Metal-CD-Review: LABYRINTH – Architecture Of A God (2017)

Alben-Titel: Architecture Of A God
Künstler / Band: Labyrinth (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. April 2017
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Frontiers Records

Alben-Lineup:

Andrea Cantarelli – Guitars
Olaf Thörsen – Guitars
Roberto Tiranti – Vocals
Nik Mazzucconi – Bass
Oleg Smirnoff – Keyboards
John Macaluso – Drums

Track-Liste:

1. Bullets (06:56)
2. Still Alive (04:49)
3. Take On My Legacy (04:04)
4. A New Dream (05:22)
5. Someone Says (04:44)
6. Random Logic (01:55)
7. Architecture of a God (08:40)
8. Children (Robert Miles cover) (04:07)
9. Those Days (05:14)
10. We Belong to Yesterday (06:32)
11. Stardust and Ashes (05:16)
12. Diamond (03:28)

Von einer ganz und gar göttlichen Architektur kann man eigentlich nur Perfektion erwarten.

2017 ist ein spannendes Jahr für den Power Metal – unter anderem auch, da es sich um ein Jahr der Rückkehrer handelt. So gesehen ist es fast schon ein wenig kurios, dass der Releasetermin von gleich zwei entsprechend heiß erwarteten neuen Studioalben zweier lange verschollener Genre-Combos auf den gleichen Tag fällt. Der 21. April 2017 fungiert damit nicht nur als Stichtag für CRYONIC TEMPLE’s INTO THE GLORIOUS BATTLE (siehe Review), sondern auch für LABYRINTH’s neues Studioalbum ARCHITECTURE OF A GOD. Immerhin: seit dem letztaktuellen Album der Italiener (RETURN TO HEAVEN DENIED PART II, Review) sind mittlerweile ganze 7 Jahre vergangen. Von ihrem großen Bekanntheitsgrad sollten die Musiker um Frontmann Roberto Tiranti dennoch nichts respektive nur wenig eingebüßt haben – schließlich können LABYRINTH durch ihre Bandgründung im Jahre 1994 problemlos als absolute Genre-Urgesteine bezeichnet werden.

Allerdings, und davor ist wohl keine langjährig aktive Combo gefeit; haben die Italiener im Laufe ihrer Karriere beileibe nicht nur großartiges abgeliefert. Dezent kritisch wurde es beispielsweise nach der im Jahre 2003 zelebrierten Wiedergeburt der Band mit dem passend betitelten Studioalbum LABYRINTH (Review) – am folgenden FREEMAN (Review) und 6 DAYS TO NOWHERE (Review) scheiden sich auch heute noch die Geister. Umso spannender ist es nun zu erfahren, wie sich die Italiener 2017 schlagen – wobei mit den Gitarristen Andrea Cantarelli und Olaf Thörsen noch immer zwei Gründungsmitglieder der Band dabei sind. Vielleicht sogar drei, denn eigentlich könnte man Roberto Tiranti (der den eigentlichen Leadsänger Fabio Lione schon recht früh ersetzte) ebenfalls zur Ur-Besetzung zählen. Neuaufstellungen gab es dagegen an allen andern Fronten: sowohl am Bass, am Schlagzeug und an den Keyboards agieren neue Mitglieder; die erst 2016 zur Band stießen.

Fest steht: mit ARCHITECTURE OF A GOD widmet man sich insgesamt 12 neuen LABYRINTH-Titeln bei einer Gesamtspielzeit von einer guten Stunde – und dem unterschwelligen Versprechen, dass die Band nichts von ihrer ehemaligen Schlagkraft verloren hat. Und tatsächlich: das neue Album scheint zunächst weit davon entfernt, ein kurioses Experiment a’la FREEMAN, oder gar ein Totalausfall a’la 6 DAYS TO NOWHERE zu sein. Aber, und das war speziell nach dem einst richtungsweisenden RETURN TO HEAVEN DENIED sowie dem ebenfalls herausragenden PART II als letztaktuelles Album der Band nicht unbedingt zu erwarten: LABYRINTH geben sich dieses Mal auffällig zahm. Vielleicht sogar zu zahm – wofür sich aber nicht die noch immer sehr guten handwerklichen Leistungen der Mitglieder, oder die druckvolle Produktion verantwortlich zeichnen. Eine fehlende Progressivität kann es ebenfalls nicht sein, da ARCHITECTURE OF A GOD vergleichsweise vielschichtig daherkommt und selbst innerhalb einzelner Titel einiges an Abwechslung bietet. Und doch ist da etwas, was dem Album einfach nicht sonderlich gut bekommt.

Was es ist, liegt dann auch relativ schnell auf der Hand: LABYRINTH setzen auf ihrem ARCHITECTURE OF A GOD stark auf weichere oder auch explizit balladeske Strömungen – und das so intensiv wie nie zuvor. Immerhin: die Italiener schaffen es, dass man keine ihrer Nummern als typische oder obligatorische 08/15-Ballade bezeichnen kann – doch die Tendenz ist mit Nummern wie STILL ALIVE, A NEW DREAM, dem Titeltrack ARCHITECTURE OF A GOD, THOSE DAYS, WE BELONG TO YESTERDAY oder DIAMOND definitiv gegeben. Wer hier also ein explosives Feuerwerk erwartet, ist schon einmal an der gänzlich falschen Adresse – denn auch die anderen Nummern wie der Opener BULLETS haben weniger Kraft als eventuell erwartet. Vielleicht auch weniger Eleganz, als man es von LABYRINTH einmal gewöhnt war. Die Marschrichtung erscheint jedenfalls nicht wirklich klar, eingängige oder bemerkenswerte Momente gibt es selbst in den vielfältigen progressiven Strukturen keine.

Noch problematischer als das Fehlen von markanten Highlights aber wiegt etwas anderes – und das ist ein Fakt, der sich sowohl auf die eher balladesken Nummern des Albums als auch alle anderen bezieht. Denn: auch wenn man nicht genau weiß warum, haben LABYRINTH dieses Mal offenbar keinerlei Probleme damit gehabt; ihre Kompositionen mit gleichermaßen kitschigen wie recht aufdringlichen Keyboard-Elementen regelrecht zuzukleistern. Das ist umso fraglicher wenn man bedenkt, welche Fähigkeiten Mitglieder wie Olaf Thörsen eigentlich haben. Der Raum für die eigentlichen; die klassischen Genre-Elemente ist damit vergleichsweise gering bemessen. Stattdessen werden selbst ruhige Titel wie STILL ALIVE zu einem kleinen akustischen Schlachtfeld, in dem sich viel zu viele unterschiedliche Elemente gegenseitig ausspielen. Anders gesagt: ARCHITECTURE OF A GOD fehlt nicht nur die nötige Kraft und Eingängigkeit, die ergriffenen Maßnahmen das Ganze doch noch nachhaltig aufzupeppen schlagen allesamt fehlt. Selbst eine doch noch anberaumte Uptempo-Nummer wie TAKE ON MY LEGACY wirkt in diesem Zusammenhang seltsam aufgebauscht – und verpufft im nirgendwo.

Denn: was helfen etwaige Nachbearbeitungen, hinzugefügte Effekte und unzählige Tonspuren; wenn sich dennoch nichts am insgesamt auffallend langatmigen Eindruck vieler Titel des Albums ändert ? Weniger ist manchmal mehr – das galt zumindest für die alten LABYRINTH. ARCHITECTURE OF A GOD ist ein sich ganz und gar künstlich respektive anorganisch anfühlendes, absolut überproduziertes Genre-Album geworden. Eines, dass viele Spielereien beinhaltet – aber vornehmlich solche, die ins Nichts laufen. Das recht überflüssige, musikalisch uninteressante Zwischenspiel RANDOM LOGIC sowie das dezent deplatziert wirkende, musikalisch ebenfalls nicht unbedingt herausragende ROBERT MILES-Cover von CHILDREN runden das Ganze nach unten hin ab. Leider, muss man schon fast sagen. Einzig und allein der hie und da durchschimmernde Gitarrensound kann überzeugen; sowie eventuell noch Roberto Tiranti mit seiner nach wie vor angenehme Stimme – würde er auf ARCHITECTURE OF A GOD nur nicht so oft auf die Tränendrüse drücken oder vor sich hinsäuseln. Alles in allem sind es der Vorteil eschlicht zu wenig – gerade für ein lang erwartetes Album einer Combo, die seit über 20 Jahren besteht.

Absolute Anspieltipps: SOMEONE SAYS, STARDUST AND ASHES


„Diese Architektur hat Risse – und das nicht zu knapp.“

Metal-CD-Review: AMAZING MAZE – Amazing Maze (2007)

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Alben-Titel: Amazing Maze
Künstler / Band: Amazing Maze (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. September 2007
Land: Italien / Japan
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nexus

Alben-Lineup:

Mat Staciolla – Drums
Peter Kilt – Guitars
Anders Rain – Guitars
Andrew McPauls – Keyboards
Rob Tyrant – Vocals, Bass

Track-Liste:

1. Intro (01:11)
2. Pray! (04:55)
3. The Struggle (04:44)
4. Live or Die (04:42)
5. Angel Witch (Angel Witch cover) (03:38)
6. Fast and Dangerous (05:07)
7. Amazing Maze (05:15)
8. Wounded Heart (04:25)
9. The King of Pain (05:28)
10. I Am the Law (05:39)
11. Metal Empire (05:33)
12. Come Back to Me (05:00)

Ein Coup zwischen Genialität und Verwirrung.

In den 2000er Jahren wurde so manches hochkarätiges Power Metal-Album veröffentlicht – und das nicht nur von etwaigen altbekannten Genre-Hasen, sondern auch von erfrischenden Newcomern. Doch neben den regulären Veröffentlichungen gab es auch so manch seltsame, wie etwa das augenscheinliche Debütalbum AMAZING MAZE von einer gleichnamigen und auf den ersten Blick absolut unbekannten Band aus Italien. Jene, die dennoch in den Genuss kommen konnten das kurioserweise ausschließlich in Japan veröffentlichte Album zu hören; waren wiederum schnell geneigt eines festzustellen: der hier dargebotene Sound klang mitunter seltsam vertraut. Der Grund dafür liegt zwar nicht auf der Hand, ebenso wenig wie der eigentliche Sinn und Zweck der Aktion; aber: hinter AMAZING MAZE stecken eigentlich die bekannten Musiker von LABYRINTH.

Und so kann AMAZING MAZE gleichermaßen als Geheimtipp wie auch als waschechtes Kuriosum betrachtet werden. LABYRINTH beschritten hier schließlich nicht nur einen eher außergewöhnlichen, so sicher nicht erwarteten Weg und präsentierten ein Album außerhalb ihrer eigentlichen Diskografie – sie schafften noch etwas anderes. Etwas, das zu einer weiteren mitunter merkwürdigen Feststellung führt. Denn: betrachtet man die reguläre Diskografie der Italiener, so schien vor allem im Zeitraum um das ominöse AMAZING MAZE-Album herum eine qualitative Flaute zu herrschen. Das 2005 erschienene FREEMAN (Review) hatte kaum noch etwas mit den guten Vorgängern am Hut, das 2007’er 6 DAYS TO NOWHERE (Review) konnte gar als Totalausfall gewertet werden. Und an eben dieser Stelle kommt plötzlich AMAZING MAZE ins Spiel – ein Album, dass zwar nicht unter dem LABYRINTH-Banner veröffentlicht wurde; aber viel eher nach LABYRINTH klingt als das reguläre Material der Band aus diesem Zeitraum.

Über die Gründe lässt sich wohl nur spekulieren. Es fühlt sich allerdings gut an zu wissen, dass LABYRINTH ihre Fähigkeiten offenbar doch nicht verloren hatten – sondern im Zeitraum 2005-2007 schlicht zwei schlechte Alben veröffentlichten. Und ein weiteres, das sie offenbar auch für sich selbst brauchten. Und sei es nur um aufzuzeigen, dass es auch anders geht – so, wie man es seit jeher von der Band gewohnt war. Die Folge war uns ist ein rundum solides Genre-Album ohne großartige Schnörkel oder Experimente, aber dennoch mit einem dezenten progressiven Anstrich – und einem hohen Unterhaltungswert infolge einer ausgewogenen Mischung aus flott-hymnischen (LIVE OR DIE) und auch mal deutlich andächtigeren, wenn nicht gar düsteren Momenten (THE STRUGGLE). Solide heißt in diesem Fall aber auch, dass das Album nicht gänzlich vor Schwächen gefeit ist. Der Riff-orientierte Stampfer ANGEL WITCH beispielsweise macht Laune, kommt aber mit einem nicht ganz so günstigen Refrain daher – und die offensichtlichen Übertreibungen in FAST AND DANGEROUS gehen beileibe nicht auf jede Kuhhaut.

Im Titeltrack sieht es dann schon wesentlich besser aus, wie auch im restlichen Verlauf des Albums. WOUNDED HEART überzeugt als Alternative zu sonst gängigen Balladen, THE KING OF PAIN ist durch und durch mächtig und mit einigen extravaganten Soli ausgestattet, I AM THE LAW hat gar ungeahnte Musical-Qualitäten. Wenn man so will könnte man lediglich die nicht ganz optimale Produktion als weiteren kleinen Wermutstropfen heranziehen – doch insgesamt handelt es sich um ein empfehlenswertes Genre-Album aus der Feder von LABYRINTH oder auch AMAZING MAZE.

Absolute Anspieltipps: LIVE OR DIE, AMAZING MAZE, THE KING OF PAIN


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„Die Hintergründe sind weitaus mysteriöser als die dargebotene Musik selbst, in der mehr LABYRINTH steckt als in den anderen Band-Alben jener Zeit.“

Metal-CD-Review: LABYRINTH – 6 Days To Nowhere (2007)

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Alben-Titel: 6 Days To Nowhere
Künstler / Band: Labyrinth (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. Februar 2007
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Roberto Tiranti – Vocals, Bass
Andrea Cantarelli – Guitars
Pier Gonella – Guitars
Mat Stancioiu – Drums
Andrea De Paoli – Keyboards, Piano

Track-Liste:

1. Crossroads (04:03)
2. There Is a Way (03:36)
3. Lost (04:24)
4. Mother Earth (06:08)
5. Waiting Tomorrow (03:35)
6. Come Together (The Beatles cover) (04:00)
7. Just One Day (03:54)
8. What??? (04:15)
9. Coldness (03:49)
10. Rusty Nail (03:19)
11. Out of Control (03:46)
12. Wolves ’n‘ Lambs (04:53)
13. Smoke and Dreams (04:37)
14. Piece of Time (2007) (02:50)

Wenn man aus Fehlern nicht lernt.

Offenbar hatten es die italienischen Power Metaller von LABYRINTH eine Zeit lang nicht leicht – zumindest spricht das, was die einstige Vorreiter-Band im Jahre 2005 mit FREEMAN auf die Beine gestellt hat; einstweilen stark dafür. Zwischen jenem ärgerlich auf modern getrimmten, letztendlich nicht nennenswerten Album und dessen noch sehr gutem Vorgänger LABYRINTH (Review) liegen schier Welten. So ist es auch kaum verwunderlich, dass das gerade einmal 2 Jahre später erschienene 6 DAYS TO NOWHERE am ehesten einer negativen Interpretations-Abwandlung des Alben-Titels entspricht – es führt ins Nichts; und sei es nur gefühlt. Dabei erscheint es gleichermaßen fraglich wie bedenklich, dass sich die aufstrebende Band nach gerade einmal einer handvoll Alben so stark von ihrem eigentlichen Ursprungs-Genre entfernt hatte – und das ausgerechnet, um für deutlich weniger ansprechende Genre-Experimente Platz zu machen. Während FREEMAN aber ein offensichtliches Problem in Bezug auf seine moderne Anbiederungsstrategie hatte, weiß 6 DAYS TO NOWHERE seine Schwächen auf einem ganz anderen Blatt zu präsentieren. Auch dieses Mal gilt: Überraschungen sind generell nicht verkehrt, doch wenn sie so ausfallen wie hier; dann kann man auch gleich im Bett bleiben. Das Album klingt als erstes LABYRINTH-Album überhaupt derart zahm und kantenlos, dass man meint hier irgendeine namenlose Garagenrockband zu hören – mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass 6 DAYS TO NOWHERE trotz allem rund produziert ist und theoretisch in der Lage wäre, die anberaumten Emotionen auch zu transportieren. Wäre, ja wäre da nicht das erschreckend belanglose Songwriting, die fehlende Kraft und die ausbleibende Glaubwürdigkeit.

Das Album bietet schlicht eine Ansammlung von unspektakulären und vergleichsweise schwergängigen, mit unglaubwürdigen Emotionen ausstaffierten Nummern irgendwo zwischen Hardrock und einer emotionalen Seite des Melodic Metal – eine Mischung die hier, und wie bereits erwähnt ins absolute Nichts führt. Und auch wenn LABYRINTH hier seltenerweise einmal versuchen dem Ganzen ein wenig Kraft einzuverleiben, geht das verdächtig schief – wie es dem nur noch nervenaufreibenden LOST deutlich anzuhören ist. Im großen und ganzen aber gilt: 6 DAYS TO NOWHERE ist derart unspektakulär, langatmig und letztendlich auch gelichförmig ausgefallen, dass es eigentlich kaum einer Erwähnung wert ist. Die erbrachten Leistungen an den Instrumenten mögen noch als solide bezeichnet werden, zumindest gehört das hanebüchene Drumming des Vorgängers der Vergangenheit an – doch hilft das nicht viel, wenn davon abgesehen alle Stricke reißen. So gesehen kann selbst der schwache Vorgänger FREEMAN noch geschlagen werden – was darauf hindeutet, dass LABYRINTH eine Auszeit bitter nötig gehabt hätten. Wie man heute weiß, war auch genau das der Fall: mit dem neu aufgestellten 2010’er Nachfolgealbum RETURN TO HEAVEN DENIED II (Review) kehrte die Band doch noch zu ihrer alten Form und Stärke zurück.

Absolute Anspieltipps: /


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„Der absolute Tiefpunkt einer einst vielversprechenden Karriere.“

Metal-CD-Review: LABYRINTH – Freeman (2005)

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Alben-Titel: Freeman
Künstler / Band: Labyrinth (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. März 2005
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Roberto Tiranti – Vocals
Andrea Cantarelli – Guitars
Pier Gonella – Guitars
Cristiano Bertocchi – Bass
Mat Stancioiu – Drums
Andrea De Paoli – Keyboards

Track-Liste:

1. L.Y.A.F.H. (04:26)
2. Deserter (05:03)
3. Dive in Open Waters (03:10)
4. Freeman (04:16)
5. M3 (04:10)
6. Face and Pay (05:27)
7. Malcolm Grey (06:02)
8. Nothing New (05:03)
9. Infidels (05:55)
10. Meanings (03:56)

Was ist denn da passiert ?

Die Zeit um den Jahrtausendwechsel war die wohl turbulenteste, und aufregenste und sicher auch entscheidendste Zeit für die italineischen Power Metaller von LABYRINTH. Den ersten handfesten Vorgeschmack auf das, was an Potential alles in der Band schlummerte wurde bereits 1998 abgeliefert – RETURN TO HEAVEN DENIED (Review) ist bis heute ein gern gehörter Klassiker. Und auch wenn der direkte Nachfolger SONS OF THUNDER (Review) nicht mehr ganz so stark war, hatte sich die Band spätestens mit  ihrem vierten, interessanterweise gleichnamigen Studioalbum LABYRINTH (Review) wieder vollständig rehabilitiert und zugleich mit neuartigen progressiven Ansätzen geglänzt. Wenngleich LABYRINTH diese Überraschung gelungen war, sollte die darauf folgende wahrlich nicht jedermann begeistern: das 2005’er Studioalbum FREEMAN ist schließlich ein Überraschungspaket der etwas anderen Sorte. Eines, das den bisherigen Sound der Band völlig auf den Kopf stellte – und wenn man so will gar das Gegenteil von dem repräsentierte, wofür die Band einst stand.

Der Grund dafür ist auch vergleichsweise schnell gefunden: FREEMAN klingt nicht nur anders als alle anderen LABYRINTH-Alben, sondern in erster Linie deutlich moderner – allerdings im negativsten aller vorstellbaren Sinne. So haben die einzelnen Elemente der Musik stark unter den offenbar für die Masse verinfachten und glattgeschliffenen Maßnahmen zu leiden – was sich auch auf den stark vereinfachten, enorm verzerrten Klang der Gitarren, das schwachbrüstig-plumpe Drumming und den überbordernden Einsatz des Keyboards auswirkt. Auch wenn die LABYRINTH-Kompostionen schon immer einen Hang zum melodiösen hatten und das Keyboard eine gewisse Rolle spielte, scheinen die auf FREEMAN dargebotenen Töne weitestgehend einem breiteren Geschmack angepasst. Das hätte vielleicht noch nichts schlechtes bedeuten müssen, doch wenn man ausgerechnet auf einem LABYRINTH-Album das Gefühl hat als könnte das ganze auch auf einer beliebigen Radiostation laufen – und das selbst hier als kaum konkurrenzfähiges Material – dann sieht es eher schlecht aus.

Der gesamte Alben-Auftakt mit dem anbiedernden Opener L.Y.A.F.H., dem Folgetitel DESERTER (der mit einigen nervigen Screams im Hintergrund aufwartet, sonst aber handzahm bleibt) und dem überdrehten DIVE IN OPEN WATERS zählt zweifelsohne zu den ärgerlichsten LABYRINTH-Momenten aller Zeiten, wobei sich auch Leadsänger Roberto Tiranti in einem negativen Sinne angepasst hat. Nur das experimentelle MALCOLM GREY oder das explizit nervige INFIDELS dürften dem Ganzen dann noch die Krone aufsetzen. Hie und da schimmern sie zwar noc hdurch, jene progressiven Ansätze die das Vorgängeralbum so interessant gemacht haben – doch sind sie hier weit davon entfernt, einen gekonnten geschweige denn akustisch angenehmen einruck zu hinterlassen. Im weiteren Albenverlauf wird es dann nicht viel besser – wobei LABYRINTH auch mit den hier anberaumten, für sie eigentlich ugnewöhnlichen Textinhalten wenig reißen können.

Absolute Anspieltipps: FACE AND PAY


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„Ein neues musikalisches Konzept gerät zur Katastrophe.“

Metal-CD-Review: LABYRINTH – Labyrinth (2003)

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Alben-Titel: Labyrinth
Künstler / Band: Labyrinth (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Juli 2003
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Roberto Tiranti – Vocals
Andrea Cantarelli – Guitars
Cristiano Bertocchi – Bass
Mat Stancioiu – Drums
Andrea De Paoli – Keyboards

Track-Liste:

1. The Prophet (04:46)
2. Livin‘ in a Maze (04:38)
3. This World (04:55)
4. Just Soldier (Stay Down) (05:27)
5. Neverending Rest (04:54)
6. Terzinato (05:50)
7. Slave to the Night (06:06)
8. Synthetic Paradise (05:48)
9. Hand in Hand (04:27)
10. When I Will Fly Far (05:17)

Progressiver denn je.

Die Italienischen Power Metaller von LABYRINTH sind schon ein spezieller Fall. Zweifelsohne handelt es sich um eine der vielleicht wichtigsten Genre-Combos aus den hiesigen Gefilden, zumal das originale Lineup noch einen gewissen Joe Terry als Leadsänger vorstellte – der bald darauf zu RHAPSODY OF FIRE wechselte und das Genre des Symphonic Power Metal auf Vordermann brachte. Selbstverständlich ist die Rede von Fabio Lione – der LABYRINTH somit relativ früh verließ und damit Platz machte für den langjährigen Frontmann Roberto Tiranti. Das hat der Band indes kaum geschadet, im Gegenteil – das 1998’er RETURN TO HEAVEN DENIED (Review) ist bis heute zu Recht ein absolutes Kult-Album. Mit dem Nachfolger SONS OF THUNDER (Review) sorgten LABYRINTH dann aber überraschenderweise für alles andere als eine Glanzleistung – eher schien es, als hätte sich die Band zurück entwickelt. Umso spannender ist damit das dritte Studioalbum LABYRINTH, das mit seinem Titel schon einmal großes impliziert. Aber: handelt es sich hier tatsächlich um die potentielle Essenz der Band, und damit das beste was die Italiener 2003 zu bieten hatten ? In Anbetracht dieser Frage werden die Meinungen höchst wahrscheinlich auseinandergehen – doch Fakt ist, dass LABYRINTH insgesamt deutlich besser abschneidet als SONS OF THUNDER. Schlicht, da die Soundkulissen im allgemeinen wesentlich ausgefeilter und variabler erscheinen – und nervige Probleme wie ein eher schlechter Drumming-Part und eine erschreckende Produktionsqualität dort geblieben sind, wo sie hingehören.

Überhaupt hat das Album eine gewisse Substanz anzubieten – inhaltlich, aber auch musikalisch. Verantwortlich dafür sind sicher auch die dieses Mal deutlich progressiveren Ansätze, die das Album vielleicht nicht sofort zünden lassen – aber es immerhin möglich machen, es nach und nach für sich zu entdecken. So werden selbst die grundsätzlich flotteren Titel in ansprechenden, abwechslungsreichen Instrumentalkonstrukten verpackt. Auf der Negativ-Seite wird man dann gar nicht erst allzu viel finden – mit Ausnahme kleinerer Aspekte. So fällt die sonst sehr versierte und angenehme Darbietung von Leadsänger Roberto Tiranti im weitestgehend hoch gesungenen Titel LIVIN IN A MAZE wenig vorteilhaft aus, und auch NEVERENDING REST könnte dank der merkwürdigen Mischung aus Ballade und Lounge-Musik nicht jedermann gefallen. Doch die meisten Titel des Albums funktionieren überraschend gut. Das Spiel mit verschiedenen Stimmungen und musikalischen Einflüssen a’la THIS WORLD gelingt, JUST SOLDIER begeistert als progressive Power Metal-Hymne mit starkem emotionalen Einschlag, TERZINATO als etwas anderer Uptempo-Brecher mit längerer Instrumentalpassage. Ob LABYRINTH aber tatsächlich das beste oder zumindest aussagekräftigste Album der Italiener ist, muss ein jeder wohl für sich selbst entscheiden. Immerhin scheint eine Diskussion darüber nicht ganz so abwegig wie noch im falle von SONS OF THUNDER – zumal die Präsentation und der klanglich zutiefst ausgewogene Gesamteindruck hier für sich sprechen.

Absolute Anspieltipps: THE PROPHET, THIS WORLD, JUST SOLDIER, TERZINATO


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„Deutlich interessanter und gewichtiger als der Vorgänger – hier gibt es einiges zu entdecken.“