Metal-CD-Review: EREHWON – Now Here (EP, 2014)

erehwon_now-here_500

Alben-Titel: Now Here (EP)
Künstler / Band: Erehwon (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. Juli 2014
Land: Südkorea
Stil / Genre: Power Metal
Label: Evolution Music

Alben-Lineup:

Doowon Jeong – Drums
Joohyung Lee – Guitars
Jaehoon Lee – Vocals

Track-Liste:

1. The Night Before
2. Destiny
3. In the Universe
4. Island
5. Fortune Teller

Frischer Wind aus Südkorea ?

Bei EREHWON handelt es sich um eine 2011 gegründete, noch relativ unbekannte Power Metal-Band aus Südkorea – die kürzlich ihre Debüt-EP NOW HERE auf den Markt gebracht hat. Im Sinne einer ersten Werkschau sind 4 komplette Titel sowie ein Intro enthalten, die Gesamtspielzeit beläuft sich auf knappe 18 Minuten.

Interessant erscheint das Ganze aus mindestens drei Gründen: zum einen ist schon so mancher Genre-Geheimtipp aus Südkorea hervorgegangen, sodass es sich zweifelsohne lohnt einen genaueren Blick auf etwaige Neueinsteiger zu werfen. Wirkliche Neulinge, und das ist sogleich der zweite Grund; sind die Mitglieder von EREHWON aber nicht – alle waren vorher in der ebenfalls südkoreanischen Band LEGEND aktiv. Einiges an Erfahrung sollte also vorhanden sein. Der dritte Grund ist schlicht, dass die Band bereits bei Evolution Music unter Vertrag genommen wurde – und man dort offenbar große Hoffnungen in sie setzt. Was aber ist wirklich dran an der kurzen EP ?

Beinahe kurios erscheint, dass sich EREHWON trotz der geringen Laufzeit noch Zeit für ein reguläres Intro nehmen – THE NIGHT BEFORE. Das hätte man sich wahrlich sparen können – zumal die hier dargebotene Kost wenig eigenständig, geschweige denn herausragend klingt. Das Ganze klingt ein wenig nach einer schnell produzierten Filmmusik; einer solchen, bei der man mit hörbar weniger Mitteln auskommen musste. Doch glücklicherweise geht es schnell hinüber zum Opener DESTINY, der erstmals aufzeigt was die Koreaner in Petto haben.

Und das ist in erster Linie ein recht gradliniger Power Metal, der sich ganz nah an der europäischen Spielart bewegt. Allzu exotische Experimente oder EInflüsse sollte man also nicht erwarten, man hört nicht unbedingt direkt, dass es sich um eine Band aus Südkorea handelt. Das kann man sowohl als Vor- als auch Nachteil auslegen, denn: Leadsänger Jaehoon Lee macht seine Sache wirklich gut, seine Aussprache und Betonung lässt kaum Wünsche offen. Andererseits wird es so schwieriger, mit wirklichen (internationalen) Alleinstellungsmerkmalen zu glänzen.

Sei es drum – die hier dargebotenen vier vollwertigen Titel sind solide produziert, werden stilsicher inszeniert und machen schlicht Laune. Das mag wohl auch an der Kombination verschiedener Sound-Elemente liegen, die ein überraschend stimmiges Ganzes ergeben. Seien es balladeske Einschübe und Elemente oder dezent elektronische Klänge – gepaart mit der wuchtigen Power Metal-Instrumentierung aus einem variablen Drumming, Tempowechseln, genialen Soli und einem starken Leadgesang ergibt sich eine höchst explosive Mischung. Besonders der Opener DESTINY hat hier sehr gute Karten – aber auch IN THE UNIVERSE als nicht ganz so flotter Stampfer geht sehr gut ins Ohr; selbst in Anbetracht der doch reichlich klischeebehafteten Lyrics.

Nicht ganz so gut sieht es dann mit  ISLAND aus, wobei der Grund dafür schnell gefunden ist. Es handelt sich um eine explizite Ballade, die zunächst nur mit sanften Klängen einer Akustikgitarre auskommt, und grundsätzlich allein vom Leadgesang getragen wird. Das gelingt zunächst noch ganz passabel, doch wenn im weiteren Verlauf noch einige Keyboard-Elemente hinzukommen und der Gesang immer höhere Lagen erreicht – dann ist irgendwann die Schmerzgrenze erreicht. Überhaupt weiß der doch sehr poppige Touch eher zu enttäuschen, EREHWON sollen ihre Stärken ruhig ausspielen. Immerhin rückt der Rausschmeißer FORTUNE TELLER wieder einiges zurecht, und begeistert mit einigen flotten Riffs und gelungenen Keyboard-Elementen.

Es könnte sich demnach lohnen, EREHWON im Auge zu behalten – die erste EP der Band zeigt auf, dass sich die Südkoreaner nicht hinter der internationalen Konkurrenz verstecken brauchen. Nur eines stößt noch etwas bitter auf: die relative Tendenz zu eher weichgespülten Inhalten, die im absoluten Kontrast zu den überraschend schmackigen Instrumentalkulissen stehen – mit einer Ballade wie ISLAND als (negativen) Höhepunkt. Davon abgesehen steckt wahrlich einiges an Power in dieser kleinen EP; insbesondere die Gitarrenarbeit weiß durch und durch zu überzeugen.

Absolute Anspieltipps: DESTINY, IN THE UNIVERSE, FORTUNE TELLER


75button

„Eine vielversprechende Debüt-EP, die nur eine inhaltliche Geschmackfrage stellt.“