Filmkritik: „Turbo Kid“ (2015)

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Originaltitel: Turbo Kid
Regie: François Simard, Anouk Whissell, Yoann-Karl Whissell
Mit: Munro Chambers, Michael Ironside, Laurence Leboeuf u.a.
Land: Kanada, Neuseeland
Laufzeit: ca. 92 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action
Tags: Vergangenheit | Zukunft | Retro | Trash | Splatter

Superhelden-Tagträume mal anders.

Kurzinhalt: In der post-apokalyptischen Zukunft des Jahres 1997 lebt ein Jugendlicher (Munro Chambers), der von den meisten einfach nur The Kid gennant wird irgendwo im hiesigen Ödland – und verbringt die Zeit mit Plünderungen, während er stets auf der Hut vor einer gefährlichen Bande sein muss. Eines Tages begegnet er der merkwürdigen Apple (Laurence Leboeuf), die prompt beschließt sich dem notorischen Einzelgänger anzuschließen – ganz egal was der davon halten würde. Doch nach und nach entwickelt sich tatsächlich eine Freundschaft zwischen den beiden – und vielleicht sogar noch etwas mehr. Dumm nur, dass die beiden dann aber doch noch ins Kreuzfeuer des tyrannischen Herrschers Zeus (Michael Ironside) geraten, der ihnen das Leben fortan zur Hölle macht. Erst ein Wink des Schicksals führt dazu, dass TURBO KID geboren wird – ein etwas anderer Superheld mit einer spektakulären Waffe und dem Willen, der Ungerechtigkeit endlich ein Ende zu setzen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wer schon immer eine gewisse Vorliebe für die Post-Apokalypse und speziell Endzeit-Filme mitbrachte – der wird vermutlich nicht an TURBO KID vorbeigekommen sein. Das ehrgeizige Multi-Genre-Projekt der Regisseure François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell versprach bereits im Trailer, reichlich fulminante Unterhaltung mit Atmosphäre, Spaß und einer gehörigen Portion Splatter zu offerieren. Etwaige Parallelen zum durch Crowdfunding finanzierten KUNG FURY (Link) kommen dabei nicht von ungefähr: offenbar ist es wieder angesagt, Filme mit einem gewissen Retro-Charme auszustatten. Ein Charme, der sich nicht nur auf die relative Einfachheit der Story, sondern auch explizit im Detail niederschlägt. Während es in KUNG FURY noch riesige Mobiltelefone und eine merklich gealterte Computertechnologie waren, finden sich in TURBO KID nun allerlei Gegenstände, Spielzeuge und Kleidungsstücke die sich eindeutig den späten 80er und frühen 90er Jahren zuordnen lassen – und bei einigen wohlige Erinnerung wecken könnten.

Allerdings huldigt TURBO KID nicht nur der Ära der Superhelden und Plasmalampen – sondern erzählt auch eine eigene Geschichte. Die ist typischerweise sehr simpel gestrickt, was in gewisser Weise auch zu erwarten war – doch tröstet das kaum über den letztendlich doch markant vorhandenen Enttäuschungsfaktor hinweg. Sicher: der Film macht über weite Strecken Spaß, wurde optisch ansprechend inszeniert und besitzt einen kultverdächtigen Soundtrack – doch reicht das nicht aus, um ihn über die gesamte Spielzeit von knapp 92 Minuten zu tragen. Offenbar waren es der an den Tag gelegten Ideen doch etwas zu wenige. Während sich TURBO KID speziell in den wenigen, dafür aber umso heftigeren Splatter-Szenen gnadenlos austobt und die gesamte Liebesgeschichte der beiden Hauptprotagonisten auch dank des ausgelassenen Spiels der Darsteller eine herrlich überdrehte und überzeichnete ist; sieht es in Bezug auf das allgemeine Filmtempo und die Dramaturgie schon deutlicher mauer aus. Doch nicht nur, dass immer wieder ein gefühlter Leerlauf entsteht und weder die Charaktere noch die kaum vorhandene Geschichte vorankommen – TURBO KID wirkt in den entscheidenden Momenten schlicht zu halbherzig.

Denn: eine gefühlte Explosion der (abgedrehten) Ideen, des Spaßes und in irgendeiner merkwürdigen Form der Atmosphäre ist tatsächlich nur in den wohl dosierten Action-Momenten des Films zu spüren. Die Story selbst ist zu unspektakulär um zu fesseln, geschweige denn überraschen zu  können – und die Charaktere zu blass. Entsprechend markante Dialoge sind daher ebenso wenig vorgesehen wie nachhaltig wirkende Szenenbilder: oft hat man das Gefühl, TURBO KID wäre auf einem einzigen kleinen Gebiet irgendwo zwischen Wald und Feldweg gedreht worden. Dass sich auch noch eine größere Industrie-Halle finden ließ, ist schon das höchste der Gefühle – wobei sicher auch das geringe Budget eine Rolle spielt. Doch auch mit geschickten Tricks hätte man den Eindruck vermitteln können, dass das was hier geschieht zumindest ansatzweise von Bedeutung ist. So aber fühlt sich TURBO KID verdächtig belanglos an: über das vor und nach der tatsächlichen Leinwandgeschichte (die sich gefühlt nur über einen einzelnen Tag erstreckt) gibt es ebenso wenig Informationen wie über die Hintergründe der Katastrophe, die Umstände die zu einer fast schon peinlich übersichtlichen Schreckensherrschaft wie der gezeigten geführt haben – oder generell das Leben in der Post-Apokalypse.

Fazit: Trotz der spürbaren Ambitionen schöpft TURBO KID sein Potential leider nur bedingt aus – und kann lediglich mit seinem oberflächlichen Retro-Charme, den furiosen Splatter-Szenen und einer ansprechenden Handwerksarbeit überzeugen. Alle inhaltlichen, charakterlichen und Dramaturgischen Ideen reduzieren sich dagegen auf ein Minimum, was dazu führt dass der Film bei weitem nicht so atmosphärisch ausgefallen ist wie er es hätte werden können. Nicht einmal der Titel-gebende Hauptcharakter schneidet dabei sonderlich gut ab, auch wenn Darsteller Munro Chambers die eigentliche Entdeckung des Films ist: es reicht, dass man etwas über einen bestimmten Schicksalsschlag erfährt – der dann in der hier gezeigten Rächer- und quasi-Superheldenstory mündet. Die pendelt immer wieder zwischen leidlich bekannten Vorgehensweisen und nur einer handvoll frischer Elemente – TURBO KID hätte hier wesentlich rebellischer, unkonventioneller und ideenreicher ausfallen müssen. Die ständigen Bezüge auf den Lebensstil einer längst vergangenen Zeit, auf typische Kindheitsträume und die Querverweise auf andere Genre-Werke (wie nicht selten BRAINDEAD) lockern das Ganze zwar angenehm auf – doch wirklich rund wirkt das Endzeit-Spektakel dennoch nicht.

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„Als Kurzfilm sicherlich effektiver – so nur etwas für beinharte Genre-Fans.“

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Filmkritik: „Mad Max: Fury Road“ (2015)

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Originaltitel: Mad Max: Fury Road
Regie: George Miller
Mit: Tom Hardy, Charlize Theron, Zoë Kravitz u.a.
Land: Australien, USA
Laufzeit: ca. 120 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Sci-Fi
Tags: Endzeit | Apokalypse | Wüste | Ödland | Wasser | Benzin

Irgendwann erwischt es jeden.

Kurzinhalt: In der nahen Zukunft steht es schlecht um die Menschheit bestellt. Nach einer Apokalypse unbekannten Ausmaßes gleicht die Erdoberfläche einer einzigen Wüste, Nahrungsmittel und vor allem Wasser sind knapp; die wenigen anzutreffenden Menschen leben in schlimmsten Verhältnissen. Doch hat es der gleichermaßen unerschrockene wie vom Leben gezeichnete Warlord Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) geschafft, sich ein kleines Imperium auszubauen. Er verfügt nicht nur über einen ansehnlichen Stützpunkt, massive Wasservorräte und zahlreiche Untertanen die ihm hörig sind – auch hält er sich einen kleinen Harem aus besonders hübschen Frauen; die er als Brutmaschinen missbraucht. Eines Tages gerät auch der Außenseiter Max (Tom Hardy) in die Gefangenschaft des Gangsters, und wird prompt auf die Haube eines der Wüstenfahrzeuge geschnallt. Als menschlicher Stoßdämpfer erfährt er von der Jagd auf Furiosa (Charlize Theron), die mit den Frauen vor ihrem Peiniger Immortan Joe geflüchtet ist und mit einem Truck das Weite sucht. Mit Ach und Krach kann sich Max befreien, und schafft es sogar an Bord des Fluchtfahrzeuges – doch zunächst scheint es, als würde ihn und die flüchtende Furiosa nichts verbinden. Mit Ausnahme dessen, dass nun beide als Hauptziele des vor Wut rasenden Immortan Joe fungieren…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Dass der Remake- und Sequelwahn der Marke Hollywood auch weiterhin kein Ende nimmt, ist keine allzu große Überraschung. Dass man nun aber ausgerechnet eine mittlerweile legendäre Kult-Trilogie auserkoren hat, wie ein Phoenix der Asche (oder eher: dem Wüstensand) zu entsteigen, schon eher: MAD MAX – FURY ROAD erweckt die Geschichte um einen Ex-Polizisten und seine abenteuerlichen Erfahrungen in einer postapokalyptischen Wüstenwelt wieder zum Leben. Ob sich die Neuauflage in diesem Fall schlicht angeboten hat, ob wie so oft Profitgier dahinter steckt oder man aufgrund einer gewissen Ideenlosigkeit einen Aufhänger brauchte, sei einmal dahingestellt – Fakt ist jedoch, dass potentiell gehegte Hoffnungen auf einen würdigen neuen MAD MAX nicht allzu lange aufrechterhalten werden können. Größtenteils, da sich der zunächst noch positive Überraschungseffekt schnell wieder relativiert – aber auch, da das Remake / der vierte Teil wie so oft einige markante Unterschiede im Vergleich zu den drei Originalteilen aufweist.

Das allein mag noch kein Beinbruch sein; handelt es sich im besten Fall um entsprechende Alleinstellungsmerkmale einer Neuverfilmung. Doch auch bei diesen gilt: die getroffenen Entscheidungen sollten zumindest ansatzweise nachvollziehbar ausfallen. Auf den ersten (und zweiten) Blick aber scheint eher das Gegenteil der Fall: Mel Gibson, die eigentliche Galionsfigur des Franchise; ist einem auffällig unauffälligem Tom Hardy gewichen – und die einst stimmige Zeichnung der Endzeit-Welt zahlreichen furiosen Action-Intermezzi in einer (immerhin angerauten) Hochglanzoptik. Eine greifbare Geschichte erzählt George Miller dabei nicht – und die angestrebte hoffnungslose Atmosphäre wird ausschließlich durch eine sich über den gesamten Film ziehende Verfolgungsjagd sowie den Todeskämpfen zahlreicher beteiligter (Neben-)Protagonisten generiert. Zwar erzählte auch das Original nicht explizit, wie es zur Katastrophe kam und wie der ein oder andere Überlebende seinen Unterhalt bestreitet – lieferte aber immerhin gewisse charakterliche Anhaltspunkte. Beispielsweise wenn es darum ging, Motivationen nachvollziehen zu können und sich mit der Situation im neuerlichen Ödland (FALLOUT lässt grüßen) zu identifizieren.

Diese Zeiten sind jedoch passé. Heute genügt es schon, einen besonders perfiden Bösewicht vorzuführen – auf dessen Gebaren man schlicht alle anderen Anwandlungen folgen lassen kann. Einen Bösewicht, der mitsamt seiner indoktrinierten und merkwürdig geschminkten Gefolgschaft einem seichten Comic-Buch entsprungen scheint – doch auch die Gegenspieler auf der guten Seite machen es nicht viel besser. FURY ROAD verzichtet neben des Ansatzes einer Story schließlich auch auf eine glaubhafte Figurenzeichnung – und sorgt so dafür, dass auch jegliche Sympathien im Keim erstickt werden. Es sei denn natürlich, man zählt die oberflächlich-dreisten hinzu; die auf die Schönheit und Unschuld der mitgeführten Frauen zurückzuführen sind und den ein oder anderen Beschützerinstinkt wecken. Das Problem: warum genau die Frauen fliehen, spielt letztendlich keine große Rolle. Vielmehr geht es darum festzustellen, ob sie die folgenden Auseinandersetzungen überleben werden – wie auch die beiden Hauptcharaktere. Immerhin treffen diese gegen Ende sogar eine Entscheidung, die im Kontrast zur ziellosen Verfolgungsjagd ohne Ende steht. Nur, dass diese ebenfalls wenig Sinn zu ergeben scheint – oder eher die gesamten vorherigen 2 Stunden Laufzeit relativiert. Enttäuschend ist das Finale allemal, zudem es nur unter Einbeziehung einer der gravierendsten Logik-Lücken funktioniert: die Haupt-Basis ist quasi unbewacht, sobald der Oberbösewicht sie mitsamt seiner engsten Gefolgschaft verlässt. Ob das in Zeiten der Post-Apokalypse und sicher auch rivalisierender / marodierender Banden ein ratsamer Schachzug ist, bleibt fraglich.

Was bleibt ist ein überraschend tösender, Effekt-gewaltiger und einstweilen sogar recht hektischer Actioner – der selbst in vermeintlich Charakter-intensiven Momenten die ein oder andere optische Spielerei bereithält (beispielsweise bei Max‘ Visionen), um den Blutdruck des Zuschauers konstant hoch zu halten. Ob das Ganze also gerade noch für Adrenalin-Junkies zu empfehlen ist oder den Bogen bereits hinsichtlich einer markanten Nervigkeit überspannt (Stichwort Hochgeschwindigkeitseffektgewitter a’la TRANSFORMERS), muss ein jeder selbst entscheiden respektive am eigenen Leib erfahren. Viel zu selten gibt es Momente, in denen man tatsächlich kurz innehält und die Szenerie bestaunt – wie bei einigen anfänglichen Landschaftsansichten oder der Fahrt in einen opulenten Wüstensturm. Sobald man den sandigen Rand eben jenes Sturms aber erst einmal durchquert hat und in seinem inneren landet, ist es schon wieder vorbei mit den stimmigen optischen Schauwerten: was hier geschieht sieht am ehesten nach einem übernatürlichen Effektsturm der Marke MARVEL – und damit entsprechend Comic-haft – aus. Die darstellerischen Leistungen sind durchwachsen, respektive fallen sie aufgrund der kaum vorhandenen Dialoge ohnehin kaum ins Gewicht – und der Soundtrack ist bestenfalls zweckdienlich.

Fazit: FURY ROAD hat hauptsächlich ein Problem: als wie auch immer geartetes Remake der Kult-Trologie enttäuscht er auf ganzer Linie. Lediglich als unabhängiger, düsterer Actioner vor einem Post-apokalyptischen Hintergrund entwickelt er eine gewisse Dynamik – und überzeugt dabei vornehmlich mit variantenreichen Actionszenen (die dann allerdings doch ein wenig zu ausgiebig zelebriert werden) sowie einer insgesamt ansprechenden Optik. Leider entschied man sich dennoch, auf ein bereits bestehendes Franchise zu bauen – was zu entsprechenden Abzügen und zu einer sich hoffentlich nicht bestätigenden Vermutung führt. Denn: FURY ROAD könnte theoretisch locker als erster Teil einer neuen Trilogie durchgehen. Wenn dem so wäre, könnte man dies kaum verhindern – doch wären sicherlich ganz ähnliche Anwandlungen wie eventuell schon bei der TERMINATOR-Reihe zu erwarten. Und die eignen sich dann nicht einmal mehr für reine Unterhaltungszwecke – sondern letztendlich nur noch zum Fremdschämen. Hinzu kommt, dass der Kosten-Nutzen-Faktor in keinerlei nachvollziehbarem Verhältnis mehr steht: während der erste Original-Teil gerade einmal 200.000 Dollar gekostet hat, verschlang FURY ROAD sage und schreibe 100 Millionen Dollar.

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„Ein miserabler MAD MAX – aber ein passabler Actionfilm, sofern man auf Story und Charaktere verzichten kann.“

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Filmkritik: „Children Of Men“ (2006)

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Originaltitel: Children Of Men
Regie: Alfonso Cuarón
Mit: Clive Owen, Julianne Moore, Michael Caine u.a.
Land: USA, Großbritannien
Laufzeit: ca. 109 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Sci-Fi, Thriller, Drama
Tags: Apokalypse | Endzeit | Kinderlosigkeit | Kampf | Hoffnung

Ein Leben ohne Kinder ist… verdammt übersichtlich.

Kurzinhalt: Im Jahre 2027 scheint es eher schlecht um den allgemeinen Zustand der Menschheit bestellt – seit nunmehr 18 Jahren wurde kein Kind mehr geboren, die Gründe dafür sind umstritten. Analog zur somit ausbleibenden Zukunft laufen die Menschen teilweise Amok, und die politische Lage ist weltweit angespannt. In London versucht man noch, eine gewisse Ordnung aufrechtzuerhalten – unter anderem mit einer strengen Einwanderungspolitik und scharfen Kontrollen. Hier lebt auch Theo (Clive Owen), der die letzten Jahre eher bescheiden verbracht hat – bis er seine ehemalige Geliebte Julian (Julianne Moore) wieder trifft und sie ihn um einen Gefallen bittet. Es geht um nicht weniger, als äußerst schwierig zu bekommende Transit-Papiere für ein junges Mädchen (Clare-Hope Ashitey) zu organisieren. Ein Mädchen, das sich auch noch illegal im Land aufhält und ein großes Geheimnis in sich trägt. Eines, dass nicht nur den sonst hart gesottenen Theo aus der Fassung bringt – sondern sich möglicherweise nutzen ließe, um die Welt zu verändern.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Das, was Regisseur Alfonso Cuarón in CHILDREN OF MEN auftischt ist alles andere als leichte Kost: angesiedelt in einer gleichermaßen nahen wie düsteren Zukunft ist die Geburtenrate längst komplett verebbt. Die Folge: die Welt wurde in ein Chaos gestürzt, überall herrschen Krieg und Verzweiflung; Hoffnung auf bessere Zeiten gibt es nicht. Bis, ja bis doch noch ein Kind geboren wird – unter vergleichsweise tragischen, in vielerlei Hinsicht aber auch komplizierten Umständen. Dem Regisseur gelingt dabei vor allem eines: die Zeichnung eines starken Charakter-Ensembles, dass sowohl im engeren (das heißt, der Gruppe um die schwangere Frau) als auch im weiteren Kreis (allen, die mehr oder weniger kurze Auftritte haben) überzeugen kann. Überhaupt überrascht insbesondere Clive Owen als Hauptdarsteller, der hier eine gleichermaßen sympathisch-kernige wie glaubwürdige Leistung abliefert – wie auch Julianne Moore in ihrem eher kurzen Auftritt. Nun nehme man nur noch eine Prise einer glaubwürdig gezeichneten, dystopischen Zukunftsvision hinzu – und fertig ist das gelungene Thriller-Drama vor apokalyptischen Hintergrund.

So einfach es auch erscheint – in diesem Fall geht das Konzept über weite Strecken auf. Die in CHILDREN OF MEN porträtierte Welt ist schließlich nicht nur reichlich düster – sondern auch erschreckende glaubwürdig; und geizt nicht mit allerlei prekären Seitenhieben. Vor allem solche, in denen politische Interessen eine nicht unerhebliche Rolle spielen – und bei denen es oftmals darum geht, dass Menschenrechte auch heute noch mit Füßen getreten werden. Aber auch völlig unabhängig von etwaigen weltgeschichtlichen Parallelen und der beileibe nicht vollständig erörterten Kinderlosigkeit der gesamten Weltbevölkerung schafft es CHILDREN OF MEN, zu faszinieren – und sei es in einem eher tristen, nachdenklich stimmenden Zusammenhang. Man kann kaum anders als sich von der bedrohlichen Stimmung des Films gefangennehmen zu lassen, dabei den Blick auch immer wieder auf das hintergründige Geschehen zu werfen – ohne, dass dabei qualitative Abstriche gemacht werden müssten. Besonders die hervorragend eingefangenen, im wahrsten Sinne des Wortes dreckig inszenierten Szenen im späteren Gefangenenlager hinterlassen hier einen nachhaltigen Eindruck und sprechen für den investierten Aufwand.

Sicher, hier und da scheint der Film vor allem inhaltlich etwas spärlich ausgestattet; und speziell der vergleichsweise abrupte Auftakt vermag es den Zuschauer dezent zu überrumpeln. Doch ist man erst einmal drin im Geschehen und hat sich mit den Charakteren vertraut gemacht, geht die Formel doch noch auf. Man sollte sich lediglich klarmachen, dass Regisseur Alfonso Cuarón den Fokus klar auf die Personen um das ungeborene respektive neugeborene Kind und deren Interaktionen mit der Umwelt legt – anstatt weiterführende Informationen zur hier gezeichneten Welt zu liefern. Das wäre in Anbetracht der stimmigen Bilder und der eben nicht allzu spektakulären, wenig effekthascherischen Erzählart zwar ebenfalls denkbar gewesen – hätte aber vermutlich den Rahmen gesprengt. So sollte man nehmen, was man bekommt – eine gleichermaßen bodenständige wie drastische Schilderung über eine handvoll Menschen, die im Chaos und durch den Wink des Schicksals neue Hoffnung schöpfen – und so gesehen eigentlich nur für ihre Grundrechte einstehen.

Fazit: CHILDREN OF MEN ist ein gleichermaßen emotionales wie spannendes Drama über eine Dystopie die erschreckend erscheint – wenn sie so eintreten sollte aber immerhin nur eine eher kurzlebige wäre. Neben der Tatsache, dass das Szenario trotz der nicht vollständig überdachten respektive explizit dargelegten Prämisse überraschend glaubwürdig und vor allem wirkungsvoll ist; gelingt es den Machern vor allem das Empathie entsteht – für die hauptsächlich beteiligten Charaktere, und das Neugeborene Kind als Hoffnungsträger der gesamten Menschheit. Die stets enorm Detail-verliebte und einen gewissen Aufwand nicht verhehlende optische Gestaltung, der passig-dezente Soundtrack und das hervorragende Schauspiel runden die Sache nach oben hin ab. CHILDREN OF MEN ist ein Muss für alle, die wie auch immer geartete Endzeit-Filme mögen – dabei aber nur allzu gern auf einen oftmals gängigen, eher oberflächlichen Hollywood-Bombast verzichten können.

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„Ein äußerst düsterer, intensiver, starker Endzeit-Film mit markanten Figuren.“

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Filmkritik: „Chappie“ (2015)

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Originaltitel: Chappie
Regie: Neill Blomkamp
Mit: Sharlto Copley, Dev Patel, Hugh Jackman u.a.
Land: USA, Mexiko
Laufzeit: ca. 114 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Action
Tags: Zukunft | Dystopie | Intelligenz | Roboter | Menschheit

Pass auf, dass Du nicht Schlafi-Schlafi geschickt wirst…

Kurzinhalt: Im südafrikanischen Kapstadt der nahen Zukunft hat die Polizeiarbeit eine völlig neue Dimension erreicht. Längst machen Menschen nur noch einen Bruchteil der operativen Kräfte aus – während es vor allem äußerst widerstandsfähige und mit einer gewissen Intelligenz ausgestattete Roboter sind, die das Straßenbild prägen. Doch natürlich rauchen die verantwortlichen Köpfe hinter der kongenialen Erfindung trotz der bisherigen Erfolge munter weiter; wenn auch in gänzlich unterschiedliche Richtungen. Wenn es nach der Konzern-Chefin Michelle Bradley (Sigourney Weaver) geht, müssen nur die Verkaufszahlen weiter angekurbelt werden – während vor allem die Spezialisten Deon (Dev Patel) und Vincent (Hugh Jackman) an Weiterentwicklungen der Modelle arbeiten. Gerade Vincent scheint dabei wenig angetan von der Idee, die Roboter mit zu viel künstlicher Intelligenz auszustatten – sein neues, alternatives Modell ist weitaus brachialer; und wird von einem menschlichen Operator aus sicherer Entfernung gesteuert. Deon dagegen ist fasziniert von der Idee, einem Roboter so etwas wie eine menschliche Seele einzuverleiben – was ihm eines Tages auch tatsächlich gelingt. Der Androide CHAPPIE ist geboren. Dumm nur, dass er zum Zeitpunkt von dessen Fertigstellung in der Gewalt eines Gangster-Duos ist, die den neuen Roboter für einen Raubzug missbrauchen wollen. Doch noch ein weiteres Problem offenbart sich: da der Verstand von CHAPPIE dem des Menschen nahekommt, ist er im Grunde nicht viel mehr als ein kleines, hilfloses Baby – das immerhin mit der Fähigkeit ausgestattet ist, weitaus schneller als jeder Mensch zu lernen. Und so versuchen die Gangster, ihn möglichst schnell zu einem der ihren zu machen… was Deon natürlich alles andere als gutheißen kann, vorerst aber geschehen lassen muss.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Vor einigen Jahren noch nicht allzu bekannt, ist er spätestens seit DISTRICT 9 (Review) und ELYSIUM (Review) in aller Munde – Neill Blomkamp ist der vielversprechende Nachwuchs-Regisseur aus Südafrika. Vornehmlich, da seine Werke trotz einer gewissen Eigenständigkeit und des ein oder anderen Quäntchens Gesellschaftskritik eine breite Masse ansprechen; und sich zudem durch eine hervorragende visuelle Komponente für die große Leinwand qualifizieren. Da mit CHAPPIE nun schon der dritte Film eines speziellen übergeordneten Sujets daherkommt, fällt es auch nicht schwer zu sagen worin die inhaltlichen Vorlieben des 1979 geborenen und damit vergleichsweise jungen Regisseurs liegen: es ist die immer wiederkehrende Zeichnung einer Dystopie. Einer, die von der Vermengung aktuell gesellschaftlich relevanter Hintergründe auf der einen; und fantasievoll umgesetzten Elementen der Science Fiction auf der anderen Seite lebt. Ganz im Sinne des Regisseurs spielen dabei vor allem Themen wie Gleichberechtigung eine wichtige Rolle – wobei sich die Kernaussagen der bisherigen drei Filme speziell in Bezug auf eine Zwei-Klassen-Gesellschaft ganz ähnlich lesen, nur dass die Bühne eine jeweils andere ist. In DISTRICT 9 stellte man denjenigen Bürgern der Erde, die man am ehesten als gewöhnlich bezeichnen würde Außerirdischen gegenüber, in ELYSIUM einer zutiefst menschlichen Elite – und in CHAPPIE einer neuen Generation von Robotern.

Dabei spielt Blomkamp immer wieder mit dem Gefälle zwischen den jeweiligen Parteien – und stellt dem Zuschauer nicht von ungefähr die Frage, in wie weit die speziellen Unterschiede vor allem aus einem moralischen Standpunkt heraus gerechtfertigt erscheinen. So stellt auch CHAPPIE eine grundsätzlich interessante Frage, angelehnt an eine sicherlich gar nicht mal so abwegige Zukunftsvision: was wäre, wenn es eines Tages tatsächlich eine künstliche Intelligenz geben würde, die mit allem was den Menschen nach gängigen Definitionen ausmacht durchaus konkurrieren könnte ? Das klingt spannend – aber dennoch sollte man sich nicht allzu früh auf ein rundum durchdachtes, kritisches oder in dieser Hinsicht gar offenbarendes Machwerk einstellen. Wie schon in DISTRICT 9 und ELYSIUM handelt es sich bei derlei Gedankenspielen nur um ein eher hintergründiges, durch die Prämisse beinahe automatisch entstehendes Element. Eines, auf das im weiteren Verlauf des Films nicht näher eingegangen wird – weshalb man dem Zuschauer einen gänzlich neuen Blickwinkel auf die Thematik verwehrt, und stattdessen eher altbekanntes serviert. Seien es potentielle Vorgänger wie NUMMER 5 LEBT, I ROBOT oder A.I. – KÜNSTLICHE INTELLIGENZ – allein dadurch, dass sich die Technologie und das Aussehen von CHAPPIE etwas von der Masse abheben, generiert man noch lange keinen frischen Wind im Mecha-Genre. Doch eventuell war dies auch gar nicht die Absicht von Blomkamp – anders lassen sich die überdeutlichen, eventuell als Hommage zu verstehenden ROBOCOP-Parallelen speziell in Bezug auf CHAPPIE’s quasi-Gegenspieler wohl auch nicht erklären.

Hinsichtlich der aufgefahrenen Charaktere und den dazugehörigen Interaktionen wird Blomkamp die Zuschauerschaft wohl ebenfalls spalten. Vor allem, da die angebotene Konstellation eine eher ungewöhnliche ist. Die Charaktere agieren typischerweise recht stereotyp, werden arg oberflächlich dargestellt – und dennoch entsprechen sie nicht gerade der Vorstellung, die man von ähnlichen Genrefilmen haben wird. Dieser spezielle Eindruck resultiert vornehmlich daraus, dass Neill Blomkamp Ninja und Yo-Landi Visser verpflichtet hat. Hier handelt es sich um zwei südafrikanische Künstler oder auch Kunstfiguren, die sich nicht nur für zwei der markanteren Rollen des Films verantwortlich zeichnen – sondern auch einen Teil zum ansonsten recht typischen Soundtrack von Hans Zimmer beigetragen haben. Auch wenn ihre Charaktere nicht gerade tief blicken lassen, interagieren sie nicht nur mit CHAPPIE – sondern machen tatsächlich auch so etwas wie eine Wandlung durch; womit sie allen anderen (entsprechend schwächer gezeichneten) Charakteren schonmal eine Nasenlänge voraus haben. Aber auch sonst ziehen die beiden schrillen Gestalten einen Großteil der Aufmerksamkeit auf sich – eigentlich sogar so sehr, dass alle anderen zu Randfiguren verkommen. Mit Ausnahme von CHAPPIE selbst versteht sich, sowie eventuell noch Deon (Dev Patel, u.a. SLUMDOG MILLIONÄR) als dessen Schöpfer.

Die weitere Besetzung führt dann auch rasch zu einem der markantesten Kritikpunkte an CHAPPIE – der sich auf den Status und die Atmosphäre des Films als solches bezieht. Schließlich wird man hie und da angehalten zu entscheiden, ob der Film nun tatsächlich für Voll zu nehmen ist oder nicht – mit einem mehr als schwammigen Ergebnis. Über weite Strecken fühlt es sich schließlich tatsächlich so an, als würde es Blomkamp durchaus ernst meinen mit seiner hier gezeichneten Dystopie – dem gegenüber stehen aber allerlei Faktoren, die man bestenfalls in der hintersten Ecke der Trashfilm-Sparte erwarten würde. Dabei geht es nicht einmal um die durchaus vorhandene, sich etwas makaber anfühlende Situationskomik – sondern vielmehr um die Auswüchse der aufgefahrenen Technologie und den damit einhergehenden, etwas zu einfachen Lösungswegen. Und natürlich dem alles andere als ernst wirkenden Unterton, den man den Film mit Gastauftritten von bekannten Stars wie Hugh Jackman und Sigourney Weaver verpasst – die hier eher wie Karikaturen ihrer selbst wirken und davon abgesehen kaum Bedeutung für den Filmverlauf haben.

So erscheint es mehr als schwierig, CHAPPIE in eine vorgefertigte Kategorie zu stecken. Sowohl in Bezug auf das vordergründigste Genre – als auch die etablierte Wirkung und Atmosphäre. Im schlimmsten Fall könnte man dies als als Schwäche hinsichtlich einer Unentschlossenheit und Inkonsistenz ansehen, im besten als weiteren rebellischen Aspekt der immer wieder mit der Atmosphäre des Films spielt – dafür aber einen vergleichsweise hohen Unterhaltungsfaktor mit sich bringt. Die größten, deutlicheren Stärken des Films sind aber ohnehin im gestalterischen Bereich zu suchen – und auch zu finden. Vom gelungenen und nicht zu hektischen Schnitt über die herausragende Kameraführung bis hin zur atmosphärischen Ausleuchtung stimmt hier alles. Der ganz spezielle Look, den Blomkamp dabei etabliert liegt irgendwo zwischen angenehm rauen Cyberpunk-Einflüssen a’la MAD MAX und einer typischen Hollywood-Machart der Marke Hochglanz – und vereint dabei die Stärken beider Seiten. Gut ist auch, dass die Actionszenen eher wohl dosiert daherkommen und der Zuschauer nicht zusätzlich mit sinnentleerten Effekt-Gewittern bombardiert wird.

Fazit: Sowohl von der Idee als auch von der inhaltlichen Ausarbeitung ist CHAPPIE alles andere als ein großer Wurf geworden. Dafür punktet der Film zumindest hie und da mit einem gewissen Hang zum unkonventionellen – und einem hohen Unterhaltungsfaktor, der vor allem durch allerlei innovative Elemente auf Seiten der optischen Gestaltungsarbeit und der akustischen Untermalung generiert wird. Schade ist nur, dass diese Eindrücke durch andere Fehlschläge wieder zunichte gemacht werden – wie etwa in Bezug auf die mehr als plumpe Charakterdarstellung und -Entwicklung, die allgemeine Oberflächlichkeit oder das zutiefst misslungene Finale. Letztendlich ist CHAPPIE weder Fisch noch Fleisch – und bleibt meilenweit hinter dem vermuteten Potential zurück. Am ehesten funktioniert er als reiner Spaßfilm; oder auch als Karikatur anderer bekannter Werke die sich mit dem Thema der künstlichen Intelligenz auseinandersetzten.

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„Chappie, oder: ein unentschlossenes Werk irgendwo zwischen stilvoller Indie-Produktion und ärgerlichem Hollywood-Einheitsbrei.“

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Filmkritik: „Snowpiercer“ (2014)

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Originaltitel: Snowpiercer
Regie: Joon-ho Bong
Mit: Chris Evans, Jamie Bell, Tilda Swinton u.a.
Land: Südkorea, Frankreich, USA, Tschechische Republik
Laufzeit: ca. 126 Munuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Drama, Sci-Fi
Tags: Klimawandel | Menschheit | Zug | Überleben | Klassenkampf

Eine Zugfahrt, die ist… nicht wirklich lustig.

Kurzinhalt: Nach dem Versuch, die Erderwärmung ein für allemal aufzuhalten kommt es zu einer neuen Eiszeit – die dafür sorgt, dass die gesamte Menschheit im Laufe der Jahre ausstirbt. Als einziger Zufluchtsort in Form einer regelrechte Arche dient nur ein moderner Zug – der auf einem eigens gebauten Streckensystem quer um die Welt fährt ohne dabei jemals anzuhalten. Doch hat ein Großteil der Menschen im Zug dennoch nicht das Gefühl, wirklich gerettet worden zu sein – ein seltsames Klassensystem sieht vor, dass die Menschen auch hier in soziale Schichten aufgegliedert werden. Jene, die im hintersten Abteil leben haben dabei die schlechtesten Karten – neben der reinen Verwahrlosung sind hier auch Hungersnöte und Gewalt der Aufseher an der Tagesordnung. Je weiter man aber im Zug voranschreitet, desto wohnlicher werden die Abteile – und desto dekadenter die unaufhörlich Reisenden. Klar ist aber auch, dass sich die Gefangenen in den hintersten Abteilen die Ungerechtigkeiten nicht ewig gefallen lassen würden – und tatsächlich, ein groß angelegter Aufstand steht bevor.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Das, was sich Regisseur Joon-ho Bong in und mit SNOWPIERCER vorgenommen hat, klingt erst einmal gewagt – und nach einem Projekt, welches in anderen Händen womöglich schnell zum Scheitern verurteilt gewesen wäre. Schließlich sieht die lose Adaption einer Grafik-Novel von Jacques Lob und Jean-Marc Rochette vor, dass sich die gesamte Handlung (die auf der Leinwand immerhin gute zwei Stunden beansprucht) innerhalb eines fahrenden Zuges abspielt – und allein aus der stark eingeschränkten Sicht der Protagonisten geschildert wird. Hinzu kommt die zunächst noch unbewertete Tatsache, dass es sich um ein multi-nationales Filmprojekt handelt – und nicht nur das Team hinter der Kamera, sondern auch die Darsteller einem breiten Querschnitt von Künstlern aus den USA, Südkorea, Frankreich und der Tschechischen Republik entsprechen. Wobei in letztgenannter Region auch hauptsächlich gedreht wurde – mit einem Budget von immerhin knapp 40 Millionen US-Dollar.

Aber: jenen, die an dieser Stelle bereits an ein verkapptes Kammerspiel und vielleicht auch eine große Portion Langatmigkeit denken, kann und sollte schnell Entwarnung gegeben werden. SNOWPIERCER ist vielmehr ein Film der Überraschungen, die bereits mit der spannenden Endzeit-Prämisse beginnen. Diese sieht vor, dass die Menschheit aus kurz angerissenen Gründen vor der vollständigen Vernichtung steht – und sich nur einige wenige in einen hochtechnisierten Zug retten konnten, der seit dem Tag X immer in Bewegung ist und wenn man so will über ein eigenes Ökosystem verfügt. Auch wenn die Story recht explizit mit dem Gedanken der Klimaerwärmung spielt respektive diesen sogar voraussetzt, wird zu keinem Zeitpunkt ein moralischer Zeigefinger erhoben. Das heißt, dass SNOWPIERCER kein anprangernder Öko-Thriller ist – sondern sich schlicht auf ein nach wie vor aktuelles Thema bezieht und dabei wesentlich glaubwürdiger abschneidet als so manch anderer Endzeit-Film.

Dies ist die erste der vereinfachten, aber durchaus guten Ideen – und die zweite, schon nicht mehr ganz so simpel zu lösende folgt sogleich. Denn: die eher minimalistische Herangehensweise des Regisseurs (der beispielsweise auf eine längere Einführung verzichtet und dessen Schauplätze aus verständlichen Gründen stets übersichtlich bleiben) bildet das eigentliche Geheimnis dafür, dass SNOWPIERCER so gut funktioniert. Man teilt den eher dürftigen Wissensstand der Charaktere und nimmt unmittelbar an deren Prozess des schieren Vorankommens teil – ein Prozess, der sich folgerichtig sowohl auf einer für den Film charakteristischen räumlichen Ebene als auch in Bezug auf den Zugewinn an Informationen abspielt. Anders gesagt: SNOWPIERCER fungiert oberflächlich betrachtet als handfester, inhaltlich solide gestützter Actioner mit erschreckend realistischen Auseinandersetzungen ohne viel Effekthascherei und mit einem dramatischen Spannungsbogen – was an und für sich schon eine angenehme Seltenheit ist. Doch schon von Beginn an ist die Atmosphäre eines düster-dystopischen Gesellschaftsdramas, welches sich durch einen beinharten Klassenkampf auszeichnet; omnipräsent. Eine Atmosphäre, der man sich nur schwerlich entziehen kann – auch wenn man es hie und da hinsichtlich des erzählerischen Tons dezent übertreibt und einstweilen die ein oder andere unpassend erscheinende Charakter-Spitze einbaut. Dass die Situation im Zug eine verkleinerte Version dessen ist, was sich tatsächlich auf der Erde abspielt (oder in diesem Fall abspielte) ist eine weitere gute Idee – doch während vor allem die sogenannte Unterschicht ein recht glaubwürdiges Porträt spendiert bekommt, übertreibt man es hinsichtlich der Dekadenz der Reichen und Schönen.

Davon abgesehen sind das an den Tag gelegte Fingerspitzengefühl der Inszenierung schon beinahe kultverdächtig – und die eingeworfenen, teils überraschenden Twists verfehlen kaum ihren Zweck. Die Menschen des hintersten Waggons dabei zu begleiten, wie sie sich langsam aber sich einen Weg nach vorne bahnen ist schlicht unheimlich spannend – woran auch die bunte Darsteller-Riege einen nicht unerheblichen Anteil hat. Zwar gibt es eine quasi-Galionsfigur, doch im Gegensatz zu anderen Werken einer ähnlichen Machart wird diese nicht zum Helden durch und durch erhoben. Vielmehr scheint es, als spielten alle Beteiligten eine Rolle – die kämpfenden, aber auch die schwachen, die alten und die Kinder. Eine stimmige Kameraführung, die perfekte Szenen-Gestaltung (die wahrlich das Maximum an Atmosphäre aus den begrenzten Räumen herausholt) und viele weitere Eigenarten oder auch Markenzeichen des Regisseurs Joon-ho Bong sorgen dafür, dass SNOWPIERCER eigentlich nicht nur ein Kandidat auf den Thron der Film-Geheimtipps des Jahres 2014 sein sollte – sondern der klare Gewinner.

Es sollte so sein – doch letztendlich wurde das Ziel doch noch verfehlt, ob knapp oder nicht muss man dabei selbst entscheiden. Die vorhandenen Schwächen sind dabei vornehmlich in drei gefühlte Kategorien zu unterteilen – von eher zu vernachlässigenden bis hin zu gravierenden. Nicht unbedingt explizit störend ist beispielsweise die Tatsache, dass die CGI-Effekte erschreckend plump wirken – besonders dann, wenn die Beteiligten einen Blick aus dem Fenster und auf die eisigen Weiten der neuen Welt werfen. Das Ganze hat bestenfalls Serien-Niveau und eigentlich nichts in einem Film wie diesem zu suchen. Etwas markanter wird es dann, wenn man in den inhaltlichen Bereich hinübergeht und sich die Frage stellt, warum es unbedingt ein fahrender Zug als Schauplatz hat sein müssen. Die Gründe dafür liegen zwar auf der Hand, und die Idee ist an und für sich gut – warum sich diese Tatsache aber so gut wie nie zunutze macht (und beispielsweise öfter mit der Umwelt interagiert, und sei es um Ressourcen zu gewinnen) bleibt ein Geheimnis. Eine reichlich perverse Art der Gefangenen-Bestrafung, ein kurzer Blick auf ein abgestürztes Flugzeug und eine Gruppe erfolglos Geflüchteter bilden hier bereits das höchste der Gefühle. Ebenfalls unbefriedigend erscheint die Darstellung der Tatsache, dass es ausgerechnet Kinder sein müssen die im inneren der Maschine werkeln; allein aufgrund ihrer Größe. Hat eine derart fortgeschrittene Technik wirklich ein so altertümliches Element (das man am ehesten mit dem früheren Bergbau verbindet) nötig ? Es steigert die Brisanz und die emotionale Verbindung zu den Gefangenen, wirkt aber etwas unschlüssig – nicht zuletzt in Bezug darauf, dass die beiden hier gezeigten Kinder geradezu hypnotisiert wirken und scheinbar nichts gegen eine Tätigkeit wie diese einzuwenden haben.

Das ärgerlichste in und an SNOWPIERCER aber bleibt das Ende – beziehungsweise bereits der gesamte vorherige Aufbau. Es beginnt bereits mit den zwei recht ausführlichen Selbstreflexionen oder auch Monologen, die zwei wichtige Charaktere plötzlich abhalten – direkt vor der alles entscheidenden Barriere und so, als wären sie längst in Sicherheit. Zwar erfährt man hier durchaus wichtiges, gegen einen früheren Zeitpunkt hätte aber sicher nichts gesprochen. Alles, was dann nach der Öffnung der besagten Tür geschieht ist dann überraschend hanebüchen – und hat nur noch wenig mit dem kongenialen Fingerspitzengefühl zu tun, welches man zuvor und über gute vier Fünftel des Films an den Tag legte. Vielmehr scheint es, als würde nun plötzlich doch das Prinzip der Einfachheit siegen – ohne Rücksicht auf die Glaubwürdigkeit trotz oder gerade wegen der immer wieder auftretenden Spitzen. So scheinen den Verantwortlichen schlicht die Ideen ausgegangen zu sein. Das Porträt der Maschine, dessen Erbauers; ein gesuchter Ausweg mithilfe einer Selbstbau-Bombe – und die finale Szene, in der ausgerechnet ein Eisbär stellvertretend für das neuerliche Bild der Hoffnung Pate stehen muss. All das wirkt nicht nur reichlich uninspiriert, sondern sogar überraschend plump und schlichtweg doof. Man kann also kaum anders, als in Anbetracht dieses Endes verärgert aus der sonst mehr als überdurchschnittlichen Filmerfahrung SNOWPIERCER hervorzugehen.

Fazit: Wäre das Ende von SNOWPIERCER der zuvor etablierten Atmosphäre treu geblieben und hätte auch hier die ein oder andere gute Idee eingestreut (und sei es, dass man das Ganze in eine eher fantastische Richtung geleitet hätte) – dann stünde der uneingeschränkten Empfehlung nichts mehr im Wege. Doch es ist, wie es ist – man hat sich einen Fauxpas geleistet, der kaum in Worte zu fassen ist. Einen unnötigen, die gesamte Wirkungskraft des vorherigen Films schmälernden; der somit nur noch ärgerlicher und unverständlicher ist. Was auch immer hier geschehen ist; es ist schade und verhindert, dass der sonst bemerkenswerte Film eine überraschend gute – wenn nicht gar legendäre – Wertung einfährt.

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„Haarscharf am Status eines Meisterwerks vorbeigeschrammt. Nach dem enttäuschenden Ausklang möchte man sogar fast sagen: meilenweit.“

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