Filmkritik: „Mom & Dad“ (OT: MOM AND DAD, 2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Brian Taylor
Mit: Nicolas Cage, Selma Blair, Anne Winters u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 86 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Komödie, Horror
Tags: Familie | Eltern | Chaos | Kinder | Makaber

Apokalypse mal anders.

Inhalt: Eigentlich sind Brent Ryan (Nicolas Cage) und seine Frau Kendall (Selma Blair) ganz normale Eltern, die den Traum einer typisch amerikanischen Wohlstandsfamilie leben. Sie verdienen gut, leben in einem schmucken Einfamilienhaus in einer beschaulichen Vorstadt – und lieben sie ihre beiden Kinder Josh (Zackary Arthur) und Carly (Anne Winters). Dennoch sind sie hie und da geneigt, etwas kritischer über sich und ihr bisheriges Leben nachzudenken – was normal ist, im Zusammenhang mit einer seltsamen Epidemie aber völlig aus dem Ruder läuft. Schließlich scheinen plötzlich alle Eltern in der Stadt durchzudrehen, und Jagd auf ihre eigenen Kinder zu machen… und das auf Leben und Tod.

Kritik: Mal ganz unabhängig davon, ob man darauf gewartet hat oder nicht: was dabei herauskommen würde, wenn sich einer der beiden hauptsächlich verantwortlichen Drehbuchautoren und Regisseure der CRANK-Reihe plötzlich allein aufmacht um einen dem potentiellen Vorbild nicht ganz unähnlichen neuen Film mit dem vergleichsweise schlichten Titel MOM & DAD zu machen; ist nicht länger ein Geheimnis. Die eigentliche Überraschung der direkt auf dem Heimkinomarkt veröffentlichten Chaos-Komödie ist dabei wohl die Tatsache, dass man erst gar keinen großen Hehl aus der Nähe zum potentiellen Vorbild macht – und sich dementsprechend auch an der quasi selbst auferlegten inszenatorischen Messlatte orientiert, die CRANK eine allemal ansehnliche Fanbase bescherte.

Das bedeutet auch, dass man eigentlich nicht viel mehr macht als den abgebrühten Jason Statham durch einen dezent überdrehten Nicolas Cage zu ersetzen – und, das sollte man vielleicht ebenfalls noch erwähnen; dass die zu eröffnende Jagd dieses Mal nicht gegen skrupellose Gangsterbosse geht. In MOM & DAD sind es immerhin ausschließlich Kinder, die zum Opfer werden. Allerdings, und der Film erklärt dies auf eine sicherlich gewagte Art und Weise: es geht nur um die jeweils eigenen Kinder, völlig unabhängig vom bereits erreichten Alter.

Das mag sich zunächst einmal schockierend anhören, ist letztendlich aber auch nicht weiter überraschend und so gesehen reines Kalkül. Denn warum sollte eine ohnehin schon vergleichsweise abgedrehte Action-Komödie nicht auch noch mit einer Prise makaberer Elemente, die man am ehesten in einem nervenaufreibenden Slasher erwarten würde; gewürzt werden ? Sicher führt das dazu, dass das grundlegende Konzept als offensichtlich überspitzte Darstellung eines in sich zusammenbrechenden oder eher umkehrenden American Dream keiner näheren inhaltlichen geschweige denn qualitativen Überprüfung standhält. Aber vielleicht muss es das ja auch gar nicht – schließlich kann man von einem Film in nur leicht abgewandelter CRANK-Manier ohnehin nicht mehr erwarten, als gut unterhalten zu werden.

Wem das reicht – und wer zudem mit einem ebenso abrupten wie schlicht ärgerlich platten und einfallslosen Ende umgehen kann – den erwartet hier immerhin eine vor allem in handwerklicher respektive optischer Hinsicht erfrischende Horrorkomödie mit rasant-bunten Bildern, überraschend abrupten Schnitten inklusive plötzlichen Zeitsprüngen und Rückblenden, einer abenteuerlichen (aber verträglichen) Kameraarbeit, einem den Bildern entsprechenden wilden Soundtrack mit allerlei Abwechslung und einigen Remineszenzen an die Filmkunst der 80er; sowie nicht zuletzt ein gut aufgelegter (das heißt: dezent überdrehter) Nicholas Cage.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © KSM GmbH

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„Sinn macht das Ganze nicht – und selbst in Anbetracht einer Nonsene-Actionkomödie ist für MOM & DAD nicht mehr als der Durchschnitt drin.“

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Filmkritik: „Das Geheimnis Von Marrowbone“ (OT: MARROWBONE, 2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Sergio G. Sánchez
Mit: Anya Taylor-Joy, George MacKay, Mia Goth u.a.
Land: Spanien, Großbritannien
Laufzeit: ca. 111 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Drama, Horror
Tags: Familie | Flucht | Umzug | Verfolgung | Fluch

Spieglein Spieglein an der Wand…

Inhalt: Um den Fängen ihres ihrer Familie offenbar aggressiv nachstellenden (noch-)Ehemannes  zu entkommen, trifft die verzweifelte Rose (Nicola Harrison) eine schwerwiegende Entscheidung: gemeinsam mit ihren insgesamt vier Kindern flieht sie Ende der 60er Jahre von Großbritannien in die Vereinigten Staaten von Amerika. Einmal in ihrem neuen Heim an einer ebenso idyllischen wie verlassenen Küste angekommen, nimmt die Familie einen neuen Namen an und versucht, möglichst wenig Kontakt zu den Einheimischen aufzubauen. Doch schon kurz bevor sich die Kinder Jack (George MacKay), Jane (Mia Goth), Billy (Charlie Heaton) und der junge Sam (Matthew Stagg) richtig einleben können, erliegt ihrer Mutter ihrer schweren Krankheit – und hinterlässt ihren ältesten Sohn Jack mit einer wichtigen Aufgabe. Fortan soll er die Geschicke der Familie lenken und auf sie aufpassen – zumindest bis er 21 ist, und die Familie nicht mehr von den Behörden auseinandergerissen werden könnte. Tatsächlich scheint ihm das auch ganz gut zu gelingen – zumal er von seiner Liebe zur Bibliothekarin Allie (Anya Taylor-Joy) beflügelt wird. Problematisch ist indes, dass sich im großen Anwesen der Familie selbst einige höchst unheimliche Dinge ereignen… was insbesondere den jüngeren Geschwistern reichlich Sorge, ja wenn nicht gar panische Angst bereitet.

Kritik: Auch wenn der Filmtitel nicht sperriger hätte ausfallen können und die Geschichte von DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nach nicht viel klingt – oder eher nur nach einer weiteren von so vielen, in denen eine vom Schicksal gebeutelte Familie in ein gruseliges Anwesen zieht und somit erst Recht Probleme bekommt – erweist es sich als ratsam, der von Sergio G. Sánchez (unter anderem der Ideengeber für DAS WAISENHAUS, siehe Review) erdachten Schauermär eine Chance zu geben. Und das vornehmlich, da es sich entgegen den ersten Vermutungen weniger um einen klassischen Horrorfilm als vielmehr um einen überraschend intensiven Thriller handelt – dem anstelle des plakativen Horrors weitaus mehr Elemente des Dramas inklusive einer vergleichsweise starken Charakterzeichnung innewohnen. Und um einen Thriller der – der mittlerweile vorhandenen Erfahrung des spanischen Schauspielers, Drehbuchautors und Regisseurs Sánchez sei Dank – schnell eine ähnlich klaustrophobische und in sich stimmige Atmosphäre etablieren kann wie einst DAS WAISENHAUS.

Die wohl aber größte Überraschung des Films ist, dass er im späteren Verlauf mit einem so nicht unbedingt erwarteten Twist daherkommt – und damit vielleicht sogar einen ähnlichen Effekt zu hinterlassen vermag wie der Genre-Klassiker THE SIXTH SENSE. Damit steht fest, dass sich DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE am ehesten in die Riege der eher ebenso mysteriös wie psychologisch angehauchten Thriller im Stile der bereits erwähnten Titel, sowie eventuell auch ICH SEH, ICH SEH (Review), SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT (Review) oder DER BABADOOK (Review) einreiht – und dabei eine alles andere als schlechte Figur macht. So kann nicht nur die Schauplatzwahl inklusive eines überraschenden Settings in den späten 60er Jahren überzeugen – auch das Setdesign, die Kostüme, der gesamte handwerkliche Part und die darstellerischen Leistungen der teils bekannten, hier recht erfrischend agierenden Nachwuchs-Akteure stimmen. Lediglich die sich dann doch etwas länglich anfühlende Auftaktphase mit einigen verzichtbaren Momenten sowie der doch noch vorhandene Impuls, sich den gängigen Konventionen des Horrorfilms zu näheren (Stichwort Jumpscares) verhindert hier größeres – was aber nichts daran ändert, dass man DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE problemlos empfehlen kann.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Metropolitan FilmExport, Universal Pictures

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„Das Rad mag mit DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nicht neu erfunden werden – und doch handelt es sich um einen ebenso gut gemachten wie spannenden Film mit dem gewissen Etwas und einem überraschenden Ende.“

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Filmkritik: „The Boy“ (2016)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: William Brent Bell
Mit: Lauren Cohan, Rupert Evans, Ben Robson u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Horror / Thriller
Tags: Kind | Junge | Puppe | Lebensecht | Gruselig | Anwesen

Da hat mich doch gerade jemand angezwinkert…

Inhalt: Um ihre Vergangenheit endlich hinter sich lassen zu können, nimmt die junge Amerikanerin Greta (Lauren Cohan) einen Job als Kindermädchen bei einem älteren, in einem abgelegenen englischen Dorf lebenden Ehepaar an. Wie sich bald darauf herausstellt, muss sich Greta aber nicht wirklich einer für das Berufsfeld typischen Aufgabe stellen. In Wahrheit ist der 8-jährige Brahms schließlich kein wirklicher Junge – sondern lediglich eine lebensgroße Puppe aus Porzellan. Auch wenn Greta der Angelegenheit verständlicherweise mehr als skeptisch gegenübersteht, nimmt sie die Aufgabe der Betreuung an – und gibt sich alle Mühe, die Heelshires (Jim Norton, Diana Hardcastle) – die kurz darauf verreisen und das neue Kindermädchen allein mit Brahms zurücklassen – zufriedenzustellen. Als sie jedoch beginnt, die Liste mit den ihr gestellten Aufgaben zu hinterfragen und einigen Punkten nicht nachzukommen, ereignen sich plötzlich mehrere seltsame bis absolut furchteinflössende Dinge. Um nicht völlig auf sich allein gestellt zu sein, bittet sie den charismatischen Lebensmittel-Lieferanten Malcolm (Rupert Evans) um Hilfe…

Kritik: Wer kennt sie nicht – jene guten alten Horrorfilme, in denen größere Anwesen und allerlei damit verbundene übernatürliche Phänomene die Hauptrolle spielen… und das im Grunde noch weit vor den eigentlichen Darstellern ? Tatsächlich sollte jeder, der sich schon einmal in den Gefilden des Horrorfilms ausgetobt hat; bereits eine Vielzahl eben solcher Machwerke gesehen haben – und das vermutlich ohne größere Überraschungseffekte. Entsprechend schwierig hat es auch William Brent Bell’s (u.a. WER – DAS BIEST IN DIR) THE BOY, der zunächst wie ein absolut typisches Genre-Werk mit den allseits bekannten Formeln daherkommt: eine junge Frau wird von einem kauzig-mysteriösen Ehepaar als Babysitterin eingestellt, die in einem ebenso prunkvollen wie verwinkelten Anwesen hausen und einige merkwürdige Angewohnheiten pflegen. Immerhin: mit der Prämisse, dass niemals wirklich von Geistern oder Dämonen gesprochen wird und stattdessen eine gleichermaßen hübsch gestaltete wie furchteinflößende Porzellanfigur eines Kindes Dreh- und Angelpunkt der Gesichte ist; kann sich THE BOY durchaus von der Masse abheben – was auch für die glücklicherweise schnell abgelegten Verhaltensmuster nach dem typischen (Angst-)Schema F gilt.

So ist man geneigt, wie die Hauptdarstellerin selbst immer mehr über das vermeintliche Kind herausfinden zu wollen – wobei THE BOY in Sachen Atmosphäre und einer überraschenderweise wenig reißerischen Phantomspannung (etwa bei den längeren Einstellungen auf das Gesicht der Puppe) reichlich Pluspunkte sammelt. Problematisch ist nur der letzte Akt sowie sicher auch die finale Auflösung des Films, bei der man wieder zur guten alten Brechstange greift (und das im wahrsten Sinne des Wortes) – sowie sicher auch das verschenkte Potential in Bezug auf die psychologische Komponente des Films, der sich noch etwas mehr auf seine Stärken als Psycho-Thriller hätte fokussieren sollen. Und eben nicht als Horrorfilm, dafür ist THE BOY mit seiner FSK 12 ohnehin nicht gruselig genug – aber sei es drum. Im Sinne einer schnellen Unterhaltung für zwischendurch kann man hier wohl nicht viel falsch machen. Wer es noch intensiver respektive intelligenter möchte, sollte vielleicht mal einen Blick auf ICH SEH, ICH SEH (siehe Review) werfen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Capelight Pictures

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„Trotz zwei oder drei größerer Schwächen ist THE BOY eine nette kleine Erfrischung im mittlerweile völlig vorhersehbaren Horrorfilm-Genre.“

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Filmkritik: „Hinter Den Mauern“ (Mini-Serie, 2016)

Originaltitel: Au-Delà Des Murs
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Hervé Hadmar
Mit: Veerle Baetens, Geraldine Chaplin, François Deblock u.a.
Land: Frankreich, Belgien
Laufzeit: 3 Episoden á 45 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Thriller, Horror, Mystery, Drama
Tags: Haus | Abenteuer | Erfahrung | Parallelwelt | Zeitreise | Paradoxon

Hat man erst einmal einen Blick riskiert…

Inhalt: Die als Logopädin arbeitende Lisa führt trotz ihrem Tagesgeschäft in einer Kinderklinik ein eher zurückgezogenes Leben. Umso seltsamer erscheint es ihr, als sie eines Tages ein altes Anwesen erbt – und das unter höchst mysteriösen Umständen. Und tatsächlich, wie sich bald darauf zeigt sollte sie mit ihren Vermutungen Recht behalten. Als sie im Haus Geräusche wahrnimmt und sich ein Stück der Tapete zu lösen beginnt, schlägt sie entschlossen ein Loch in die Wand – und entdeckt dahinter einen weiteren Korridor des Hauses. Mit dem was sie dort erwarten sollte, hätte sie indes kaum rechnen können – schließlich scheint sich ihr hier eine ganz eigene, surreal anmutende Parallelwelt zu offenbaren. Eine, in der es offenbar auch Gefahren gibt; sodass Lisa nach der Begegnung mit einem merkwürdig gekleideten Mann panisch flieht. Allerdings nicht in Richtung Ausgang, denn der ist plötzlich nicht mehr zu finden…

Kritik: Ja, doppelt hält oft besser – was insbesondere auf Filmschaffende zutrifft, die sich sowohl als Drehbuchautoren als auch Regisseure verdingen. Und, die im besten Fall gleich beide Betätigungsfelder in einem einzigen Projekt ausleben dürfen – wie im Falle von HINTER DEN MAUERN (im Original AU-DELÀ DES MURS). Dabei spielt es grundsätzlich keine große Rolle, ob man das auch von Marc Herpoux mit erdachte Werk nun als dreiteilige Mini-Serie betrachtet wie offiziell vorgeschlagen – oder aber als zusammenhängenden Spielfilm mit einer dezenten (sich aber nicht negativ auswirkenden) Überlänge. Beiden Varianten oder auch Betrachtungsweisen gemein ist in jedem Fall eine Einladung, die man nicht vorschnell abschlagen sollte – bedienen die Verantwortlichen doch längst nicht nur alteingefahrene oder gar ausgelutschte Tugenden des Horrorfilms. Nein, HINTER DEN MAUERN geht hier und da noch ein paar Schritte weiter. Und das beispielsweise, indem die Macher eine ebenso interessante wie spannend inszenierte Mystery-Komponente vorsehen – was ihr Werk eher in Richtung eines übernatürlich angehauchten Thrillers driften lässt. Und überhaupt: das gute alte Zeitreise-Paradoxon lässt – hier allerdings eher unerwartet – Grüßen…

Tatsächlich ist HINTER DEN MAUERN damit etwas gänzlich anderes geworden als eine typische, in eine einzelne Genre-Schublade zu steckende Fernsehproduktion – woraufhin aber nicht nur die ungewöhnliche und letztendlich überraschende Story hinweist. Schließlich sieht man dem Projekt auch jederzeit problemlos an, dass ihm etwas mitunter besonderes innewohnt. Derart stimmig anmutende, den Zuschauer schon allein durch ihren optischen Eindruck in den Bann ziehende Kulissen hat man so jedenfalls selten gesehen – und das weder in einer entsprechenden Serie, noch einem ähnlich aufgemachten Spielfilm. Anders gesagt: HINTER DEN MAUERN strahlt ganz offensichtlich aus, dass einiges an Arbeit und Herzblut in das Projekt investiert wurde – was sich nur positiv auf den Zuschauer auswirken kann. Das gilt im übrigen auch für die tadellosen Leistungen der beiden Hauptdarsteller, und das der hie und da auftretenden Nebenfiguren – die HINTER DEN MAUERN zu einem Grusel-Kabinett der einstweilen etwas prätentiösen, dabei aber doch angenehm extravaganten Art avancieren lassen. Allzu plumpe Jumpscares, nicht nachvollziehbare Handlungen der Charaktere oder auch ein unnötige wilde Zuarbeit seitens der Kamera oder des Soundtracks bleiben dem Zuschauer jedenfalls erspart.

Eines sollte damit schon jetzt feststehen: HINTER DEN MAUERN ist nicht nur eine auffällig gut gemachte Mini-Serie, sondern auch eine fast uneingeschränkt empfehlenswerte. Insbesondere natürlich für all jene, die sich von den typischen Horror-Szenarien der Marke es spukt in einem verlassenen, sonst aber stinknormalen Haus gelangweilt sehen. Der einzige Wermutstropfen ist, dass es am Ende doch alles etwas zu schnell geht – und die Geschichte durch ein so nicht gerade innovatives geschweige denn einleuchtendes Zeitreise-Paradoxon abgerundet wird. Sei es drum – einmal gesehen haben sollte man HINTER DEN MAUERN allemal. Und das allein aufgrund seiner surreal angehauchten, dabei aber dennoch stets greifbar erscheinenden Szenerie innerhalb einer makaberen Traumwelt, die die (einstweilen harte) Realität doch irgendwann einholt. Es sei denn natürlich, Lisa hätte sich doch anders entschieden… was das bei Fernsehproduktionen sonst eher seltene Gefühl aufkommen lässt, noch mehr Geschichten von der Welt HINTER DEN MAUERN hören zu wollen. Hervé Hadmar macht aber – und da ist es wieder, das Paradoxon – absolut alles richtig, wenn er die Miniserie genau so stehen lässt wie sie ist.

Bilder / Promofotos / Screenshots: ARTE

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„Eine qualitativ extrem überraschende Mini-Serie mit traumhaft-hypnotischen Kullissen und einer einzigartigen Atmosphäre.“

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Filmkritik: „Darkman“ (1989)

Auch bekannt als: Darkman – Der Mann mit der Gesichtsmaske
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Sam Raimi
Mit: Liam Neeson, Frances McDormand, Colin Friels u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 91 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Action
Tags: Unfall | Entstellt | Gesichtsmaske | Rachefeldzug | Trash

Mit dem DARKMAN ist nicht zu spaßen.

Inhalt: Gerade, als der ehrgeizige Wissenschaftler Peyton Westlake kurz davor steht erstmals synthetische Haut für Verbrennungsopfer herstellen zu können; wird sein Labor von einer skrupellosen Verbrecherbande überfallen und dem Erdboden gleichgemacht. Peyton, der nur mit schwersten Verletzungen davonkommt und in einem Krankenhaus erwacht; schwört daraufhin Rache an seinen Peinigern. Dabei versucht er, seine Forschungen wieder aufzunehmen und auf sich selbst anzuwenden – und das nicht zuletzt, um seiner geliebten Frau nicht völlig entstellt gegenübertreten zu müssen. Problematisch dabei ist nur, dass die von ihm gefertigten Masken noch immer nur 99 Minuten in Form bleiben – was ihm sein altes Ich unmöglich zurückbringen, aber immerhin den ein oder anderen Überraschungsangriff ermöglichen sollte. Das seine Frau dabei irgendwann selbst in der Schusslinie steht, macht es ihm nicht gerade leichter…

Kritik: Auch wenn sich der US-Amerikanische Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Schauspieler Sam Raimi schon in den frühen 80er Jahren – und das nicht zuletzt durch auch heute noch gegenwärtige Filme wie die 1982 begonnene TANZ DER TEUFEL-Reihe – einen Namen machte, ist die nunmehr satte 40 Jahre umfassende Filmografie des nicht gänzlich unumstrittenen Multitalents eher übersichtlich geblieben. Dennoch, oder vielleicht auch gerade deshalb war und ist sie nicht vor diversen Kuriositäten gefeit, die sich nicht erst durch seine überraschende Mitwirkung bei den relativ blutleeren SPIDER MAN-Filmen der Jahre 2002 bis 2007 äußerten – sondern schon viel früher. Ein gutes Beispiel dafür ist sicherlich auch der 1990 erschienene Spielfilm DARKMAN – der trotz seiner grundsätzlich gruseligen Story um Gesichtsmasken, der durch die TANZ DER TEUFEL-Reihe maßgeblich trainierten Regie-Fähigkeiten von Raimi und nicht zuletzt seines damaligen Einspielergebnisses nicht so recht zünden will.

Einer der hauptsächlichen Gründe dafür ist indes weniger die respektable Leistung des Hauptdarstellers Liam Neeson, der dem Titel-gebenden DARKMAN Peyton Westlake allemal ein gewisses Maß an Leben (und selbstverständlich auch Wahnsinn) einhaucht – und auch nicht die Arbeit der Maskenbildner, die sich ebenfalls sehen lässt. Vielmehr ist es die krude Mixtur aus einer nicht allzu originellen Idee und einer vergleichsweise lachhaften, gefühlt aber dennoch absolut ernstgemeinten Umsetzung – der die zahlreichen hanebüchen Actionszenen klar konterkarierend gegenüberstehen. Dass der von Raimi bekannte Slapstick hie und da dennoch Einzug hält, macht es nicht viel besser. Eher ist das Gegenteil der Fall, zumal das Timing einfach nicht stimmt – was den ohnehin reichlich unentschlossenen Film auf noch wackligeren Beinen stehen lässt. Anders gesagt: da er wahlweise zu viele oder auch zu wenige der jeweils typischen Genre-Elemente an den Start bringt, ist DARKMAN weder Fisch noch Fleisch – und eignet sich daher weder für einen zünftigen Grusel-Abend noch für eine unterhaltsame Trashfilmnacht.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Universal Studios

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„Alles – nur kein guter Raimi.“

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