Filmkritik: „Split“ (2017)

Originaltitel: Split
Regie: M. Night Shyamalan
Mit: James McAvoy, Anya Taylor-Joy, Betty Buckley u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 117 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Horror
Tags: Identität | Schizophrenie | Persönlichkeit | Gespalten | Kampf

Guck mal wer da spricht… oder lauf am besten weit, weit weg.

Kurzinhalt: Eines Tages, als die junge Casey (Anya Taylor-Joy) und ihre beiden Freundinnen Claire (Haley Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula) gerade von einer Einkaufstour zu ihrem Auto zurückkehren; taucht plötzlich ein unbekannter Mann (James McAvoy) auf. Nachdem er die einzige andere männliche Person in der Nähe betäubt hat, setzt er sich plötzlich zu den drei Mädchen ins Fahrzeug – und betäubt auch diese. Als die drei in einem kleinen und offenbar gut gesicherten Raum wieder zu sich kommen, scheint ihre Lage recht ausweglos – zumal sie bald darauf ihren Peiniger kennenlernen. Der stellt sich den dreien kurzerhand als Kevin vor, stellt erste aggressiv durchgesetzte Forderungen – und legt im weiteren Verlauf ein zunehmend merkwürdig erscheinendes Verhalten an den Tag. Eines, das weit über das zu erwartende Verhalten eines typischen Kidnappers hinausgeht; was auch die Mädchen bemerken – und sich diese Tatsache irgendwie zunutze machen wollen. Doch wie sich zeigt müssen sie bei ihrer angestrebten Flucht nicht nur das Handeln eines einzigen Mannes in Frage stellen… sondern gleich das von 23 Personen, die sich unglaublicherweise alle im selben Körper befinden.

Kritik: 23 und mehr Persönlichkeiten in nur einem Körper, wie soll das denn gehen ? Diese und andere Fragen stellte sich jüngst der erfolgreiche amerikanische Regisseur und Drehbuchautor M. Night Shyamalan, dem spätestens nach seiner Arbeit am Mystery-Thriller THE SIXTH SENSE (1999) so gut wie alle Türen in Hollywood offenstehen. Nach einigen klar auf ein Mainstream-Publikum ausgerichteten – und auch sonst eher mäßigen Popcornkino-Werken wie unter anderem AFTER EARTH oder DIE LEGENDE VON AANG (siehe Review) – scheint sich das 1970 geborene Multitalent nun wieder etwas mehr zu trauen. Schließlich erzählt SPLIT die Geschichte eines Mannes mit mehr als nur einer handvoll zusätzlicher Persönlichkeiten – und verspricht dabei, ein durchdachter Psycho-Thriller mit einer gleichermaßen starken wie markanten Hauptfigur zu sein. Eben so, wie man es schon in potentiellen Vorbildern a’la IDENTITÄT (2004) sehen konnte – oder aber in Shyamalan’s früherem Werk UNBREAKABLE, zu dem SPLIT letztendlich auch einen stärkeren Bezug aufbaut als vermutet. Somit scheint es tatsächlich so, als hätte Shyamalan eine größere Vision die über den beiden auf den ersten Blick völlig verschiedenen Handlungsuniversen von UNBREAKABLE und SPLIT schwebt – wobei es eigentlich kaum noch überraschend ist, dass bereits entsprechende Nachfolger geplant sind.

Mindestens eines ist ihm dabei hoch anzurechnen: dass er viele der bei einer Filmproduktion anfallenden Arbeiten selbst übernimmt, und somit nicht nur Regisseur und Drehbuchautor fungiert – sondern auch als Produzent und sogar Darsteller. Anders gesagt: Shyamalan übernimmt die volle Verantwortung für seinen Erfolg oder sein Scheitern, und ist stets darauf bedacht dass seine Filme eine unverkennbare Handschrift tragen. Gerade das ist ihm im Falle von SPLIT auch gelungen – dank der hervorragenden Kameraführung, der stimmigen Inszenierung der Schauplätze und dem wenn man so will ausgelassenen Spiel der Darsteller besitzt der Film durchaus eine unverwechselbare Identität; übrigens ganz im Gegensatz zum wunderlichen Hauptprotagonisten. Ob das aber ausreicht, um einen auch mal etwas zäh vorankommenden Film wie diesen zu tragen ist eine andere Frage – unter Umständen sogar eine entscheidende. Schließlich macht sich mindestens ein gravierenderes Problem bemerkbar, abgesehen von einigen kleineren und im Genre eher üblichen Unstimmigkeiten: SPLIT weiß schlicht nicht so Recht, was er nun sein möchte. Denn auch wenn es zunächst verdächtig danach aussieht, bleibt es nicht bei dem Versuch einer halbwegs authentischen Darstellung in Richtung eines verstörenden Psycho-Thrillers. SPLIT nimmt vor allem in Bezug auf sein pompöses Finale wesentlich wildere Züge an, und driftet dabei fast schon in Bereiche die man bei einem vergleichsweise ernsten Grundton wie dem hier vorgelegten definitiv vermeiden sollte.

Somit sind es auch nicht die 23 Persönlichkeiten respektive deren plötzlicher Wechsel, die zu einem Problem in Richtung einer unbedingt zu vermeidenden Lächerlichkeit avancieren – auch wenn die dahinterstehende Psychologie durchaus etwas glaubwürdiger und nachvollziehbarer hätte dargelegt werden können. Immerhin beschränkt sich Shyamalan auf eine übersichtliche Anzahl der in Erscheinung tretenden Personen, was gut ist und dem Film keineswegs negativ ausgelegt werden sollte. Weitaus ernüchternder wiegt der sich trotz dessen aufdrängende Fakt, dass SPLIT letztendlich doch mehr von einem Horrorfilm mit Übermensch-Syndrom (dieser Begriff wird wohl noch eine große Rolle spielen) oder wahlweise auch eines fantastisch anmutenden Schauermärchens hat. Eines, das trotz der offensichtlichen Übertreibungen darauf beharrt einen unbedingten Bezug zur Realität zu haben (was auch die großzügigen wissenschaftlichen Abhandlungen innerhalb des Films vermuten lassen) und den Zuschauer eben damit zu schocken. Und dieses Konzept geht hier nicht wirklich auf, was umso enttäuschender ist wenn man die noch immer vorhandenen Vorzüge des Films betrachtet.

Allen voran ist hier sicherlich Hauptdarsteller James McAvoy zu nennen – der den verschiedenen Persönlichkeiten nicht nur ein ausdrucksstarkes Gesicht mit einem entsprechend grandiosen Mienenspiel, sondern auch so etwas wie eine Seele einhaucht. Auch seine Kollegin Anya Taylor-Joy, die als einzige Gefangene über den Staus typischer (und ärgerlicher) Opfer-Klischees hinauskommt; macht ihre Sache gut – wobei man allerdings noch etwas mehr aus ihrem Charakter, den Flashbacks in Bezug auf ihre eigene Vergangenheit und den Dialogen hätte herausholen müssen. Im Zusammenspiel mit der bereits erwähnten, technisch hervorragenden Umsetzung und dem subtilen Soundtrack macht SPLIT so zumindest hinsichtlich seines Gesamteindrucks einen mehr als annehmbaren Eindruck. Einen, der aber noch so viel stärker hätte ausfallen können; ausfallen müssen. Ob es die Nachfolger besser machen, wird sich zeigen – es wäre jedenfalls nicht der Regelfall.

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„Letztendlich sind es ausgerechnet die Identitätsschwierigkeiten des Films an sich, die noch größeres verhindern.“

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Filmkritik: „Maleficent – Die Dunkle Fee“ (2014)

Originaltitel: Maleficent
Regie: Robert Stromberg
Mit: Angelina Jolie, Elle Fanning, Sharlto Copley u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Fantasy, Abenteuer
Tags: Dornröschen | Märchen | Fee | Schloss | Dornenwald | Prinz

Wenn selbst Feen einmal vom rechten Pfad abkommen…

Kurzinhalt: Es war einmal eine junge Fee mit dem Namen Maleficent (Isobelle Molloy) – die in einem friedlichen Waldkönigreich lebte und trotz ihrer beeindruckenden Teufelshörner keiner Fliege etwas zuleide tun konnte. Aus dem benachbarten Menschenreich erschien ihr eines Tages der junge Stefan (Michael Higgins), mit dem sie sich schnell anfreundete. Doch wenngleich Maleficent das erste Mal so etwas wie echte Zuneigung für einen Menschen empfand und Stefan offenbar ähnlich fühlte; entschied er sich letztendlich doch dazu, sein Glück in der Welt der Menschen zu suchen. Und tatsächlich: nach einigen Jahren scheint ihm sein eigentliches Ziel in greifbare Nähe zu rücken. Der alternde König Henry (Kenneth Cranham) will kurz vor seinem Tod einen würdigen Nachfolger bestimmen – und bietet schlichtweg demjenigen die Thronfolge an, der ihm den Kopf von Maleficent bringen würde. Die ist nunmehr erwachsen geworden (Angelina Jolie), und fällt auf Stefans (Sharlto Copley) erneute Annäherung herein – woraufhin sie ihre mächtigen Flügel verliert. Die präsentiert Stefan kurzerhand dem König – und wird so zum neuen Herrscher. Doch eigentlich hätte er damit rechnen müssen, dass Maleficent eines Tages auf Rache schwören würde…

Kritik: MALEFICENT – DIE DUNKLE FEE ist ein bombastisch aufgemachter Fantasy-Blockbuster aus dem Hause Disney, dessen Geschichte sich eindeutig auf das bekannte DORNRÖSCHEN-Märchen der Gebrüder Grimm beziehungsweise des eigentlichen französischen Verfassers Charles Perrault stützt. Immerhin: trotz des wie so oft anzuberaumenden Vorurteils, dass Hollywood schon längst die Ideen ausgegangen sind und nach wie vor unendlich viele Sequels, Remakes und Spin-Offs produziert werden oder eher werden müssen; kann man MALEFICENT durchaus etwas zugute halten. Die Verantwortlichen haben nicht bloß altbekanntes kopiert respektive stumpf neu aufgelegt – sondern sich darüber hinaus auch eigene Gedanken gemacht. Die moderne Disney-Version von DORNRÖSCHEN, die man auch als Realfilmversion des Disney-Klassikers DORNRÖSCHEN UND DER PRINZ aus dem Jahre 1959 betrachten könnte; sieht somit tatsächlich einige neue Inhalte und interessante Twists vor. Zu erwarten war indes, dass sich das eigentliche Novum von MALEFICENT eher auf seine großzügig ausgenutzten Möglichkeiten hinsichtlich einer möglichst bombastischen Visualisierungsarbeit entdecken lässt.

Glücklicherweise verkehrt sich diese in Hollywood gerne mal zum Scheitern verurteilte Herangehensweise im Falle von MALEFICENT aber nichts ins negative – zumindest längst nicht so, wie es eventuell zu befürchten war. Schließlich ist die hier gezeichnete Fantasy-Welt trotz ihrer ausufernden Farbenspiele, den einstweilen etwas zu sehr auf kindlich getrimmten Märchenwesen und der im Akkord eingesetzten CGI-Effekte nett anzusehen – und wirkt insgesamt weitaus inspirierter und stimmiger als etwa die Welten von AVATAR, ALICE IM WUNDERLAND oder SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN. Auch der Soundtrack von James Newton Howard macht eine sehr gute Figur – und ist mit seiner magischen, dabei aber niemals allzu kitschigen oder aufdringlichen Atmosphäre irgendwo zwischen den Werken von P.J. Hogan (etwa: PETER PAN) und Danny Elfman (etwa: EDWARD MIT DEN SCHERENHÄNDEN) zu verorten. Das Problem ist lediglich, dass sich in der hübschen Welt von MALEFICENT weitaus weniger abspielt als anderswo – und viele Elemente im Reich der Feen und Fabelwesen ihre einzige Daseinsberechtigung in Form eher oberflächlicher Schauwerte haben.

Doch dafür überzeugt MALEFICENT immer dann, wenn es um seine zwischenmenschlichen Untertöne geht – die einstweilen sogar ganz und gar existentielle Ausmaße annehmen können. Dabei geht es vornehmlich weniger um die beiden Königreiche an sich, ihre Bewohner oder die Tatsache; dass sie aus einem hier nicht wirklich erläuterten Grund verfeindet sind – sondern in erster Linie um zwei besondere Charaktere und ihre innerliche Zerrissenheit. Die enthaltenen Botschaften bezüglich der ganz großen Themen wie Selbsterkenntnis, Verrat und Liebe sind dabei einerseits angenehm kindgerecht verpackt und mit klaren Fronten versehen – andererseits und je nach Facón aber auch tiefer interpretierbar. Einen großen Bonuspunkt gibt es beispielsweise dafür, dass die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Aurora und einem plötzlich auftauchenden Prinzen eben nicht als patente Lösung für alle sonst typischen DORNRÖSCHEN-Probleme anbietet – sondern stattdessen ein anderer Weg gefunden wird. Die Blöße gibt sich Disney dieses Mal jedenfalls nicht – weder in Bezug auf die dargestellten Inhalte, noch auf die handwerklichen Aspekte oder die letztendlich etablierte Gesamtwirkung.

Selbst die relative One-Women-Show von Angelina Jolie ist dem Film nicht zwingend negativ anzukreiden – zumal ihre schauspielerische Leistung hier uneingeschränkt überzeugend ausfällt, und sich ihre eingefleischten Fans zu Recht über ihren ausgedehnten Auftritt freuen können. Etwas schade ist nur, dass alle anderen Beteiligten durch ihre gleichermaßen starke wie einnehmende Präsenz dezent in den Hintergrund rücken – wie etwa Sam Riley (CONTROL) in seiner durchaus sympathischen rolle des verzauberten Vogels Diaval, die man ruhig noch hätte ausbauen können. Das abgelieferte Porträt von Elle Fanning dagegen gehört sicherlich nicht zu den besten ihrer Karriere – was aber weniger an ihr selbst, als vielmehr am wenig Spielraum vorsehenden Drehbuch liegt.

Schlussendlich: die ganz große, einst für Disney typische Magie bleibt zwar aus – aber dennoch hält MALEFICENT als Fantasy-Blockbuster mit großen Schauwerten locker, was er verspricht. Dank seiner herrlich bunten Fantasy-Welt, seiner leicht abgewandelten DORNRÖSCHEN-Geschichte, seinem durchaus charmanten Witz und den nicht uninteressanten Botschaften bietet er einige höchst unterhaltsame Film-Minuten für die ganze Familie.

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„Bunt, abenteuerlich, unterhaltsam – eine überraschend gelungene Neuauflage des bekannten Märchens.“

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Filmkritik: „Die Insel Der Besonderen Kinder“ (2016)

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Originaltitel: Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children
Regie: Tim Burton
Mit: Eva Green, Asa Butterfield, Samuel L. Jackson u.a.
Land: USA, Belgien, Großbritannien
Laufzeit: ca. 123 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Abenteuer, Fantasy, Familie
Tags: Kinder | Insel | Außenseiter | Fähigkeiten | Geheimnis

Von besonderen Kindern – und der Kraft des Multiversums.

Kurzinhalt: Was wäre eine Kindheit nur ohne das Erlebnis fantasievoller Geschichten ? Auch der junge Jacob (Asa Butterfield) hatte stets das Glück, vielen abenteuerlichen Erzählungen seines geliebten Großvaters Abraham (Terence Stamp) lauschen zu können. Dabei waren das längst nicht nur die typischen Monstergeschichten – häufig ging es auch um eine Insel, auf der mehrere offenbar besonders befähigte Kinder verborgen von der Außenwelt leben und sich vor irgendetwas verstecken. Diese Vorstellung gefiel Jacob vor allem, als er noch jünger war – doch im Laufe der Zeit wurde sein Interesse an den fantastischen Geschichten zusehends geringer. Unglücklicherweise kommt der Tag, an dem er das bitter bereuen würde viel zu schnell: als Jacob 16 ist, wird sein Großvater unter mysteriösen Umständen getötet. Jedoch nicht, ohne Jacob zuvor noch etwas verheißungsvolles zuzuflüstern – woraufhin er sich unter einem Vorwand zu der Insel aufmacht, auf der sein Opa während des Zweiten Weltkriegs tatsächlich in einem Kinderheim wohnte. Jacob will schließlich nicht nur herausfinden, was es mit dem Tod seines Großvaters auf sich hat – sondern auch was an all den Geschichten wirklich dran war…

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Kritik: Zweifelsohne – der groß angelegte Fantasy-Blockbuster DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER wurde nicht nur von Fans des gleichermaßen bunten wie exzentrischen Regisseurs Tim Burton heiß erwartet. So konnten sich auch einige, die sich schon mit der gleichnamigen Buchvorlage des US-Amerikanischen Autors Ransom Riggs befasst hatten; auf die bestenfalls gelungene Portierung des ungewöhnlichen Stoffes freuen. Interessant ist, dass die entsprechende Vorlage aus dem Jahre 2011 stammt – und damit zu den deutlich jüngeren gehört, die erstmals einen Weg auf die große Kinoleinwand finden. Doch auch wenn sich die Frage, in wie weit Tim Burton und sein Gefolge dem Originalstoff auch tatsächlich treu geblieben sind direkt anbietet; soll diese Rezension den Film eher als alleinstehendes Werk betrachten. Schließlich muss DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER auch als eben solches funktionieren – im glücklichsten aller Fälle, versteht sich. Wenn analog dazu auch die Kenner der Buchvorlage nicht allzu sehr vergrämt werden, scheint die Sache schon halbwegs geritzt.

Und tatsächlich sieht es vor allem auf den ersten Blick nicht schlecht aus für DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER. Fakt ist, dass der Film die versprochene und wenn man so will typische Handschrift von Tim Burton trägt – und das nicht nur in Bezug auf die vergleichsweise bunte Farbgebung oder die magisch anmutenden Schauplätze. So erhält auch das bei Burton häufiger auftretende, übergeordnete Thema des Erwachsenwerdens seinen Platz – ebenso wie weitere unverkennbare Details, die sich speziell in Bezug auf die Darstellung der Nebencharaktere äußern. Doch während das einigen bereits reichen könnte, sieht es in Bezug auf eine eventuell von manchen gewünschte letzte Konsequenz a’la Burton nicht ganz so gut aus. Anders gesagt: es steckt zwar ein Tim Burton in DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER – aber eben auch nicht mit Nachdruck oder in der Form, dass er in irgendeiner Art und Weise für Aufsehen sorgen könnte.

Ob der Film als somit spürbar weniger schrulliges, aber trotzdem gut durchdachtes und wirksam präsentiertes Fantasy-Abenteuer durchgehen kann ist eine andere Frage – bei der längst nicht nur die diskutable Einflussnahme von Tim Burton zu Rate zu ziehen ist. Eine vorschnelle Beurteilung bietet sich hier allerdings nicht an. Erst Recht nicht da es scheint, als müsste man den Film in zwei unterschiedliche Kernkompetenzen gliedern.

Die eine besteht schlicht daraus, einen möglichst abenteuerlichen und unterhaltsamen Fantasy-Streifen auf die Beine zu stellen. Und das mit allem was dazu gehört – etwa einer möglichst auch emotional packenden Geschichte, ansprechenden Kulissen, liebenswerten Charakteren mit Identifikationsmöglichkeiten; und nicht zuletzt einer handwerklich und technisch zufriedenstellenden Umsetzung. Und tatsächlich: gerade in dieser Hinsicht sammelt DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER markante Pluspunkte. Die Geschichte ist ungewöhnlich genug um den Zuschauer schnell in ihren Bann zu ziehen, die Schauplätze und die schnellen Wechsel zwischen verschiedenen Orten und Zeiten werden perfekt inszeniert, die Bandbreite an vorgestellten Charakteren ist vielfältig und interessant. Hinzu kommt, dass die Entscheidung Asa Butterfield (u.a. ENDERS GAME) für die Hauptrolle zu besetzen eine ganz und gar vortreffliche war. Auch wenn sein Charakterporträt sicherlich nicht zu den spektakulärsten gehört, holt er das Maximum aus den ihm gegebenen Möglichkeiten – und sorgt im Zusammenspiel mit der ebenfalls gelungenen Darbietung von Eva Green als autoritäres Vogelwesen schnell für entsprechende Sympathien.

Etwas schade ist dagegen, dass die anderen Kinder – also vornehmlich die, die DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER erst zu einer solchen machen; eher weniger Aufmerksamkeit erhalten und im schlimmsten Fall zu bloßen Randfiguren avancieren. Solchen, deren Fähigkeiten man früher oder später zwar noch gut gebrauchen könnte – doch ein wenig mehr Hintergrundinformationen oder auch eigene kurze Subplots hätten dem Film sicher gut getan. Stattdessen bringt er umso mehr Energie und Zeit für seinen Einführungspart auf – der damit etwas länglicher ausfällt als nötig. Wie schwer man derartige, sicherlich kleinere Schwächen gewichtet muss man für sich selbst entscheiden – was sicher auch für die sich anbahnende, große Liebesgeschichte des Films gilt. Dabei stört es nicht gar nicht mal, dass sie als in Hollywood fast schon obligatorische Maßnahme grundsätzlich vorkommt – doch die Art und Weise wie sie inszeniert wurde schon eher. Deutliche Probleme finden sich hier schließlich nicht nur in Bezug auf die relativ beliebig und vorschnell wirkende Entstehung – sondern vor allem im Hinblick auf den weiteren, zusehends immer unglaubwürdigeren Verlauf. Dass Asa Butterfield und seine Kollegin Ella Purnell als Love-Interest Emma in den gemeinsam Szenen ihre schwächsten Momente haben, spielt hier ebenfalls mit hinein.

Doch ganz egal wie man es auch dreht und wendet: unter dem Strich ist DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER ein sichtlich aufwendiger, interessanter; und dabei vor allem visuell und akustisch ansprechender Fantasy-Streifen geworden – der seine auffälligsten Schwächen in der Handhabung der Charakterporträts hat. Das gilt zumindest für den einen Kernaspekt des Films und für all jene, denen bereits das reicht – oder die sich gar nicht erst näher mit dem zweiten Kernaspekt befassen wollen. Der besteht vornehmlich aus allem, was DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER wirklich besonders macht – wortwörtlich, aber auch in Bezug auf den Film im gesamten.

Anders gesagt: es geht um die Dinge, die sich so nur im Universum des Franchise abspielen – und die zumindest theoretisch das Zeug dazu gehabt hätten, die Zuschauer nachhaltig zu fesseln und zu wilden Interpretationsausflügen anzuregen. Denn: wen würde es nicht interessieren, wie es sich wirklich mit den seltsamen Zeitblasen verhält ? Wie lange gibt es sie schon, wie genau funktionieren sie wirklich, wer kann sie erschaffen und warum ? Und warum entscheidet man sich ausgerechnet für eine vergleichsweise komplizierte Variante wie diese, was bedeutet die Bürde vorerst nicht altern zu können ? Was hat es mit den Kindern auf sich, woher kommen ihre Fähigkeiten ? Wurden sie von ihren Familien verstoßen, liefen sie eines Tages davon; weiß die Außenwelt zumindest von deren Existenz ? Man merkt schnell: gerade in der potentiell ansprechenden Disziplin des Fantastischen scheitert DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER geradezu kläglich – was sicher eine kleine Überraschung ist.

Ein nennenswert intensives Filmerlebnis erlaubt die arg oberflächliche Erzählweise jedenfalls nicht. Mehr noch: dank der fehlenden Herausgabe von Details ergeben sich mitunter drastische Logik-Probleme. Entweder bleibt zu viel offen, oder ergibt nach näherem Hinsehen schlicht keinen Sinn. Insbesondere die Darstellung der Zeitreise-Mechanik wirkt dabei besonders unausgegoren und stets so, als wäre sie nur darauf ausgerichtet ein bestmögliches Happy-End für (fast) alle Beteiligten zu erreichen. Das erinnert an andere Filme mit einer ähnlichen Herangehensweise: wenn gewisse Dinge nicht anders zu erklären sind, bedient man sich einfach der Zeitreisenthematik – allerdings ohne dann zumindest diese zu erklären; und sei es nur in einem noch so merkwürdigen Ansatz. Es ist eben nicht unwichtig, ob man sich auch wirklich Gedanken um die Elemente macht; die man in (s)einem Film verpackt.

Schlussendlich: DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER ist eine kleine Enttäuschung. Vornehmlich deshalb, da es sich um ein nur auf den ersten Blick herausragendes Fantasy-Abenteuer handelt – das immerhin mit einem sehr guten handwerklichen Part und einer bildgewaltigen Inszenierung glänzt. Geht es aber um eine tiefere Einsicht in das anberaumte fantastische Universum, den letzten Feinschliff an den Charakteren und das schlicht außergewöhnlich spannende, auch nachhaltig faszinierende – so schlagen Tim Burton’s Ambitionen fehl.


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„Der Film unterhält, ja – das verschenkte Potential ist jedoch massiv.“

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Filmkritik: „Warcraft: The Beginning“ (2016)

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Originaltitel: Warcraft
Regie: Duncan Jones
Mit: Travis Fimmel, Toby Kebbell, Paula Patton u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 124 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Fantasy, Action, Abenteuer
Tags: Warcraft | Blizzard | WoW | WC III | Realfilm | Adaption

Als hätten sich DER HOBBIT und AVATAR kurz ins stille Kämmerlein zurückgezogen.

Kurzinhalt: In Azeroth, dem hiesigen Königreich der Menschen; herrscht ein seit vielen Jahren währender Frieden. Der gütige König Llane Wrynn (Dominic Cooper) genießt die Situation, die ihm derzeit wenig abzuverlangen scheint – zumindest bis eine wilde Horde Orks durch ein mächtiges Portal stürzt und droht, das Land mitsamt seiner Bewohner zu überrennen. Angeführt werden sie von einem furchteinflößenden Ork-Magier namens Gul’dan (Daniel Wu), der sich für sein Vorhaben einer besonders gefährlichen Macht bedient. So kommt es, dass sich selbst einige seiner Verbündeten darüber streiten ob der eingeschlagene Weg tatsächlich der richtige ist. Doch obwohl es scheint, als ob die Orks in Anbetracht der Zerstörung ihrer Heimatwelt ohnehin keine Wahl hätten; entscheidet sich ausgerechnet Ork-Häuptling Durotan (Toby Kebbell) zu einem Bündnis mit den Menschen um Anduin Lothar (Travis Fimmel). Das Problem: nicht nur auf Seiten der Orks sind die Lager gespalten, auch die Menschen sind mit internen Machtkämpfen beschäftigt – wobei speziell der eigentliche Wächter des Menschenreiches, Medivh (Ben Foster) nicht mit offenen Karten zu spielen scheint.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Nun also ist er endlich da, der erste offizielle WARCRAFT-Realfilm – der sich explizit auf das bekannte Computerspiel-Franchise von BLIZZARD sowie die dazugehörigen Buch-Adaptionen bezieht. Ein Franchise, das seit jeher einen hohen Beliebtheitsgrad bei Spielern und Fantasy-Freunden genießt; seinen eigentlichen kommerziellen Höhepunkt aber erst mit dem seit 2004 in vielen Ländern gespielten Online-Spiel WORLD OF WARCRAFT fand. Doch während jenes sogenannte MMORPG vor allem auf unendliche Spielstunden im Konkurrenzkampf mit anderen Spielern abzielt, glänzten die vornehmlich offline zu spielenden Vorgänger mit der Zeichnung einer glaubhaften Spielwelt und einer beeindruckenden atmosphärischen Dichte – was eventuell auch den Ausschlag in Richtung einer potentiellen Real-Verfilmung gegeben haben könnte. Schließlich versprühten schon einige der frühen Zwischensequenzen aus älteren WARCRAFT-Spielen eine gewisse Magie, und etablierten nicht zuletzt durch den großen Konflikt zwischen verschiedenen Rassen (hier hauptsächlich den Menschen, Orks und Elfen; aber auch die Natur selbst spielt eine Große Rolle) eine enorme Spannung.

Und nun kommt die knapp 130 Millionen US-Dollar schwere Adaption WARCRAFT – THE BEGINNING (im Original nur WARCRAFT) daher, der man zumindest eines nicht nachsagen kann – dass sie ihrem Titel nicht gerecht werden würde. Tatsächlich handelt es sich hier lediglich um einen Auftakt-Film einer größeren Filmreihe, mit einer bisher unbekannten Zahl an Nachfolgern – was Vor- und Nachteile hat. Die erste diesbezügliche Überraschung ist, dass man trotz der möglichen Aufsplittung des geplanten Inhaltes auf mehrere Filme den Fuß dennoch nicht vom Gaspedal genommen hat – und die ersten Minuten des Films vor allem Franchise-Neulinge überrumpeln könnten. Hinzu kommt dass sich gerade die, aber auch viele andere erst einmal an die reichlich bunten Bilder inklusive eines teilweise übernommenen Videospiel-Looks sowie das wilde Gebaren der zu Beginn ausschließlich gezeigten Orks gewöhnen müssen.

Jene erste Phase der Eingewöhnung und eine trotz des hohen Erzähltempos unbedingt notwendige Geduld wird im weiteren Verlauf jedoch eher belohnt als negativ untermauert: WARCRAFT beginnt erst nach und nach mit der Ausführung einiger wichtiger Hintergrundinformationen, führt wichtige Charaktere vergleichsweise spät ein – und wird dementsprechend auch erst in der zweiten Hälfte atmosphärisch dichter. Die Folge: obwohl man sich über den etwas holprigen Start des Films streiten könnte, ist den Machern eines in jedem Fall gelungen – WARCRAFT ist eben nicht das eventuell von einigen erwartete seelenlose Effektspektakel geworden. Wohl auch, da sich die Namen der Verantwortlichen ausnahmsweise mal ein wenig anders lesen als man es sonst von derartigen Fantasy-Blockbustern gewöhnt ist. Der britische Regisseur Duncan Jones war zuvor eher durch ungewöhnliche Projekte wie MOON (Review) oder aber den schon bekannteren Sci-Fi-Kopfzerbrecher SOURCE CODE (Review) aufgefallen, der Soundtrack stammt von Ramin Djawadi (und damit dem Schöpfer der Titelmelodie von GAME OF THRONES), viele der Darsteller wird man dank ihrer hierzulande vergleichsweise unverbrauchten Gesichter nicht direkt wiedererkennen.

Und doch scheinen gerade diese weise gewählt worden zu sein. Travis Fimmel als einer der wichtigsten Krieger auf der Seite der Menschen beispielsweise hat durch seine Erfahrungen in der bekannten TV-Serie VIKINGS schon einiges an wilder Kampferfahrung (inklsuive eines dazu passenden Looks) sammeln können, Paula Patton spielt die Rolle der Völker-verbindenden Vermittlerin gut – und speziell Ben Schnetzer fällt als auflockernder, magisch begabter und niemals zu blödelnder Siedekick überaus positiv auf. Etwas schade ist dagegen, dass man zu den Orks trotz der angestrebten Gleichberechtigung im Sinne der vom Film verteilten Sympathien kaum eine Bindung aufbauen kann. Zum einen, da sie größtenteils als wild schlachtende Horde gezeigt werden – und zum anderen, da die Darsteller unter den Masken-Bergen und den unterstützenden Computereffekten eher entstellt als wirklich verwandelt wirken. Doch handelt es sich hierbei eher um Kleinigkeiten, die wenig oder zumindest weniger Auswirkungen auf den Film im Gesamten haben.

Denn der steht und fällt hauptsächlich durch die Symbiose aus den optisch-inszenatorischen sowie den wichtigen inhaltlichen Elementen – sofern beides in gleichberechtigten Umfang vorhanden ist. Tatsächlich macht WARCRAFT rein optisch eine überraschend gute Figur, trotz des einstweilen heftigen Gewöhnungseffektes und des wenn man so will zusätzlich artifiziellen Looks. Sicher hätte man hie und da noch mehr auf gutes altes Handwerk setzen können, doch scheint der überbordernde Einsatz von computergenerierten Hintergründen und Effekten hier ausnahmsweise mal gut zum Konzept (und damit dem Ursprung des Franchise) zu passen. Enorm vorteilhaft ist, dass größere (Material)-Schlachten eher ausbleiben, die gut choreographierten Kämpfe übersichtlich bleiben – und man keiner inszenatorischen Hektik verfällt. Als besonderes optisches Schmankerl fungieren so eher die eingesetzten Fähigkeiten der magisch begabten Figuren – die sich mal einen Schutzschild formen, einen steinernen Golem zum Leben erwecken; oder aber gleich ein ganzes Gewitter bändigen.

Die Crux oder der Knackpunkt bleibt demnach – und wie so oft – der inhaltlich-erzählerische Ansatz, der allein durch das vorgelegte Tempo sowie zahlreichen ausbleibenden Hintergrundinformationen von Beginn an auf eher wackligen Beinen steht. Immerhin: in Anbetracht der Natur des Films stellen sich keine direkt aufdrängen Fragen, man ist eher gewillt das Ganze so hinzunehmen wie es kommt – wobei einiges auf den folgenden oder eher die folgenden Teile verschoben wird. Dennoch hätte man speziell die Porträts der Menschen und Orks als eigenständige Völker mit verschiedenen Lebensarten und Gebräuchen etwas näher beleuchten können – wie genau hier was funktioniert, bleibt einem zumindest als Nicht-WARCRAFT-Kenner völlig schleierhaft. Entsprechend schwer kann es auch fallen, sich für eine der Seiten zu entscheiden – wobei die bereits erwähnte grausame Natur der Orks wohl ohnehin einen Ausschlag in die aus ihrer Sicht feindliche Richtung geben wird. Trotz etwaiger Versuche, sie hie und da zu vermenschlichen – wie etwa in Bezug auf den Nachwuchs. Fast schon kurios ist dementsprechend wohl auch die angewandte Magie, oder eher das Vorkommen derselben – sicher sehen die Zauber schmuck aus, doch weiterführende Fragen dürfen abermals keine gestellt werden. Das trifft insbesondere jene höheren Magier, die aus unerfindlichen Gründen nicht in das Geschehen eingreifen. Wer hier – aus welchen Quellen auch immer – mehr weiß, ist klar im Vorteil. Der Film jedenfalls lässt vieles, vieles offen.

Fazit: Dass das große WARCRAFT-Realfilmprojekt kein Reinfall geworden ist, ist leicht überraschend und allemal eine schöne Sache. Dabei sind die Vorteile des Films nur zum Teil auf den eigentlichen Ursprung als Computerspiel-Franchise zurückzuführen – wie etwa in Bezug auf die in diesem Sinne passig erscheinende Optik und den Wiedererkennungs-Effekt. Anderes ist letztendlich nur durch richtige Entscheidungen herbeigeführt worden. Wie etwa hinsichtlich des großen Kampfes, bei dem die Fronten eben nicht klar definiert sind – sondern es durchaus auch eine Grauzone respektive entsprechende Ausreißer gibt. Das kommt der Spannung zugute und lässt den Film etwas vielschichtiger wirken – auch wenn man noch einen deutlicheren Fokus auf die Welt, oder eher den faszinierend-abenteuerlichen Schauplatz an sich hätte legen sollen. Doch ob der Film nun durch sein Backup durch das Computerspiel-Franchise profitiert oder nicht – in jedem Fall wirkt er nicht so seelen- und belanglos wie der ansatzweise vergleichbare JOHN CARTER (Review) oder die eventuell etwas ausgelutschen HOBBIT-Geschichten (Review zu Teil 1), mit denen man nicht einmal ansatzweise die Größe der eigentlichen HERR DER RINGE-Trilogie hat erreichen können.

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„Kein Meisterwerk, aber durchaus eine kleine Überraschung und eine der besseren Computerspiel-Verfilmungen. Es bleibt abzuwarten, was noch folgt.“

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Filmkritik: „Pan“ (2015)

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Originaltitel: Pan
Regie: Joe Wright
Mit: Levi Miller (II), Garrett Hedlund, Hugh Jackman u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 112 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Fantasy, Abenteuer
Tags: Peter Pan | Waisenjunge | Waisenkind | Nimmerland

In der heutigen Zeit sicher eines der schöneren Reiseziele.

Kurzinhalt: Der junge Peter (Levi Miller) hat es als Waisenkind in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs selten leicht. Er lebt in einem von harter Hand geführten Kinderheim mit vielen weiteren Leidensgenossen, die vergeblich auf die Rückkehr ihrer Eltern oder einen anderen Wink des Schicksals warten. Doch zeigt sich, dass einige der hier beheimateten Kinder plötzlich verschwinden – wohin, dass erfährt bald auch Peter. Schließlich wird er eines Nachts von Piraten entführt – die auf einem fliegenden Schiff zwischen dieser Welt und dem sogenannten Nimmerland hin- und herreisen. Offenbar um neue Arbeitskräfte zu gewinnen und die Waisenkinder wohl niemand vermissen würde. Und so wird auch Peter zu harter Arbeit verdonnert, bis er auf den aufgeweckten James Hook (Garrett Hedlund) trifft – der schon immer von einer Flucht träumte. Doch dafür müssten die beiden erst an Blackbeard (Hugh Jackman) vorbeikommen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wer hat noch nicht von ihm gehört – dem stets fröhlich umher fliegenden, niemals erwachsen werdenden Waisenjungen PETER PAN aus Nimmerland ? In der Tat ist die bereits 1904 von James Matthew Barrie uraufgeführte (und ursprünglich für ein älteres Publikum erdachte) Geschichte nach wie vor in aller Munde; und sei es in merklich abgeänderten oder modernisierten Varianten. In Hollywood hat man das Potential des gerne in Kinderbüchern behandelten Stoffes schon lange erkannt – doch bis auf den Disney-Animationsklassiker PETER PAN von 1953, den mit einem erwachsenen PETER PAN auftretenden HOOK von Stephen Spielberg; sowie die gleichermaßen fantasievolle wie dezent kitschige (aber dennoch sehr gute, siehe Kritik) 2003’er Filmversion von Pj Hogan  blieb es bisher eher ruhig um das im wahrsten Sinne des Wortes beflügelnde Franchise. Das allerdings sollte sich 2015 plötzlich doch noch ganz schnell ändern – mit der schlicht PAN betitelten Bombast-Verfilmung von Joe Wright, die satte 150 Millionen US-Dollar Produktionskosten veranschlagt hat. Wobei das zwar ein ganz schöner Brocken ist, selbst für Hollywood-Verhältnisse – aber im Endeffekt doch kein allzu großer Schock. Schließlich war auch die 2003’er Verfilmung mit ebenfalls denkwürdigen 100 Millionen Dollar Kosten alles andere als ein Low-Budget-Projekt.

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Viel wichtiger sollte aber ohnehin die Frage sein, was Joe Wright respektive die verantwortlichen Ideengeber dazu bewegt hat, eine weitere Verfilmung zum Thema anzuberaumen. Vielleicht war es tatsächlich so, dass man der Geschichte eine neue, möglichst an das Original angelehnte Facette abgewinnen wollte – was die wohl beste aller im Raum stehenden Möglichkeiten wäre. Immerhin ist auch genau das der Clou des Films, der erzähltechnisch weitaus früher ansetzt als alles bisherige – und so gesehen eine bis dato unbekannte Vorgeschichte erzählt. Das könnte man natürlich als spannende Angelegenheit betrachten, doch gleichzeitig handelt es sich hier auch um den eigentlichen Fluch des Films. Schließlich besteht mit Filmen wie diesem durchaus die Gefahr, das bestehende PETER PAN-Universum in einer gewissen Art und Weise zu entmystifizieren. In diesem Fall bedeutet das, dass man möglicherweise zu viele Informationen preisgibt respektive neu hinzudichtet. Erst Recht natürlich wenn man annehmen müsste, PAN wäre nur der erste einer ganzen Reihe von neuen PETER PAN-Filmen, die sich jeweils eine andere Ursprungsgeschichte vornehmen. Denn nachdem man nun den jungen Peter auf seinem Weg vom Waisenkind hin zum eigentlichen Titelhelden begleitet hat, böten sich sicher noch etwaige Ausführungen zum neu eingeführten BLACKBEARD an. Oder aber zu Hook, der in diesem Film so gar nicht mit dem bisher etablierten Bild harmonieren will, und keinerlei Anzeichen dafür gibt jemals auf die Seite der bösen Schergen zu wechseln. Oder, oder…

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Doch sollte man nicht den Teufel an die Wand malen. Überhaupt scheint man der eben beschrieben Gefahr in PAN in so weit aus dem Weg zu gehen, als dass man erzählerisch gar nicht erst aus dem Vollen schöpft – sondern eher eine typische Auserwählten-Story in das PETER PAN-Universum pflanzt und den erst zweifelnden Helden mehr und mehr über sich hinauswachsen lässt. Und das zumeist ohne näher auf die angerissenen Charaktere einzugehen. Dass das Schicksal des jungen Peter als Waisenjunge ein eher trauriges ist oder sein sollte, wird beispielsweise nicht offenbar – was aber nicht einmal ansatzweise so gravierend wiegt wie die Tatsache, dass die in PAN gezeichnete Fantasie-Welt (will heißen, Nimmerland) so unglaubwürdig porträtiert wird wie niemals zuvor. Besonders arg hat es dabei wohl die Allein-Herrschaft des sagenhaften Piraten BLACKBEARD getroffen, dessen Motive man kaum nachvollziehen kann – und unter dem zahlreiche entführte Waisenkinder heranwachsen, um für ihn als Sklaven in einer riesigen Mine zu arbeiten. Offenbar aber ohne jemals aufzubegehren oder ihre Handlungen zu hinterfragen. Somit trifft es sich der Film-Logik nach auch gut, dass mit dem jungen Peter ein möglicher Auserwählter nach Nimmerland gelangt – der die Sklaverei abschaffen oder zumindest Pate für die Rebellion stehen könnte. So weit, so gut – und so wenig nachvollziehbar.

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Dass das Porträt von Blackbeard dann ebenfalls ein recht oberflächliches bleibt, ist kein Wunder. Sicher handelte es sich um eine eher leichte Rolle für Hugh Jackman, der hier mindestens ebenso eigentümlich-überzeichnet agiert wie in der IRON MAN-Reihe. Die wohl größten Fehlbesetzungen des Films sind allerdings Garrett Hedlund als Hook (der ein wenig zu sehr Saubermann und Frauenheld geworden ist), Rooney Mara als gefühlt zu alte Tiger Lily; und Amanda Seyfried als wiederum zu junge, wenig Wärme ausstrahlende Mutter von Peter. Die einzige Entdeckung des Films ist daher wohl Newcomer Levi Miller, der die Rolle des Titelhelden engagiert spielt – und zumindest versucht, der erschreckend kühlen Geschichte einen Hauch von Emotionalität einzuverleiben. Das gelingt aber nur äußerst bedingt – schließlich besteht der Film vor allem aus Technik, beziehungsweise definiert sich schlussendlich durch die Präsentation überaus rasanter Kamerafahrten und Spezialeffekte. Damit war zwar zu rechnen – doch ein wenig mehr Herzblut und Gefühl hätte man dennoch investieren können. So aber dümpelt der Film relativ ungalant vor sich her, nur um sich in den bombastischen Action-Szenen zu entladen. Die sorgen dann auch tatsächlich für reichlich Kurzweil – tragen aber wenig zur wichtigen Atmosphäre des Films bei.

Dann gibt es da noch einen ebenfalls recht pompösen Soundtrack von John Powell, der für die nötige Dramatik sorgt – speziell während der beiden neu interpretierten, vom Cast eingesungenen Popmusikstücke (welche die Piraten als Hymnen nutzen) aber eher peinlich und unpassend wirkt. Die letzte große Enttäuschung des Films ist aber sicherlich das Finale, welches nur verdächtig wenig Sinn ergibt. Und dieser verwirrende Eindruck ist beileibe nicht nur auf die plötzlich doch nicht unerhebliche Macht der Elfen zurückzuführen. Es scheint eben das auch bei den Sklaven greifende Prinzip zu gelten: ohne einen Anführer (der allerdings nicht viel mehr macht als anwesend zu sein) läuft hier – warum auch immer – nichts.

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Fazit: Es war zwar irgendwo zu erwarten – und doch ist es ärgerlich, dass PAN als neueste Verfilmung des PETER PAN-Universums kaum begeistern kann. Die Story und insbesondere die Charaktere bleiben flach und werden nach typischen, alles andere als fantastischen Schemata gestrickt – was dazu führt, dass sowohl die Emotionen als auch die nötige Empathie für den Hauptcharakter weitestgehend ausbleiben. Einige markante Fehlbesetzungen und ein insgesamt eher klinischer, überhasteter Gesamteindruck runden das Ganze negativ ab. Wenn PAN etwas zu bieten hat, dann sind das seine Effekte – die mit Ausnahme der Darstellung der wohl fürchterlichsten Vogelgestalten aller Zeiten insgesamt gelungen erscheinen, aber eben nur für einen äußerst oberflächlichen Unterhaltungswert sorgen. Dann doch lieber die 2003’er Verfilmung von Pj Hogan – in der wesentlich mehr Originaltreue und Herzblut steckt.

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„Erschreckend klinisch, substanzlos und bar jeder Form der Magie.“

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