Metal-CD-Review: HOLY GRAIL – Ride The Void (2013)

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Alben-Titel: Ride The Void
Künstler / Band: Holy Grail (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Blake Mount – Bass
Tyler Meahl – Drums
Eli Santana – Guitars
James-Paul Luna – Vocals
Alex Lee – Guitars

Track-Liste:

1. Archeus 2:15
2. Bestial Triumphans 5:48
3. Dark Passenger 4:11
4. Bleeding Stone 4:20
5. Ride The Void 4:30
6. Too Decayed To Wait 4:12
7. Crosswinds 4:07
8. Take It To The Grave 3:49
9. Sleep Of Virtue 4:49
10. Silence The Scream 5:29
11. The Great Artifice 3:49
12. Wake Me When It’s Over 1:15
13. Rains Of Sorrow 4:32

Die alte Schule gegen die neue. Oder was es mit der neuen ?

Bei einem Bandnamen wie HOLY GRAIL meint man, in jedem Fall auf eine Band zu stoßen die seit Ewigkeiten im Geschäft ist. Besonders dann, wenn die Musik der US-Amerikanischen True Metaller auch noch derart oldschoolig anmutet. Tatsächlich wurden HOLY GRAIL aber erst im Jahre 2008 gegründet. Und das von 3 Ex-Mitgliedern von WHITE WIZZARD, einer ganz ähnlichen Band mit – welche Überraschung – einer ähnlichen Ausrichtung und einem beinahe deckungsgleichen Werdegang. Doch heute geht es um HOLY GRAIL – RIDE THE VOID ist das kürzlich erschienene neue Album der Band, und gleichzeitig das zweite Studioalbum nach dem respektablen Debüt CRISIS IN UTOPIA aus dem Jahre 2010.

Sicher könnte man über die Frage, ob die Welt unbedingt ein Album braucht, welches verschiedene Einflüsse zu einem neuen großen Ganzen verwebt, diskutieren. Doch gerade diese Herangehensweise macht HOLY GRAIL so einzigartig – schließlich gibt es nicht unbedingt eine Vielzahl an Bands, die in einer ähnlichen Manier Oldschool-lastige Einflüsse des Heavy Metal und speziell der NWOBHM mit einem derart modernen Sound kombinieren. Zumindest nicht, wenn das Ergebnis noch einigermaßen akzeptable klingen soll – diese Hürde nehmen HOLY GRAIL also schon einmal mit Leichtigkeit. Aber bringt man es vielleicht sogar zu (noch) mehr ?

In der Tat geht den Amerikanern besonders der Alben-Auftakt geradezu locker von der Hand, ohne dass dabei irgendwelche qualitativen Einbußen registriert werden könnten. BESTIA TRIUMPHANS trumpft nach dem etwas unspektakulären Opener ordentlich auf – und serviert nicht nur höchst gelungene Darbietungen in Bezug auf die Gitarren, den Bass und den Gesang – sondern vermag es auch mit zahlreichen Breaks und überraschenden Elementen für einen hohen Unterhaltungswert zu sorgen. Das Teil strotzt geradezu vor Energie – ein Eindruck, der sich schnell auf den Hörer überträgt und ihn an das Album bindet. So sorgt – neben dem hochklassigen Gitarren-Gefrickel – vor allem der Leadgesang von James-Paul Luna
auch in den folgenden Titeln für eine ganz besondere persönliche Note. Und genau so etwas braucht es im Metal – um nicht in der schieren Masse an Veröffentlichungen unterzugehen.

Dabei ist sein Talent als Sänger als gar nicht mal allzu aussergewöhnlich zu beschreiben; doch scheinen gerade die Gitarren perfekt auf seine Stimmlage und seine Rhythmik abgestimmt zu sein – und andersherum. Grundsätzlich klingt seine Stimme eher sanft, und ist vornehmlich in gemäßigten Lagen anzutreffen – doch auch eine gewisse Rauheit kommt ihr nicht abhanden. In einem Fall wie diesem hört man einfach gerne zu – auch, da man zu keinem Zeitpunkt mit merkwürdigen oder ausschweifenden Stimm-Experimenten konfrontiert wird. Herr Luna zieht sein Ding durch – und bildet mit den Gitarren, meisterlich gehandhabt von Alex Lee und Eli Santana (der diesen Namen aber offenbar nur zufällig trägt) die beiden musikalischen Grundpfeiler von HOLY GRAIL. Was also soll mit diesem immerhin 13 Titel starken Album noch schiefgehen ?

Ersteinmal nichts – denn auch im Mittelteil rocken HOYL GRAIL ordentlich ab, und präsentieren mit Nummern wie BLEEDING STONE die perfekte Mixtur aus LORD und TWISTED TOWER DIRE. Ein bisschen düster, dabei aber immer verdammt melodiös und episch. Der Titeltrack RIDE THE VOID legt noch eine Schippe drauf, und serviert neben all den ohnehin schon vorhandenen Vorzügen einen wunderbar eingängigen Refrain. TOO DECAYED TO WAIT startet mit einer Gitarrenperformance der Extraklasse, und begeistert auch danach mit seinem flotten Grundtempo und den melodischen Verschnaufpausen. Dann, gegen Mitte / Ende hin aber wird es zumindest teilweise offenbar: wirkliche Ausnahme-Nummern sind auf RIDE THE VOID nicht unbedingt vertreten. Vielmehr wirkt das Album wie aus einem Guss, einem hochqualitativen zwar – aber die ganz große Überraschung bleibt aus.

Ein Grund für den etwas länglichen Eindruck könnte auch die Titel-Auswahl und die Länge derselben sein – zwar gibt es ein Intro und ein Interlude, doch werden so immer noch 11 ungefähr gleich lange Titel (zumeist innerhalb von 4-5 Minuten Laufzeit) aneinandergereiht. All das ist nicht schlecht – doch hätte das Album ruhig noch ein wenig mehr Pepp, respektive Abwechslung vertragen können. Es bleibt bei einem überdurchschnittlich guten Genre-Album, welches sich (insbesondere für Fans) zu entdecken lohnt. Alle anderen könnten eine gewisse Vielfalt vermissen, sowie eventuell wenig mit der Kombination aus Tradition und Moderne anfangen. Denn hie und da scheint das Album tatsächlich aus den üblichen Grenzen auszubrechen, und sich in den Bereich des Crossover oder auch Post-Grunge umzuschauen… was nicht immer zu Freudensprüngen animiert.

Anspieltipps: BESTIA TRIUMPHANS, BLEEDING STONE, RIDE THE VOID

Vergleichsbands: WHITE WIZZARD | CAULDRON


70oo10

„Wie lange sind HOLY GRAIL erst im Geschäft ? Respekt.“