Oliverdsw’s Bio # 9 | ICH MÖCHTE / MUSS / WERDE HARTZEN

Hiermit beginne ich einen ganz und gar neuen Abschnitt in meiner persönlichen Biografie, von dem ich noch nicht genau weiss ob ich ihn lieben oder hassen werde. Nun, so unangenehm dies für mancherlei Menschen sein mag wenn sie denn einmal in eine entsprechende Situation geraten – in meinem Falle war es eigentlich schon abzusehen dass es irgendwann einmal „an der Zeit“ sein würde für eine staatliche Stütze. Ich will nicht sagen, dass ich kein Problem damit habe; alles weitere wird sich aber erst zeigen. Immerhin habe ich es während all der Zeit meiner (beruflichen) „Orientierungsphasen“ bisher stets geschafft, keinerlei Bezüge vom Staat zu beziehen. Zum einen, weil ich es nicht brauchte, zum anderen; weil mir überhaupt gar keine Unterstützung zugestanden hätte. Doch, lauschen wir hierzu lieber einem Kindermund, der tut nämlich stets Wahrheit kund (solange ich noch offiziell in einer Ganztagesschule arbeite):

Zitat von einem Jungen (9 Jahre), dem ich auf der Arbeit begegnete: Erst Hartz 4 hat das Adjektiv HARTZEN geboren. Ob dies bereits eine Art Prophezeiung gewesen ist oder nicht (an den Zusammenhang erinnere ich mich nicht mehr), er sprach diesen Satz mit einer kindlichen Freude aus, die aus erwachsener Sicht nicht ambivalenter sein könnte in ihrem Eindruck. Unter anderem deshalb fühlte ich mich auch inspiriert, obiges Bild zu erstellen. Ist der jetzt irre geworden… ? Vielleicht. Aber ich habe es mir schon vor langer Zeit zum Markenzeichen gemacht, stets mit einem Lächeln durchs Leben zu gehen. Komme, was wolle. Jedoch, ich möchte nicht weiter voranschreiten ohne ein weiteres (Kinder-)Zitat anzuführen, welches indirekt auch mit meinem (vorzeitigen) Ausscheiden bei meiner derzeitigen Arbeitsstelle zu tun hat. Ich wurde gefragt: Warum machst Du das hier eigentlich ? Hier verdienst Du doch eh nix, geh‘ doch richtig arbeiten. Ich liebe diese ungekünstelten, ehrlichen Aussagen wie sie nun einmal nur von Kindern kommen können.

Zumal mir in dieser Situation erstmals schmerzlich bewusst wurde, dass es früher oder später zu einem Ausscheiden in Bezug auf mein freiwilliges soziales Jahr kommen würde. Denn, betrachten wir die Fakten: das Jahr hätte in meinem Fall als „Start“ in eine Karriere dienen können. Eine Karriere, bei der ich im ersten Jahr fast nichts, und in weiteren 4 Jahren gar nichts verdient hätte. Und danach… ? Ungewiss, aber soweit gilt es hier gar nicht erst, zu denken. Denn ich habe bereits jetzt, und nach nur 4 Monaten ohne richtiges Gehalt arge finanzielle Probleme. Natürlich werden sich diese nicht bessern, wenn ich in den Hartz-4 Bezug hineinrutsche, doch eines ist klar: das soll nicht immer so bleiben, und schon gar nicht für die nächsten 5 Jahre.

Und trotz des Wegfalls des allzu blöden Gefühls, einer Vollzeit-Tätigkeit für exakt 1.70 Euro die Stunde nachzugehen, gesellt sich ein mulmiges hinzu. Denn schließlich hat mir die Arbeit Spaß gemacht, und eine Karriere im sozialen Bereich war mein eigentliches Ziel. Natürlich möchte ich nun nicht behauptet, dass ich der perfekte Arbeitnehmer bin, wie ihn sich jeder wünscht – auch ich habe sicherlich meine Ecken und Kanten (und davon sicherlich nicht zu wenige). Aber: es muss sich dringend etwas ändern in Bezug auf Karriere- und Aufstiegschancen im sozialen Bereich. Vorher braucht auch niemand rufen: mehr Männer in die KITAS und Grundschulen… es wird keiner kommen. Von den anderen, mindestens ebenso schwerwiegenden Problemen (Stichwort Stigmatisierung) gar nicht erst zu sprechen…

Nun denn; ob ich will oder nicht, ich denke, es wird auch für mich an der Zeit sein, das Prinzip des „Hartzens“ näher kennenzulernen. Ich werde von meinen dahingehenden Erlebnissen berichten, unter anderem dafür dient dieser Beitrag hier. Der wird entsprechend fortgesetzt, wenn ich die Zeit (*hüst*) und die Lust dazu habe. Vielleicht wird alles sogar ganz und gar fabelhaft ? Vielleicht finde ich schon vorher eine neue Anstellung, damit die letzten Monate der finanztechnisch nur minusrelevanten Beschäftigungen erst einmal ausgeglichen werden können ? Ich denke, am Donnerstag werde ich mehr wissen.

Oliverdsw’s Bio # 8 | OH WEH, SOZIALER BEREICH ADÉ

„Wann lachst Du eigentlich mal nicht ?“ – „Wenn ich auf meinen Kontostand schaue“

Dieser Beitrag wird nicht nur auf „meine Geschichte“ bezogen sein, daher auch folgendes Bild (manche wissen es, gerne verwendet bei meiner Freigeist-Philosophie):

Dieser Artikel fungiert als Fortsetzung meiner persönlichen Biografie, welche ich auf meinem Blog öffentlich führe und pflege. Nun, mit dem Beginn der (dunklen) Herbst- und Winterzeit haben es auch (Schiffs-)kapitäne nicht immer leicht, toben doch die ein oder anderen Stürme auf der immer rauer werdenden See.

Droht ein Schiff im schlimmsten Fall unterzugehen, so verliert der Kapitän in erster Linie sein Schiff – etwas materielles. Jedoch, und das ist das besondere am Kapitäns-Dasein (man muss nicht immer ein Schiff steuern, es kann auch das eigene Leben sein): ist oftmals auch das eigene Leben bedroht. So kryptisch es in Ihren Ohren nun klingen mag – dies ist meine derzeitige (Gefühls-)Situation. Bei aller Kryptik und (möglicherweise) mangelnder Lust Ihrerseits, diese entschlüsseln zu wollen: es ist kein Geheimnis, dass diese nicht gerade durch positiven Stimmungen charakterisiert wird.

Um es so auszudrücken: Es erscheint beinahe unabdingbar, dass meine Karriere ein (vorzeitiges) Ende findet – wieder einmal. Gut zu wissen, dass dieses Ende nur auf ein einzelnes „Schiff“ (den sozialen Bereich) zu beziehen ist, und dass ein Ende auch immer einen Neuanfang markiert. Aber: dieses Schiff ist nun mal nur noch schwer zu retten – weder von mir selbst, noch von anderen. Dafür hat es schon zuviel Wasser aufgenommen, es wird schwerer und schwerer. Natürlich könnte ich nun warten, bis es vollständig im Meer versunken ist, wie es sich für einen echten Kapitän gehört- immer gesetzt dem Fall, die Crew ist in Sicherheit. Nun, soweit ich das beurteilen kann, ist sie das auch. Doch ich bin (noch !) nicht dem Wahnsinn anheim gefallen, soweit möchte ich es auch nicht kommen lassen – die Angst vor möglichen (Folge-)Symptomen ist einfach zu groß.

Ach ja, obiges Zitat (über dem Bild) entstammt übrigens meinem Arbeitsalltag, und entstand in einer Situation; in der mich ein Junge (9 Jahre alt) auf meine offensichtliche Freude an der Arbeit (derzeit in einer Ganztagesschule) angesprochen hat. Denn eines ist klar: was auch immer ich für persönliche Probleme haben mag, oder noch haben werde – wenn ich in einer verantwortungsvollen Position tätig bin möchte ich nicht, dass sich dies negativ auf andere (speziell: Kinder) auswirkt. Eine selbstauferlegte Aufgabe, die ich bisher stets mit Bravour meisterte – und auch in Zukunft wird dies so sein. Anders sieht es aus, wenn es um andere Verantwortliche geht – diesen sollte ich möglicherweise noch öfter „auf den Schlips“ treten und mit der ein oder anderen Aussprache begegnen. Denn: während gerade Kinder niemals etwas für wie-auch-immer geartete Missstände können; sind die anderen Erwachsenen oftmals auch an der Misere beteiligt. Sie „können“ sehr wohl etwas dafür !

Doch vielleicht stecken sie (die „alten Hasen“) auch schon viel zu tief drin, sodass sie nicht einmal im Traum daran würden, irgendein Räderwerk zu unterbrechen um es neu zu gestalten, zu optimieren – so sehr es auch knirscht und krächzt, das ist nun einmal so; rotationsbedingt.

Oliverdsw’s Bio # 7 | (K)EINE ENTSCHEIDUNG

Und dann, dann habe ich mein erstes Vierteljahrhundert hinter mir.

Nun, das Jahr 2010 begann für mich im ungefähren so, wie das Jahr 2009 endete. Ich war noch innerhalb des Maßnahme-Rahmens der BVB tätig (wie bereits beschrieben), und suchte mir also weitere Praktika. In der praktikumsfreien Zeit hingegen hielt ich mich direkt beim Maßnahmeträger auf – entweder im sogenannten „Lernbüro“, oder aber im (Montags)-Unterricht. Nachdem meine ersten beiden Praktika zumindest ein „quasi-Flop“ waren (siehe letzter Text), hielt man mich nun an, ein Praktikum in einem anderen Bereich zu suchen. Es sollte also nicht mehr in die soziale Richtung gehen – andernfalls hätte ich ja auch „einfach kündigen und mein eigenes Ding durchziehen“ können. Es ist schließlich alles freiwillig, Herr S. ! Pustekuchen, das wollte ich natürlich nicht ! Trotz der Tatsache, dass mein Berufswunsch eigentlich so gut wie feststand, passte ich mich erneut an und suchte dann auch – im kaufmännischen Bereich. Das erste Praktikum bekam ich also bei:

  • Der Buchhandlung Sopper (Filiale Stadtmitte). Die Praktikumszeit war auf 2 Wochen vereinbart. Und, „oh Wunder“ (das sagten die anderen) – ich absolvierte das Praktikum mit Bravour und bekam sogar eine gute Bewertung (nach den zwei eher kümmerlichen aus den KITA’s). Für mich war dies kein Wunder, da ich genau weiss was ich kann; und das ich kann wenn ich nur will. Gut, bei den KITA’s wollte ich auch – nur wurden mir da keine Steine in den Weg gelegt (die liebe ich ja !), sondern eher Felsbrocken. Das Praktikum war gut, die Kolleginnen (ebenfalls nur Frauen – es ging das Gerücht um, ich hätte ein Problem mit weiblichen Vorgesetzten) nett und hilfsbereit. Weiterhin hatte ich sinnvolle Aufgaben, und durfte ausserdem Kunden empfangen und teilweise beraten. Sicher, wenn ich nicht weiter wusste oder mir das nötige Fachwissen fehlte – verwies ich an eine Kollegin. Aber: die Chemie stimmte hier einfach, meiner Meinung nach. Nur das „Ziel“ dieses Praktikums war nicht zu 100% klar: die BVB-Maßnahme hat(te) einen sicheren Ausbildungsplatz zum Ziel. Ich selbst wusste allerdings schon, dass ich keine Ausbildung im Einzelhandel absolvieren wollte. So war dieses Praktikum für mich selbst eher ein „Test“, ob es tatsächlich „immer nur an mir“ liegt dass es Probleme hinsichtlich der Chemie unter den Mitarbeitern und mich als Praktikanten gab, und für die anderen (das heisst, den Maßnahmeträger) ein Beweis, dass es Praktika für mich doch mit einem positiven Ergebnis (d.h. einer guten Bewertung) enden können.

Gut gut, danach kam ein erneuter Vorwurf auf (seitens des Trägers) – ich hätte das Praktikum gar eigenmächtig vorzeitig abgebrochen ! Völliger Quatsch, der Vertrag war auf 2 Wochen festgelegt. Ich habe ihn lediglich nicht verlängern lassen, und das ist ein gewaltiger Unterschied wie ich meine ! Sei es drum, danach folgte dann ein Praktikum bei:

  • Saturn in Wolfsburg. Erneut im Bereich Einzelhandel, genauer: PC und Technik, für den ich mich auch privat interessiere. Und, bei dem ich schon ein gewisses Grundwissen mitbringe. Nun ja, viel gibt es über dieses Praktikum eigentlich nicht zu sagen, ausser: dass es sicherlich gut gewesen wäre, wäre ich die volle Zeit dagewesen. Ich arbeitete ca. eineinhalb Wochen, und danach nahmen die Probleme in der „Maßnahme“ (wie ich allein diesen Ausdruck liebe !) jedoch Überhand. Enorm, welch ein Stress ausgelöst werden kann – und ich rede nicht von einem „normalen Stress“, wie er bei einem gepflegten Teilnehmer-in-den-Hintern-treten (im übertragenen Sinne !) vorkommen darf und sollte. Doch dazu an anderer Stelle mehr. Die Zeit, in der ich bei Saturn tätig war, war jedenfalls gut. Ich hatte viel Kundenkontakt, und konnte in vielen Fällen bereits selbst als „Berater“ tätig sein. Natürlich konnte ich auch hier nicht auf die Hilfe der Kollegen verzichten – ein nettes Team, nebenbei. Hier hätte ich mich sicherlich wohlgefühlt – wenn da nicht der ganze Riesenberg an Problemen im Hintergrund gewesen wäre.

Sie wollen um die besagten Probleme wissen… ? Nun, ich bin zwar ein sehr ehrlicher und offener Mensch, aber alles sollte man nun doch nicht in einem Internetblog preisgeben. Nur soviel: es ging hierbei hauptsächlich um persönliche Konflikte innerhalb der Maßnahme, speziell mit einem Lehrer und einem Bildungsbegleiter. Und dann war da noch die Krankenkasse. Und dann waren da noch Geldsorgen (viel bekommt man ja nicht als „BVB’ler“ !). Und dann war da noch der allgemeine Stress, und der „Druck von oben“, dass ich doch das machen sollte / muss, was mir aufgetragen wird – auch wenn es mir persönlich missfällt. Und, und und… tja, was macht man in so einer Situation ? Richtig, man nimmt sich eine Auszeit. Man „macht krank“ – oder nimmt seinen kompletten Resturlaub, so wie ich es dann auch getan habe. Aber glauben Sie mir, ich tat dies in erster Linie nicht, um auszuspannen ! Nein, vielmehr suchte ich mir – relativ eigenmächtig – ein weiteres Praktikum im sozialen Bereich (wir erinnern uns, mein Berufswunsch). So arbeite ich während meines ca. 3-wöchigen Urlaubs (!) im…

  • „Spielmobil“ als mobile soziale Institution. Und, es war richtig gut. Frau K., die Leiterin des Spielmobils, erzählte mir von der Notwendigkeit von männlichen Bezugspersonen für die Kinder. Gerade Betreuer / männliche Erzieher sind immer noch viel zu rar ! Und weiterhin sah ich, dass sie im Grunde alles alleine machte – vom Aufbau über die Betreuung und Aufsicht, bis hin zum Abbau. Klar, dass hier ein wenig Hilfe gelegen käme. So war dies mein mit Sicherheit „sinnvollstes“ Praktikum in diesem Sinne. Ich habe mitgeholfen wo ich konnte, pflegte stets einen guten Kontakt zu den Kollegen, zu den Kindern, Eltern und sonstigen Leuten, die (vor allem in den Wohngebieten) noch anwesend waren. Das „Spielmobil“ ist schließlich mobil, und kommt an die Orte, die ansonsten wenig Möglichkeiten einer Freizeitbeschäftigung bieten. Sicherlich, die Arbeit ist nicht ganz so „herausfordernd“ wie beispielsweise in einem Kindergarten, da man in dem Sinne nicht den „Erziehungsauftrag“ hat. Es ging viel mehr um den Bereich Freizeit, d.h. sinnvolle Beschäftigungen und Spielmöglichkeiten für die Kinder. Fernab von Fernseher, Computer und Co.  Eine schöne Zeit, das muss ich sagen !

Aber aber, wäre da nur nicht diese Maßnahme, die Last und Glück zur gleichen Zeit für mich war… so „verbot“ man mir ja bereits, weitere Praktika im sozialen Bereich zu absolvieren. Beispielsweise ein Praktikum in…

  • Der Diakonie Wolfsburg, als Kinder- und Jugendbetreuer. Was soll man sagen: es wäre ein so nützliches und gutes Praktikum gewesen, da bin ich mir sicher ! Doch hier konnte ich „nichts mehr tun“, ausser die Maßnahme vorzeitig abbrechen. Das wollte ich aber nicht – schließlich wollte ich nicht den „Wunsch“ so mancher Lehrer / Bildungsbegleiter entsprechen („dieser Herr S., einfach nur lästig !“). Aufgeben ? Niemals ! Jedoch, in diesem Falle blicke ich ein wenig wehleidig zurück… denn das Vorstellungsgespräch war sehr, sehr gut, die dort arbeitenden Damen sehr nett – und es wäre eine Arbeit mit Jugendlichen gewesen (ich hatte vorher ja nur mit jüngeren zu tun). Schade, aber… nun passé.

Es folgte eine weitere Zeit der Verwirrung – zumindest nach aussen hin, denn ich selbst wusste ganz genau, was ich wollte. Mit der Bewertung vom „Spielmobil“ im Gepäck ging ich zur Agentur für Arbeit (dem eigentlichen Träger der Maßnahme), und zu den Bildungsbegleitern. Sollte sie positiv ausfallen, so könnte ich vielleicht doch noch „offiziell“ etwas im sozialen Bereich machen ! Dankeschön, warum nicht gleich so ? Sie war positiv, wenngleich es ein kleines Missverständnis gab (ohne geht es eben nicht !) – Frau K. unterstellte mir, ich hätte das Praktikum „einfach so“ aus Lustlosigkeit und mangelndem Durchhaltevermögen beendet. Hierzu muss ich einfach noch einen separaten Artikel verfassen (Link). Das war natürlich Quatsch. Ich bekam also diese zweite (oder wievielte…?) Chance, und machte mich endlich wieder auf, ein Praktikum in einem Bereich zu suchen, der mich wirklich interessierte ! Und, das Praktikum in der…

  • Hellwinkel Ganztagesschule in Wolfsburg war einfach nur… enorm gut. Endlich war alles geregelt, der Stress der letzten Monate war verschwunden, die Maßnahme würde auch bald enden. Zwar hatte ich das eigentliche „Ziel“ nicht erreicht, in Ausbildung zu kommen (Bewerbungen laufen allerdings immer noch), aber eines hatte ich erreicht: ich wusste nun endlich, was ich wollte – und war bereits, alles dafür zu geben ! Dieses Praktikum hier „bewies“ es mir noch einmal, und stärkte diesen Wunsch. Zwar war ich nur eineinhalb Wochen während der eigentlichen Schulzeit tätig, und eineinhalb Wochen in der Ferienbetreuung (auch wieder eher Freizeit als z.B. Hausaufgabenunterstützung), aber die Arbeit hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Und, was waren die Kinder, sowohl Jungen als auch Mädchen – froh, dass „endlich mal wieder ein Mann“ da war ! Ich merkte einfach, dass dies das richtige ist. Das ist mir selbst Freude bereitet, aber dass es in gesellschaftlicher Hinsicht auch unbedingt notwendig ist, dass jemand wie ich in den sozialen Bereich geht und mit Kindern oder Jugendlichen arbeitet. Ja, gerade jemand wie ich – ein Mann in den 20ern, der schon einiges durchgemacht und erlebt hat ! Ein Mensch mit Ecken und Kanten eben – aber auch ein Mensch, der eine gewisse Wärme ausstrahlt, der eine positive Wirkung auf die Kinder und Jugendlichen hat, der alles dafür geben würde ein Problem zu lösen mit welchem die Kinder ihn konfrontieren.

In der Tat, es würde dieses Jahr schwierig werden mit der Ausbildung zum Sozial-Assistenten (immer noch mein aktueller Wunsch !), das sagte man mir – es gab also nur eine Möglichkeit. Schließlich werden soziale Ausbildung nur selten direkt in den Betrieben angeboten – es handelt sich um schulische Ausbildungen ! Und davon gibt es nur eine hier in Wolfsburg.

Die Möglichkeit, von der ich spreche, ist natürlich das freiwillige soziale Jahr. Na dann: 3 Bewerbungen, 3 Vorstellungsgespräche – und das dritte war ein Erfolg. Endlich… ! Anfang August werde ich offiziell beginnen; ich lasse mich überraschen – gehe aber voll motiviert an die Sache heran.

Oliverdsw’s Bio # 6 | I AM (NOT) BACK IN BUSINESS

Wie heisst es doch so schön ? Neues Jahr, neues Glück… !

Wichtig: dies ist einer der essentiell(st)en Artikel aus meiner Biografie.

Nun gut, 2009 war „mal wieder so ein Jahr“ für mich. Aber irgendwie auch nicht wirklich, denn schließlich sah das Ganze ab dem September schon wieder etwas anders und ungleich spannender aus ! Doch beginnen wir vorn: nachdem der Vertrag bei der Wolfsburg AG auslief, meldete ich mich wieder bei der Arbeitsagentur. Wir erinnern uns – mein Weg war immer noch nicht ganz klar, aber zumindest wollte ich alles einmal ausprobiert haben. So schickte mich die Agentur erst einmal für 2 Wochen auf ein Bewerbungsseminar, welches; zugegeben: ganz nützlich war. Die Unterlagen wurden auf den neuesten Stand gebracht, optimiert; Vorstellungsgespräche wurden geübt – und man wurde recht gut betreut beziehungsweise unterrichtet. Eine gute, und irgendwie witzige Zeit die ich dort hatte ! Und wieder stach ich etwas aus der Masse heraus, manche bemerkten ein „gewisses Potential“ an mir. War es mein Auftreten, war es mein sprachlicher und schriftlicher Stil ? War es meine nette und charmante (nein, noch nicht „überhebliche“, aber dazu später mehr) Art ? Wohl ein wenig von allem. In jedem Fall war die Zeit nützlich, und motivierte mich entsprechend, im Anschluss gleich weiterzumachen. Ich telefonierte und erkundigte mich hier und da, und ganz besonders 2 mögliche Arbeiten schienen irgendwie passend zu sein: einmal eine Arbeit als Paketzusteller, und einmal eine Stelle im Bereich Sicherheitsdienst. Es waren keine besonderen Vorkenntnisse erforderlich, man benötigte keine Ausbildung, und verdienen würde man immerhin genug. Tatsächlich… ? Dann schauen wir doch einmal.

  • Paketfahrer bei Hermes, Job auf 400-Euro-Basis. Man braucht kein eigenes KFZ (ich wurde sogar von Zuhause abgeholt). Vorteil: relativ einfache und körperlich nicht zu anstrengende Arbeit. Nachteile: lange Arbeitszeiten, die merkwürdig berechnet werden (Logistik vor eigentlicher Abfahrt, ca. 1 Stunde, wird schlicht nicht verrechnet), Bezahlung nach abgelieferter Paketanzahl ! In meinem Fall hiess das: besonders am Anfang und in der „Eingewöhnungszeit“ hätte ich so einen Stundenlohn von etwa 1.50 Euro gehabt. Später, also nach mehreren Wochen dann vielleicht 3-4 Euro; wenn ich gut sein würde. Ein Kollege: „über den Verdienst spricht man hier nicht…!“. Gut. Dazu war noch unsicher, ob man den Job überhaupt auf einen sozialversicherungspflichtigen umschreiben lassen könnte = erstmal nicht Krankenversichert ! Nach der Präsentation dieser Rechnung beim Chef bin ich dann auch gleich gegangen, oder „gegangen worden“. Er warf mir tatsächlich noch soetwas wie „Frechheit“ vor ! Pardon, irgendwie sind die Rollen hier etwas vertauscht gewesen…
  • Sicherheitsdienst (ohne Ausbildung). Vorteil: immer noch unsicher, ob es welche gibt. Nachteile: enorm lange Arbeitszeiten (bis an die Grenze der Legalität), auch Abends, Nachts und an Wochenenden; geringer Stundenlohn (Nettobetrag von ca. 4,50 Euro wäre bei mir möglich gewesen), körperliche Belastung (meist nur Stehen).

Und bitte denken Sie nicht, dass ich mich nebenbei nicht weiter um einen Ausbildungsplatz bemüht habe ! Dies lief alles parallel und Schubweise. Ausserdem war ich die ganze Zeit über bei einer Institution registriert, die Ausbildungsplätze vermittelt – der RVA. So gilt es, noch drei (die wichtigsten in 2009) Beispiele aus dem Ausbildungssegment anzuführen:

  • IT-Kaufmann – nach dem Bewerbungsgespräch (leider ?) Ende. Gründe ? Ich konnte die hohen Anforderungen nicht erfüllen, sowie: Lücken im Lebenslauf und meine Zeugnisnote in Mathematik = keine Chance.
  • Einzelhandelskaufmann im Bereich Handy / Computer. Merkwürdig, der Chef der (kleinen) Firma meldete sich nie bei mir zurück.
  • Einzelhandelskaufmann im Bereich Lebensmittel – nach einigen Tagen Probearbeit Ende. Gründe ? Ich konnte mich mit den „anzupreisenden“ Produkten nicht identifizieren. Für einen Nebenjob, selbstverständlich – für eine 3-jährige Ausbildung, und danach jahrelang in diesem Bereich arbeiten… ? Nicht wirklich.

Nun gut, da man sich bei der Arbeitsagentur langsam sicher war, dass es „höchste Eisenbahn“ für mich wurde, sollte ich ab September eine sogenannte BVB – eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme – beginnen. Zu dieser Angelegenheit gibt es ebenfalls einen eigenständigen Artikel, der sich ausführlicher mit dieser Maßnahme befasst. Schön und gut – ich fragte mich, warum dies erst jetzt geschah ! Eine solche Maßnahme wäre schließlich genau das richtige für mich gewesen, und zwar bereits damals (nach der Schule oder Bundeswehr). Hier konnte man sich komplett neu orientieren, sich erproben, Unterstützung bei den Bewerbungsverfahren erhalten. Und ganz wichtig: verschiedenste Praktika absolvieren ! Ich sage einmal: besser spät als nie. Die Erfahrungen bei dieser Maßnahme waren enorm vielfältig und interessant. An dieser Stelle seien einmal nur die zur Überschrift gehörigen Praktika erwähnt, die ich mir selbst suchte. Vielleicht war es nun an der Zeit, sich endlich einmal vernünftig zu orientieren ! Das Ziel: ein klarer und dabei realistischer Berufswunsch, und letztendlich eine sinnvolle und ausreichend bezahlte Arbeit die mir auch noch Spaß macht, die zu mir passen würde (schwierig). Ob es geklappt hat…

Was läge da also näher, die Chance zu nutzen und mal ein völlig anderes Praktikum zu machen (fragende Blicke und Verwunderung bei Freunden inklusive) ? In der Tat, los ging es mit einem…

  • Praktikum in einer Kindertagesstätte. Wohlgemerkt, als Mann. Muss man dies extra erwähnen… ? Jetzt weiss ich es: ja, man muss. Schließlich ist dieser Bereich absolut von Frauen dominiert, ich hatte ausschließlich Kolleginnen. Was hier in dieser Kindertagesstätte „passierte“, was ich erlebte; war bezeichnend für meinen weiteren Lebensweg. Irgendwo auf den vorherigen Seiten hatte ich einen Satz niedergeschrieben den Sie sich merken sollten – „ich, ein Sozialarbeiter – wohl kaum !„. Und doch hat sich dieser Haltung mit diesem Praktikum endgültig relativiert. Mehr noch: sie wandelte sich letztendlich zu dem Berufswunsch, den ich heute habe. Trotz der absoluten Ambivalenz hinsichtlich meiner Erfahrungen. Denn eines ist klar: ich lernte 2 Seiten der Medaille kennen.

Wohlgemerkt, dies war mein erstes Praktikum im sozialen Bereich ! Es ist nur verständlich, dass ich – ausser meinen allgemeinen sozialen Kompetenz – nicht viel an „Erfahrung“ mitbrachte. So viel es mir anfangs schwer, mich in das „Team“ (genauer: 2 Kolleginnen, eine Deutsche, eine nur Englisch-Sprechende) zu integrieren, zumal in der Gruppe in der ich war auch nur ausschließlich Englisch gesprochen wurde ! Nicht, dass ich diese Sprache nicht beherrsche, nein; es ging vielmehr um das merkwürdige (und gekünstelte) Gefühl, mich auf diese Weise mit den Kindern zu verständigen. Ich wollte aber in erster Linie erst einmal ausprobieren, wie sich das überhaupt anfühlt, wie das ist mit Kindern zu arbeiten. Deshalb blieb ich oft im deutschen… was mir natürlich entsprechend angekreidet wurde. Soviel noch vieles mehr… meine letztendliche Beurteilung ist nicht gerade sehr positiv ausgefallen. Ich hatte bereits im Gefühl, dass dies so enden würde – schließlich spürt man, wie sich eine Chemie zwischen 3 Erwachsenen entwickelt und verändert. Immerhin, ein paar positive Punkte hatte ich auch auf der Beurteilung (Pünktlichkeit, regelmässiges Erscheinen, äusseres Erscheinungsbild)… aber der Rest: wohl viel aus „Rache“, weil die Chemie irgendwie einfach nicht stimmte zwischen mir und den beiden jungen Damen. Das wohl heftigste: ich wurde als „Lügner“ bezichtigt, was ich – ich gestehe mir ansonsten viele Fehler ein – so nicht hinnehmen wollte. So schrieb ich auch eine mehrseitige Stellungnahme zur Praktikumsbeurteilung. Immerhin, ich war 4 Wochen da, also hat es sich auch gelohnt, ich konnte einige Einblicke erhalten. Danach folgte ein…

  • Weiteres Praktikum in einer Kindertagesstätte. Dies stand nun an, um die vorangegangene Bewertung zu überprüfen. Würde es in einem anderen Team ähnlich ablaufen ? Würde hier die Chemie schon eher stimmen ? Würde ich in einem (noch) deutschsprachigen Kindergarten eher „klarkommen“, und mich natürlicher verhalten ? Oha, ein hohes Ziel, solch eine (Selbst-)Überprüfung – das Ergebnis war einfach nur unglaublich, wenn ich dies einmal so sagen darf.

Meine Gesamtarbeitszeit belief sich lediglich auf 7 Arbeitstage, und dennoch bekam ich die bisher mieseste und negativste Bewertung, die ich je in einem Betrieb erhielt. In diesem Falle aber gestehe ich mich weitaus weniger Fehler ein als noch beim vorigen Praktikum. Nein, diesmal war die „Gegenseite“ ungleich schwerwiegender am umstrittenen Ausgang des Arbeitsverhältnisses beteiligt. Welch eine Frau, diese Chefin… ! Doch zu den sogenannten „Powerfrauen“ und den (negativen) Folgen der Emanzipationsbewegung der letzten Jahrzehnte an anderer Stelle mehr ! Es war einfach interessant, sich quasi Tag-für-Tag einen Schlagabtausch mit den Kolleginnen zu liefern. Die heftigsten „Gefechte“ lieferte ich mir natürlich mit besagter Chefin, die anderen tuschelten nur unter vorgehaltener Hand, sodass sich alle negative Energie in der Chefin als Sprachrohr manifestierte. Eine echte Herausforderung, das muss ich zugeben.

Das Resultat, oder meine Interpretation: ich war schon vorher ein Querdenker gewesen, doch stiess ich damit (unter anderem aufgrund meiner relativen Zeit der Arbeitslosigkeit) selten auf „Gegenwehr“. Nun aber war ich in eine Maßnahme integriert, uns sogar in ein Arbeitsverhältnis welches – auch unter objektiver Betrachtung, das müssen Sie zugeben – nicht gerade das „üblichste“ für Männer ist, und man dementsprechend gewisse Herausforderungen zu meistern hat. Diese 7 Tage hätte ich mir sparen können, sollen – die Überprüfung schlug fehl, was zu einer gewissen Entscheidung beim Maßnahmeträger führte. „Der Herr S. hat sich nun zweimal im sozialen Bereich ausprobiert – ich sehe, das ist einfach nichts für ihn !„. Also wurde der ohnehin schon steinige Weg – mit weiteren, großen Brocken gepflastert. Doch mein Berufswunsch hat sich bereits hier (und endlich !) herauskristallisiert. So schnell und mit dem ersten eigentlich doch so schlechten Praktikum – es soll in den sozialen Bereich gehen ! Nicht zwingend in einen Kindergarten, gewiss nicht. doch: wie passend, wie einfach – es schwebte die Ganze Zeit vor mir, doch nahm ich es nicht wahr. Wie kann ich anderen Helfen, die vielleicht genau das durchmachen (oder noch durchmachen werden), was ich bereits erlebt habe ? Unklarheiten, Unsicherheiten, Amstgänge, Ängste, generell Schwierigkeiten im und mit dem (Arbeits-)Leben ? So schloss sich auch der Kreis hin zum Gefühl, welches ich bei den Maßnahmen im Umgang mit den deutlich jüngeren (bis zu 8 Jahre Altersunterschied) Teilnehmern gehabt habe: ich half ihnen oft, war sehr beliebt, und ergriff auch mal das Wort für das Teilnehmerrecht. Ein moderner Robin Hood… ?

Was mich meiner Meinung nach prädestiniert und so besonders macht, neben dem Gelten als „Rarität“ (da männlich) in diesem Bereich: meine Lebenserfahrung bisher, meine Kreativität und meine Menschlichkeit. Die durften einige Kinder / Jugendliche dann (später) auch noch kennenlernen. Ich bekam ausschließlich positive Resonanz, sowohl von den Kindern aller Altersstufen, als auch Jugendlichen, als auch den Eltern. Jedoch nicht immer von den Kollegen / Kolleginnen – ich bleibe eben doch immer ein „Querdenker“ mit vielerlei positiven als vielleicht auch als negativ aufgefassten Eigenschaften. Es geht bei mir gewiss auch um meine mir unterstellte „Arroganz“…

Vielleicht nicht zu Unrecht – aber bei manchen Personen kann und sollte man sich schon einmal die Frage stellen, ob sie für gewisse hierarchische Positionen geeignet sind. Egal, ob sie nun in der Rangfolge „über mir“ stehen oder nicht. Tut man dies nicht, so ist man entweder noch schüchtern (weil vergleichsweise jung), oder aber man kann sich getrost zum unkritischen und nichts hinterfragenden Konsumvolk zählen. Wohin solch eine Einstellung führen kann, dafür muss man nicht erst in der Geschichte zurückschauen.

Oliverdsw’s Bio # 5 | ARBEITEN – (K)EINE ALTERNATIVE

Im ersten Moment und generell – mit Sicherheit, was denn sonst ? Doch in meinem Fall sollte man nicht allzu vorschnell urteilen.

Denn ich spreche mit der hiesigen Überschrift auf ein durchaus zwiespältiges Thema an: Arbeiten ohne Ausbildung, ist das vorteilhaft ? Da ich, wie im letzten Text angemerkt, für 2008 noch immer keinen Ausbildungsplatz gefunden hatte, bewarb ich mich nun also auch wieder um Arbeitsstellen, bei denen eine abgeschlossene Berufsausbildung nicht zu den Voraussetzungen gehörte. Das sind (auch heutzutage) zumeist entweder (Aushilfs-)Jobs auf der sogenannten 400-Euro Basis, oder aber diverse Jobs in Zeitarbeitsfirmen. Und, ich bekam dann auch schon relativ bald eine Stelle für einen „Sommerjob“ im Volkswagenwerk. Natürlich nicht als Direkteinstellung, sondern über die Wolfsburg AG als eigentlichem Arbeitgeber. Immerhin bestand die Chance, dass der zuerst auf 3 Monate angelegte Arbeitsvertrag um bis zu 2 Mal hätte verlängert werden können – bei mir wurde er das immerhin einmal, so kam ich insgesamt auf ca. 7 Monate Arbeitszeit.

Und die lief so ab: ich hatte durchaus Glück, dass ich in eine Abteilung kam; die sich nicht direkt mit der sogenannten „Bandarbeit“ beschäftigte – sondern mit der Endkontrolle der fertigen Fahrzeuge. In der Tat, ich war auf dem ALS-Stand tätig – das bedeutet, für Achse, Lenkung und Scheinwerfer zuständig. Aber es galt eben nicht nur, zu schauen und optisch zu überfliegen – es musste auch ein wenig an den Fahrzeugen gewerkelt werden. Bei der Achse war das vornehmlich das richtige Einstellen und das Abknicken, sowie ein paar Teile an die Karosserie anbringen. Die Lenkung war anhand eines Lenkkontrollmessgerätes schnell richtig eingestellt, und die Scheinwerfer wurden einfach nur anhand einiger Regler richtig justiert. Danach folgte dann das sogenannte Einlenken, für das aber schon andere Kollegen zuständig waren. Weitere Aufgaben waren die Fahrzeuge zu holen, vorzufahren, zu parken – und natürlich ein wenig Papierkram oder weitere Einstellungen / Kontrollen an den Fahrzeugen.

Hört sich das jetzt nach viel oder eher wenig an ? Sie dürfen entscheiden ! Klar ist jedenfalls, dass diese Arbeiten ungleich fordernder und anstrengender gewesen wären, hätten wir auf diesem Stand ebenfalls nach Taktzeit gearbeitet. Dies war glücklicherweise nicht der Fall, zumindest nicht direkt (natürlich musste man sich an Zeitvorgaben halten) – sodass ein wenig des bekannten „Bandstresses“ hier gar nicht erst aufkam. Den durfte ich dann kurz vor Ende meines (inzwischen verlängerten) Vertrages selbst noch erleben. Und zwar in seiner vollen Blüte. So kam ich zwischendurch für einen Tag an eine spezielle Station, bei welcher auch abgenickt werden musste – diesmal allerdings die Radmuttern. Das waren nicht gerade wenig, zumal diese (6-8 waren das glaube ich pro Rad; ich verdrängte es !) auch noch mal 4 multipliziert werden mussten. Dazu, und aufgrund meiner Größe, war es natürlich auch nicht gerade angenehm; sich mehrere hundert Mal am Tag zu bücken um die Muttern entsprechend zu erreichen (wohlgemerkt, Hochsommer, gefühlte 40 Grad in der Halle). Summa Summarum musste diese Zahl dann noch mit den am Tag zu schaffenden Fahrzeugen verrechnet werden – ca. 200 in meiner Schicht. Klingt das jetzt, als würde ich Jammern ? Vielleicht. Doch so einen Job würde ich nicht machen wollen (und auch nicht können), definitiv nicht. Überhaupt, wozu sich derart kaputtmachen – nicht nur körperlich, denn diese Art von Stress wirkt sich ja auch schnell auf den Geist aus ? Nichts anderes ist eine solch roboterartige Arbeit, die keine Abwechslung bereithält und dazu auch noch sehr, sehr anstrengend und lästig-stressig ist. Wie froh war ich da, als das Band mal für ein oder zwei Minuten still stand, aufgrund technischer Probleme ! Doch, es gibt tatsächlich Menschen, die solche Jobs ihr Leben lang machen. Irgendwie bewundere ich das auch in einer gewissen Art und Weise. Ich für mich selbst sage aber, nachdem ich es zumindest ausprobiert habe: nein danke.

Zum Glück ging es dann wieder an den ALS-Stand, sodass ich im Grunde meine gesamte Arbeitszeit gut, friedlich und nach bestem Können (nun ja, in handwerklicher Hinsicht – geistige Höchstleistungen waren ja nicht gerade gefordert) absolvierte – und ganz nebenbei noch sehr gutes Geld verdiente ! Mein erstes, richtiges Gehalt im vierstelligen Bereich (Brutto, sowie auch noch knapp Netto). Das reichte mir vollkommen, schließlich wohnte ich noch Zuhause und hatte kein eigenes Auto.

Gut, würde die Geschichte jetzt an dieser Stelle enden, so wäre sie wohl nicht von mir. So lief der Vertrag zwar ganz normal aus, jedoch nicht ohne eine kleine Konfrontation kurz vorher. Ich erinnere mich noch exakt an diesen einen Tag. Da kam also der Chef der Abteilung auf „uns“ (mich und meine temporären Kollegen) zu, und fragte nach einem Freiwilligen für eine… andere Aufgabe. Ein wenig Abwechslung, warum nicht ? Außerdem kannte ich die neue Einsatzstelle, sie lief zwar nach Takt, doch war es dort wesentlich angenehmer als noch beim Abknicken der Radmuttern. So wartete ich kurz, sah in die Runde – niemand meldete sich, bis ich schließlich meinen Finger hob. Können Sie sich denken, was nun passiert ist… ? Nicht, dass ich irgendjemandem nun irgendetwas unterstellen möchte, es war einfach nur ein ganz blöder Zufall, dass das Schicksal wieder bei mir zugeschlagen hat. So sollte ich, nachdem ich einige Minuten am neuen Einsatzort gearbeitet hatte, plötzlich an einen ganz anderen bestellt. Und dieser… gefiel mir ganz ähnlich wie schon der vorherige bei den Radmuttern (der ja aber nur ein Tageseinsatz war !). So nahm ich an, dass dies hier wohl ebenfalls so sein würde – und biss einfach mal wieder die Zähne zusammen. Dieses ständige, stupide Arbeiten nach Takt, unter Zeitdruck… immer dieselben Handgriffe, keinerlei Kontakt oder Gespräche mit den Kollegen (alles alteingesessene, die mich wohl eher belächelten). Die Pause war 15 Minuten lang, doch meine Sachen waren natürlich noch an meinem alten Arbeitsplatz, genau wie meine alten Kollegen. 5 Minuten Weg hin, 5 Minuten zurück – ein ganz typischer (aber doch irgendwie nicht zufriedenstellender) Tag für mich. Und ich darf das sagen, schließlich war ich bei der Bundeswehr – und weiss daher was es bedeutet, sich an Zeitvorgaben (auch unter höchster körperlicher Anstrengung) zu halten.

Deshalb traf ich am nächsten Tag auch eine Entscheidung: sollte man mich erneut zu diesem Arbeitsort zitieren, würde ich mit aller Kraft versuchen, dies irgendwie zu verhindern. Das ging natürlich nicht, und auf meine Nachfrage hin sagte man mir, „es ist ja nur solange wie der eigentlich dort arbeitende Kollege krank“ sei. Nun, würde ich mein Leben lang hier arbeiten, so wäre ich wohl auch öfter mal krank. Dies ist jedoch erneut keine Unterstellung meinerseits, nur etwas Sarkasmus (bei mir üblich). Es folgten einige Unklarheiten und Gespräche mit der Personalabteilung der Wolfsburg AG, nachdem man mich quasi „gefeuert“ hatte aus der Abteilung – sie wollten keinen „Schlaffi von einer Zeitarbeitsfirma“, der sich auch noch über eigentlich ganz „normale Dinge“ (und damit eben auch die für mich unakzeptablen Arbeitsbedingungen) beschwert.

Nun, ich bekam noch eine Chance in einer weiteren Abteilung, dies arrangierte die Wolfsburg AG – doch im Grunde war der Vertrag schon so gut wie abgelaufen. Dass er nicht noch einmal verlängert wurde, war nun abzusehen. Aber darüber war ich eigentlich auch ganz froh…