Metal-CD-Review: LAST KINGDOM – Chronicles Of The North (2012)

Land: Schweden – Stil: Melodic Power Metal

Die Trackliste:

1. Chronicles of the North 04:40
2. Warrior Kings 03:40
3. Daylight Retreats 05:29
4. Silver Moon 03:59
5. The World Is Dying 06:00
6. End of Life 05:09
7. Fate 05:35
8. Abandonded 06:59
9. Lost 05:53

Willkommen im hohen Norden… !

Vorwort: Als Rezensent wird es einem nicht immer leicht gemacht – wie im Falle des neuen 2012’er Langspielers von LAST KINGDOM, CHRONICLES OF THE NORTH. Denn zur Band und deren Geschichte finden sich kaum Informationen in den weiten des World Wide Webs, was es auch potentiell Interessierten Hörern zusätzlich erschweren wird, in den Genuss der Musik der Schwedischen Power Metaller zu kommen. Immerhin, die offizielle Webseite der Band wird offenbar einer grundlegenden Überarbeitung unterzogen (was, zugegeben, etwas ungünstig ist wenn man gerade ein Album veröffentlicht hat), und auf der offiziellen Myspace-Seite gibt es einige Hörproben. Hier finden sich dann auch Anlaufstellen für die Bestellung der CD – aber auch hier gilt: wer mehr wissen möchte, schaut in die Röhre. Hier müssen LAST KINGDOM unbedingt noch ranklotzen, und sich einen ordentlichen Internetauftritt zusammenbasteln – denn es wäre beileibe zu schade, wenn niemand von der neuesten Veröffentlichung der Band hören würde.

Kritik: Das Album CHRONICLES OF THE NORTH beinhaltet gerade einmal 9 Titel – doch die soll(t)en es dafür in sich haben. Und in der Tat, bereits mit dem brachialen Opener und Titeltrack CHRONICLES OF THE NORTH geht man keine Kompromisse ein, und serviert grundsolide, episch angelegte Power Metal-Kost der zutiefst melodischen Art. Unweigerlich fühlt man sich an den (alten) Sound von THY MAJESTIE erinnert; es werden alte Helden und alte Götter besungen und allerlei episches Feuerwerk gezündet. Gerade der überaus eingängige Refrain mit den Backgroundgesängen wirkt äusserst stilsicher und pompös inszeniert – und macht schlicht ordentlich Laune. In den Strophen darf der Leadsänger dann auch zeigen, was er alles auf dem Kasten hat – und das ist in erster Linie die Präsentation einer klaren, angenehmen Stimme; die zu keinem Zeitpunkt aufdringlich wirkt. Die (ganz) hohen Screams mögen vielleicht etwas schief klingen, doch da es zumeist bei eher gemäßigten Lagen bleibt, ist das durchaus zu verzeihen. So darf WARRIOR KINGS gleich munter an die etablierte Stimmung anknüpfen, und den Hörer sinnbildlich voranschreiten lassen – hinein in ein ungewisses Terrain, in mystische Gefilde, in denen es sich zu beweisen gilt. In der Tat ist diese, seit vielen Jahren recht typische Art des die großen Helden besingenden Power Metals nicht jedermanns Sache – doch wer gerne Schwerter schwingt (oder anderen dabei zuhört), der wird vollends begeistert sein in Anbetracht der Lyrics und der pompösen Aufmachung der einzelnen Titel. Auch wenn dies gleichzeitig auch bedeutet, dass es nicht allzu viel wirklich neues zu entdecken geben wird.

Immerhin, DAYLIGHT RETREATS präsentiert sich nunmehr als recht abwechslungsreicher, etwas düsterer Titel; der ähnlich episch-getragen angelegt ist wie bei Genrekollegen a’la DRAGONLAND auf ihrem neuesten Werk UNDER THE GREY BANNER. Zwischendurch wird das Tempo jedoch immer wieder für die ein oder andere flottere Passage angezogen, während die kräftigen Riffs ausserordentliche gute Arbeit leisten und dem Ganzen einen ordentlichen Metal-Anstrich verleihen. Hervorzuheben ist die Tatsache, dass etwaige symphonische Elemente, oder generell das Keyboard, eher hintergründig vernehmbar sind – man braucht also keine zusätzliche Ladung ‚Kitsch‘ befürchten. Es folgt SILVERMOON, ein Titel, der wieder deutlich schneller und verspielter daherkommt. Aber auch hier wird man einen gewissen düsteren Unterton entdecken können, der dem Ganzen einen zusätzlichen Hauch von Anspruch verleiht. Größtenteils dominiert aber das flotte Drumming, sowie die hier etwas präsenteren Keyboard-Elemente. Ein solider Titel, aber zweifelsohne kein Highlight des Albums – hier hätten es etwas mehr Druck und Ausdrucksstärke eher getan als das kontinuierliche Tempo und die etwas zu ’schepprigen‘ Drums. Nanu, sind das etwas die HOLY KNIGHTS die sich in THE WORLD IS DYING die Ehre geben ? Nicht ganz, es sind immer noch LAST KINGDOM – man sieht, es sind derlei möglicher Referenzen nicht wenige, dem Album fehlt es noch ein klein wenig an Eigenständigkeit, an Merkmalen, die für einen wirklich einzigartigen Sound mit hohem Wiedererkennungswert sorgen würden. Aber dennoch macht der Titel Spaß, und ist keineswegs als Ausfall zu bezeichnen.

Es folgt END OF LIFE, ein Titel, der nun wieder als knallharter Uptempo-Brecher inszeniert worden ist – und dementsprechend ‚treibend‘ wirkt. Als nette Dreingabe fungieren hier stimmige, hintergründige Chorgesänge im Refrain, sowie ein ansprechender Instrumentalteil ab Minute 3. In der Tat vermag ein Fünkchen Erhabenheit, ein wenig der besungenen Ehre auf den Hörer überzuspringen. Ein kleines Highlight stellt sich nun Titel Nummer 7, FATE, heraus – eine mitreissende, unverbraucht wirkende Melodie zieht sich durch die episch-getragenen Strophen, während der Refrain eine volle Breitseite Power Metal mit symphonischen Elementen aufgetischt wird. Ein späterer, überaus gelungener Soli-Teil unterstützt den durchweg positiven Eindruck des Titels, der zweifelsohne als einer der herausragendsten des Albums bezeichnet werden kann. Aber Moment, da gibt es ja noch 2 weitere Kandidaten… der erste, ABANDONED, kann zwar nicht wirklich fesseln oder mitreissen, verbreitet aber eine abwechslungsreiche, etwas ruhigere, poetischere Stimmung und hat so seine Existenzberechtigung. Mit dem großen Finale aber übertreibt man es (endlich !) wieder – LOST ist DIE Überhymne, die an die Stimmung des Openers anknüpft und das Album mehr als abrundet – mehr noch, dieser Titel sorgt noch einmal für einen deutlichen Punkteanstieg hinsichtlich der Gesamtwertung. Wahnsinn – hier zeigen sich LAST KINGDOM gemäßigt und spannungserzeugend in den Strophen, und derart ausgelassen im Refrain, dass es eine wahre Freude ist.

Fazit: Allzu viel neues oder bahnbrechendes wird dem Hörer auf CHRONICLES OF THE NORTH nicht geboten – dafür aber mehr als solide Melodic Power Metal-Kost, die das Herz wahrer Nordischer Heavy Metal-Recken ein wenig höher schlagen lassen sollte. Wer generell eine Vorliebe für kriegerisch-eisige (Fantasy-)Geschichten aus dem hohen Norden hat, und Bands wie THY MAJESTIE, CELESTY, SONATA ARCTICA oder LABYRINTH etwas abgewinnen kann, sollte definitiv mal einen Blick riskieren. Mindestens zwei Titel stechen nach mehrmaligem Hören aber doch klar aus dem Gesamtkontext der 9 Titel heraus – der flotten Opener und das wahrlich epische Finalstück LOST. Hier hat man zwei Titel geschaffen, die sich ins Gedächtnis brennen und dort reichlich nachwirken können – ganz so, wie es sein soll. In diesem Falle ebenfalls lobenswert: der Verzicht auf allzu viel Schnickschnack – es gibt 9 vollwertige Titel als Gesamtpaket, nicht mehr und nicht weniger (keine Interludes, Hörspielsequenzen etc). Doch, doch – LAST KINGDOM lassen sich wirklich gut hören.

Anspieltipps: CHRONICLES OF THE NORTH, WARRIOR KINGS, FATE, LOST (!!)