Filmkritik: „Das Kalte Herz“ (2014)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Basierend Auf: Märchen von Wilhelm Hauff
Regie: Marc-Andreas Bochert
Mit: Rafael Gareisen, Laura Louisa Garde, Marie Gruber u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 85 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Fantasy / Drama
Tags: Peter Munk | Köhler | Arbeit | Armut | Ansehen | Reichtum | Wandlung

Umso stärker die Liebe, umso größer die Versuchung…

Inhalt: Der fleißige aber arme Peter Munk (Rafael Gareisen) war schon immer ein guter Junge. So sorgt er für sich und seine Mutter, indem er tagtäglich in den Wald geht und sich mit der langwierigen Herstellung von Holzkohle abmüht – auch wenn er dafür von den meisten nur hämisch belächelt wird. Doch als er auf die hübsche Lisbeth (Laura Louisa Garde) trifft, der von einem anderen und weitaus wohlhabenderen Konkurrenten Avancen gemacht werden; wird es des angestauten Frustes doch noch zu viel. Und so macht sich Peter erneut auf zu dem einzigen Ort, an dem er sich wirklich sicher fühlt – dem hiesigen Wald. Dieses Mal, und mit dem tieferen Vordringen in das Gehölz aber trifft er auf gleich zwei seltsame Gestalten: den Holländer-Michel (Thomas Thieme), der Peter sogleich aus der Patsche hilft und auch sonst ein offenes Ohr für den jungen Mann zu haben scheint – und das Glasmännlein (Tilo Prückner), welches ihm drei Wünsche zugesteht. Natürlich nimmt Peter an, und entscheidet sich zunächst einmal für den nötigen Reichtum um endlich das ihm zustehende Ansehen zu genießen – und nicht zuletzt, um bei seinem Schwarm Lisbeth zu landen. Doch letztendlich läuft alles doch nicht so wie geplant…

Kritik: Um die wievielte direkte oder zumindest entsprechend beeinflusste filmische Aufarbeitung es sich bei der für das ZDF produzierten Version von DAS KALTE HERZ tatsächlich handelt, ist schwer zu sagen. Fest steht nur, dass die von Marc-Andreas Bochert verwirklichte und im Rahmen des ZDF-Specials Märchenperlen gezeigte Variante nicht viel anders macht als die bisherigen Veröffentlichungen – von der die im Jahre 1950 erschienene DEFA-Version eine der bekannteren markiert. Neu sind nur die Special Effects, die wider Erwarten recht dezent eingesetzt wurden – sowie natürlich die Besetzung mit einigen mehr oder weniger bekannten deutschen Darstellern. Die allerdings machen ihre Sache recht ordentlich, und auch die optisch-handwerkliche Gestaltungsarbeit weiß zu überzeugen – vor allem im Sinne einer TV-Produktion. Dass dann auch noch die Moral der Geschichte treffend eingefangen wurde – und das ohne etwaigen Blödeleien zu verfallen oder allzu sehr ins kitschige abzudriften – rundet die Sache ab. Sicher, DAS KALTE HERZ mag keine inhaltlich neue oder gar weltbewegende Märchenverfilmung sein – doch die angenehme Art der Erzählung, die für ein Märchen vergleichsweise ungekünstelt wirkende Emotionalität sowie die gleichermaßen universellen wie zeitlosen Botschaften machen die 2014’er ZDF-Version durchaus zu einem Hingucker; gerade für einen gemeinsamen Familien-Filmabend.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Justbridge Entertainment

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„Eine absolut annehmbare, angenehm bodenständige Märchenverfilmung.“

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Filmkritik: „Death Note“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Death Note (Manga)
Regie: Adam Wingard
Mit: Nat Wolff, Margaret Qualley, Lakeith Stanfield u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 101 Minuten
FSK: nicht geprüft / keine Angabe
Genre: Thriller / Horror / Fantasy
Tags: Death Note | Light Yagami | Ryuk | Shinigami | Japan | Manga | Anime-Serie

Einmal das Totenbuch, bitte… gut durch und auf Amerikansich.

Inhalt: Eigentlich ist der junge Light Turner (Nat Wolff) nur ein ganz normaler Schüler, der sich ab und an etwas mit den Hausaufgaben anderer dazuverdient. Eines Tages aber fällt ihm ein seltsames schwarzes Notizbuch in die Hände, welches die Aufschrift DEATH NOTE trägt. Schnell stellt er fest, dass das Buch außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt: stellt man sich das Gesicht einer Person vor und trägt den dazugehörigen Namen auf einer der Seiten ein, stirbt der betroffene. Als wäre das noch nicht unglaublich genug, taucht auch ein Todesgott namens Ryuk auf – der offenbar der eigentliche Besitzer des Buches ist, und Light dazu ermutigt seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Light’s Entschluss, die Welt mithilfe des DEATH NOTE zu einem besseren Ort zu machen; ist daraufhin schnell gefasst – sodass er schlicht einige der gefährlichsten Verbrecher tötet, deren Gesichter und Namen er in den Medien aufgeschnappt hat. Dabei kommt ihm eigentlich nur einer in die Quere, und dass ist der hiesige Chefermittler L (Lakeith Stanfield)…

Kritik: Ob Fans des originären DEATH NOTE-Mangas (2003-2006) oder der seinerzeit direkt im Anschluss verwirklichten, längst mit einem enormen Kult-Status geadelten Anime-Serie (siehe Rezension) explizit darauf gewartet haben oder nicht – mit DEATH NOTE erfährt die düstere, sich um ein mysteriöses Buch aus einer Art Zwischenwelt drehende Geschichte von Tsugumi Ōba eine weitere Realverfilmung. Dieses Mal, und im Gegensatz zu den bisherigen vier Realfilmen aus Japan (siehe unter anderem hier); haben sich mit den Warner Studios erstmals die nicht unbedingt für gute Anime-Adaptionen bekannten Amerikaner an den Stoff gewagt. Eben das sieht und merkt man dem von Adam Wingard (der durch die Neuverfilmung zu BLAIR WITCH bekannt geworden ist) gedrehten Film auch direkt an – was noch nicht zwingend als Qualitätsmerkmal interpretiert werden muss, aber doch schon die ungefähre Marschrichtung vorgibt.

Anders gesagt: es sei den Amerikanern durchaus gegönnt, dass sie hier ihre ganz eigene Version von DEATH NOTE auf die Beine gestellt haben – und schon der Auftakt des Films respektive die ausführlichen Intro-Szenen mit Ansichten einer Highschool, des hiesigen Football- sowie Cheerleading-Teams und allerlei amerikanischen Gesichtern auch mit Nachdruck darauf aufmerksam machen. Selbst die zugegebenermaßen recht unglückliche Besetzung des wichtigen Charakters L durch den farbigen und auch sonst eher unpassend wirkenden Darsteller Lakeith Stanfield markiert so gesehen keines der Hauptprobleme des neuen, durch und durch amerikanischen DEATH NOTE-Films – der sich seine größten Fehlgriffe vielmehr in der letztendlich doch auffallend unstimmigen inhaltlichen und atmosphärischen Portierung leistet.

Das besondere, und gewissermaßen auch fatale dabei ist; dass es zur Feststellung dieser Mängel erst gar keines intensiveren DEATH NOTE-Vorwissens bedarf – mit einem kleinen aber feinen Unterschied. So werden komplette Franchise-Neueinsteiger vielleicht nicht genau wissen oder benennen können, was dem neuen DEATH NOTE-Film fehlt – während Kenner der Vorlagen immer wieder darauf hingewiesen werden, wie viel Potential hier letztendlich verschenkt wurde. Sei es der plötzlich eher weichgespülte Charakter der eigentlich ebenso hoch intelligenten wie skrupellosen Hauptfigur Light, die perfiden Katz- und Mausspiele zwischen ihm und der durch den weltfremd agierenden Chefermittler L verkörperten Gegenseite; oder der schier unglaubliche Spannungsbogen hinsichtlich des geschickt hinausgezögerten Finales, welches man zumindest im Anime kaum vorhersehen kann – die Amerikanische Realverfilmung von DEATH NOTE lässt hinsichtlich der Darstellung dieser Kernkompetenzen einiges vermissen, oder stellt sie lediglich äußert vereinfacht und in einem regelrechten Schnelldurchlauf dar.

Sicher, es mag nicht leicht gewesen sein den doch recht ansehnlichen Umfang der Vorlagen in ein handelsübliches Filmformat zu verfrachten – doch ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hätte man dabei schon an den Tag legen können. Oder aber, und um es einmal gewagt auszudrücken: den Mut, zumindest die unvorbereiteten Zuschauer im schlimmsten Fall dezent zu überfordern. Dieses Wagnis sind die Verantwortlichen allerdings nicht eingegangen. Im Gegenteil: trotz der guten und spannenden Grundidee kommt die amerikanische DEATH NOTE-Verfilmung wie ein relativ typischer Teeniefilm oder auch Highschool-Thriller mit entsprechend bekannten Elementen daher, bei dem selbst die überraschend heftigen Splatter-Szenen nicht für viel Aufsehen sorgen können. Und schon gar nicht die Inhalte oder Charaktere, die hier auf das absolut nötigste reduziert wurden – und so erst gar keinen Vergleich zur Vielschichtigkeit und Intensität der Anime-Serie zulassen.

Auch in Bezug auf die handwerklichen und technischen Aspekte kann das Urteil eigentlich nur zwiespältig ausfallen, wofür schon die allgemein schwierige Darstellung des Todesgottes oder auch Shinigamis Ryuk spricht. Tatsächlich muten dessen Rückansicht und Silhouette ordentlich gruselig an – aber eben nicht die gerne mal direkt gezeigte Front respektive Gesichtspartie mit ihrem arg künstlichen Anstrich. Immerhin, und so gesehen: im Gegensatz zu den billig-plump wirkenden CGI-Eskapaden der japanischen Realfilme ist hier schon eine kleine Qualitätssteigerung erkennbar. In Bezug auf die Darsteller gilt es, ähnlich schwankendes festzuhalten. Der einst durch eine Kinderband (THE NAKED BROTHERS BAND) bekannt gewordene Nat Wolff beispielsweise ist grundsätzlich eine positive Überraschung – auch wenn er die Aufgabe, den Charakter von Light sinngemäß darzustellen; auch aufgrund des Drehbuchs schlicht unmöglich stemmen kann. Während die Kameraführung, die Wahl der Schauplätze und das das Setdesign inklusive der durchdachten Beleuchtung weitestgehend stimmig ausfallen; haben sich die Macher aber spätestens mit dem Soundtrack einen echten Fauxpas geleistet. Schließlich hätte man kaum noch unpassendere und noch aufdringlicher inszenierte Poprock-Titel wählen können als beispielsweise in Bezug auf die spätere Riesenrad-Szene.

Schlussendlich: mit der 2017’er Version von DEATH NOTE sind die Verantwortlichen ein Wagnis eingegangen. Ein Wagnis, dass es so allerdings schön öfter gab – und in nur selten wirklich zufriedenstellenden Fernost-Portierungen mündete, sei es in Bezug auf Manga-, Anime- oder Realfilmadaptionen. Daran ändert auch der neue DEATH NOTE-Film nichts – der alles andere als ein Meilenstein geworden ist, andererseits aber auch noch viel ärger hätte ausfallen können. Dennoch, selbst im besten Fall reicht es hier nur für eine eher besondere respektive indirekte Daseinsberechtigung – die darin besteht, zufällig geköderte Franchise-Neueinsteiger für die zugrundeliegenden Vorlagen zu sensibilisieren.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Netflix / James Dittiger

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„DEATH NOTE Minus DEATH NOTE, oder: es ging schief, was schief gehen musste.“

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Filmkritik: „A Monster Calls / 7 Minuten Nach Mitternacht“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: A Monster Calls (Roman)
Regie: Juan Antonio Bayona
Mit: Lewis MacDougall, Sigourney Weaver, Felicity Jones u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 109 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama / Fantasy
Tags: Monster | Kind | Junge | Familie | Schicksal | Coming Of Age

Ein Monster, mit dem man rechnen muss.

Inhalt: Die mittlerweile von ihrem Mann getrennt lebende Elizabeth (Felicity Jones) hat es als alleinerziehende wahrlich nicht leicht. Dabei ist ihr im Ausland lebender und somit nur noch sporadisch auftauchender Ex-Mann, der sich offenbar nur selten um ihren gemeinsamen Sohn Conor (Lewis MacDougall) kümmern kann; noch das geringste Problem. Schließlich leidet Elizabeth an einer schweren Krebserkrankung, die es ihr zusehends unmöglich macht ausreichend für ihren heranwachsenden Sohn zu sorgen. Davon wissen natürlich auch die anderen Bewohner der Gegend – etwa die Mitschüler aus Conor’s Klasse. Anstatt jedoch Unterstützung zu erfahren, wird er ständig nur gehänselt – sodass sich Conor am liebsten in sein Zimmer zurückzieht, und mithilfe seiner Zeichnungen in seine eigene Gedankenwelt abtaucht. Eines Tages wird er dann zeuge eines denkwürdigen Ereignisses: die alte Eibe in der Nähe seines Hauses wird plötzlich lebendig, schreitet auf den verdutzten Conor zu – und nimmt Kontakt mit ihm auf. Gleichzeitig mischt sich Conor’s strenge Großmutter (Sigourney Weaver) in die Familienangelegenheiten ein, und beschließt Conor erst einmal bei sich aufzunehmen – und das so lange, bis es seine Mutter endlich wieder besser gehen würde.

Kritik: Mit A MONSTER CALLS wagt sich der aus Spanien stammende und vornehmlich durch seine Arbeiten an DAS WAISENHAUS (siehe Filmkritik) sowie dem Tsunami-Drama THE IMPOSSIBLE bekannt gewordene Regisseur Juan Antonio Bayona erstmals an die Verfilmung einer gleichnamigen Jugendbuch-Vorlage von Patrick Ness. Die ist in Anbetracht ihres Erscheinens im Jahre 2011 noch relativ frisch, basiert eigentlich auf einer Idee der an Krebs verstorbenen irisch-britischen Schriftstellerin Siobhan Dowd – und hat trotz des offensichtlichen Monster-Sujets weniger mit einem fantastischen Märchen am Hut als eventuell erwartet. Vielmehr wird dem Zuschauer überraschend schnell nahegelegt, dass es sich bei der aus einer alten Eibe herausformenden Baum-Kreatur um ein rein imaginäres Konstrukt des jungen Hauptprotagonisten Conor handelt – der als Heranwachsender früh lernen muss, mit der schweren und aller Wahrscheinlichkeit nach tödlichen Krebserkrankung seiner Mutter umzugehen.

Dass A MONSTER CALLS somit alles andere als ein typischer Fantasy- oder auch Monsterfilm geworden ist, ist jedoch keine Enttäuschung – sondern seine eigentliche Stärke. Zumindest wenn es weiß und man sich entsprechend darauf einlässt, darauf einlassen kann. Anders gesagt: die spezifischen Darstellungen der behandelten kindlichen Gedankenwelt sind das markanteste (und eventuell auch das gewöhnungsbedürftige) Alleinstellungsmerkmal des Films – im Kern und davon unabhängig aber bleibt er ein unerwartet aufwühlendes und Charakter-intensives Drama mit starken Coming Of Age-Elementen. Ein Drama; dass wie so viele andere von seinen Charakteren und einer möglichst nachvollziehbaren Schilderung der Ereignissen lebt – was Juan Antonio Bayona in seiner Ausführung auch gelingt, trotz oder gerade wegen der ungewöhnlichen Darstellung mit dem hier gezeigten Monster als versinnbildlichtem inneren Dämon.

Trotz einiger guter Ansätze und der in diesem Falle ausnahmsweise mal positiv zu attribuierenden Mogelpackung hat A MONSTER CALLS aber auch mit einigen Schwächen zu kämpfen. Beispielsweise ist festzustellen, dass sich der Film gerade in Bezug auf seinen Auftakt und den ersten Begegnungen mit dem Monster teils deutlich in die Länge zieht und erst gegen Ende wieder aus dem (emotionalen) Vollen schöpft. Auch die analog dazu immer wieder eingeschobenen Erzähl-Sequenzen in einem speziellen Comic-Look stören – auch wenn sie inhaltlich Gewicht haben – den allgemeinen Filmfluss. Und überhaupt: allzu großartig sehen sie erst gar nicht aus, sodass hier durchaus der Wunsch nach einem anderen Stilmittel laut werden könnte. Für das Monster selbst gilt dann eigentlich nur eines: vor allem aus der Ferne sowie in den nett gemachten Verwurzelungs-Szenen macht es ordentlich was her, in den Nahaufnahmen macht es einen eher befremdlichen bis unschönen Eindruck.

Gut also, dass hier eher die Musik respektive die Sprache den Ton angibt – und sowohl Liam Neeson (in der Originalfassung) als auch der Synchronsprecher Bernd Rumpf stimmig durch die Gegend grummeln, stets unterstützt vom mystisch-atmosphärischen Soundtrack aus der Feder von Fernando Velázquez. Noch wichtiger als das ist aber die erbrachte Leistung der Darsteller, die in einem Drama wie diesem über vieles entscheidet – woran auch noch so viele Effekte und Traumsequenzen nichts ändern. Mit einem starken Lewis MacDougall (u.a. PAN, siehe Filmkritik>7span>) in der Hauptrolle haben die Verantwortlichen aber alles richtig gemacht – seine Darbietung überzeugt auf ganzer Linie. In Anbetracht der kindlichen Besetzung sollte man indes nicht von einem für alle Altersklassen geeigneten Kinderfilm ausgehen: die offizielle Altersfreigabe ab 12 erweist sich als annehmbare Orientierung, zumal der Film einige düstere Elemente bereithält und inhaltlich vergleichsweise tief greift.

Schlussendlich: A MONSTER CALLS ist Klagelied und Ode an das Leben zugleich, in dem sich Grausamkeit und Schönheit die Klinke in die Hand geben – und präsentiert ein bewegendes Anschauungsbeispiel dafür, wie ein einzelner diese erstaunliche Berg- und Talfahrt der Gefühle erlebt und interpretiert. Und wer genau das erwartet – nicht mehr und nicht weniger – der wird vermutlich auch nicht enttäuscht aus dieser Erfahrung herausgehen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © A Monster Calls A.I.E. / Quim Vives

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„Eine visuell und inszenatorisch ebenso einzigartig wie gewöhnungsbedürftig umgesetzte; unabhängig davon aber überraschend starke, intensive und bewegende Coming Of Age-Geschichte.“

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Filmkritik: „Split“ (2017)

Originaltitel: Split
Regie: M. Night Shyamalan
Mit: James McAvoy, Anya Taylor-Joy, Betty Buckley u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 117 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Horror
Tags: Identität | Schizophrenie | Persönlichkeit | Gespalten | Kampf

Guck mal wer da spricht… oder lauf am besten weit, weit weg.

Kurzinhalt: Eines Tages, als die junge Casey (Anya Taylor-Joy) und ihre beiden Freundinnen Claire (Haley Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula) gerade von einer Einkaufstour zu ihrem Auto zurückkehren; taucht plötzlich ein unbekannter Mann (James McAvoy) auf. Nachdem er die einzige andere männliche Person in der Nähe betäubt hat, setzt er sich plötzlich zu den drei Mädchen ins Fahrzeug – und betäubt auch diese. Als die drei in einem kleinen und offenbar gut gesicherten Raum wieder zu sich kommen, scheint ihre Lage recht ausweglos – zumal sie bald darauf ihren Peiniger kennenlernen. Der stellt sich den dreien kurzerhand als Kevin vor, stellt erste aggressiv durchgesetzte Forderungen – und legt im weiteren Verlauf ein zunehmend merkwürdig erscheinendes Verhalten an den Tag. Eines, das weit über das zu erwartende Verhalten eines typischen Kidnappers hinausgeht; was auch die Mädchen bemerken – und sich diese Tatsache irgendwie zunutze machen wollen. Doch wie sich zeigt müssen sie bei ihrer angestrebten Flucht nicht nur das Handeln eines einzigen Mannes in Frage stellen… sondern gleich das von 23 Personen, die sich unglaublicherweise alle im selben Körper befinden.

Kritik: 23 und mehr Persönlichkeiten in nur einem Körper, wie soll das denn gehen ? Diese und andere Fragen stellte sich jüngst der erfolgreiche amerikanische Regisseur und Drehbuchautor M. Night Shyamalan, dem spätestens nach seiner Arbeit am Mystery-Thriller THE SIXTH SENSE (1999) so gut wie alle Türen in Hollywood offenstehen. Nach einigen klar auf ein Mainstream-Publikum ausgerichteten – und auch sonst eher mäßigen Popcornkino-Werken wie unter anderem AFTER EARTH oder DIE LEGENDE VON AANG (siehe Review) – scheint sich das 1970 geborene Multitalent nun wieder etwas mehr zu trauen. Schließlich erzählt SPLIT die Geschichte eines Mannes mit mehr als nur einer handvoll zusätzlicher Persönlichkeiten – und verspricht dabei, ein durchdachter Psycho-Thriller mit einer gleichermaßen starken wie markanten Hauptfigur zu sein. Eben so, wie man es schon in potentiellen Vorbildern a’la IDENTITÄT (2004) sehen konnte – oder aber in Shyamalan’s früherem Werk UNBREAKABLE, zu dem SPLIT letztendlich auch einen stärkeren Bezug aufbaut als vermutet. Somit scheint es tatsächlich so, als hätte Shyamalan eine größere Vision die über den beiden auf den ersten Blick völlig verschiedenen Handlungsuniversen von UNBREAKABLE und SPLIT schwebt – wobei es eigentlich kaum noch überraschend ist, dass bereits entsprechende Nachfolger geplant sind.

Mindestens eines ist ihm dabei hoch anzurechnen: dass er viele der bei einer Filmproduktion anfallenden Arbeiten selbst übernimmt, und somit nicht nur Regisseur und Drehbuchautor fungiert – sondern auch als Produzent und sogar Darsteller. Anders gesagt: Shyamalan übernimmt die volle Verantwortung für seinen Erfolg oder sein Scheitern, und ist stets darauf bedacht dass seine Filme eine unverkennbare Handschrift tragen. Gerade das ist ihm im Falle von SPLIT auch gelungen – dank der hervorragenden Kameraführung, der stimmigen Inszenierung der Schauplätze und dem wenn man so will ausgelassenen Spiel der Darsteller besitzt der Film durchaus eine unverwechselbare Identität; übrigens ganz im Gegensatz zum wunderlichen Hauptprotagonisten. Ob das aber ausreicht, um einen auch mal etwas zäh vorankommenden Film wie diesen zu tragen ist eine andere Frage – unter Umständen sogar eine entscheidende. Schließlich macht sich mindestens ein gravierenderes Problem bemerkbar, abgesehen von einigen kleineren und im Genre eher üblichen Unstimmigkeiten: SPLIT weiß schlicht nicht so Recht, was er nun sein möchte. Denn auch wenn es zunächst verdächtig danach aussieht, bleibt es nicht bei dem Versuch einer halbwegs authentischen Darstellung in Richtung eines verstörenden Psycho-Thrillers. SPLIT nimmt vor allem in Bezug auf sein pompöses Finale wesentlich wildere Züge an, und driftet dabei fast schon in Bereiche die man bei einem vergleichsweise ernsten Grundton wie dem hier vorgelegten definitiv vermeiden sollte.

Somit sind es auch nicht die 23 Persönlichkeiten respektive deren plötzlicher Wechsel, die zu einem Problem in Richtung einer unbedingt zu vermeidenden Lächerlichkeit avancieren – auch wenn die dahinterstehende Psychologie durchaus etwas glaubwürdiger und nachvollziehbarer hätte dargelegt werden können. Immerhin beschränkt sich Shyamalan auf eine übersichtliche Anzahl der in Erscheinung tretenden Personen, was gut ist und dem Film keineswegs negativ ausgelegt werden sollte. Weitaus ernüchternder wiegt der sich trotz dessen aufdrängende Fakt, dass SPLIT letztendlich doch mehr von einem Horrorfilm mit Übermensch-Syndrom (dieser Begriff wird wohl noch eine große Rolle spielen) oder wahlweise auch eines fantastisch anmutenden Schauermärchens hat. Eines, das trotz der offensichtlichen Übertreibungen darauf beharrt einen unbedingten Bezug zur Realität zu haben (was auch die großzügigen wissenschaftlichen Abhandlungen innerhalb des Films vermuten lassen) und den Zuschauer eben damit zu schocken. Und dieses Konzept geht hier nicht wirklich auf, was umso enttäuschender ist wenn man die noch immer vorhandenen Vorzüge des Films betrachtet.

Allen voran ist hier sicherlich Hauptdarsteller James McAvoy zu nennen – der den verschiedenen Persönlichkeiten nicht nur ein ausdrucksstarkes Gesicht mit einem entsprechend grandiosen Mienenspiel, sondern auch so etwas wie eine Seele einhaucht. Auch seine Kollegin Anya Taylor-Joy, die als einzige Gefangene über den Staus typischer (und ärgerlicher) Opfer-Klischees hinauskommt; macht ihre Sache gut – wobei man allerdings noch etwas mehr aus ihrem Charakter, den Flashbacks in Bezug auf ihre eigene Vergangenheit und den Dialogen hätte herausholen müssen. Im Zusammenspiel mit der bereits erwähnten, technisch hervorragenden Umsetzung und dem subtilen Soundtrack macht SPLIT so zumindest hinsichtlich seines Gesamteindrucks einen mehr als annehmbaren Eindruck. Einen, der aber noch so viel stärker hätte ausfallen können; ausfallen müssen. Ob es die Nachfolger besser machen, wird sich zeigen – es wäre jedenfalls nicht der Regelfall.

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„Letztendlich sind es ausgerechnet die Identitätsschwierigkeiten des Films an sich, die noch größeres verhindern.“

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Filmkritik: „Maleficent – Die Dunkle Fee“ (2014)

Originaltitel: Maleficent
Regie: Robert Stromberg
Mit: Angelina Jolie, Elle Fanning, Sharlto Copley u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Fantasy, Abenteuer
Tags: Dornröschen | Märchen | Fee | Schloss | Dornenwald | Prinz

Wenn selbst Feen einmal vom rechten Pfad abkommen…

Kurzinhalt: Es war einmal eine junge Fee mit dem Namen Maleficent (Isobelle Molloy) – die in einem friedlichen Waldkönigreich lebte und trotz ihrer beeindruckenden Teufelshörner keiner Fliege etwas zuleide tun konnte. Aus dem benachbarten Menschenreich erschien ihr eines Tages der junge Stefan (Michael Higgins), mit dem sie sich schnell anfreundete. Doch wenngleich Maleficent das erste Mal so etwas wie echte Zuneigung für einen Menschen empfand und Stefan offenbar ähnlich fühlte; entschied er sich letztendlich doch dazu, sein Glück in der Welt der Menschen zu suchen. Und tatsächlich: nach einigen Jahren scheint ihm sein eigentliches Ziel in greifbare Nähe zu rücken. Der alternde König Henry (Kenneth Cranham) will kurz vor seinem Tod einen würdigen Nachfolger bestimmen – und bietet schlichtweg demjenigen die Thronfolge an, der ihm den Kopf von Maleficent bringen würde. Die ist nunmehr erwachsen geworden (Angelina Jolie), und fällt auf Stefans (Sharlto Copley) erneute Annäherung herein – woraufhin sie ihre mächtigen Flügel verliert. Die präsentiert Stefan kurzerhand dem König – und wird so zum neuen Herrscher. Doch eigentlich hätte er damit rechnen müssen, dass Maleficent eines Tages auf Rache schwören würde…

Kritik: MALEFICENT – DIE DUNKLE FEE ist ein bombastisch aufgemachter Fantasy-Blockbuster aus dem Hause Disney, dessen Geschichte sich eindeutig auf das bekannte DORNRÖSCHEN-Märchen der Gebrüder Grimm beziehungsweise des eigentlichen französischen Verfassers Charles Perrault stützt. Immerhin: trotz des wie so oft anzuberaumenden Vorurteils, dass Hollywood schon längst die Ideen ausgegangen sind und nach wie vor unendlich viele Sequels, Remakes und Spin-Offs produziert werden oder eher werden müssen; kann man MALEFICENT durchaus etwas zugute halten. Die Verantwortlichen haben nicht bloß altbekanntes kopiert respektive stumpf neu aufgelegt – sondern sich darüber hinaus auch eigene Gedanken gemacht. Die moderne Disney-Version von DORNRÖSCHEN, die man auch als Realfilmversion des Disney-Klassikers DORNRÖSCHEN UND DER PRINZ aus dem Jahre 1959 betrachten könnte; sieht somit tatsächlich einige neue Inhalte und interessante Twists vor. Zu erwarten war indes, dass sich das eigentliche Novum von MALEFICENT eher auf seine großzügig ausgenutzten Möglichkeiten hinsichtlich einer möglichst bombastischen Visualisierungsarbeit entdecken lässt.

Glücklicherweise verkehrt sich diese in Hollywood gerne mal zum Scheitern verurteilte Herangehensweise im Falle von MALEFICENT aber nichts ins negative – zumindest längst nicht so, wie es eventuell zu befürchten war. Schließlich ist die hier gezeichnete Fantasy-Welt trotz ihrer ausufernden Farbenspiele, den einstweilen etwas zu sehr auf kindlich getrimmten Märchenwesen und der im Akkord eingesetzten CGI-Effekte nett anzusehen – und wirkt insgesamt weitaus inspirierter und stimmiger als etwa die Welten von AVATAR, ALICE IM WUNDERLAND oder SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN. Auch der Soundtrack von James Newton Howard macht eine sehr gute Figur – und ist mit seiner magischen, dabei aber niemals allzu kitschigen oder aufdringlichen Atmosphäre irgendwo zwischen den Werken von P.J. Hogan (etwa: PETER PAN) und Danny Elfman (etwa: EDWARD MIT DEN SCHERENHÄNDEN) zu verorten. Das Problem ist lediglich, dass sich in der hübschen Welt von MALEFICENT weitaus weniger abspielt als anderswo – und viele Elemente im Reich der Feen und Fabelwesen ihre einzige Daseinsberechtigung in Form eher oberflächlicher Schauwerte haben.

Doch dafür überzeugt MALEFICENT immer dann, wenn es um seine zwischenmenschlichen Untertöne geht – die einstweilen sogar ganz und gar existentielle Ausmaße annehmen können. Dabei geht es vornehmlich weniger um die beiden Königreiche an sich, ihre Bewohner oder die Tatsache; dass sie aus einem hier nicht wirklich erläuterten Grund verfeindet sind – sondern in erster Linie um zwei besondere Charaktere und ihre innerliche Zerrissenheit. Die enthaltenen Botschaften bezüglich der ganz großen Themen wie Selbsterkenntnis, Verrat und Liebe sind dabei einerseits angenehm kindgerecht verpackt und mit klaren Fronten versehen – andererseits und je nach Facón aber auch tiefer interpretierbar. Einen großen Bonuspunkt gibt es beispielsweise dafür, dass die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Aurora und einem plötzlich auftauchenden Prinzen eben nicht als patente Lösung für alle sonst typischen DORNRÖSCHEN-Probleme anbietet – sondern stattdessen ein anderer Weg gefunden wird. Die Blöße gibt sich Disney dieses Mal jedenfalls nicht – weder in Bezug auf die dargestellten Inhalte, noch auf die handwerklichen Aspekte oder die letztendlich etablierte Gesamtwirkung.

Selbst die relative One-Women-Show von Angelina Jolie ist dem Film nicht zwingend negativ anzukreiden – zumal ihre schauspielerische Leistung hier uneingeschränkt überzeugend ausfällt, und sich ihre eingefleischten Fans zu Recht über ihren ausgedehnten Auftritt freuen können. Etwas schade ist nur, dass alle anderen Beteiligten durch ihre gleichermaßen starke wie einnehmende Präsenz dezent in den Hintergrund rücken – wie etwa Sam Riley (CONTROL) in seiner durchaus sympathischen rolle des verzauberten Vogels Diaval, die man ruhig noch hätte ausbauen können. Das abgelieferte Porträt von Elle Fanning dagegen gehört sicherlich nicht zu den besten ihrer Karriere – was aber weniger an ihr selbst, als vielmehr am wenig Spielraum vorsehenden Drehbuch liegt.

Schlussendlich: die ganz große, einst für Disney typische Magie bleibt zwar aus – aber dennoch hält MALEFICENT als Fantasy-Blockbuster mit großen Schauwerten locker, was er verspricht. Dank seiner herrlich bunten Fantasy-Welt, seiner leicht abgewandelten DORNRÖSCHEN-Geschichte, seinem durchaus charmanten Witz und den nicht uninteressanten Botschaften bietet er einige höchst unterhaltsame Film-Minuten für die ganze Familie.

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„Bunt, abenteuerlich, unterhaltsam – eine überraschend gelungene Neuauflage des bekannten Märchens.“

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