Metal-CD-Review: NARNIA – Narnia (2016)

Alben-Titel: Narnia
Künstler / Band: Narnia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. September 2016
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

CJ Grimmark – Guitars, Keyboards
Christian Liljegren – Vocals
Andreas „Habo“ Johansson – Drums
Martin Härenstam – Keyboards
Andreas Olsson – Bass

Track-Liste:

1. Reaching for the Top (03:38)
2. I Still Believe (04:30)
3. On the Highest Mountain (04:42)
4. Thank You (05:22)
5. One Way to the Promised Land (04:46)
6. Messengers (03:32)
7. Who Do You Follow? (04:10)
8. Moving On (03:42)
9. Set the World on Fire (03:40)

Das siebte Album der siebten Liljegren-Band… oder so ähnlich.

Man kann sie lieben oder aber einen großen Bogen um sie machen: Bands, die sich klar der übergeordneten Spielart des Power Metal verschrieben haben; sich thematisch aber auf einen ganz bestimmten Bereich beschränken respektive spezialisieren – und das längst nicht nur für die Dauer eines einzelnen Alben-Konzeptes. So hat das Genre des Heavy Metal schon manche Blütenpracht in Form verschiedener Subgenres hervorgebracht – wie etwa den sogenannten White Metal. Als Gegenentwurf zum düsteren und harschen Black Metal werden hier nicht etwa satanische oder gar fremdenfeindliche Inhalte besungen – sondern vielmehr direkt mit dem christlichen Glauben verbundene Herzensangelegenheiten. Tatsächlich könnte man behaupten, dass es relativ schwierig ist eben solche Inhalte möglichst sinnvoll und glaubwürdig in ein entsprechendes musikalisches Gewand zu packen – zumindest schwieriger als beim düsteren Genre-Pendant, das ohnehin seine eingeschworene Fanbase hat.

Somit stehen Musiker wie die von NARNIA vor einer zusätzlichen Herausforderung. Man möchte durchaus einen direkten Bezug zum christlichen Glauben herstellen, und im besten Fall auch andere Gläubige erreichen – aber eben auch nicht so, dass man Gefahr läuft sich dezent lächerlich zu machen. Demnach scheinen Bands wie NARNIA darauf bedacht noch ausreichend andere Elemente in ihrer Musik zu verbauen – denn auch die nicht explizit gläubigen Genre-Liebhaber wollen bedient werden. Wie gut oder fast schon genial ein solches Unterfangen funktionieren kann, zeigen etwa die US-Amerikanischen Power Metaller von THEOCRACY auf. Die könnte man schließlich nicht nur als eine der interessanteren Bands mit christlichen Inhalten bezeichnen – sondern auch als eine der besseren Genre-Bands im allgemeinen. Die Frage ist demnach, wie NARNIA im Vergleich zu dieser oder anderen Combos abschneiden – wobei man an einer Feststellung gewiss nicht vorbei kommt. Und das ist unter Umständen eine gleichermaßen markante wie problematische.

Denn: den Posten des NARNIA-Leadsängers hat niemand geringeres als Christian Liljegren inne. Oder eher: er hat ihn wieder inne, nachdem er sich ab 2008 von NARNIA verabschiedet hatte und erst im Jahre 2014 zurückkehrte. Sicher ist dabei weder etwas gegen seine Gesangsleistung im allgemeinen, oder aber sein enormes Engagement innerhalb des Genres zu sagen – zumal er seine Fähigkeiten bereits hinreichend unter Beweis gestellt hat. Ein mit Liljegren verbundener Aspekt schmälert den Gesamteindruck der neuen NARNIA-Platte dann aber doch – auch wenn es sich so gesehen um einen indirekten handelt. Denn: es bleibt schlicht nicht aus, dass NARNIA unter Liljegren’s Führung frappierend nach den Ergüssen von DIVINEFIRE oder GOLDEN RESURRECTION klingen. Daran ist zwar nicht allein der Leadgesang verantwortlich – im Zusammenspiel mit der jeweils ganz ähnlichen instrumentellen Marschrichtung sowie den schier deckungsgleichen Inhalten macht er den Eindruck aber perfekt. Somit ist es schwierig, dem neuen NARNIA-Album etwas abzugewinnen was man sich beispielsweise nicht schon auf GOLDEN RESURRECTION’s MAN WITH A MISSION oder dem Nachfolger ONE VOICE FOR THE KINGDOM (siehe Review) hat holen können.

Immerhin: dass gleichermaßen flotte wie hymnische I STILL BELIEVE kann beinahe mit der etablierten Wirkung eines schmackigen IDENTITY IN CHRIST mithalten – und die auf dem neuen NARNIA-Album anberaumte Abwechslung aus energischeren und eher balladesken Momenten ist grundsätzlich angenehm. Die Kehrseite der Medaille, die eng mit der bereits behandelten Verwechselungsgefahr zu Bands wie GOLDEN RESURRECTION verbunden ist; offenbart dagegen ganz und gar ernüchterndes. So kann keine der auf dem Album enthaltenen Nummern wirklich zünden oder sich nachhaltig einbrennen, der Gesang und das Instrumentenspiel wirken einstweilen wie festgefahren. Anders gesagt: NARNIA scheinen hier insgesamt eher auf Nummer sicher gegangen zu sein, und sich dabei vor allem hinsichtlich ihrer Refrains verhaspelt zu haben. Derart kraftlose und uninspirierte Anwandlungen wie die hier immer wieder vertretenen sorgen jedenfalls nicht gerade dafür, den Hörer bei der Stange zu halten.

Hinzu kommt, dass sich neben den schnell zu entdeckenden grundsoliden Nummern wie etwa REACHING FOR THE TOP, I STILL BELIEVE oder ONE WAY TO THE PROMISED LAND leider auch solche finden, die sich qualitativ eher unterhalb einer wie auch immer gearteten Mittelmäßigkeit wohlzufühlen scheinen. Das auffallend langatmige und alles andere als emotionsgeladene ON THE HIGHEST MOUNTAINS, das viel zu schnulzige und mit störenden Verzerr-Effekten versehene THANK YOU; oder allgemein wenig aussagekräftiges Material a’la WHO DO YOU FOLLOW oder MOVING ON verhindern letztendlich, dass das Album überhaupt eine nennenswerte Wirkung entfalten kann. Zu großen Teilen regiert eine pure Langeweile und eine ärgerliche Gleichförmigkeit – die das Album mit den nunmehr relativ platt wirkenden christlichen Bezügen weit unter den Rang anderer vergleichbare Werke katapultiert.

Absolute Anspieltipps: I STILL BELIEVE, ONE WAY TO THE PROMISED LAND


„Zwei oder drei solide Nummern können dieses Album leider nicht retten.“