Metal-CD-Review: GALLOGLASS – Heavenseeker (2005)

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Alben-Titel: Heavenseeker
Künstler / Band: Galloglass (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 31. Oktober 2005
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Carsten Frank – Vocals
Kai Mühlenbruch – Guitars
Norbert Geiseler – Guitars
Dirk Zelmer – Bass
Arnd Lorenz – Drums

Track-Liste:

1. Burden of Grief (04:12)
2. After Forever (05:39)
3. Perished in Flames (04:34)
4. Dawn of a New Age (04:15)
5. Banished from Eternity (04:45)
6. At the Shadowcross (04:42)
7. To Kneel Is to Suffer (04:50)
8. Heavenseeker (04:43)
9. Signs (03:51)
10. Beyond the Mirror (05:07)
11. Kings Who Die (05:14)

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist… oder so ähnlich.

HEAVENSEEKER ist das zweite und bis heute letzte Album der hannoverischen Bandformation GALLOGLASS. Dabei hatte jene Band, die sich eindeutig in den Gefilden des Power Metals zuhause fühlt; erst zwei Jahre zuvor für eine echte Überraschung gesorgt. Ihr Debütwerk LEGENDS FROM NOW AND NEVERMORE (Review) schlug ein wie eine Bombe, sicherte sich einen festen Platz in so mancher Bestenliste und ließ auf eine mehr als positive Zukunft der Band hoffen. Doch es ist eben, wie es ist – GALLOGLASS haben ihren (späteren) Fans eine recht übersichtliche Diskografie hinterlassen; aus welchen Gründen auch immer. Und wer weiß schon, ob es eines Tages nicht doch noch ein Comeback geben wird – man soll bekanntlich niemals nie sagen.

Nun aber gilt es, den Blick auf HEAVENSEEKER zu richten – jenem Zweitwerk, welches durch die überragende Qualität des Vorgängers in beachtliche Fußstapfen treten muss. Was dabei zunächst auffällt, ist wieder einmal das schier überwältigende Lineup – welches die Erwartungen entsprechend in die Höhe schraubt. GALLOGLASS treten in diesem Falle schließlich nicht nur zu fünft auf, sondern sicherten sich die Unterstützung von insgesamt 18 Gastmusikern – die mal an der Gitarre werkeln oder aber im großen, eigens kreierten GALLOGLASS-Chor mitsingen. Auf den bereits auf dem Vorgänger etablierten, atmosphärischen Violinenklang muss man dieses Mal ebenfalls nicht verzichten: Hartmut Richter übernimmt auch auf HEAVENSEEKER das Spiel jenes markanten Instruments, welches den Einsatz eines Keyboards grundsätzlich überflüssig macht und dem Sound eine äußerst wertige, natürliche Komponente verpasst. Zu guter letzt wurde abermals für eine hochwertige Produktion gesorgt – wenn auch nicht mehr mit dem finalen Feinschliff durch Sascha Paeth. Das macht aber nichts – auch HEAVENSEEKER rauscht überaus hochqualitativ, druckvoll und organisch durch die Boxen, qualitative Unterschiede zum Vorgänger (der in dieser Hinsicht bereits perfekt war) sind nicht wirklich festzustellen.

Zweifelsohne handelt es sich dabei um gute Voraussetzungen – es kommt nur noch auf die letztendlich präsentierten, in diesem Falle 11 Titel an. Die sind auch dieses Mal allesamt vollwertig; ein Intro, Outro oder Interludien sind nicht vorgesehen. Und so kann es munter ans Werk gehen – es könnte. Sicher strotzt auch HEAVENSEEKER vor musikalischer Stilsicherheit und sollte vornehmlich eine Offenbarung für all jene sein, die sich als Genre-affin bezeichnen würden – es aber gerne auch mal etwas weniger kitschig haben möchten. Fakt ist aber auch, dass es sich nicht mehr ganz so innovativ, überraschend und aussagekräftig anfühlt wie der grandiose Vorgänger. GALLOGLASS geben sich zwar nicht die Blöße oder vergreifen sich komplett, im Gegenteil – doch jene schier majestätisch-poetische Atmosphäre; die einst der Sound der Band auszeichnete, scheint dezent verflogen zu sein.

Doch auch gesanglich und instrumentell scheint sich einiges verändert zu haben – und das nicht unbedingt zum Guten. Leadsänger Carsten Frank verzichtet hier weitestgehend auf die einst so markante, wenn man so will langgezogene Intonation einzelner Wortteile, und tritt auch allgemein etwas kräftiger und bestimmter auf. Das harmoniert zwar gut mit den ohnehin eher härteren Instrumentalparts des Albums, doch war es wesentlich angenehmer eine Art Gegenüberstellung zu erleben – von etwas weicheren Gesangseinlagen und harten, fast schon trashig anmutenden Riffs und Blastbeats. Auf HEAVENSEEKER scheint dagegen eine Annäherung stattzufinden: einerseits peilte man einen etwas härteren Gesang an, während man die Instrumentalparts ein wenig ihrer Kraft beraubt hat (zumindest gefühlt) – die Folge ist ein stimmiges, aber nicht mehr ganz so spannendes Gesamtbild. Das beste Beispiel hierfür ist ein Titel wie AFTER FOREVER – in denen Carsten Frank sogar zu Growl-Ansätzen ausholt und dem Ganzen einen etwas anderen Genre-Anstrich verleiht. Das funktioniert im vergleichbaren Titel BEYOND THE MIRROR indes wesentlich besser.

Glücklicherweise ist das restliche Material aber weitestgehend als Power Metal zu bezeichnen – als vergleichsweise harter und schroffer. Das Problem ist, dass GALLOGLASS nicht mehr ganz so virtuos und geschickt vorgehen wie noch auf dem Vorgänger – und das Album so einen etwas gleichförmigen, überraschungsarmen Touch erhält. Die Anzahl der Hymnen wurde zurückgefahren, die Chöre wirken nicht mehr ganz so schmackig, die Soli fallen übersichtlicher und unspektakulärer aus – während sich das Tempo zumeist im höchsten nur vorstellbaren Bereich bewegt, was schon mal an den Nerven zerren kann. Zwei Überraschungen gibt es dann aber doch noch: zum einen das recht markante DAWN OF A NEW AGE mit seiner enorm ansprechenden Struktur und dem ungewohnt fröhlichen Refrain, sowie die Abschluss-Ballade KING WHO DIE. Ein wenig mehr von solchen stilistischen Ausbrüchen hätten dem Album vielleicht ganz gut getan – aber immerhin ist es auch so noch recht abwechslungsreich.

HEAVENSEEKER ist ein gelungenes Genre-Album für alle Power Metal-Freunde, die es gerne mal etwas härter und ungekünstelter mögen. Doch die Legende vom sagenumwobenen Debütalbum kann es nicht wirklich fortführen – dafür ist es insgesamt etwas zu hektisch, allgemein durchwachsen und schlicht weniger originell.

Absolute Anspieltipps: BURDEN OF GRIEF, DAWN OF A NEW AGE, TO KNEEL IS TO SUFFER, SIGNS, BEYOND THE MIRROR


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„Ein nicht mehr ganz so bahnbrechender Nachfolger – aber immer noch weit entfernt von einer Katastrophe.“

Metal-CD-Review: GALLOGLASS – Legends From Now And Nevermore (2003)

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Alben-Titel: Legends From Now And Nevermore
Künstler / Band: Galloglass (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 17. Feburuar 2003
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Carsten Frank – Vocals
Kai Mühlenbruch – Guitars
Norbert Geiseler – Guitars
Dirk Zelmer – Bass
Arnd Lorenz – Drums

Track-Liste:

1. Dragons Revenge (05:32)
2. Ancient Times (04:46)
3. A Wintertale (05:33)
4. Remember the Fire (05:35)
5. Legends from Now and Nevermore (04:33)
6. The Conjuring (04:47)
7. Eye to Eye (04:20)
8. Crusade of the Damned (05:35)
9. The Quest (04:25)
10. The Last Stand (05:26)

Auf dass ein Album wie dieses niemals vergessen werden wird.

GALLOGLASS sind eine deutsche Power Metal-Combo aus dem Herzen Deutschlands, genauer gesagt dem niedersächsischen Hannover. Als ehemaliges Zugpferd der allseits bekannten (und in letzter Zeit wieder aufstrebenden) Limb Music GmbH könnte man bereits von ihnen gehört haben – wenn nicht, wird sich das wohl auch nicht mehr großartig ändern. Schließlich scheint sich die Band bereits vor einigen Jahren aufgelöst zu haben, ob es jemals ein Comeback geben wird steht in den Sternen. Dennoch lohnt sich ein Blick auf das bisherige Schaffen der Hannoveraner, die nach einer offiziellen Demo aus dem Jahre 2000 immerhin zwei Studioalben herausgebracht haben. Das erste war das heute behandelte LEGENDS FROM NOW AND NEVERMORE, zwei Jahre später folgte dann das letztaktuelle Werk HEAVENSEEKER. Was aber ist es, was die Band einst auszeichnete und sie so gesehen auch heute noch zu einem echten Geheimtipp macht ?

Jenes etwas ist im Falle von GALLOGLASS gar nicht so leicht zu beschreiben. Und doch ist sie da, eindeutig und unverkennbar – eine ganz spezielle, wenn man so will einzigartige Atmosphäre; die sich durch die gesamten 10 Titel (Interludien gibt es nicht) zieht. Vielleicht liegt sie auch darin begründet, dass man GALLOGLASS nicht vorschnell in eine vorgefertigte Schublade stecken kann – mit Ausnahme des Obergenres, versteht sich. Dieses ist zwar einwandfrei als Power Metal zu identifizieren; doch ergeben sich zahlreiche herausragende Alleinstellungsmerkmale, die die Band so gesehen von der Masse abheben. Es beginnt damit, dass das Album allein aufgrund des Titels recht Fantasy-lastig und somit eher Genre-typisch anmutet – ein Eindruck, der sich jedoch nur bedingt bestätigt. Denn im Vergleich mit anderen Genrekollegen wirken und klingen GALLOGLASS einfach wesentlich bodenständiger, geerdeter. Die Überraschung folgt sogleich: dort wo man am ehesten diverse genretypische; das heißt beispielsweise etwaige kitschige und hochtrabende Elemente erwarten würde, kommen sie nicht wirklich zum Einsatz.

Der Sound von und auf LEGEND FROM NOW AND NEVERMORE ist schließlich ein recht ungekünstelter – die angenehm schroff und melodisch klingenden Gitarren dominieren hier eindeutig das Klangbild. Das besondere ist, dass komplett auf das Keyboard verzichtet wurde – stattdessen sind allerlei klassische Instrumente (wie Geige, Flöte, Cello) zu hören – eine sehr gute Entscheidung. Während die handwerklichen Aspekte wahrlich keine Wünsche offen lassen, ist es vor allem auch die Stimme des Leadsängers Carsten Frank die schnell markant aufzufallen weiß. Hier handelt es sich um eine angenehme, einerseits unspektakuläre aber doch enorm mitreißende Stimme; der man nur allzu gerne lauscht. Potentielle Vergleiche sind schwierig, was die Einzigartigkeit der Band nur noch untermauert – in jedem Fall kann man davon ausgehen, dass sich GALLOGLASS auch aufgrund des Gesangs von der Masse abheben. Hinzu kommt eine Produktionsqualität, die sich gewaschen hat – dafür, dass man vorher so gut wie nichts von der Band gehört hat und es sich um ein Debütalbum handelt; klingt es verdammt beeindruckend. Gut also, dass man offenbar die richtigen Leute kannte – wie etwa Olaf Reitmeier und Sascha Paeth, die sich des öfteren für absolut hochwertige Produktionen verantwortlich zeichnen.

All das wäre jedoch nur halb so schön, hätten es nicht auch die hier präsentierten 10 Titel in sich. Und das haben sie: das Album ist trotz der vergleichsweise geringen Spieldauer enorm abwechslungs- und facettenreich. Sicher auch, da die jeweiligen Titel eine völlig differente Wirkung erzeugen – alles unter dem Banner einer allgemein etwas düstereren Stimmung. Der Opener DRAGON’S REVENGE wirkt mit seinem enormen Tempo, den mächtigen Chören noch am ehesten wie ein typischer Power- oder auch Symphonic Metal-Brecher – doch danach geht es erst so richtig los. ANCIENT TIMES ist eine äußerst atmosphärische Hymne, die dank des markanten Violinen-Einsatzes eine ganz eigene Note bekommt; und gerade durch den eher fröhlichen Refrain ein reichhaltiges Klangbild entstehen lässt. Der erste Höhepunkt wird dann aber mit A WINTERTALE erreicht – derart poetisch, melancholisch und über alle Maßen inspirierend klang schon lange kein Power Metal-Titel mehr. REMEMBER THE FIRE bietet einen weiteren höchst interessanten Ansatz, als dass hier lediglich der Refrain nach einer gefühlvollen Power-Ballade klingt – die Strophen aber ordentlich druckvoll aus den Boxen röhren. In den verbleibenden Titeln gibt man sich ebenfalls keine Blöße – Ausfälle gibt es keine, nur weitere Höhepunkte.

Mit LEGENDS FROM NOW AND NEVERMORE ist GALLOGLASS also durchaus etwas gelungen, was nur wenige Genrebands schaffen. Sie haben ein Debüt-Album kreiert, welches gleichermaßen überrascht wie begeistert; und dabei so gut wie keine wünsche offen lässt. Die harschen, enorm antreibenden Power Metal-Elemente verschmelzen wunderbar mit den klassischen Komponenten und erzeugen eine fast schon hypnotische Wirkung – eine, die noch von der enorm charismatischen Stimme des Leadsängers verstärkt wird. Weghören ist hier zu keinem Zeitpunkt erlaubt; beziehungsweise wird einem dies ob der durchweg grandiosen musikalischen Qualität kaum einfallen – ein jeder Titel hat eine Daseinsberechtigung. Der Clou des Albums ist jedoch dass es insgesamt eher düster ausgefallen ist, und man sich – obwohl es sich anbieten würde – nicht in allzu progressiven Strukturen verstrickt hat. Stattdessen wird das Tempo beinahe kontinuierlich gehalten und eine Hymne nach der anderen präsentiert. Wohlklingend schroffe Gitarren, ein starker Leadgesang, gut platzierte klassische Elemente und ein grandioses Songwriting – mehr kann man sich wahrlich nicht von einem Album wünschen.

Absolute Anspieltipps: ANCIENT TIMES, A WINTERTALE, CRUSADE OF THE DAMNED, THE LAST STAND


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„Ein Album, dass in die Metal-Annalen eingehen MUSS.“