehen; aber – und das ist das Problem – eher nicht unter jenen, die die NOCTURNAL RITES einst definierten.

Anders gesagt: wenn die Band schon auf GRAND ILLUSION gewisse Andeutungen machte sich immer weiter von ihren Power Metal-Wurzeln ezu entfernen, so beschreibt das vorliegende THE 8TH SIN die endgültige Umwandlung oder auch Konvertierung der NOCTURNAL RITES. Und die wird beileibe nicht bei jedermann Anklang finden, erst Recht natürlich im Hinblick auf und im Vergleich mit den früheren Alben der Band. Und sei es, dass man sich doch noch mit der auf THE 8TH SIN postulierten musikalischen Atmosphäre anfreunden kann (was mindestens eine enorme Eingewöhnungszeit erfordert) – ein wenig nachdenklich sollte einem eine Entwicklung wie diese in jedem Fall stimmen. Sicher, gegen etwaige Weiterentwicklungen oder Erprobungen in anderen Genres hat wohl niemand etwas einzuwenden – doch wenn eine vollständige Abkehr von alten Tugenden plötzlich zum Programm wird – und genau ist das somit auch gewissermaßen passend betitelte THE 8TH SIN – dann sollten vielleicht doch eher die Alarmglocken läuten.

Immerhin, und dafür braucht man gar nicht erst die Geschichte der Band oder ihre andern Alben zu kennen; weiß das Album auch von allen Umständen abgesehen nicht gerade aufregendes oder besonders gutes anzubieten. Eher absolut standardisierte AOR-Kost mit einem – und das wiegt wesentlich schlimmer – teils ärgerlichen und im Metal eher zu vermeidenden modernen Einschlag. Einen; der im Zusammenspiel mit der teils auffällig zurückgefahrenen Härte, dem wenig aufregenden Tempo, den recht generisch klingenden Gitarren und den absolut austauschbaren Refrains dafür sorgt; dass im direkten Vergleich selbst etwaige spätere AVANTASIA-Alben wie steinharte musikalische Bretter klingen. Oder die von KAMELOT. Immerhin könnte der Rausschmießer PAIN & PLEASURE genauso gut von eben jenen Amerikanern stammen – mit dem Unterschied, dass sie sicher etwas geschickter mit der hier anberaumten symphonischen Komponente umgegangen wären. All das wäre unter Umständen absolut fatal – wenn, ja wenn da nicht doch noch die ebenso markante wie angenehme Stimme von Jonny Lindqvist wäre. Die kann das Album gerade noch vor der absoluten qualitativen Versenkung retten und immerhin einen Grund dafür liefern, warum man sich ein Album wie THE 8TH SIN überhaupt zu Gemüte führen sollte. Ob das in einem Fall wie diesem ausreicht, muss ein jeder aber für sich selbst herausfinden.

Absolute Anspieltipps: NOT THE ONLY, NOT LIKE YOU, LEAVE ME ALONE


„Bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet – aber hoffentlich trotzdem nur eine einmalige Angelegenheit.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – Grand Illusion (2005)

Alben-Titel: Grand Illusion
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. September 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Owe Lingvall – Drums
Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass

Track-Liste:

1. Fools Never Die (03:54)
2. Never Trust (04:44)
3. Still Alive (04:02)
4. Something Undefined (04:09)
5. Our Wasted Days (05:17)
6. Cuts like a Knife (05:11)
7. End of Our Rope (05:27)
8. Never Ending (04:29)
9. One by One (04:24)
10. Deliverance (05:01)

Das Leben ist… hoffentlich mehr als nur eine große Illusion.

Betrachtet man die schwedischen Power Metaller der NOCTURNAL RITES und ihre Schaffensperiode in den späten 90ern und frühen 2000er Jahren, stellen sich einem unweigerlich mehrere Fragen. Zum einen natürlich, wie es die Band nur schaffen konnte sich stetig in die absolut richtige Richtung weiterzuentwickeln – und sich entsprechend effektiv hochzuarbeiten, noch dazu ohne sich einen größeren qualitativen Schnitzer geleistet zu haben. Daran könnte bekanntlich auch der potentiell einschneidende Wechsel des Leadsängers im Jahre 2000 nichts ändern – manche behaupten sogar im Gegenteil. Zum anderen aber, und dafür sorgte spätestens das 2004 erschienene NEW WORLD MESSIAH (siehe Review); hatte man sich früher oder später wohl doch die Frage stellen müssen, wie genau es mit der Band weitergehen sollte. Lange überlegen brauchten die NOCTURNAL RITES aber offenbar nicht – schließlich lieferten sie mit dem vorliegenden GRAND ILLUSION ihre ganz eigene Antwort ab, die das mit NEW WORLD MESSIAH zumindest leicht rissig gewordene musikalische Konstrukt der Power Metal-Pioniere ganz schnell wieder kitten sollte. Das ist an und für sich eine gute Sache, und unterstreicht das von der Bands stets nach außen getragene Engagement niemals wirklich stillstehen zu wollen – wenn, ja wenn das kleine Wörtchen wenn nicht wäre. Denn, und dafür reicht eventuell schon ein Blick auf den extrem knapp bemessenen Zeitraum in dem all diese Entwicklungen stattfanden: so stilsicher und im positiven Sinne überraschend wie dereinst konnten die Schweden nicht mehr auftreten.

Eben das merkt und hört man THE GRAND ILLUSION auch relativ zweifelsfrei an. Und das vornehmlich, da die NOCTURNAL RITES hier abermals einen für sie großen Schritt gegangen sind. Nicht unbedingt in die gänzlich falsche Richtung – aber doch in eine, die sich unter Umständen nicht vollständig mit der bis dato eingeschlagenen Marschrichtung der Band vereinbaren lässt. Ein gewisser Anflug von Wehmütigkeit wäre jedenfalls verständlich – insbesondere natürlich in Anbetracht der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht allzu lange zurückliegenden hervorragenden Band-Alben THE SACRED TALISMAN (Review) , AFTERLIFE (Review) und SHADOWLAND (Review). Fakt ist: mit dem nicht sicher nicht tadellosen, aber noch immer höchst soliden NEW WORLD MESSIAH als Bindeglied präsentierten die NOCTURNAL RITES auf GRAND ILLUSION eine gewisse Form der Verwandlung – hin zu einer nicht mehr allein dem europäischen Power Metal zuzuordnenden Combo. Einer, die es zwar weiterhin relativ einwandfrei im Bereich des melodischen Heavy Metals zu veroreten galt – neben der potentiellen Vergrätzung alter Fans aber Gefahr lief, es etwas zu bunt zu treiben. So könnte man der Band durchaus die Abkehr von ihrer alten, augenscheinlich besser funktionierenden Spielart ankreiden – sowie auch die Absicht, plötzlich vermehrt auf vergleichsweise unkompliziertere, freundliche und stellenweise gar problemlos als radiotauglich zu bezeichnende Momente zu setzen.

In Bezug auf eben diese Feststellung ändert dann auch ein Experiment wie das in CUTS LIKE A KNIFE anberaumte wenig. Eben weil es sich nur um ein Experiment handelt – welches zudem wenig mit der allgemeinen Gangart des Albums korrespondiert – und im schlimmsten Fall komplett zu überspringen ist. Erst lange nach dem schwachen Alben-Auftakt können sich die NOCTURNAL RITES noch einmal aufrappeln, und mit Nummern wie dem schon etwas prägnanter stampfenden NEVER ENDING, dem überraschend mächtig daherkommenden DELIVERANCE, dem knackigen FADE AWAY oder dem rassigen Power Metal-Rausschmeißer UNDER THE ICE punkten. Insgesamt aber reicht es in diesem Fall einfach nicht, zumindest nicht im Sinne um mit den früheren Releases der Band mithalten zu können – wofür man sich nicht erst als großer Gegner von stilistischen Veränderungen innerhalb einer langjährig aktiven Genre-Combo bezeichnen muss. Nein, vielmehr ist es der relative Überschwang von sich letztendlich recht deckungsgleich anfühlenden Midtempo-Nummern mit etwas zu viel auflockernden Elementen seitens des Keyboards – und das stellenweise drastisch zurückgefahrene Tempo inklusive einer mit der Produktion einhergehenden, hier eher ärgerlichen Form der Sanftheit. Wenn das Album eine klare Stärke hat, dann ist das die gesangliche Darbietung von Jonny Lindqvist – die im Zusammenspiel mit dem soliden Handwerk der anderen Mitglieder und des glücklicherweise doch noch einigen Raum einnehmenden schroffen Riffings schlimmeres verhindert.

Absolute Anspieltipps: STILL ALIVE,  DELIVERANCE, FADE AWAY, UNDER THE ICE


„Aufgrund einiger einfach nicht zündender Momente eines der schwächeren NOCTURNAL RITES-Alben, leider. Dennoch kann man von einem soliden Genre-Release ausgehen, erst Recht wenn man die Vergangenheit der Band einmal dezent ausblendet.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – New World Messiah (2004)

Alben-Titel: New World Messiah
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. März 2004
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Nils Norberg – Guitars
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums

Track-Liste:

1. New World Messiah (04:08)
2. Against the World (04:19)
3. Avalon (04:20)
4. Awakening (05:28)
5. Egyptica (05:53)
6. Break Away (04:34)
7. End of Days (04:47)
8. The Flame Will Never Die (04:21)
9. One Nation (04:30)
10. Nightmare (04:37)

Siehe, ich verkünde euch eine neue Welt.

Nein, viel falsch machen konnten die NOCTUNRAL RITES wahrlich nicht. Zumindest nicht zum Auftakt des neuen Jahrtausends, und mit ihren bis dato veröffentlichten hervorragenden Alben im Gepäck – von denen sowohl die aus der früheren Ära mit Anders Zackrisson, als auch die mit dem später für ihn eingesprungen neuen Leadsänger Jonny Lindqvist einen zumeist tadellosen Eindruck hinterlassen konnten. Nach den beiden vergleichsweise schweren; man will nicht sagen düsteren Vorgängern AFTERLIFE (siehe Review) und SHADOWLAND (Review) aber wollten die Schweden offenbar wieder ein etwas verspielteres Album an den Start bringen – das vorliegende NEW WORLD MESSIAH, das aus dem Jahre 2004 stammt und im besten Fall einen weiteren markanten Meilenstein innerhalb der hiesigen Diskografie markiert.

Tatsächlich muss man den NOCTURNAL RITES eines in jedem Fall zugute halten, neben ihrem Talent sich bis dato absolut keinen Ausfall geleistet zu haben versteht sich. Und das ist die Tatsache, dass sich Band scheinbar niemals Gefahr läuft sich bloß zu wiederholen. So wohnt einem jedem NOCTURNAL RITES-Album eine spezielle Atmosphäre inne, die es gewissermaßen unverwechselbar macht – wobei auch NEW WORLD MESSIAH keine Ausnahme bildet. Sicher, etwas gänzlich neues hatten die Schweden auch dieses Mal nicht erschaffen – doch dafür überzeugte die hier an den Tag gelegte, so noch nicht dagewesene Zusammenführung und Harmonie der verschiedenen Band-internen Spielarten. Anders gesagt: das Album offenbart eine angenehme Mixtur aus den griffigen Elementen des Vorgängers SHADOWLAND, sowie einigen etwas verspielteren Zügen – die genauso gut vom früheren THE SACRED TALISMAN hätten stammen können. Nicht zuletzt dank ihres ebenso klassischen wie hymnischen Anspruchs.

Ein oder zwei kleinere Mankos gibt es dann aber doch – wobei man mit beiden nicht unbedingt hätte rechnen können. So fällt insbesondere zum Auftakt des Albums auf, dass die NOCTURNAL RITES durch ihre hier abermals etwas aufgelockerte Spielart und des noch geradlinigeren Sounds einstweilen stark an andere Genre-Vertreter wie etwa HAMMERFALL erinnern. Natürlich nur in einer eher oberflächlichen Betrachtung, und ohne die noch immer vorhandenen; so gesehen typischen NOCTURNAL RITES-Merkmale außer acht zu lassen. Aber dennoch, für NEW WORLD MESSIAH schien sich die Band durchaus in die ein oder andere Richtung angepasst zu haben. Das zweite, eventuell noch schwerwiegendere Manko bezieht sich dann auf eine so erstmals auf NEW WORLD MESSIAH anberaumte Komponente – den Backgroundgesang, inklusive einiger damit verbundener Faktoren in der Abmischung und Produktion.

Besonders auffällig wird das spätestens bei einer stark Refrain-lastigen Nummer wie AVALON – die sich zwar als recht angenehme Hymne präsentiert, durch den hier aber fast schon aufdringlichen Sound der Backgroundvocals und -Chöre einen leicht zwiespältigen Eindruck hinterlässt. Das ist schon ein wenig kurios, erst Recht wenn betrachtet dass ein beinahe jedes NOCTURNAL RITES-Album irgendeine kleinere; letztendlich absolut vermeidbare Schwäche offenbarte. Waren es zuvor etwa der nicht gänzlich optimale Sound der Drums, ist es dieses Mal schlicht alles was mit den Refrains und etwaigen überlagerten Gesängen korrespondiert – was bei einem eher hymnisch aufgemachten Album wie diesem natürlich nachteilig ins Gewicht fällt. Davon abgesehen stimmt aber, was der markant tönende Frontmann Jonny Lindqvist und seine Kollegen hier abliefern – vor allem in Bezug auf den wie immer schmackig-schroffen Gitarrensound und die insgesamt angenehm wuchtige Präsentation.

Wenn das Album also scheitert, dann auf einem recht hohen Niveau – und vornehmlich in Bezug auf die dieses Mal deutlich schwächeren i-Tüpfelchen in den Backgroundgesängen, Refrains und einzelnen merkwürdig kraftlos anmutenden Passagen in sonst guten Titeln wie END OF DAYS. Wen das nicht weiter stört, den erwartet noch immer ein äußerst anständiges Genre-Album – und ein weiteres Werk der hiesigen NOCTURNAL RITES-Diskografie, mit welchem man nicht allzu viele Fehler machen kann.

Absolute Anspieltipps: NEW WORLD MESSIAH, AVALON, NIGHTMARE, ANOTHER STORM


„Das erste NOCTURNAL RITES-Album bis 2004, das deutlichere Schwächen aufweist. Insgesamt betrachtet kann es aber noch immer überzeugen.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – Shadowland (2002)

Alben-Titel: Shadowland
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Mai 2002
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums
Mattias Bernhardsson – Keyboards

Track-Liste:

1. Eyes of the Dead (04:52)
2. Shadowland (04:32)
3. Invincible (04:57)
4. Revelation (04:44)
5. Never Die (04:23)
6. Underworld (04:27)
7. Vengeance (05:19)
8. Faceless God (05:14)
9. Birth of Chaos (04:15)
10. The Watcher (04:00)

Wo Schatten ist, ist immer auch Licht.

Gute 2 Jahre nachdem sich die schwedischen Recken der NOCTURNAL RITES analog zu einem markanten Lineup-Wechsel (den einstigen Leadsänger Anders Zackrisson ersetzte ab dem Jahre 2000 der auch heute noch in der Band aktive Jonny Lindqvist) auf ihrem Ende 2000 erschienenen vierten Studioalbum AFTERLIFE (siehe Review) quasi neu erfunden hatten, folgte mit SHADOWLAND der nächste Rundumschlag in Form eines knackigen Genre-Albums aus der hiesigen Metal-Schmiede. Und damit auch eines Albums, welches die mit der Neubesetzung von Jonny Lindqvist einhergehende; etwas rauere Marschrichtung der Band nochmals explizit unterstrich – auch wenn SHADOWLAND durchaus einige Parallelen zu den früheren Werken der NOCTURNAL RITES aufweist. Demnach trifft man es vielleicht am besten, wenn man hier von den neuen alten NOCTURNAL RITES spricht – die ihre ab 2000 gewonnene Kraft vor allem in Bezug auf das Riffing und den kräftigeren Leadgesang mit ihrem ursprünglichen Gefühl für großartige Melodien und eine gewisse Verspieltheit auf SHADOWLAND zu einem überraschend gut funktionierenden Ganzen verweben.

Anders gesagt: SHADOWLAND kommt nicht mehr ganz so düster daher wie sein Vorgänger, legt die zuvor anberaumten Elemente aus dem Trash- und Speed Metal fast vollständig ad acta – und bringt stattdessen wieder eine zünftige Portion eines europäischen Power Metals an den Start, die auch in Bezug auf ihre Hymnentauglichkeit überzeugen kann. Und das vornehmlich, da die NOCTURNAL RITES hier zu keinem Zeitpunkt Gefahr laufen ins kitschige abzudriften – und den insgesamt 10 Titeln eine angenehme Grund-Härte innewohnt, die die Nummern trotz der teils extrem eingängigen Mitsing-Refrains (wie in REVELATION) angenehm knackig klingen lässt. Entsprechend schwer könnte es einem auch fallen, die Highlights des Albums herauszupicken – das bereits im Auftakt einige absolute Hochkaräter serviert. Sei es der Opener EYES OF THE DEAD, der ganz und gar kultverdächtige Titeltrack SHADOWLAND oder das atmosphärisch stampfende INVINCIBLE -die NOCTURNAL RITES geben sich hier wahrlich nicht die Blöße, und überzeugen analog zu ihren schon immer aussagekräftigen handwerklichen Fähigkeiten auch mit einem guten Gespür für ein möglichst effektives Songwriting.

Nimmt man nun noch die äußerst druckvolle Produktion, die schier perfekte Abmischung (die weder den Leadgesang noch die brachialen Instrumentalkulissen benachteiligt), das grundsätzliche Auskommen oder zumindest eine äußerst minimalistische Herangehensweise in Bezug auf das Keyboard sowie das Ausbleiben eine sonst gerne obligatorischen Genre-Ballade hinzu; erhält man nicht weniger als eines der besten Power Metal-Alben des Jahres 2002. Eines, das wenn überhaupt nur kleinere Schwächen offenbart; deren Gewichtung je nach persönlicher Facón unterschiedlich ausfallen wird. So könnte etwa der schon auf dem Vorgänger etwas gewöhnungsbedürftige Sound des Drummings auch dieses Mal für einen (wenn dann aber minimalen) Anflug von Verdruss sorgen, und auch der Faktor der offerierten Abwechslung hätte ruhig noch markanter ausfallen können oder sollen. Zwar nicht unbedingt in Form einer Ballade, aber dennoch. Schließlich kommen gerade im späteren Verlauf nicht mehr viele neue Eindrücke oder solche hinzu, die den gelungenen Alben-Auftakt noch toppen könnten. Dennoch, und bei aller Liebe handelt es sich zweifelsfrei um eines der absoluten TOP-Alben der NOCTURNAL RITES.

Absolute Anspieltipps: EYES OF THE DEAD, SHADOWLAND, REVELATION, VENGEANCE


„Eine höchst interessante Symbiose aus kräftig-bissigen und melodisch-hymnischen Elementen.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – Afterlife (2000)

Alben-Titel: Afterlife
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 13. November 2000
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums
Mattias Bernhardsson – Keyboards

Track-Liste:

1. Afterlife (05:26)
2. Wake Up Dead (03:49)
3. The Sinner’s Cross (03:48)
4. Hell and Back (03:40)
5. The Sign (03:50)
6. The Devil’s Child (03:18)
7. Genetic Distortion Sequence (04:01)
8. Sacrifice (03:21)
9. Temple of the Dead (04:48)
10. Hellenium (04:47)

Huldige der aufziehenden Dunkelheit.

Wenn es eine Band gibt, die sich mit dem Marsch auf die Jahrtausendwende stetig verbessert und so gesehen auch musikalisch herausgeputzt hatte; dann waren das die NOCTURNAL RITES. Mit der Entscheidung, sich von ihren eher im Death Metal zu verortenden Wurzeln wegzubewegen und einen klassischen Power Metal der europäischen Spielart anzusteuern; unternahmen die Schweden schließlich das einzig richtige – wofür schon das Debütalbum IN A TIME OF BLOOD AND FIRE (siehe Review) sowie der Nachfolger TALES OF MYSTERY AND IMAGINATION (Review) hinreichend Anhaltspunkte gaben. Richtig rund ging es dann aber erst auf dem 1999 erschienenen THE SACRED TALISMAN (Review), trotz des wenig verheißungsvoll erscheinenden Alben-Titels. Hier liefen die NOCTURNAL RITES erstmals zu einer so nicht gekannten Höchstform auf, und präsentierten der Hörerschaft ein ebenso klassisches wie zeitloses Power Metal-Album der allerersten Güteklasse. Eines, das zwar ein wenig mit der zuvor eingeschlagenen Marschrichtung von auch mal etwas düsterer angehauchten Erzählungen frei nach den überschwänglichen Fantasy-Ambitionen von BLIND GUARDIAN brach; dafür aber mit einem ebenso überraschenden wie zutiefst wirksamen und sympathischen Charme der 80er-Metaljahre, grandiosen Melodien und schlicht unglaublich packenden Hymnen punkten konnte.

Umso kurioser erscheint es, dass ausgerechnet der hiesige Leadsänger Anders Zackrisson die Band kurz nach dem Release des Albums verließ – und durch den auch heute noch bei den NOCTURNAL RITES aktiven Jonny Lindqvist ersetzt wurde. Sicher war und ist der kein schlechter Sänger – doch führte seine Verpflichtung unweigerlich dazu, dass sich der allgemeine Sound der Band mitunter maßgeblich veränderte. So markiert schon das 2001 erschienene AFTERLIFE einen weiteren Umbruch innerhalb der Historie der Band – wobei man für sich selbst herausfinden muss, ob in eine wünschenswerte oder in eine doch etwas wehmütig stimmende Richtung. Fest steht nur, dass AFTERLIFE wesentlich düsterer und schwerer daherkommt als seine Vorgänger – und sich gerade im Zusammenspiel mit dem wesentlich harscheren Eindruck des neuen Leadsängers deutlichere Parallelen zu verwandten Genres wie dem des Trash- und Speed Metals ergeben. Immerhin: das äußerst variable, lebendige und antreibende Gitarrenspiel sowie einige eher hymnisch anmutende Elemente (wie schon der Refrain zum Alben-Auftakt im Titeltrack AFTERLIFE) sind der Band erhalten geblieben – wobei gerade das dafür sorgt, dass man sich als Konsument und Liebhaber der alten NOCTURNAL RITES-Scheiben nicht allzu sehr vor den Kopf gestoßen fühlt.

Insgesamt, und trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Unterschiede zum Vorgänger ist AFTERLIFE damit ein höchst solides Genre-Album geworden. Insbesondere natürlich für all jene, die eine Vorliebe für einen etwas düstereren Sound mit einem ordentlichen Fokus auf die entsprechend dröhnenden Gitarren hegen – und dafür auf den ein oder anderen feucht-fröhlichen oder explizit verspielten Moment wie noch auf THE SACRED TALISMAN verzichten können. Abwechslungsreich und vielschichtig genug ist das dargebotene Material schließlich dennoch – und die melodiösen Kompositionen wissen; auch wenn sie eine etwas andere Atmosphäre heraufbeschwören als bis dato für die Band üblich, den geneigten Genre-Hörer eben doch schnell zu begeistern. Wenn man einen Schwachpunkt des Albums benennen möchte oder müsste, dann würde sich der vermutlich (und am ehesten) auf den Klang des Drummings beziehen – das stellenweise doch etwas ungünstig klingt und einen eher artifiziellen Eindruck hinterlässt, gerade in den nicht selten aufkommenden Doublebass-Passagen. Davon abgesehen kann aber auch die Abmischung und Produktion des Albums überzeugen. Sicher, sich auf etwaige und auch mal etwas schwerer wiegende musikalische Veränderungen einzustellen ist nicht immer leicht – in diesem Fall aber sollte es einem erstaunlich gut gelingen.

Absolute Anspieltipps:AFTERLIFE, WAKE UP DEAD, THE DEVIL’S CHILD, SACRIFICE


„So oder so – mit den NOCTURNAL RITES war und ist zu rechnen.“