Metal-CD-Review: HOLY SHIRE – Midgard (2014)

holy-shire_midgard_500

Alben-Titel: Midgard
Künstler / Band: Holy Shire (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 13. Mai 2014
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic / Progressive Power Metal
Label: Bakerteam Records

Alben-Lineup:

theMaxx – Drums
Reverend Jack – Keyboards
Aeon – Vocals (lead)
Ale – Flute
Andrew Moon – Guitars (lead)
Ed Gibson – Guitars (rhythm)
Piero Chiefa – Bass
Elisa – Vocals (choirs)

Track-Liste:

1. Bewitched (My Words Are Power) (04:06)
2. Winter Is Coming (05:52)
3. Gift of Death (04:47)
4. Overlord of Fire (04:19)
5. Holy Shire (05:39)
6. The Revenge of the Shadow (06:38)
7. Beyond (05:57)
8. Holy War (04:05)
9. Midgard (08:34)

Manchmal ist nicht wirklich das drin, was draufsteht.

Wie viele symphonische Power Metal-Bands es tatsächlich gibt, weiß wohl niemand so genau. Fakt ist nur, dass sich das Genre nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Auch in Italien, dem Heimaltland nicht gerade weniger Gernevertreter; und nicht zuletzt den ganz großen Wegweisern a’la RHAPSODY OF FIRE. Manchmal kann es sich jedoch auch lohnen, einen Blick auf die noch nicht ganz so etablierten Neulinge zu werfen – wie nun auch HOLY SHIRE, die mit MIDGARD ihr Debütalbum vorlegen. Zwar gab es bereits zuvor eine Demo sowie eine EP, doch erst jetzt hat man sich mit dem Label BAKERTEAM RECORDS zusammengetan um eine breitere Distribution zu ermöglichen. Was also taugt das Album, ist es nur ein verzweifelter Versuch die ganz großen des Genres nachzuahmen – oder bietet es ausreichend Potential und Eigenständigkeit, um sich in der Masse an Veröffentlichungen zu behaupten ?

Um eine Beurteilung vorzunehmen, hilft es das Album zunächst grob einzuordnen. HOLY SHIRE setzen wie beispielsweise auch die ANCIENT BARDS auf einen weiblichen Leadgesang (in diesem Falle sogar von zwei Damen), und orientieren sich hinsichtlich ihrer instrumentalen Strukturen eher an progressiven denn an wirklich episch-bombastischen Elementen. Grundsätzlich handelt es sich um zwei vergleichsweise markante Merkmale, die die Band in einem interessanten Licht dastehen lassen – zumindest theoretisch. Denn hinter jenen beiden Alleinstellungsmerkmalen verbirgt sich im Falle von HOLY SHIRE nicht immer lupenreine Qualität. Es beginnt bereits mit dem recht gewöhnungsbedürftigen Leadgesang – der insofern überrascht, als dass er zumeist weniger weiblich klingt als eventuell vermutet. Sängerin Erika Ferraris, die hier in die konzeptionelle Rolle von Aeon schlüpft; gibt sich eher bodenständig, rau und manchmal geradezu röhrend. Das Problem: ihrer Stimme scheint es einfach zu offensichtlich an Kraft zu mangeln, der etwas matschige Mix unterstützt diesen Eindruck noch. Sie klingt am ehesten wie eine schwachbrüstigere Version von Marta Gabriel (CRYSTAL VIPER), je nachdem in welcher Stimmlage sie gerade singt – und schafft es im weiteren Alben-Verlauf nicht, eine wirklich nachhaltige Leistung abzuliefern. Aber auch ihre eher operettenhafte agierende Kollegin, mit der sie sich immer wieder abwechselt (nur selten kommt es zu Überschneidungen – schade eigentlich), hinterlässt im besten Fall nur einen durchschnittlichen Eindruck. Das Paradoxe: selbst mit zwei Sängerinnen schafft man es nicht, wirklich etwas zu reißen – während bei der Konkurrenz immer nur eine Dame das Zepter in der Hand hält; was in dem meisten Fällen auch absolut ausreicht. Doppelt hält also nicht zwingend besser.

Auf der instrumentalen Seite sieht es indes ganz ähnlich aus. Ein riesiges Manko ist auch hier die fehlende Kraft und Ausdrucksstärke, die viele Momente oder gar ganze Titel wie belangloses Gedudel erscheinen lässt – bereits der Opener BEWITCHED könnte hier als Paradebeispiel fungieren. Hier möchte man förmlich nach einer Alternative schreien – entweder in Form eines reinrassigen Heavy Metals a’la CRYSTAL VIPER, oder wenn schon eher bedächtig und emotional, nach einer Band wie DAWN OF DESTINY. Selbst die Tatsache, dass es vor allem im weiteren Verlauf immer wieder zum Einsatz von klassischen Elementen wie beispielsweise Flötenklängen und einem auf symphonischen Bombast getrimmten Keyboard kommt, macht es nicht wirklich besser – die Ambition etwas episches zu erschaffen ist spürbar, die Ausführung jedoch enttäuscht. In den späteren Titeln machen HOLY SHIRE dann zumindest teilweise klar, was möglich ist respektive wäre – einige Instrumentalparts (wie der eher Riff-lastige von GIFT OF DEATH) oder auch Gesangsparts (wie der schon etwas kraftvollere im Titeltrack HOLY SHIRE) wirken im einzelnen überzeugend, im Hinblick auf die Gesamtwirkung aber lässt sich einfach kein Blumentopf gewinnen. Höchst merkwürdig erscheint auch die Tatsache, dass die Titel offenbar nicht gleichmäßig abgemischt wurden: speziell bei OVERLOAD OF FIRE klingt die Flöte plötzlich omnipräsent, während der Gesang in den Hintergrund rückt. Dies im Zusammenspiel mit dem manchmal etwas zu häufig abgewechseltem Gesang (Rock-Röhre meets Opern-Diva) für einen etwas diffusen, unentschlossenen Eindruck.

MIDGARD hält so leider nicht wirklich, was der Titel verspricht – von einem konkurrenzfähigen Konzeptalbum aus dem Bereich des symphonischen Power Metals ist das Erstwerk von HOLY SHIRE eindeutig noch weit entfernt. Viel zu bemüht wirken einzelne Ansätze, viel zu kraftlos so manche Passage, viel zu unspektakulär das Album im gesamten. Kein einziger Titel schafft es, nachhaltig hervorzustechen – zumal sich die wenigen Aha-Momente schnell wieder relativieren. Dennoch sollte man die Hoffnung nicht aufgeben – denn ganz und gar talentlos wirkt die Band nicht. Vielleicht braucht es einfach noch mehr Übung, Erfahrung und eventuell auch Hilfestellungen – dann könnten sich HOLY SHIRE im Hinblick auf ein potentielles Nachfolgealbum sicher noch dramatisch verbessern. So aber bleibt es bei einem höchst durchschnittlichen Album ohne wirkliche Höhepunkte.

Absolute Anspieltipps: GIFT OF DEATH, HOLY SHIRE


50button

„Einfach viel zu schwach auf der Brust.“