Metal-CD-Review: GALDERIA – Return Of The Cosmic Men (2017)

Alben-Titel: Return Of The Cosmic Men
Künstler / Band: Galderia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Juli 2017
Land: Frankreich
Stil / Genre: Power Metal
Label: Massacre Records

Alben-Lineup:

J.C. Chicco – Drums
Tom Schmitt – Vocals, Guitars
Seb Chabot – Vocals, Guitars
Bob Saliba – Vocals, Guitars, Bass
Julien Digne – Keyboards

Track-Liste:

1. Shining Unity (05:41)
2. Blue Aura (04:03)
3. Living Forevermore (04:40)
4. High Up in the Air (04:10)
5. Celestial Harmony (04:02)
6. Wake Up the World (04:46)
7. Legions of Light (04:30)
8. Return of the Cosmic Men (05:34)
9. Pilgrim of Love (05:01)
10. Wake Up the World 2.0 (05:27)

Eine Rückkehr von ganz und gar ko(s)mischen Ausmaßen.

Eingefleischte Power Metaller, die bei ihrem tagtäglichen Musik-Konsum nicht immer die volle Dröhnung in Sachen Geschwindigkeit und Härte benötigen – oder sich ohnehin und ganz allgemein mit dem Schaffen von Bands wie FREEDOM CALL wohlfühlen – werden sie sicher kennen: GALDERIA, eine bereits seit 2006 bestehende Genre-Formation aus Frankreich. In jedem Fall hatten sich die engagierten Musiker um Frontmann Sebastien Chabot (genannt Seb) schon früh einen Namen gemacht, indem sie ihre ganz eigene Vision eines kosmischen und wenn man so will universellen Power Metals durchgesetzt haben. Während sich die Band zunächst noch mit einigen Independent-Releases wie der Auftakt-EP THE STARLORD (siehe Review) oder den beiden Demo-Alben PUISSANCE ET UNITE (Review) und ROYAUME DE L’UNIVERSALITE (Review) verdingte, wurde es spätestens mit dem 2012 über Metalodic Records veröffentlichten THE UNIVERSALITY (Review) ernst – GALDERIA erreichten immer mehr Hörer, polarisierten aber auch in Anbetracht ihrer vergleichsweise zugänglichen und freundlichen Spielart.

Den eigentlichen Höhepunkt ihrer Karriere markierte aber ohnehin ein anderes, gerne mal übersehenes Werk: die 2010 veröffentlichte und gerade einmal 5 vollwertige Titel enthaltene RISE, LEGIONS OF FREE MEN-EP (Review). Die zeigte die Franzosen von einer bis dato ungeahnt professionellen, druckvollen und schlicht effektiven Seite – und das ohne, dass die Band auf ihre typisch-auflockernden Trademarks hatte verzichten müssen. Da der Nachfolger und das so gesehen erste richtige (d.h. ein für eine breite Öffentlichkeit bestimmtes und über ein Label erschienenes) Studioalbum THE UNIVERSALITY die daraufhin enorm gestiegenen Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte, ist die Spannung natürlich umso größer wenn es um das aktuell vorliegende und über Massacre Records erschienene RETURN OF THE COSMIC MEN geht. Selbiges sollte eine größere Reichweite haben – und könnte darüber hinaus das Potential haben, die Rückkehr von GALDERIA (und das im besten Fall in ihrer alten Stärke) nachhaltig zu festigen.

Tatsächlich sieht es gar nicht mal schlecht aus für das mit 10 Titeln etwas knapp bestückte Album – wobei es nicht unbedingt die Laufzeit von gut 48 Minuten ist die jene Knappheit beschreibt, sondern eher die Verwendung der bekannten Nummer WAKE UP THE WORLD in gleich zwei neuen Varianten. Der Opener SHINING UNITY jedenfalls geht verdächtig schnell ins Ohr, und macht in etwa da weiter wo die RISE-EP aufgehört hatte. Sei es der flotte und hymnische Grundton, die für die Band typischen Textinhalte mit entsprechend hervorgehobenen Schlagwörtern; oder aber der sanfte und dennoch bestimmte Leadgesang mit der Unterstützung effektiver Chöre – im Zusammenspiel mit der schön schmackigen Metal-Instrumentierung und der im Gegensatz zu THE UNIVERSALITY nun vollständig zufriedenstellenden Produktion geht das GALDERIA-Konzept vollends auf. Zumindest zunächst – denn leider kann der Opener das große, mit dem Album verbundene Versprechen nicht lange aufrechterhalten.

Denn: GALDERIA driften im weiteren Verlauf des Albums immer wieder in Bereiche ab, die man eher hätte vermeiden sollen. Damit ist jedoch nicht die grundsätzliche Ausrichtung der Band gemeint, die trotz des relativen Kitsch-Faktors und der extremen Eingängigkeit ein riesiges Potential hat (und noch einmal gilt es, den Blick oder eher das Ohr gen RISE, LEGIONS OF FREE MEN zu richten) – sondern eher der auf RETURN TO COSMIC MEN weitestgehend fehlende Biss oder auch Crunch. Warum genau das Album vergleichsweise langatmig, generisch und im schlimmsten Fall sogar etwas lustlos klingt; bleibt schwer zu sagen – immerhin sorgen die ausgewogene Produktion sowie die stets gar nicht mal so weit im Hintergrund schrammenden Rhythmusgitarren durchaus für ein gewisses Feuer. Dass es dennoch nur bei einer Flamme bleibt die droht im Keim zu ersticken, hat vermutlich andere Gründe.

Eventuell auch solche, die eigentlich eher kleinere Besonderheiten oder auch Neuerungen beschreiben. Wie beispielsweise die Tatsache, dass sich in Nummern wie BLU AURA plötzlich mehrere Bandmitglieder mit dem Leadgesang abwechseln – was sowohl ungewohnt als auch eher bescheiden klingt, zumal man im Gegensatz dazu an den Chören im Refrain gespart zu haben scheint. Ebenfalls nicht ganz unproblematisch ist der bereits erwähnte Einsatz von WAKE UP THE WORLD – einer einst recht speziellen Nummer, die nur schwerlich dem Genre des Power Metal zuzuordnen war. Nicht nur, dass man den wummernden Rhythmus noch im Ohr haben könnte (was die neuen Versionen schlicht etwas falsch klingen lässt) – der neuen Herangehensweise, die hier wie ein müder Verschnitt einer Band wie AVANTASIA klingt; ist wahrlich kaum etwas abzugewinnen. Beim Rausschmeißer WAKE UP THE WORLD 2.0 fallen das merkwürdige Rhythmusgefühl sowie die fraglichen (und etwas gezwungen wirkenden) Neuerungen sogar noch stärker auf – wobei es zusätzlich ungünstig erscheint, diesen Titel auf der reguläre Version der CD zu wissen. Als irgendwo anders auftauchender Bonustrack wäre das Ganze sicher eher geeignet gewesen.

Wer glaubt, dass es zumindest alle verbleibenden Titel in sich haben müssten; wird vermutlich eher enttäuscht. Das akustische PILGRIM OF LOVE beispielsweise schneidet verdächtig schlecht ab – das an den Tag gelegte Instrumentengeplänkel ist ernüchternd, der Leadgesang schwächelt dezent, die besungenen Inhalte sind allzu harmlos. Von einer x-beliebigen christlichen Hobby-Band, die für ein wenig musikalische Untermalung auf einem ökumenischen Kirchentag sorgt; sind GALDERIA hier jedenfalls nicht mehr weit entfernt. Da entfaltet das ebenfalls ruhige und harmlose LIVING FOREVER trotz seiner abermals recht problematischen balladesken Passagen schon etwas mehr Reiz – hier ist es eigentlich nur der absolut nichtssagende und repetitive Refrain, der vieles zunichte macht. Das merkwürdig überhastet klingende HIGH UP IN THE AIR, das feucht-fröhliche aber seelenlose CELESTIAL HARMONY sowie der extrem müde Titeltrack RETURN OF THE COSMIC MEN machen den Kuchen dann auch nicht mehr fett.

Schlussendlich: bis auf den gelungenen Opener und eventuell LEGIONS OF LIGHT gibt es verdächtig wenig auf GALDERIA’s RETURN TO COSMIC MEN zu holen. Anders gesagt: auch wenn die Band an ihrem Sound gefeilt hat und die Gitarren sogar ordentlich in den Vordergrund gerückt sind; klingt die Band aktuell so weichgespült, belanglos und unspektakulär wie nie zuvor. So klingt vermutlich nur Langeweile – oder eben doch der ökumenische Kirchentag.

Absolute Anspieltipps: SHINING UNITY, LEGIONS OF LIGHT


„Ein handwerklich solides, insgesamt aber verdächtig prätentiöses und erschreckend unspektakuläres Album.“

Metal-CD-Review: GALDERIA – Royaume De L‘ Universalité (Demo, 2009)

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Alben-Titel: Royaume De L‘ Universalité (Demo)
Künstler / Band: Galderia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 09. Mai 2009
Land: Frankreich
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

J.C. – Drums
Tom – Guitars
Seb – Vocals
Verdo – Bass

Track-Liste:

1- Reptilian Tyrants (4:48)
2- Far Space (Demo Version) (4:19)
3- Someday Somewhere (5:22)
4- Children of Tomorrow (3:56)
5- Children of Light (3:34)
6- The Book of Stars (6:10)
7- Starchild (4:29)
8- One Million Dreams (Demo Version) (5:00)
9- Dreamer (3:30)
10- Aeons (0:56)
11- Raising Hell (3:52)
12- Dance of Life (3:21)
13- Gate of Mind (4:31)
14- Universality (Demo Version) (4:19)
15- Out of Control (4:07)

Eine Demo wie eine groß angelegte Korrektur.

Im Jahre 2009 war alles offen für die aufstrebenden französischen Power Metaller von GALDERIA. Nach einer überraschend guten ersten EP (THE STARLORD aus dem Jahre 2008, Review) und einem schon nicht mehr ganz so herausragenden, stark experimentellen und weitestgehend zahmen Demo-Nachfolger aus dem Jahre 2009 (PUISSANCE ET UNITE, Review) sollte man mit der im gleichen Jahr nachgeschobenen Demo ROYAUME DE L‘ UNIVERSALITÉ endlich wieder den richtigen Weg einschlagen. Und tatsächlich: das, was später als quasi-Steilvorlage für das erste Studioalbum der Band (THE UNIVERSALITY aus dem Jahre 2012, Review) dienen sollte, lässt sich durchaus hören. Zumindest insofern, als dass GALDERIA hier die erste handfeste Basis für noch kommendes legen sollten – und man sich ab jetzt nur noch über allgemeinere Dinge wie den Leadgesang oder die weitestgehend positiv gestimmten, an das Universum gerichteten Textinhalte streiten konnte. Wenn man es denn wollte – einen Grund dafür gibt es aber eigentlich nicht. GALDERIA hatten sich schließlich schon früh einer explizit weichen und wenn man so will sphärischen Spielart des Power Metal verschrieben, in der Begriffe wie Kitsch und der einer extremen Eingängigkeit durchaus eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

Leicht problematisch ist dennoch, dass GALDERIA auf dieser Demo einstweilen etwas zu plump klingen und es sich gefühlt etwas zu einfach machen mit ihren kosmischen Hymnen und den sich irgendwann verdächtig ähnlich anhörenden, stets hochtrabenden Refrains. Balladen wie CHILDREN OF TOMORROW haben dagegen ein anderes Problem: die anberaumte Emotionalität bleibt weitestgehend auf der Strecke, wofür speziell die Darbietung des Leadsängers verantwortlich ist. Der klingt zwar durchaus unverwechselbar, aber das ist eben nicht alles – Luft nach oben gibt es jedenfalls reichlich. Schlussendlich: wer schon beim reinen Lesen eines Schlagwortes wie dem des Flower Metal bedient ist und eine Band wie FREEDOM CALL am liebsten in das Genre der Popmusik einordnen würde; der wird auch an ROYAUME DE L‘ UNIVERSALITÉ keinen großen Gefallen finden. Alle anderen aber bekommen hier die perfekte Erweiterung dessen geboten, was GALDERIA auf THE STARLORD einführten – nur in einer umfangreicheren, abwechlungsreicheren und stilistisch sichereren Version. Anders gesagt: GALDERIA spielen einen eher soften Power Metal – aber einen recht guten und unterhaltsamen, der schlechter Laune keine Chance gibt und handwerklich (speziell in Bezug auf die Gitarren und die gut arrangierten Hintergrundchöre) eine ordentliche Figur macht.

Absolute Anspieltipps: REPTILIAN TYRANTS, FAR SPACE, STARCHILD


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„Eine durch und durch charmante Demo mit kleineren Schwächen.“

Metal-CD-Review: GALDERIA – Puissance Et Unite (Demo, 2009)

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Alben-Titel: Puissance Et Unite (Demo)
Künstler / Band: Galderia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Januar 2009
Land: Frankreich
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

J.C. – Drums
Tom – Guitars
Seb – Vocals
Verdo – Bass

Track-Liste:

1. Future Brain (05:21)
2. Coupo Santo (02:14)
3. Wake Up the World (06:10)
4. Dream On (05:00)
5. Soulmate (04:03)
6. Jayce (03:02)
7. Land of Dreams (03:32)
8. Total Eclipse of the Heart (05:06)
9. L’amour est universel (01:56)

Warum nicht mal was neues probieren.

Nachdem die aus Frankreich stammenden Power Metaller von GALDERIA auf ihrer Debüt-Ep THE STARLORD (2008, Review) erstmals aufgezeigt hatten, dass in ihnen möglicherweise eine neue Genre-Hoffnung schlummert – sollte es schon 2009 an der Zeit sein für neues Material. Die diesbezüglich veröffentlichte Demo hört auf den eher ungewöhnlichen Namen PUISSANCE ET UNITE, und beinhaltet wie es der Titel schon impliziert eine bunte Ansammlung von französischen und englischsprachigen Nummern. Nummern, die recht ungeschliffenen erscheinen und am ehesten als experimentelle Werkschau anzusehen sind – und die Band im Gegensatz zur rundum gelungenen Erst-EP auch von einer nicht ganz so angenehmen Seite zeigt. Der Grund dafür lässt sich auch relativ schnell finden: Bereits der OPENER FUTURE BRAIN lässt eine jegliche Kraft und Ausdrucksstärke vermissen, und dass Projekt GALDERIA in einem eher unvorteilhaften Licht erstrahlen. Schließlich sollte es doch gerade die Kombination von eher weichen Elementen (Leadgesang, Keyboardeinsatz, Textinhalte) und gerne auch mal etwas kräftigeren (flottes Tempo, satte Instrumentalparts) sein, welche die Band auszeichnet.

Diese markante Fusion aber bleibt auf PUISSANCE ET UNITE weitestgehend aus – vielmehr wird des öfteren balladesken Stimmungen (DREAM ON, SOULMATE, LAND OF DREAMS) Raum gegeben. Grundsätzlich könnte man sogar sagen, dass der Anteil des eigentlich angepeilten Genres (das heißt, dem Power Metal) erschreckend geschrumpft ist und sich GALDERIA hier viel zu zahm, ja wenn nicht gar unsicher und mit einem gewissen Hang zur sicher nicht gewünschten Radio-Tauglichkeit präsentieren. Ein Titel wie WAKE UP THE WORLD ist trotz seiner extremen Eingängigkeit also mit Vorsicht zu genießen – von den stark elektronischen Einflüssen gar nicht erst zu sprechen. Leicht problematisch wird es auch mit den nicht-englischsprachigen Nummern, die im besten Fall etwas befremdlich tönen – und im schlimmsten unfreiwillig komisch (L AMOUR EST UNIVERSEL). Immerhin: JAYCE ET LES CONQUERANTS DE LA LUMIERE schneidet diesbezüglich noch recht gut ab, wäre da nur nicht der wenig überzeugende Refrain. Fest steht: so wie sich GALDERIA hier inszenierten, hätten sie schlicht keinen Blumentopf gewinnen können. Umso schöner ist daher, dass sie speziell für die spätere EP RISE, LEGIONS OF FREE MEN (Review) noch einmal in sich gegangen sind und doch noch ein echtes Genre-Highlight veröffentlicht haben. Diese Demo aber ist wohl nur beinharten Fans zu empfehlen.

Absolute Anspieltipps: /

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„Eine eher befremdliche Demo mit einem geringen Metal-Anteil.“

Metal-CD-Review: GALDERIA – The Starlord (EP, 2008)

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Alben-Titel: The Starlord (EP)
Künstler / Band: Galderia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2008
Land: Frankreich
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

J.C. – Drums
Tom – Guitars
Seb – Vocals
Verdo – Bass

Track-Liste:

1. Revelation (01:10)
2. Back on Earth (03:41)
3. Chaos Killer (04:39)
4. Any Part of the Universe (00:52)
5. Gods of Light (03:42)

Auf, auf zu neuen Horizonten.

Wenngleich das erste Studio-Album der aus Frankreich stammenden Power Metaller von GALDERIA erst 2012 veröffentlicht wurde (THE UNIVERSALITY – Review), hatte die Band schon viel früher begonnen einer eher seltenen Spielart des übergeordneten Genres zu frönen. In der Tat finden sich bereits auf der 2008’er EP THE STARLORD die ersten Ergüsse dessen, was GALDERIA als sogenannten Cosmic Power Metal interpretieren. Was genau das bedeuten könnte, erfährt man beispielsweise auf dem hervorragenden LUCA TURILLI-Album PROPHET OF THE LAST ECLIPSE (Review) – mit dem Unterschied, dass GALDERIA schon immer etwas; man nenne es feucht-fröhlicher an die Sache herangingen. So ist auch THE STARLORD gespickt von schnellen Grund-Instrumentierungen, einem großzügigen Keyboardeinsatz und beschwingten Mitsing-Refrains – wobei gespickt eventuell der falsche Ausdruck ist, schließlich beinhaltet die EP gerade einmal 3 vollwertige Titel sowie ein gutes Intro (REVELATION) und ein eher nichtssagendes Interlude (ANY PART OF THE UNIVERSE). Doch Titel wie der Opener BACK ON EARTH beschreiben schon recht gut, wofür GALDERIA auf ihrer ersten EP standen und auch heute noch stehen: einen extrem flotten, eingängigen und schlicht Laune-machenden Power Metal einer dezent sphärisch angehauchten europäischen Spielart.

Mit CHAOS KILLER lässt sich sogar einer der eher ungewöhnlichen Titel der Band entdecken – das vergleichsweise schroffe Riffing, ein etwas düsterer Eindruck, einige Growls und die teils HALFORDEsken Screams von Leadsänger Seb zeigen auf, dass GALDERIA durchaus in der Lage sind sich auch mal etwas härter zu inszenieren. Was dann noch bleibt, ist eigentlich nur noch GODS OF LIGHT – und das ist eine jener simpler aber höchst effektiver Hymnen, für die GALDERIA später auf RISE, LEGIONS OF FREE MEN (Review) zu einem echten Geheimtipp avancieren sollten. Der einzige Unterschied: auf dieser frühen EP klingt das Material noch etwas ungeschliffener und vor allem schlechter abgemischt. Bei BACK ON EARTH beispielsweise hat man das Gefühl, als wäre der Gesang deutlich zu weit in den Hintergrund gerückt. Dennoch: für eine Erst-Veröffentlichung, die dafür noch in kompletter Eigenregie verwirklicht wurde; klingt das Ganze allemal ordentlich. Für Fans von GALDERIA ist diese frühe EP ein absolutes Muss – wobei man auch gar nicht allzu lange nach ihr suchen muss, schließlich wird sie von der Band selbst kostenlos zum Download angeboten.

Absolute Anspieltipps: BACK ON EARTH, CHAOS KILLER, GODS OF LIGHT

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„Ein durch und durch sympathisches, leider etwas kurzes Release.“

Metal-CD-Review: GALDERIA – The Universality (2012)

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Album: The Universality | Band: Galderia (weitere Band-Inhalte)

Land: Frankreich – Stil: Power Metal – Label: Metalodic Records

Alben-Lineup:

J.C. – Schlagzeug
Tom – Gitarre, Gesang (Backing)
Seb – Gitarre, Gesang (Lead)
Verdo – Bass, Gesang (Backing)

01 Universal Glory 00.57
02 Children Of The Earth
07.49
03 Universality 04.10
04 Raise The World 05.06
05 Sundancers 03.12
06 Farspace 04.20
07 Galderians 06.43
08 Ocean Of Light 07.42
09 Beyond The Cosmic Winds 06.54
10 Rising Soul 03.41
11 One Million Dreams 05.51
12 Call To The World 06.42
13 Outro 03.48

Alle (übernatürlichen) Kräfte gesammelt… und los geht’s.

Endlich liegt es vor – das erste GALDERIA-Album, welches in einem größeren Rahmen und mit der Hilfe eines kleinen aber renommierten Labels (Metalodic Records, Link) veröffentlicht wurde. Zuvor hatten die findigen Franzosen um Leadsänger Seb ihre Scheiben stets über ihre Webseite angeboten – und das zwischenzeitlich auch kostenlos (siehe hier). GALDERIA wurden bereits 2006 gegründet – doch wirkten sie lange Zeit wie eine Art semi-professionelles Fanprojekt, welches aus der Freude zur Musik ins Leben gerufen wurde. Dies hatte einen mitunter großen Vorteil: die Band erschien stets greifbar und kontaktfreudig, offen für Vorschläge und alles andere als abgehoben oder unnahbar. Und: die Webseite der Franzosen ist auch heute noch auffällig gepflegt und mit frei zugänglichem Material bestückt. Spätestens mit dem Release der überraschend gehaltvollen EP RISE LEGIONS OF FREE MEN aus dem Jahre 2010 (Review) jedoch sollte sich ein neuer Weg abzeichnen – ein Weg hinaus aus dem musikalischen Untergrund, hin zum Licht einer breiteren Öffentlichkeit. Durch das Einbeziehen von zusätzlichen Promotionswegen wie Facebook konnten GALDERIA immer mehr Aufmerksamkeit gewinnen – und das Jahr 2012 so, und zur Freude vieler mit einem vollwertigen Album abschließen.

THE UNIVERSALITY beinhaltet 13 Tracks, abzüglich Intro und Outro bringt man es auf 11 vollwertige. Mit einer Spielzeit von knapp 67 Minuten haben GALDERIA dabei offenbar einiges anzubieten – die Frage ist, ob die Band ihre im Laufe der Jahre gesammelte Erfahrung sinnig kumuliert und zu einem stimmigen Ergebnis gebracht hat, oder ob THE UNIVERSALITY doch noch wie ein besseres Fanprojekt anmutet. Eine Frage, die grundsätzlich über Sieg oder Niederlage entscheiden könnte – im Falle von GALDERIA aber eher hin zu einem neutralen Ergebnis tendiert. Und damit auch einem etwas unspektakulären: THE UNIVERSALITY ist weder ein musikalischer Reinfall, noch ein überdurchschnittlich gutes Power Metal-Album geworden.

Für GALDERIA und ihr THE UNIVERSALITY sprechen zweifelsohne die stets spürbare Liebe zur Musik, die sich in liebevollen Arrangements, typischen aber wirkungsvollen Textinhalten und satten Melodiebögen widerspiegelt. Dies, gepaart mit einer offensichtlichen Vorliebe für sphärische Erfahrung außerhalb der Erdatmosphäre, sowie eingängigen Mitsing-Refrains machen gerade Titel wie den Opener CHILDREN OF THE EARTH zu eindringlichen Hymnen mit allerlei Bombast. Doch gleichzeitig entstehen so einige Probleme: die Gitarren und Drums klingen gerade im künstlich aufgeblasenen (und mit Hall-Effekten versehenen) Refrain verdächtig schwach, die Chorgesänge gehen zwar in Ordnung; können sich jedoch nicht mit denen anderer ‚großer‘ Genrevertreter messen. Eher eine Geschmackfrage ist der Leadgesang von Seb, beziehungsweise vielmehr seine spezielle Aussprache – während seine Stimme grundsätzlich unverwechselbar und angenehm klingt.

Das möglicherweise größte Problem von THE UNIVERSALITY ist jedoch seine eher schwachbrüstige Produktion – in Anbetracht der Band-Historie und der Qualität der Vorgänger-EP eine durchaus verwunderliche Angelegenheit. Es ist simpel: die Hall-Regler wurden zu stark aufgedreht, sodass eine insgesamt eher blecherne Wirkung ohne einen festen Bodensatz entsteht. Gerade Nummern wie der Titeltrack UNIVERSALITY haben mitunter stark darunter zu leiden, klingen sie doch wesentlich weniger druckvoll und ’schmackiger‘ als erwartet. Stattdessen gibt es massenhaft oh-ho Gesänge nebst super-süßer Melodien serviert – die zwar seit jeher ein Markenzeichen der Band sind, doch wäre ein wenig mehr Härte sicher nicht verkehrt gewesen. Die gibt es dann unter anderem in Nummern wie RAISE THE WORLD aufgetischt – doch warum dann gerade hier wieder zusätzliche Regler bei der Gesangsaufnahme (starker Hall-Effekt, gefühlte Wegnahme der Höhen) gedreht wurden, bleibt schleierhaft. Da hilft es leider auch nicht mehr viel ,dass man sich gegen Mitte sogar mal an harscheren Growls versucht – wirklich ehrlich und bodenständig wirkt das alles nicht.

Bei solchen Nummern wünscht man sich eher alte Hasen wie CELESTY herbei – die ebenfalls angenehm sphärische Klänge und Ausserwelten-Bezüge mit der Kraft des Power Metals verbanden. Zu GALDERIA passen schon eher Nummern wie SUNDANCERS, die im Midtempo gehalten und mit zusätzlichen Gesangs-Auftritten versehen sind. FARSPACE könnte glatt von FREEDOM CALL stammen, so fröhlich und nett klingt die Nummer – während GALDERIANS vor allem mit der gewöhnungsbedürftigen Aussprache und Betonung von Seb zu kämpfen hat – sonst aber eine nette Halb-Ballade ist. Wirkliche Highlights sucht man indes vergebens – zumal sich die einzelnen Titel stark ähneln. Ruhig-verhaltene Strophen werden durch kurze Gitarren-Intermezzi und akustische Gesangspassagen abgewechselt, und münden stets in einem ausschweifenden, pompösen Refrain. Eigentlich wäre BEYOND THE COSMIS WINDS ein Kandidat für den besten Titel des Albums – doch was auch immer man sich beim merkwürdigen in-die-Länge ziehen der Endsilben in den Strophen gedacht hat; es klingt eher grausam. Ansonsten: der starke Chorgesang und der abwechslungsreiche Aufbau machen durchaus Spaß. Gegen Ende gibt es dann noch einmal die typische Portion GALDERIA – Überraschungsmomente sind auch hier keine vorgesehen. Wobei – der letzte vollwertige Titel, CALL TO THE WORLD klingt nocheinmal ein stückweit versierter, professioneller; stärker abgemischt.

Fazit: So ganz überzeugend ist GALDERIA’s THE UNIVERSALITY nicht ausgefallen. Jedoch muss man sich die Frage stellen, ob man dergleichen überhaupt hat erwarten können – oder ob GALDERIA nicht doch weiterhin als Fanprojekt (oder ähnliches) angesehen werden möchten. Wenn nicht – das heisst, stattdessen als durch und durch professionelle und eigenständige Musiker – dann muss sich noch einiges tun. Denn: stellt man GALDERIA mal probeweise auf eine Stufe mit nahen Band-Verwandten wie DREAMTALE, FREEDOM CALL, CELESTY oder vielleicht auch KELDIAN, so lassen sich deutliche qualitative Unterschiede einfach nicht verhehlen. Das Gespür für Melodien ist da, das Album hat eine enorm positiv-beschwingende Wirkung – doch in Sachen Leadgesang, Produktion sowie Gitarren- und Drumarbeit gibt es massiven Verbesserungsbedarf. Und bitte, bitte; nicht soviel an den Reglern (vor allem den Hall- und Echoeffekten) spielen – THE UNIVERSALITY hätte sicher weitaus besser geklungen, wäre es etwas organischer und bodenständiger ausgefallen. Das Potential ist ohne Zweifel da – doch wirkte sogar die 2 Jahre ältere EP ungleich stärker, druckvoller, kurzum: majestätischer. Eben so, wie es der Musik von GALDERIA vielleicht auch gebührt…

Anspieltipps: CHILDREN OF THE EARTH, SUNDANCERS, RISING SOUL, CALL TO THE WORLD


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