Metal-CD-Review: FOGALORD – Masters Of War (2017)

Alben-Titel: Masters Of War
Künstler / Band: Fogalord (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. Juni 2017
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Limb Music

Alben-Lineup:

Stefano Paolini – Guitars
Daniele Bisi – Vocals, Keyboards
Nicolò Bernini – Drums
Giuseppe Lombardo – Bass

Track-Liste:

1. Il racconto della tempesta (02:08)
2. Rising Through the Mist of Time (05:18)
3. Daughter of the Morning Light (05:31)
4. Masters of War (05:46)
5. By the Everspring Tree (01:32)
6. The Storm of Steel (04:56)
7. Absence of Light (07:02)
8. When the Blizzard Awakes (04:54)
9. In Everwinter Wait (00:58)
10. The Gift of the White Lady (03:25)
11. The Sword’s Will (12:43)

Dieser Nebel ist dicht – und birgt so manche Gefahr.

Der ganz große Ansturm scheint mit dem nicht durchgängig hochqualitativen, aber doch reichlich spannenden Metal-Mai 2017 erst einmal vorüber – aber natürlich hält auch der kommende Juni einige potentielle Genre-Perlen bereit. Und das auch oder insbesondere von solchen Künstlern, die man selbst als geneigter Genre-Konsument nicht unbedingt auf dem Schirm gehabt hat – wie etwa die Italiener von FOGALORD, die 2012 ihr Debütalbum A LEGEND TO BELIEVE IN (siehe Review) veröffentlichten. Nun also ist es an der Zeit für MASTERS OF WAR, das offizielle Zweitwerk aus der hiesigen Power Metal-Schmiede – wobei sich natürlich die Frage aufdrängt, was sich in der Zwischenzeit alles bei den Musikern um Frontmann Daniele Bisi (TRAGEDIAN) getan hat. Eines fällt dabei direkt auf: FOGALORD entfernen sich mit ihrem zweiten Album schon weitaus deutlicher von ihren eigentlichen Ursprüngen, die sich vornehmlich aus der Historie dreier Gründungsmitglieder der Band ergaben. Denn: sowohl der heute noch in der Band aktive Daniele Bisi, als auch die bereits ausgeschiedenen Lorenzo Costi und Francesco Zanarelli waren einst bei SYNTHPHONIA SUPREMA aktiv – einer Band mit einem recht speziellen, explizit elektronisch angehauchten Sound.

Zwar lassen sich auch auf MASTERS OF WAR noch diesbezügliche Spuren finden, doch fallen diese schon wesentlich dezenter aus – die Zeiten des exzessiven Keyboardeinsatzes und den nicht immer aufgehenden spielerischen Einschüben, wie sie noch auf A LEGEND TO BELIEVE IN zu hören waren; scheinen weitestgehend vorüber. Fest steht: MASTERS OF WAR präsentiert sich insgesamt von einer deutlich zielstrebigeren, griffigeren, kräftigeren Seite – die Gitarren bekommen viel Raum zugestanden, das solide Drumming und der knackige Bass sorgen für den nötigen Antrieb. Zeitgleich scheinen FOGALORD ein gutes Mischungsverhältnis aus eher klassisch strukturierten, auch mal etwas ruhigeren oder mit folkigen Elementen ausgestatteten Nummern (THE STORM OF STEEL) sowie majestätisch angehauchten Hymnen im Stile anderer italienischen Genrevertreter a’la THY MEJSETY gefunden zu haben. Dazu passen auch die neuerdings anberaumten Chöre, die dem recht stimmig inszenierten Intro oder Nummern wie dem Titeltrack MASTERS OF WAR eine zusätzliche Dimension verleihen. Allerdings: so mächtig oder erhaben wie eventuell angepeilt klingen sie nun auch wieder nicht.

Überhaupt gibt es da etwas, was den Gesamteindruck von MASTERS OF WAR mehr oder weniger dezent schmälert – womit indes nicht die beiden theoretisch überflüssigen, stark geschmacksabhängigen Zwischenspiele BY THE EVERSPRING TREE und IN EVERWINTER WAIT gemeint sind. Vielmehr drängt sich hie und da ein potentiell fataler Eindruck auf, der umso präsenter ist wenn man sich eine Nummer wie DAUGHTER OF THE MORNING LIGHT zu Gemüte führt. Oder aber gleich das dazu passende Musikvideo, das ein wenig an KALEDON’s Klassiker THE NEW KINGDOM erinnert. Anders gesagt: ob es sich bei dem allgemeinen Auftreten von FOGALORD (beispielsweise in Form der Posen des gerne mal mit nacktem Oberkörper auftretenden Leadsängers) um eine gewisse Form der Selbstironie, oder doch um ein völlig ernstgemeintes und damit umso lächerlicher wirkendes Stilmittel handelt; ist definitiv nicht von der Hand zu weisen. Noch gravierender scheint dagegen, dass sich dieses einstweilen seltsam wirkende Gebaren nicht nur im optischen Erscheinungsbild der Band; sondern eben auch in der Musik selbst widerspiegelt – mit der Folge, dass auch das Album im gesamten einige Unstimmigkeiten hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit und allgemeinen Wirkungskraft offenbart.

So kann man sich einstweilen kaum entscheiden, ob man das relative Durcheinander im Opener RISING THROUGH THE MIST OF TIME nun gutheißen oder verdammen soll – wobei es erneut an Leadsänger Daniele Bisi liegt, für den nötigen Ausschlag zu sorgen. So fängt er im weiteren Verlauf der Nummer plötzlich an, in seiner Landesspraceh zu singen – was hier einfach nur unfreiwillig komisch klingt. Überhaupt schneidet der Frontmann von FOGALORD nicht gerade vorteilhaft ab, auch wenn seine Stimme und Stimmlage grundsätzlich angenehm sind – und einen Kontrast zum sonst im Genre typischen Alltagsprogramm bieten. Allerdings wirkt es nicht selten so, als würde er mit etwas zu wenig Inbrunst singen; und auch seine emotionale Bandbreite scheint recht beschränkt. Das gilt zumindest für die regulären Nummern – während er ausgerechnet in den ruhigeren Momenten zu so manchem Kraft-Experiment ausholt. Eine der unvermeidlichen Folgen ist die wohl schrecklichste und schiefste Metal-Ballade des noch jungen Jahres – THE GIFT OF THE WHITE LADY. Schlussendlich: aufgrund der teils auffälligen Schwächen und der merkwürdigen Stimmungsschwankungen zwischen den sinnigen und potentiall epischen Genre-Anleihen a’la THY MAJESTY und dem Eindruck einer unfrewillig komischen Genre-Parodie kann MASTERS OF WAR nicht wirklich überzeugen.

Absolute Anspieltipps: MASTERS OF WAR, THE STORM OF STEEL


„Hier passt so einiges nicht zusammen.“

Metal-CD-Review: FOGALORD – A Legend To Believe In (2012)

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Alben-Titel: A Legend To Believe In
Künstler / Band: Fogalord (mehr)
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Dany All (vocals, keyboards)
Stefano Paolini (guitar)
Lorenzo Costi (bass)
Francesco Zanarelli (drums)

Track-Liste:

01:Follow The Fog
02:At The Gates Of The Silent Storm
03:Black Era
04:The Fog Lord
05:The Scream Of The Thunder
06:A Legend To Believe In
07:The Dark Prophecy
08:A Day Of Fire
09:Our Last Nightfall
10:Strength Of The Hopeless
11:The March Of The Grey Army
12:Of War And Resurrection

Braucht es wirklich noch eine weitere italienische Symphonic Power Metal-Band ? Nun…

FOGA-wer ? Selbst eingefleischten Power-Metallern dürfte die italienische Bandcombo FOGALORD noch nicht allzu bekannt sein. Und das nicht nur, weil es bekanntlich eine unglaubliche Vielzahl von Bands aus hiesigen südländischen Gefilden gibt – sondern auch, weil die Band bisher noch nicht viel von sich hören liess. Erst im Jahre 2007 gegründet, war es lange Zeit still um die fidele Truppe, die sich der Spielart des Epic Symphonic Power Metal (das lässt sich doch hören) verschrieben hat. Doch kürzlich, das heisst im Winter 2012; erschien endlich das Debütalbum A LEGEND TO BELIEVE IN. Das 12 Titel starke Erstwerk schien dabei auch vorab einigen Verantwortlichen gefallen zu haben, auch wenn es keine offizielle Demo gab – schließlich wurde es unter Limb Music veröffentlicht, einem allseits bekannten und renommierten deutschen Label.

Steigt man in das Album ein, so erwartet einen zu aller erst FOLLOW THE FOG – ein typisches, reichlich pompöses Intro mit einer stimmigen Soundtrack-Atmosphäre und Choreinsatz. Bereits hier wird der geneigte Genre-Fan aufhrochen – irgendwoher kommt einem dieser spezielle, mitunter eigentümliche Sound doch bekannt vor. Und tatsächlich, der Opener AT THE GATES OF THE SILENT STORM lässt keine Zweifel mehr zu: irgendwie müssen FOGALORD mit SYNTHPHONIA SUPREMA vernetzt sein. Studiert man die Mitgliederliste dann einmal genauer, bestätigt sich jener Eindruck: gleich 3 Mitglieder sind auch in der eben genannten Vergleichsband tätig, die zumindest instrumentell deutliche Paralllen aufweist. Hauptsächlich liegt das am unverkennbaren, sphärisch-spacigen Keyboard-Sound von Daniele Bisi, der in FOGALORD auch den Gesangspart übernimmt. War ihm der Posten in seiner eigentlichen Band nicht mehr genug ? Es scheint so – zumindest scheinen die Italiner genügend Ideen zu haben, um ein Album wie A LEGEND TO BELIEVEN IN entsprechend auszustaffieren.

Und so macht vor allem der spielfreudige, schnelle und pompöse Sound schnell Laune – der lediglich eine Schwäche hat. Das ist exakt die selbe, die auch SYNTHPHONIA SUPREMA das eine oder andere Mal zugeschrieben wird: der Sound beider Bands klingt nicht gerade besonders bodenständig, organisch, natürlich. Vielmehr klingt er ein stückweit künstlich, ein klein wenig blechern, merkwürdig gefiltert – und nicht so kraftvoll, wie er hätte ausfallen können. Die die Soundkulisse stets begleitenden Keyboardsounds wissen diesen Eindruck entsprechend zu unterstützen – sodass vor allem Metal-Puristen ein mehr oder weniger großes Problem mit einem Sound wie dem von FOGALORD haben könnten. Auf der anderen Seite werden vor allem Fans von episch angelegten Strukturen, eingängig-hymnischen Refrains und einer großen Portion Bombast begeistert sein – mit entsprechenden Abstrichen beim Sound, versteht sich. So versiert wie RHAPSODY OF FIRE oder LABYRINTH klingen FOGALORD – trotz augenscheinlicher Genre-Parallelen – eben doch nicht, dafür sind sie aber auch noch nicht lange genug im Geschäft.

Neben dem obligatorischen Intro, zwei grundsätzlich überflüssigen Interludes (BLACK ERA und STRENGTH OF THE HOPELESS, jeweils um die 30 Sekunden) gibt es aber doch noch das ein oder andere Highlight auf A LEGEND TO BELIEVE IN zu entdecken. Eines davon ist nicht etwa das superflotte, etwas plump wirkende THE FOG LORD – sondern vielmehr das darauffolgende THE SCREAM OF THE THUNDER. Hier stimmt von Anfang an einfach alles: die nette symphonisch-klassische Komponente, die ergreifende Melodie, die wunderbar stampfend-mitreissende Gangart. Und das alles bei einem eher gemäßigten Tempo – hier können FOGALORD erstmals zeigen, was in ihnen steckt. Im weiteren Verlauf variert man mit verschiedenen Tempi und Stimmungen, sodass mal ein satter Doublebass-Track, mal eine Ballade (OUR LAST NIGHTFALL, mit weiblichem Gastgesang) folgen. Titel wie THE DARK PROPHECY (ein weiteres Interlude) zeigen indes auf, dass FOGALORD noch am Anfang ihrer Karriere stehen – das Keyboard-Geplänkel samt der Soundtrack-Komponente hat eher eine (durchaus charmante) Wohnzimmer-Qualität, als dass es eine episch-erhabene Ausstrahlung besäße.

Ja, es geht in die richtige Richtung… aber komplett überzeugen können FOGALORD mit ihrem Debüt A LEGEND TO BELIEVE IN noch nicht. Zu überladen wirken die Kompositionen, in denen oftmals nur auf Tempo und Bombast gesetzt wird; zu unsauber und dennoch klinisch-künstlich ist der allgemeine Klangeindruck. Eine sattere, bodenständigere Produktion hätte dem Album sicher gut getan – aber man eben nicht alles haben, besonders wenn es sich um ein Debütalbum handelt. Desweiteren sollte man überlegen, dem Keyboard nicht ganz so viel Raum zuzugestehen – und vielleicht eher auf dezentere, klassische Elemente zu setzen. Sicher, ein klein wenig Gänsehaut entsteht (sofern man dem Genre allgemein zugetan ist) – doch an die Klasse der offensichtlichen Vorbilder a’la RHAPSODY und LABYRINTH reicht das Ganze noch lange nicht heran – wohl auch, da der FOGALORD-Leadsänger trotz aller offensichtlichen Bemühungen nicht mit seinen Kollegen mithalten kann, und sei es nur auf die Aussprache bezogen.

Anspieltipps: THE SCREAM OF THE THUNDER, THE MARCH OF THE GREY ARMY, OF WAR AND RESURRECTION

Vergleichsbands: /


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„Hymnenlastig, aber schwach in der Produktion und Ausführung“