Metal-CD-Review: HEAVENLY – Virus (2006)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: AFM

Lineup:

Ben Sotto – Gesang
Charly Corbiaux – Gitarre
Olivier Lapauze – Gitarre
Matthieu Plana – Bass
Thomas Das Neves – Schlagzeug

01. The Dark Memories
02. Spill Blood On Fire
03. Virus
04. The Power & Fury
05. Wasted Time
06. Bravery In The Field
07. Liberty
08. When The Rain Begins To Fall
09. The Prince Of The World

Auf, auf zum vierten Streich.

Vorwort: Nach einem vielversprechenden Debütalbum (Review) und zwei schieren Meisterwerken, die bis heute ihresgleichen suchen (SIGN OF THE WINNER, DUST TO DUST) schickte sich die französische Combo HEAVENLY 2006 an, das nächste Meisterstück zu kredenzen. Doch dieses Mal waren einige Änderungen zu verzeichnen: nicht nur das Label wurde gewechselt, sondern teilweise auch die Besetzung. Olivier Lapauze sprang für Frédéric Leclercq an der Gitarre ein, Thomas Das Neves übernahm Maxence Pilo’s Rolle als Drummer, und Pierre-Emmanuel Pélisson wurde durch Matthieu Plana am Bass ersetzt. Bleiben also nur zwei Bandmitglieder, die der Band erhalten geblieben sind: Ben Sotto (gewiss, ohne ihn wäre HEAVENLY nicht mehr HEAVENLY), und Charly Corbiaux an der Gitarre. Wie aber würden sich diese Tatsachen auf den Sound von HEAVENLY auswirken, der im Laufe der Jahre immer mehr an Bekanntheit und Beliebtheit zugenommen hat ? Würden sie es vollbringen, den meisterlichen Vorgänger (bis heute eines der besten Power Metal-Alben überhaupt) nochmals zu toppen und Fans aller Herren Länder zufriedenzustellen ? Die Antwort liegt im folgenden verborgen…

Kritik: Dieses Mal investiert man keine Zeit in ein Intro – sodass HEAVENLY mit dem Opener THE DARK MEMORIES sofort voll durchstarten können. Eines fällt im Vergleich zum Vorgänger sofort auf: die fulminante Kraft, die enorm antreibende Wirkung hat es nicht auf den Nachfolger geschafft. Doch nicht nur das: der ’neue‘ Sound von HEAVENLY fällt auch insgesamt flacher, innovationsloser und deutlicher weniger spektakulär aus. Zwar besinnen sie sich noch immer auf ihre Stärken, die im eindeutig im markanten Gesang und dem wirkungsvollen Einsatz der Riffs liegen – doch man kommt nicht umher festzustellen, dass sie hier scheinbar auf ‚Sparflamme‘ laufen. Ein nicht mehr ganz so solider, natürlich klingender Drumming-Part und ein verstärkter Keyboard-Einsatz kumulieren mit der generell eher belanglosen Komposition und ergeben so ein größtenteils langatmiges Ganzes. Zwar handelt es sich noch immer um einen ansprechenden Titel – doch als Highlight kann er nicht fungieren. Auch das folgende SPILL BLOOD ON FIRE braucht etwas Zeit, bis es sich in den Gehörgängen festsetzt. Dieser Titel wurde indes auch als Videosingle ausgekoppelt – mit einer eher mäßigen Wirkung. Schließlich schien sich das Video ganz dem neuen, unspektakulären Sound von HEAVENLY anzupassen – und servierte lediglich x-beliebige Studioaufnahmen. Und in der Tat fällt auch dieser Titel alles andere als spektakulär oder über alle Maßen beeindruckend aus: die Soundkulisse ist eher minimalistisch gehalten, es dominieren der Bass-Part und die in-die-Länge-gezogenen Riffs, die stellenweise etwas schräg klingen. Garniert wird das Ganze abermals von Ben Sotto, der nun weniger auf gesangliche Höhenflüge setzt – und sich so langsam aber sicher im Bereich des Gewöhnlichen einpendelt. Die Übergänge innerhalb des Songs verlaufen schleppend oder eher abgehackt, die Explosionsgeräusche wirken etwas fehl am Platz.

Es folgt der Titeltrack VIRUS, der nun erstmals HEAVENLY’s näcshten Schritt in ihrer musikalischen Entwicklung deutlich macht. Sich weiterzuentwickeln ist immer gut – doch verglichen mit dem Vorgägner wird man sich schnell den alten Sound der Band herbeisehnen. So gerät bereits der Auftakt durch offensichtliche Techno-Einflüsse (!) etwas merkwürdig, alles was danach folgt pendelt sich auf einem Niveau ein, welches man als abgespeckte musikalische Variante des Vorgängers einstufen könnte. Immerhin schafft es der Refrain gerade noch so, an die alten Glanz-Zeiten anzuknmüpfen – der Rest wird kaum im Ohr hängenbleiben, leider. Nun, wenn sich der Songaufbau insgesamt als unspektakulär und wenig fesselnd herausstellt, helfen auch ein paar nette Soli wenig – leider. Doch es folgt ein Übergang – zum markanten THE POWER AND FURY, welches bisher am deutlichsten nach HEAVENLY klingt, und eine sinnige Weiterentwicklung offenbart. Erstmals wird ein spannender Aufbau präsentiert, der in einem wunderbaren Schrei Sotto’s und einem netten Refrain mündet. Beziehungsweise einem zweiteiligem – später fügt sich noch der typische HEAVNELY-Gesangspart mit den Backing-Vocals mit ein, was eine entsprechende Wirkung mit sich bringt. Danach jedoch verzettelt man sich leicht in einigen ausufernden progressiven Passagen – die dem Song erheblich an Tempo und Kraft einbüßen lassen. Wie sieht es dann mit WASTED TIME aus ? In der Tat erinnern bereits die ersten Töne an vorangegangene musikalische Taten, genauer gesagt wird das Debütalbum heraufbeschworen. Danach, und sobald die volle Instrumentation einsetzt; und als auch noch ein gewisser Toni Kakko hinzustößt und gut gelaunte Gast-Vocals abliefert, steht bald fest: hier handelt es sich um einen der hochkarätigsten Titel des neuen Albums. Hier stimmt (erstmals) wirklich alles, ein etwas gemäßigterer Anspruch wird mit kraftvollen Elementen und einer großen Portion Melodie vermengt.

Nun folgt BRAVERY IN THE FIELD, eine Nummer mit einem etwas abrupten Beginn. Auch hier braucht es wieder etwas, bis das Liedgut seine volle Wirkung entfalten kann – das unglaubliche ist, dass HEAVENLY zwar deutlich simpler klingen als auf dem Vorgängeralbum, durch die nicht ganz so mitreißenden Kompositionen aber an Zugänglichkeit eingeüßt haben. Doch es wird schon werden… denkt man, und wird prompt von einem kongenialen Refrain überrascht. Der ist zwar abermals in einen unnötig ‚aufgeblasenen‘ Kontext (aus Keyboard-Elementen und etwas zu technischen Riffs) eingebunden, aber sei es drum. LIBERTY ist ein weiterer Anwärter auf eine potentielle Alben-Hymne – doch kann dieses Ziel nicht wirklich erreicht werden, es bleibt vermehrt unspektakulär. Als absoluter Fehlgriff erweist sich dagegen die Cover-Version zu WHEN THE RAIN BEGINS THE FALL, der wohl erste wirkliche Fehlgriff innerhalb der gesamten Diskografie HEAVENLY’s. Überirdisch kitschiche Keyboardklänge, ein weiblicher Gastgesang mit Schnulzencharakter, und ein komplett verhunzter Refrain machen weder Fans des Originals, noch Fans von HEAVENLY wirklich glücklich. Auf der regulären Version des Albums bleibt nur noch THE PRINCE OF THE WORLD, endlich ein deutlich angenehmerer Titel. Ben Sotto kann abermals seine Stimmkraft unter Beweis stellen, und begeistert mit markanten Ausflügen in unendliche Höhen (die aber eben auch etwas quierlig-quietschig klingen), Auftakt, Refrain und Ausklang bilden gar absolute Höhepunkte des Albums. Ist man in Japan zuhause oder hat sich die entsprechende Version gesichert, kommt man noch in den Genuss von zwei weiteren Titeln: THE JOKER und SPILL BLOOD ON FIRE in einer japanischen Fassung. Ersterer Titel überzeugt als stark Metal-lastige Nummer mit starkem Gastgesang und dominanten Riffs, zweiterer dagegen kann einwandfrei als überflüssig abgestempelt werden. Ben Sotto, der bereits das englische nicht immer fehlerfrei beherrscht, nun auch noch in japanischen Gefilden… ? Nun, so sehr muss man es den Fans im Osten nun auch nicht Recht machen.

Fazit: Ein weiteres schier unantastbares Meisterstück haben HEAVENLY mit VIRUS definitiv nicht abgeliefert. Die inspirative Energie und Wirkungskraft des Vorgängers kann nicht erneut heraufbeschworen werden – der Gesamteindruck bewegt sich nun vermehrt in Richtung gewöhnlich, unspektakulär und unnötig vertechnisiert. Die progressiven Anleihen wurden insoweit verstärkt, als dass beinahe ein jeder Titel in eine weite Instrumentalstrecke aus Soli eingebettet ist – das stört den Fluss, und verhindert das Entstehen wahrlich zeitloser Hymnen, wie es seinerzeit bei den beiden Vorgängern der Fall war. Sicher, jede Band entwickelt sich weiter und muss dies auch – doch dabei bleibt es eben nicht aus, dass ‚alte Fans‘ vermehrt von den guten alten Zeiten schwärmen und sich den neuen Entwicklungen eher kritisch gegenüberstellen. Mit VIRUS können HEAVENLY zumindest eine neue Fan-Schicht für sich gewinnen, eben jene; die jegliche Gefühle und Aussagen eher in Form von technischen Arrangements transportiert wissen wollen anstatt durch offengelegte Emotionen. Ist HEAVENLY ihrere frühere Musik etwa zu ‚verspielt‘ geworden, zu Power Metal-lastig ? Doch sicher hat dies auch mit dem Label- und Besetzungswechsel zu tun. Da werden die guten alten Hymnen eben prompt durch einen relativen Einheitsbrei ausgetauscht, in dem man schon deutlicher nach erhabenen und mitreißenden Momenten graben muss. VIRUS ist kein schlechtes Album – aber eines, welches man schon eher vernachlässigen könnte geht es um die Auswahl der besten Power Metal-Alben aller Zeiten. Das eher abstoßende cover-Artwork macht es auch nicht wirklich besser…

Anspieltipps: THE POWER AND FURY, WASTED TIME, BRAVERY IN THE FIELD, THE PRINCE OF THE WORLD

Metal-CD-Review: HEAVENLY – Dust To Dust (2004)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: Sanctuary

Lineup:

Charley Corbiaux (Gitarre)
Frédéric Leclercq (Gitarre)
Maxence Pilo (Drums)
Pierre-Emmanuel Pélisson (Bass)
Ben Sotto (Gesang, Keyboard)

01. Ashes To Ashes…
02. Evil
03. Lust For Life
04. Victory (Creatures Of The Night)
05. Illusion part I
06. Illusion part II (The Call Of The Wild)
07. The Ritual
08. Keepers Of The Earth
09. Miracle
10. Fight For Deliverance
11. Hands Of Darkness
12. Kingdom Come
13. … Dust To Dust

Kann man Perfektion noch steigern ?

Vorwort: Gute zweieinhalb Jahre nach dem fulminanten zweiten Album der Franzosen von HEAVENLY, SIGN OF THE WINNER (Review) erschien 2003 der Nachfolger DUST TO DUST. Nachdem die Band bereits einen weiten Fankreis um sich scharen konnte und bereits viele positive Kritiken einfahren konnte, sollte mit dem dritten Album noch einmal alles getoppt werden. Die Chancen dafür standen zweifellos gut – konnten die Franzosen zuvor schlagkräftig beweisen, dass sie weit mehr sind als eine Imitation anderer Bands. Ein Cover-Artwork der hochqualitativen Art weist auf den potentiell enthaltenen Inhalt hin, es wird sich wieder um die ‚ganz großen‘ Themen drehen, ein Fest für Power Metaller und solche, die es gerne werden wollen. Nun, ist eine gewisse Affinität bereits vorhanden, sollte man dem jeweiligen Aspiranten vielleicht einen Silberling wie diesen in die Hand drücken – es wird sich bezahlt machen.

Kritik: Begonnen wird mit dem Intro ASHES TO ASHES, welches zuerst etwas merkwürdig anmutet. Zu hören sind mit Hall-Effekten versehene Trittgeräusche, entferntes Gemurmel… Ungewissheit macht sich breit. Später steigt eine ganz und gar dämonische Stimme mit ein, und verkündet dem Hörer das drohende Unheil – ein überraschendes Intro, welches zumindest seine Wirkung nicht verfehlt und eine bedrohliche Stimmung etabliert. Doch dann geht es über in den Opener EVIL – und man kann nicht anders, als sprach- und bewegungslos dazusitzen. Was für eine mannigfaltige Kraft, was für ein Ausdruck ! Die äusserst lebendigen Drums rattern nur so durch die Szenerie, die Gitarren sind noch präsenter und spritziger als auf dem ohnehin schon guten Vorgäner, Leadsänger Ben Sotto begrüßt die Fangemeinde / die musikalischen Neueinsteiger erneut mit seinem aussergewöhnlichen Organ. Und tatsächlich wird schnell offenbart, dass HEAVENLY es bereits mit diesem Opener geschafft haben: sie gehen noch einen bemerkenswerten Schritt weiter, und verbessern sich abermals. Und das, obwohl das Vorgängeralbum schon ein solches allererster Gütklasse war. Nun aber wirken HEAVENLY noch ein stückweit ‚erwachsener‘, und scheinen die symphonischen Elemente durch einen etwas progressiveren Anspruch zu ersetzen – was tadellos funktioniert, und in einer beeindruckenden Soundkulisse mündet. Denn noch immer ist eine markante Eingängigkeit vorhanden, die 6 Minuten vergehen wie im Flug und lassen den Hörer verdutzt zurück.

Es folgt das ebenfalls leicht progressive LUST FOR LIFE, welches abermals perfekt arrangiert ist und beweist, dass HEAVENLY auf der allerhöchsten Metal-Wolke schweben. Solche Kompositionen können nur aus höheren Gefilden kommen, sollte man meinen – tatsächlich legen sie so endgültig jegliche Vergleiche mit anderen Bands ad acta, und preschen zielstrebig voran, hin zur Spitze des Power-Metal-Genres. Zeitlos und gut – selbst jene, die sich mit dem etwas ‚verträumten‘ Sound des Vorgängers nicht immer anfreunden konnten, werden nun überzeugt. Die schmermetallischen Anteile sind deutlich gestiegen, beziehungsweise stehen deutlicher im Fokus – die Folge ist ein Headbang-Potential welches seinesgleichen sucht. Ben Sotto singt nun auch vermehrt im tiefen und aggressiven Bereich, sodass seine Darbietung noch vielfältiger erscheint – gepaart mit seinem enormen Talent und der einzigartigen Stimme ergibt sich ein außerordentliches Alleinstellungsmerkmal, ein weiterer Garant für Qualität. Doch auch seine Vorliebe für (ganz) hohe, ‚liebliche‘ Lagen bekommt man serviert, wie im folgenden VICTORY – CREATURE OF THE NIGHT. Hierbei handelt es sich um eine wunderbare Halb-Ballade – zu Beginn, doch was danach abgefackelt wird ist an Kraft nicht zu überbieten. ILLUSION PART I fungiert mit seinen 2 Minuten Laufzeit als stimmiges Interlude, welches eine gewisse Aufbruchstimmung etabliert; sich danach aber auch als eigenständiger Track beweist. Wo soll das noch enden… ?

Nun, erst einmal im folgenden Stück, ILLUSION PART II – CALL OF THE WILD. Eine Tatsache, die beinahe ohne Worte auskommt, ist verständlicherweise schwer zu beschreiben. Man sollte sich zurücklehnen, und diese feilgebotene Kost genießen – etwas besseres wird man aus dem Jahre 2004 nicht finden, auch darüber hinaus erscheinen Vergleiche fraglich. Antreibende Strophen, ein fesselnder Text und… ein Refrain, der diese Bezeichnung mehr als verdient hat lassen den Titel zu einem weiteren absoluten Highlight des Albums avancieren. Wohlgemerkt, hier handelt es sich um eine der eingängigen Nummern – der progressive Anspruch schimmert nur noch ganz leicht durch, es wird vermehrt auf eine mitreissende Wirkung gesetzt. THE RITUAL ist ein weiteres Interlude, dieses Mal nur aus symphonisch-akustischen Klängen und einer Art Chorgesang im Hintergrund. So entsteht Atmosphäre – die als Überleitung zum ebenfalls verdammt grandiosen KEEPERS OF THE EARTH fungiert. Was auf dem Vorgängeralbum mit THE WORLD WILL BE BETTER begann, wird nun in vollendeter Perfektion fortgeführt – der munter galoppierende Drumming-Part und der angenehme Gesang führen den Hörer schnell zum Refrain, bei man sich gedanklich auf einem Hügel wiederfinden wird, die Arme ausgestreckt; Glanz und Glorie der Welt preisend. MIRACLE lebt vor allem von versierten Gitarren-Arrangements und einem vermehrt progressiven Anspruch, ständige Tempo- und Stimmungswechsel garantieren einen hohen Unterhaltungswert. Der Refrain könnte gar einer Ballade entsprungen sein – doch hier handelt es sich um zutiefst ehrliche, ungekünstelte, perfekt transportierte Gefühle und Aussagen; und somit um alles andere als Kitsch oder Schmalz.

Bis hierhin ist das Album bereits über jeden Zweifel erhaben – doch unglaublicherweise schleichen sich auch jetzt keine Lückenfüller oder Längen ein. Im Gegenteil, FIGHT FOR DELIVERANCE ist eine weitere schöne Hymne, gekennzeichnet durch eine sehr energetische Herangehensweise und eine perfekte Ausführung. HANDS OF DARKNESS dagegen ist der erste und einzige reine Instrumental-Track, der nun erheblicher düsterer wirkt als alles zuvor gehörte. Doch auch hier bleiben die ein oder anderen epischen Aha-Momente nicht aus, sodass man selbst im Falle einer reinen Instrumentalnummer von einer Hymne sprechen kann – sofern sie von HEAVENLY kommt. KINGDOM COME ist ein epischer Brecher mit einer Spielzeit von 8 Minuten, der erneut alle Stärken der Band kombiniert; dabei aber immer noch verdammt frisch wirkt. Bleibt nur noch das Outro DUST TO DUST – welches ein weniger ruhiger daherkommt, um dem Hörer ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Was auch bitter nötig ist nach den vorangegangenen Stücken, die brachialer und wirkungsvoller nicht hätten ausfallen können. Doch auch hier kann man einfach nicht anders, als gegen Mitte / Ende doch noch einmal die Gitarren hinzuzuholen und das ganze wunderbar festlich enden zu lassen.

Fazit: DUST TO DUST ist nicht nur HEAVENLY’s bisher bestes Album, sondern auch eines der besten Power Metal-Alben aller Zeiten. Ja, so hoch kann und sollte man greifen – wer sich das Album (als absolutes Pflichtprogramm) erst einmal zugelegt hat, wird derartige Freudentänze nachvollziehen können. Jeder, der sich als Fan der Spielart des Power Metal bezeichnet, muss hier einfach zugreifen, sofern noch nicht geschehen. Man verneige sich vor den Franzosen – und danke ihnen für dieses großartige musikalische Geschenk.

Anspieltipps: EVIL, LUST FOR LIFE, VICTORY, ILLUSION PART II, KEEPERS OF THE EARTH, MIRACLE, FIGHT FOR DELIVERANCE…

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Metal-CD-Review: HEAVENLY – Sign Of The Winner (2001)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: Sanctuary/Noise/T&T

Lineup:

Charley Corbiaux (Gitarre)
Frédéric Leclercq (gitarre)
Maxence Pilo (Drums)
Pierre-Emmanuel Pélisson (Bass)
Ben Sotto (Gesang, Keyboard)

1. Break The Silence
2. Destiny
3. Sign Of The Winner
4. The World Will Be Better
5. Condemned To Die
6. The Angel
7. Still Believe
8. The Sandman
9. Words Of Change
10. Until The End

Heavenly ganz im Zeichen des Siegers.

Vorwort: Nach dem im Jahre 2000 erschienen Debütalbum der Franzosen von HEAVENLY dauert es nicht allzu lange, bis man einen Nachfolger an den Start brachte. SIGN OF THE WINNER erschien 2001, und sollte an den Überraschungseffekt des Vorgängers anknüpfen. Doch dieses Mal sollten vermehrt eigene Wege gegangen werden – schließlich brachte der Vorgänger zahlreiche aufkommende Vergleiche zu legendären deutschen Combos wie HELLOWEEN oder GAMMA RAY mit sich, es war gar von einer ‚Imitation‘ oder ‚Kopie‘ die Rede. Das ist jedoch schwer vorstellbar, wenn ausgerechnet ein gewisser Piet Silk oder Kai Hansen auf der Platte mitwirkten – die wohl kaum ein billiges ‚Plagiat‘ unterstützen würden. So hallt der fulminante Titel TIME MACHINE bis heute nach, und auch SIGN OF THE WINNER hat einiges an Qualitäten zu bieten, wie sich heute erneut zeigen soll.

Kritik: SIGN OF THE WINNER beinhaltet 10 Tracks, den Auftakt markiert dabei das wandlungsfähige, knapp 4 Minuten lange Intro BREAK THE SILENCE. Begonnen wird mit einer dezenten, leicht apokalyptisch wirkenden Geräuschkulisse; die sinngemäß die Ankunft der Band aus höheren Gefilden verlautbaren lässt. Jedoch erfährt der Track noch zwei Wandlungen, die erste mündet in einem atmosphärischen Intermezzo aus symphonischen Elementen und einer Akustikgitarre, die zweite fügt die markanten Gitarren und letztendlich auch die unterstützenden Drums mit in das stimmige Gesamtbild ein. Gut ist, dass man in diesem Fall noch auf den Gesang verzichtet – gut, andernfalls könnte man den Auftakt wohl kaum noch als Intro bezeichnen – aber der langsame Aufbau und die spannende Entwicklung hin zum Finale gelingt so umso effektiver. Dann beginnt auch schon der Opener DESTINY, der erst einmal eine Bremsklotz in Richtung der anfangs etablierten Stimmung wirft. Schwere Riffs dominieren das Klangbild; doch nach etwa einer Minute setzt die brachiale Uptempo-Instrumentation ein, und HEAVENLY zelebrieren eine Art Musik, die perfekt auf ihren Bandnamen zugeschnitten zu sein scheint. Wieder mal verdammt auffällig und ein Meister der hohen Stimmlagen / Screams: Ben Sotto, der Leadsänger von HEAVENLY, der sich im Vergleich zum Debütalbum noch ein gutes Stück weiterentwickelt hat. Nun stören auch keine übertriebenen Hall-Effekte mehr, der Sound wirkt insgesamt deutlich runder und ’natürlicher‘.

Ganz gewiss haben sich die Franzosen auch sonst enorm weiterentwickelt – der Charme des Debütalbums weicht nun endgültig einer fulminant-brachialen Soundkulisse, die allerlei Stärken aufweist und sofort ins Ohr geht. Die statten Gitarren, der markante Gesang, der druckvolle Bass, die exzellenten Drums, die perfekte Abmischung – HEAVENLY hieven ihr Konzept eindeutig auf die nächste Ebene. Fans von gutem alten Oldschool-Power Metal der Marke HELLOWEEN (um diesen Vergleich trotz allem doch noch einmal anzuberaumen) werden begeistert sein – und in Titeln wie dem folgenden SING OF THE WINNER eine Über-Hymne der besonderen Art vorfinden. Ein toller Gesang, stimmige Backing-Vocals, fette Melodien und rassige Metal-Elemente – hier werden Fanherzen höher schlagen, und das nicht nur aufgrund der Frequenz des Drumming-Parts. Noch epischer, respektive erhabener wird es in THE WORLD WILL BE BETTER, einer weiteren Hymne der Extraklasse. HEAVENLY gehen wunderbar gut gelaunt und voller Spielfreude zu Werke – die Arrangements der Gitarren und die energetischen Strophen, die gekonnt Lead- und Backgroundgesang kombinieren, überzeugen auf Anhieb. Ohne Zweifel erschaffen HEAVENLY hier ganz große, zeitlose Hymnen – die Spaß machen, aber eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht vermissen lassen. Der kompositorische Anspruch, die textlichen Inhalte und das Gespür für ganz große, unverbrauchte Melodien sprechen hier für sich. Es folgt CONDEMNED TO DIE, eine Nummer, bei der ebenfalls von der ersten Sekunde an die Fetzen fliegen. Das Gitarrenspiel ist aussergewöhnlich, und auch im Soli-Part über jeden Zweifel erhaben. Das ist Power Metal, wie er im Buche steht.

Interessant wird es mit dem nun folgenden THE ANGEL, welches eigentlich kein eigenständiger Titel ist – sondern vielmehr als Anschauungsmaterial fungiert, wenn es um die Fähigkeiten des Leadsängers Ben Sotto geht. Der Wahnsinn, was der Mann hier abliefert – ständig variiert er zwischen den Höhen, erreicht dabei extreme Lagen und serviert stilsichere Screams am laufenden Band. Das unglaubliche: HEAVENLY erschaffen mit beinahe jedem Titel eine weitere Hymne, ohne sich dabei in bemerkenswertem Maße zu wiederholen. So ist auch STILL BELIEVE ein solches Teil voller brachialer Urgewalt und einer verdammt melodieverliebten Struktur – gleichzeitig wird man hier die wohl beeindruckendsten Strophen des gesamten Albums vorfinden, sowohl inhaltlich als auch musikalisch. Der Refrain setzt einen weiteren Akzent, Ben Sotto und die Gitarren mischen ordentlich mit und verleihen dem Titel die typische HEAVENLY-Note. Es folgt THE SANDMAN – nanu, was ist denn das ? Die hier dargebotene Melodie erinnert stark an das vorangegangen THE ANGEL, welches offensichtlich jetzt in  einem vollwertigen Titel fortgesetzt wird. Doch wer hier an eine Ballade denkt (das böte sich nach der ersten Minute an), wird überrascht sein. Auch hier schöpfen HEAVENLY erneut aus dem Vollen und bieten hochqualitative Kost, die sich einfach nicht abnutzt. WORDS OF CHANGE und UNTIL THE END runden das Album nach oben hin ab, auch wenn der Überraschungsmoment hier längst verflogen ist. Gerade zum Ende hin nehmen HEAVENLY noch einmal deutlich an Wandlungsfähigkeit zu, und kredenzen in knapp 9 Minuten alles, was das Genre zu bieten hat; alles was es so episch und zeitlos macht.

Fazit: HEAVENLY sind auf SIGN OF THE WINNER auf dem (bisherigen) Höhepunkt ihrer Karriere. Das Album wird von einer extravaganten Spielfreude dominiert, die Ideen scheinen nur so zu sprudeln – und dennoch kommt der metallische Anspruch nicht zu kurz. Extrem melodische Gitarren, ein sich über alle Maßen verausgabender Ben Sotto und zutiefst überzeugende Songstrukturen – das sind HEAVENLY aus Frankreich, die viel mehr können als als blosse ‚Kopie‘ zu fungieren. Das haben sie spätestens mit diesem Album bewiesen – welches besser nicht hätte ausfallen können. Sicher, eine gewisse Vorliebe sollte man schon mitbringen; beispielsweise eine für einen aussergewöhnlichen Gesang – doch dafür gibt es Hörproben. Wer in der Stimme von Ben Sotto kein Hindernis sieht, wird auf SIGN OF THE WINNER genau das bekommen, was der gemeine Power Metaller erwartet. Markante Melodiebögen, symphonische Elemente, fette Blastbeats und einen generell up to the sky gehenden Songanspruch. Wie man es auch dreht und wendet: HEAVENLY are epic beyond your wildest dreams, und bieten gewiss keine Musik für ‚Weicheier‘. Wer sich nicht zu fein ist, schüttelt auch hier ordentlich seinen Kopf – oder träumt einfach nur vor sich hin. The world will be better… und dies ist der Soundtrack dazu.

Anspieltipps: SIGN OF THE WINNER,  THE WORLD WILL BE BETTER, STILL BELIEVE, UNTIL THE END

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Metal-CD-Review: HEAVENLY – Coming From The Sky (2000)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: Noise Records

Lineup:

Ben – Gesang
Max – Drums
Laurent – Bass
Chris – Gitarre

1. Coming from the Sky
2. Carry your Heart
3. Riding through Hell
4. Time Machine
5. Number One
6. Our only Chance
7. Fairytale
8. My Turn will come
9. Until I Die
10. Million Ways

Zeitloser Oldschool Power Metal aus Frankreich.

Vorwort: HEAVENLY – das ist eine Band, mit der man rechnen muss wenn es um gut gemachten Power Metal der traditionellen Spielart geht. Nach einer Demo (1998) und einer Single (2000) war es für die bereits 1994 gegründete Band alsbald soweit, das erste Studioalbum auf den internationalen Markt zu werfen. COMING FROM THE SKY heisst das gute Stück, welches 10 Titel beinhaltet (zumindest in der Standard-Version) und mit einem ungewöhnlichen, nicht wirklich ansprechenden Cover-Artwork ausgestattet ist. Zumindest lässt dieses und der Bandname eine Frage entstehen: würde die Musik von HEAVENLY tatsächlich so ‚himmlisch‘ sein wie angedeutet ? Heute (2012) und nach insgesamt 5 Studioalben weiss man: es handelte sich nicht um ein leeres Versprechen. Tatsächlich scheinen die Kompositionen von HEAVENLY geradezu himmlischer Natur, wenn man so will – und nichts gegen eine gehörige Portion Kitsch (je nach Standpunkt und Geschmack), und einen Leadsänger der besonderen Art hat. Schließlich singt Benjamin ‚Ben‘ Sotto in einer aussergewöhnlichen hohen Stimmlage, und entwickelte einen enorm hohen Wiedererkennungswert.

Kritik: Los geht es mit einem Intro, der gleichzeitig als Titeltrack fungiert – COMING FROM THE SKY. Bereits hier muss man sagen: nicht schlecht, Herr Specht; beziehungsweise nicht übel, HEAVENLY. Ein symphonisches Intermezzo, perfekt mit einigen Gitarren abgemischt, sorgt für einen filmreifen Auftakt und eine Riesenportion Atmosphäre. Ein Knall markiert den Übergang zum Opener CARRY YOUR HEART – in dem sich der Sound der Franzosen erstmals vollständig offenbart. HEAVENLY spielen einen Power Metal der guten alten Schule, also etwa im Stile der früheren HELLOWEEN-Scheiben – doch agieren sie keinesfalls als blosse Kopie. Man braucht nicht lange suchen um festzustellen, dass die definitiv einen ganz eigenen Stil an den Tag legen – einen eigenen Stil und einen eigenen Sound, der sofort ins Ohr geht. Markant ist die zutiefst melodische Struktur, der versierte Gitarreneinsatz, der angenehme Gesang – und der absolute gute-Laune-Refrain, der Kritikern mit Leichtigkeit klar macht: Metal muss nicht immer ‚böse‘ klingen. RIDING THROUGH HELL ist die nächste Nummer, die abermals vom starken Leadgesang lebt, sonst aber hinter dem Opener anstehen muss. Die Chorgesänge wirken nett, doch ein richtiger Drive mag trotz der flotten Instrumentation nicht entstehen. Immerhin fällt der Soli-Part gelungen aus, wie auch die markante Zwischenpassage gegen Mitte / Ende. 

Doch nun ist es an der Zeit für einen Titel, der besser nicht hätte ausfallen können. TIME MACHINE ist das Aushängeschild des Debütalbums, und in jeder Hinsicht ein starkes Stück. Es kommt nicht von ungefähr, dass Piet Sielck und Kai Hansen als Gäste auftreten – doch auch ohne sie wäre dieses Teil eine zeitlose Hymne von enormen Wert und von enormer Qualität geworden. Ein flott-antreibender Drumming-Part, fetzige Riffs und der perfekt arrangierte Gesang lassen schnell eine regelrechte Gänsehaut-Atmosphäre entstehen, die nur noch vom schmetternden Refrain getoppt werden kann. Was für eine Nummer ! Da glaubt man doch gerne an morgen… und auch das folgende NUMBER ONE ist alles andere als ein Ausfall. Sofort wird man von den treibenden Beats in den Bann gezogen, es braucht gar keine weiteren Spielereien, auch wenn die dezenten Keyboard-Elemente durchaus zünden. Der erneut epische Refrain mit dem markanten Chorgesang der Marke HEAVENLY, sowie ein herausragender Benjamin Sotto als Leadstimme lassen nur einen Schluss zu: das ist Power Metal in seiner Perfektion. Auffällig auch, dass die einzelnen Titel eine jeweils recht lange Spieldauer aufweisen – das folgende OUR ONLY CHANCE bringt es ebenfalls auf gute 7 Minuten. Hier werden deutlichere Parallelen zu Bands wie HELLOWEEN deutlich – doch bei einem derart unverwechselbaren Gesang kann man nur von einem neuen, inspirierenden Werk sprechen. Ein weiterer Mitsing-Refrain und geradezu surreal anmutende Gesangspassagen in den höchsten Tönen machen Laune, lediglich die Instrumentation der Strophen wirkt etwas langatmig. Dafür gibt es zum Ausgleich aber einen deutlich schnelleren Uptempo-Part gegen Mitte serviert, der – wieder einmal – zeitloser nicht hätte ausfallen können. Was für Wahnsinns-Melodien !

Eine kleine Überraschung bietet das nun folgende FAIRYTALE – es handelt sich lediglich um ein kurzes Interlude von gerade einmal 32 Sekunden Dauer. Viel lässt sich darüber nicht sagen – teilweise wirkt es etwas fehl am Platze beziehungsweise fügt sich nicht perfekt in den Kontext der Titel ein – andererseits lädt es zum kurzweiligen Träumen ein und erzeugt eine bemerkenswerte Stimmung. MY TURN WILL COME offeriert einen weiteren kultverdächtigen Refrain als Highlight an, und ist auch sonst ausnahmslos gut gestrickt. Langeweile kommt keine auf – HEAVENLY halten die Flagge des Power Metal hoch, und marschieren  munter voran, auch gegen Ende des Albums. So ist auch UNTIL I DIE eine gelungene Nummer mit typischen HELLOWEEN-Qualitäten, doch die äusserst gefühlvollen Refrains und geradezu festlichen Passagen machen aus diesem Titel noch viel, viel mehr. Es lohnt sich, auf Entdeckungsreise zu gehen. Das abschließende MILLION WAYS bietet zwar nicht mehr viel neues, trägt aber doch einiges zu einem knackigen Finale bei. Dieses findet indes noch nicht statt, ist man in Besitz der Bonus-Edition des Albums, welches noch mit 2 zusätzlichen Titeln ausgestattet ist – das witzig-unterhaltsame / absichtlich übertriebene DEFENDER und die wunderschöne Halb-Ballade PROMISED LAND. Welcher von beiden nun gelungener ausgefallen ist, ist schwer zu sagen – doch mit Sicherheit sind es beide. Sieht man sie als Teil des Albums, fungieren sie gar als die stärksten, direkt nach Brechern wie TIME MACHINE.

Fazit: Ein Klassiker – HEAVENLY’s COMING FROM THE SKY sollte in keiner gut geordneten Metal-Sammlung fehlen. Minimal störend ist die noch nicht perfekt ausgereifte Produktionsqualität, die sich einerseits in einem etwas schwachbrüstigen Sound und stellenweise übertriebene Halleffekten im Gesang widerspiegelt – andererseits aber für einen gewissen Retro-Charme sorgt. Ansonsten gilt: hier stimmt einfach alles, von den Instrumenten über die Inhalte bis hin zum Gesang. Wenn man schon ein Album mit dem Prädikat ‚zeitlos‘ attribuieren wollte, dann doch dieses – gleich nach den früheren Kult-Klassikern von HELLOWEEN oder GAMMA RAY. Denn genau in diesen Pfaden bewegen sich auch HEAVENLY – doch erfinden sie dabei das Rad tatsächlich neu (!) und bieten alles andere als schon tausendmal gehörte Kost. Große Emotionen treffen auf perfekte Arrangements und eine aussergewöhnliche Singstimme – HEAVENLY machen einfach alles richtig. Dass sie dabei ‚Vorbilder‘ wie Kai Hansen unterstützen,  macht die Sache nur noch spannender. Das absolute Highlight TIME MACHINE wird so auf ewig von diesen guten alten Metal-Zeiten berichten und (hoffentlich) lange nachwirken. Und auch wenn Subjektivität oftmals wehtut: wer sagt, dass dieses Album zu ‚weichgespült‘ daherkommt oder der Sound von HEAVENLY nur für ‚Weicheier‘ bestimmt sei – der hat definitiv keinen Schimmer von guter Musik.

Anspieltipps: CARRY YOUR HEART, TIME MACHINE, MY TURN WILL COME, UNTIL I DIE, DEFENDER

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Metal-CD-Review: HEAVENLY – Carpe Diem (2009)

Land: Frankreich – Genre: Power Metal

1.    Carpe Diem
2.    Lost In Your Eyes
3.    Farewell
4.    Fullmoon
5.    A Better Me
6.    Ashen Paradise
7.    The Face Of The Truth
8.    Ode To Joy
9.    Save Our Souls

„Trust in me my brother… hear the Ode To Joy“

Vorwort: Heavenly – was ist geschehen ? Wer die bisherigen Alben der Franzosen kennt, dem wird auf Carpe Diem so einiges bekannt, vieles aber auch wieder gänzlich… anders vorkommen. Glücklicherweise wird man – im besten Fall – feststellen können, dass es sich um einen musikalischen Reifeprozess handelt, der hier auf CD gepresst und verewigt wurde, und die Jungs weder ihre Wurzeln verleugnen noch käsige Popmusik fabrizieren. Auch wenn manche das vielleicht gerne behaupten würden, speziell nachdem sie diese CD hier verköstigt haben. Man muss sich damit arrangieren: die gute alte Zeit von Heavenly ist vorüber (hach… Time Machine, Sign Of The Winner), es lebe eine neue Schaffensperiode ! Tatsächlich wurde der alte, ’straighte‘ Sound ein wenig vernachlässigt, dafür kommen nun andere Anleihen zum Tragen. Und die wären in erster Linie im Schaffen von Queen zu finden, sowie im Klassik-Bereich. Das klingt interessant… ? Dann heisst es definitiv: weiterlesen, sofern noch nicht in Besitz des Albums. Das klingt irgendwie nicht sehr ‚true‘ und allzu avantgardistisch ? Gut gut – aber hatte gerade die Band Heavenly nicht schon immer einen ‚besonderen‘ Touch an sich ? Finden wir es – abermals – heraus.

Jedoch – Halt. Was genau da beim Cover dieser Scheibe geschehen ist, das vermag wohl niemand so genau zu sagen. Ist diese vermeintliche ‚Lesben-Szene‘ tatsächlich eine ? Steht sie gar als Emanzipationsaufforderung im Zusammenhang mit dem Leitspruch ‚Lebe den Tag‘ (jeder sollte den Tag genießen, unabhängig davon wer er ist und wie er fühlt) ? Oder ist des Rätsels Lösung doch eine reichlich plumpere – dient diese Abbildung lediglich als ‚Scharfmacher‘ für die Hauptzielgruppe, die aller Wahrscheinlichkeit nach männlichen Geschlechts ist ? Nur zwei Dinge sind offensichtlich: 1. das Cover kann eindeutig als Fehlgriff bezeichnet werden, und 2. wird es dem musikalischen Inhalt kaum gerecht. Es gilt also die Devise: nicht abschrecken lassen, denn spätestens jetzt treten Heavenly langsam aber sicher in die Fußstapfen der Altmeister von Queen – auch wenn es sicherlich ein paar Tracks dauert.

Kritik: Fans der Band werden bei den ersten Klängen des neuen Albums die unverwechselbare Stimme von Leadsänger Benjamin Ben Soto wiedererkennen, und sich im gleichen Atemzug bestätigt wissen: das ist Heavenly, und niemand anderes. Schließlich gibt es bis dato so gut wie keine Vergleichsband – zwar gibt es Referenzen in Bezug auf die Spielart, aber die hier dargebrachte, äusserst variable Gesangsstimme ist schlicht einzigartig. Und das führt im Zusammenspiel mit einigen speziellen Samples, Klang von Instrumenten und Melodien dazu, dass der typisch-markante Sound von Heavenly im Gesamtbild entsteht. Doch der Opener vermag es – leider – noch nicht die Zuhörerschaft vom Hocker zu reissen. Und das trotz Titeltrack – Carpe Diem ist in jederlei Hinsicht dem gehobenen Mittelmaß, aber eben (noch) nicht der Spitzenklasse zuzuordnen. Ein paar nette Gesangseinlagen, ein paar nette Soli, ein wenig Abwechslung in Bezug auf die Instrumentalisierung… doch um eine Hymne handelt es sich zweifelsohne nicht. Und auch die Alleinstellungsmerkmale der Band treten hier noch nicht so gut in den Vordergrund – mit Ausnahme der Leadstimme natürlich (6/10). Das folgende Lost In Your Eyes beginnt da schon etwas fetziger und eingängiger, und vermag es fortan; ein nettes Zusammenspiel von Stimme und Metal-Elementen (vorrangig Drums und Gitarren, aber auch eine Art Synthie-Sound a’la Heavenly) zu gewährleisten. Mister Soto darf hier schon ein wenig mehr aus dem Vollen schöpfen, und der Soli-Part gegen Mitte macht erst so richtig Laune. Und dennoch, ein wenig scheint auch dieser zweite Titel hier vor sich herzudümpeln, wo auch immer (7/10).

Also gut, die Eingewöhnungszeit (für die Hörerschaft, aber eben auch für die Band) ist vorüber, und das ist auch gut so. Denn was Heavenly da mit ihrem Farewell abliefern, grenzt schon fast an ein musikalisches Wunder. Und das nach dem eher nichtssagenden, wenig spektakulären Start ! Erstmals zeigt Mr. Soto vollends, was in ihm steckt – und was für ein faszinierendes Organ er da sein eigen nennt. Von gemäßigten Tiefen bis in die unendlichen Höhen, sein Spektrum ist wahrlich beeindruckend – und doch sind seine ‚Screams‘ keine wirklichen in dem Sinne. Vielmehr gehört dieser Extremgesang als Kunstform bei Heavenly einfach dazu. Aber nicht nur das – der gesamte Titel wirkt, als sei endlich ein würdiger Nachfolger für Queen gefunden. Hier findet sich einfach alles: verspielte Keyboard- und Gitarrenpassagen, leicht orchestrale Elemente, ein Backgroundchor; unglaublich viele Variationen und Stimmungswechsel; und nicht zuletzt – ein gehörige Portion Emotionalität und Erhabenheit. Der Wahnsinn – man sollte sich unbedingt selbst Gehör verschaffen was das betrifft, auch wenn es sich sicher nicht um ein ‚konventionelles‘ Heavy Metal-Stück handelt. Gut so (10/10). Fullmoon beginnt mit ein wenig Babygequake und daher leicht makaber, danach aber ‚rollt‘ sich der fluffige Heavenly-Instrumentalklang wieder auf der Akustik-Bühne aus und begeistert. Highlights bei diesem Titel sind der Refrain, sowie die darauffolgenden Passagen; während die Strophen im Vergleich schon beinahe ‚minimalistisch‘ gehalten sind (8/10). A Better Me ist dann wieder einer der ’neueren‘ Heavenly-Tracks, die einfach direkt zu Gefallen wissen. Ähnlich wie schon beim Queen-orientierten Farewell wird hier eine ähnliche Richtung eingeschlagen, doch das Tempo wird stellenweise noch etwas mehr angezogen. Ein satter Refrain, ansprechende Lyrics, eine Riesenportion Power und Innovation, ein wenig Verträumtheit hie und da – und ein sich verausgabender Sänger. Was will man mehr… (10/10).

Und wer denkt, dass die ‚alten Zeiten‘ generell vorbei sind, der hat sich ohnehin geschnitten. Denn das folgende Ashen Paradise ist ein waschechtes Heavenly-Brett, wie es im Buche steht. für Fans und Neueinsteiger ist dieser Titel gleichermaßen empfehlenswert, denn dem unglaublichen Drive kann sich wohl so schnell niemand entziehen. Ein genialer Refrain und an das Vorgängeralbum Virus anschließende Klänge runden den Gesamteindruck perfekt ab (10/10). The Face Of Truth ist dann wieder einer der etwas bodenständigeren Titel, der mehr Kost für reine Metal-Heads bietet (die mit den Queen-Passasgen eventuell weniger anfangen können). Auch hier klingt die Band mehr als reif, versiert und stets auf dem Siedepunkt der Spielfreude (8/10). Muss man zum folgenden Ode To Joy tatsächlich noch etwas sagen ? Endlich einmal hat sich eine ernstzunehmende Power Metal-Band an diesem Beethoven-Titel versucht, und man muss doch wirklich sagen… das lässt sich hören. Mit einer großen Portion… genau, ‚Freude‘ sprengen Heavenly endgültig alle Genregrenzen und vergrätzen alle, die behaupten das Metal nicht ‚fröhlich‘ klingen darf. Pech gehabt, natürlich darf er das (10/10). Als Abschluss des relativ kurzen Albums dient dann nur noch Save Our Souls, ein Titel, der den anderen in nichts nachsteht (8/10).

Fazit: Heavenly entwickeln sich weiter – ob das nun mit oder ohne expliziten Anleihen geschieht, es kann nur förderlich sein. Denn wer möchte schon auf der Stelle treten und ewig gleich klingen… ? Genau. Wer auf der Suche nach nicht nur etwas, sondern merklich anderem Metal ist, der dürfte spätestens mit dem fünften Album der Franzosen von Heavenly fündig werden. Wohl bekomm’s !

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