Metal-CD-Review: MANOWAR – Kings Of Metal MMXIV (2014)

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Alben-Titel: Kings Of Metal MMXIV
Künstler / Band: Manowar (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Heavy Metal
Label: Magic Circle Music

Alben-Lineup:

Joey DeMaio – Bass, Keyboards
Karl Logan – Guitars, Keyboards
Donnie Hamzik – Drums, Percussion, Vocals
Eric Adams – Vocals

Track-Liste:

1. Hail and Kill MMXIV
2. Kings of Metal MMXIV
3. The Heart of Steel MMXIV (Acoustic Intro Version)
4. A Warrior’s Prayer MMXIV
5. The Blood of the Kings MMXIV
6. Thy Kingdom Come MMXIV
7. The Sting of the Bumblebee MMXIV
8. Thy Crown and Thy Ring MMXIV (Orchestral Version)
9. On Wheels of Fire MMXIV
10. Thy Crown and Thy Ring MMXIV (Metal Version)
11. The Heart of Steel MMXIV (Guitar Instrumental)

Manchmal sollte man altbewährtes ruhen lassen.

Warum gibt es eigentlich Re-Releases ? Als langjähriger Konsument von grundsätzlich allen Medienformaten wird man sich früher oder später mit dieser Frage konfrontiert sehen. Natürlich müssen sich die jeweiligen Verantwortlichen dieser erst Recht stellen, doch entgegen einer allgemein verbreiteten Befürchtung hinsichtlich einer besonders perfiden Art der Geldmacherei haben Re-Releases oftmals gute, nachvollziehbare Gründe. Nicht selten geht es dabei um gewisse Jubiläen oder Sondereditionen, die speziell im Bereich der Musik besonders prägnante Vorteile mit sich bringen. Denn wer sagt schon nein zu einem Re-Release eines Klassikers (zum Beispiel zum langjährigen Bestehen einer Band), welches mit üppigem Bonusmaterial ausgestattet ist ? Oder aber zu einer Veröffentlichung, die in in technischer Hinsicht derart aufpoliert wurde, dass sie gänzlich neue (und vielleicht vom jeweils Erschaffendem von vorne herein beabsichtige) Einblicke zulässt ? Oder, und das wäre wohl einer der ehrenvolleren Gründe; zu einem Re-Release eines in Vergessenheit geratenen Albums, welches lange Zeit über vergriffen war und nun einer breiteren Masse zugänglich gemacht werden soll ?

Wie so oft gibt es aber auch eine Kehrseite der Medaille. Die bereits erwähnte, perfide Art der Galdmacherei kann hier eine Rolle spielen – oder aber, und das wäre einer der ärgsten und peinlichsten Gründe: den Künstlern fällt schlicht nichts neues mehr ein. So kann ein Re-Release eine potentiell zu lange Wartezeit auf ein neues Album überbrücken, und einer Band mehr Zeit verschaffen sich kreativ zu verausgaben. Welcher der eben genannten Punkte nun genau auf MANOWAR’s KINGS OF METAL MMXIV zutrifft, lässt sich nicht wirklich akkurat herausarbeiten – am ehesten handelt es sich um eine Kombination aus allen Aspekten, das heißt sowohl den positiven als auch negativen Absichten.

Gerade bei einer Band wie MANOWAR bietet es sich an, etwas kritischer an die Sache heranzugehen – hat sich die Band in den letzten Jahren nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, und bereits kurz zuvor ein ganz ähnliches Album veröffentlicht. BATTLE HYMNS MMXI war die verdächtig belanglos erscheinende Neuauflage ihres Alben-Klassikers von 1982, die 2010 erschien. Offenbar verwirrte diese nicht gänzlich nachvollziehbare Maßnahme Kritiker, Fans und sogar die Bandmitglieder gleichermaßen; dass selbst das echte Nachfolgealbum LORD OF STEEL kaum noch für Furore sorgen konnte – sondern ebenfalls relativ kritisch beäugt wurde, sicher auch zu Recht. Das war 2012 – nach nunmehr weiteren 2 Jahren hätten MANOWAR also definitiv die Chance gehabt, alle Zweifelnden erneut eines besseren zu belehren. Vielleicht auch, indem sie zu ihren alten Stärken  zurückgekehrt wären, was sie auch gewissermaßen taten – aber auf eine eher unliebsame Art und Weise.

Denn trotz des sicher verdienten 25-jährigen Jubiläums des MANOWAR-Kultalbums KINGS OF METAL ist das erneute Release eines alten Klassikers wie diesem alles andere als eine Glanzleistung. Zumindest nicht in dieser Form – denn es handelt sich um weit mehr als eine typische Jubiläums-Veröffentlichung mit zusätzlichem Bonusmaterial und einem technisch aufpolierten Sound. Wie schon bei BATTLE HYMNS MMXI sind die Jungs von MANOWAR tatsächlich erneut ins Studio gegangen, und haben ihren Klassiker komplett neu eingespielt – mit einem Ergebnis, welches weder gelungen noch explizit misslungen erscheint; sondern schlicht und einfach verstörend.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Das Re-Release ist nicht schlecht, da das auf KINGS OF METAL dargebotene Material bereits im Original so gut und wegweisend war, dass selbst eine wie auch immer geartete Aufpeppung oder Modernisierung nicht viel daran ändern würde. Das Re-Release ist aber schlecht und komplett unsinnig, weil die damaligen Eindrücke nicht einmal von MANOWAR selbst übertroffen können, und sich aus zwei damit zusammenhängenden Faktoren weitere Probleme ergeben. Gemeint ist hier vor allem das Alter der Mitglieder, welche nun einmal nicht mehr so kraftvoll und energetisch agieren; sowie die Qualität der Produktion. Die ist zwar grundsätzlich perfekter und fulminanter, doch mündet dies gerade hier nicht unbedingt in einem Vorteil. Sicher schrammelt es nirgendwo mehr ungewollt, der Sound ist überaus klar und druckvoll – doch ist das spezielle Flair des Originals nun einmal unantastbar, und kann kaum bei einer Jahrzehnte später stattfindenden Neuaufnahme  eingefangen werden. Davon abgesehen fehlt es einem Re-Release wie diesem vor allem an einem: Glaubwürdigkeit. Was damals noch als rebellischer schwermetallische Kampfansage an alle Genrekollegen und Neider verstanden werden konnte, ist heutzutage und in der Neuauflage nicht viel mehr als eine merkwürdige Form der Parodie. Immerhin: auf der zweiten CD finden sich einige Instrumentalversionen, für die es auch die unten vermerkten (Rest-)Punkte gibt. Hätte man diese zu einer unveränderten Neuauflage des Originals gepackt und eine schöne Jubiläumsbox gesteckt, wäre alles in bester Ordnung gewesen.

Fazit: Es erübrigt sich vollständig, auf die einzelnen Titel von MANOWAR’s KINGS OF METAL MMXIV einzugehen. Wer das Original besitzt, kennt sie – und wird sie hier keiner verbesserten, sondern lediglich veränderten Form vorfinden. Verändert deshalb, da nicht nur die Produktionsqualität einen anderen (aber nicht unbedingt wirksameren) Zugang ermöglicht, und kleinere Details in den Titeln selbst leicht abgeändert wurden. Andererseits aber sind die Veränderung derart marginal, dass sich; und das ist das paradoxe – das Release erst recht nicht für Fans der Band eignet. Diese brauchen alles andere als ein KINGS OF METAL im neuen Gewand, welches den Geist und Flair des Originals völlig ad absurdum führt und als lahmer Neuaufguss eine mögliche Wartezeit auf ein neues Album überbrücken soll. All dies wäre vielleicht nicht so schlimm, hätten MANOWAR denselben Fehler nicht schon einmal gemacht (und zwar mit der Neuauflage von BATTLE HYMNS) und daraufhin ein bestenfalls mittelprächtiges neues Album abgeliefert. Es ist jener sich wiederholende Prozess, der nun langsam aber sich das endgültige Ende der Band zu besiegeln scheint. Denn was wird aller Vermutung nach noch als nächstes folgen ? Wieder ein mittelmäßiges Studioalbum, und daraufhin eine Neueinspielung von THE TRIUMPH OF STEEL ? Darauf können dann nicht nur Fans der Band gerne verzichten, sondern auch alle anderen – die sich lieber mit der eigentlichen MANOWAR-Diskografie befassen sollten, die bis in das Jahr 2007 reicht. Alles, was danach kam; ist zu vernachlässigen; jetzt erst Recht.

Anspieltipps: /

Vergleichsbands: VIRGIN STEELE | MAJESTY | ROSS THE BOSS | WARLORD


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„Das Material ist alles andere als schlecht – die Art der Vermakrtung und der Werdegang der Band aber treiben einem Tränen in die Augen.“

Metal-CD-Review: MANOWAR – The Lord Of Steel (2012)

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Alben-Titel: The Lord Of Steel
Künstler / Band: Manowar (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Heavy Metal
Label: Magic Circle Music

Alben-Lineup:

Joey DeMaio – Bass, Keyboards
Karl Logan – Guitars, Keyboards
Donnie Hamzik – Drums, Percussion, Vocals (choirs)
Eric Adams – Vocals

Track-Liste:

1. The Lord of Steel 04:07
2. Manowarriors 04:32
3. Born in a Grave 05:03
4. Righteous Glory 05:47
5. Touch the Sky 03:48
6. Black List 06:44
7. Expendable 03:11
8. El Gringo 06:55
9. Annihilation 03:58
10. Hail, Kill and Die 03:57
11. The Kingdom of Steel 07:20

Ein echter MANOWARrior gibt auch im Alter keine Ruhe.

Die Geschichte einer Band wie MANOWAR geht weit, weit zurück. Und ganz egal wie umstritten sie in Metal-Kreisen auch sein mögen – sei es aufgrund musikalischer oder auch anderer Belange – sie haben einen nicht unwesentlichen Teil zur Entwicklung des Genres beigetragen. Dementsprechend liest sich auch die bisherige Diskografie der Band, die im Jahre 1981 mit einer Demo begann – was dann alles folgte, ist und bleibt Geschichte. Alle einzelnen Releases (von der Demo über Live-CD’s bis hin zur DVD) zu zählen oder gar aufzulisten, gleicht da schon einem kleinen Mammutprojekt. Zwar kommt auch weiterhin ausnahmslos jedes Jahr das ein oder andere Material auf den Markt, doch zumindest hinsichtlich der eigentlichen MANOWAR-Studioalben bleibt es weitestgehend übersichtlich. Es ist eben nicht mehr so wie früher, als die Alben Schlag auf Schlag folgten – 2002 erschien WARRIORS OF THE WORLD (Review), erst 2007 dann das umstrittene GODS OF WAR (Review), und 2010 die Neuauflage BATTLE HYMNS MMXI (Review), die man aber streng genommen nicht als vollwertiges Album betrachten kann. Umso spannender wurde es mit dem 2012 erschienenen LORD OF STEEL, dem ersten vollwertigen MANOWAR-Alben nach 5 Jahren Pause.

Und wie haben sich die Amerikaner auf und mit diesem geschlagen ? Fest steht, dass das auf GODS OF WAR präsentierte Projekt ein offenbar einmaliges war – auf LORD OF STEEL kehren MANOWAR eher wieder in ihre alten und gewohnten musikalischen Gefilde zurück. Das heißt de facto, dass es keinerlei symphonische Anteile mehr gibt, ein großer konzeptioneller Storyhintergrund bleibt ebenfalls aus; selbst etwaige mögliche Zwischenspiele wurden gestrichen. LORD OF STEEL bietet dem Hörer demnach 10 vollwertige Titel feil – ohne Intro, Outro und sonstigem Schnickschnack. Das lässt indes noch keine genaueren Schlüsse auf die Musik zu, und wird von Fan zu Fan unterschiedlich aufgenommen werden.

Nähert man sich dann dem eigentlichen Material, so stellt sich zunächst Ernüchterung ein. Eine Ernüchterung, die schlicht daher rührt, dass man immerhin 5 Jahre auf das Album warten musste – und es in Anbetracht dessen doch verdächtig unspektakulär klingt. LORD OF STEEL bietet so gesehen nichts neues, und ist am ehesten ein typisches MANOWAR-Alben im Stile der 80er oder frühen 90er-Jahre. Da man bei einer Band wie MANOWAR aber nicht unbedingt auf gänzlich neues Material hofft, klingt das erst einmal recht gut. Jedoch ist Vorsicht geboten: auch wenn diese Rückbesinnung einigen (zumindest von der Theorie her) gefallen wird, steht auf der anderen Seite fest, dass MANOWAR nicht mehr den jugendlichen Elan von dereinst haben. Und das wirkt sich verständlicherweise auch auf ihre Musik aus, die zwar immer noch recht druckvoll durch die Boxen rauscht – aber nicht mehr ganz so authentisch wirkt.

Immerhin liegt dies kaum an der Darbietung des Leadsängers Eric Adams, der nun schon seit 1980 das MANOWAR-Gesangsszepter in der Hand hält. Der gute scheint sein Ding durchzuziehen, komme was wolle – und so gibt er sich auch mit fortschreitendem Alter keinerlei Blöße. Seine Stimme ist nach wie vor markant, überaus kraftvoll; und entfaltet noch immer einen gewissen Reiz – auch wenn die wirklich hohen Töne keine große Rolle mehr spielen. Man gibt sich eben etwas dezenter, was einerseits nachvollziehbar wirkt – andererseits, und in Bezug auf die Instrumentalparts ist die Luft so gut wie raus. Das Drumming ist solide aber etwas monoton, die Gitarren sind zweckdienlich aber längst nicht mehr so lebendig wie in früheren Zeiten, legendäre Soli oder andere musikalische Raffinessen die wirklich in den Gehörgängen hängenbleiben, sucht man vergebens. Das kuriose: als einziges markantes Merkmal fungiert der extrem verzerrte, leicht elektronisch klingende Bass; der einen riesengroßen Anteil an der allgemeinen Soundkulisse einnimmt. Markant heißt in diesem Fall aber nicht automatisch gelungen, denn hier werden sich die auch die MANOWAR-Geister wieder einmal gnadenlos scheiden. Sicher, es handelt sich um ein neues, vielleicht gewagtes Element – aber vor allem den Fans der alten Schule wird der gute alte, unverfälschte Klang einer Metal-Bassgitarre einfach fehlen.

Aber auch in Sachen Songwriting begibt man sich allerhöchstens auf längst bekannte, und somit leicht ausgenudelte Pfade. Etwaige Stichwörter immer wieder zu verwenden (und das natürlich auch in den Titeln selbst) gehört zwar zu MANOWAR dazu – doch dieses Mal überschreitet man die Kitsch-Grenze noch etwas deutlicher als zuvor. All dies mögen eher kleinere Probleme sein – im Endeffekt aber verfehlen MANOWAR mit LORD OF STEEL aber vor allem ein Ziel: wirklich prägnante, nachhaltige Titel zu präsentieren, die man auch in vielen Jahren immer wieder gerne hören will. Schließlich findet sich selbst wenn die Songs an sich recht gut sind, gut sein könnten – immer wieder mindestens ein störendes Merkmal. Beim Titeltrack LORD OF STEEL ist es der aufdringliche Bass, bei MANOWARRIORS sind es die Lyrics und die Shouts im Refrain, RIGHTEOUS GLORY ist bei weitem zu kitschig, BLACK LIST ist kräftig aber viel zu eintönig… die Liste ist erweiterbar. Fest steht nur, dass keiner der Titel als herausragend bezeichnet werden kann.

Fazit: Nein, LORD OF STEEL ist nicht unbedingt ein Reinfall – sondern fungiert vor allem für MANOWAR-Fans als absolut durchschnittliche Kost. Denn gerade die werden noch für das ein oder andere Element (Stichwort Songwriting) Verständnis haben – alle anderen könnten sich schon etwas wundern und sich (berechtigterweise) fragen, ob dies wirklich die sogenannten Könige des Metals sind, die hier gerade zu hören sind. Neben dem zwar aufregenden, aber doch diskutablen Basspart herrscht nämlich grundsätzlich eines vor: eine große, gähnende Langeweile, wenn nicht gar eine gefühlte Belanglosigkeit. Wie so oft lohnt sich hier eher ein Blick auf frühere Alben, in denen Konzepte wie das hier dargebotene einfach noch unverbrauchter und rebellischer wirkten.

Anspieltipps: THE LORD OF STEEL, TOUCH THE SKY, HAIL KILL AND DIE

Vergleichsbands: VIRGIN STEELE | MAJESTY | ROSS THE BOSS | WARLORD


50oo10

„Weder gut noch schlecht – sondern irgendwie belanglos“

Metal-CD-Review: MANOWAR – Battle Hymns MMXI (2010)

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Alben-Titel: Battle Hymns MMXI
Künstler / Band: Manowar (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Heavy Metal
Label: Magic Circle Music

Alben-Lineup:

Eric Adams – Vocals
Donnie Hamzik – Drums, Percussion
Joey DeMaio – Bass
Karl Logan – Guitars
Ross the Boss – Guitars on Live Tracks

Track-Liste:

1. Death Tone 05:06
2. Metal Daze 04:32
3. Fast Taker 04:06
4. Shell Shock 04:12
5. Manowar 04:00
6. Dark Avenger 06:23
7. William’s Tale 01:51
8. Battle Hymn 09:22
9. Death Tone (live version) 03:54
10. Fast Taker (live version) 04:57

Braucht es wirklich drei Versionen eines Klassikers ?

Es ist immer so eine Sache mit Bands, die zwecks einer Art Rückschau oder eines Jubiläums frühere, eventuell aufregendere und erfolgreichere Zeiten zelebrieren. Sicher; es sei ihnen gegönnt, gerade einer langjährig aktiven Band wie MANOWAR. Doch das, was die amerikanischen True-Metaller mit ihrem Release BATTLE HYMNS MMXI beabsichtigten, scheint nicht ganz klar. Denn schließlich handelt es sich weder um eine handelsübliche Compilation mit den potentiell aussagekräftigsten Titeln aus früheren Zeiten, noch um eine simple Neuauflage – sondern um eine komplette Neuaufnahme eines mittlerweile legendären (wenn auch nicht gänzlich unantastbaren) Albums. Mal ganz davon abgesehen, dass man damit grundsätzlich viel mehr kaputtmachen als aufwerten kann; erscheint es in diesem Fall zusätzlich merkwürdig – da im Jahre 2001 bereits eine Remastered-Version des Debüts der Amerikaner erschien. Warum also legen MANOWAR noch eins drauf, und präsentieren dem Hörer mit BATTLE HYMNS MMXI mittlerweile eine dritte Version eines Albums, welches eigentlich keiner weiteren Verbesserung bedurfte ?

Es ist und bleibt fraglich – da bereits mit der 2001’er Neuauflage das gewisse Flair, welches auf dem Debütalbum vorherrschte, teilweise abhanden gekommen ist. Ein Debütalbum, welches Anfang der 80’er Jahre unter vielleicht nicht ganz optimalen Bedingungen entstand, darf auch ruhig so klingen – immerhin steigert das die Glaubwürdigkeit, und erlaubt es dem Hörer auch 20 oder 25 später noch einmal in den Geist der damaligen Zeit einzutauchen. Immerhin: etwaige Remastered-Versionen sind oft nicht komplett nutzlos, sie bieten es dem Hörer an sich einem bereits bekannten Material noch einmal von einer anderen Seite zu nähern; und im gleichen Atemzug auch potentielle Neulinge zu begeistern – die sich eventuell am etwas schroffen Sound eines Originals stören könnten. So weit, so gut – doch warum dann ein Album noch einmal komplett neu aufnehmen muss, das wissen in diesem Fall wohl nur die Jungs von MANOWAR selbst.

Nicht nur, dass es ärgerlich ist dass ein und dasselbe Album nun schon zweimal die offizielle Diskografie der Amerikaner ziert (BATTLE HYMNS MMXI wird tatsächlich als eigenständiges Release angesehen), es wird schlicht keinerlei Mehrwert aus der Neuauflage generiert. Das Problem: die Titel bewegen sich stilistisch noch immer relativ nah an der Originalaufnahme und erlauben so kaum neue Einblicke, andererseits aber ist BATTLE HYMNS MMXI (verständlicherweise) die einstige jugendliche Kraft und Härte verlorengegangen. Man gibt sich wesentlich dezenter, und in Bezug auf die Produktion sogar regelrecht klinisch. Das Ganze kommt nun zwar wesentlich sauberer und druckvoller aus den Boxen, wirkt aber keineswegs natürlicher; im Gegenteil.

Fazit: BATTLE HYMNS MMXI ist nicht nur ein MANOWAR-Album, welches man komplett umgehen kann – sondern auch ganz allgemein eine unnötige Neuauflage eines Klassikers, den man hätte Klassiker sein lassen sollen. Kein einziger Titel der Neuauflage erreicht die jeweilige Klasse und atmosphärische Kraft des Originals, da helfen auch die extra beigefügten Live-Versionen zweier Titel nichts. Kann man wirklich darüber hinwegsehen, dass es sich – im Kern – um eine belanglose Neuaufnahme handelt; wenn man lediglich eine bessere Produktion als Anno dazumal serviert bekommt ? Wohl eher nicht. Und auch als Beispiel dafür, dass es die Band noch immer kann, kann BATTLE HYMNS MMXI nur bedingt fungieren. Dafür bräuchte es – ganz schlicht – ein beeindruckendes neues Album. Eine noch schlechtere Wertung als die unten stehende sollte man indes nicht vornehmen – da sich an der eigentlichen Qualität der Titel nichts geändert hat, nur die Inszenierung ist eine unglücklichere. Wer weiss schon, ob das Album nicht noch einmal veröffentlicht werden wird; pünktlich zum Eintritt des offiziellen Rentenalters der MANOWAR-Mitglieder ?

Anspieltipps: BATTLE HYMNS

Vergleichsbands: VIRGIN STEELE | MAJESTY | OMEN | WARLORD


35oo10

„Alles erwarten – nur keine neuen Ideen“

Metal-CD-Review: MANOWAR – Warriors Of The World (2002)

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Alben-Titel: Warriors Of The World
Künstler / Band: Manowar (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Heavy Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Eric Adams – Vocals
Karl Logan – Guitars, Keyboards
Joey DeMaio – Bass, Piccolo
Scott Columbus – Drums

Track-Liste:

1. Call to Arms (05:31)
2. The Fight for Freedom (04:31)
3. Nessun Dorma (03:29)
4. Valhalla (00:36)
5. Swords in the Wind (05:20)
6. An American Trilogy (04:20)
7. The March (04:02)
8. Warriors of the World United (05:51)
9. Hand of Doom (05:50)
10. House of Death (04:25)
11. Fight Until We Die (04:03)

Der Schritt ins neue musikalische Jahrtausend.

Nach dem durchaus Party-tauglichen, insgesamt aber eher enttäuschenden LOUDER THAN HELL von 1996 (Review) machten die traditionellen Heavy-Metaller von MANOWAR zunächst eine kleine Pause. Zumindest, was die Alben-Veröffentlichungen angeht – denn aktiv war die Band nach wie vor, ob nun in Bezug auf zahlreiche Live-Auftritte oder die dazugehörigen Releases wie HELL ON STAGE (1999). Das nächste offizielle Studioalbum ließ indes noch etwas auf sich warten – erstmals sollten 6 Jahre zwischen zwei Veröffentlichungen liegen. WARRIORS OF THE WORLD erschien dann Mitte 2002, und sorgte abermals für eine dezente Spaltung der Fanbase.

Der Grund dafür ist indes offensichtlich. WARRIORS OF THE WORLD klingt nicht nur wie noch kein MANOWAR-Album zuvor; dem Album wohnt auch eine gänzlich andere Stimmung inne. Während der Opener COAT OF ARMS als relativ typische, stampfende Heavy Metal-Hymne mit dezenten symphonischen Elementen noch keine großartigen Schlüsse in Bezug auf einen möglichen Stilwechsel zulässt, ändert sich das bereits mit den Folgetiteln. Und das auf eine Weise, die man erst einmal verarbeiten muss, ist man auch in Besitz der bisherigen MANOWAR-Alben. Schließlich ist WARRIORS OF THE WORLD kaum noch mit den typischen Veröffentlichungen der Band zu vergleichen, die zumeist von der Mischung aus rockigen Brechern und episch-getragenen Hymnen lebten. Mit dem neuen Album fährt man nun eine neue Schiene – eine, die im Detail nicht leicht zu beschreiben ist, aber ohnehin wesentlich besser funktioniert, wenn man WARRIORS OF THE WORLD als Gesamtkunstwerk ansieht.

Während man die bisherigen Releases noch grob unter dem Oberbegriff des Heavy Metals einordnen konnte, gestaltet sich dieses Unterfangen nun weitaus schwieriger. WARRIORS OF THE WORLD ist bei weitem zu vielfältig und abwechslungsreich, als dass man es bei einer Genrebezeichnung allein belassen könnte – zumal die symphonischen und klassischen Einflüsse deutlich zugenommen haben. Gerade jene Einflüsse aus der Klassik werden auf WARRIORS OF THE WORLD erstmals vollständig ausgelotet – wofür sicher auch das beispielhafte Cover von NESSUM DORMA steht. In diese Zusammenhang ist auffällig, dass der Sound allgemein voluminöser wirkt – was für manchen Fan einen Vorteil, für andere einen Nachteil bedeuten könnte. Schließlich werden sowohl die Gitarren als auch das Schlagzeug und der Bass nunmehr dezent in den Hintergrund gerückt – während das Keyboard deutlicher als je zuvor für möglichst ansprechende, symphonische Klangkulisse sorgt.

Und doch ist das Album kein allzu experimentelles, welches gänzlich neue Pfade beschreitet. Noch immer ist das, was man hier auf die Lauscher bekommt, eindeutig als MANOWAR-Produkt zu erkennen – lediglich die musikalische Präsenz, und die damit einhergehende Ausdrucksstärke haben überdeutlich zugenommen. Die Kompositionen sind um ein vielfaches anspruchsvoller und vielschichtiger, melodiöser; mächtiger – und untermalen so einmal mehr die Ambitionen der kultigen Band, die einzig wahren Könige des Metals zu sein oder zu werden. Selbst wenn, ja selbst wenn der ein oder andere prägnante Riff ausbleibt, und die Gitarren eine (nur noch) gleichberechtigte Rolle in der Instrumentalbesetzung spielen. Dass das Ergebnis dennoch so gut klingt, sollte locker darüber hinwegtrösten können. MANOWAR klingen einfach wesentlich besser, wenn sie sich nicht allzu sehr in Frickeleien verstricken – sondern alle einzelnen musikalischen Elemente zu einem großen Ganzen verbinden. Über den Gesang von Eric Adams muss man indes nicht mehr viele Worte verlieren – seit der Gründungszeit der Band hält er seit jeher das einst etablierte Niveau.

Dass sich MANOWAR trotz der reichlich erfrischenden Briese, die vor allem im Mittelteil des Albums (unter anderem in Form von symphonischen Instrumentals, oder eines musikalisch reichhaltig untermalten Covers der AMERICAN TRILOGY) zelebriert wird, treu geblieben sind – das zeigt vor allem der spätere Alben-Verlauf. Der wird in etwa mit dem Titeltrack WARRIORS OF THE WORLD eingeleitet – der MANOWAR-Hymne schlechthin. So hymnisch; gleichzeitig aber nicht zu simpel (vor allem textlich) klangen MANOWAR noch nie – hier erschufen die Amerikaner schlicht die bis dato eindrucksvollste Lobpreisung ihrer selbst; sowie natürlich des Genres. In HAND OF DOOM, HOUSE OF DEATH und FIGHT UNTIL WE DIE werden dann auch noch alle Power Metal-Fans zufriedengestellt, und mit einem deutlich erhöhten Tempo belohnt. Aber auch die Riffs und die Härte kehren zurück, sodass ein gänzlich runder Eindruck entsteht. In der Abwechslung liegt die Kraft – auch wenn das Album so vielleicht nicht wirkt wie aus einem Guss, ist der Unterhaltungswert enorm.

Fazit: Es ist ganz egal, wie manch alteingesessener Fan auch zu der relativen Neuauslotung des MANOWAR-Stils stehen mag – es scheint, als hätten die Amerikaner in diesem Fall alles richtig gemacht, und die 6 Jahre seit dem letzten Release entsprechend genutzt. WARRIORS OF THE WORLD ist zweifelsohne das bis dato epischste, eindringlichste, vielschichtigste und musikalisch anspruchsvollste Album der Band – und somit der perfekte Start in das neue MANOWAR-Jahrtausend. Schwächen ? Es gibt keine.

Anspieltipps: ALLE

Vergleichsbands: VIRGIN STEELE | MAJESTY | OMEN | WARLORD

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„Das vielleicht beste MANOWAR-Album bis 2002“

Metal-CD-Review: MANOWAR – Louder Than Hell (1996)

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Alben-Titel: Louder Than Hell
Künstler / Band: Manowar (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Heavy Metal
Label: Geffen Records

Alben-Lineup:

Eric Adams – Vocals
Scott Columbus – Drums, Percussion
Joey DeMaio – Bass, Keyboards
Karl Logan – Guitars

Track-Liste:

1. Return of the Warlord (05:19)
2. Brothers of Metal, Part 1 (03:55)
3. The Gods Made Heavy Metal (06:04)
4. Courage (03:49)
5. Number 1 (05:12)
6. Outlaw (03:22)
7. King (06:25)
8. Today Is a Good Day to Die (09:43)
9. My Spirit Lives On (02:10)
10. The Power (04:09)

Da kann die Hölle einfach nicht mithalten.

Man sollte meinen, dass LOUDER THAN HELL das zweite MANOWAR-Album mit der neuen, rechtzeitig zum letzten Album (THE TRIUMPH OF STEEL von 1992, Review) etablierten Besetzung gewesen ist. Doch weit gefehlt – es gab zwischenzeitlich einen erneuten Mitgliederwechsel. Für den eingesprungenen David Shankle an der Gitarre kam nun Karl Logan; und für Rhino an den Drums kehrte nun doch – und überraschenderweise – Scott Columbus zurück. Immerhin würden zumindest Eric Adams und Joey DeMaio die eiserne MANOWAR-Front bilden, komme was wolle – und so verspricht das gute vier Jahre nach dem eher durchschnittlichen TRIUMPH OF STEEL erschienene LOUDER THAN HELL einen erneuten (natürlich nur einen metaphorischen) Schlag in das Gesicht aller Poser und Möchtegern-Metaller.

Und genau den umschreiben MANOWAR auch mit den ersten zwei bis drei Tracks. Mit RETURN OF THE WARLORD, BROTHERS OF METAL PT.1 und THE GODS MADE HEAVY METAL spendiert man dem Hörer durch-und-durch MANOWAR-tyische Heavy Metal-Hymnen. Diese preisen folgerichtig entweder das Genre, die Musik MANOWAR’s oder aber die Götter höchstselbst – und richten sich gegen alle, die es mit ihrer Musik vielleicht nicht ganz so ernst meinen wie die kultigen Amerikaner. Das hat eine entsprechend energetische Wirkung – doch grundsätzlich bleiben alle drei Titel eher flach. Flach selbst für MANOWAR-Verhältnisse – da nicht nur die Textinhalte, sondern auch die instrumentalen Komponenten nur aus verdächtig simplen Zutaten bestehen. Auch scheinen sich etwaige Elemente (wie etwa das Riffing) schon in Bezug auf die ersten drei Nummern zu ähneln – musikalische Offenbarungen bleiben hier also absolut aus. Die Nummern funktionieren natürlich trotzdem – eigenen sich aber eher als vergleichsweise stumpfe Party-Anheizer. Doch dann wird es plötzlich doch noch richtig interessant: COURAGE ist eine bestens inszenierte, episch anmutende Ballade mit einer kultverdächtigen Gesangs-Performance von Eric Adams. Obwohl die Instrumentalkomposition in ihrer Gesamtheit ebenfalls eher simpel ausfällt, sorgen die relativ dezenten Keyboards und die ergreifende Melodie für das nötige Etwas.

Tatsächlich scheint die Hürde mit diesem Titel genommen – das Album wird (nach dem eher lauen Auftakt) besser und besser. Die Nummern selbst werden melodiöser, rockiger, fetziger; während sich auch einiges im Hinblick auf die einzelnen Leistungen an den Instrumenten bewegt. OUTLAW indes bringt noch einmal eine Extra-Portion Tempo an den Start – und erhält so einen (für MANOWAR sicher nicht alltäglichen) Speed Metal-Touch. NUMBER 1 und KING sind zwei absolut zufriedenstellende Metal-Nummern im stampfenden Midtempo inklusive starker Refrains und Soli, während sich TODAY IS A GOOD DAY TO DIE als reines Isntrumentalstück präsentiert. Zugleich ist es mit knapp 10 Minuten der längste Titel des Albums – hier kommt dann doch noch ein wenig der vorangegangen MANOWAR-Epicness zum Zuge, was das Ganze recht unterhaltsam und vor allem auch abwechslungsreich gestaltet. MY SPIRIT LIVES ON ist dann wieder das (offenbar längst obligatorische) Bass-Solo – das man vermutlich überspringen wird, kommt es nicht an die Qualität der früheren Intermezzi heran. Zudem gerät das Ganze gerade in den höheren Lagen recht herausfordernd, was das allgemeine Nervenkostüm betrifft. Gut also, dass man mit THE POWER einen würdigen Rausschmeißer inszeniert. Hier sprühen MANOWAR noch einmal vor Energie; auch wenn die vielleicht erhoffte Innovation, der markante Moment ausbleibt – und das Album so nicht wirklich an ein Werk wie KINGS OF METAL (Review) herankommt.

Fazit: LOUDER THAN HELL kann man am ehesten als feucht-fröhliches, unterhaltsames Party-Album bezeichnen. Viele Nummern sind recht simpel gehalten, und vor allem textlich erreicht man hier ein selbst für MANOWAR-Verhältnisse bodenloses Niveau. Die einzig Möglichkeit besteht daher darin, das Ganze mit einem deutlichen Augenzwinkern zu betrachten – ganz unabhängig davon, wie ernst es MANOWAR selbst gemeint haben. Gute Laune ist mit LOUDER THAN HELL also garantiert – und auch der allgemeine Soundeindruck weiß mit der soliden Abmischung, den auf die 80er getrimmten Gitarren und dem druckvollen Bass zu gefallen. Nur eine musikalische Offenbarung sollte man nicht erwarten – wer MANOWAR von ihrer wahrhaft epischen Seite erleben will; der sollte eher zu den früheren Alben greifen.

Anspieltipps: COURAGE, KING, THE POWER

Vergleichsbands: VIRGIN STEELE | MAJESTY | OMEN | WARLORD

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„Der perfekte Heavy Metal-Partyanheizer“