Metal-CD-Review: HELLOWEEN – My God-Given Right (2015)

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Alben-Titel: My God-Given Right
Künstler / Band: Helloween (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Mai 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Markus Grosskopf – Bass
Dani Löble – Drums
Sascha Gerstner – Guitars
Andi Deris – Vocals
Michael Weikath – Guitars

Track-Liste:

1. Heroes (03:51)
2. Battle’s Won (04:53)
3. My God-Given Right (03:30)
4. Stay Crazy (04:05)
5. Lost in America (03:35)
6. Russian Roulé (03:53)
7. The Swing of a Fallen World (04:53)
8. Like Everybody Else (04:04)
9. Creatures in Heaven (06:36)
10. If God Loves Rock ’n‘ Roll (03:21)
11. Living on the Edge (05:19)
12. Claws (05:52)
13. You, Still of War (07:21)

Alle Jahre wieder…

Manche Bands sind einfach nicht kleinzukriegen – egal wie lange sie schon im Geschäft sind. Die deutschen Power Metaller von HELLOWEEN jedenfalls blicken auf eine lange Historie zurück – und haben auch im Jahre 2015 noch nichts von ihrer Schlagkraft verloren. Auch wenn sie längst nicht mehr als Wegbereiter des Genres unterwegs sind, so begeistern sie als eine der wenigen konstanten Genre-Größen nach wie vor die Massen. Dabei erscheint es zusätzlich angenehm, dass zumindest zwei der einstigen Gründungsmitglieder auch heute noch mit von der Partie sind – Markus Grosskopf (Bass) und Michael Weikath (Gitarre) halten der Band schon seit über 30 Jahre die Treue. Leadsänger Andi Derris ist immerhin schon seit 1994 dabei, als dritter großer HELLOWEEN-Sänger nach Kai Hansen und Michael Kiske – nur Sascha Gerstner (Gitarre, seit 2002) und Dani Löble (Schlagzeug, seit 2005) müssen noch etwas durchhalten um zumindest das 20-jährige Jubiläum feiern zu können.

Das neue HELLOWEEN-Album MY GOD-GIVEN RIGHT kommt dabei ähnlich überraschend daher wie sein Vorgänger STRAIGHT OUT OF HELL (2013, Review). Wobei das eventuell das falsche Wort ist, schließlich veröffentlichen HELLOWEEN schon seit Jahrzehnten Alben in einem halbwegs kontinuierlichen Rhythmus. Doch irgendwie ist man immer wieder aufs neue gespannt, welchen Weg die deutschen Genre-Urgesteine nun einschlagen würden. Im Falle des neuen Albums fällt die Beurteilung vergleichsweise leicht: HELLOWEEN sind sich selbst und ihrer Musik absolut treu geblieben. Das bedeutet in erster Linie, dass das neue Album eine echte Spaßgranate geworden ist – im positiven Sinne. An allen Ecken und Enden finden sich crunchy Riffs, eingängige Refrains, flotte Rhythmen und Soli; und auch ein gewisses Augenzwinkern ist zu bemerken – sodass sich HELLOWEEN auch nach wie vor alles andere als tiefgründige Lyrics leisten können. Man sieht, dass guter Power Metal nicht zwangsläufig anspruchsvoll sein muss – zumindest was die besungenen Inhalte angeht. Erst Recht nicht, wenn der Rest so knackig, versiert und schlicht so stilecht dargeboten wird wie auf diesem Album. Wer also auf der Suche nach ist nach einem guten Weg, allerlei graue Wolken zu vertreiben; der darf bei MY GOD-GIVEN RIGHT bedenkenlos zuschlagen. Schließlich schöpft man ab der ersten Minute aus dem Vollen: seien es HEROES, BATTLE’S WON oder der Titeltrack MY GOD-GIVEN RIGHT – das flotte Tempo macht Laune, und die an den Tag gelegte Spielfreude überträgt sich direkt auf den Hörer.

Das einzige, was man dem Album vorwerfen könnte wäre; dass es hie und da ein wenig zu sehr auf Nummer sicher geht. Das bedeutet; dass sich HELLOWEEN hier wahrlich nicht neu erfinden und Kenner der gesamten Diskografie die ein oder andere Parallele entdecken werden. Doch wen das nicht stört; oder wer es vielleicht genau so will – der bekommt hier eben kein Überraschungspaket, sondern genau das was man von einer Band wie HELLOWEEN erwarten würde. Neben dem starken Riffing, dem überzeugenden Leadgesang (der auch mal etwas aggressiver sein kann, wie im ohnehin interessanten THE SWING OF A FALLEN WORLD) überzeugt vor allem auch das Schlagzeugspiel, und damit verbunden auch die gesamte Produktion. Das Album klingt schön druckvoll, alle Elemente sind perfekt aufeinander abgestimmt. Verständlich wäre es dagegen, wenn einige eher wenig mit den einstweilen auch mal etwas poppig anmutenden Klangveredlungen (wie in Bezug auf einige Keyboard-Elemente oder Backgroundgesänge) anfangen können. Das Album wird so – und natürlich durch die zahlreichen Mitsing-Refrains – so eingängig, dass es fast schon zuviel des Guten ist. Wer dagegen nicht immer auf ’seine‘ Hymne des Albums warten will, für den ist das Album ein gefundenes Fressen – hier reiht sich die eine an die andere.

Bleibt die Frage, ob es auf einem Album wie diesem überhaupt Lückenfüller gibt – eine Frage, die man grundsätzlich mit nein beantworten sollte. Dennoch sind einige Wackelkandidaten dabei; wie etwa die quasi-Ballade LIKE EVERYBODY ELSE (trotz einer gewissen Emotionalität), das vor allem gesanglich gewöhnungsbedürftige LIVING OF THE EDGE (trotz starker Riffs) oder das sperrige YOU, STILL OF WAR. Das wissen Wahnsinns-Tracks wie CREATURES IN HEAVEN aber schnell auszugleichen. Auch wenn HELLOWEEN hier eher typisch vorgehen; wünscht man sich in solchen Momenten nichts anderes. Das gilt wohl auch für CLAWS – eine etwas härtere, schroffere Nummer mit ordentlich Bumms. Hiervon hätten es dann sogar gern noch etwas mehr sein dürfen. Übrigens: wem die so schon recht umfangreichen 13 Titel noch nicht genug sind, kann auf die alternativen Releases des Albums zurückgreifen. Die Edition für den japanischen Markt (die auch Grundlage für dieses Review hier ist) beinhaltet noch die Bonustracks I WISH I WERE THERE, WICKED GAME und FREE WORLD. Und die sind alle drei nicht zu verachten – auch wenn sie abermals nicht die gedachten Schranken des übertrieben-fluffigen Euro-Power-Metals der Kult-Marke HELLOWEEN durchbrechen.

Handwerklich ist MY GOD-GIVEN RIGHT ohnehin über alle Zweifel erhaben – und damit genau das richtige für alle, die von der klassischen europäischen Spielart des Power Metal niemals genug bekommen können. Über die Band, die Texte oder das Konzept des Albums kann man denken was man will – Fakt ist, dass sich HELLOWEEN auch mit diesem Album nicht die Blöße geben. Es ist nicht sensationell oder allzu außergewöhnlich – dafür aber ein Garant für viele unterhaltsame Power Metal-Minuten. Vielleicht sogar etwas zu viele – eventuell hätte man zwei oder drei Nummern weglassen und die jeweils guten Ansätze in den anderen 9 oder 10 Nummern verwursten sollen. Denn eines ist klar: nach den 16 Tracks der japanischen Edition (kein Intro, keine Interludes, kein Outro) hat man sie definitiv: die absolute Kürbiskopf-Überdosis.

Absolute Anspieltipps: BATTLE’S WON, STAY CRAZY, CREATURES IN HEAVEN, CLAWS


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„Wer seinen Power Metal schön fluffig mag, kommt um dieses Release nicht herum. Auch wenn es gerade die etwas härteren Momente sind, die ein stückweit mehr überzeugen.“

Metal-CD-Review: HELLOWEEN – Straight Out Of Hell (2013)

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Album: Straight Out Of Hell | Band: Helloween (weitere Band-Inhalte)

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power/ Speed Metal – Label: Sony Music Entertainment GmbH

Alben-Lineup:

Markus Grosskopf – Bass
Dani Löble – Schlagzeug
Sascha Gerstner – Gitarre
Andi Deris – Gesang
Michael Weikath – Gitarre

01 Nabataea
07.03
02 World Of War
04.56
03 Live Now!
03.10
04 Far From The Stars
04.41
05 Burning Sun 05.33
06 Waiting For The Thunder
03.53
07 Hold Me In Your Arms
05.10
08 Wanna Be God 02.02
09 Straight Out Of Hell
04.33
10 Asshole
04.09
11 Years
04.22
12 Make Fire Catch The Fly
04.22
13 Church Breaks Down
06.06

2013 wird ein ganz heisses (Metal-)Jahr.

Und daran haben HELLOWEEN alles andere als einen kleinen Anteil. Die alteingesessene Power / Speed Metal-Combo aus Hamburg hat damals wie heute einiges zur Branche beizutragen – und liefert mit ihrem nunmehr 15.ten Studioalbum (!) neuen Stoff für Freunde des guten alten europäischen Power Metals ab. Und vielleicht ja auch einen Anwärter auf den Genre-Thron des Jahres 2013… ? Sicher ist, dass die Konkurrenz ebenfalls nicht schläft, und allen Power Metal-Jüngern mit STRATOVARIUS‘ NEMESIS eine weitere Hausnummer bevorsteht. So haben HELLOWEEN und die Finnen zumindest eines gemeinsam: beide Bands wurden in den frühen 80ern gegründet, feierten gegen Ende desselben Jahrzehnts die ersten ruhmreichen Erfolge – und gewannen gerade in den goldenen 90ern massiv an Popularität. Dies lässt mindestens zweierlei Schlüsse zu: Bands wie die eben genannten wissen, was sie tun – laufen aber auch Gefahr, langjährige Fans aufgrund eventuell zu expliziter Sound-Veränderungen zu vergrätzen. So wird auch STRAIGHT OUT OF HELL polarisieren – auch wenn etwaige, gravierende Änderungen hinsichtlich des typischen HELLOWEEN-Sounds ausbleiben.

Im Gegenteil – es scheint, als würde sich die Band nach ihrem letzten Erfolg 7 SINNERS wieder vermehrt auf ihre Wurzeln besinnen. Was langjährige Fans also am ehesten anzweifeln könnten, wäre ein Ausbleiben von großen musikalischen Innovationen. Andererseits: wer braucht die schon, wenn es sich doch gerade beim Power Metal um ein zeitloses Genre handelt ? So muss man nicht immer explizit neues wagen oder sich in experimentelle Gefilde begeben – dass das ebenfalls schnell schief gehen kann, zeigen beispielsweise SONATA ARCTICA, die heutzutage nicht mehr viel von ihrem alten Soundgewand an sich haben. HELLOWEEN machen es also richtig, und legen mit STRAIGHT OUT OF HELL eine starke Scheibe ab; die einerseits verdammt Power Metal-lastig ist – andererseits aber auch einen gewissen Speed Metal-Einfluss nicht vermissen lässt. In der Tat, das Album ist schnell – und klingt trotz zahlreicher enorm eingängiger Momente nicht zu allzu kitschig oder harmlos. Der Opener NABATAEA wurde bekanntlich bereits vorab als Videosingle ausgekoppelt – bereits hier erwartet den Hörer eine auffällig starke Nummer, die vor allem mit einer gelungenen Performance von Leadsänger Andi Deris aufwartet. Aber auch sonst stimmt alles: die markanten Tempi- und Stimmungswechsel, sowie der leicht mysteriös-historische Touch (der einstweilen an BLIND GUARDIAN erinnern kann) fesseln den Hörer schnell – und erlauben es, dass man die Nummern auch nach mehreren Durchläufen immer wieder neu entdecken kann.

Stichwort Power und Speed Metal: WORLD OF WAR ist eine echte (musikalische) Kampfansage mit einer massiven Tempo-Vorgabe, aggressiven Strophen, einem tollen Refrain und einer mannigfaltigen Gitarrenarbeit. HELLOWEEN wirken hier so bombastisch und ausschweifend wie schon lange nicht mehr – gut so, wenn sich überschüssige Energie angesammelt hat, nur heraus damit. So entsteht eine Hymne, die nicht allzu typisch ausfällt; und die klar macht, dass HELLOWEEN gewiss niemanden kopieren müssen. Auch im Jahre 2013 klingen sie noch eigenständig genug, um nicht in der Masse unterzugehen – kein Wunder, galt die Band lange als Inspirationsquelle und Ideengeber für so viele andere. Die folgende Nummer indes, LIVE NOW – ist schon eher eine, die man als typisch kategorisieren könnte. Bis auf ein paar interessante Riffs und die gelungen Arbeit am Schlagzeug gibt es hier nicht ganz so viel zu holen. Das folgende FAR FROM THE STARS macht sogleich eine 180-Grad-Kehrtwende, und präsentiert sich als die wohl fröhlichste Uptempo-Nummer des gesamten Albums. Doch glücklicherweise beschränkt sich besagte Fröhlichkeit auf den Refrain, der sich in eine sonst recht knackige Instrumental-Kulisse eingebettet ist. Der eher harsche Gesang von Mr. Deris steht hier im Gegensatz zur pompösen Instrumentierung samt leicht kitschiger Keyboard-Einsätze. Laune macht das allemal – Themen wie die hier behandelten werden einfach immer (im Power Metal) funktionieren.

BURNING SUN könnte ebenfalls bereits einigen bekannt vorkommen – schließlich wurde vor einiger Zeit eine entsprechende Single veröffentlicht. Das die Nummer das Zeug dazu hat, unabhängig präsentiert zu werden; steht ausser Frage. Ein weiteres Highlight – das einzig ein wenig mit dem etwas zu aggressiven Andi Deris zu kämpfen hat. WAITING FOR THE THUNDer drosselt nun das Tempo, und bewegt sich so im stampfenden Midtempo-Bereich – eine willkommene Abwechslung, und schon deutlich besser als LIVE NOW. Die erste richtige Überraschung folgt nun allerdings mit HOLD ME IN YOUR ARMS – richtig, einer Ballade wie sie um Buche steht. Auch wenn das sicher nicht jedermanns Sache ist, so bezieht sich die gebotene Abwechslung doch vor allem auch auf Leadsänger Andi Deris – der hier seine Rauheit gegen eine ganz und gar sanftmütig-anmutende Stimmlage austauscht. WANNA BE GOD war ebenfalls auf der BURNING SUN-Single enthalten – hier handelt es sich um ein kurzes Intermezzo, irgendwo zwischen Interlude und vollwertigem Track. Der Titeltrack STRAIGHT OUT OF HELL beginnt etwas abrupt, doch mausert sich im weiteren  Verlauf. Besonders der Refrain kann hier punkten. Das folgende ASSHOLE ist dann allerdings ein Totalausfall – wie es der Titel schon vermuten lässt, handelt es sich um eine recht plumpe Nummer, bei der sich die Band mal ordentlich Luft macht. Das kann man mögen, wird es aber höchstwahrscheinlich nicht – auch wenn man im Power Metal schon lange keine Begriffe wie Asshole, Shit, Sucker oder Motherfucker (und dann auch noch im Refrain !) gehört hat.

Auch YEARS ist eine für HELLOWEEN-Verhältnisse eher untypische Nummer. Durch zusätzliche symphonische Anleihen und einen recht pompösen Gesamteindruck legt man noch eine Prise Erhabenheit obendrauf – etwas schade ist nur, dass der Sound hier insgesamt nicht ganz so rund abgemischt wirkt wie in den anderen Nummern; so manch einer hätte die Regler hier etwas anders gedreht. Wie dem auch sei – eine gute, emotionale Nummer mit Hymnen-Charakter. MAKE FIRE CATCH THE FLY und CHURCH BREAKS DOWN sorgen für einen runden Abschluss, die Qualität sackt keinesfalls ab. Erst einmal durchatmen – und dann, das Ganze noch einmal von vorne.

Fazit: STRAIGHT OUT OF HELL ist kein KEEPER OF THE SEVEN KEYS III geworden – sondern dient eher als sinnbildlicher Kochtopf, in den alle bisher immer gut funktionierenden HELLOWEEN-Zutaten geworfen wurden. Vor allem jene der späten 90er und frühen 2000er Jahre, was dazu führt, dass HELLOWEEN auf ihrem neuen Werk so schnell, lebendig und kraftvoll erscheinen wie schon lange nicht mehr. Anstatt jedoch das Gaspedal komplett durchzutreten, ist immer wieder für Abwechslung gesorgt – hie und da finden sich solide Midtempo-Stampfer oder auch mal eine Ballade. Fehlende Innovationen hin oder her – gerade Fans sollte es freuen, dass HELLOWEEN nicht zu viel wagen und sich an ihrem guten alten Sound orientieren. Die einzigen Kritik- und Streitpunkte sind die nicht ganz perfekte Produktionsqualität (allerdings: Kritik auf hohem Niveau) überflüssige Nummern wie ASSHOLE – und im allgemeinen, und das ist schon gewagter auszusprechen – der Gesang von Andi Deris. Seine Stimme wird nach wie vor nicht jedermanns Nerv treffen – gerade in den Momenten, in denen noch einige Effekte hinzukommen. Immerhin benutzt er seltener seine Kopfstimme; was grundsätzlich angenehm und eher selten in diesem Genre ist. Schlussendlich: STRAIGHT OUT OF HELL hat definitiv das Zeug, eines der besten Power Metal-Alben des Jahres 2013 zu werden – soviel steht fest. Eine unbedingte Empfehlung !


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HELLOWEEN – Straight Out Of Hell (Metal News)

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Muntere Kürbisköpfe aus der Hölle.

Die Liste der im Januar 2013 erscheinenden Power Metal-Releases ist eigentlich recht übersichtlich – doch als ein potentielles Highlight; welches sogar als Anwärter auf die beste Scheibe des Jahres fungieren könnte, ist HELLOWEEN’s STRAIGHT OUT OF HELL. Der Stichtag, den sich alle Fans des Genres definitiv vormerken sollten; ist der 21. Januar 2013. Neben der Titel-Single und Videoauskopplung NABATAEA beinhaltet das Album weitere 12 Tracks, die sich schon einmal sehr interessant lesen… man darf gespannt sein.

HELLOWEEN – Nabataea (Official Video)

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Schade, die Welt ist doch nicht untergegangen…

Und dennoch passt ein apokalyptisch angehauchtes Video wie das zur offiziellen neuen Single der Power Metal-Altmeister HELLOWEEN perfekt in die heutige Zeit. Ein wenig Symbolik und Medienbezug hier, einige besonders markante Elemente dort… und fertig ist ein Power Metal-Musikvideo der Extraklasse. Da nur allzu bekannt ist, dass gerade Videos aus diesem Genre nur selten etwas taugen; braucht es derartige Positivbeispiele – HELLOWEEN dürfen sich auf die Schulter klopfen. Höchstwahrscheinlich auch in Bezug auf das bald kommende Album STRAIGHT OUT OF HELL. Dieses wird selbstverständlich die Single NABATAEA beinhalten, sowie satte 12 weitere Tracks in der Standardedition (VÖ: 18. Januar 2013). Danke, HELLOWEEN !

Metal-CD-Review: HELLOWEEN – Keeper Of The Seven Keys Part 2 (1988)

Land: Deutschland – Genre: True Melodic Power / Speed Metal

Die Trackliste:

01. Invitation
02. Eagle Fly Free
03. You Always Walk Alone
04. Rise And Fall
05. Dr. Stein
06. We Got The Right
07. March Of Time
08. I Want Out
09. Keeper Of The Seven Keys
10. Save Us

Bereits der erste Teil war bombastisch… dann kann der zweite ja nur ÜBERIRDISCH sein.

Vorwort: Nach den (berechtigten !) Erfolgen und musikalischen Meilensteinen der Deutschen Metal-Kultformation HELLOWEEN in den Jahren 1985 (Walls Of Jericho) und 1987 (Keeper Of The Seven Keys Part  I) erschien bereits 1988 der zweite Teil der legendären KEEPERS-Sage. Abermals lieferten die Speed-Metaller um Kai Hansen und Michael Kiske einen gut bestückten Silberling mit 10 verheissungsvollen Titeln ab, die – wie man inzwischen weiss – fast alle zu zeitlosen Kult-Titeln geworden sind. Aber auch schon damals, vor sage und schreibe 23 (!) Jahren, muss es die Fans und alle Interessierten wie ein Schlag getroffen haben – endlich, eine Fortsetzung zum sagenhaft guten KEEPER OF THE SEVEN KEYS-Album, welches durch-und-durch positive Kritiken abstaubte ! Bevor ich jedoch in vorzeitigen Lobeshuldigungen versinke, wagen wir einen erneuten Blick auf das Album selbst, welches; und soviel darf schon vorher verraten werden, dem Vorgänger in Sachen Qualität und Innovation in nichts nachsteht.

Kritik: Beim ersten Teil wurde das Intro noch mit INITIATION betitelt – nun heisst es INVITATION. Zweifelsohne hat es auch einen etwas differenten Unterton – während es beim ersten teil darum ging, eine größtmögliche, epische Spannung aufzubauen regieren nun geradezu ‚majestätische‘ Klänge. Das Ganze klingt beinahe schon wie eine Fanfare für einen großen, feierlichen Siegeszug – den sich die Band schon damals redlich verdient hatte. Nun also sollte die glorreiche Bandgeschichte um ein weiteres Kapitel ergänzt werden – den Anfang macht hier das flotte EAGLE FLY FREE als Opener allererster Güteklasse. Das Teil bietet einen sagenhaften, unwiderstehlichen Drive; und strotzt nur so vor ‚Power‘ und Spielfreude. Überaus genial und zeitlos ist der gelungene Aufbau, der über die kräftig voranpreschenden Strophen bis hin zum absoluten Gänsehaut-Refrain seine volle Pracht entfaltet und bereits beim ersten Hören fesselt. Weder ‚zuviel‘ (Überladen) noch zu ‚wenig‘ (langatmig) – HELLOWEEN verstanden es als eine der ersten Power / Speed Metal Bands überhaupt, exakt die richtige Dosierung der einzelnen (Metal-) Zutaten zu finden und entsprechend anzuwenden. So gibt es in diesem Stück neben dem ohnehin schon genialen Instrumental- und Gesangspart von Michael Kiske einige Soli-Passagen, in denen unter anderem auch ein Bass-Solo zu hören ist. Der absolute Nummer-1-Moment ist und bleibt allerdings der, wenn man zum letzten Male den Refrain erreicht, und die Lyrics noch zusätzlich von einer dezenten Trompete untermalt werden. Übrigens: genau hinhören lohnt sich, im Hintergrund verstecken sich einige durchaus ’symphonische‘ Elemente, die man beim ersten Mal vielleicht gar nicht so direkt mitbekommt (wie eine Art leiser, sphärischer Chor im Refrain).

Nach so einem Uptempo-Kracher kann und sollte nur ein etwas gemäßigterer Titel folgen – und der kommt in Form des knackigen YOU’LL NEVER WALK ALONE daher. Hierbei handelt es sich um einen eher traditionellen Heavy Metal-Titel, in dem die Speed-Anleihen ein wenig zurückgefahren werden. Das heisst: es regieren fette Riffs, ein dezent wummernder (aber wenig aufdringlicher) Double-Bass, und die ein oder andere fidele Mitsing-Passage. Aber auch die Abwechslung kommt alles andere als zu kurz, seien es die mächtigen Soli-Passagen, stillere Momente oder die stilsicher inszenierten ‚Screams‘ von Michael Kiske- auf einem HELLOWEEN-Album ist eben immer was los. MIT RISE AND FALL folgt nun ein etwas… andersartiger Titel, der zweifelsohne eine etwas humorigere Seite der Band präsentiert. Sicher haben sich hier spätere Bands wie EDGUY & Konsorten das ein oder andere Element abgeschaut, und selbst wenn nicht – ein Titel wie dieser macht einfach nur Spaß, und sorgt für ein Höchstmaß an Unterhaltung. Reichlich makabere Hintergrundgeräusche werden überzeugend in den Kontext des Songs eingeflochten, der wieder einmal mit einem kultverdächtigen Refrain aufwarten kann. Mindestens ein kleines Schmunzeln sollte bei diesem Titel bei jedem drin sein. Aufdrehen und… abfeiern !

Es folgt das nunmehr allseits bekannte DR. STEIN, welches wie so viele andere Titel des Albums eine Vielzahl an Coverversionen spendiert bekommen hat. Und, noch besser; welches es damals sogar bis in die TOP-10 der deutschen Charts geschafft hat ! Warum das so war, ist leicht zu erkennen: der Titel ist ein absoluter Ohrwurm mit gute-Laune-Garantie. Allzu viel Schnickschnack ist gar nicht nötig, die HELLOWEEN-typischen Lyrics (die sich irgendwo zwischen Witz und Grusel bewegen) und die gelungene Gesamtkomposition reichen aus, um den Titel zu einer weiteren Abfeier-Hymne zu machen. Das nun folgende WE GOT IT RIGHT ist der erste Titel der Band überhaupt, der in eine etwas andere Richtung geht als die sonst übliche – als eine Art Ballade (aber mit denselben Instrumenten gespielt)  bietet er rein instrumentell wenig aufregendes, dafür ist der Gesang von Michael Kiske allerdings wieder mal erste Sahne. Und das auch in den höchsten Tonlagen… der Wahnsinn. Vielleicht wird man ein paar mehr Durchgänge brauchen als sonst – aber dann kann auch dieser Titel zünden, in den etwas ruhigeren Minuten. Aber dann folgt glücklicherweise auch schon der nächste Titel der Marke ‚Überhammer‘ oder ‚Zeitlos-Hymne‘ – MARCH OF TIME. Rumms, das sitzt – ein Refrain, der irgendwie ein wenig an die Anfangszeiten von STRATOVARIUS erinnert (die haben ihr erstes Album aber erst ein Jahr später, 1989, veröffentlicht – vielleicht wurden sie hier inspiriert ?), und auch sonst spürt man hier reichlich Glanz und Glorie.

Mit I WANT OUT folgt nun DAS HELLOWEEN-Lied, zu dem man eigentlich nicht mehr viel sagen braucht. Denn nicht zuletzt durch das dazu veröffentlichte Musikvideo (Kult – unten eingebettet) ging das Teil schon so oft über den Äther, das es beinahe jeder kennen sollte. Nur kurz: eine grandiose Leistung wie immer, bis heute ein absolutes Kult-Lied welches immer wieder gerne Live performt wird. Bleiben nur noch zwei Titel, von denen eines das überlange Titelstück (knapp 14 Minuten) KEEPER OF THE SEVEN KEYS ist. Zurücklehnen und geniessen… zum Finale gibt es dann noch das mächtige SAVE US auf dem Silbertablett, das ebenfalls ausserordentlich gut rockt.

Fazit: Was soll man noch sagen ? Sowohl der erste Teil der KEEPERS-Sage als auch dieser hier sind absolute Must-Have-Werke der Metal-Geschichte. Beide unterscheiden sich qualitativ nicht – sodass es kaum möglich ist zu sagen welcher Teil nun ‚besser‘ oder ‚origineller‘ ist. Immerhin bekommt man beim zweiten Teil mehr für’s Geld – schließlich ist die Spielzeit weitaus länger. Aber das soll ja nun wirklich kein ausschlaggebendes Merkmal sein. Man sollte es sich überlegen: diese Musik entstand vor 22 Jahren ! Wieviele Bands machen heute noch die Musik wie HELLOWEEN schon vor 2 Jahrzehnten, und das oftmals deutlich schlechter oder maximal genauso gut ? Richtig, Originalität muss belohnt werden. Und das sieht dann wie folgt aus…