Metal-CD-Review: TURILLI / LIONE RHAPSODY – Zero Gravity (Rebirth And Evolution) (2019)

Alben-Titel: Zero Gravity (Rebirth And Evolution)
Band: Turilli / Lione Rhapsody (mehr)
Veröffentlichung: 05. Juli 2019
Land: Italien
Spielart / Stil: Symphonic Power Metal
Label: Nuclear Blast

Lineup:

Alex Holzwarth – Drums
Dominique Leurquin – Guitars
Luca Turilli – Guitars, Keyboards
Fabio Lione – Vocals
Patrice Guers – Bass

Track-Liste:

1. Phoenix Rising (06:14)
2. D.N.A. (Demon and Angel) (04:19)
3. Zero Gravity (05:53)
4. Fast Radio Burst (05:07)
5. Decoding the Multiverse (06:19)
6. Origins (02:27)
7. Multidimensional (04:43)
8. Amata immortale (05:04)
9. I Am (07:15)
10. Arcanum (Da Vinci’s Enigma) (06:25)
11. Oceano (Josh Groban cover) (04:02)

Rhapsody zum ersten, zum zweiten… und zum x-ten.

Zugegebenermaßen – und das selbst in Anbetracht der Tatsache, dass man hier von so etwas wie musikalischen Legenden spricht – ist es schon etwas makaber, was sich rund um das Thema RHAPSODY abspielt. Wobei – und diese Differenzierung ist mittlerweile absolut notwendig – die ursprünglichen RHAPSODY OF FIRE nach der Neubesetzung und der absolut fatalen Compilation LEGENDARY YEARS (siehe Review) das Ruder gerade noch herumreißen konnten. Das jüngst von ihnen veröffentlichte THE EIGHTH MOUNTAIN lässt jedenfalls keinen anderen Schluss zu (siehe Review), oder anders gesagt: dass RHAPSODY OF FIRE nach all den Widrigkeiten noch ein weiteres Studioalbum veröffentlichen würden – und noch dazu eines, mit dem die Band alle Schwierigkeiten der letzten Jahre quasi auf einen Schlag wegwischen konnte – war so nicht unbedingt zu erwarten. Es mag kurios erscheinen und überdies eine eher freche Feststellung sein, aber: diese Entwicklung lässt darauf schließen, dass LUCA TURILLI und FABIO LIONE eben kein sinkendes Schiff verlassen haben; so zumindest wurde es von manchen eingeschätzt – sondern vielmehr ihre ganz eigenen Probleme hatten. Wobei es fraglich bleibt, ob sie diese mit dem Ausstieg auch wirklich hinter sich lassen konnten.

Denn, und dafür braucht es gewiss keine tiefere Analyse: die beiden scheinen was ihre Karrieren betrifft noch immer relativ unentschlossen zu sein. Immerhin: bei LUCA TURILLI ist das nichts wirklich neues, schließlich überlegte er bereits nach seinen beiden unter dem Bandnamen LUCA TURILLIS RHAPSODY veröffentlichten Alben, dem Genre des Power Metals mal eben komplett den Rücken zu kehren. Nun aber, wobei wohl niemand so genau weiß wer hier wen animiert hat; kommt plötzlich wieder Fabio Lione ins Spiel – und ein neuer RHAPSODY-Ableger mit der Bezeichnung TURILLI / LIONE RHAPSODY. Man muss schon sagen: wer hier noch den Überblick behält – und am besten noch die Motivation der einzelnen Mitglieder nachvollzieht – stammt entweder aus dem direkten Bekanntenkreis der Band(s), oder steckt schon viel zu tief drin im Power Metal-Sumpf. In jedem Fall wirkt es dezent lächerlich, welche Blüten die Historie von RHAPSODY mittlerweile getrieben hat – und das aus ursprünglich einer Band nunmehr ganze 5 entstanden sind (RHAPSODY OF FIRE, TURILLI / LIONE RHAPSODY, LUCA TURILLI, LUCA TURILLIS DREAMQUEST, LUCA TURILLIS RHAPSODY). Oder vielleicht auch 6, wenn man das ebenfalls eher merkwürdige; man will nicht sagen überflüssige Mashup-Projekt von LIONE / CONTI aus dem Jahr 2018 hinzuzuzählt. Schließlich schreit auch das gewaltig nach RHAPSODY (siehe Review).

Wie genau nun ZERO GRAVITY klingt – oder vielleicht auch, wie es klingen soll – ist gar nicht so leicht zu beschreiben. Fest steht nur, dass TURILLI & Co dem einst für RHAPSODY typischen, explizit Fantasy-angehauchten Symphonic Power Metal komplett den Rücken gekehrt haben; und – wie im Grunde schon im Rahmen von LUCA TURILLIS RHAPSODY – einen eher futuristisch anmutenden, symphonisch-progressiven und musikalisch wie inhaltlich stets enorm ausgeschmückten Power Metal anpeilen. Neu im Falle von ZERO GRAVITY sind eigentlich nur einige bereits aus TURILLI’s umstrittenen Soloprojekt DREAMQUEST bekannte Elemente, die sich etwa im häufiger aufkommenden weiblichen Gastgesang und einer deutlichen elektronischen Komponente bemerkbar machen – sowie natürlich der Inhalt, der TURILLI’s vielseitiges Interesse (beispielsweise an der Metaphysik) zeigt. Fest steht trotzdem, oder gerade deshalb: im Zusammenspiel mit den anderen, so gesehen für ihn typischen Vorlieben – wie etwa die für die italienische Oper (was sich in den Chören widerspiegelt), Bands wie Queen (auch hier sind Einflüsse zu hören), orientalischen Klängen und dem Hang, stets eine maximale Bedeutungsschwere herauszuholen – kann durchaus der Eindruck entstehen, dass es einstweilen etwas wild zugeht auf ZERO GRAVITY.

Wild im Sinne einer gewissen Durchtriebenheit, versteht sich – und der Tatsache, dass die Kompositionen wirklich alles andere als zurückhaltend ausfallen. Dezent problematisch in diesem Zusammenhang ist, dass man das Gefühl bekommen könnte das ausgerechnet die Power Metal-Elemente zu wenig Spielraum bekommen – und vieles in einem relativen Wirrwarr aus brachialen Chören, dicken Keyboard-Teppichen und einem fast schon operettenhaft agierenden Fabio Lione (siehe ARCANUM) unterzugehen droht. Der Bass und das Schlagzeug beispielsweise scheinen in der Rangfolge der wichtigen Instrumente eher hinten angesiedelt zu sein, und auch die sonst bei TURILLI gerne mal die Spielwiese ausfüllenden Gitarren sind weitaus seltener (und wenn dann meist weniger spektakulär als bisher) zu hören. Sicher, die Abmischung und Produktion mag gewissermaßen – und auf den ersten Blick – perfekt erscheinen, zumal die jahrelange Erfahrung hier eher für die Beteiligten sprechen sollte. Grundsätzlich aber macht sich ein etwas anderer Eindruck breit: ZERO GRAVITY klingt gut (und ganz nebenbei bemerkt auch ein wenig nach den Kollegen von KAMELOT), aber eben auch etwas seelenlos und konstruiert. Und das trotz oder gerade der relativen Dramatik respektive Überfrachtung der Kompositionen.

Doch es bleibt nicht allein dabei. Sei es, dass sich einzelne Nummern (wie das merkwürdige FAST RADIO BURST) relativ zusammenhanglos und deplatziert anfühlen, andere teils direkt recycelt werden (ARCANUM hat zumindest gefühlt viel vom vorangegangenen Titeltrack ZERO GRAVITY), Fabio Lione spürbar übertreibt (DECODING THE MULTIVERSE, und schon wieder: ARCANUM) oder dass natürlich auch wieder einige komplett auf italienisch eingesungene Nummern vertreten sind, die schon immer etwas problematisch waren (AMATA IMMORTALE, OCEANO) – ZERO GRAVITY hat wahrlich einiges anzubieten, wenn es um einen; man nenne es erschwerten Gewöhnungsfaktor geht. Natürlich ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, dass TURILLI auch mal etwas (halbwegs) neues versucht – doch wie sich zeigt, gelingt auch einem Meister wie ihm längst nicht alles. Im allgemeinen spricht wohl nichts dagegen, ZERO GRAVITY eine Chance zu geben – doch ob sich diese neuen RHAPSODY wirklich wie ein Phönix aus der Asche erheben (siehe Titel 1), bleibt abzuwarten. Das erste der hiesigen Werke hinterlässt jedenfalls einen noch deutlich zu gemischten Eindruck.

Anspieltipps: PHOENIX RISING, ZERO GRAVITY


„Ein gewissermaßen anspruchsvolles, aber in vielerlei Hinsicht auch schwieriges und viel zu dick aufgetragenes Album.“

Metal-CD-Review: LUCA TURILLI – The Infinite Wonders Of Creation (2006)

Wilkommen zu meiner Review-Reihe bezüglich Luca Turilli, dem Gitarristen von Rhapsody und seit geraumer Zeit auch Solokünstler. Ich möchte an dieser Stelle die wichtigsten vier seiner Werke vorstellen und rezensieren:

  • King of the Nordic Twilight (1999) – 8.5/10
  • Prophet of the Last Eclipse (2002) – 10/10
  • The Infinite Wonders of Creation (2006) – ?
  • DREAMQUEST – Lost Horizons (2006)

Land: Italien – Genre: Progressive Power Metal

1. Secrets of Forgotten Ages 03:32
2. Mother Nature 04:39
3. Angels of the Winter Dawn 04:16
4. Altitudes 04:37
5. The Miracle of Life 04:24
6. Silver Moon 05:37
7. Cosmic Revelation 04:48
8. Pyramids and Stargates 06:17
9. Mystic and Divine 04:21
10. The Infinite Wonders of Creation 08:39

Nun also geht es weiter mit der Cosmic-Vision-Trilogie von Ausnahmekünstler Luca Turilli – natürlich möchte ich es mir nicht nehmen lassen, seine komplette Diskografie vorzustellen und zu bewerten, gerade nachdem ich an seinem zweiten Soloalbum einen Narren gefressen habe… für mich persönlich verhält es sich wie folgt: das erste Album aus dem Jahre 1999, King Of The Nordic Twilight fungiert als „Einstiegswerk“ Turilli’s in Solo-Gefilde, und ist inhaltlich in der Vergangenheit angeordnet. Die Stimmung kam enorm gut herüber, und auch sonst ist das Album ein echter, perfekt inszenierter Meilenstein – ich vergab kürzlich 8.5/10 Punkten dafür. Der Nachfolger, der inhaltlich in der Zukunft spielt, Prophet Of The Last Ecplise, hat mich dagegen absolut restlos überzeugt – ich vergab (was durchaus eine Seltenheit ist) 10/10 Punkten für dieses ausgefeilte Bombast-Werk ohne Gleichen. Doch wie sieht es nun mit der Gegenwart, also The Infinite Wonders Of Creation aus ? Eines vorweg: in ähnlich hohe Wertungsgefilde wie die beiden Vorgängeralben schafft es der Abschluss der Trilogie nicht.

Und dabei beginnt es noch recht interessant: ein sattes, dreieinhalb-minütiges Intro stimmt auf das noch Kommende ein, und begeistert mit leicht mystischen, sphärischen Klängen und später auch mit epischen Chorpassagen. Man muss zwangsläufig an einen dunklen Abend in einer rauen Umgebung (Natur) denken, an einsame Helden und Krieger… und an eine leicht apokalyptische Stimmung. Genau so kann es doch bitte weitergehen, denn das ist Turilli so wie wir ihn kennen und lieben – 9/10.

Die „Offenbarung“ folgt jedoch sogleich: es wird deutlich, dass sich Turilli stilistisch merklich gewandelt hat. Nun kommt vermehrt eine weibliche Stimme zum Zuge, und Olaf Heyer spielt sozusagen nur noch eine „Gastrolle“. Auch ist das Tempo (welches im Vorgängeralbum ja noch reichlich vorhanden war) raus, und die komplexen Arrangements scheinen verschwunden zu sein. Stattdessen wimmert ein eigentlich recht flacher Instrumentalteppich durch die Boxen, der keine wirklichen Höhen oder Tiefen aufweist – das übernimmt dann die Stimme der Leadsängerin. Ich möchte nicht meinen generellen Unmut über weiblichen Gesang im Bereich des Power-Metal äussern, immerhin gab es auch auf den vergangenen Turilli-Scheiben immer mal wieder weibliche Gastparts, die eine perfekte Abwechslung zum sonst von Männern dominierten Gesang darstellten. Doch nun scheint die Waagschale gekippt… derlei Tracks gelten nicht mehr als Bonuszulage, sondern als Grundgerüst für ein ganzes Album. Und ich weiss nicht, ob dass noch der Turilli ist wie ich ihn kenne und liebe… immerhin, gut gesungen und gut gespielt ist das Ganze ja – 6/10.

Aber es ist noch lange nicht vorbei mit den (berechtigten !) Zweifeln – Angels Of The Winter Dawn ist schon eher ein Titel, welcher merklich… langatmig daherkommt. Zwar hört man hier auch (endlich !) wieder Olaf Heyer, der seine Sache erneut sehr gut macht – und zusammen mit der Sängerin ein nettes Gesangsduo abgibt. Aber die Instrumentalisierung… viel zu spärlich, viel zu unspektakulär, viel zu einfallslos. Da ist kein Bumms dahinter, das Gitarrenspiel besteht aus gefühlt einem Riff, das Schlagzeug hat wenig zu tun – einzig im Refrain gibt es einen kleinen Lichtblick. Ich würde vielleicht anders urteilen wenn dies nicht der dritte Teil der Cosmic-Vision-Triologie wäre (!) – aber diese Titel hier passen einfach nicht zum Gefühl der Vorgänger. 5/10.

Mit Altitudes folgt ein sphärischer Track, der zumindest in der ersten Minute noch an ehemals „glorreiche“ Turilli-Zeiten erinnert… ja, ein klein wenig des „kosmischen Kraftgefühls“ kam durch – doch dann passiert es schon wieder. Die Sängerin schöpft aus dem Vollen und scheint im Refrain gar die Boxen-Membranen anzuknacksen – und während im selbigen so etwas wie eine Instrumentalisierung wenigstens vorhanden ist (ansatzweise orchestral), ist im restlichen Teil des Liedes so gut wie nichts zu hören. Keine Melodie, keine Gitarren, kaum Schlagzeug – nur ein paar „Hintergrundgeräusche“. Und dann der kraftvolle Gesang… dies erinnert mich an andere Bands, aber doch nicht an Turilli ! Langweilig, und vielleicht sogar ein bisschen nervend – 3/10.

Ein Kirchensänger steht auf der Weide und singt los. Er besingt das Miracle Of Life, sicherlich eine nennenswerte Angelegenheit. In diesem (musikalischen) Fall… schwierig. Erneut lauscht man Olaf Heyer, der jedoch ein wenig an stimmlicher Ausdruckskraft vermissen lässt. Und wieder diese Instrumentalisierung, die eher einem Klim-Klam-Gedudel gleicht als einer epischen Klangwelt… schade. In Sachen Tempo gibt es auch nichts Neues zu vermelden – zwar hört man nun auch mal wieder ein paar Drums, aber es gilt: it’s slooow, baby. 3/10.

Vielleicht klappt es ja mit dem „Kracher“ (langsam müsste ja mal wieder einer kommen ?) Silver Moon ? Hust – nein, doch nicht. Das gleiche Spiel von vorne: ein paar sanfte Pianoklänge und dazu ein „lieblicher“ Frauengesang… absolut nicht mein Fall, und ich nahm an; auch nicht Turilli’s. An was hat er da bloss einen Narren gefressen, dass ist doch nicht mehr die Kunst, die er ursprünglich pflegte und hegte ? Das Album wird immer laaaangsamer und zäher… Knirschen tut hier gar nichts, dafür ist es viel zu glattgeschliffen. Dieser Song geht einfach nicht – 1/10.

Was zum… ? Nachdem ich ein-zwei Sekunden Hoffnung hatte, Cosmic Revelation könnte der ersehnte kosmische Erlöser sein (netter Effekt zu Beginn), trifft es mich wieder wie ein Brett vor dem Kopf – diese gähnende Langeweile ! Kein Tempo, keine Melodie, keine Gitarren, kein Schlagzeug… höchstens ein paar langatmige Chorpassagen, die mal so gar nichts episches an sich haben – nur einen hohen Nervfaktor. Und überhaupt, was ist das für ein Songkonzept ? Bla-bla-bla-bla-bla–bla; bla bla bla… tock tock tock… öde. 1/10.

Es ist aber noch nicht überstanden – ein Titel der so verheißungsvoll wie Pyramides & Stargates klingt, kann doch nur gut sein ? Weit gefehlt. Es wird beinahe gar nichts von der mystischen Stimmung wie sie hätte etabliert werden können transportiert. Wieder ist es dieses einschlafende Schlagzeug (1 Schlag pro 3 Sekunden ?) und der laaaangezogene Gesang. Da können die Lyrics noch so interessant sein… sie kommen einfach nicht rüber. Fail – 2/10.

Hmm, Mystic & Divine ? Aber doch sicherlich nicht der Song. Und in der Tat ist er das nicht. So langsam artet dieser „Bericht“ hier zu einer kleinen Hasstirade aus – es schmerzt mich sehr, gerade da ich das Vorgängeralbum noch mit einer 10/10 bewertet habe. Irgendetwas muss – auch rein objektiv betrachtet – passiert sein ! Ein Stilwechsel, sicherlich – aber ich dachte, dies wäre der finale Teil einer fulminanten Trilogie… Stattdessen eignet sich dieser „Stilwechsel“ wohl auch dazu, dass ein Großteil der Songs in Kaufhausfahrstühlen gespielt werden könnte (obwohl, dafür sind sie einfach zu kraftlos und deprimierend)… nicht gerade ein Glanzstück, aber besser als die vorherigen Titel – 3/10.

Dann bleibt ja nur noch die Hymne, The Infinite Wonders Of Creation. Immerhin, ein paar Stellen gibt es, die Laune machen… höchst mystisch, leicht düster… aber auch hier scheint die Gesamtkomposition abhanden gekommen zu sein. Stellenweise hat man das Gefühl, man könnte auch gleich „nichts“ hören, so leblos erscheint der Titel. Laaaaangsam, gemääääßigt… und zum Schluss noch ein wenig Filmmusik-Flair, immerhin. 4/10.

Was ist geschehen… man weiss es nicht. Ist es wirklich nur eine Geschmacksfrage ? Aber es scheint mir unmöglich, den Vorgänger Prophet Of The… UND diesen Nachfolger hier zu lieben. Diese beiden Werke haben wahrlich nichts gemein, ausser das derselbe Macher dahintersteckt. Aber rein klanglich… frage ich mich, ob es tatsächlich noch DER „alte“ Turilli ist den man hier hört. Irgendetwas muss vorgefallen sein – und was es auch ist, es gefällt mir nicht. Mit Power Metal hat es jedenfalls nichts mehr zu tun. Es bleibt nur, die alten Turilli-Scheiben einzuwerfen, oder doch die Werkesammlung von Rhapsody Of Fire… Wer folgendes Songbeispiel zu schätzen weiss, der sollte bei diesem Album vielleicht dennoch zugreifen…

Ich aber bereue den Kauf zutiefst. Geht es noch schlechter, oder findet Turilli zu seinen alten Zeiten zurück ? Im letzten Review zu dieser Reihe werden wir es erfahren.

Metal-CD-Review: LUCA TURILLI – Prophet Of The Last Eclipse (2002)

Wilkommen zu meiner Review-Reihe bezüglich Luca Turilli, dem Gitarristen von Rhapsody und seit geraumer Zeit auch Solokünstler. Ich möchte an dieser Stelle die wichtigsten vier seiner Werke vorstellen und rezensieren:

  • King of the Nordic Twilight (1999)
  • Prophet of the Last Eclipse (2002)
  • The Infinite Wonders of Creation (2006)
  • DREAMQUEST – Lost Horizons (2006)

Land: Italien – Genre: Epic Symphonic Power Metal

1. Aenigma
2. War of The Universe
3. Rider of The Astral Fire
4. Zaephyr Skies´ Theme
5. The Age of Mystic Ice
6. Prince of The Starlight
7. Timeless Oceans
8. Demonheart
9. New Century’s Tarantella
10. Prophet of The Last Eclipse

From this godforsaken place, where the enemy has no face – I call the mystic starlight ! In der Tat könnte dieses Album als ein (musikalischer) Ruf nach höheren Mächten bezeichnet werden – zumindest klingt es so. Das heisst de facto: es wird episch, wie es der Albumtitel und das Cover schon vermuten lassen. Aber auch so episch, dass es meine Bewertungsliste sprengt ?

Mit diesem Soloprojekt aus dem Jahre 2002  tritt Luca nun bereits zum zweiten Male in Solo-Manier auf (nach King Of The Nordic Twilight, 1999). Das gute an der Sache: man weiss bereits im voraus, worauf man sich einlässt – zumindest ungefähr. Es handelt sich bei Prophet Of The Last Eclipse um das zweite Album der von ihm ins Leben gerufenen Cosmic-Vision-Trilogie. Und dieses Mal ist eben die Zukunft dran. Die Coverartworks (wunderschön im übrigen !) sind dementsprechend angepasst, und natürlich auch die Musik. Es wird futuristischer und „moderner“ als generell bei Rhapsody, und durch das Platzieren der Handlung in ein fernes Universum sogar ein bisschen zeitlos. Dieses Album kennt so gut wie keine Genre-Beschränkungen, selbst sonst nur eingefleischte Klassikfans können an diesem Werk einige nette und vertraute Facetten entdecken. Und Freunde des guten alten Power-Metal werden ebenso belohnt wie Anhänger des (elektronisch untermalten) Prog-Metals. Stichwort elektronisch: ja, irgendwie klingt die Musik von Herrn Turilli geladen… ! Für mich jedoch eindeutig positiv geladen.

Spüre die Macht von wahrhaft guter Musik !

Das Album klingt ausserdem episch – besser könnte man diesen orchestralen Klang, untermalt von schmetternden Doublebass-Attacken wohl kaum bezeichnen. Es könnte sein, dass es für einige Ohren ein wenig „zuviel des Guten“ ist – ich spreche jedoch nicht von der Schnelligkeit der Songs oder einem übertriebenen Schlagzeug-Gebrauch, sondern von den Bombast-Elementen wie Choreinlagen und dem für Filmmusik so typischen „Rumms“ als muntermachendes Element. Mich stört dies jedoch überhaupt nicht, im Gegenteil. Schließlich bin ich nicht zwingend ein Anhänger von schnörkellosem Heavy-Metal ohne Schnickschnack und Experimente – sondern schätze auch eher ungewöhnliche, unkonventionelle Projekte. Dieses Album könnte wohl als solches bezeichnet werden, als bisher nie dagewesene  „Power-Metal-Filmmusik“ quasi. Aber keine, die einfach so vor sich dahindudelt – sondern eine, die richtig nach vorne geht. Man spürt einfach, wieviel Liebe zum Detail in jedem einzelnen Song steckt, und wie wunderbar Luca Turilli dies im Endeffekt alles zu einem wohlklingenden Ganzen vermischt hat.

Das Album beginnt mit einem mystisch-klingendem Intro, bereits hier wird der konsequente Einsatz von stimmungsvollen Chor-Elementen deutlich. Der eigentliche Opener War Of The Universe ist eine Hymne, wie sie mitreissender nicht hätte sein können. Und erneut: der Bezug zum Begriff Cosmic Vision wird spürbar, natürlich auch in textlicher Hinsicht. Diese handeln – eben – vom Universum, vom Kosmos, von epischen Kämpfen und Helden. Als „stumpf“ würde ich sie jedoch keinesfalls bezeichnen – dieser Textinhalt gehört zum Album wie der Warp-Antrieb zu StarTrek, um mal (passenderweise) einen Sci-Fi-orientierten Vergleich herzustellen. Es passt einfach, und es geht nicht ohne !

Größter Pluspunkt sind aber sicherlich die wunderschön arrangierten Melodien, die mit allerlei Samples und vielen weiteren akustischen (kosmischen) Genüssen versehen sind – zur Instrumentalisierung werden allerdings nicht nur Keyboard, Klavier und Gitarre eingesetzt. Sondern vielmehr alles, was man sich auf einem PowerMetal-Album ansatzweise vorstellen könnte. Und natürlich sind es die bombastischen Refrains, die allesamt zum Mitsingen einladen… es fällt unglaublich schwer, einen klaren Favoriten auf dem Album auszumachen – im Grunde schätze ich jeden einzelnen Song; was ebenfalls eine seltene Begebenheit ist. Doch wirklich nachhaltig beeindruckt haben mich Prince Of The Starlight und natürlich auch der Opener War Of The Universe, den ich unten als Hörprobe anhänge. Doch es hilft nichts… man sollte jeden einzelnen Titel einmal (mindestens !) gehört haben. Auch die ruhigen Zwischenstücke stören den Fluss nicht, im Gegenteil, sie verhelfen zu einer (eventuell nötigen ?) Atempause und bereiten den Hörer sinngemäß auf die noch folgenden Kracher vor. Wahrlich episch gerät auch der Titeltrack Prophet Of The Last Eclipse, der eine klare kosmische Hymne von knapp 12 Minuten Länge bildet. Abwechslung wird hier definitiv geboten – von brachialer Epicness bis hin zu etwas ruhigeren Passagen ist alles dabei. Es wirkt so… perfekt ! In Sachen Abwechslung gibt es aber natürlich ein besonderes zu erwähnendes Stück, nämlich New Century’s Tarantella. Wie genial ist das denn ? So kombiniert Turilli Tradition und Moderne (beziehungsweise Zukunft) in ein und demselben Lied. Ein wenig Tarantella tanzen, und daraufhin einen gar majestätischen Refrain mitsingen – das rockt, und zwar nicht zu knapp. Wenn ich „müsste“ – dann könnte ich auch jedem einzelnen Titel eine Wertung verpassen:

1. Aenigma – 10/10
2. War of The Universe – 10/10
3. Rider of The Astral Fire – 10/10
4. Zaephyr Skies´ Theme – 9/10
5. The Age of Mystic Ice – 9/10
6. Prince of The Starlight – 10/10
7. Timeless Oceans – 9/10
8. Demonheart – 10/10
9. New Century’s Tarantella – 9/10
10. Prophet of The Last Eclipse – 10/10

Was soll man noch zu diesem Album sagen ? Exakt, manchmal sagt ein Bild (oder auch ein Musikstück) mehr als tausend Worte. Ich kann dieses Album uneingeschränkt empfehlen, für mich ist es auch nach so vielen Jahren (seit der Veröffentlichung) immer noch ein Genuss. Es ist wie ein gutes, spannendes Buch dessen man einfach nie überdrüssig wird – weil es einfach zeitlos ist. Und so unendlich gut ! Die eingangs gestellte Frage ist klar mit einem ja zu beantworten – dieses Werk sprengt jeden (Wertungs-)Rahmen aufgrund von purer, kosmischer Epicness. Und damit wurde das Vorgängeralbum noch einmal um ein kleines Maß an Qualität übertroffen. Wird es so weitergehen… ? Es steht in den Sternen…

Metal-CD-Review: LUCA TURILLI – King Of The Nordic Twilight (1999)

Wilkommen zu meiner Review-Reihe bezüglich Luca Turilli, dem Gitarristen von Rhapsody und seit geraumer Zeit auch Solokünstler. Ich möchte an dieser Stelle die wichtigsten vier seiner Werke vorstellen und rezensieren:

  • King of the Nordic Twilight (1999)
  • Prophet of the Last Eclipse (2002)
  • The Infinite Wonders of Creation (2006)
  • DREAMQUEST – Lost Horizons (2006)

Land: Italien – Genre: Melodic Power Metal

01. To Magic Horizons
02. Black Dragon
03. Legends Of Steel
04. Lord Of The Winter Snow
05. Princess Aurora
06. The Ancient Forest Of Elves
07. Throne Of Ice
08. Where Heroes Lie
09. Warriors Pride
10. Kings Of The Nordic Twilight

Nun, einigen wird der Name Luca Turilli vielleicht bekannt vorkommen – er ist Mitbegründer und Gitarrist der bekannten Metal-Band Rhapsody Of Fire. Und deren Songs klangen teilweise auch schon recht „hymnen-artig“ – nicht zuletzt dank Luca Turilli, der hier ebenfalls als Komponist fungiert. Zwar werden bei Rhapsody nur wenige Klischees aus dem (Power-)Metal-Bereich ausgelassen: seien es Drachen, epische Schlachten, Fabelwesen und so weiter – aber dennoch, die Musik hat ihren Reiz. Mit King Of The Nordic Twilight rief Turilli seine Cosmic-Vision-Trilogie ins Leben – ein Albentrio, welches über die Jahre inzwischen komplett erschienen ist. Mit diesem Album hier hat es also begonnen – werfen wir einen genaueren Blick auf dieses hoffentlich kosmische, epische Werk. Das Album ist textlich als auch musikalisch in der Vergangenheit angesetzt – während der Nachfolger in der Zukunft spielen wird, und der letzte Teil in der Gegenwart.

Das Intro To Magic Horizons stimmt den Hörer entsprechend ein: von der Grundstimmung ein wenig zwischen apokalyptischen Vergangenheitsszenarien und kriegerischer Wollust pendelnd, lauscht man einigen dramatischen Chorgesängen. Weibliche und männliche Stimmen wechseln sich ab, und auch das Schlagzeug darf schon einmal auf seine Schlagkraft getestet werden – 10/10. Diese Probe scheint ohnehin erforderlich für das kommende Black Dragon, einem recht fulminanten Auftakt-Track mit ordentlich Bumms. Nett: bereits dieser Titel offenbart die musikalische Vielfalt von Turilli – man muss den Track schon einige Male hören, um wirklich alle Finessen (und verwendete Instrumente) zu entdecken. All die (perfekten) einzelnen Songstrukturen und die Lyrics kommen dann in einem großen Ganzen, einer wahrlich meisterhaften Komposition zusammen – qualitativ denen von Rhapsody sicher in nichts nachstehend. Auch Abwechslung ist geboten: keinesfalls wird nur ein stupider Double-Bass heruntergeleiert, nein; Höhen und Tiefen spielen eine große Rolle. Mal ein echter Anthem, mal ein gemäßigterer Fantasy-Track – der Einstieg in das Album ist vollends gelungen. Und Olaf Heyer als Sänger macht seine Sache wirklich gut – 8/10.

Und dann geschieht „es“ bereits: Legend Of Steel ist einer der besten, wenn nicht sogar der beste Titel des gesamten Albums. Unter anderem deshalb hänge ich den Titel unten als Hörprobe an – kein anderes Liedgut definiert für mich den Klang dieses Albums so gut wie diese Hymne. Und dabei geht es eher gemäßigt zu: eher im Midtempo-Bereich angesidelt, geht die eingängige Melodie sofort ins Ohr; und der Refrain lädt zum Mitsingen ein. Im Hintergrund ein paar Spinett-Klänge, einige versierte Gitarrenriffs – und ein netter Songtext mit Chorgesang im Refrain. Und diese Klarheit, die gefühlte (witterungsbedingte) Kühlheit – bei einem zusätzlichen Blick auf das stimmige Cover-Artwork geht die Wirkung vollends auf, man ist drin im Turilli-Universum der Erzählungen längst vergangener Tage – 10/10.

Was folgt ist ein weiterer Titel zum Träumen, Lord Of The Winter Snow – und der beginnt mit einem netten Instrumental-Part und startet bald darauf mit einer etwas flotteren Instrumentalisierung als der vorherige Track. Im Refrain dann der Double-Bass und der episch vorgetragene Songtext – very Turilli-like – 7/10. Princess Aurora kann als eine Art Bonus-Track gesehen werden, da hier ausschließlich weibliche Gastlyrics zu hören sind. Als kleines Zwischenspiel sicher nicht verkehrt, doch ich persönlich kann es kaum erwarten bis es wieder zu brachial-epischen Stücken geht – 5/10. Und das gibt es dann auch gleich darauf serviert: The Ancient Forest Of Elves wurde sogar als Videosingle ausgekoppelt (über das Video selbst sage ich mal nichts), und erfreut sich entsprechender Bekanntheit. Markant: der überaus eingängige Refrain und die generelle Fantasy-Grundstimmung – it rocks – 10/10. Wer genau auf dem Throne Of Ice sitzt lässt sich schwer sagen – doch es klingt insgesamt recht bedrohlich. Hier handelt es sich um ein an Filmmusik-erinnerndes Interludium von knapp 2 Minuten Länge, welches sich perfekt in den Album-Kontext einpflegt – 9/10.

Und was ist mit all den Helden der vergangenen Zeiten ? In Where Heroes Lie können wir mehr darüber erfahren. Das Schlagzeug kracht dass es eine Freude ist, und Olaf Heyer nutzt sein kräftiges Organ in bester Turilli-Fantasy-Manier. Der leicht sphärische Eindruck wird im späteren Verlauf noch deutlicher, und auch die Gitarrenparts nehmen merklich zu. Melodisch, nett anzuhören, nicht ganz so kraftvoll wie andere Titel – 7/10. Noch ruhigerer wird es mit Warriors Pride, einem sanft vorgetragenen Stück. Doch hier geht das Konzept der „Atempause“ vollends auf – die zarten Spinett-Klänge und das behutsame Saiten-Gezupfe tragen den Titel bis zum Refrain, in dem dann doch noch ein kleiner „Ausbruch“ stattfindet: mit Fanfaren und Chorelemten wird hier offebar einem höheren Zweck gehuldigt; und es regiert eine endless glory… 10/10. Der längste Titel des Albums kommt mit Kings Of The Nordic Twilight daher, einer fast 12-minütigen Hymne. Sie beginnt etwas verhalten, doch zeugt stets von einer großen musikalischen Vielfalt und kompositionsbezogener Raffinesse. Und später entwickelt sich das Teil sogar noch zu einer recht brauchbaren Mitfeier-Hymne mit einer Riesenportion Melodie. Genial, genial, genial – 9/10.

Insgesamt kann es für dieses Erstlings-Solowerk von Luca Turilli nur eine höchst überdurchschnittliche Wertung geben – das Album macht Laune, ist höchst melodiös und teleportiert den Zuhörer tatsächlich um einige Jahre in die Vergangenheit zurück. Wenn die Cosmic Saga so weitergeht, dann kann es nur gut; oder in Anbetracht des Themenkomplexes Zukunft noch besser werden.