Metal-CD-Review: EVERTALE – The Great Brotherwar (2017)

Alben-Titel: The Great Brotherwar
Künstler / Band: Evertale (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Oktober 2017
Land: Deutschland
Stil / Genre: Heavy Power Metal
Label: NoiseArt Records

Alben-Lineup:

Matthias „Woody“ Holzapfel – Guitars
Matthias Graf – Vocals, Guitars
Marco Bächle – Bass
Cornelius „Wombo“ Heck – Drums

Track-Liste:

1. Battle for Mankind (01:25)
2. Empire Rising (05:43)
3. The Swarm (06:13)
4. The Joining (00:43)
5. For the King and the Crown (06:54)
6. Oceans of Sand (01:09)
7. The Journey to Iskendria (06:10)
8. Chapter 666 (We are the Hammer) (05:30)
9. March of the Nord (00:54)
10. And the Dragons Return (06:11)
11. All Hail the Crimson King (05:30)
12. The Great Brotherwar (07:30)
13. Take to the Sky [Van Canto Cover] (04:16)

Was BLIND GUARDIAN können…

… das können EVERTALE schon lange. Nur, und das ist der kleine aber feine Unterschied; dass man noch nicht ganz so viel von der bereits 1997 unter dem Bandnamen BLACKENED gegründeten Combo gehört hat. So oder so ähnlich könnte man wohl in die Rezension eines Albums wie THE GREAT BROTHERWAR einsteigen – dem zweiten offiziellen Studioalbum der aus Deutschland stammenden Power Metal-Recken, deren respektables Debütalbum OF DRAGONS AND ELVES (siehe Review) 2013 veröffentlicht wurde. Endlich, sollte man vielleicht meinen – denn immerhin sollten seit der offiziellen Umbenennung und Neuausrichtung von EVERTALE (das war 2006) ganze 7 Jahre vergehen, bis die Band endlich aus ihrem Winterschlag erwachte. Warum genau, das bleibt wohl ihr Geheimnis – fest steht nur, dass es nicht an der potentiellen Nähe zu Bands wie IRON SAVIOR, ORDEN OGAN oder eben BLIND GUARDIAN gelegen haben kann. Schließlich dient ein Vergleich wie dieser nur zu einer ungefähren Orientierung und Beschreibung der von EVERTALE angepeilten Spielart. Tatsächlich aber hatte die Band schon auf ihrem Debütalbum das Zeug zu weit mehr, als nur als bloße Kopie anderer Combos zu fungieren.

Umso schöner ist, dass THE GREAT BROTHERWAR diese Feststellung noch einmal treffend untermauern könnte. Diesbezüglich ins Feld schicken EVERTALE ganze 13 Nummern – wobei es nicht mehr ganz so viele sind wenn man das Intro, die insgesamt 3 instrumentalen Zwischenspiele und das VAN CANTO-Cover zu TAKE TO THE SKY einmal gedanklich abzieht. Überhaupt, und auch wenn es Zufall ist – letztendlich sind es exakt diese Titel, auf die man bei einem intensiven Durchlauf von THE GREAT BROTHERWAR am ehesten hätte verzichten können. Anders gesagt: auch wenn sie durchaus für eine gewisse Form der Auflockerung sorgen, so klingen gerade die Interludes weniger wie auch eigenständig funktionierende Momente – sondern vielmehr wie kurze instrumentale Zwischenstrecken, die man genauso gut an den Anfang der jeweiligen Folgenummer hätte verfrachten können. Das macht aber nichts, oder eher nicht viel – denn alles was das Album sonst noch zu bieten hat, hat es grundsätzlich in sich. Schon der Opener EMPIRE RISING macht klar, dass EVERTALE aus dem musikalischen Vollen schöpfen – und das vielleicht sogar ein stückweit mehr als auf dem Debütalbum. So kräftig, hymnisch (und das ohne den kleinsten Anflug von Kitschigkeit) und schlicht überzeugend klang die Band schließlich noch nie.

Das mag auch daran liegen, dass sich die einzelnen Mitglieder in einer so noch nicht dagewesenen Bestform befinden. Der ebenso markante wie kräftig röhrende Leadgesang von Matthias Graf macht jedenfalls eine verdammt gute Figur, auch im Zusammenspiel mit dem schieren Riff-Fest von Matthias „Woody“ Holzapfel – und der generell etwas aggressivere Anspruch ist eine willkommene Abwechslung im gerne mal etwas verhätschelten Power Metal-Genre. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass erst gar kein Keyboard im offiziellen Lineup aufgeführt ist. EVERTALE genügt die Arbeit an der Basis, wobei sie dennoch niemals Gefahr laufen zu eintönig zu klingen. Eher klingen und wirken sie zutiefst ehrlich, und holen dabei stets das Maximum aus den ihn gegebenen Möglichkeiten heraus. Der einzige potentielle Nachteil diesbezüglich ist, dass die Band (noch) nicht ganz so unverwechselbar klingt. Damit könnte man auch wieder den Bogen zu den eingangs erwähnten Vergleichscombos schlagen, speziell in Richtung des EVERTALE-Leadsänger Matthias Graf – der ganz locker als zweiter Hansi Kürsch durchgehen könnte. Wer sich daran nicht stört – oder vielleicht sogar auf der Suche nach einer nicht nur mit BLIND GUARDIAN zu vergleichenden, sondern fast mit ihnen zu verwechselnden Combo ist – für den ist THE GREAT BROTHERWAR natürlich ein gefundenes Fressen.

Die ebenso temporeiche wie kraftvolle und ohne nennenswerte Schnörkel auskommende Spielart von EVERTALE sollte aber auch einige andere Genre-Hörer ansprechen. Eine Chance sollte man einem Album wie THE GREAT BROTHERWAR aber in jedem Fall geben. Die Chance dass man es bereuen wird ist schließlich recht gering.

Absolute Anspieltipps: EMPIRE RISING, THE SWARM, THE JOURNEY TO ISKENDRIA


„Da hat aber jemand reichlich an (Ausdrucks-)Kraft zugelegt.“

Metal-CD-Review: EVERTALE – Of Dragons And Elves (2013)

evertale_of-dragons-and-elves_500

Alben-Titel: Of Dragons And Elves
Künstler / Band: Evertale (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Martin Schumacher Drums
Matthias „Woody“ Holzapfel Guitars (lead), Vocals (backing)
Matthias Graf Vocals, Guitars
Marco Bächle Bass, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Paladine’s Embrace 01:24
2. In the Sign of the Valiant Warrior 05:12
3. Tale of the Everman 09:06
4. The Dragon’s Lair 05:26
5. Of Dragons and Elves 04:01
6. Elventwilight 05:48
7. As Tarsis Falls 07:03
8. The Crownguard’s Quest 01:43
9. Dawn of Winter Night 06:12
10. The Last Knight 07:46
11. Sturm’s Funeral March 05:52
12. Firestorm 05:52
13. Brothers in War (Forever Damned) 07:49
14. The Final Page 07:51
15. Dragonriders 05:21

Schon wieder etwas neues zum Thema Drachen und Elfen ?

Ein nicht wirklich hervorstechender Bandname und gleich zwei klischeehafte, mehr als überstrapazierte Genrebegriffe im Albentitel; kann das wirklich gutgehen ? So oder so ähnlich wird man vermutlich denken, hält man zum ersten Male OF DRAGONS AND ELVES in den Händen, das Debütalbum der deutschen Power Metaller von EVERTALE. Immerhin sind bis dato mehr als genug Alben erschienen, die sich in irgendeiner Art und Weise mit episch-fantasievollen Reisen in von Drachen bewohnte Gefilde (mal ganz oberflächlich, aber atmosphärisch sicher treffend formuliert) beschäftigen. Blickt man zurück, so kommt man an einer diesbezüglich maßgebenden Band gewiss nicht vorbei: RHAPSODY OF FIRE. Die Italiener waren mit die ersten, die sich diesem mannigfaltigen Erzählertum im Rahmen des Symphonic Power Metals hingaben – und das in Perfektion. Die Mixtur aus epischen Geschichten, antreibenden Power Metal-Elementen und klassisch-symphonischen Einschüben (ob nun durch Keyboards, Konservensamples oder einem echten Orchester) erschuf so gesehen ein ganz neues Genre, welches sich bis heute einer großen Beliebtheit erfreut. Eines, welches zahlreicher Nachahmer anlockte und noch immer anlockt – diese alle aufzuzählen, würde sicherlich den Rahmen sprengen. Aber welche Rolle übernehmen in diesem Zusammenhang nun EVERTALE ?

Der Möglichkeiten gibt es eigentlich nur zwei: entweder, die deutschen beweisen ein ausreichendes Maß an Kreativität, Spielfreude und vor allem Eigenständigkeit – oder aber, sie stellen sich als weiter Klon etwaiger längst etablierter Genrebands heraus. Ginge man erst einmal nur vom Konzept hinter OF DRAGONS AND ELVES aus, so stünden die Zeichen sicherlich auf grün: als Vorlage stand das Fantasy-Werk CHRONIK DER DRACHENLANZE von Margaret Weis und Tracy Hickman Pate, zu dem EVERTALE nun den passenden Soundtrack liefern. Ein Eindruck, der sich auch auf den eigentlichen Sound des Albums beziehen lässt ? Immerhin kommt es mit einer Spielzeit von über 80 (!) Minuten recht gut bestückt daher, sodass von einem entsprechenden Ideenreichtum auszugehen ist.

Und tatsächlich, OF DRAGONS AND ELVES macht vieles richtig. Vor allem auch, da man die vermutete symphonische Komponente so gut wie außen vor lässt – und sich stattdessen voll und ganz einem eher Basis-orientierten, von der Gitarrenarbeit lebendem Power Metal hingibt. Zwar lassen sich gewisse Parallelen zu anderen Genregrößen wie nun eben RHAPSODY OF FIRE (trotz zurückgefahrenem symphonischen Anteil), BLIND GUARDIAN, HAMMERFALL oder vielleicht auch WIZARD nicht verhehlen – doch ist es ohnehin beinahe unmöglich, in einem derart ‚vorbelasteten‘ Genre noch etwas gänzlich neues zu kreieren. Viel wichtiger ist, dass man eine entsprechende Begeisterungsfähigkeit und Glaubwürdigkeit mitbringt; und nicht zuletzt eine ordentliche Portion Herzblut in das jeweilige Werk steckt. Im besten falle in einem solchen Maße, dass der Funke im wahrsten Sinne des Wortes auf den Hörer überzuspringen vermag. Und eben jene kritische Hürde nehmen EVERTALE schon einmal mit Bravour. Die Instrumentalkulissen sind kraftvoll und abwechslungsreich, der Leadgesang von Matthias Graf ist markant und angenehm; abgerundet wird alles von einer überraschend wohlklingenden, satten Produktion.

Doch es gibt ein mehr oder weniger schwerwiegendes Problem. Das Albums hört und fühlt sich im Endeffekt gleichförmiger an, als es nötig gewesen wäre. Ein paar gut platzierte Überraschungen hier, ein langsames Zusteuern auf einen emotionalen Höhepunkt dort – und schon hätte aus OF DRAGONS AND ELVES viel mehr werden können. Zwar wird das Ganze mit dem atmosphärischen Intro, zwei Interludien und dem leicht folkigen Titeltrack leicht aufgelockert, doch letztendlich bleibt die Abwechslung auf der Strecke. Alle anderen, das heißt die eigentlichen Titel ähneln sich einstweilen sehr stark – indem sie alle einen ähnlich hymnischen Anspruch an den Tag legen, diesen aber nie wirklich konsequent ausführen. So hört man des öfteren eher verhalten wirkende Chorgesänge, in die Länge gezogene Songstrukturen ohne großartige Entwicklungen (TALE OF THE EVERMAN), Song-übergreifende Wiederholungen (ob nur gefühlt oder nicht) oder dann doch mal die ein oder andere zu direkte musikalische Parallele – wobei man sicherlich auch ORDEN OGAN und WINTERSTORM in den großen Topf der potentiellen Inspirationsquellen werfen kann.

Fazit: OF DRAGONS AND ELVES verfehlt nur knapp den Status eines uneingeschränkt empfehlenswerten Debüts. Auch wenn die handwerklichen Leistungen mehr als solide, das Songwriting stilsicher und die etablierte Atmosphäre relativ dicht sind; so wünscht man sich eine Verstärkung dreier Faktoren: Spannung, Kraft und Eigenständigkeit. Bei einer Spielzeit von über 80 Minuten sind es der Überraschungen und  / oder Höhepunkte einfach zu wenige; die erzählte Geschichte nicht immer eindringlich transportiert, die Alleinstellungsmerkmale halten sich (noch) in Grenzen. EVERTALE haben in diesem Fall ein ansprechendes Debüt erschaffen, auf dem sie aufbauen können und sollten – wenn in Zukunft noch eine etwas persönlichere Note hinzukommt und das Ganze etwas knackig-kompakter (und nicht so repetitiv) ausfällt, steht dem großen Durchbruch wohl nichts mehr im Wege.

Anspieltipps: IN THE SIGN OF THE VALIANT WARRIOR, THE DRAGON’S LAIR

Vergleichsbands: WIZARD | ORDEN OGAN | WINTERSTORM | RHAPSODY OF FIRE | BLIND GUARDIAN


70oo10

„Sehr solide, aber ohne Höhepunkte“