Metal-CD-Review: MONTANY – New Born Day (2002)

Alben-Titel: New Born Day
Künstler / Band: Montany (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Juni 2002
Land: Niederlande
Stil / Genre: Power Metal
Label: Limb Music

Alben-Lineup:

Stefan Brederode – Bass
Dirk Hoek – Guitars
Patrick van Maurik – Vocals
John Brederode – Drums
Albert Houwart – Guitars

Track-Liste:

1. Out of the Dark (00:37)
2. Back from the Sky (04:19)
3. New Born Day (06:03)
4. Here in the Light (04:48)
5. World of Dreams (The Evermore) (04:51)
6. Higher and Higher (06:27)
7. Pyramid of Cheops (06:27
)
8. Sentenced (05:43)
9. Chains of Glory (05:26)
10. Deep Water Rising (03:28)
11. End of the Ride (05:58)

Und es gibt sie doch.

NEW BORN DAY ist das Debütalbum der niederländischen Power Metal-Formation MONTANY, die eigentlich schon im Jahre 1989 als MONTANI gegründet wurde. Das kuriose dabei ist, dass die Band trotz der wenigen an die Öffentlichkeit gelangten Aufnahmen des öfteren vor markanten existentiellen Problemen stand – sodass MONTANY schon bevor es überhaupt richtig losging zahlreiche Lineup-Wechsel, stilistische Experimente und Phasen des Stillstands durchmachen mussten. Bis, ja bis es kurz nach der Jahrtausendwende endlich soweit war: nach der ersten Demo THE EVERMORE folgte 2002 endlich das Debütalbum NEW BORN DAY. Unglücklicherweise, und wie man heute weiß schien der Weg für MONTANY aber auch damit nicht wirklich geebnet – schon 2004 verfielen sie erneut in eine lange Ruhephase, die erst durch den längst überfälligen zweiten Langspieler BIOGENETIC (das war 2013, siehe Review) unterbrochen werden sollte.

Allerdings war der alles andere als eine Offenbarung – und konnte die immensen, über die Jahre entstandenen Erwartungen oder eher Hoffnungen schlicht nicht erfüllen. Damit ist wohl auch die Tatsache, dass sich die Band nach eben jenem Album schon wieder zurückgezogen hat eigentlich kaum noch verwunderlich. Immerhin wird das vorliegende 2002’er Debütalbum von einigen als waschechter Geheimtipp eingestuft, sodass dem geneigten Genre-Konsumenten ohnehin nicht viel mehr bleibt als in Erinnerungen zu schwelgen; zumindest aktuell – und ein im besten Fall zeitlos gutes Power Metal-Album zu verköstigen. Und tatsächlich: in Bezug auf das insgesamt 11 Titel enthaltene NEW BORN DAY spricht so einiges für die Musik der frühen MONTANY. Und das nicht nur, da die Band zum Zeitpunkt der Veröffentlichung eine der wenigen Genre-Formationen aus den Benelux-Ländern war und somit automatisch ein gewisses Interesse weckte.

Auch musikalisch legten MONTANY einiges vor – wie ihren vergleichsweise Gitarren-intensiven Sound, der durch die gleichermaßen variable wie stilsichere Arbeit von Dirk Hoek und Albert Houwart durchweg überzeugt. Doch auch der teilweise deutlich hörbare und gut in Szene gesetzte Bass (wie in DEEP WATER RISING), das antreibende Drumming sowie das glücklicherweise nur sporadisch eingesetzte Keyboard hatten und haben einen nicht unerheblichen Anteil an der klassischen Gesamtwirkung des Albums. Und überhaupt: wenn die Band in der Lage war einen herausragenden, sich direkt im Gehörgang festsetzenden Opener wie BACK FROM THE SKY zu kreieren; sollte doch eigentlich nichts mehr schiefgehen können.

Und doch gilt es eine gewisse Vorsicht walten zu lassen, denn: in den Folgenummern gingen es MONTANY schon wesentlich ruhiger, im schlimmsten Fall gar wesentlich unspektakulärer an. Sicher, gegen das solide Handwerk ist dabei nur selten etwas zu sagen – doch mit Nummern wie dem Titeltrack NEW BORN DAY, dem im Refrain äußerst schwache HERE IN THE LIGHT oder dem rhythmisch dezent problematischen DEEP WATER RISING konnten MONTANY dem gelungenen Auftakt nicht mehr viel hinzufügen. Auch, und das fällt insbesondere bei der sonst recht annehmbaren Halb-Ballade WORLD OF DREAMS auf; da der hiesige Leadsänger Patrick van Maurik eine nicht gerade herausragende oder gar unverwechselbare Stimme an den Tag legte – und zudem mit teils deutlichen Probleme in Bezug auf die Aussprache und Intonation (PYRAMID OF CHEOPS) sowie den gerne mal anberaumten höheren Lagen zu kämpfen hatte.

Hinzu kommt, und diese Feststellung wird ja nach dem vorhandenen Grundwissen anders gewichtet werden; zeigten sich MONTANY offenbar nicht allzu bemüht für klare Alleinstellungsmerkmale zu sorgen. Anders gesagt: wer einige der früheren Werke von Bands wie HAMMERFALL, HELLOWEEN, GAMMA RAY oder ähnlichen europäischen Galionsfiguren des Genres gehört hat; dem könnten einige der auf NEW BORN DAY vorhandenen Elemente verdächtig bekannt vorkommen. Das muss nicht zwingend etwas schlechtes heißen, zumal viele Power Metal-Bands ganz ähnliche Inspirationsquellen hatten und haben – doch im direkten Vergleich klingen die frühen MONTANY etwas weniger prägnant, und wenn man so will auch etwas weniger effektiv. Immerhin: NEW BORN DAY geht noch ganz locker als solides Genre-Album durch – mehr aber auch nicht.

Absolute Anspieltipps: BACK FROM THE SKY, HIGHER AND HIGHER, END OF THE RIDE


Starke Instrumente treffen auf einen durchwachsenen Leadgesang und eine eher mittelmäßige Produktion.

Metal-CD-Review: MONTANY – Biogenetic (2013)

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Alben-Titel: Biogenetic
Künstler / Band: Montany (mehr)
Land: Holland
Stil / Genre: Melodic Hard Rock / Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Stefan Brederode – Bass
Dirk Hoek – Guitars
Patrick van Maurik – Vocals
Marcel Chaudron – Drums

Track-Liste:

1. Of Fire and Ice (04:44)
2. Biogenetic (03:47)
3. Falling to Pieces (04:22)
4. Without You (06:50)
5. Miles Away (04:20)
6. Angels Smile (04:33)
7. Change of Seasons (04:40)
8. Moment of Faith (05:38)
9. Egypt (06:37)

Ein mehr als überraschendes Comeback.

Sicher, MONTANY muss man nicht unbedingt kennen. Jenen, die die Power Metal-Combo aus den Niederlanden aber ein Begriff ist, werden sich vor allem an einzelne Nummer, respektive Hymne erinnern: BACK FROM THE SKY, die zeitlose Nummer 2 des 2002’er Albums NEW BORN DAY. Wobei, eigentlich bräuchte man in diesem Fall gar keine Jahresangabe zu machen – denn bis dato handelte es sich um das einzige Album der Band. Was etwas merkwürdig erscheint, wurden MONTANY doch bereits im Jahre 1989 gegründet. Auch wenn sie mit einem Album und einer EP in über 20 Jahren Bandgeschichte sicherlich nicht zu den produktivsten Bands gehören (im Gegenteil, vermutlich handelt es sich hier sogar um einen Negativrekord), so fungierte sie bei manchen noch immer als Geheimtipp; und eine Rückkehr der Band wurde sehnlichst erhofft. Diese Rückkehr kommt satte 11 Jahre nach dem letzten offiziellen Album der Band zwar reichlich spät daher – aber immerhin findet sie überhaupt statt, und zwar in Form des Albums BIOGENETIC.

Aber: wenn man die Geschichte einer Band über Jahre hinweg verfolgt, so ist bei einer Wartezeit von 11 Jahren kaum noch von etwaigen Erwartungshaltungen und / oder Hoffnungen zu sprechen. Somit kann BIOGENTIC freilich als das angesehen werden, was es ist – ein eigenständiges Album einer quasi neu gegründeten Band. Mitunter hat das eine positive Folge, wenn auch nur für das Ansehen der Band: der ganz große Schock bleibt beim Hören von BIOGENETIC aus. Der Schock, den man sicherlich erleiden müsste, hört man sich einmal an was die Band im Laufe all der Jahre gemacht haben muss, verpasst haben muss. BIOGENTIC klingt nämlich tatsächlich wie ein Debütalbum, wenn überhaupt – und das macht die Holländer auch gleich mit dem Opener OF FIRE AND ICE klar. Hier handelt es sich um eine melodische Rocknummer die von jeder x-beliebigen Band stammen könnte; die allgemein eher kraftlos ist, die auf merkwürdig-moderne Soundelemente setzt und die durch die schwache Produktion ohnehin kaum zur Geltung kommt. Was für ein Start nach 11 Jahren – das haut einen wahrlich nicht vom Hocker, bestenfalls im negativen Sinne.

Im weiteren Alben-Verlauf fängt sich dann zumindest Leadsänger Patrick van Maurik, der eine gewisse Eigenständigkeit mitbringt und sich stimmlich durch die markante Symbiose aus eher rauen und sanfteren Tönen profiliert. Doch auf der instrumentellen Ebene scheint die Luft absolut raus – selbst der Titeltrack BIOGENETIC ist eine wenig innovative Midtemponummer mit harten, aber äußert repetitiven und somit einschläfernden Riffs. Dies ist im übrigen ein Phänomen, welches sich auch auf grundsätzlich alle anderen Titel bezieht – MONTANY genügen offenbar ein oder zwei Grundriffs, welche mit einigen künstlich-trancigen Keyboardklängen versehen werden – und das war es denn auch schon fast wieder gewesen. Besonders im Mittelteil gesellt sich dann noch eine balladeske Komponente hinzu, die es aber nicht besser macht. Im Gegenteil: sie unterstützt die eher schwammig wirkende Ausrichtung der Band, und sorgt zusätzlich für eine Portion Schmalz. Was auch immer bei Nummern wie ANGELS SMILE oder CHANGE OF SEASONS (vor allem in den Strophen) passiert sein muss – es klingt beinahe so komisch, dass man lauthals loslachen könnte.

Fazit: Sicher, MONTANY waren schon immer etwas unentschlossen wenn es um die Wahl ihres eigentlichen Stils geht – doch BIOGENETIC kann weder als melodisches Rockalbum, noch als Power Metal-Comeback überzeugen. Der einzige zu gefühlten 100 Prozent überzeugende Lichtblick des Albums ist MOMENT OF FAITH – wie passend, doch rechtfertigt ein einzelner Moment wie dieser eben nicht den Kauf eines kompletten, sonst enttäuschenden Albums. Dann doch lieber zu den potentiellen Vorbildern greifen, die beides können (nach Möglichkeit aber separat): ein Szene-Urgestein wie Michael Kiske (Power Metal mit HELLOWEEN, Melodic Rock mit PLACE VENDOME oder UNISONIC) lässt grüßen.

Anspieltipps: WITHOUT YOU, MOMENT OF FAITH

Vergleichsbands: GAMMA RAY | PRIMAL FEAR

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„Kraft ersetzt durch Belanglosigkeit“