Metal-CD-Review: FAIRYLAND (Fantasia) – Realm Of Wonders (2000)

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Alben-Titel: Realm Of Wonders
Künstler / Band: Fantasia / Fairyland (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2000
Land: Frankreich
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Willdric Lievin – Drums, Bass, Vocals
Thomas Cesario – Guitars, Bass
Philippe Giordana – Keyboards

Track-Liste:

1. The Realm (01:13)
2. Ride with the Sun (05:05)
3. Doryan (00:43)
4. The Enlightened (04:54)
5. The King (02:06)
6. Holy Quest (06:29)
7. On the Path to Fury (05:08)
8. Lake of Tears (01:49)
9. Fight for Your King (06:14)
10. Cruel Death (04:51)
11. The Fellowship (06:13)
12. Lord (06:05)
13. The Army of the White Mountains (06:04)
14. Song for a Victory (04:22)

Es wareinmal im Land der Wunder…

Greifen wir einmal ganz tief in die Metal-Schatzkiste… und besehen das Erstwerk einer franzöischen Symphonic Power Metal-Combo, die bis dato noch FANTASIA hieß. Erst nach jener nunmehr legendären, im Jahre 2000 veröffentlichten Demo REALM OF WONDERS wurde die Band zu jener Genregröße, die man heute kennt: FAIRYLAND. Und dennoch besteht kein Grund, die frühe Vergangenheit der 1998 gegründeten Band zu leugnen, im Gegenteil – gerade für Fans eines Albums wie OF WARS IN OSYRHIA (siehe dazu der Platz des Albums in der Allzeit-Bestenliste) kann die Entdeckungsreise so manche Überrasschung bereithalten. Und da es in letzter Zeit verdächtig still um FAIRLAND geworden ist – bleibt einem als Fan ohnehin nicht viel anderes übrig als ein erneuter Blick zurück.

Ein Blick zurück auf alte Glanzzeiten – die in erster Linie in dem Moment begonnen haben, als man Eliza C. Martin als Leadsängerin verpflichtete. Oder etwa schon davor ? Schließlich ist auf dem vorliegenden REALM OF WONDERS noch der alte FANTASIA-Leadsänger Willdric Lievin (später bei HAMKA) zu hören. Und auch der hat seine Sache sehr gut gemacht – auch wenn es schwierig ist, seine Leistung in Anebtracht der später von Kollegin Eliza C. Martin erbrachten zu vergleichen. Was sich natürlich automatisch anbietet, ist ein Großteil der hier enthaltenen Titel auch auf OF WARS IN OSHYRIA zu hören – wenn auch in einer merklich besseren Produktionsqualität und mit dezenten Änderungen. Klar scheint nur, dass er weitaus weniger einzigartig klingt – und daher auch nicht als explizites Ausnahmetalent wie eben jene Eliza C. Martin zu bezeichnen ist. Und auch der Eindruck dass er sich einstweilen etwas abzumühen scheint, könnte aufkommen – als Paradebeispiel sei hier eine Performance wie die in ON THE PATH TO FURY genannt.

Doch das Schaffen von FAIRYLAND in einer absoluten Urfassung und mit dem ursprünglichen Sänger zu hören, ist nicht minder interessant. Vielleicht wirkt es nicht ganz so atmosphärisch und ergreifend, da nicht zuletzt die eigentliche Klangqualität wie auch die der Chöre noch reichlich Luft nach oben lässt (eine Lücke, die später bestens gefüllt wurde) – aber dennoch. Am spannendsten sind dabei aber zweifelsohne die Nummern, die es – aus welchen Gründen auch immer – nicht auf das spätere Album OF WARS IN OHYSRIA geschafft haben; wie etwa das Interlude THE KING und das darauffolgende, von einer langen Instrumentalstrecke eingeleitete HOLY QUEST. Ein Grund für die Entscheidung jene Stücke nicht mitzunehmen, könnte auf den (sicher nicht unbedingt gewollten) Vergleich mit Genrekollegen wie RHAPSODY OF FIRE zurückzuführen sein. Der hier präsentierte, klassisch-symphonische Bombast-Sound sowie der Einsatz traditioneller Instrumente lassen schließlich grüßen. In den anderen, folgerichtig auf das Album übernommenen Nummern klingen FANTASIA einfach weitaus eigenständiger, und lassen sich kaum noch verwechseln.

Auch das Interlude LAKE OF TEARS ist dann eine der verlorengegangen Nummern, zumindest als Ganzes. Eventuell erschienen die mystischen (aber eben dezent aufgesetzt wirkenden) Sprachelemente nicht mehr stimmig, zumal die Stärken von FAIRLAND als auch FANTASIA in ganz anderen Bereichen liegen und lagen: dem gekonnten Einsatz des Keyboards, sowie der Schöpfung von erstklassigen Refrains mit überraschend wohlklingenden Chören. Aber auch die perfekt inszenierten Soli können überzeugen. Was bereits auf REALM OF WONDERS mit einem vergleichsweise geringen Budget und wenigen Möglichkeiten auf die Beine gestellt wurde, ist bemerkenswert – und sorgt auch hier für den ein oder anderen Gänsehaut-Moment. Vorausgesetzt natürlich, man ist dem Genre des Symphonic Power Metals allgemein zugetan.

Schlussendlich: es gleicht einer angenehmen musikalischen Zeitreise, in den Genuss eines frühen Demo-Albums wie REALM OF WONDERS zu kommen. Gerade Fans der späteren FAIRYLAND-Alben werden hier voll auf ihre Kosten kommen – Band-Mastermind Philippe Giordana (Keyboards) sei Dank. Natürlich ist der Sound der Demo vergleichsweise rau und schroff, beinhaltet einige unnötige Elemente und lässt hier und da das nötige Gespür für Perfektion vermissen – jener Perfektion, die man später glücklicherweise auf OF WARS IN OSYRHIA auf die Lauscher bekommen sollte. So oder so ist REALM OF WONDERS ein Gewinn – ebnete es den Weg für FAIRYLAND und ihre späteren Erfolge. Eine Wertung vorzunehmen fällt aufgrund der entsprechenden, man nenne es Vorbelastung (oder eher Nachbelastung, schließlich erschien OF WARS IN OSYRHIA später) nicht ganz leicht – doch die bereits hier dargebotene Kreativität, Vielfalt und Ausdrucksstärke lassen einfach keine Zweifel zu, dass hier etwas ganz Großes geboren werden sollte. Die Wertung gilt also vor allem für jene, die OF WARS IN OSYRHIA kennen und sich für die Ursprünge interessieren. Alle anderen werden eventuell etwas niedriger ansetzen – doch bei einer großartigen Demo bleibt es allemal.

Absolute Anspieltipps: Alle


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„Ein Muss – nicht nur für FAIRYLAND-Fans.“

Metal-CD-Review: FAIRYLAND – Score To A New Beginning (2009)

Land: Frankreich – Stil: Symphonic Power Metal

1. Opening Credits
2. Across The Endless Sea (Part II)
3. Assault On The Shore
4. Master Of The Waves
5. A Soldier’s Letter
6. Godsent
7. At The Gates Of Morken
8. Rise Of The Giants
9. Score To A New Beginning
10. End Credits

Vorwort: Das mittlerweile dritte Studioalbum der Franzosen von Fairyland wartet abermals mit einer komplett neuen Besetzung auf – wobei, das ist nicht ganz richtig. Schließlich ist nur noch Band-Mastermind Philippe Giordana übrig, der verlauten liess, dass er von nun an nur noch Gastmusiker für sein Fairyland-Projekt arbeiten lassen möchte. Nun gut, warum nicht – wenn damit garantiert ist, dass die Band wieder an das überraschende Debütalbum anknüpfen kann (Wertung: 10/10) ? Schließlich war der Vorgänger The Fall Of An Empire eher eine Enttäuschung (Wertung: 5/10), sodass zumindest ich selbst mir sage: entweder jetzt (wieder), oder gar nicht. Sehen wir es uns an.

Kritik: Das Intro kommt in etwa der gleichen Stimmung und Qualität daher wie die Interludes des insgesamt eher mäßigen Vorgängers – es klingt nach einer fantasievollen Filmmusik, wirkt rund abgemischt und weckt die Lust auf das Fairyland-Universum (7/10). Es folgt der Opener Across The Endless Sea (Part II), der wahrlich Hoffnungen weckt: tatsächlich scheint es, als hätte sich Mastermind Philippe Giordana wieder ein wenig in Richtung Debütalbum orientiert. Kein allzu nerviger Lead-Gesang mehr wie auf dem Vorgängeralbum, keine schröcklich künstlich scheppernden Drums, kein überreizender Einsatz der Chöre; und endlich: wieder ein wenig Struktur zugunsten der Eingängig- und Zugänglichkeit. Auch in Sachen ‚Epicness‘ wird nun wieder deutlich angezogen. Yuhuu, Fairyland machen (trotz so gut wie nicht mehr vorhandener Besetzung) wieder Spaß (9/10) !

In der Tat – auch Assault On The Shore vermag es, an diese Stimmung anzuknüpfen. Zwar könnte noch immer an manchen Stellen das Gefühl auftauchen, als sei hier an manchen Stellen die Luft ein wenig raus, und auf der Gegenseite ein wenig zuviel gepresste in den Lungen des Sängers – doch der überaus ‚catchy‘ Refrain und die harmonisch klingenden Arrangements machen das locker wieder wett. Ein starkes Stück (8/10) ! Mit Master Of The Waves begeben sich Fairyland dann vollends dorthin, wo sie ihre Stärken haben – in den Fantasy-Filmmusik-Bombast-Bereich. Alles läuft harmonisch ineinander über – weibliche Gastgesänge hie und da, der satte Refrain, die abwechslungsreichen Samples. Zwar wirkt das Ganze noch immer nicht so ansprechend und vor allem einzigartig, wie es einst mit Elisa C. Martin als Leadsängerin war, doch im Gegensatz zum zweiten Album ist ein deutlicher Schritt (in die richtige Richtung) zu spüren (8/10). A Soldier’s Letter beginnt sehr ruhig und andächtig, und tatsächlich bleibt der Titel auch über die gesamte Spielzeit recht balladesk und emotional. Doch nicht nur das, der Refrain erinnert an die wohligen Debütalbum-Glanzzeiten – er wirkt erhaben, majestätisch; und steht als antreibend-energetisch Element in einem stimmigen Gegensatz zu den Strophen. Nette Melodien, verspielte Arrangements und Soli sowie geschickt platzierte Samples machen es deutlich – das ist Fairyland pur (10/10) !

Der nächste Kandidat lauscht auf den Titel Godsent, und präsentiert sich sogleich als recht pompöses Stück mit sofort ins Ohr gehenden Strukturen und einem hohen Wiedererkennungswert. Abwechslungsreiche Gesänge mit den ein oder anderen Höhen und Tiefen machen diesen Titel zu einem ganzheitlichen Genuss, die düsteren Sprechpassagen a’la Bal Sagoth sorgen für eine zusätzliche Stimmungskomponente (9/10). At The Gates Of Morken präsentiert sich eher in einem anderen Licht, und tendiert ein wenig in Richtung Ayreon. Der Sänger begeht hier eine Gratwanderung zwischen angestrengt-aggressiven und sanft-erhaben wirkendem Gesang, Unterstützung vom Chor bekommt er diesmal aber keine. ‚Spacige‘ Klang-Elemente, ein flottes Tempo und der Einsatz einer Gastsängerin runden den Titel ab. Der klingt abgesehen vom Soli-Part und hämmernde Drums aber doch ein wenig zu unspektakulär (7/10).

Rise Of The Giants beginnt Fairland-typisch mit reichlich Prunk und Protz, und tatsächlich scheinen hier – man kann es nur immer wieder betonen – die Stärken der Band zu liegen. Zudem handelt es sich um ein reines Instrumentalstück, ohne Drums oder Gitarren, was dem Titel sehr zu gute kommt. Was ist schon eine Titelmusik zu Fluch Der Karibik, wenn es hier – interessanterweise – ein ähnlich ‚piratig‘ klingendes Pendant gibt ? Gut gemacht (9/10). Nun also folgt er endlich, der Titeltrack Score To A New Beginning – und wieder kann man sich als Besitzer des ersten Albums nicht des Gedankenexperiments erwehren, wie das Ganze wohl mit einer Elisa C. Martin geklungen hätte. Gut, Besetzungen verändern sich, also seien wir fair: man könnte sich auch fragen, wie das Ganze mit einem anderen Sänger geklungen hätte. Denn der ist gerade bei diesem Stück als absolute Geschmackssache zu bezeichnen, da sein. Doch insgesamt dominieren – glücklicherweise – epische Arrangements, nette Melodien, eine überbordende Fantasy-Stimmung und alle Elemente, die Fairyland auszeichnen (9/10). Bleibt das über 3-minütige Outro, welches überraschenderweise gänzlich anders klingt als alles bisher gewohntes. Gänsehaut und Emotionen pur, das ist ein gebührender Abschluss, zudem mit wunderschönen Gesang präsentiert. Kult, Kult, Kult (10/10).

Fazit: Bei Score To A New Beginning handelt es sich um ein etwas zu kurzes Album, welches das Nachfolgealbum zum Debüt Of Wars In Oshyria hätte sein sollen – dann wäre der Metal-Welt ein grundsätzlich zu überspringendes Zweitwerk erspart geblieben. Das ist Symphonic Power Metal von seiner sympathischen Seite – fantasievoll, verspielt; und zumeist versiert vorgetragen. Bravo !

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Metal-CD-Review: FAIRYLAND – The Fall Of An Empire (2006)

Land: Frankreich – Stil: Symphonic Power Metal

1. Endgame
2. The Fall Of An Empire
3. Lost In The Dark Lands
4. Slaves Forlorn
5. The Awakening
6. Eldanie Uelle
7. Clanner Of The Light
8. To The Havenrod
9. The Walls Of Laemnil
10. Anmorkenta
11. In Duna
12. The Story Remains
13. Look Into Lost Years

Vorwort: Nach dem überraschenden 2003’er Debütalbum Of Wars In Osyrhia legen die Franzosen von Fairyland 3 Jahre später nach – The Fall Of An Empire erzählt die fabel-hafte Geschichte um den immerwährenden Kampf zwischen gut und böse weiter. Wenn auch mit einer veränderten Band-Besetzung, die sicherlich nicht gerade ‚klein‘ ausfällt: die ehemalige Leadsängerin Elisa C. Martin ist nicht mehr mit von der Partie, ebenso wie Willdric Lievin am Bass. Erstere wird durch Max Leclerqc ersetzt, zweiter durch Thomas Cesario. Würde das Projekt auch ohne einen markanten weiblichen Part in der Rolle des Leadsängers funktionieren ? Und wenn ja, kann zumindest auch der neue Sänger eine gewisse Einzigartigkeit für sich verbuchen ? Immerhin steht Philippe Giordana als Keyboard-Genie weiterhin als Kopf der Band da, und legt sich auch dieses mal mächtig ins Zeug. Bleibt die Frage: episch-erhabenes Nachfolgealbum oder müde Fortsetzung ?

Kritik: Den Rundling flux eingelegt – und das Intro, hier mit der Titelbezeichnung Endgame, beginnt durch die Boxen zu schallen. Der knappe 1-Minüter versteht es einerseits, den Hörer in Stimmung zu bringen und so auf das Album vorzubereiten, andererseits macht er aufgrund der eher angedeuteten statt ausgeführten Manier ‚Lust auf mehr‘ und weckt Interessen ob einer ansehnlichen Fantasy-Bombast Sounduntermalung. Das Soll wird also klar erfüllt; auch wenn es sich sicherlich auch nicht um eines der spektakulärsten oder epischsten Intros aller Zeiten handelt (7/10). Es folgt der Opener und Titeltrack The Fall Of An Empire, der auch gleich straight loslegt: Schlagzeug und Co. werden an den Start gebracht, und erstmals hört man bei Fairyland nun also Max Leclerqc als Leadsänger. Die Meinungen werden sicherlich etwas auseinandergehen – zumal Elisa C. Martin wahrlich als eine der aussergewöhnlichsten weiblichen Sängerinnen im Bereich des (Power-)Metal bezeichnet werden kann. Max ist nun also… einer der (vielen) Männer, um es vorsichtig auszudrücken – und gerade bei einer Band wie Fairyland, die epischen Power Metal fabriziert wie auf dem Debüt, darf es dann doch gerne mal etwas besonderes sein. Dieser Eindruck kann allerdings nicht wirklich fortgeführt werden – doch nicht nur der neue Leadsänger zeichnet sich hierfür verantwortlich. Die gesamte Komposition wirkt nun auffällig unorganisierter, die Produktionsqualität zwar nicht schlechter als auf dem Debüt – aber insgesamt vielleicht sogar doch ein wenig unangenehmer, da gerade die Drums auffällig nach ‚Plastik‘ klingen. Die ehemals herausragenden, epischen Refrains kommen noch immer vor – doch im Vergleich zum Debüt wirkt es, als werden diese durch verschiedene Faktoren abgeschwächt. Der Männerchor wirkt nicht mehr ganz so erhaben, der Leadsänger einstweilen zu angestrengt und agressiv, die Instrumentalisierung ein wenig wirr (5/10).

Lost In the Dark Lands ist das nächste Stück auf dem Silberling, ein Stück welches sich am ehesten an Fantasy-Metal-Opern a’la Rhapsody Of Fire orientiert. Jedoch vermag der künstlich angestrengt wirkende Gesang hier nicht immer den Nerv der angestrebten Grundstimmung zu treffen. Die Bombast-Chöre kommen hier wieder deutlich besser zur Geltung, doch von der epischen Erhabenheit des Vorgängeralbums fehlt jede Spur. Einzig die wirklich netten Soli- und düsteren Instrumentalparts können überzeugen, doch wenn die Drums, der Leadsänger und Gitarren hinzukommen, war es das auch zumeist – der Refrain ist ebenfalls nicht mehr als ein laues Lüftchen auf einem 2006’er Album (5/10). Mit Slaves Forlorn folgt ein kurzes Interlude, abgeschmeckt mit reichlich Fantasy und ein wenig Hintergrundchor – das Ganze kommt ohne Drums, Gitarren und Hauptgesang aus, was für einen wohligen Filmmusik-Touch sorgt (7/10). The Awakening beschreibt leider nicht das ‚Erwachen‘ der noch schlafenden Fairyland-Musiker, denn auch hier gibt es nicht viel neues zu vermelden. Die Drums wirken künstlich, die Gitarren schrammen unspektakulär im Hintergrund, und der Hintergrundchor verkommt durch den doch recht häufigen Einsatz zu einem weiteren Standard-Element. Überhaupt wirkt er erschreckend kraftlos, zumindest im Vergleich zum Vorgängeralbum (5/10).

Die Richtung scheint nun langsam aber sicher ersichtlich zu werden. Kürzen wir also ein wenig ab. Eldanie Uelle zeigt erstmal die gesanglichen Fähigkeiten von Max auf, hier noch gepaart mit einer weiblichen Gastsängerin. Dieses Duett klingt nett, auch wenn die Instrumentalisierung wieder recht eindimensional daherkommt. Wirkliche Alleinstellungsmerkmale wie auf dem Vorgängeralbum bleiben aus, alles klingt wie ein zäher Brei (5/10). Clanner Of The Light schlägt eher in die Uptempo-Kerbe, was aufgrund der arg künstlich klingen Drums nicht wirklich Spaß macht – und der Leadsänger (hier sogar noch gepaart mit merkwürdigen Stimmverzerreffekten)… eine kleine Katastrophe, der Refrain muss im Vergleich zum Vorgänger abermals direkt abdanken (4/10). To The Havenrod ist ein weiteres Interlude, welches die bisher so schmerzlich ausgebliebene Filmmusik-Stimmung aufgreift, um so eine recht harmonisch klingende Soundkulisse zu erschaffen (8/10). Dann aber folgt The Walls Of Laemnil, in vermeintlich ‚epischer‘ Manier. Merkwürdige Übergänge, lasche Gitarren, Plastikdrums – viel Getöse um Nichts. Der Leadsänger ist wieder arg angestrengt, die Chöre wirken nicht mehr bereichernd, sondern schlicht deplatziert und sogar ein wenig nervend. Einzig der Refrain vermag es, ansatzweise an die Glanzzeiten des Vorgängers zu erinnern (4/10). Anmorkenta – ein weiteres belangloses Stück mit Dauerchor und Dauergekrächze des Leadsängers (3/10). In Duna kommt mit einer weiblichen Gastsängerin daher, und vermag es – erstmals – die Chöre und Bombast-Elemente wieder sinnig darzustellen. Übel, dass man so lange darauf warten musste (8/10). The Story Remains als unspektakulärer Überlängen-Titel und Look Into Lost Years als sanfte Ballade reissen da auch nicht mehr viel (4/10, 5/10).

Fazit: Was ist nur geschehen ? Wo ist die Erhabenheit des Vorgängeralbums geblieben ? Eine Erhabenheit, die sich durch eine markante Eingängigkeit einerseits, durch eine gewisse Vielschichtigkeit andererseits (Keyboardpassagen, geradezu atemberaubende Arrangements) definierte. Die Titel auf The Fall Of An Empire wirken nicht einmal wie ein müder Abklatsch des Ideenreichtums des Vorgängers, mehr noch: sie führen die Fairyland-Besonderheiten ad absurdum. Der ehemals kraftvolle Chor wirkt nun erheblich geschwächt und durch den ständigen Übereinsatz überstrapaziert, die Instrumentalisierung wirkt oftmals arg wirr und längst nicht mehr so pompös, die Gitarren und besonders die Drums werden stattdessen hervorgehoben – was allerdings ein echtes Eigentor ist, da sie auffällig künstlich klingen. Ähnlich ansprechende Refrains wie auf dem Debütalbum sucht man vergebens, wie natürlich auch das Alleinstellungsmerkmal schlechthin: einen besonderen Leadsänger. Der kann Vorgängerin Elisa C Martin verständlicherweise nicht das Wasser reichen, und klingt generell viel zu ‚angestrengt‘ und kratzig. Es tut fast ein wenig weh, doch da das Vorgängeralbum die Höchstwertung erhalten hat (!), folgt nun eine entsprechende zwecks Differenzierung.

Metal-CD-Review: FAIRYLAND – Of Wars In Osyrhia (2003)

Land: Frankreich – Genre: Epic Symphonic Power Metal

1. And So Came The Storm
2. Ride With The Sun
3. Doryan The Enlightened
4. The Storyteller
5. Fight For Your King
6. On The Path To Fury
7. Rebirth
8. The Fellowship
9. A Dark Omen
10. The Army Of The White Mountains
11. Of Wars In Osyrhia

Vorwort: Of Wars In Osyrhia ist das Debütalbum der französischen Symphonic Power Metal-Band Fairyland. Bei den Aufnahmen wirkten unter anderem Anthony Parker (Heavenly) an der Gitarre und Elisa C. Martin (Dark Moor) als Sängerin mit. Sie, und auch die Bandgründer Philippe Giordana und Willdric Lievin (die die Band erst Fantasia nannten) verbindet vor allem eines: die große Passion für fantasievolle Geschichten, verpackt in einem möglichst episch-symphonsichen musikalischen Gewand.

Kritik: Und so geschah es, in einer längst vergangenen Zeit, als ein mächtiger Sturm über das Land zog und Angst und Schrecken verbreitete… ein wunderbar-imposantes, von klassischen Einflüssen angehauchtes Intro mit dem Titel And So Came The Storm bildet den Auftakt für ein Fairyland-Album der ganz besonderen Art. Ein besonders herausragendes, hochqualitatives, poetisch-majestätisches nämlich – alles Attributierungen, die bereits beim vergleichsweise kurzen Intro vollends zur Geltung kommen. Ein stimmiger Erzähler bietet die Einführung in die Alben-eigene Geschichte, beziehungsweise das Fairyland-Epos – woraufhin er von einer satten Bombast-Soundkulisse mit Chören und reichlich Prunk abgelöst wird. Wie hätte man dieses Intro noch perfekter gestalten können ? Richtig – 10/10.

Dann schlägt der Opener des Albums, Ride With The Sun, zu – und schöpft erstmals aus dem musikalischen Vollen. Offenbar sind der Kreativität der Band keine Grenzen gesetzt, dementsprechend droht dieses „Volle“ immer wieder überzuschwappen, ein jeder Song steht geradezu kurz vor der Explosion. Doch dafür sind nicht, wie so oft, das Tempo, endlose Gitarrensoli oder übertrieben hohe Gesangsstimmen verantwortlich. Nein, bei Fairyland sind es eine überbordende Fantasie und eine enorme Komplexität der Arrangements, die zu begeistern wissen. So gesellt sich die Band in etwa auf eine ähnliche Ebene wie Rhapsody Of Fire – wobei Fairyland sich eindeutig mehr auf die klassischen Elemente und Chorpassagen fokussieren. Die Klassik ist hier allerdings deutlich mehr Soundtrack und Fantasy-Hörspiel, die Drums und Gitarren fungieren als Beiwerk zu einer theoretisch auch eigenständig funktionierend Gesamtkomposition. Der Opener stellt sämtliche Fähigkeiten der Band zur Schau, und lässt den Hörer beinahe sprachlos zurück. Ein netter Gesangspart, eine bombastische Soundkulisse, ein komplexer aber dennoch überaus eingängiger Refrain; es bleiben keine Wünsche offen – 10/10.

Episch, Epischer... Das Debütalbum von Fairyland

Nun, wem die Leadsängerin bekannt vorkommt, der irrt sich möglicherweise nicht: in der Tat handelt es sich hier um Elisa C. Martin, vielen bekannt als frühere Sängerin der spanischen Metalband Dark Moor. Beim folgenden, höchst mystischen Doryan The Enlightened darf sie ihr Talent dann auch etwas ausführlicher präsentieren – dies gepaart mit einer enormen Bandbreite an aufkommenden Emotionen und sich immer wieder abwechselnden musikalischen Grundstimmungen machen auch diesen Titel zu einem echten Hörgenuss. Wieder hat auch ein überaus episch-eingängiger Refrain den Platz in diesem knapp 6-minütigen Stück gefunden – bei Fairyland sollte man eindeutig von Stücken sprechen, und nicht von Titeln / Tracks / Songs. Nach den 6 Minuten kann man kaum anders als sich überwältigt zu fühlen – auf anderen Alben werden dem Hörer doch zumeist eher Ruhepausen vergönnt, nach einem so druckvoll-epischen Opener ? Wie gut, dass dies hier nicht der Fall ist und Fairyland eine deutliche Marschrichtung vorgeben. Die Hintergründigen Chor- und Männergesänge, der komplexe Instrumentalteppich – vieles offenbart sich dem Hörer erst beim zweiten oder dritten Durchlauf. Gänsehaut pur – 10/10.

Nach den ersten Eindrücken stellt man dann unweigerlich fest, dass hier noch jemand – neben den Gitarristen, Sängern und dem Schlagzeuger – seine Finger im Spiel hat. Und das nicht zu knapp. So kommt man auf Philippe Giordana, der einen nicht unerheblichen Teil zur Gesamtwirkung des Fairyland-Konzeptes beiträgt. einerseits fungierend als Komponist, steuert er auch die unzähligen Keyboard-Passagen bei, spielt die akustische Gitarre und ist außerdem noch für die Backing-Vocals verantwortlich. Der Wahnsinn, was dieser Mann hier (offenbar mit gar nicht mal so protzigen Mitteln) mithilfe seines Kumpanen und Band-Mitbegründers Willdric Lievin zustande bringt – so wirken auch deutlich ruhigere Stücke wie die Nummer 4 des Albums, The Storyteller; ebenfalls äusserst versiert und vielschichtig. Oder kurz: niemals wirklich eintönig oder langweilig. So kommt man als Hörer doch noch an die obligatorische Entspannungsnummer- zur Abwechslung sicher nicht verkehrt – 9/10.

Mit Fight For Your King geht es dann, wie der Titel schon vermuten lässt, wieder etwas expliziter zur Sache – Schwerter klirren nicht nur textlich-inhaltlich, sondern tatsächlich; man hört es leise im Hintergrund. Doch dies ist noch längst nicht das Ende der Fahnenstange, es finden sich viele weitere Feinheiten und nette Ideen. Sofern man genau hinhört beziehungsweise das Stück mehrmals durchlaufen lässt, versteht sich – den Höhepunkt erreicht das Stück dann gegen Ende, bei dem ein leises Glockenläuten gepaart mit einem episch-emotionalen Refrain und einer kräftigen Elisa C. Martin ineinander laufen – 9/10.

On The Path To Fury beginnt in bester Hörspiel-Manier, schlägt dann aber wieder schnell die Brücke zum Symphonic Metal in all seiner Ausdruckskraft. Markant, und ein großer Zugewinn in Sachen Unterhaltungswert, Stimmung und gefühlter Erhabenheit: die rhythmischen Backgroundgesänge, sowie der abermals äusserst erhabene Refrain. Aber auch die Metal-Parts kommen nicht zu kurz: nette Soli, ein deutlich herauszuhörendes Schlagzeug und generell ein hohes Tempo machen auch dieses Stück zu einem echten Uptempo-Bombast-Kracher. Größtenteils – die Stimmungen wechseln sich natürlich immer mal wieder ab. Der Höhepunkt: die mystisch-verspielten Arrangements ab Minute 3.30 – der Wahnsinn. Filmsoundtrack gepaart mit einem Symphonic– und hier auch zweifellos Cosmic Metal, grandios – 10/10.

Im folgenden Rebirth darf sich Elisa C. Martin dann wieder von ihrer gefühlvollen Seite präsentieren. Richtig, es handelt sich um eine Ballade, die erste explizitere auf dem Album. Untermalt wird der bewegende Text von einigen zarten Klavier- und Flötentönen. Doch was wäre eine Ballade wie diese ohne Überraschung a’la Fairyland… und die kommt in Form eines dann doch wieder mehr als erhabenen Refrain daher. Man möchte einfach aus seinem Sessel aufstehen, in den Himmel schauen oder versuchen, die Welt zu umarmen. Epischer geht es nicht – 10/10.

Und es hört nicht auf: The Fellowship ist das nächste Stück, welches man auf Anhieb wieder in die Kategorie epischer Brachialhammer einordnen kann. Besonders markant an diesem Album ist, dass viele der Stücke zwar auf ein ähnliches Konzept setzten – sich die einzelnen Werke aber dennoch gänzlich voneinander unterscheiden. So hat man (im besten Fall) nie das Gefühl, als würde sich ein Titel wiederholen – die jeweilige Kraft, Poesie und Erhabenheit sorgen stets für eine gewisse Unverwechselbarkeit. So kommen auch in The Fellowship die bereits aus den vorherigen Stücken bekannten Männerchöre, Soli-Passagen und ein sagenhaft-epischer Refrain vor – doch man kann einfach nicht an einen Neuaufguss denken, sondern eher daran; wie Fairyland in Sachen Epicness und Erhabenheit immer noch eins draufsetzen können. Ein kurzer Erzählpart und die sagenhafte Instrumentalisierung machen auch diese Nummer zu einem potentiellen Fantasy-Soundtrack der Extraklasse – 10/10.

Bei einem Titel wie The Dark Omen würde man doch sicherlich eine etwas düstere Stimmung vermuten – nun, ansatzweise mag dies auch zutreffen; doch alles was sich bei Fairyland abspielt bewegt sich eben im entsprechenden Rahmen des epischen. Das heisst, auch die düsteren Nummern kommen extrem druckvoll und erhaben daher, und wissen die stimmungstechnische Bedrohlichkeit in einem höher geordneten Kontext anzubieten. Wie gut das funktioniert, zeigt sich bei The Dark Omen: subtil-düstere Samples, die stellenweise ein wenig an Eternal Glory von Rhapsody Of Fire erinnern (Orgel), sorgen für eine zusätzliche Stimmungskomponente. Natürlich gibt es hier reichlich Abwechslung, sodass innerhalb kürzester Zeit eine akustisch vermittelte „Bedrohung“ schnell wieder in einer Aufbruchsstimmung mündet. Ein satt schmetterendes Gloria gibt es obendrauf, sowohl im Stück als auch in Bezug auf die Einzelwertung – 10/10.

Und, wer sich bei diesem Album tatsächlich doch über eine Eintönigkeit beschweren sollte, für den sollte The Army Of The White Mountains das Gegenbeispiel sein. Denn hier handelt es sich um das erste reine Instrumentalstück des Albums. Gewiss ist es auch nicht so, dass hier einfach auf ähnliches Material aus den bereits verwendeten Songs zurückgegriffen wurde – man hört, dass es sich hier um ein besonders eigenständiges Stück handelt. Andere Samples, eine andere Struktur – und vor allem keine Gitarren, sondern Klassik beziehungsweise Filmmusik pur. Das Ganze klingt mystisch, fantasievoll, und ist auch in Sachen Abwechslung gerade das Richtige – 10 /10.

Als Abschluss dieses bisher mehr als sa-gen-haften Albums fungiert dann das knapp 11-minütige Epos Of Wars In Osyrhia, der Titeltrack des Albums also, den man sich bis zum Schluss aufgehoben hat. Und wieder wird deutlich: wer nach Abwechslung sucht, möge sie auch finden – es beginnt bereits mit der höchst unterschiedlichen Spieldauer der einzelnen Stücke. Eigentlich braucht man über diesen grandiosen Abschluss keine Worte mehr zu äussern, ausser: jetzt aber los, das Album kaufen10/10.

Fazit: Wahrlich, hier geht einem das (Metal-)Herz auf – gesetzt dem Fall, man kann sich generell auf dieses musikalisches Genre einlassen, welches sich aus Elementen der Klassik, Heavy- / Melodic-/ Power- /Symphonic Metal und Fantasy-Hörspielen zusammensetzt. Das heisst de facto, das Album ist nichts für Metaller, die sich ausschließlich auf eine möglichst gradlinige, riffbetonte Spielart des Metal einlassen können – und wohl auch nichts für reine Klassik-Fans, die die doch recht prägnant auftretenden Metal-Elemente möglicherweise als irritierend bezeichnen werden. Und, wie gut das ist – erfinden Fairyland mit dieser Scheibe doch beinahe ein gänzlich neues Genre, eben ein solches, welches sich in keine einzelne Schublade einordnen lässt. Fantasy Opera Melodic Power Metal wäre vielleicht eine (nicht wirklich existierende) Bezeichnung, die man diesem Album verpassen könnte – wobei über allem ganz klar der Begriff „episch“ steht.

Eine satte Produktionsqualität, zahlreiche talentierte Musiker, ansprechende Lyrics und gleichsam verspielte und versierte Arrangements machen das Album zu einem einmaligen Genuss. Ein Silberling wie Of Wars In Osyrhia von Fairyland ist nicht einfach nur ein Teil einer einzelnen Band-Diskografie, sondern ganz einfach ein Stück Musikgeschichte – die ein jeder Musikbegeisterte in seinem Regal stehen haben sollte. Auch noch im Jahre 2011, beziehungsweise jetzt erst Recht, sofern noch immer nicht geschehen. Die Musik von Fairyland ist einfach zeitlos, fantasievoll und gnadenlos episch – da muss man nicht erst in Stimmung sein um drauf los zu legen – die Stimmung entsteht ganz von selbst und mit dem ersten Titel des Albums. Es ist selten, doch in diesem Fall relativ eindeutig: Höchstwertung !