Metal-CD-Review: HOLY KNIGHTS – A Gate Through The Past (2002)

Alben-Titel: A Gate Through The Past
Künstler / Band: Holy Knights (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2002
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Claus Jorgen – Drums
Mark Raven – Keyboards, Vocals
Syl Raven – Bass
Federico Madonia – Guitars
Danny Merthon – Guitars

Track-Liste:

1. March of Brave Knights (01:39)
2. Sir Percival (Immortal Knights) (05:49)
3. Lord of Nightmares (05:35)
4. The Revival of the Black Demon (00:57)
5. Gate Through the Past (06:17)
6. Love Against the Power of Evil (06:14)
7. Rondeau in a Minor (00:34)
8. Quest of Heroes – Part I (03:29)
9. Quest of Heroes – Part II (04:30)
10. The Promise (04:49)
11. Under the Light of the Moon (03:29)
12. When the Rest Let Down (02:42)

Manche Geschichten werden niemals alt.

Die HOLY KNIGHTS sind eine 1998 gegründete, aus dem Herzen Italiens stammende Power Metal-Truppe um den Leadsänger Dario Di Matteo aka Mark Raven; deren erste offizielle Demo GATE THROUGH THE PAST pünktlich zur Jahrtausendwende erschien. Nach dem vielversprechenden Einstieg in die hiesigen Genre-Welten folgte schließlich schon im Jahre 2002 das fast gleichnamige Debütalbum A GATE THROUGH THE PAST, damals über das Label Underground Symphony. Immerhin, auch das ist schon wieder ganze 15 Jahre her – und doch hat das Album bis heute nichts oder nur wenig von seiner ursprünglichen Faszinationskraft eingebüßt. Mit ein Grund dafür ist sicher auch ein gewisser Zeitbonus: viele gängige Power Metal-Klischees erschienen im Jahre 2002 noch längst nicht so ausgelutscht wie heute – womit die HOLY KNIGHTS einst gemeinsam mit anderen schon früh nach den Sternen greifenden Combos wie RHAPSODY, DARK MOOR oder LABYRINTH relatives Neuland betraten und entsprechend frisch klangen.

Neben den vor allem in Bezug auf die symphonische Komponente respektive die klassischen Instrumentensounds zu nennenden RHAPSODY hatten die HOLY KNIGHTS aber noch eine andere – und vielleicht sogar treffendere – Partnerband, die eine ganz ähnliche Marschrichtung eines heroisch angehauchten europäischen Power Metals bediente. Und das waren THY MAJESTIE – deren maßgebliches Zweitwerk HASTINGS 1066 (siehe Review) ebenfalls im Jahre 2002 erschien und dabei durchaus mit A GATE THROUGH THE PAST vergleichbar ist. Zumindest, wenn man den von THY MAJESTIE gerne mal anberaumten historischen Kontext außen vor lässt. Denn auch wenn sich die HOLY KNIGHTS mit ihren wuchtigen Chören, atmosphärischen Zwischenspielen und einer greifbar erzählten Geschichte ganz ähnlich inszenierten, bedienten sie doch eher die Fantasy-Sparte des Genres. Eben das taten sie aber nicht minder effektiv – im Falle der insgesamt 12 auf dem Album enthaltenen Titel stimmt eigentlich so gut wie alles.

Angefangen beim höchst soliden Handwerk über die dezent klischeehafte, aber niemals überzeichnete Präsentation bis hin zur einzigartigen Gesamtwirkung legten die Italiener mehr als ordentlich vor – selbst etwaige technische Sound-Aspekte (wie die Aufnahme, Abmischungs- und Produktionsqualität) waren und sind für ein Debütalbum einiger bisher nicht großartig in Erscheinung getretener Musiker allemal respektabel. Mindestens aber verhindern sie nicht nennenswert, dass man auch heute noch in den Alben-Kosmos einsteigen kann ohne sich zusätzlich wappnen zu müssen. Betrachtet man A GATE THROUGH THE PAST dagegen möglichst kritisch, könnte oder müsste man am ehesten das mit merkwürdigen Sprech-Passagen versehene Intro und das Zwischenspiel THE REVIVAL OF THE BLACK DEMON belasten.

Immerhin, das ebenfalls recht kurze RONDEAU IN A MINOR, sowie das atmosphärische Outro WHEN THE REST LET DOWN mit seinen grandiosen weiblichen Gastgesängen könnten hier als Ausgleich gewertet werden. Je nach Facón versteht sich, wer ohnehin auf Zwischenspiele verzichten kann widmet sich lieber gleich den immerhin noch 8 verbleibenden vollwertigen Titeln. Die haben es dann auch tatsächlich alle in sich – den schön schroffen Gitarren, dem gut in Szene gesetzten Bass, dem variabel agierenden Schlagzeug und dem soliden Leadgesang von Mark Raven sei Dank. Als besondere, eventuell eher unerwartete Schmankerl fungieren darüber hinaus der alles andere als kitschig daherkommende, unverkennbare Keyboardsound sowie die hie und da eingeschobenen symphonischen Elemente. In der Tat sorgt das Zusammenspiel der Instrumente innerhalb der gelungenen Kompositionen so schnell dafür, dass man den HOLY KNIGHTS zu jeder Zeit abnimmt, was sie da von sich geben.

Anders gesagt: es scheint fast, als wären die HOLY KNIGHTS in einem vergangenen Jahrhundert geboren worden – oder würden sich zumindest stark für eben jene längst vergangenen Zeiten interessieren. Der starke Bezug zum Mittelalter ist jedenfalls omnipräsent, lässt das Album aber keineswegs altbacken klingen – sondern eher majestätisch und zeitlos. Und wenn selbst die Ballade des Albums (LOVE AGAINST THE POWER OF EVIL) ein Highlight für sich ist, soll das schon was heißen. Fans der frühen Werke von RHAPSODY, THY MAJESTY oder auch DARK MOOR sollten ein Album wie A GATE THROUGH THE PAST definitiv ihr Eigen nennen.

Absolute Anspieltipps: SIR PERCIVAL, A GATE THROUGH THE PAST, QUEST OF HEROES, LOVE AGAINST PURE EVIL, THE PROMISE, UNDER THE LIGHT OF THE MOON


„Ein klassisches, offenbar gerne mal übersehenes Power Metal-Juwel.“

Metal-CD-Review: HOLY KNIGHTS – Between Daylight And Pain (2012)

Land: Italien – Stil: Melodic / Symphonic Power Metal

01. Mistery
02. Frozen Paradise
03. Beyond The Mist
04. 11 September
05. Glass Room
06. Wasted Time
07. Awake
08. The Turning To The Madness
09. Resolution (Japan Bonus Track)

Ein unerwartetes und fulminantes Comeback.

Vorwort: Die HOLY KNIGHTS sind zurück – nach unglaublichen 10 Jahren Pause haben sie mit BETWEEN DAYLIGHT AND PAIN endlich ihr neues Album am Start. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei dieser Zeitspanne auch um einen Rekord der ungewöhnlichen Art handelt  – denn welche Power Metal-Band hat sonst schon ein derart lange Pause zwischen zwei Alben in ihrer Diskografie ? Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass das vorliegende Album ihr erst zweites offizielles Werk ist – das vor 10 Jahren veröffentlichte A GATE THROUGH THE PAST war ihr Debüt. Offenbar gab es nach der Veröffentlichung desselben einen Streit, der dazu führte dass das Projekt HOLY KNIGHTS erst einmal auf Eis gelegt wurde – erst im März dieses Jahres kam es zur Wiedervereinigung. Die aktuelle Besetzung besteht aus gerade einmal drei Mann, die Rollen sind entsprechend aufgeteilt: Dario Di Matteo sorgt für die Vocals und Keyboards, Claudio Florio zeichnet sich für die Drums verantwortlich, Simone Campione für die Gitarren und den Bass. Letzter stiess erst 2012 und im Zuge der Neugründung zur Band, während die anderen beiden die einzigen der 5 ehemaligen Gründungsmitglieder sind. Wie also klingt ein Album wie BETWEEN DAYLIGHT AND PAIN – steigt es auf wie (ein) Phönix aus der Asche, oder sollte der künstlerischen Ambition hinter dem Akt der ungewöhnlichen Wiederbelebungsmaßnahme weniger Tribut gezollt werden ?

Kritik: Muss man sich im Zuge einer Rezension wie dieser überhaupt noch fragen, wie die HOLY KNIGHTS damals und vor 10 Jahren geklungen haben ? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Eines ist jedenfalls klar: die Italiener haben quasi alle allgemein notwendigen Zwischenschritte ausgeklammert, die üblicherweise zwischen einem Debütalbum und einem Werk wie BETWEEN DAYLIGHT AND PAIN liegen. Schließlich sollte man sich im Normalfall als aktiver Musiker engagieren, um sich weiterentwickeln zu können – doch es scheint, als fielen die HOLY KNIGHTS nur in eine Art Schönheitsschlaf, aus dem sie nun voller Tatendrang wieder erwacht sind. So bemerkt man kaum, dass die Band im Laufe der Jahre weniger Erfahrungen sammeln konnte als viele Genrekollegen. Ein fulminant-satter Opener wie MISTERY stellt dies recht schnell klar – die HOLY KNIGHTS scheinen hier vor einer gewissen Spielfreude zu explodieren, und wollen der Welt endlich zeigen, was in Ihnen steckt. Vergessen sind die Tage des Debütalbums, dass zwar solide war aber produktionstechnisch eindeutig wie ein solches klang – BETWEEN DAYLIGHT AND PAIN donnert von der ersten Sekunde an äusserst druckvoll und organisch durch die Boxen. Der hohe Klargesang von Dario Di Matteo wirkt individuell und recht unverwechselbar – gerade die Harmonie von gemäßigteren, kräftigen Gesangslagen und den hohen Screams und Refrain-Passagen ist bemerkenswert. Wenn man indes unbedingt einen vergleichbaren Sänger zu Rate ziehen sollte oder müsste, wäre dies wohl Jonas Heidgert von DRAGONLAND. Fans typischer, aber doch ausreichend markanter und abwechslungsreicher Power Metal-Stimmen werden voll auf ihre Kosten kommen.

Aber, warum kommen dem geneigten Power Metal-Freund Klänge wie die aus MISTERY irgendwie verdächtig bekannt vor ? Wohlgemerkt, es klingt bekannt – aber nicht wie eine Kopie. In der Tat gibt es eine explizite Vergleichsband, und das nicht von ungefähr: der neue Bassist und Gitarrenmeister kommt von den Italienischen Genrekollegen THY MAJESTIE. So bekommt man eine recht gute Orientierungsmöglichkeit geboten – wer bereits zu Klängen a’la HASTINGS 1066 abfeiern konnte, sollte auch hier ein Ohr riskieren. Doch weiter im Text. FROZEN PARADISE beginnt als andächtige Ballade mit leicht sphärisch-klassischem Touch. Beeindruckend, und alles andere als kitschig: die Performance von Dario Di Matteo als Meister vieler Gesangslagen. Gerade dieser Titel stellt sich indes als überraschend abwechslungsreich und vielfältig heraus – und klingt aufgrund dessen sogar leicht progressiv. Markante Tempo- und Stimmungswechsel, ein satter aber wohl platzierter Einsatz des Keyboards, ein feucht-fröhlicher Power Metal-Uptempopart – hier bleiben keine Wünsche offen. Zumal das Ganze äusserst geschickt und professionell inszeniert wird. BEYOND THE MIST ist ein weiterer dieser reichlich abwechslungsreichen Titel – in denen greifbare Entwicklungen stattfinden. Markant ist die Symbiose aus härteren Metal-Elementen und den symphonischen, das Ganze etwas auflockernden Piano- und Streicherklängen. Eine tolle Komposition, die weitaus weniger ‚künstlich‘ wirkt als bei nicht wenigen Genrekollegen.

Das folgende Stück hört auf den Namen 11 SEPTEMBER – und auch wenn dies grundsätzlich auf weniger gutes schließen lassen sollte (welche Metal Combo befasst sich schon anständig mit Katastrophen, ausser letztaktuell vielleicht INTO ETERNITY), stellt sich die Nummer als waschechter Geheimtipp heraus. Ein seltsames Wechselspiel der Gefühle und die besondere innere Auseinandersetzung wirken beinahe surreal, und entfalten schnell eine enorme Wirkungskraft. Auch musikalisch geht es rund, eine markante Passage folgt auf die nächste. Mal klingt das Teil wie eine typische Power Metal-Uptemponummer, mal vermehrt nach Filmmusik – dabei aber immer stark nach einer Hymne. GLASS ROOM klingt anfänglich genau so zerbrechlich wie es die Titulierung impliziert – doch alsbald setzt eine enorm kraftvolle Instrumentierung ein, die kontinuierlich auf den eindrucksvollen Refrain zusteuert. Ein wenig GALLOGLASS, ein wenig RHAPSODY OF FIRE, und eine Riesenportion HOLY KNIGHTS – fertig ist das nächste klar auszumachende Highlight des Albums. Ein sattes Riffing, tolle Keyboardelemente und der starke Gesang ziehen den geneigten Power Metal-Fan schnell in ihren durchaus fesselnden Bann. Das folgende AWAKE ist mit der erste und einzige Titel, der von der ersten Sekunde an ordentlich Zunder vorgibt – und entsprechend rasant voranprescht. Eine solide Nummer – etwas typisch und gewöhnlich zwar, doch mit einer ordentlichen Portion Power ausstaffiert. THE TURNING TO THE MADNESS, eine leider etwas ‚übersteuert‘ klingende Nummer (die zwar ruhig gehalten ist, doch Gesang und einzelne Elemente scheinen die Boxen zum Bersten zu bringen) und der Bonustrack RESOLUTION runden das Album ab. Letzter Titel ist noch einmal ein kleines Highlight für Japan-Fans: wer weiss, welcher bekannte Originaltitel dieser Coverversion zugrunde liegt, erhält einen Preis. Oder auch nicht – einfach mal hier reinhören.

Fazit: Wer Power Metal-Bands a’la THY MAJESTIE, DRAGONLAND, DREAMTALE, LABYRINTH oder die früheren CELESTY gutheissen und sich frohen Mutes auf die jeweils symphonisch-bombastischen Klangwelten einlassen kann, der sollte auch mit der neuen HOLY KNIGHTS-Scheibe gut bedient sein. Das einzige Manko, wenn man es denn als solches bezeichnen möchte, ist der letzte fehlende Schliff hinsichtlich einer noch größeren Einzigartigkeit. Die Qualität, die mit den ersten Titeln vorgelegt wird ist enorm – man kann sie im weiteren Verlauf und nach GLASS ROOM nicht mehr wirklich halten. So avanciert BETWEEN DAYLIGHT AND PAIN zu einem sehr guten Power Metal-Album – aber nicht ganz zu einem unvergleichlichen Meisterwerk. Sei es drum – die Überraschung ist den Italienern allemal gelungen. Das neue Album macht Spaß, ist rundum satt produziert und bietet ein solides Maß an Abwechslung.

Anspieltipps: MISTERY, FROZEN PARADISE, 11 SEPTEMBER, GLASS ROOM