Metal-CD-Review: KERION – The Origins (2010)

Alben-Titel: The Origins
Künstler / Band: Kerion (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Juni 2010
Land: Frankreich
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Metalodic Records

Alben-Lineup:

Stéphane Papasergio – Bass
JB – Drums
Rémi Carrairou – Guitars
Sylvain Cohen – Guitars
Flora Spinelli – Vocals

Track-Liste:

1. Prelude (01:24)
2. Time of Fantasy (04:07)
3. Black Fate (04:07)
4. We Will Go (04:51)
5. The Abyss (07:49)
6. Angels of the Last Hope (06:33)
7. Dark Isle (03:58)
8. Face the Beast (08:22)
9. Ghosts of Memories (03:28)
10. Resurrection (06:17)
11. Requiem of the Black Rose (09:19)

Alles hat irgendwo seinen Ursprung.

Sicher werden ihn nicht wenige Bands irgendwann einmal gehabt haben – den Gedanken, dass sie möglicherweise irgendetwas offen gelassen haben. So oder so ähnlich wird es wohl auch im Falle der französischen Power Metaller von KERION gewesen sein – die sich eigentlich schon im Jahre 1997 als LIRLIAN aufgemacht hatten, die hiesige Power Metal-Welt im Sturm zu erobern. Wobei, ganz so treffend ist diese Formulierung dann doch nicht – schließlich sollte es noch eine ganze Weile dauern, bis man überhaupt etwas nennenswertes von den Musikern um die im Jahre 2002 akquirierte Fronfrau Flora Spinelli hat hören können. So werden insbesondere die frühen Demos der Band nicht jedermann bekannt sein. Wobei, und auch das gilt es festzuhalten; sie selbst jene die sie gehört haben nicht zu 100% zufriedenstellen konnten. Mit ein Grund dafür war und ist die recht bescheidene Abmischungs- und Produktionsarbeit, die ziemlich exakt dem entspricht was man im allgemeinen als Garagenproduktion bezeichnet – und die noch nicht gänzlich ausgereiften Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder.

Andererseits, und verständlicherweise besaßen die hier gemeinten Demos CONPIRACY OF DARKNESS (2003) und THE LAST SUNSET (2005) dann doch eine gewisse Wichtigkeit – immerhin ebneten sie den weiteren Weg der Band, die 2007 endlich mit ihrem Debütalbum HOLY CREATURES QUEST (siehe Review) um die Ecke kam. Um dieses frühe Material also nicht gänzlich in Vergessenheit geraten zu lassen, taten KERION das vermutlich einzig richtige – und nahmen einige der besten Titel noch einmal auf, um sie auf dem 2010 erschienenen zweiten Album der Band nochmals in einem etwas ansprechenderen Licht erstrahlen zu lassen. Das gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, dass man generell etwas mit dem vielleicht nicht gerade als originell zu bezeichnenden Sound der Band anfangen kann – und vor allem über diverse Schwächen im Leadgesang von Flora Spinelli hinwegsehen kann. Gerade diesbezüglich hatte man mit den Neuaufnahmen schließlich nicht allzu viel erreicht, oder anders gesagt: THE ORIGINS präsentiert einen recht typischen Symphonic Power Metal für alle, die kein Problem mit einer ordentlichen Portion Kitsch haben.

Einen Symphoic Power Metal, der hier immerhin durch die Mitarbeit von niemand geringerem als Philippe Giordana (FAIRYLAND) und Willdric Lievin (ebenfalls FAIRYLAND, sowie auch HAMKA) aufgewertet wird – was sich wie schon beim Vorgänger HOLY CREATURES QUEST vor allem in Bezug auf die Chöre in den Refrains und diverse melodische Strukturen seitens der Keyboards bemerkbar macht. Und tatsächlich: Nummern wie der hymnische Opener TIME OF FANTASY machen durchaus Laune, gerade wenn man auf eine etwas üppigere Ausreizung der in diesem Fall alles andere als zurückhaltenden symphonischen Elemente steht. Angenehm ist auch, dass KERION offenbar daraus aus waren für ein möglichst großes Maß an Abwechslung zu sorgen – und beileibe nicht nur die typisch-voranpreschenden Uptempo-Nummern inklusive der dazu passenden hochtrabenden Refrains vorgesehen sind. In Bezug auf eben jene Vielfalt offenbart sich dann aber auch das ein oder andere Problem, oder anders gesagt: es ist längst nicht alles perfekt, was KERION hier auftischen.

Zumindest nicht in seiner Gänze, und in der zusammenfassenden Betrachtung. Einzelne Momente haben dagegen durchaus einen gewissen Charme, wie etwa das sich irgendwo zwischen exotischen Klängen, Lagerfeuer-Gitarrengesäusel und Filmsoundtrack  bewegende WE WILL GO oder das in instrumentaler Hinsicht recht anspruchsvolle RESURRECTION. Refrains wie die von DARK ISLE gehen – Philippe Giordana sei Dank – ebenfalls runter wie Öl. Schade ist nur dass die Strophen hier noch einmal mit Nachdruck darauf hinweisen, warum die allgemeinen Darbietungen von Frontfrau Flora Spinelli nicht bei jedermann gleichermaßen gut ankommen. Das gilt natürlich auch für die recht problematischen balladesken Momente – wie etwa in GHOST OF MEMORIES. Davon abgesehen aber haben KERION hier eine recht interessante Werkschau vorgelegt – die vor allem Die-Hard-Fans der Combo ansprechen sollte. Alle anderen werden dagegen nicht viel falsch machen, wenn sie zu einem noch späteren Zeitpunkt in die Diskografie einsteigen – etwa ab dem ebenfalls recht guten CLOUDRIDERS PART I – ROAD TO SKYCITY (Review).

Absolute Anspieltipps: TIME OF FANTASY, WE WILL GO, DARK ISLE, RESURRECTION


„Nicht hervorragend – aber besser als das Debütalbum und ambitioniert genug, um aufzufallen.“

Metal-CD-Review: KERION – CloudRiders Part 2: Technowars (2015)

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Alben-Titel: Cloudriders Part 2: Technowars
Künstler / Band: Kerion (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Oktober 2015
Land: Frankreich
Stil / Genre: Power Metal
Label: Beyond The Storm Productions

Alben-Lineup:

Jean-Baptiste Pol – Drums
Sylvain Cohen – Guitars (rhythm)
Rémi Carrairou – Guitars
Flora Spinelli – Vocals
Antony Schutz – Bass

Track-Liste:

1. Riders Theme (Intro) (03:00)
2. The Legacy (04:14)
3. Take Me On! (04:14)
4. Rise of the Rebellion (05:35)
5. Iron Solider (06:16)
6. Heart of Steel (Metal Heart) (05:28)
7. Spirit of the Wood (06:19)
8. In Silence (04:15)
9. The Brotherhood (05:28)
10. Riding Clouds (04:49)
11. Children of Sky and Sea (04:28)
12. Technowars (09:50)
13. Riders Theme (Outro) (01:47)

Eine volle Breitseite aus Frankreich.

Dass irgendwann einmal ein zweiter Teil der CLOUDRIDERS-Saga aus dem Hause KERION erscheinen würde war abzusehen. Überhaupt wäre alles andere fatal – schließlich hat die französische Combo 2012 mit CLOUDRIDERS PART 1: ROAD TO SKYCITY (Review) den Grundstein für eine neue Band-Ära gelegt. Einen, der sich durchaus hören ließ – und den Reifeprozess der Band untermauerte. Nun also soll es mit dem neuesten Streich TECHNOWARS munter weitergehen; einem 13 Titel starken Konzeptalbum mit einem ansprechenden (und zudem dezent an BIOSHOCK INFINITE erinnernden) Artwork. Möglich ist, dass sich der geneigte Power Metal-Konsument schon einen Ersteindruck in Form des bereits vorab veröffentlichten Lyric-Videos zu RIDING CLOUDS geholt hat – der eine vortrefflichen Wahl für beide Seiten darstellte. KERION konnten aufzeigen, was sich in den 3 vergangenen Jahren der Wartezeit sound- und konzepttechnisch getan hat – und die Hörer erlebten gleich mehrere positive Déjà-vuEffekte.

Schließlich sind in der betreffenden Nummer nicht nur KERION zu hören, die weiterhin mit Philippe Giordana (FAIRYLAND) zusammenarbeiten und so besonders herausragende Chor-Elemente präsentieren – sondern auch Eliza C. Martin (Ex- FAIRYLAND, Ex-DARK MOOR, HAMKA). Die ist ihres Zeichens ein echtes Genre-Urgestein – und nach wie vor ein Geheimtipp, wenn es um markante weibliche Frontvocals geht. Dabei scheint es längst zu ihrem Markenzeichen zu gehören, sich bei der Aussprache der englischen Lyrics gewisse… Freiräume zuzugestehen – man erinnere sich nur an DARK MOOR’s THE GATES OF OBLIVION. Doch das spielt kaum eine Rolle – wer die Frau kennt und liebt, wird sich an diesem seltenen Gastauftritt mehr als nur erfreuen. Doch selbstverständlich geht es hier nicht nur um den einen Titel, auch wenn der besonders herausragend ist – TECHNOWARS hat auch noch 12 andere anzubieten.

Für böse Zungen und / oder skeptische wird dabei sicherlich weiterhin die Leistung der eigentlichen KERION-Frontfrau Flora Spinelli an vorderster Diskussionsfront stehen. Die wird beileibe nicht jeden direkt überzeugen – was auch schon auf den früheren KERION-Alben einer der größten Knackpunkte war. Interessanterweise wurde sie einstweilen gern als schwache Kopie von Eliza C. Martin bezeichnet – sodass es einer gewissen Ironie nicht entbehrt, dass die beiden nun gemeinsam auf einem Album zu hören sind. Und sogar im Duett – wie in RISE OF THE REBELLION; wobei sich speziell diese Darbietung etwas merkwürdig anhört und die KERION-Leadsängerin nur noch mehr in den Hintergrund rückt. Fakt ist, dass Flora Spinelli nicht zu den besten ihrer stetig wachsenden Zunft der weiblichen Power Metal-Frontfrauen gehört – und man sie entweder genau so akzeptiert, oder eben nicht. Im krassen Gegensatz zu dieser diskutablen Leistung stehen aber weiterhin die sehr guten instrumentalen Kompositionen, die sich aus der Zusammenarbeit einiger alter Hasen ergeben. Da wäre zum einen der bereits genannte Philippe Giordana, aber auch sein FAIRYLAND-Kollege Willdric Lievin (Producer, Mixing, Mastering) hat einen nicht unerheblichen Anteil daran, wie TECHNOWARS letztendlich klingt.

Das würde indes nur wenig bringen, verstünden nicht auch die angestammten KERION-Mitglieder ihr Handwerk – was definitiv der Fall ist. Ob nun Rémi Carrairou und Sylvain Cohen an den Gitarren, Jean-Baptiste Pol am Schlagzeug oder Neuzugang Antony Schutz am Bass – die hier vertretene französische Power lässt sich wahrlich hören. Übrigens: wer in Anbetracht des Alben-Titels TECHNOWARS ein allzu experimentelles, futuristisch oder elektronisch klingendes Album erwartet; kann beruhigt werden. Letztendlich ist das hier dargebotene vergleichsweise bodenständig. Allerdings kann man hie und da doch noch gewisse Elemente entdecken, die die eigenwillige Atmosphäre des Albums unterstützen sollen – dabei aber nicht immer aufgehen. Die teils heftigen Stimm-Verzerrungen sowie Effekte, die dem Gesang unterlegt werden können einstweilen eher stören – wie im Opener THE LEGACY oder IRON SOLDIER. Auch am Keyboard wagt man dann und wann Spielereien – doch dadurch, dass Philippe Giordana hier das Zepter in der Hand hält; kann man von einem durchgehend stilsicheren Eindruck sprechen.

In Bezug auf die einzelnen Nummern gilt es dann festzuhalten, dass sie vor allem durchwachsen ausfallen. TECHNOWARS hat seine starken Momente – zu denen bereits das instrumentale Intro RIDERS THEME gehört. Auch TAKE ME ON wirkt durch den beigesteuerten männlichen Gesang, die dezenten elektronischen Elemente und die abwechslungsreiche Instrumentalstruktur schmackig – und IRON SOLDIER weiß durch seine etwas andere Herangehensweise (die dezent an das Genre der Filmmusik erinnert) zu gefallen. Das starke RIDING CLOUDS hat dann im weiteren Alben-Verlauf ohnehin die Nase vorn. Auf der Kehrseite finden sich dann Nummern wie der Opener THE LEGACY – der ein wenig zu lustlos daherkommt; was auch für RISE OF THE REBELLION gilt. HEART OF STEEL wirkt durch seine beigesteuerten Growls merkwürdig fremdartig, und SPIRIT OF THE WOOD kann sich nicht so recht entscheiden was er nun sein will. Die (obligatorische) Ballade IN SILENCE hat eigentlich nur ein Problem: Flora Spinelli kann in diesen vergleichsweise emotionalen Momenten einfach nicht überzeugen; was sich ebenfalls auf das später folgende CHILDREN OF SKY AND SEA auswirkt. Auch die verbleibenden Titel fühlen sich etwas wechselhaft an – was schon einmal dezent darauf hinweist, dass es sich bei TECHNOWARS zweifelsohne nicht um ein Meisterwerk handelt. Eines sollte man aber festhalten: es handelt sich in jedem Fall um ein Album, an welches man sich gewöhnen muss – hier sind mehrere Durchläufe von Nöten; die den Gesamteindruck dann doch wieder leicht nach oben heben.

Schlussendlich: ein wenig Elektronik hier, etwas mehr Bombast dort, eine Riesenportion Power Metal der Marke Frankreich und abwechslungsreiche Gesangsintermezzi der nicht immer stilsicheren Art – TECHNOWARS ist ein gutes und sehr unterhaltsames Genre-Album geworden. Eines, das nicht unbedingt leicht zu verdauen und vergleichsweise komplex ausgefallen ist – was man durchaus als Vorteil auffassen sollte. Dennoch, im Vergleich mit der Konkurrenz muss das neue KERION-Werk dezent hintenan stehen.

Absolute Anspieltipps: RIDERS THEME, TAKE ME ON, IRON SOLDIER, CLOUD RIDERS


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„Abwechslung ist in jedem Fall geboten – was allerdings auch bedeutet, dass sich markant-starke und deutlich schwächere Momente die Hand reichen.“

KERION – Riding Clouds (Official Track)

Nachdem die französische Power Metal-Formation KERION mit ihrem CLOUDRIDERS PART I (Review) dezent angedeutet hatte dass es sich um eine mehrteilige Alben-Saga handeln könnte, folgt demnächst endlich der Nachfolger. Dieser wird auf den Namen CLOUDRIDERS PART II: TECHNOWARS hören, und unter anderem eine Gastperformance von Elisa C. Martin (Ex-FAIRYLAND, Ex-DARK MOOR, HAMKA) bereithalten. Und die lässt sich durchaus hören, wie es das nun veröffentlichte Lyric-Video bestens veranschaulicht. Am 30. Oktober 2015 ist es dann soweit – vielleicht folgt ja noch ein offizielles Musikvideo ?

Metal-CD-Review: KERION – Holy Creatures Quest (2007)

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Alben-Titel: Holy Creatures Quest
Künstler / Band: Kerion (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2007
Land: Frankreich
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Stéphane Papasergio – Bass
Samuel Montais – Drums
Rémi Carrairou – Lead & Rhythm Guitars
Sylvain Cohen – Rhythm Guitars
Flora Spinelli – Vocals

Track-Liste:

1. Intro-Last Quest (05:28)
2. Queen of the Gorgons (07:08)
3. Warrior’s Call (05:16)
4. Riders of Innocence (05:24)
5. The Alchemist (04:15)
6. March of the Legion (05:49)
7. Battle of the Golems (06:22)
8. Breath of Heaven (06:33)
9. Minotaurus’s Furor (06:01)
10. Final Strike Part1 (00:55)
11. Final Strike Part2 (10:48)
12. Last Quest (acoustic) (03:19)

Ein Kampf, der ewig währt.

KERION ist eine 1997 gegründete Bandcombo aus Frankreich, die bis 2002 noch unter dem Namen KIRLIAN unterwegs war. Im Jahre 2007 kam es dann endlich zu ersten offiziellen Studioalbum – dem vorliegenden und 12 Titel starken HOLY CREATURES QUEST. Auffällig dabei ist, dass sich KERION offenbar relativ nah am Sound von Bands wie FAIRYLAND orientieren – die einen ähnlich pompösen und vielseitigen Symphonic Power Metal inszenieren. Wenn man die Bands einmal näher betrachtet, ist das allerdings auch kein großes Wunder – offenbar stammt man aus derselben französischen Kleinstadt und ließ sich nur allzu gerne gegenseitig inspirieren. Eine derartige Nähe zweier Bands lässt aber auch schnell potentielle Kritikpunkte aufkommen: würden KERION noch eigenständig genug klingen, um nicht als bloße Kopie durchzugehen ? Was sich ebenfalls ergibt ist ein regelrechter und Städte-interner Zweikampf: welche Band würde besser bei den Fans ankommen, wer die besseren Voraussetzungen und dementsprechend auch Qualitäten mitbringen ?

Hierbei handelt es sich um eine Frage, deren Beantwortung schnell einen klaren Sieger offenbart: FAIRYLAND hatten 2007 und nach zwei sehr guten (OF WARS IN OSHYRIA, Review) bis guten (THE FALL OF AN EMPIRE, Review) Studioalben zweifelsohne die Nase vorn. Und das nicht nur aufgrund ihrer Historie, sondern auch bezüglich ihres Lineups. FAIRYLAND-Mastermind Philipp Giordana konnte einfach die besseren Nummern (und vor allem Refrains) schreiben, sein unverkennbarer Keyboardeinsatz hatte sich schnell in den Köpfen der Hörer festgesetzt. Und selbst wenn Leadsängerin Elisa C. Martin nach dem sensationellen OF WARS IN OSHYRIA nicht mehr mit an Bord war, hatte sie entsprechend vorgelegt – und die Messlatte für die KERION-Frontfrau Flora Spinelli recht hoch angesetzt. Interessanterweise scheitert diese aber nicht nur an einem diesbezüglichen Vergleich, sondern liefert auch ganz allgemein eine eher fragwürdige Performance ab. Offenbar hat sie starke Schwierigkeiten sowohl in den höheren als auch tieferen Lagen – was immer dann besonders auffällt, wenn eine gewisse durch den Gesang übertragene Emotionalität dringend angebracht gewesen wäre. Aber auch sonst fehlt es ihrer Stimme schlicht an Kraft – am besten klingt sie noch in den gemäßigt-mittleren Lagen, wie sie besonders bei den zahlreichen Uptempo-Nummern zum Einsatz kommen.

Sobald es dann aber etwas getragener und gefühlvoller wird, sieht es ganz düster aus für den Gesangspart: das mystische QUEEN OF THE GORGONS eignet sich wohl als bestes Beispiel für die noch mehr als ausbaufähige Performance. Deutlich besser sieht es dann schon hhinsichtlich der instrumentalen Leistungen aus – auch wenn man hier beileibe keine großartigen Innovationen oder ähnlich prägnante Alleinstellungsmerkmale wie beispielsweise bei FAIRYLAND erwarten sollte. Vielmehr scheint es, als bewegten sich KERION irgendwo zwischen eben jener Partner-Band und einer Combo wie RHAPSODY OF FIRE – was sich auch besonders gut am Intro und den instrumentalen Interludien festmachen lässt; in denen allerlei klassische Anleihen zu Rate gezogen werden. In jedem Fall sind die Instrumentalkulissen von KERION bombastisch, vielfältig und gar nicht mal so wirkungslos und / oder überhört wie man es vielleicht vermuten würde. Schade ist nur, dass man derlei Eindrücken des öfteren wieder – und sogar Titel-intern – entgegenwirkt. Der Opener LAST QUEST beispielsweise ist eine schon voranpreschende Nummer mit einer starken Instrumentierung, doch der Leadgesang und vor allem der wenig spektakuläre Refrain sorgen für erhebliche atmosphärische Dämpfer.

Und so funktioniert die Musik von KERION noch am besten, wenn man sich vollständig einem gewissen Sog hingibt – keinem besonders atmosphärischen, sondern einen der allein aus einem enormen Tempo und einem dezent kriegerischen Anspruch heraus entsteht. Das ist besonders in einer Nummer wie WARRIOR’S CALL der Fall – die zugleich einen der besten Momente des Albums markiert; und das nicht nur aufgrund der schön schmackigen Chöre (die einmal mehr an FAIRYLAND erinnern). Sobald man aber auch nur ein stückweit von dieser Marschrichtung abweicht und sich wieder explizit dem symphonischen Power Metal hingibt, kippt das Verhältnis wieder. Immer dann machen sie sich wieder bemerkbar, die auffälligen Schwächen der Band – die sich wie bereits erwähnt im Leadgesang und dem etwas zu exzessiven Einsatz des Keyboards niederschlagen. So werden selbst potentiell hochkarätige Titel wie BATTLE OF THE GOLEMS nicht wirklich zu einem Genuss; auch wenn das Spiel der Gitarren durchaus einen gewissen Reiz entfalten kann.

Ob es gerechtfertigt erscheint oder nicht – man wird KERION unweigerlich mit FAIRYLAND vergleichen, die in dieser merkwürdigen Bandfreundschafts-Konstellation klar die Nase vorn haben. KERION werden vor allem eingefleischte Fans des Genres ansprechen, die sich nicht unbedingt von allerlei innovativen Ansätzen unterhalten wissen wollen – sondern schlicht durch eine schön druckvolle Soundkulisse und vielen Genre-typischen Spielereien. Schade nur, dass der Leadgesang von KERION grundsätzlich hinter jedem anderen Aspekt der Band anstehen muss – hier wurde wahrlich keine Glanzleistung abgeliefert. Aber immerhin ist das Ganze schön rund produziert.

Absolute Anspieltipps: WARRIOR’S CALL, RIDERS OF INNOCENCE


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„Durchwachsenes Debüt mit schwachem Leadgesang, das automatisch zu besseren Alternativen führt – aber durchaus seine Highlights zu bieten hat.“

Metal-CD-Review: KERION – Cloudriders Part I: Road To Skycity (2012)

Land: Frankreich – Stil: Symphonic Power Metal

Lineup:

Rémi – Guitars
Sylvain – Guitars
Flora – Vocals
Stéphane – Bass
JB – Drums

01. Rider’s Theme (intro)
02. The Map
03. Everlasting Flight
04. Bounty Hunter
05. The Sky Is My Ocean
06. Fireblast
07. Tribal Vibes
08. Never More
09. Celticia’s Song
10. Ghost Society
11. The Fall Of Skycity Pt. 1
12. The Fall Of Skycity Pt. 2
13. Rider’s Theme (outro)

KERION sind zurück – und erzählen von einer gar fantastischen Reise.

Vorwort: Gut 2 Jahre nach THE ORIGINS legt die französische Symphonic Power Metal-Combo um Frontfrau Flora Spinelli (der Name ist bereits ein Highlight für sich – zumindest in deutschen Ohren) mit CLOUDRIDERS PART I: ROAD TO SKYCITY ein neues Konzeptalbum vor. Es scheint, als hätte man sich ordentlich ins Zeug gelegt was sowohl die Weiterentwicklung hinsichtlich des typischen KERION-Sounds, als auch die Präsentation des Liedguts betrifft. So ziert ein Artwork von WORLD OF WARCRAFT-Designer Gonzo das Antlitz der neuen Scheibe, Trailer zeigen nett gestaltete Fantasy-Figuren, die Band posiert eigens im adretten Piraten-Dress. Schade nur, dass dieses Konzept nicht bis zum letzten ausgelebt wurde – schließlich zeigten sich KERION im zum Album erschienenen Musikvideo (Link) weitaus weniger experimentierfreudig. Sei es drum – das Album ist verdammt vielversprechend, und man wird es – gesetzt man hat das Werk erst einmal zu Hause liegen – nicht lange allein lassen. Ab damit in den CD-Spieler, die Anlage aufgedreht – und hinein in das eigens erdachte Fantasy-Universum.

Kritik: Ja, worum geht es eigentlich auf CLOUDRIDERS PART I ? Dem Titel und den ersten Eindrücken nach wohl um eine Bande von freiheitsliebenden Piraten, die in abenteuerlichen Gefilden auf allerlei Gefahren treffen und eine übernatürliche Brücke in den Himmel entdecken, um… so, oder so ähnlich sollte man sich den konzeptionellen Aufbau des Albums vorstellen. Ob vage oder nicht; man sieht schon, dass man zumindest ansatzweise Fan des Genres sein sollte, um dem neuen KERION-Release etwas abzugewinnen. Denn genau darum geht es (unter anderem…) im Symphonic Power Metal: möglichst epische Heldensagen und Abenteuer-Geschichten werden in pompös inszenierter Manier vorgetragen, auf dass sich die Hörerschaft in das entsprechend vorgestellte (und hoffentlich einer eigenen Idee entsprungene) Handlungs-Universum einfinden; im besten Fall in ihm versinken kann. Das klingt kitschig ? In der Tat, das ist es auch – beziehungsweise können diesbezügliche Grenzen schnell übertreten werden. Besonders, wenn es sich um Bands handelt die noch nicht allzu lange im Geschäft oder schlicht nicht besonders talentiert sind. Aber auch bei alteingesessenen können Schwierigkeiten auftreten – die Gratwanderung zwischen Kitsch-Bombast und ‚echtem‘ Power Metal ist nicht immer leicht zu meistern. Ob KERION dies auf CLOUDRIDERS schaffen, und ob die Ideen gar für einen zweiten Teil reichen… ?

Immerhin, KERION existieren seit 1997. Mit 2 Demos und 2 vollwertigen Alben im Gepäck (und nur einem Mitgliederwechsel – auch mal was neues) wagen sie sich nun an die vorliegende Sage, die mit dem episch anmutendem Intro RIDERS THEME eröffnet wird. Irgendwo zwischen DRAGONLAND, NIGHTWISH und RHAPSODY OF FIRE anzusiedeln, ertönen hier absolut Soundtrack-taugliche Klänge – mal mit etwas mehr Pomp, mal mit etwas mehr Gefühl. Gerade der Aufbau des Titels wirkt ausserordentlich gelungen und spannungserzeugend. Das Ganze wurde glücklicherweise so komponiert, dass die musikalische Erhabenheit eindeutig das Szepter in der Hand hält und mögliche Kitsch-Anflüge im Keim erstickt – die Wirkung ist entsprechend fulminant. Und dieser Sound – so organisch und druckvoll klangen KERION wohl noch nie. Doch der folgende Opener THE MAP gleicht einem zweischneidigen Schwert. Deutlich hervorzuheben ist die Gesamtkomposition, die gut arrangiert wurde und einiges an Abwechslung bereithält, sowie der unverkennbare Einsatz von Gastmusiker Phil Giordana (FAIRYLAND). Gerade der Refrain erinnert so an alte Glanzzeiten a’la OF WARS IN OSYRIHA (Link), die Gitarrenparts sorgen für einen anständigen Drive. Die zunächst noch undefinierbare Kehrseite der Medaille ist jedoch vor allem eine: Sängerin Flora Spinelli. So ganz versiert wirkt die gute Dame nicht; ihre Stimmfarbe sowie ihre Aussprache / Betonung der englischen Begriffe sind stark gewöhnungsbedürftig. Zudem singt sie in einer vergleichsweise tiefen Lage – was an und für sich gut ist; doch wäre ein wenig mehr Variation sicher nicht verkehrt gewesen. Jedoch muss man ihr zugute halten, dass die ersten Stirnrunzler schnell der Anerkennung weichen – keiner Anerkennung einer potentiellen Perfektion (denn ‚perfekt‘ singt sie beileibe nicht), sondern vielmehr einer gewissem Rauheit und Ehrlichkeit. Schon eher auf der Negativ-Seite zu verbuchen wäre das etwas übertrieben eingesetzte Keyboard, sowie die feucht-fröhlichen Flötenklänge in Bezug auf das Stichwort des Symphonic Power Metal. Hier werden erstmals Grenzen überschritten, ein derartiges Instrument sollte man gezielt (und dezent) einsetzen, und nicht zu einer Art Dauerbrenner werden lassen.

Deutlich brachialer und mit Gitarrenparts von hohem Wiedererkennungswert ausgezeichnet ist EVERLASTING FLIGHT. Das Teil geht sofort ins Ohr und entwickelt einen enormen Charme – nicht zuletzt auch dank des enormen FAIRYLAND-Einschlags beziehungsweise Phil Giordana. Es erscheint nun immer deutlicher: Sängerin Flora Spinelli ist eine, an die man sich erst gewöhnen muss; erst nach und nach wird man sie liebgewinnen. Die zwischen den Titeln eingebrachten ‚Erzählpassagen‘ sind indes nicht wirklich solche – sie sind arg kurz gehalten, sodass der ein oder andere Spruch hier etwas deplatziert wirkt. Es geht also weiter mit dem zu Beginn nach stark elektronischen Einflüssen klingenden BOUNTY HUNTER, dass sogleich einen Gastauftritt von Raphael Dantas (CARAVELLUS) offenbart. Und mehr; stellt sich besagter Titel überraschenderweise als erstes waschechtes Highlight des Albums heraus. Ein ansehnlicher, progressiv angehauchter Mittelteil und der (ganz leicht) an Nils Patrik Johansson bzw. WUTHERING EIGHTS erinnernde, raue Gesang bilden ein nettes Gegenstück zum bombastisch-harmonischen Refrain und den nun schon eher lieblich wirkenden Vocals von Flora Spinelli. Interessant – wohl dosiert und im Zusammenspiel mit einer rauen Männerstimme kann die KERION-Frontfrau doch noch komplett überzeugen. So auch in der folgenden Ballade, THE SKY IS MY OCEAN. Hier legt Frontfrau Spinelli deutlich mehr Schwere und Gefühl in ihre Stimme, der Eindruck wird zusätzlich untermalt durch ein sanftes Geigenspiel und eine generell eher zurückhaltende Instrumentierung.

Das als Videosingle ausgekoppelte FIREBLAST erscheint besonders durch die unterlegten Growl-Passagen markant; während die Instrumentation sich in typisch fideler-KERION-Manier entfaltet und schnell Laune macht. Anders verhält es sich jedoch mit den Chor-Parts: die wirken in diesem Fall merkwürdig-verhalten und längst nicht so pompös-majestätisch, wie sie hätten klingen können. Und dennoch: gerade die einstweilen leicht TURILLI’esken Gitarreneinlagen können überzeugen, die Songstruktur gestaltet sich als recht ansprechend und schier episch. Ein hervorzuhebender Anspieltipp und eine gute Entscheidung, das Teil als Single zu präsentieren – würde das Musikvideo diesem Eindruck doch nur gerecht werden (Link) ! Es ertönen etwas Vögelgezwitscher – und daraufhin einige Klänge aus der Steppe; TRIBAL VIBES beginnt. Auf ihrer abenteuerlichen Entdeckungsreise quasi auf einer fremden Insel angekommen, zelebrieren KERION hier die Lust, neues zu entdecken. Das war es dann auch allerdings schon gewesen – der Titel schleppt sich nur recht träge voran, ein potentieller Höhepunkt bleibt aus. Zur Mitte hin wird das Ganze dann noch einmal deutlich Instrumental-lastiger, aber leider kaum spektakulärer. Das sieht in NEVER MORE schon wieder ganz anders aus: hier servieren KERION super-solide Genrekost, wie sie sich gehört bzw. Fans es lieben. Ein flottes Grundtempo, tolle Gesangspassagen bei einem stärkeren Fokus auf den Bass, technisch versierte Frickel-Passagen gegen Mitte… und der ein oder andre Highlight-Moment runden diesen waschechten Hammer-Titel ab.

Der nächste Song im Bunde ist wieder eine Ballade, der CELTICIA’S SONG. In diesen ruhig-besinnlichen, von sanften Pianoklängen dominierten Momenten weiss Frontfrau Flora wieder explizit zu überzeugen, da bleibt kein Auge trocken. Die GHOST SOCIETY indes kommt nun deutlich düsterer und progressiver daher, der Zugang ist leicht erschwert. Aber es müssen eben nicht immer nur Ohrwürmer sein. THE FALL OF SKYCITY PT1 läutet nun das finale Highlight des Albums ein, es erklingen leicht verstörende Chorgesänge vor einer sphärischen Soundkulisse. Bevor der 8-Minuten-Brecher THE FALL OF SKYCITY PT2 über den Hörer hereinbricht, vergeht nicht mehr allzu viel Zeit. Hier präsentieren sich KERION abermals von ihrer starken Seite – auch wenn der Titel in Sachen Aussage- und Wirkungskraft nicht mehr mit den vorherigen mithalten kann. Hier wäre definitiv noch etwas mehr Druck und Dramatik drin gewesen. Das Outro schließt wieder da an, wo das Intro begann – sorgt so für einen runden, umfassenden Abschluss und die Möglichkeit auf ein zweites Kapitel der Saga.

Fazit: Doch, doch – CLOUDRIDERS PART I ist ein schickes Konzept-Album geworden, welches sich im oberen Wertungsbereich des Symphonic Power Metals wohl fühlt. Bis auf leichte Abstriche hinsichtlich des Gesangs (Timing, Rhythmik, Aussprache, Betonung) und nicht gerade glorreiche Experimental-Titel wie TRIBAL VIBES gibt es kaum Schwächen auszumachen. Das Ganze ist absolut rund und satt produziert und abgemischt, stimmig-nachdenkliche Momente wechseln sich gekonnt mit antreibenden Uptempo-Passagen ab. Der ein oder andere balladeske Titel ist vertreten; hier hat Frau Spinelli das Szepter in der Hand – bei den epischen Mitsing-Nummern eher Phil Giordana, bzw. der spezielle FAIRYLAND-Touch. Für jeden ist etwas dabei – schade, dass das Album so einstweilen etwas weniger zusammenhängend wirkt. Wo  zu Beginn noch kurze Erzählpassagen die Titel überleiten, verläuft man sich storytechnisch später irgendwo im Sande. Sei es drum – für Genrefans ist die neue KERION ein Muss. Und für langjährige KERION-Fans sowieso.

Anspieltipps: EVERLASTING FLIGHT, BOUNTY HUNTER, FIREBLAST, NEVER MORE

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