INSANIA – Back In 2013 (Metal News)

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Es ist noch nicht zu Ende !

INSANIA ist eine Band, dessen Namen man einfach irgendwo im Hinterkopf hat. Zumindest wenn es um einen gut gemachten melodischen Power Metal aus nördlichen Gefilden geht, und man sich entsprechend als Freund jener energetischen Spielart bezeichnen würde. Bereits im Jahre 1992 gegründet, veröffentlichten sie nach einem soliden Debütalbum zwei weitere, die die Welt des Power Metal geprägt haben und Fans aller Herren Länder begeistern: SUNRISE IN RIVERLAND (Review) und FANTASY – A NEW DIMENSION (Review). Nach ihrem vierten Studioalbum AGONY – GIFT OF LIFE aus dem Jahre 2007 wurde es allerdings still um die Band. Während die einzelnen Bandmitglieder, von denen Ola Halen sicherlich das bekannteste ist (beziehungsweise war – er verließ die Band) anderen Pflichten nachgingen, schien das ambitionierte Bandprojekt vorerst auf Eis gelegt. Doch nun, und im Jahre 2013 herrscht für viele langjährige Fans endlich Gewissheit. Die Schweden kehren zurück, auch wenn in der Zwischenzeit einiges passiert ist.

Was damit im Detail gemeint ist, das verraten Euch die Bandmitglieder am besten selbst – im unten verlinkten Youtube-Video. Klar ist, dass es INSANIA nicht mehr in Form des letzten bekannten Lineups geben wird – Ola Halen ist als Leadsänger raus, und auch Patrik Västila (Keyboard) und Johan Fahlberg (zwischenzeitlich Gesang) sind nicht mehr mit von der Partie. Das besondere: die Neubesetzung der freigewordenen Posten erfolgt bei INSANIA quasi intern, will heissen: Dimitri Keiski, der ehemals am Bass spielte; wird nun den Posten des Leadsängers übernehmen. Auch holte man Tomas Stolt (Bass) wieder zurück ins Boot, ebenso wie den Gitarristen Niklas Dahlin. Markant: dieser war bereits von 1994 bis 2001 bei INSANIA tätig, verließ daraufhin aber die Band um sich anderen Projekten (wie JADED HEART) zu widmen. Und nun ist auch er zurück – eine interessante Angelegenheit, die hoffentlich dazu führt dass die alten Stärken der Band erneut heraufbeschworen werden.

Man darf gespannt sein auf das, was die Schweden derzeit alles aushecken – man war offenbar schon fleißig mit dem Schreiben neuer Songs beschäftigt. Spätestens wenn die ersten Hörproben erscheinen, wird an dieser Stelle wieder berichtet werden. Bleibt zu sagen: schön, dass INSANIA zurück sind. Schließlich sind sie nicht von ungefähr mit einem ihrer Alben recht weit vorn in der Liste der 50 besten Power Metal-Alben aller Zeiten vertreten. Cheers !

Metal-CD-Review: INSANIA – World Of Ice (1999)

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Alben-Titel: World Of Ice
Künstler / Band: Insania (mehr)
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: No Fashion Records

Alben-Lineup:

Drums – Mikko Korsbäck
Keyboard – Patrik Västilä
Guitar – Henrik Juhano
Guitar – Niklas Dahlin
Bass – Tomas Stolt
Vocals – David Hendriksson

Track-Liste:

1. Insaniation
2. Fighting my tears
3. Fire
4. With courage and pride
5. Forever alone
6. Private sex-machine
7. Paradisia
8. World of ice
9. Furious seas
10. Forever is a long time
11. Carried by wings

Ein Debütalbum mit typischen Schwächen.

Erst im Jahre 1999, gute 7 Jahre nach der eigentlichen Bandgründung von INSANIA aus Schweden, ging es für eben jene Power-Metal-Combo erst richtig los. WORLD OF ICE heisst das vorliegende Debütalbum, welches mitunter überdeutliche Parallelen zu wichtigen Power Metal-Bands a’la BLIND GUARDIAN und HELLOWEEN erkennen lässt. Doch was macht das schon, wenn man die Musik die man macht; liebt und vielleicht auch lebt ? Davon abgesehen kann man INSANIA einfach nicht als x-beliebigen Klon einer Band wie HELLOWEEN bezeichnen – ein Eindruck, den insbesondere die spätere Diskografie verdeutlichen sollte. WORLD OF ICE, das Erstwerk der Schweden, hat indes mit anderen Schwächen zu kämpfen – vor allem hinsichtlich der Produktionsqualität. Der allgemeine Sound ist recht schwachbrüstig und klingt geradezu ’schepprig‘, der Gesang scheint mit merkwürdigen Hall-Effekten versehen worden zu sein. Sicher muss man bei einem Debütalbum, welches im Jahre 1999 erschien, gewisse Zugeständnisse machen – doch sobald man die Fantasie auf zweierlei Ebenen bemühen muss (zum einen in Bezug auf die Inhalte, zum anderen auf die Vorstellung, wie gut das Album tatsächlich hätte klingen können) wird es leicht anstrengend.

Davon abgesehen wirkt WORLD OF ICE von Anfang an absolut stimmig. Alles andere als innovativ oder besonders virtuos zwar, doch den allgemeinen Freund des europäischen Power Metal absolut zufriedenstellend. Ansprechend ist vor allem auch die dargebotene Bandbreite an Titeln: vom netten Orgel-Intro über schmackige Uptempo-Hymen und Midtempo-Stampfer bis hin zu Balladen ist so gut wie alles vertreten. Das können viele Bands, möchte man meinen – doch INSANIA erscheinen selbst in den sonst oft problematischen balladesken Momenten glaubwürdig und wenig verkitscht. Das markanteste Merkmal der Band sind indes die zutiefst melodiösen Kompositionen, die von der beschwingten Gitarren-Arbeit, dem unterstützenden Keyboard und dem perfekt abgestimmten Gesang leben. Einstweilen liefert man sich recht nette Soli-Duelle auf dem Keyboard und an den Gitarren – was entsprechend Laune macht und für das ein oder andere Feuerwerk sorgt. Die Refrains werden Genre-typisch mit einer zusätzlichen Portion Dramatik und Eingängigkeit versehen – was nicht überraschend ist, doch oftmals einfach verdammt gut klingt.

Ob explizit HELLOWEEN-affin oder nicht – gerade Titel wie das voranpreschende FIRE entfalten so schnell eine Wirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Ein derart festlicher, mit Genre-typischen Lyrics ausgestatteter Refrain kommt nach einem eher schwermütigen (aber ebenso Melodie-verliebten) Einstieg mit dem vorangegangen FIGHTING MY TEARS gerade recht:

MARCH WITH US MARCHING HAND IN HAND,
MARCH WITH US TO THIS GLORIOUS LAND,
WE WILL LIVE ETERNALLY.
SING THE TUNES OF OUR FUTURE SONG,
HAPPINESS FROM OUR HEARTS SO STRONG,
COME WITH US AND YOU WILL SEE…

Warum kompliziert, wenn es auch derart einfach geht… die Wirkung in Richtung einer zeitlosen Hymne verfehlt man jedenfalls nicht. Markant: die Keyboard-Elemente, die zwar nicht immer eindeutig herauszuhören sind (auch in Anbetracht der Produktionsqualität und Abmischung); das Ganze aber doch entsprechend sinnig untermalen. Während PRIVATE 6-MACHINE eher als offensichtlicher Spaßtitel inszeniert wurde (und dementsprechend etwas plump wirkt), wird es im späteren Alben-Verlauf noch einmal deutlich qualitativer; und auch Tempo-lastiger. Zusammenfassend brillieren INSANIA so vor allem in Bezug auf den Alben-Auftakt und das Finale – während im Mittelteil nicht alle Nummern zünden; mit Ausnahme des episch angelegten PARADISIA. Erklingt dann kurz vor Schluss ein grundsätzlich brillanter, temporeicher und melodieverliebter Titel wie FIRE IN THE SKY, kommt man im Gegensatz zu anderen Erstwerken – die einfach so stehen bleiben sollten wie sie sind – nicht umher, sich eine Remastered-Version von WORLD OF ICE zu wünschen. Wer weiss, vielleicht wird dieser Wunsch eines Tages erfüllt… das Problem ist, dass es zwischenzeitlich einen Leadsänger-Wechsel gab. So gut er der Band auch getan hat – er lässt die Möglichkeit eines Re-Releases geringer erscheinen.

Fazit: INSANIA’s Debütalbum WORLD OF ICE ist ein Muss für Fans (auch spätere) der schwedischen Combo – aber auch alle anderen, die kein Problem damit haben, ein produktionstechnisch stark verbesserungswürdiges Album im Stile der älteren HELLOWEEN-Scheiben zu konsumieren. Im Gegenzug gibt es haufenweise eingängige Melodien, wunderbare Keyboard- und Gitarrendarbietungen, einen soliden Gesangspart; schlicht einen super-soliden europäischen Power Metal in seiner Ursprungsform. Wer indes wissen möchte, was INSANIA wirklich draufhaben, sollte dringend einen Blick auf das 4 Jahre jüngere Album FANTASY – A NEW DIMENSION (Review) werfen. In Anbetracht der kurzen Zeitspanne kann man es nicht anders sagen: INSANIA haben diesbezüglich einen Quantensprung gemacht. Aber auch das Debüt ist nett, abwechslungsreich und halbwegs virtuos – und und lässt die Qualitäten der Band schon recht gut blicken.

Anspieltipps: FIGHTING MY TEARS, FIRE, PARADISIA, FURIOUS SEAS, CARRIED BY WINGS

Vergleichsbands: HELLOWEEN | EMERALD SUN


70oo10

„Nicht überragend und mit vielen Schwächen – aber vielversprechend“

Metal-CD-Review: INSANIA – Agony: Gift Of Life (2007)

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Alben-Titel: Agony: Gift Of Life
Künstler / Band: Insania (mehr)
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Ola Halén – Vocals
Peter Östros – Guitars
Tomas Stolt – Bass
Dimitri Keiski – Keyboards
Mikko Korsbäck – Drums

Track-Liste:

01. Agony
02. Facing My Destiny
03. Hope
04. To Live Another Day
05. Gift Of Life
06. One Day
07. Fight For Life
08. Valley Of Sunlight
09. Times Of Glory
10. Dreams
11. Time Passes By
12. Alive

Irgendetwas ist… anders.

4 Jahre nach dem überraschenden Werk FANTASY – A NEW DIMENSION (Wertung 10/10 Punkten, Review) legen die schwedischen Power Metaller von INSANIA nach – und präsentieren mit AGONY – GIFT OF LIFE ihr nunmehr viertes Studioalbum. Das dürfte alle Fans der bereits 1992 gegründeten Combo freuen – doch gleichzeitig erwartet den Hörer eine Überraschung. Eine, die man nicht so recht einzuordnen, geschweige denn auf Anhieb positiv oder negativ zu attribuieren vermag. In jedem Fall scheinen die guten alten Fantasy-Inhalte, wie sie schon auf dem Debütalbum und den zwei Nachfolgern zelebriert wurden, ausgedient zu haben – stattdessen schlagen INSANIA nun deutlich bodenständigere, direkt lebensbezogene Töne an. Drauf gibt auch das Cover-Artwork einen Hinweis – das ausnahmsweise mal keine Drachen oder mystische Gestalten zeigt, sondern eine offensichtlich gepeinigt-leidende Person, die vor einer merkwürdigen Explosion (ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum – immerhin taucht auch die gute alte INSANIA-Uhr auf ?) kniet. Die Frage die sich nun stellt, ist die: lassen INSANIA nicht nur die Fantasy hinter sich, sondern auch die bisher so exzellent ausgeprägte Fantasie bei der Liedgestaltung ? Und: können die ’neuen‘ INSANIA noch immer so überzeugen, wie mit ihren beiden Alben zuvor ?

Eine schwierige Frage – die aber über Aufstieg und Fall, Sieg oder Niederlage des neuen Albums entscheidet. Immerhin schien eine Wendung wie diese unvermeidbar, ein neue Ausrichtung geradezu vorprogrammiert – schließlich trennten sich INSANIA nach ihrem letzten Album von ihrem einstigen Label No Fashion Records, fanden erst nach mehreren Monaten (und Demos – ungewöhnlich inmitten einer Banddiskografie) ein neues Zuhause bei Black Lodge Records. Aber noch etwas ist passiert: gleich3 Mitglieder haben INSANIA verlassen, und sorgen so und nach dem Ausstieg des einstigen Leadsängers David Henriksson (bis 2002) für den zweiten markanten Mitglieder-Wechsel, oder gar -Zusammenbruch. Glücklicherweise ist zumindest Ola Halen wieder mit von der Partie – sodass man sich nicht schon wieder auf einen neuen Sänger einstellen muss. Und bekanntlich hat gerade eben jener Ola Halen das vorherigen Album FANTASY (A NEW DIMENSION) zu einem echten Highlight gemacht – neben den genialen Instrumentalparts.

Was aber ist davon noch übrig geblieben ? Zuallererst ist festzustellen, dass AGONY – GIFT OF LIFE tatsächlich etwas bodenständiger klingt als seine Vorgänger, will heissen: dass man sich nicht mehr allzu explizit etwaigen Fantasy-Inhalten hingibt, spürt man auch in der Musik selbst. das Ganze fällt nicht mehr so hymnisch, so ausschweifend, so fantasievoll und episch aus – sondern stattdessen etwas progressiver, zurückhaltender; und vielleicht auch unspektakulärer. Dabei ist von derlei Entwicklungen im (relativ guten) Opener FACING MY DESTINY noch kaum eine Spur: hier hört man einen typisch druckvollen INSANIA-Sound; der von einer guten Gitarren-Arbeit, wirkungsvollen Keyboard-Einsätzen und einem engagierten Einsatz von Leadsänger Ola Halen lebt. Doch bereits hier könnte man den ein oder anderen Aspekt entdecken, der nicht zwangsweise negativ behaftet sein muss – aber zumindest dafür sorgt, dass eine Nummer wie diese nicht so dauerhaft hängenbleibt wie so viele andere zuvor. Insbesondere der Refrain fällt überraschend simpel aus, indem man sich beinahe ausschließlich auf Ola Halen verlässt – der seine Stimme hier nur ganz knapp nicht überstrapaziert.

Dann aber machen sich die relevanten Veränderungen endgültig bemerkbar: Nummern wie HOPE oder TO LIVE ANOTHER DAY wirken irgendwie unambitioniert und lustlos dargeboten; insbesondere im direkten Vergleich zum unglaublich guten Vorgänger. Es fehlt einfach an Biss, Kraft; aber vor allem auch Melodie – erstmals in der gesamten INSANIA-Diskografie stellt sich ein Gefühl der instrumentellen Eintönigkeit ein. Und das, wo man zuvor noch so grandios mit den Gitarren spielte, für zahlreiche Stimmungs- und Tempiwechsel sorgte, mit gelungenen Chören und symphonischen Komponenten auftrumpfte. Der Titeltrack GIFT OF LIFE macht dann als erste Nummer beinahe alles richtig – und serviert endlich die lang erwarteten, intensiv-packenden Melodien samt Tempowechseln – und einen typischen INSANIA-Refrain, bei dem man schlicht ins Schwärmen gerät. Überraschend: Leadsänger Ola Halen bekommt hier eine zweite Stimme zur Seite gestellt, die noch einmal für eine Portion Abwechslung sorgt und den Titel enorm aufwertet.

Dieser Eindruck kann jedoch kaum gehalten werden – im Gegenteil. Eine Ballade wie ONE DAY wirkt beinahe komplett belanglos, ein Titel wie FIGHT FOR LIFE einfach nur schnell – und sonst nichts; bis auf die immer wieder genialen Soli. Richtig nerven-zehrend wird es allerdings mit VALLEY OF SUNLIGHT – einem Titel, bei dem Ola Halen dann doch noch seine Stimme zu ruinieren droht. Denn wirklich gesund (geschweige denn angenehm) hört sich diese arg hohe, schiefe und penetrante Performance nicht an. Umso mehr freut man sich auf den (durchschnittlichen) Refrain, in dem er wieder die für ihn passenderen (tieferen) Tonlagen erreicht. TIMES OF GLORY ist dann ein Titel, der für dieses Album bezeichnender nicht sein könnte – werden in der ersten Minute ausschließlich alte INSANIA-Nummern angespielt. Ist die schöne Zeit der Ehre und Erhabenheit also wirklich schon vorüber, und nur noch ein abstraktes etwas, dass man in einer Retrospektive betrachten kann ? Es scheint fast so – denn auch gegen Ende hin startet das Album nicht mehr durch, dass vermeintlich epische Finale ALIVE gestaltet sich gar zu einer weiteren nervlichen Zerreißprobe bei wenig guten Ansätzen (was soll dieser schreckliche Instrumentalpart ?).

Was auch immer hier – neben den offensichtlichen, teils einschneidenden Dingen (Label- und Mitgliederwechsel) – passiert ist, es steht einer Band wie INSANIA einfach nicht gut zu Gesicht. Zwar ist es immer schön mitzuerleben, wie sich gerade Bands aus dem Genre des (Melodic) Power Metal weiterentwickeln und auch mal neue Pfade betreten – doch im Falle von INSANIA wünscht man sich in Anbetracht eines Albums wie AGONY – GIFT OF LIFE die gute alte Zeit sehnlichst zurück. Von der einstigen Genialität und Melodiösität der Band ist nicht mehr viel übrig geblieben – die fantastischen, hymnischen und instrumentellen Aspekte (die INSANIA einfach voll auszunutzen wussten) weichen einer geradezu langatmigen Herangehensweise, die unspektakulärer nicht hätte ausfallen können. Um dennoch für einen möglichst ‚frischen‘ Eindruck zu sorgen, serviert man stattdessen Elemente, die eher von einem Versuchen als von wirklichem Können zeugen – wie etwa den überstrapazierten Gesang von Ola Halen, der ansonsten eine recht gute, unverwechselbare Stimme hat. Auch wirkt das Album deutlich ‚rockiger‘ – die Gitarren sind immer noch omnipräsent, aber so langsam scheint INSANIA die (Power-Metallische) Puste auszugehen. AGONY – GIFT OF LIFE gehört so – neben dem ungeschliffenen Debütalbum – eindeutig zu den eher zu vernachlässigenden Alben von INSANIA.

Anspieltipps: FACING MY DESTINY, AGONY – GIFT OF LIFE, FIGHT FOR LIFE

Vergleichsbands: HELLOWEEN


50oo10

„Gegen den spektakulären Vorgänger eine herbe Enttäuschung“

Metal-CD-Review: INSANIA – Fantasy: A New Dimension (2003)

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Alben-Titel: Fantasy: A New Dimension
Künstler / Band: Insania (mehr)
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: No Fashion Records

Alben-Lineup:

Ola Halen – Gesang
Henrik Juhano – Gitarre
Niklas Dahlin – Gitarre
Tomas Stolt – Bass
Mikko Korsbäck – Schlagzeug
Patrik Västilä – Keyboard

Track-Liste:

1. Introduction 01:36 (instrumental)
2. Life After Life 06:00
3. Illusions 05:17
4. Carry On 04:19
5. Master of My Mind 07:14
6. Universe 09:14
7. Face the King 04:29
8. Fantasy 06:11
9. Vengeance 05:14
10. Mankind 09:27
11. Reflections of Mine 05:46

Hinein in neue Dimensionen.

So schnell kann es gehen. Nach dem 2001’er Zweitwerk der Schwedischen Power Metal-Combo INSANIA (SUNRISE IN RIVERLAND, Review hier) folgte 2003 der Nachfolger – FANTASY (A NEW DIMENSION). Was hatte sich seitdem geändert ? Einerseits nicht viel, andererseits eine Menge; beziehungsweise etwas markantes: es gab einen Wechsel in Bezug auf den Leadgesangs-Posten zu vermelden. Für Davin Henrikkson (der nach seiner Zeit bei INSANIA zu HEEL gewechselt ist) kam nun Ola Halen, ebenfalls ein schwedischer Landsmann. Sicher, bei einem Wechsel muss man sich auch als Hörer erst einmal neu eingewöhnen – doch das gelingt mit der vorliegenden Scheibe doch auffallend gut. Wenngleich Davin Henrikkson ebenfalls ein guter Frontmann war, so war er doch ein eher typisch klingender – mit Ola Halen bekamen INSANIA nun eine etwas markantere (und tiefere) Stimme an die Seite. Die erste diesbezügliche Kostprobe gibt es nach dem etwas unspektakulären, schlicht INTRODUCTION betitelten Instrumental – und zwar im Opener LIFE AFTER LIFE; der wunderbar druckvoll durch die Boxen rauscht. Was ist des weiteren festzustellen ? INSANIA klingen hier immer noch nach INSANIA; beziehungsweise dem etablierten, guten Eindruck des Vorgänger-Albums – und damit gleichzeitig nach manchen Vorreitern des europäischen Power Metals. Allerdings, und das ist der Band durchaus zugute zu halten – scheinen sie mit diesem Album nun einen eigenen Weg eingeschlagen zu haben.

Nach dem gelungen Auftakt, der vor allem in instrumenteller Hinsicht überzeugen konnte, folgt nun ILLUSIONS – einer positiv gestimmten Nummer, die durch einige höchst geniale Riffs schnell einen gewissen emotionalen Charakter entfalten kann. Aber Achtung: es offenbart sich eine neue bandtechnische Vergleichsmöglichkeit; klingen INSANIA hier doch nicht unerheblich nach STRATOVARIUS. Ein ganz eigenständiger, neuer Sound ist also auch hier nicht zu erwarten. Dennoch: der Refrain ist schön inszeniert, die Textinhalte sind nachvollziehbar und mitreissend. Etwas unvorteilhaft ist lediglich ein kurzer Stimmverzerrungseffekt – doch im großen und Ganzen agieren INSANIA schlicht wunderbar melodisch. CARRY ON ist dann die nächste melodiöse, explizit daherstampfende Midtempo-Nummer – ebenfalls mit einem leichten STRATOVARIUS-Anleihen. Zumal es hier einstweilen so scheint, als wollte Ledsänger Ola Halen insbesondere in den Strophen einen ähnlichen Eindruck hinterlassen wie Timo Kotipelto. Aber dennoch: schlecht oder gar langweilig ist das, was INSANIA hier abliefern, beileibe nicht. Es wirkt lediglich so, als hätte man diese oder jene Nummer schon einmal gehört – das Urteil, ob es INSANIA nun besser machen oder nicht; bleibt jedem selbst überlassen. Auch das folgende MASTER OF MY MIND erleichtert diese Entscheidung nicht – die Qualität und das Hörvergnügen sind abermals enorm hoch; und das trotz des recht simplen Aufbaus und der vergleichsweise laschen symphonischen Elemente. Bezeichnend ist auch die Länge von knapp über 7 Minuten – ohne, dass potentielle Durststrecken auftauchen. Zum Finale hin gibt es dann sogar noch einmal eine waschechte Explosion des epischen, Gänsehaut ist bei den guten Chören und den hymnischen Klängen automatisch vorprogrammiert.

UNIVERSE ist die nächste interessante Nummer, die einen Spagat zwischen dem episch-hymnischen und dem sogenannten Happy Metal wagt – anders gesagt, sie klingt wie eine Mischung aus CELESTY und FREEDOM CALL. Doch welche Vergleiche man auch immer zu ziehen wagt; INSANIA klingen auch hier ausreichend erfrischend, und vor allem quicklebendig – das heisst voller Spielfreude und Liebe zum Detail. Bei einer Spieldauer von über 9 Minuten muss man der Nummer indes etwas Zeit geben, sich zu entfalten – die gelungenen Chor- und Instrumentalpassagen gegen Mitte verhindern aber allzu lange Durchhänger. FACE THE KING kommt dann als solider Metal-Titel mit Stampfer-Potential daher – vom sinnbildlichen Universum geht es nun hinein in einen etwas bodenständigeren, True Metal-lastigeren Bereich mit dezenten Keyboards, guten Chören und druckvollen Arrangements. Ganz ähnlich geht es auch in FANTASY zu – wobei die Keyboards etwas dicker aufgetragen werden, und der Refrain einfach typisch Power Metal ist. Mit VENGEANCE und gerade MANKIND (ebenfalls recht ansehnlich mit einer Länge von über 9 Minuten) dringt man noch einmal in merklich progressivere Bereiche vor – es ist und bleibt also spannend. Etwas störend ist lediglich eine kurze Erzählpassage in MANKIND, die stimmlich etwas merkwürdig klingt und so gar nicht in die bereits etablierte Atmosphäre passen will. Das Finale wird dann wieder etwas simpler, zugänglicher und stimmungstechnisch fröhlicher / freundlicher gestaltet – REFLECTIONS OF MINE ist eine weitere super-solide Nummer mit Hymnen-Potential. Allerdings: sie klingt doch ein wenig nach einer Mixtur aus den ersten Titeln des Albums, viel neues bekommt man hier also nicht mehr auf die Lauscher. Aber eben doch recht stimmiges, perfekt abgemischtes Power Metal-Material mit einem hohen Zeitlosigkeits-Faktor.

Fazit: Gänzlich neue (Genre-)Pfade können INSANIA auch mit ihrem Drittwerk FANTASY (A NEW DIMENSION) nicht einschlagen. Aber vielleicht müssen sie das auch gar nicht – denn das, was sie hier auf und mit diesem Album abliefern, ist definitiv ein verdammt hymnisch-melodischer Power Metal, noch dazu einer der allerersten Güteklasse. Auch wenn es scheint, dass die vorherigen Vorbilder und Inspirationsquellen durch andere ersetzt wurden – das heisst in etwa HELLOWEEN durch STRATOVARIUS oder auch EDGUY – klingen INSANIA noch ausreichend frisch, und lassen den beeindruckten Hörer an ihrer Genre-Tributzollung teilhaben. Einerseits ist das Album recht simpel und generisch aufgebaut (mit Ausnahme von Mammut-Titeln wie MANKIND), andererseits macht es schlicht einen Heidenspaß und überträgt die offensichtliche Spielfreude direkt an den Hörer. Wie also sollte man sich entscheiden ? Im besten Fall gibt man dem Album eine Chance, insbesondere dann wenn man bereits den Vorgänger für gut befunden hat. Denn eins ist klar: INSANIA haben sich nicht nur einiges von den anderen ‚großen‘ genrevertretern abgeschaut – sie überragen sie teilweise; und das manchmal sogar erschreckend eindeutig. Wenn nötig, sollte man FANTASY etwas Zeit für einige Durchläufe lassen – und dann; ja dann kann man hier eines der Highlights der Metal-Geschichte entdecken, und immer wieder auf’s neue genießen.

Anspieltipps: ILLUSIONS, MASTER OF MY MIND, UNIVERSE, FACE THE KING, MANKIND

Vergleichsbands: HELLOWEEN | EMERALD SUN


10oo10

„Sternstunden des Power Metals“

Metal-CD-Review: INSANIA – Sunrise In Riverland (2001)

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Album: Sunrise In Riverland | Band: Insania (weitere Band-Inhalte)

Land: Schweden – Stil: Power Metal – Label: No Fashion Records

Alben-Lineup:

David Henriksson – Gesang
Henrik Juhano – Gitarre
Niklas Dahlin – Gitarre
Tomas Stolt – Bass
Mikko Korsbäck – Schlagzeug
Patrik Västilä – Keyboard

01 Finlandia
03.07
02 The Land Of The Wintersun
06.15
03 Heaven Or Hell
05.02
04 Beware Of The Dragons
05.49
05 Angels In The Sky 08.17
06 Lost In Time
04.52
07 Heading For Tomorrow
04.25
08 Sunrise In Riverland 04.03
09 Dangerous Mind
03.37
10 Seasons Of Life
06.19
11 Tears Of The Nature
05.23
12 Time Of The Prophecies
04.09

Das Genre in all seiner Pracht zelebrierend.

SUNRISE IN RIVERLAND von INSANIA ist… eines der besten puristischen Power Metal-Alben aller Zeiten ? Vielleicht. Schließlich handelt es sich hier um ein Album, welches sich auf die absoluten Basics des Genres beschränkt und dabei trotzdem – oder gerade deswegen – verdammt gut funktioniert. INSANIA – oder auch INSANIA STOCKHOLM, wohl um Verwechselungen vorzubeugen (immerhin gibt es 7 Bands mit diesem Namen) – gründeten sich bereits 1992, brauchten jedoch erst einige zeit um richtig durchzustarten. So erschien das erste Album erst 1999 – das heute behandelte SUNRISE IN RIVERLAND ist der Nachfolger, welcher 2001 erschien. Nach dem letzten veröffentlichten (und nicht mehr so gut aufgenommenen) Album im Jahre 2007 wurde es erstmal still um die Band – doch wer weiss, was die Zukunft bringt. Umso passender, oder gar notwendig erscheint die Gelegenheit, noch einmal zurückzublicken – auf ein verdammt gutes, hochkarätiges Power Metal-Album.

Um den Sound von INSANIA allgemein zu beschreiben, muss man sich nicht unbedingt weit aus dem Fenster lehnen – wie viele Genrevertreter scheinen sie sich Inspiration von Kollegen wie HELLOWEEN, GAMMA RAY und einigen anderen erfolgreichen Bands der 90er Jahre geholt zu haben. Dass das letztendliche Ergebnis aber nicht nur mit den Vorbildern mithalten, sondern diese einstweilen sogar noch übertreffen kann – das ist die eigentliche Überraschung. Warum das so ist, ist nicht wirklich theoretisch zu erörtern – man sollte sich das vorliegende Werk genehmigen, um eine entsprechende Feststellung machen zu können. Im besten Fall, versteht sich. Klar ist jedoch, dass INSANIA zwar deutliche musikalische Wurzeln offenbaren – im Endeffekt aber doch recht eigenständig klingen. Und: dass sie ihre Musik geradezu zelebrieren. Besonders Freunde eines eher epischen, Geschichten-erzählenden Power Metal’s mit stark melodiösem Einschlag werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Man sollte sich INSANIA vielleicht wie eine Mischung aus HELLOWEEN und RHAPSODY (OF FIRE) vorstellen – die Gitarrenlastigkeit kommt in diesem Fall von erstgenannten, die epische Bandbreite und der fantastisch Touch von den allseits bekannten Italienern. Die hatten 2001 gerade ihre Blütezeit erreicht, beziehungsweise schon teilweise hinter sich – und auch für INSANIA sollte dieses Jahr großes bedeuten.

Denn: eine ähnlich zeitlose, stimmig wirkende und schlicht Hymnen-lastige Scheibe findet man selten. Der positive Eindruck beginnt bereits mit dem Betrachten des sagenhaften Artworks zu entstehen – hier regiert die pure Fantasy. Zwar lässt selbiges Cover eine ordentliche Portion Kitsch vermuten – was man vielleicht gar nicht mal abstreiten kann – doch wird der Begriff des Kitsch auf einem Album wie SUNRISE IN RIVERLAND durchweg positiv attribuiert. Überhaupt: der satte Sound (in erster Linie unterstützt durch das gute Drumming und die markanten Gitarren), die perfekte Produktionsqualität und der episch-hymnische Eindruck zeugen eher von einer gewissen Ernsthaftigkeit als von einem plump-peinlichen Projekt. Der Opener FINLANDIA ist ein reines Instrumentalstück; gleichsam sanft-sphärisch wie von einer netten Gitarrenmelodie durchzogen. Im weiteren Verlauf kommen dann die Drums, der Bass, sowie einige hintergründige Gesänge hinzu – das erste Staunen erfüllt den Raum. Schließlich klingt bereits dieses Intro sagenhaft, und ist perfekt abgemischt – Produzent Mikko Karmila sei Dank.

Was dann folgt, ist zusammenfassend als Essenz dessen zu bezeichnen, was man sich allgemein unter dem Genre des Power Metals vorzustellen hat. Eventuell sollte man noch den Zusatz der Fantasy voranstellen – denn INSANIA erzählen eine in sich zusammenhängende, gar fantastisch-epische Geschichte, ein Epos – wie es etwa auch RHAPSODY OF FIRE handhaben. Nur, dass der Sound von INSANIA deutlich bodenständiger und nicht ganz so ausschweifend-symphonisch ausfällt. Bereits im Opener THE LAND OF THE WINTERSUN kommen so alle Elemente zusammen, die das Genre zu dem machen, was es ist. Satte Melodiebögen, knackige Riffs, ein lebendiges Drumming, ein stimmig-hoher Leadgesang, relativ dick aufgetragene Keyboardpassagen, ein toller Refrain… und der besagte Fantasy-Touch. Entsprechend lebendig ist die musikalische Szenerie, entsprechend melodiös die Grundstimmung. Dieses Konzept zieht sich auch durch die beiden folgenden, ebenfalls starken Titel HEAVEN OR HELL und BEWARE OF THE DRAGONS, die besonders durch die markanten Drumming- und Soliparts überzeugen. Für die erste Überraschung sorgt dann ANGELS IN THE SKY, eine durch-und-durch Ballade mit einer großen Portion Herzschmerz. Aber, was ist das – während mindestens eine Ballade für viele Bands obligatorisch geworden ist, klingen INSANIA auch in diesen Momenten absolut glaubwürdig.

LOST IN TIME ist nun die etwas nach LABYRINTH klingende Midtempo-Nummer, während HEADING FOR TOMORROW eine weitere recht offensichtliche Tributzollung darstellt. Interessanterweise erinnert der hier dargebotene, fröhlich-frohlockende Sound aber weniger an GAMMA RAY’s Debütalbum – sondern explizit an den Titel EAGLE FLY FREE vom zweiten HELLOWEEN-Album – besonders im Refrain. Spaß macht die Nummer aber allemal, oder gerade deswegen – man spürt die Energie und Spielfreude, und auch Sänger David Henriksson läuft zu Höchstformen auf. Noch besser ist allerdings der Titeltrack SUNRISE IN RIVERLAND, der einen gelungenen Aufbau und einen sagenhaften Refrain präsentiert. Auch DANGEROUS MIND, SEASONS OF LIFE und TEARS OF THE NATURE sind hochkarätige Power Metal-Nummer mit einem ordentlichen Bumms und gelungenen Melodien. Bleibt nur noch das große Finale, welches mit dem fulminanten TIME OF THE PROPHECIES perfekt inszeniert wird. Was für ein Hymnen-lastiges Album, dazu noch mit gute Laune-Potential…

Fazit: Mit SUNRISE IN RIVERLAND erfinden INSANIA das Genre nicht neu – doch zelebrieren sie es mit einer angenehm mitreissenden und wirkungsvollen Hingabe, dass man sich dem Zauber des Albums kaum entziehen kann. Von den Ideen über das Instrumentenspiel, bis hin zur Produktionsqualität werden einfach keine Wünsche offen bleiben. Die einzigen potentiellen Schwachpunkte finden sich in Hinblick auf den nicht besonders ausgeprägten Grad der Einzigartigkeit. Sicher immer nötige Inspirationsquellen oder musikalische ‚Vorlagen‘ hin oder her –  einige Passagen oder gar ganze Titel erinnern zu sehr an den Sound anderer Genre-Kollegen, wie etwa HELLOWEEN oder (im weiteren Alben-Verlauf) die früheren EDGUY. Sei es drum. Wer liebevoll gespielten europäischen Power Metal in seiner Ursprungsform – das heisst in bester HELLOWEEN-Manier – erleben möchte, der sollte beherzt zugreifen. Denn etwas mehr als ein billiger Abklatsch sind INSANIA allemal.

Musik: 10/10 | Gesang: 10/10 | Produktion: 8/10 | Inhalt: 10/10 | Vielfalt: 8/10 | Wirkungskraft: 10/10

Anspieltipps: THE LAND OF THE WINTERSUN, HEAVEN OR HELL, HEADING FOR TOMORROW, SUNRISE IN RIVERLAND, DANGEROUS MIND


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