Filmkritik: „Death Note“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Death Note (Manga)
Regie: Adam Wingard
Mit: Nat Wolff, Margaret Qualley, Lakeith Stanfield u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 101 Minuten
FSK: nicht geprüft / keine Angabe
Genre: Thriller / Horror / Fantasy
Tags: Death Note | Light Yagami | Ryuk | Shinigami | Japan | Manga | Anime-Serie

Einmal das Totenbuch, bitte… gut durch und auf Amerikansich.

Inhalt: Eigentlich ist der junge Light Turner (Nat Wolff) nur ein ganz normaler Schüler, der sich ab und an etwas mit den Hausaufgaben anderer dazuverdient. Eines Tages aber fällt ihm ein seltsames schwarzes Notizbuch in die Hände, welches die Aufschrift DEATH NOTE trägt. Schnell stellt er fest, dass das Buch außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt: stellt man sich das Gesicht einer Person vor und trägt den dazugehörigen Namen auf einer der Seiten ein, stirbt der betroffene. Als wäre das noch nicht unglaublich genug, taucht auch ein Todesgott namens Ryuk auf – der offenbar der eigentliche Besitzer des Buches ist, und Light dazu ermutigt seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Light’s Entschluss, die Welt mithilfe des DEATH NOTE zu einem besseren Ort zu machen; ist daraufhin schnell gefasst – sodass er schlicht einige der gefährlichsten Verbrecher tötet, deren Gesichter und Namen er in den Medien aufgeschnappt hat. Dabei kommt ihm eigentlich nur einer in die Quere, und dass ist der hiesige Chefermittler L (Lakeith Stanfield)…

Kritik: Ob Fans des originären DEATH NOTE-Mangas (2003-2006) oder der seinerzeit direkt im Anschluss verwirklichten, längst mit einem enormen Kult-Status geadelten Anime-Serie (siehe Rezension) explizit darauf gewartet haben oder nicht – mit DEATH NOTE erfährt die düstere, sich um ein mysteriöses Buch aus einer Art Zwischenwelt drehende Geschichte von Tsugumi Ōba eine weitere Realverfilmung. Dieses Mal, und im Gegensatz zu den bisherigen vier Realfilmen aus Japan (siehe unter anderem hier); haben sich mit den Warner Studios erstmals die nicht unbedingt für gute Anime-Adaptionen bekannten Amerikaner an den Stoff gewagt. Eben das sieht und merkt man dem von Adam Wingard (der durch die Neuverfilmung zu BLAIR WITCH bekannt geworden ist) gedrehten Film auch direkt an – was noch nicht zwingend als Qualitätsmerkmal interpretiert werden muss, aber doch schon die ungefähre Marschrichtung vorgibt.

Anders gesagt: es sei den Amerikanern durchaus gegönnt, dass sie hier ihre ganz eigene Version von DEATH NOTE auf die Beine gestellt haben – und schon der Auftakt des Films respektive die ausführlichen Intro-Szenen mit Ansichten einer Highschool, des hiesigen Football- sowie Cheerleading-Teams und allerlei amerikanischen Gesichtern auch mit Nachdruck darauf aufmerksam machen. Selbst die zugegebenermaßen recht unglückliche Besetzung des wichtigen Charakters L durch den farbigen und auch sonst eher unpassend wirkenden Darsteller Lakeith Stanfield markiert so gesehen keines der Hauptprobleme des neuen, durch und durch amerikanischen DEATH NOTE-Films – der sich seine größten Fehlgriffe vielmehr in der letztendlich doch auffallend unstimmigen inhaltlichen und atmosphärischen Portierung leistet.

Das besondere, und gewissermaßen auch fatale dabei ist; dass es zur Feststellung dieser Mängel erst gar keines intensiveren DEATH NOTE-Vorwissens bedarf – mit einem kleinen aber feinen Unterschied. So werden komplette Franchise-Neueinsteiger vielleicht nicht genau wissen oder benennen können, was dem neuen DEATH NOTE-Film fehlt – während Kenner der Vorlagen immer wieder darauf hingewiesen werden, wie viel Potential hier letztendlich verschenkt wurde. Sei es der plötzlich eher weichgespülte Charakter der eigentlich ebenso hoch intelligenten wie skrupellosen Hauptfigur Light, die perfiden Katz- und Mausspiele zwischen ihm und der durch den weltfremd agierenden Chefermittler L verkörperten Gegenseite; oder der schier unglaubliche Spannungsbogen hinsichtlich des geschickt hinausgezögerten Finales, welches man zumindest im Anime kaum vorhersehen kann – die Amerikanische Realverfilmung von DEATH NOTE lässt hinsichtlich der Darstellung dieser Kernkompetenzen einiges vermissen, oder stellt sie lediglich äußert vereinfacht und in einem regelrechten Schnelldurchlauf dar.

Sicher, es mag nicht leicht gewesen sein den doch recht ansehnlichen Umfang der Vorlagen in ein handelsübliches Filmformat zu verfrachten – doch ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hätte man dabei schon an den Tag legen können. Oder aber, und um es einmal gewagt auszudrücken: den Mut, zumindest die unvorbereiteten Zuschauer im schlimmsten Fall dezent zu überfordern. Dieses Wagnis sind die Verantwortlichen allerdings nicht eingegangen. Im Gegenteil: trotz der guten und spannenden Grundidee kommt die amerikanische DEATH NOTE-Verfilmung wie ein relativ typischer Teeniefilm oder auch Highschool-Thriller mit entsprechend bekannten Elementen daher, bei dem selbst die überraschend heftigen Splatter-Szenen nicht für viel Aufsehen sorgen können. Und schon gar nicht die Inhalte oder Charaktere, die hier auf das absolut nötigste reduziert wurden – und so erst gar keinen Vergleich zur Vielschichtigkeit und Intensität der Anime-Serie zulassen.

Auch in Bezug auf die handwerklichen und technischen Aspekte kann das Urteil eigentlich nur zwiespältig ausfallen, wofür schon die allgemein schwierige Darstellung des Todesgottes oder auch Shinigamis Ryuk spricht. Tatsächlich muten dessen Rückansicht und Silhouette ordentlich gruselig an – aber eben nicht die gerne mal direkt gezeigte Front respektive Gesichtspartie mit ihrem arg künstlichen Anstrich. Immerhin, und so gesehen: im Gegensatz zu den billig-plump wirkenden CGI-Eskapaden der japanischen Realfilme ist hier schon eine kleine Qualitätssteigerung erkennbar. In Bezug auf die Darsteller gilt es, ähnlich schwankendes festzuhalten. Der einst durch eine Kinderband (THE NAKED BROTHERS BAND) bekannt gewordene Nat Wolff beispielsweise ist grundsätzlich eine positive Überraschung – auch wenn er die Aufgabe, den Charakter von Light sinngemäß darzustellen; auch aufgrund des Drehbuchs schlicht unmöglich stemmen kann. Während die Kameraführung, die Wahl der Schauplätze und das das Setdesign inklusive der durchdachten Beleuchtung weitestgehend stimmig ausfallen; haben sich die Macher aber spätestens mit dem Soundtrack einen echten Fauxpas geleistet. Schließlich hätte man kaum noch unpassendere und noch aufdringlicher inszenierte Poprock-Titel wählen können als beispielsweise in Bezug auf die spätere Riesenrad-Szene.

Schlussendlich: mit der 2017’er Version von DEATH NOTE sind die Verantwortlichen ein Wagnis eingegangen. Ein Wagnis, dass es so allerdings schön öfter gab – und in nur selten wirklich zufriedenstellenden Fernost-Portierungen mündete, sei es in Bezug auf Manga-, Anime- oder Realfilmadaptionen. Daran ändert auch der neue DEATH NOTE-Film nichts – der alles andere als ein Meilenstein geworden ist, andererseits aber auch noch viel ärger hätte ausfallen können. Dennoch, selbst im besten Fall reicht es hier nur für eine eher besondere respektive indirekte Daseinsberechtigung – die darin besteht, zufällig geköderte Franchise-Neueinsteiger für die zugrundeliegenden Vorlagen zu sensibilisieren.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Netflix / James Dittiger

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„DEATH NOTE Minus DEATH NOTE, oder: es ging schief, was schief gehen musste.“

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Filmkritik: „Shut In“ (2016)

Originaltitel: Shut In
Regie: Farren Blackburn
Mit: Naomi Watts, Oliver Platt, Charlie Heaton u.a.
Land: Frankreich, Kanada
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Thriller
Tags: Mutter | Sohn | Familie | Unfall | Wachkoma

Willkommen im Land der (un)begrenzten Möglichkeiten.

Kurzinhalt: Nachdem ihr Mann Richard (Peter Outerbridge) und ihr Stiefsohn Stephen (Charlie Heaton) bei einem Autounfall schwer verunglückten, lebt die als Kinderpsychologin arbeitende Mary (Naomi Watts) zurückgezogen in einem großen Anwesen im ländlichen Neuengland. Neben ihrer Arbeit kümmert sie sich vor allem um ihren seit dem Unfall stark beeinträchtigten, pflegebedürftigen Stiefsohn – und hat bis auf gelegentliche Videochats mit ihrem Kollegen Dr. Wilson (Oliver Platt) kaum Kontakte zur Außenwelt. Eines Tages taucht plötzlich der Waisenjunge Tom (Jacob Tremblay) auf, der nach der bereits bei ihr absolvierten psychologischen Behandlung in einem speziellen Heim untergebracht werden sollte – sich aber offenbar von der einfühlsamen Mutter angezogen fühlt. Das Problem: so schnell und unerwartet er aufgetaucht ist, so schnell verschwindet er auch wieder. Und das in Richtung der verschneiten Wälder, ohne zusätzliche Winterkleidung. Mary macht sich Vorwürfe, und wird neben den ohnehin allgegenwärtigen Sorgen um ihren Stiefsohn nun auch noch von der Ungewissheit über den Verbleib des kleinen Jungen geplagt. Dass sie bald darauf starke Schlafprobleme entwickelt, gehört noch zu den kleineren Übeln…

Kritik: Ja, sie haben wieder Hochkonjunktur – Horrorfilme der guten alten Schule, die trotz vergleichsweise geringer Mittel eine möglichst große Wirkung erzielen sollen. Die gegen Ende 2016 in den Kinos erschienene Grusel-Mär SHUT IN bildet da keine Ausnahme – womit sich der vom bis dato eher unbekannten britischen Regisseur Farren Blackburn inszenierte Film auch einer entsprechenden Konkurrenz stellen muss. Zwar keiner durchweg hochkarätigen, schließlich impliziert die Rückkehr zu gleichermaßen bekannten wie altbewährten Stilmitteln nicht automatisch ein gelungenes Werk – doch in Anbetracht ihrer schieren Anzahl sollte man sich mit Filmen wie SHUT IN zumindest bemüht zeigen, für entsprechende Alleinstellungsmerkmale zu sorgen. Gerade das scheint in diesem Fall aber nicht allzu leicht, was gleich mehrere Gründe hat. Beispielsweise sieht SHUT IN abermals ein großes, selbstverständlich mit vielen Holzdielen ausgestattetes (Geister-)Haus als Schauplatz vor, bezieht sich wie im Genre typisch auf das gespenstische Erleben einiger weniger beteiligter Hauptpersonen – und treibt die Geschichte grundsätzlich nur mit jenen Zutaten voran, die man auch genau so von einem Film wie diesem erwartet hätte.

Anders gesagt: um einen allzu erfrischenden, gar Neuland betretenden Genre-Film handelt es sich nicht. Eher ist das Gegenteil der Fall – wobei es fast schon ironisch wirkt, dass man dem allgemein gefeierten Nachwuchsdarsteller Jacob Tremblay auch in SHUT IN eine Rolle gegeben hat. Schließlich konnte man den durchaus fähigen, seit RAUM weltweit bekannten Darsteller erst kürzlich – dass heißt im nur wenige Monate älteren BEFORE I WAKE (siehe Review) erleben. Hierbei handelt es sich um einen insgesamt ebenfalls nicht gerade herausragenden Film – aber doch zumindest einen, der sich das Potential des Jungdarstellers zunutze machte. In SHUT IN dagegen scheint er fast schon unterfordert zu sein, zumal seiner Rolle als Waisenjunge Tom eine eher geringe Bedeutung zuteil wird. Immerhin: während die eigentliche Hauptdarstellerin Naomi Watts eigentlich nur das typische Genre-Repertoire aufruft und bis auf ein entsprechenden Mienenspiel kaum aus sich herausgehen muss, sieht es in Bezug auf den 1994 geborenen Charlie Heaton (u.a. STRANGER THINGS) schon wesentlich besser respektive interessanter aus. Gerade im späteren Verlauf des Films verkörpert er die Rolle des eigentlich im Wachkoma liegenden Film-Sohnes Stephen Portman mit einer gewissen; man nenne es Vehemenz – unter hinterlässt damit einen intensiveren Eindruck als alle anderen Beteiligten des Films zusammen.

Allerdings keinen, der sich nachhaltig festsetzen würde – wofür sich aber vornehmlich nicht die Darsteller, sondern das grundsätzlich reichlich spröde, uninspirierte und einstweilen auch schlicht sinnlose Drehbuch verantwortlich zeichnet. Sicher, Filme die ausnahmsweise mal nicht auf einer entsprechenden Buchvorlage basieren und somit perfekt auf das Medium Film zugeschnitten werden könnten; sind immer öfter eine Seltenheit – und haben im besten Falls das Zeug dazu, für einen angenehm frischen Wind zu sorgen. Wenn, ja wenn denn das nötige Fingerspitzengefühl und vor allem auch einige guten Ideen vorhanden sind – was bei SHUT IN offensichtlich kaum der Fall war. Somit ist der eher lauwarme, sich dezent in die Länge ziehende; ja schlicht ärgerlich typische Auftakt des Films auch erst der Anfang der Misere – wobei man gar nicht erst anfangen sollte, gewisse Dinge zu hinterfragen (beispielsweise wie der junge Tom zur und in die Garage von Mary kommt). Richtig übel wird es schließlich erst wenn SHUT IN seinen großen Twist, oder so gesehen auch seinen eigentlichen Höhepunkt präsentiert. Immerhin: langweiliger wird er dadurch nicht – dafür aber umso abstruser und unglaubwürdiger. Dabei spielt es übrigens auch keine Rolle, ob man als Zuschauer bereits entsprechende Vorahnungen hegt oder wirklich vom Film überrascht wird. Denn: die Mühe, die speziell in Bezug auf die Atmosphäre von SHUT IN investiert wurde; war und ist schlicht zu gering.

So gering, dass sich neben der sich deutlich zu hanebüchen anfühlenden Story auch keine nennenswerte Spannung ergibt und erst Recht keine Empathie für die Charaktere entsteht. Selbst wer auf einzelne Gänsehaut-Momente aus ist, wird eher enttäuscht – bis auf ein paar klischeehaft inszenierte, altbekannte Jumpscares gibt es einfach nichts zu holen. Insgesamt betrachtet ist SHUT IN eine echte Enttäuschung – zumindest, wenn man sich doch noch etwas mehr erhofft als einen weiteren absolut typischen Horrorfilm der Marke Hollywood zu entdecken. Da können auch Naomi Watts, Charlie Heaton und Jacob Tremblay nichts daran ändern – die in einem anderen Film ein wirklich starkes Charakter-Trio hätten ergeben können. Eventuell, und mit dem bereits erwähnten; unbedingt nötigen Fingerspitzengefühl…

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„Ein Film so platt, konstruiert und austauschbar wie eine Schablone.“

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Filmkritik: „Alien: Covenant“ (2017)

Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Mit: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup u.a.
Land: USA, Großbritannien
Laufzeit: ca. 126 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction, Horror
Tags: Prometheus | Alien | Sequel | Weltraum | Isolation

Mit diesen Aliens ist nicht gut Kirschen essen.

Kurzinhalt: Eigentlich befindet sich das Forschungs- und Kolonisationsraumschiff COVENANT auf dem Weg zu einem weit entfernten Sternensystem. Ein Zwischenfall jedoch sorgt dafür, dass die Crew aus dem Kälteschlaf erwacht – und kurz darauf ein mysteriöses Notrufsignal empfängt. Da sie eine menschliche Quelle vermuten, beschließen sie der Sache auf den Grund zu gehen. Schließlich könnten sie dabei auch einen bisher durch das Suchraster gefallenen Planten finden, auf dem die Menschheit fortan leben könnte – und sich die eigentlich geplante, noch einige Jahre währende Reise sparen. Auf dem Planten jedoch erwartet die Crew vor allem eines: eine verdächtige Stille, und ein damit einhergehendes ungutes Gefühl. Weiterhin scheinen sich einige Mitglieder mit einer Art Virus zu infizieren – woraufhin die Katastrophe ihren Lauf nimmt…

Kritik: Es war einmal im Jahre 2012, als ein gewisser Ridley Scott den auf die ursprüngliche ALIEN-Filmreihe aufbauenden Science Fictioner PROMETHEUS (siehe Review) auf die Leinwände brachte – und die sich rund um die furchteinflößenden Weltraum-Monster scharende Fangemeinde regelrecht spaltete. Dabei ist dem Regisseur, der schon beim eigentlichen und mittlerweile legendären Auftakt der Reihe (ALIEN aus dem Jahre 1979, Review) maßgeblich beteiligt war; ein durchaus solider Genre-Film gelungen. Einer, der sich dabei weder vor seiner direkten Konkurrenz; noch hinter den nach Teil 2 der Reihe (ALIENS aus dem Jahre 1986, Review) folgenden Sequels verstecken musste. Schließlich konnten Teil 3 (Review) und 4 (Review) den alten Geschichten tatsächlich nichts bemerkenswertes mehr hinzufügen – und wiederholten vielmehr altbekanntes in neuen Umgebungen.

Gute 15 Jahre nach dem letzten ALIEN-Teil lag es somit allein an PROMETHEUS, für eine möglichst stimmige Wiederbelebung des Franchise zu sorgen – und das im besten Fall ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Und auch wenn einige das Gegenteil behaupten, scheint das Konzept von PROMETHEUS gerade in dieser Hinsicht aufgegangen zu sein – trotz der sicher nicht gänzlich von der Hand zu weisenden Gefahr einer Entmystifizierung des Franchise. Doch da man den Zuschauern endlich wieder mehr als einen weiteren typischen ALIEN-Teil offerieren wollte, schien ein eben solches Wagnis unbedingt notwendig. Tatsächlich aber ist es Ridley Scott hoch anzurechnen, dass er die Gefahr zu viele Erklärungen zu machen weitestgehend umschiffte – und so gesehen eigentlich nur Handlungselemente aufgriff, die schon in den früheren ALIEN-Teilen angedeutet wurden.

PROMETHEUS behandelte damit nicht weniger als den Ursprung der Alien-Rasse, griff scheinbar ganz nebenbei noch die Entstehungsgeschichte der Menschheit auf (wenn auch etwas plakativ und provokant) – und ließ noch mehr als genug Fragen offen. Solche, die das Filmerlebnis zwar weniger in Richtung des typischen ALIEN-Horrors ausfallen ließen – dafür aber eine umso größere Faszination für das gesamte ALIEN-Handlungsuniversum an sich entfachen konnten. Entsprechend heiß erwartet wurde somit auch der zweite Teil des wiederbelebten Franchise, der interessanterweise nicht auf den Titel PROMETHEUS 2 horcht. Doch viel wichtiger ist das ist ohnehin die Frage, ob es ALIEN: COVENANT tatsächlich schafft die angenehme Marschrichtung seines Vorgängers beizubehalten – und auch davon abgesehen ein guter Science Fiction-Film ist.

Unglücklicherweise weicht die zu Anfang gehegte Hoffnung und die Lust auf ein gutes Sequel aber schnell einer eher ernüchternden Feststellung: ALIEN: COVENANT legt schon zu Beginn ein auffällig langatmiges Tempo vor, führt eine nicht gerade markante Charakterkonstellation ein – und scheint auch sonst ein relativ ideenarmer, unspektakulärer, ja wenn nicht gar seelenloser Science Fictioner zu sein. Gründe dafür gibt es einige, wovon sich einer besonders markant auswirkt: grundsätzlich gibt es so gut wie überhaupt keinen Fortschritt in der übergeordneten Handlung, und somit auch keine spektakulären Enthüllungen oder Andeutungen wie noch in PROMETHEUS. Eben solche, die nicht unbedingt zum Nachdenken; aber doch zu einem tieferen Eintauchen in das hiesige ALIEN-Universum einladen. Eher ist das Gegenteil der Fall: vor allem alteingesessenen ALIEN-Fans werden viele der in ALIEN: COVENANT anberaumten Elemente verdächtig bekannt vorkommen.

Dabei bleibt es fraglich, was genau sich bei Ridley Scott und den anderen Verantwortlichen abgespielt hat – denn mit einer derart enttäuschenden und sich bis ins kleinste Detail erstreckenden Misere vom Schlage eines ALIEN: COVENANT konnte wohl niemand rechnen. Sicher, grundsätzlich werden einige typische Elemente der Science Fiction bedient – in Bezug auf das Roboter-Duo David und Nathan sogar recht anschaulich und interessant, wenn auch mit der Gefahr ins dezent Lächerliche abzudriften. Einige recht ästhetische Weltraum-Aufnahmen, ein paar Kamerafahrten über fremde Planeten, eine Prise Creature-Horror und sogar einen waschechten interstellaren Genozid gibt es obendrauf – analog zu einem nicht spektakulären, aber doch grundsoliden technischen Part inklusive vieler annehmbarer CGI-Sequenzen.

Das Problem ist, dass viele dieser Elemente schon in Klassikern wie in Kubrick’s 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (Review) behandelt wurden; und das wesentlich effektiver – und ein Film mit einem ALIEN im Titel seine Stärken hauptsächlich in anderen Bereichen suchen sollte. Gerade das ist hier aber nicht geschehen: alles, was im Sinne der Filmreihe eher als Beiwerk betrachtet werden kann (die eben genannten Aspekte beispielsweise) fallen solide aus – doch der eigentliche Kern, die eigentliche Besonderheit des Franchise verpufft fast vollständig. Natürlich ist das ärgerlich, wobei man sich nie so ganz des Gefühls erwehren kann, als sei dies so gewollt – vielleicht wurde Scott absichtlich zurückgehalten, etwa um nicht zu viel vorwegzunehmen und möglichst viele weitere Sequels zu ermöglichen. Wenn dem so wäre, könnte man immerhin die inhaltliche Stagnation nachvollziehen – wohl aber nicht einige der weiteren begangenen Fehler.

Denn: es kommt wahrlich selten vor, auch heute noch auf eine derart klischeehafte gezeichnete und kontinuierlich stumpf agierende Charakter-Riege wie die von ALIEN: COVENANT zu stoßen. Und das ist sicher nicht auf das Schauspiel der beteiligten Darsteller zurückzuführen, welches insgesamt betrachtet akzeptabel ist – sondern auf mehr als nur eine handvoll falsch getroffener Entscheidungen. Zusammenfassend könnte man auch sagen: wenn das Schicksal der Menschheit in den Händen einer Crew wie dieser läge, könnte man sich auch gleich begraben. ALIEN: COVENANT wird damit gerade in den Momenten der zwischenmenschlichen Interaktion und dem schier stupiden Handeln der meisten Protagonisten zu einer waschechten, fast schon bemitleidenswerten Lachnummer.

Schlussendlich: ALIEN:COVENANT hat weit mehr von einem ermüdenden, stellenweise sogar unfreiwillig komischen denn von einem wirklich spannenden Sequel – wobei man sich dezent an die Wirkung des vierten ALIEN-Teils erinnert fühlen könnte. Damit steht er nicht nur in einem gleichermaßen krassen wie ärgerlichen Gegensatz zu seinem erfrischenden Vorgänger – er ist auch sonst ein absolut unspektakulärer Science Fictioner, der sich zu nicht mehr als zum Vergessen eignet. Sicher ist das schade, aber: irgendwie war es in Anbetracht des immer perfideren Remake- und Sequelwahns der Marke Hollywood auch zu erwarten. Lasst sie also kommen, die nächsten Teile…


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„Noch ist Platz nach unten, aber: mit ALIEN: COVENANT beschreitet Scott einen qualitativen Abstieg von erschreckenden Ausmaßen.“

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Filmkritik: „Before I Wake“ (2016)

Originaltitel: Before I Wake
Regie: Mike Flanagan
Mit: Kate Bosworth, Thomas Jane, Jacob Tremblay u.a.
Land: USA, Kanada, Großbritannien
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Fantasy
Tags: Kind | Adoption | Träume | Realität | Monster | Dämon

Träumen war schon immer eine zwielichtige Angelegenheit.

Kurzinhalt: Auch viele Jahre nachdem die jungen Eltern Jessie (Kate Bosworth) und Mark (Thomas Jane) ihren Sohn Sean (Antonio Even Romero) bei einem tragischen Unfall verloren haben, sitzt die Trauer tief. Dennoch lassen sie sich nicht ihren Lebensmut nehmen – und entschließen sich analog zu ihrer Gruppentherapie dazu, ein Kind zu adoptieren. Tatsächlich scheint sich diese zweite Chance auch bezahlt zu machen: die beiden schließen den ihnen vorgestellten 8-jährigen Cody (Jacob Tremblay) schnell in ihr Herz. Der wiederum gewöhnt sich schnell in sein neues Zuhause ein – während es lediglich seine andauernden Schlafprobleme sind, die den Eltern Sorge bereiten. Dabei scheint das Problem nicht damit gelöst, dem Jungen einfach seine auffallend ausgeprägte Angst vor dem Einschlafen zu nehmen – denn wen Cody träumt, spielen sich tatsächlich allerlei seltsame Dinge ab. Und so können die Eltern nicht nur einen erstaunten Blick auf im Wohnzimmer umherfliegende Schmetterlinge werfen – sondern auch auf ihren toten Sohn, der urplötzlich wieder vor ihnen zu stehen scheint. Aber eben nur solange, wie Cody träumt…

Kritik: Betrachtet man das vergangene Kinojahr 2016 sowie die ersten Monate des aktuellen in der Retrospektive, wird jedem geneigten Hobby-Cineasten und professionellem Kritiker eine andere beobachtbare Besonderheit in den Sinn kommen. Eine diesbezüglich auffälligere, und so gesehen alle Zuschauer vereinende Feststellung aber wird sich zweifelsohne ergeben: dass das Genre der Horrorfilms wieder einmal ein Revival erfahren hat, und zwar in Richtung einer eher klassischen Ausprägung. So scheint es wieder gerne gesehen wenn sich Horrorfilme nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, möglichst schnell und einfach zu realisieren sind – und dabei dennoch eine maximale Wirkung erzielen. Im besten Fall natürlich, ohne dabei allzu plump und vorhersehbar vorzugehen – wie es etwa auch Überraschungserfolgen vom Schlage eines INSIDIOUS (siehe Review) oder dem fast schon kammerspielartigen Horror-Thriller DER BABADOOK (Review) gelang. Auf den Zug des günstigen aber guten Horrorfilms wollen nun auch zahlreiche andere Genrefilme aufspringen – wie Mike Flanigan’s BEFORE I WAKE, für den der US-Amerikanische Regisseur auch das Drehbuch schrieb.

Immerhin: trotz der hinreichend bekannten Vorgehensweise und allerlei bekannten inhaltlichen Elementen, die man am ehesten als zweckdienlich bezeichnen könnte; scheint der Film durchaus auch vielversprechende Aspekte zu besitzen. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass die Hauptrolle in Gestalt des 8-jährigen Cody von Nachwuchstalent Jacob Tremblay verkörpert wird – der für seine vorherige Darbietung in RAUM beinahe für einen Oscar nominiert wurde, und derzeit klar zu den fähigsten Kinderdarstellern überhaupt zählt. Auch die grundsätzliche Idee, dass BEFORE I WAKE mit dem Gedanken von wahr- respektive fleischwerdenden Träumen spielt; klingt allemal spannend. Eine nicht zu überbordende, nette bis dezente handwerkliche Arbeit inklusive einiger kaum aufdringlicher Special Effects und eine gute Arbeit der Kostüm- und Maskenbildner scheinen das Projekt abzurunden. Zumindest theoretisch und auf den ersten Blick. Doch genau das ist das Problem.

Denn: je weiter der Film voranschreitet, umso vorhersehbarer und unspektakulärer gerät er. Dabei sind es nicht nur die etwas zu penetranten und plötzlichen Jumpscares die für Verdruss sorgen könnten, und dem geneigten Horrorfan schon lange kein Schauergefühl mehr über den Rücken jagen – sondern vor allem die letztendliche Umsetzung der titelgebenden Traum-Idee. Schließlich wird ausgerechnet jenes Element, welches BEFORE I WAKE von so vielen anderen Genre-Werken hätte abheben können; auf das absolut nötigste reduziert. Anders gesagt: Cody träumt stets klar, verständlich; und zudem in einer strikten Unterteilung von gut und böse. Die sich daraus ergebenden Szenen, in denen die anderen Protagonisten die Auswirkungen jener erstaunlich übersichtlichen Traumwelten erfahren; geraten dabei fast schon lächerlich. Mal sind sie viel zu kitschig, mal viel zu offensichtlich auf einen einzelnen dämonischen Widersacher beschränkt – von dem man schnell annehmen muss, dass er eben doch in irgendeiner Form zu bekämpfen ist. Und das natürlich auch so, dass ein möglichst unbeschwertes Finale erreicht werden würde. Ob es tatsächlich so kommt oder nicht, davon sollte man sich zwar immer noch selbst überzeugen – wirklich lohnenswert oder gar überraschend fällt die Angelegenheit aber nicht aus.

Letztendlich ist es schade, dass man vergleichsweise wenig aus dem Auftritt eines starken Nachwuchsdarstellers wie Jacob Tremblay, einer interessant bis fantastisch anmutenden Grundidee und einem durchaus tauglichen handwerklichen Part gemacht hat. Die finale Umsetzung der Story allein holt jedenfalls niemanden hinter dem Ofen hervor, schon gar keinen alteingesessenen Horror-Fan. Anders gesagt: BEFORE I WAKE ist absolutes Genre-Standardfutter, und könnte lediglich als Notfalllösung für einen eher harmlosen Horrofilm-Abend fungieren.


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„Gute Darsteller zu verpflichten ist das eine – für einen frischen Wind zu sorgen oder zumindest einen soliden Horror-Streifen auf die Beine zu stellen das andere.“

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Filmkritik: „Das Neunte Leben Des Louis Drax“ (2017)

Originaltitel: The 9th Life Of Louis Drax
Regie: Alexandre Aja
Mit: Aiden Longworth, Jamie Dornan, Sarah Gadon u.a.
Land: USA, Kanada, Großbritannien
Laufzeit: ca. 108 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama, Thriller, Horror
Tags: Junge | Kind | Mutter | Unfälle | Koma | Kommunikation

Wenn selbst neun Leben nicht genug sind.

Kurzinhalt: Den jungen Louis Drax (Aiden Longworth) als Pechvogel zu bezeichnen scheint noch leicht untertrieben – schließlich hat er seit seiner Geburt immer wieder merkwürdige Unfälle, die ihm fast das Leben kosten. Trotzdem scheint sich der mit einer lebhaften Fantasie ausgestattete Junge nicht den Lebensmut nehmen zu lassen, und blickt relativ gelassen auf die zahlreichen Zwischenfälle. Bis, ja bis es an seinem neunten Geburtstag zu einem weiteren und wohl auch dem bisher schlimmsten Unglück kommt. Nicht nur, dass seine mittlerweile getrennt lebenden Eltern ausgerechnet an seinem Geburtstag einen heftigen Streit vom Zaun brechen – inmitten eines darauf folgenden Gerangels stürzt Louis von einer schwindelerregend hohen Klippe. Unglaublicherweise überlebt er den Sturz, doch nach seiner Rettung aus dem eiskalten Wasser liegt er schwer verletzt im Koma. Als er kurz darauf in die aus derartige Fälle spezialisierte Klinik von Dr. Allan Pascal (Jamie Dornan) eingewiesen wird; setzen der Arzt und seine Mutter (Sarah Gadon) alles daran, dass es dem kleinen Patienten bald wieder besser gehen würde. Höchst merkwürdig erscheint indes, dass der Vater (Aaron Paul) seit dem Vorfall verschwunden ist…

Kritik: Filme, in denen komatöse Patienten in einem ersten aber nicht hoffnungslosen Zustand auf eine Rettung warten gibt es eigentlich gar nicht so wenige – eine entsprechende Bandbreite zwischen eher klassischen medizinischen Dramen und geradezu fantastisch anmutenden Ausflügen in die Bereiche der Metaphysik inklusive. Manchmal können die Grenzen aber auch fließend ausfallen, wie im etwas sperrig betitelten DAS NEUNTE LEBEN DES LUIS DRAX vom frisch gebackenen Horror-Spezialist Alexandra Aja. Der hatte sich speziell durch seine gelungene Neuverfilmung des Klassikers THE HILLS HAVE EYES einem Namen gemacht, war daraufhin aber auch an einigen mindestens diskutablen Werken beteiligt – wie etwa dem puren Trash-Vergnügen in der Gestalt von PIRANHA 3D (siehe Review) oder dem schonungslosen Remake von MANIAC (Review). Unter anderem deshalb fühlt es sich etwas überraschend an, ihm nun bei einer Umsetzung eines für ihn und seine bisherige Filmografie eher ungewöhnlichen Stoffes beizuwohnen. Schließlich basiert DAS NEUNTE LEBEN DES LUIS DRAX auf einer gleichnamigen Buchvorlage der Autorin Liz Jensen, und richtet seinen Fokus explizit auf das Erleben eines kindlichen Hauptprotagonisten in einer nicht nur medizinischen Ausnahmesituation.

Die ersten Minuten des Films offenbaren dabei schnell einen weiteren Überraschungsmoment, denn: es gelingt dem Regisseur durchaus, den Zuschauer mit seinem etwas anderen Einblick in die Gedankenwelt eines kleinen Jungen zu fesseln. Der dezente Ausflug in Richtung einer klassischen Coming Of Age-Geschichte, die gleichermaßen frische wie unkonventionelle Erzählweise irgendwo zwischen einer kindlichen Poesie, fast schon komödiantischen Einschüben und einer subtilen Dramatik geht zunächst wunderbar auf – und macht neugierig auf den weiteren Verlauf des Films. Im selbigen kommt es jedoch, wie es kommen muss: nicht alle der an den Tag gelegten Ideen sind gut respektive sonderlich effektiv, und vor allem hinsichtlich der angepeilten Kohärenz des Films hapert es. Stellenweise sogar gewaltig – was umso deutlicher auffällt, wenn man den eigentlichen Überraschungseffekt des Films zu Rate zieht. Schließlich hat gerade der zwei kaum miteinander vereinbare Seiten, oder anders gesagt: für DAS NEUNTE LEBEN DES LOUIS DRAX ist er Fluch und Segen zugleich.

Denn: so unerwartet die eigentliche Wendung sein mag, eigentlich hat sie nur wenig mit dem zuvor etablierten Atmosphäre des Films am Hut. Streckenweise könnte man somit den Eindruck gewinnen, als handelte es sich bei DAS NEUNTE LEBEN DES LOUIS DRAX um zwei oder drei ineinander verwobene Filme – die nicht immer miteinander harmonieren, und bei deren Verknüpfung einiges auf der Strecke bleibt. Sicher ist es mutig, eine wie hier gezeigte Symbiose aus verschiedenen Genres anzustreben – doch letztendlich wirkt die Mixtur aus Elementen des Coming Of Age-Films, des Dramas, des Thrillers; aber eben auch der Fantasy und des Horrors schlicht etwas zu wild und unentschlossen. Somit bleibt kaum aus, dass sich ein vergleichsweise seltener Gesamteindruck einstellt: die Grundidee inklusive der überraschenden Auflösung bleibt der wohl größte Vorteil in und an LOUIS DRAX, wohingegen der Weg zu eben jener Auflösung auffällig holperig wirkt – und zudem einige Längen aufweist.

Immerhin: Alexandra Aja begeht somit schon einmal nicht den Fehler, viel Lärm um nichts zu machen. Eigentlich ist es hier sogar genau andersherum: die Ausschmückungen um den Kern der Geschichte herum sind es, die für Verdruss sorgen – und nicht die Geschichte an sich. Ein ebenso ambivalentes Gefühl stellt sich auch ein, wenn man die handwerklichen Kniffe, den Soundtrack und die Leistungen der Darsteller in Betracht zieht. Schließlich gilt auch hier: für sich betrachtet macht vieles einen guten Eindruck. Das gilt insbesondere für die teils hervorragenden Aufnahmen, die atmosphärisch inszenierten Schauplätze, die eingestreuten Special Effects oder aus dem Kontext gerissene Einzel-Momente – wie etwa die gruselige Verfolgung einer Schlamm-Spur im Krankenhaus, oder aber die Szenen des Hauptcharakters mit einer zunächst nicht zuzuordnenden Gestalt in Form eines allwissenden Erzählers.

Im Zusammenspiel folgt jedoch die relative Ernüchterung: DAS NEUNTE LEBEN DES LOUIS DRAX will schlicht etwas zu viel, und verhaspelt sich dabei dezent in Bezug auf seine eben nicht oder nur kaum vorhandene Konsequenz. Leicht kritisch muss wohl auch die Leistung des Nachwuchstalentes Aiden Longworth in der für ihn eventuell etwas zu großen Hauptrolle betrachtet werden – auch hier sind einige deutliche Abstriche zu machen. Die angepeilte Emotionalität, das ganz große Einfühlen im Sinne einer übergreifenden Empathie bleibt jedenfalls aus.

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„Eine gute Idee trifft auf eine schwache und inkonsistente Umsetzung.“

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