Metal-CD-Review: NIGHTMARE – The Burden Of God (2012)

Land: Frankreich – Stil: Heavy Metal

01. Gateways To The Void [Intro]
02. Sunrise In Hell
03. The Burden Of God
04. Crimson Empire
05. Children Of The Nation
06. The Preacher
07. Shattered Hearts
08. The Doomsday Prediction
09. The Dominion Gate [Part III]
10. Final Outcome

Comeback der (ganz) alten Metal-Hasen.

Vorwort: Es ist eine Seltenheit – eine Seltenheit und ein Privileg, ausnahmsweise mal wieder etwas über eine Band schreiben zu können, die seit gut 34 (!) Jahren im Geschäft ist. Natürlich bleibt es nicht aus, dass die Franzosen von NIGHTMARE dem ein oder anderen Stil- und Besetzungswechsel ausgesetzt waren und zudem die ein oder andere Schwierigkeit zu bewältigen hatten. In diesem Fall sogar eine ganz große, die mit der Auflösung der Band in den späten 80er Jahren gipfelte – erst gute 10 Jahre später kam es zur Neugründung. Dementsprechend ‚leer‘ ist die Diskografie in besagtem Jahrzehnt, aber auch sonst ist die Bandbreite an Veröffentlichungen recht übersichtlich geblieben. THE BURDEN OF GOD ist das achte offizielle Studioalbum der Band, welches nun die fulminante ‚Rückkehr‘ der Metaller um Frontmann Jo Amore in die Metal-Szene markieren soll. In der Tat spielen NIGHTMARE auf THE BURDEN OF GOD einen druckvollen Heavy Metal mit leichtem Retro-Charme, doch auch der Power Metal soll als wichtige (Gesamt-)Zutat nicht zu kurz kommen.

Kritik: Bevor es jedoch mit vollem Tempo losgeht, gilt es, sich mit dem Intro GATEWAYS TO THE VOID in das Szenario des neuen Albums einzufinden, und sich musikalisch einzustimmen. Das ganze klingt – passend zum hübschen, Gemälde-artigen Cover-Artwork – schön ’schaurig‘ und durch die Symphonischen Elemente allemal Soundtrack-tauglich. Und auch die Qualität der Produktion ist über jeden Zweifel erhaben, so und nicht anders hat ein Intro zu klingen. Dann allerdings erfolgt der Übergang zum Opener SUNRISE IN HELL, der einstweilen etwas ‚holprig‘ wirkt und nicht wirklich an die durch das Intro etablierte Stimmung anknüpfen kann. Schließlich fallen die Symphonischen Elemente komplett weg, vielmehr beginnt hier ein ’neuer‘ Abschnitt, der allein durch die beinharten Metal-Elemente und die schroffen Riffs geprägt wird. Sänger Jo Amore kommt zum Zug, der abermals beweisen kann dass er ein ansehnliches Stimmvolumen innehat und sowohl die satten Strophen als auch den beinahe freundlich klingenden Refrain anstandslos meistern kann. Eine flott-starke Heavy Metal-Nummer – aber mehr (noch) nicht. Mit THE BURDEN OF GOD folgt sogleich der Titeltrack des Albums, der noch etwas schroffer daherkommt und deutliche Trash-Anleihen aufweist. Nur das Tempo ist etwas gemäßigter, und definiert so den ’neuen‘ NIGHTMARE-Sound, der schön druckvoll, ‚pur‘ und ehrlich daherkommt.

Tatsächlich ist das Album weitaus expliziter dem True Metal zuzuordnen, als es für manche den Anschein hatte; auch gerade nach dem kompositorisch verspielten Intro. Das, was NIGHTMARE hier zelebrieren, ist Heavy Metal in seiner puristischen Form – eine Musik, der vornehmlich auf einen harten Sound und ein entsprechend kräftiges, den schroffen Eindruck unterstützendes Organ am Mikro setzt. Dafür ist auch das folgende CRIMSON EMPIRE ein gutes Beispiel – man sieht, dass es nicht viel mehr als die grundlegenden Metal-Zutaten braucht, um einen anständigen, und noch immer eigenständigen und einigermaßen innovativ erscheinenden Output zu kreieren. Im Refrain schrammt das Ganze sogar verdächtig nah an einem potentiellen Kult-Status, und überzeugt im weiteren Verlauf vor allem durch die perfekte Gitarrenarbeit. Mit CHILDREN OF THE NATION präsentiert sich sogleich der nächste Stampfer, der nun wieder etwas weniger Tempo bietet; aber dafür eine Prise mehr Härte. Fulminant: die Riffs, sowie die hier dezent eingesetzten Streicher im Hintergrund. Schade nur, dass so etwas wie ein ‚Höhepunkt‘ ausbleibt, man hat einfach stets das Gefühl, als wäre der Refrain lediglich ein Vorbau – und noch nicht der Refrain selbst. Zweifelsohne geht hier einiges an Hymnen-Potenital flöten, doch es bleibt bei einer halbwegs soliden Nummer. Allerdings macht sich langsam mehr und mehr Eintönigkeit breit – und das bereits nach gerade einmal 5 Titeln. Ein schlechtes Omen ?

Mit dem folgenden THE PREACHER schlägt man nun etwas ruhigere Töne an, zumindest zu Beginn – und auch ein wenig Kitsch soll in Form eines kurzen Einspielers Einzug halten. Danach aber entwickelt sich das Ganze mehr und mehr zu einer grundsoliden Rocknummer, die lediglich durch die etwas nervigen Riff-Lines eine Abwertung erfährt. Mit SHATTRED HEARTS soll nun also doch die Symphonische Komponente etwas in den Vordergrund rücken, zumindest zu Beginn. Warum bleibt man nur nicht dabei – was sich danach entfaltet, wird vor allem durch eine in diesem Fall etwas nervige Stimmlage sowie einen absolut unspektakulären Instrumentalpart definiert. Eine Art Halb-Ballade – aber leider keine allzu gute oder eine solche, die im Gedächtnis bleiben wird. THE DOOMSDAY PREDICTION klingt nach einem Titel, der ordentlich Druck auf den Kessel bringt – und das stimmt teilweise auch. Aber auch hier gilt: viel Potential wird durch die etwas kraftlose, bemüht erscheinende Struktur verschenkt, von der abermals der Refrain den negativen Höhepunkt markiert. Denn der ‚packt‘ einfach nicht, und lässt wieder viel zu viel Druck ab – sodass man sich irgendwo im Dudel-Mittefeld bewegt. Leider bewegt sich da auch THE DOMINION GATE (PART III), ein Titel, der es abermals nicht vermag, den Hörer wirklich zu fesseln. Weder ist eine merkliche ‚Kraft‘ oder Spielfreude spürbar, noch überzeugen die etwas merkwürdigen Gastgesänge, noch hat man dem Titel einen Hymnen-verdächtigen Refrain spendiert. Es folgt FINAL OUTCOME, wobei man auch hier das Ruder nicht mehr herumgerissen bekommt – wie auch nicht mit dem Abschlusstitel AFTERLIFE. Die verwendeten ‚Zusatzelemente‘ (wie die unpassende Erzählerstimme) wirken nicht stimmig, der Sound bleibt relativ flach, es mangelt der Band vermehrt an Tempo und Kraft.

Fazit: THE BURDEN OF GOD ist zweifelsohne ein grundsolides Album von Musikern, die ihr Handwerk verstehen und denen noch lange nicht die Ideen ausgegangen sind – doch letztendlich wirkt die Zusammenstellung der Titel ein wenig willkürlich und in der Gesamtwirkung gar ein wenig belanglos. Es fehlt an wirklichen Ausnahmetiteln, die vor Energie und Spielfreude nur so zu explodieren drohen – man hält es eher gemäßigt, was zwar in einem ‚fetten‘ Sound mündet, doch auch in einer ausbleibenden mitreissenden Wirkung. Das Album hat einen vergleichsweise guten Start, und gerade in Anbetracht des netten Intros hätte man mehr erwartet – danach wird es immer eintöniger und verwechselbarer. Immerhin macht das (nicht wirklich zum Eindruck der Musik passende) Cover-Artwork ordentlich was her – ein kleiner Wermutstropfen.

Anspieltipps: GATEWAYS TO THE VOID, SUNRISE IN HELL, CRIMSON EMPIRE