Metal-CD-Review: IRON SAVIOR – The Landing (2011)

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Alben-Titel: The Landing
Künstler / Band: Iron Savior (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. November 2011
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Piet Sielck – Vocals, Guitars
Jan-Sören Eckert – Bass
Thomas Nack – Drums
Joachim „Piesel“ Küstner – Guitars

Track-Liste:

1. Descending (01:05)
2. The Savior (04:48)
3. Starlight (04:51)
4. March of Doom (04:43)
5. Heavy Metal Never Dies (04:14)
6. Moment in Time (05:07)
7. Hall of the Heroes (05:39)
8. R.U. Ready? (04:49)
9. Faster than All (05:03)
10. Before the Pain (04:34)
11. No Guts, No Glory (04:31)

Platz gemacht, da setzt jemand zur Landung an.

Manche Power Metal-Schmieden scheinen einfach niemals still zu stehen. Die Hamburger Jungs von IRON SAVIOR jedenfalls legen seit ihrer Bandgründung im Jahre 1996 kontinuierlich Alben vor, wobei die Abstände zwischen den Veröffentlichungen besonders zu Beginn noch knapp bemessen waren. Und so ist THE LANDING das bereits siebte Studioalbum innerhalb von 14 Jahren – was eine beachtliche Zahl ist. Erst Recht in Anbetracht der Tatsache, dass sich IRON SAVIOR selbst; sowie auch ihrer einst angepeilten Spielart absolut oder zumindest weitestgehend treu geblieben sind. Vielleicht wären es sogar noch mehr Alben gewesen, wären seit MEGATROPOLIS (Review) nicht erstmals mehr als vier Jahre vergangen – wobei auch Pausen etwas gutes haben können. Im Falle von IRON SAVIOR diente sie aber nicht einer wie auch immer gearteten Metamorphosen bezüglich einer stilistischen Neuausrichtung, sondern wenn überhaupt einer ihnen absolut zu gönnenden Regenerations-Phase. Schließlich bietet auch THE LANDING einen Power Metal, bei dem die unverwechselbare Handschrift von IRON SAVIOR zweifelsfrei zu erkennen ist.

Etwaige Überraschungen bleiben also weitestgehend aus, IRON SAVIOR inszenieren sich ein weiteres Mal recht klassisch und unverschnörkelt-schwermetallisch – THE LANDING könnte genauso gut aus einem ganz anderen, deutlich früheren Veröffentlichungsjahr stammen. Das muss indes nichts schlechtes bedeuten, erst Recht wenn man im Hinterkopf behält dass nicht wenige Kollegen mit angestrengten stilistischen Kehrtwenden komplett auf verlorenen Pfaden wandeln. Dann doch lieber etwas klassisches, selbst wenn damit die Gefahr einhergeht dass man sich wiederholen könnte – so zumindest lautet die Theorie. Bei IRON SAVIOR scheint gerade dies aber tatsächlich ein kleines Problem zu sein; ein Problem welches ja nach persönlicher Facón unterschiedlich gewichtet werden wird. Die Tatsache, dass das Album ebenso gut aus einem früheren Stadium der IRON SAVIOR-Diskografie stammen könnte ist schließlich nur die eine – auf eine gewisse Beständigkeit und Treue eher positiv zu interpretierende – Seite der Medaille. Die andere offenbart eben auch, dass es alles andere als unwahrscheinlich ist einen mitunter markanten Effekt Déjà-Vu Effekt zu erleben.

Anders gesagt: der Vorteil, dass man IRON SAVIOR zweifelsfrei als IRON SAVIOR erkennt; und das mitsamt all ihren typischen Trademarks – kann sich unter Umständen auch ins Gegenteil verkehren. Speziell wenn es darum geht, eine gewisse Frische und unverbrauchte Spielfreude innerhalb der 11 Titel zu vermuten. Tatsächlich fällt das recht schwer. IRON SAVIOR wenden schließlich lediglich ihre guten, wohl aber nicht ewig funktionierenden Formeln an und klingen dabei abermals höchst solide – nur wirkliche Highlights, die bleiben aus. Mehr noch, im Gegensatz zu vielen so auch zu erwartenden Nummern a’la THE SAVIOR, STARLIGHT oder MARCH OF DOOM gesellen sich dieses Mal auch eine Ballade (BEFORE THE PAIN) sowie zwei Heavy-Metal-Hymnen hinzu (HEAVY METAL NEVER DIES, R.U. READY) – die man im besten Fall als Tributzollung an das Genre, und schlimmsten als arg abgedroschen bezeichnen könnte. Man darf gespannt sein, was sich IRON SAVIOR in Zukunft vornehmen werden. Vielleicht wird es ja doch mal Zeit für eine kleine Revolution oder zumindest ein neues Thema ? Denn auch inhaltlich geht es doch recht verwechselbar zu, zumindest in Bezug auf die bisherige IRON SAVIOR-Diskografie.

Absolute Anspieltipps: THE SAVIOR, STARLIGHT, MOMENT IN TIME, FASTER THAN ALL


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„Ein gutes Album, aber das IRON SAVIOR-Raumschiff hat möglicherweise ein kleines Leck.“

Metal-CD-Review: IRON SAVIOR – Megatropolis (2007)

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Alben-Titel: Megatropolis
Künstler / Band: Iron Savior (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. Juni 2007
Land: Deutschland
Stil / Genre: Speed / Power Metal
Label: Dockyard 1 Records

Alben-Lineup:

Piet Sielck – Vocals, Guitars
Joachim „Piesel“ Küstner – Guitars
Yenz Leonhardt – Bass
Thomas Nack – Drums

Track-Liste:

1. Running Riot (04:57)
2. The Omega Man (04:52)
3. Flesh (05:01)
4. Megatropolis (05:03)
5. Cybernetic Queen (04:52)
6. Cyber Hero (04:58)
7. A Tale from Down Below (05:18)
8. Still I Believe (04:35)
9. Farewell and Goodbye (05:53)

Der Ausflug in eine fremde Stadt.

Bis zum Jahre 2007 hatten die deutschen Power Metaller von IRON SAVIOR schon einiges vorgelegt. Nicht nur, dass die Hamburger um Frontmann und Sound-Mastermind Piet Sielck ein großes Wörtchen mitreden konnte wenn es darum ging, die deutsche Metal-Szene um die Jahrtausendwende herum zu gestalten – auch findet man sich innerhalb der bis dato fünf über den Äther geschickten Studioalben aus den Jahren 1997 bis 2004 kein wirklicher qualitativer Ausrutscher. MEGATROPOLIS indes, das sechste Album aus dem Jahre 2007; ging gleich auf zweierlei Art und Weise neue Wege: zum schien es nach der ausführlichen Sci-Fi-Storyline an der Zeit für ein neues inhaltliches Kapitel, welches sich grob gesagt in den Gefilden des Cyberpunks bewegt – und zum anderen sorgt eine leicht abgeänderte Gesamt-Atmosphäre für einen frischen Schwung. Ein frischer Schwung, der sich zunächst einmal darin äußert; dass MEGATROPOLIS schwerer, getragener und vielleicht auch düsterer klingt als alles was die Band bis hierhin veröffentlicht hatte.

Und das hat gleich mehrere Vorteile. So fühlt es sich gut an zu wissen, dass IRON SAVIOR sich nicht festfahren haben und auch mal neue Wege ausprobieren – zumal ein Album wie MEGATROPOLIS dezent mit den bisherigen bricht und so für eine möglicherweise willkommene Abwechslung sorgt. Weiterhin ist es noch immer glasklar, dass man hier einem Werk von IRON SAVIOR lauscht – allzu weit von ihren wurzeln hat sich Band also auch nicht entfernt, das prägnante Riffing und der Leadgesang von Piet Sielck gelten weiterhin als markante Alleinstellungsmerkmale. Allerdings wird man sich eventuell erst an die zumindest teilweise neuerliche Atmosphäre gewöhnen müssen – zumal sich gerade Piet Sielck analog zur etwas düsteren und klassischeren Soundkulisse rauer und kräftig-röhrender gibt als jemals zuvor. So versprüht das Album alles, nur keine Leichtigkeit – und auch der Hymnen-Faktor wurde markant zurückgeschraubt. Das hat wie immer Vor- und Nachteile: zum einen ist es bei weitem nicht mehr so eingängig und direkt zugänglich wie die bisherigen Veröffentlichungen; zum anderen aber klingt MEGATROPOLIS so alles andere als oberflächlich.

Und so muss ein jeder selbst entscheiden ob er lieber die flotte, verspielte und hymnische Seite von IRON SAVIOR favorisiert – oder aber eine wenn man so will erwachsenere. Am besten fährt man wohl, wenn man beides zulässt – und MEGATROPOLIS als interessante Erweiterung in der IRON SAVIOR-Diskografie betrachtet. Und als Album, dass zwar nicht mit atemberaubenden Highlights aufwarten kann; aber doch wie alle anderen der Band über so gut wie jeden handwerklichen Zweifel erhaben ist und zahlreiche hervorragende Momente hat.

Absolute Anspieltipps: RUNNING RIOT, THE OMEGA MEN, MEGATROPOLIS, CYBER HERO


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„Man kann einfach nicht viel falsch machen mit und bei IRON SAVIOR.“

Metal-CD-Review: IRON SAVIOR – Battering Ram (2004)

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Alben-Titel: Battering Ram
Künstler / Band: Iron Savior (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. Juni 2004
Land: Deutschland
Stil / Genre: Speed / Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Piet Sielck – Vocals, Guitars
Joachim „Piesel“ Küstner – Guitars
Yenz Leonhardt – Bass
Thomas Nack – Drums

Track-Liste:

1. Battering Ram (04:49)
2. Stand Against the King (05:01)
3. Tyranny of Steel (04:28)
4. Time Will Tell (04:12)
5. Wings of Deliverance (04:48)
6. Break the Curse (04:01)
7. Riding Free (05:16)
8. Starchaser (04:28)
9. Machine World (06:31)
10. H.M. Powered Man (04:21)

Von unaufhaltsamen Rammböcken und anderen Kraftprotzen.

BATTERING RAM ist das fünfte offizielle Studioalbum der deutschen Speed- und Power Metaller von IRON SAVIOR. Oder sollte man eher sagen, dass es eine weitere Kampfansage ist ? Schließlich hatten die Hamburger schon mit ihren vier vorherigen Alben aufgezeigt, dass sie einiges in Petto haben – und dabei alles andere als ein bloßer HELLOWEEN-Klon sind. Was genau das Geheimnis von IRON SAVIOR ist, bleibt ein eben solches – doch Fakt ist, dass die Band seit ihrer Gründung im Jahre 1996 gewissermaßen Pionierarbeit leistet und schlicht einen unverwechselbaren Sound an den Tag legt. Und der setzt sich auch auf BATTERING RAM aus den für IRON SAVIOR mittlerweile typischen Elementen zusammen – wie etwa dem markanten und bestimmten Leadgesang von Piet Sielck und den für allgemeine Genre-Verhältnisse recht kräftigen Instrumentierungen. In Bezug auf das Tempo zieht man nun allerdings nicht mehr ganz so stark an – wobei es sich um eine Entwicklung handelt, die sich schon auf den vorherigen Alben abzeichnete.

Das allein macht indes noch nicht viel aus, schließlich können IRON SAVIOR weit mehr als nur dauerhaft aufs Gaspedal zu treten. Und so gibt es dieses Mal auch nur zwei Nummern mit einer deutlich flotteren Gangart (TIME WILL TELL und RIDING FREE), und gleich acht kräftige Stampfer mit Hymnen-Potential. Allerdings muss man hier auch klar einwenden, dass nicht alles Gold ist was glänzt – im Gegensatz zum Vorgänger CONDITION RED hat man hier schon öfter das Gefühl, als hätte sich der ein oder andere gleichförmige Moment eingeschlichen. Und so reichen sich extrem starke und auch mal etwas langatmigere Passagen die Hand, wirkliche Highlights bleiben gar komplett aus. Das mag nicht unbedingt für das Album sprechen, ist so gesehen aber noch immer Kritik auf hohem Niveau – denn handwerklich und Sound-technisch stimmt auch auf BATTERING RAM alles. Der deutliche Fokus auf die gleichermaßen versiert wie variabel gespielten Gitarren ist angenehm, das Drumming klingt sogar wieder etwas natürlicher als zuvor; und Piet Sielck veredelt das Album nicht nur mit seinem unverkennbaren Leadgesang – sondern auch mit seiner hintergründigen Arbeit in Sachen Mixing, Mastering und Produktion.

Und so sollte man BATTERING RAM als das sehen, was es vermutlich am ehesten ist: ein typisches IRON SAVIOR-Album, dass im Gegensatz zu den Vorgängern einen deutlich geringeren Aha-Effekt auslöst – dafür aber einen enormen Spaßfaktor mitbringt und handwerklich über wirklich alle Zweifel erhaben ist.

Absolute Anspieltipps: BATTERING RAM, STAND AGAINST THE KING, TIME WILL TELL


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„Ein gutes Album, das lediglich zu wenige Highlights mitbringt.“

Metal-CD-Review: IRON SAVIOR – Condition Red (2002)

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Alben-Titel: Condition Red
Künstler / Band: Iron Savior (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. Juni 2002
Land: Deutschland
Stil / Genre: Speed / Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Piet Sielck – Vocals, Guitars
Joachim „Piesel“ Küstner – Guitars
Jan-Sören Eckert – Bass
Thomas Nack – Drums
Andreas Kück – Keyboards

Track-Liste:

1. Titans of Our Time (03:54)
2. Protector (04:36)
3. Ironbound (05:22)
4. Condition Red (04:58)
5. Warrior (04:49)
6. Mindfeeder (04:45)
7. Walls of Fire (04:21)
8. Tales of the Bold (05:32)
9. No Heroes (04:15)
10. Paradise (05:49)
11. Thunderbird (07:23)

Vielleicht ging doch alles etwas zu schnell ?

Mit ihrer bis zum Jahre 2001 noch recht übersichtlichen Diskografie hatten die deutschen Speed- und Power Metaller von IRON SAVIOR bereits aufgezeigt, was alles in ihnen steckt – aber auch, dass sie mitunter das Potential haben zu polarisieren. Schließlich schien vor allem das dritte Album DARK ASSAULT (Review) erstmals einen gewissen Wiederholungseffekt mit sich zu bringen, und überdies mit einem nicht mehr ganz so packenden Gesamteindruck hinter den beiden Vorgängern anzustehen. Was nun in Anbetracht des vierten Studioalbums CONDITION RED auffällt, sind zunächst vor allem zwei Dinge: zum einen erschien es gerade einmal ein gutes Jahr nach DARK ASSAULT, was selbst für die flotten Musiker von IRON SAVIOR eine extrem kurze Zeitspanne ist – und zum anderen hatte Kai Hansen die Band zwischenzeitlich verlassen. Interessant ist, dass das gar nicht mal so markant auswirkt wie eventuell gedacht – zumindest, wenn man CONDITION RED mit DARK ASSAULT vergleicht, auf dem Kai Hansen offenbar bereits in den Hintergrund gerückt war. Die Zeit der furios-verspielten Soli mit Unterhaltungswerten, die eigentlich jenseits unseres Universums liegen sollten war nach dem Debüt und UNIFICATION jedenfalls vorbei… so könnte man zumindest denken.

Denn wer glaubt, dass an dieser Stelle eine Liste mit eher negativen Aspekten wie zuvor bei DARK ASSAULT erscheint; der irrt. Tatsächlich gleicht die Suche nach potentielle Störfaktoren im IRON SAVIOR-Sound nunmehr einer engstirnigen Kleinkrämerei. Und das beileibe nicht nur, da man mit dem flotten und überaus hymnischen Opener TITANS OF OUR TIME eine überzeugende Brücke zu früheren Werken schlägt. Denn auch sonst scheint die einstweilen aufgekommene Langeweile oder zumindest Gleichförmigkeit eines DARK ASSAULT verflogen. Glücklicherweise –  denn IRON SAVIOR machen immer noch am meisten Spaß wenn ihnen die Spielfreude direkt anzuhören ist, es inmitten der für das Genre vergleichsweise kräftigen Instrumentierungen auch mal das ein oder andere eingängige Element gibt und wie-auch-immer geartete Emotionen entstehen. Und das ist bei CONDITION RED zweifelsohne der Fall – wobei die Palette auch endlich wieder verschiedenste Gebiete abdeckt.

So gibt es das bereits erwähnte Futter für Geschwindigkeit-Fetischisten mit einem gewissen Hang zur Rauhheit bei gleichbleibender Hymnen-Tauglichkeit (TITANS OF OUR TIME, TALES OF THE BOLD, THUNDERBIRD), gnadenlos kräftige Stampfer mit reichlich Atmosphäre (PROTECTOR, WARRIOR) sowie hervorragende Titel irgendwo dazwischen (CONDITION RED, WALLS OF FIRE). Eine explizite Ballade findet sich dieses Mal nicht, zumindest nicht in der Standard-Version des Albums – einzig MINDFEEDER klingt im Vergleich zu anderen Nummern deutlich zurückhaltender. Das macht aber nichts – denn solange die Abwechslung stimmt, ist so gut wie alles erlaubt. Tatsächlich sind dann auch die angesprochenen, furiosen Soli zurück – nur, dass sie dieses Mal eben nicht von Kai Hansen, sondern von Joachim „Piesel“ Küstner stammen, der sein Handwerk ebenfalls versteht. Schlussendlich kann man wohl nur eines sagen. Es ist kurios, aber: es scheint gar, als hätten IRON SAVIOR ihr vorheriges Album DARK ASSAULT mit CONDITION RED korrigiert. Zumindest wenn man so will, und den Abstand von gerade einmal einem Jahr betrachtet. Ob dies tatsächlich beabsichtigt war ist natürlich zu bezweifeln – aber es wirkt so, was DARK ASSAULT nur noch mehr im gedanklichen Mittelfeld versauern lässt – CONDITION RED aber wieder ganz in die Nähe des Genre-Throns hebt.

Absolute Anspieltipps: Alle


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„Schnell das Ruder herumgerissen – IRON SAVIOR sind zurück.“

Metal-CD-Review: IRON SAVIOR – Dark Assault (2001)

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Alben-Titel: Dark Aussault
Künstler / Band: Iron Savior (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. März 2001
Land: Deutschland
Stil / Genre: Speed / Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Jan-Sören Eckert – Bass
Thomas Nack – Drums, Percussion
Andreas Kück – Keyboards
Piet Sielck – Vocals, Guitars
Joachim „Piesel“ Küstner – Guitars
Kai Hansen – Guitars, Vocals

Track-Liste:

1. Never Say Die (05:32)
2. Seek and Destroy (03:45)
3. Solar Wings (04:33)
4. I’ve Been to Hell (04:05)
5. Dragons Rising (06:24)
6. Predators (03:54)
7. Made of Metal (06:58)
8. Firing the Guns (04:42)
9. Eye of the World (05:18)
10. Back into the Light (05:52)
11. After the War (06:18)
12. Delivering the Goods (Judas Priest cover) (03:59)

Mit den Mächten des bösen ist nicht zu spaßen.

IRON SAVIOR ist eine jener berühmt-berüchtigten Power Metal-Genrecombos, mit der seit ihrer Bandgründung im Jahre 1996 kontinuierlich zu rechnen ist. Sicher auch, da man die Abfolge der Veröffentlichungen stets knapp hielt, speziell um die Jahrtausendwende herum ordentlich abliferte – und die quasi-Grundsteinlegung so einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Tatsächlich sind vor allem das Debütalbum aus dem Jahre 1997 (Review) und dessen Nachfolger UNIFICATION (Review) zeitlos gute Genre-Alben geworden, die bis heute nachhallen. Lange Zeit schien es, als könnte kaum etwas markant schief laufen im Hause IRON SAVIOR – zumindest solange man auch weiterhin mit einem ähnlichen Engagement, mit einer ähnlich überzeugenden Kraft und Glaubwürdigkeit auftreten würde. Doch wie man weiß, hält so gut wie nichts ewig – sodass das vorliegende dritte Album DARK ASSAULT durchaus mit gemischten Gefühlen zu betrachten ist. Zwar ist hier keinesfalls von einem Reinfall zu sprechen, doch sollte man gewisse Ermüdungserscheinungen eben auch nicht ignorieren – und das bei einem Album, welches im Jahre 2001 veröffentlicht wurde und damit so gesehen das neue Jahrtausend für IRON SAVIOR einläutete.

Zuallererst fällt auf, dass DARK ASSAULT insgesamt deutlich weniger kraftvoll und temporeich klingt als die Vorgänger; oder anders gesagt: IRON SAVIOR schienen den Speed Metal nun eher außen vor zu lassen, und sich stattdessen mehr auf einen melodischen Power Metal zu fokussieren. Das ist nicht schlecht und zeugt von der Bereitwilligkeit, sich zu verändern oder gar weiterzuentwickeln – doch verständlicherweise hat das Album so einen deutlich weniger zupackenden, direkt fesselnden Effekt. Auch das sagt noch nicht viel aus, schließlich lohnt es sich oft einem Release Zeit zu geben und es in mehreren Durchläufen für sich zu entdecken. Doch gibt es noch mehr, was IRON SAVIOR hier – und erstmals – nicht wirklich gelungen ist. Zunächst wäre da der Fakt zu nennen, dass das Album trotz der etwas anderen; wenn man so will bodenständigeren Soundausrichtung noch immer stark an die Vorgänger erinnert – IRON SAVIOR haben es demnach verpasst, ihrem Sound etwas neues abzugewinnen, ein Wiederholungseffekt könnte sich bereits jetzt und mit dem dritten Album einstellen.

Wobei, ganz stimmt das nicht – denn tatsächlich gibt es vor allem eine markante Änderung, und die bezieht sich auf das Drumming. Dabei scheint die Tatsache, dass Dan Zimmermann (FREEDOM CALL) von Thomas Nack (GAMMA RAY) abgelöst wurde; gar nicht mal ausschlaggebend – vielmehr ist der allgemeine Sound der Drums, an dem geschraubt wurde. Und das zum Nachteil von IRON SAVIOR – Double-Bass-Attacken wie in SEEK AND DESTROY können so zu einer echten nervlichen Zerreißprobe werden. Woran genau es liegt, bleibt schwer zu sagen – doch klingen die Drums nun deutlich; man nenne es maschineller – und auch bassiger. Vielleicht wollte man etwas mehr Druck erzeugen, was sich eigentlich hätte erübrigen sollen in Anbetracht der ohnehin schon furiosen Wirkung eines Vorgängers wie UNIFICATION – un überhaupt, warum man stattdessen nicht einfach den Bass-Part von Jan-Sören Eckert aufgewertet hat bleibt ein Rätsel. Denn der ist nach wie vor kaum zu hören; mit Ausnahme von einzelnen Sektionen wie dem Auftakt zu BACK INTO THE LIGHT versteht sich. Davon abgesehen fallen Produktion und Abmischung aber wie gewohnt qualitativ aus.

Und auch die einzelnen Mitglieder machen einen guten Job – allen voran Kai Hansen (der erneut Gitarre spielt und hie und da mitsingt) und Multi-Talent Piet Sielck, der sich neben dem Leadgesang für alle Sound-relevanten Aspekte des Albums verantwortlich zeichnet. Doch wie es eben so ist – so überraschend, oder gar überragend wie auf den Vorgängern wirken sie auf DARK ASSAULT nicht mehr. Eher überwiegt das Gefühl, als hätte sich vieles eingespielt – oder ist schlicht Routine geworden. Und so wirkt das Album entsprechend kühl, sowohl in emotionaler wie auch inhaltlicher und musikalischer Hinsicht – zu kühl für die sonst so feurigen IRON SAVIOR. Erst gegen Ende, das heißt in etwa mit den letzten vier Nummern schöpft man noch einmal aus dem Vollen – was leider etwas zu spät kommt, das Album aber durchaus in gewisser Weise rettet.

Absolute Anspieltipps: EYE OF THE WORLD, BACK INTO THE LIGHT, AFTER THE WAR


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„Die erste vielleicht auch qualitative Verschnaufpause.“