Metal-CD-Review: HORIZONS EDGE – Let The Show Go On (2018)

Alben-Titel: Let The Show Go On
Künstler / Band: Horizons Edge (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. April 2018
Land: Australien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dinner For Wolves

Alben-Lineup:

Jae Edward – Bass
Dan Moloney – Drums
Eddy Grosso – Guitars
Kat Sproule – Vocals
Josh Ristrom – Guitars

Track-Liste:

1. A New Day Will Dawn
2. Farewell
3. Black Hole
4. Surrender
5. Let the Show Go On
6. Use
7. Holding Out For a Hero
8. Masks
9. In Your Eyes
10. Demons
11. In A Moment
12. Bring Me Home

Die Show ist noch nicht vorbei.

Spricht man von der aufstrebenden Female-Fronted Power Metal-Combo HORIZONS EDGE und der Entwicklung, die die Australier zwischen ihrem Debütalbum HORIZONS EDGE (siehe Review) und dem gerade einmal ein Jahr später erschienenen Nachfolger HEAVENLY REALMS (Review) durchgemacht hatten, so könnte man problemlos von einem in dieser krassen Form eher seltenen Quantensprung ausgehen. Immerhin war und ist das, was die Recken um die ebenso gewitzte wie stimmkräftige Frontfrau Kat Sproule da mal eben als Independent-Release auf die Beine gestellt haben; eine allemal erfrischende und dabei in so gut wie jeder Hinsicht konkurrenzfähige Angelegenheit. Entsprechend wenig verwunderlich ist, dass die Band weiterhin vor Tatendrang brennt – und mit LET THE SHOW GO ON ihr mittlerweile drittes Studiowerk vorlegt.

Auf ihrem bisherigen Erfolg auszuruhen scheinen sich die Australier dabei nicht, oder zumindest nicht allein – schließlich merkt und hört man dem neuen Album durchaus an, dass sich erneut einiges getan hat im Hause HORIZONS EDGE. Anders gesagt: die bereits bekannten und von vielen lieb gewonnenen Qualitäten der Band bleiben den Hörern von LET THE SHOW GO ON erhalten – während die Extraportion Vielfalt und ein teils etwas progressiverer und düsterer Anstrich ein willkommenes Novum sind und das Potential der Band abermals unterstreichen. Das kuriose dabei ist, dass es in Bezug auf LET THE SHOW GO ON schon wieder so wirkt als könnten HORIZONS EDGE eine musikalische Qualität wie die hier offenbarte einfach mal so aus dem Ärmel schütteln – während andere Bands dafür Jahre brauchen.

Natürlich – und um der relativen Lobeshymne Einhalt zu gewähren – soll das aber auch nicht heißen, dass HORIZONS EDGE mit ihrer gerade einmal 6-jährigen Bandgeschichte schon am Ziel wären. Im Gegenteil, schließlich kommt auch LET THE SHOW GO ON mit einigen Schwächen daher – und das zumeist solchen, die nicht unbedingt hätten sein müssen. Beispiele dafür finden sich bereits im insgesamt recht überzeugenden Alben-Auftakt mit Nummern wie dem Opener A NEW DAY WILL DAWN, FAREWELL oder BLACK HOLE: während das hervorragende Songwriting, die ansprechende Atmosphäre inklusive einer gewissen emotionalen Dramatik sowie das Talent der einzelnen Bandmitglieder durchweg überzeugt; könnte sich das ein oder andere Element doch noch als störend erweisen.

Da wären etwa die für die Band typischen, dabei aber sicherlich nicht von jedermann geschätzten Abmischungs- und Produktionsmerkmale – die die Frontfrau Kat Sproule nicht selten so klingen lassen, als wäre sie irgendwo im Hintergrund. Und eben nicht inmitten des Geschehens – wie es etwa bei den auch sonst noch etwas stärkeren Kollegen von den ANCIENT BARDS der Fall ist. Ein noch deutlicherer und streitbarerer Aspekt in den Kompositionen von HORIZONS EDGE ist aber sicherlich der recht überbordende Keyboardeinsatz – der auf dem vorliegenden LET THE SHOW GO ON einen explizit elektronischen Anstrich hat. Zwar nimmt das Ganze nicht unbedingt die Ausmaße einer Produktion der Marke SYNTHPHONIA SUPREMA an, die ihre Musik passenderweise als Synth Metal bezeichnen – doch es ist nah dran. Zumindest Power Metal-Puristen sollten so eher verschreckt werden, und folgerichtig einen großen Bogen um HORIZONS EDGE machen. Aber auch die (glücklicherweise seltenen) expliziten Balladen gehören nicht zum besten, zu was HORIZONS EDGE imstande sind – zumal sich entsprechende emotionale Ansätze in so gut wie allen Titeln finden, und ihre volle Wirkung erst in der musikalischen Gegenüberstellungen entfalten. Anders gesagt: Titel wie IN YOUR EYES oder gar das völlig deplatziert wirkende Interlude MASKS hätten sich die Australier gleich komplett schenken sollen.

In Anbetracht einiger nicht gerade guter, vielmehr eher anstrengender Instrumentalparts in anderen Titeln (beispielsweise wenn man so aufdreht und das Keyboard quält wie gegen Ende von BLACK HOLE) könnte man in Bezug auf HORIZONS EDGE also durchaus auch von einem zweischneidigen Schwert sprechen. Oder einer Band, deren Vorteile respektive Alleinstellungsmerkmale nicht selten Gefahr drohen, ins absolute Gegenteil verkehrt zu werden. Fest steht wohl nur, dass die Australier noch reichlich Arbeit vor sich haben – und eine klangliche Perfektion, sofern diese in Bezug auf den Power Metal überhaupt zu definieren ist; anders klingt. Aber wie es eben so ist: es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, zumindest nicht bis heute. Eine gute Alternative zu ähnlich klingenden, leider nur ehemals vielversprechenden Bands wie GHOSTHILL sind HORIZONS EDGE aber schon jetzt.

Absolute Anspieltipps: A NEW DAY WILL DAWN, FAREWELL, LET THE SHOW GO ON


„Stellenweise über das Ziel hinausgeschossen und Sound-technisch nicht optimal – aber dennoch eine willkommene Abwechslung und eine Band mit reichlich Potential.“

Metal-CD-Review: HORIZONS EDGE – Horizons Edge (2014)

Alben-Titel: Horizons Edge
Künstler / Band: Horizons Edge (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2014
Land: Australien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Eddy Grosso – Guitars
Campbell Hill – Keyboards
Kat Sproule – Vocals
Noel McConnell – Bass
Andy Sharp – Drums
Dom Todorov – Guitars

Track-Liste:

1. World to Come (06:38)
2. Learning to Fly (05:26)
3. Serpent (05:54)
4. Strength Within (06:26)
5. Horizons Edge (06:30)
6. Undying Lands (05:04)
7. King Will Rise (07:27)
8. Quest for Vengeance (05:21)

Aller Anfang ist schwer – will aber gemacht sein.

Der ein oder andere Beobachter des Power Metal-Jahres 2015 könnte oder sollte sie durchaus auf dem Schirm gehabt haben: die australischen Power Metaller von HORIZONS EDGE, die auf ihrem Album HEAVENLY REALMS (siehe Review) ein überraschend gut funktionierendes und angenehm melodisches Genre-Fest zelebrierten. Doch wenngleich man annehmen könnte, dass es sich hierbei um das Debütalbum der engagierten Musiker um die markant agierende Frontfrau Kat Sproule gehandelt haben müsste; liegt dezent falsch. Denn: das eigentliche Debütalbum der Band ist knapp ein Jahr älter, und fristet ein eher stiefmütterliches Dasein. Dabei ist das nicht die einzige Überraschung, denn: das hier gemeinte und wie die Band selbst betitelte HORIZONS EDGE hatte und hat nur verdächtig wenig mit dem erst auf HEAVENLY REALMS perfektionierten Sound der Band gemein. Immerhin; es handelt sich hier um ein reines Independent-Release und so gesehen auch die erste ungeschliffene Werkschau der Band, welches HORIZONS EDGE erst die Möglichkeit gab weiter aufzusteigen – und doch hätte man schon hier von einer stärkeren Leistungen ausgehen können oder müssen, gerade in der retrospektiven Betrachtung.

Schließlich klingt das hier präsentierte Material nicht nur recht ungeschliffen, wozu auch die dezent garagenartige Produktionsqualität zu passen scheint. Auch die Darbietung von Kat Sproule lässt hier eher zu wünschen übrig, und will vor allem nicht wirklich mit den schroffen Instrumentalparts harmonieren. Und überhaupt: seien es die nicht gerade aussagekräftigen Inhalte, die teils frappierenden Ähnlichkeiten (in Bezug auf die Gesangsstrukturen und die Grund-Instrumentierungen innerhalb der einzelnen Nummern) oder das Gefühl, dass an der ein oder anderen Stelle einfach etwas fehlt oder warum-auch-immer nicht im Hinblick auf einen stimmigeren Gesamteindruck ausgeführt wurde – all das lässt einfach keinen Zweifel daran, dass der Sound von HORIZONS EDGE noch stark ausbaufähig war. Anders gesagt: wirklich überzeugend klang die Band hier nicht, eher wie ein nicht einmal ansatzweise geschliffener Rohdiamant. Umso erstaunlicher ist, welchen Quantensprung die Australier innerhalb einer kurzen Zeit von gerade einmal einem Jahr hingelegt haben – hin zu einer eigenen Identität, zu einem weitaus treffender in Szene gesetzten Sound; und zu einem Album wie HEAVENLY REALMS.

Absolute Anspieltipps: UNDYING LANDS, QUEST FOR VENGEANCE


„Vergleichsweise schwach und am ehesten für Die-Hard-Fans geeignet – alle anderen greifen lieber gleich zum späteren HEAVENLY REALMS.“

Metal-CD-Review: HORIZONS EDGE – Heavenly Realms (2015)

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Alben-Titel: Heavenly Realms
Künstler / Band: Horizons Edge (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. September 2015
Land: Australien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Eddy Grosso – Guitars
Campbell Hill – Keyboards
Kat Sproule – Vocals
Ryan Koetsveld – Bass
Dean Lewer – Drums
Josh Ristrom – Guitars

Track-Liste:

1. Vagabond (05:31)
2. Out of the Ashes (04:40)
3. Heavenly Realms (04:18)
4. Ride the Stars (06:38)
5. Empire (05:04)
6. Sign of the Times (06:24)
7. Life After Death (06:18)
8. Head Honcho (Gown cover) (04:23)

Bis zum Rande des Horizonts – und noch viel weiter.

Ja, wer oder was ist denn eigentlich HORIZONS EDGE ? Allzu lange existiert die aus Australien stammende Power Metal-Formation noch nicht, und auch ein interessiertes Label hat sich offenbar noch nicht gefunden. Dabei scheinen die sich ausnahmsweise mal wieder um eine Frontfrau namens Kat Sproule scharenden Musiker bestrebt, mit ihrer 2012 gegründeten Band irgendwann einmal weit mehr zu erreichen als ihre Werke ausschließlich über ihren offiziellen Bandcamp-Account zu vermarkten. Immerhin: während das 2014’er Debütalbum dort nur in rein digitaler Form zu erwerben ist, kann man den Nachfolger HEAVENLY REALMS auch in einer ansprechenderen physikalischen Variante mit Booklet erwerben. Und: allein von der Präsentation her ist der Band dieser erste handfeste Angriff auf die internationale Power Metal-Szene schon einmal gelungen.

Das eventuell als dezent kitschig zu bezeichnende, aber dennoch interessante und im Endeffekt überraschend stimmige Artwork des Albums braucht man dabei aber gar nicht erst für sich sprechen zu lassen. HORIZONS EDGE machen schließlich keinen Hehl daraus, dass sie geradezu in das Genre vernarrt sind – und es darauf anlegen, einen möglichst zeitlosen Power Metal mit vielen eher Genre-typischen Trademarks zu inszenieren. Fakt ist somit, dass sie das Rad mit HEAVENLY REALMS so alles andere als neu erfinden – doch vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Etwas gutes hat das Album schließlich in jedem Fall: man spürt einfach, dass hier einiges an Herzblut investiert wurde und die Band nicht nur sich selbst; sondern vor allem das übergeordnete Genre feiert. Die extrem eingängigen und zutiefst melodischen Kompositionen sprechen jedenfalls dafür – wobei gerade dieser Aspekt nicht unwichtig ist und das Schaffen der Band sehr gut beschreibt.

Glücklicherweise ist das aber nicht das einzige, was HEAVENLY REALMS für den geneigten Genre-Konsumenten interessant macht. Ganz im Gegenteil, HORIZONS EDGE scheinen über vielerlei Qualitäten zu verfügen – angefangen bei den handwerklichen Leistungen der einzelnen Mitglieder, über die Qualität und das Songwriting der einzelnen Titel selbst bis hin zu etwaigen Feinabstimmungen und Produktions-relevanten Aspekten. Das vorliegende Album klingt so nach vielem – nur nicht nach dem einer noch nicht allzu lange aktiven Band, deren Mitglieder über kaum Erfahrungen verfügen. Anders gesagt: von vorne bis hinten stimmt hier vieles. Genre-Enthusiasten werden sich vor allem am gleichermaßen klassischen wie verspielten Riffing inklusive einiger großzügiger Soli-Passagen einen Narren fressen können – oder eben an den durchweg gelungenen Refrains, die alle explizite Ohrwurm-Qualitäten besitzen.

Der einzige Knackpunkt, oder eher potentielle Streitpunkt der Band liegt vermutlich in der Gesangsdarbietung von Kat Sproule begründet. Hier handelt es sich durchaus um eine vergleichsweise einzigartige Sängerin mit einer einzigartigen Stimmfarbe, an die man sich erst gewöhnen muss. So ist es auch kein Wunder, dass es schwerfällt sinnige Vergleiche anzustellen. Fakt ist nur, dass sie nicht zu den klassischen Metal-Diven der Marke Opernsängerin gehört – sondern einen eher bodenständigen Eindruck macht. Aber, und das ist der Vorteil: dennoch keinen kraftlosen oder gar zu vernachlässigenden. Schade ist nur, dass sie neben vielen solideren Momenten auch mal etwas ungünstig klingt – wie etwa im ansonsten angenehm progressiven SIGN OF TIMES. Schlussendlich: HEAVENLY REALMS zeugt von höchst soliden handwerklichen Leistungen, klingt wunderbar verspielt und hymnisch, ist vollgepackt mit mitreißenden Instrumentalpassagen – und lässt sich kaum mit anderen Genre-Alben vergleichen. So gelingt der Band schließlich doch noch der Spagat zwischen einer absoluten Genre-Treue und dem Hinzufügen neuer und frischer Eindrücke.

Absolute Anspieltipps: VAGABOND, OUT OF THE ASHES, RIDE THE STARS


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„Ein überraschend markantes Album irgendwo zwischen ORATORY, POWER QUEST, GHOSTHILL und BLACK MAJESTY – aber mit einer eigenen Identität.“