Metal-CD-Review: ENDLESS – The Truth, The Chaos, The Insanity (2016)

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Alben-Titel: The Truth, The Chaos, The Insanity
Künstler / Band: Endless (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. März 2016
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Avalon

Alben-Lineup:

Reinaldo Araújo – Bass
Sérgio Sanchez – Drums
Cristiano Moura – Guitars
Marcio Brito – Keyboards
Vitor Veiga – Vocals
Luciano De Souza – Guitars

Track-Liste:

1. A New Sunrise (01:02)
2. The Code of Light (05:02)
3. Will of Destiny (05:47)
4. The Truth, the Chaos, the Insanity (06:47)
5. Black Veil of Madness (04:48)
6. Veins of Blood (06:37)
7. Save Me from Myself (05:54)
8. Lady of the Lake (05:38)
9. Under the Sun (04:39)
10. Puppets on a Stage (04:39)
11. A World Without Fantasy (07:17)
12. Celestial Dreams (05:44)

Ein handfestes Lebenszeichen aus Brasilien. Aber auch ein lohnenswertes ?

Auch wenn das Metal-Jahr 2016 noch jung ist, war es schon für die ein oder andere Überraschung gut. In eben diese Kerbe schlagen nun auch die Brasilianer von ENDLESS, die entgegen ihres Band-Namens über eine eher übersichtliche Diskografie verfügen – und offenbar stets eine ganze Weile brauchen, bis sie sich entschließen neues Material zu produzieren. Das letzte Album A DREAM AT THE SUN (Review) liegt nun immerhin schon satte 10 Jahre zurück, weitere 6 Jahre zuvor veröffentlichten ENDLESS ihr Debütalbum ETERNAL WINDS (Review) – und damit schließt sich auch schon der Kreis. Drei Studio-Alben in 16 Jahren sind wahrlich nicht viel, und vermutlich mit ein Grund wieso ENDLESS den internationalen Durchbruch noch nicht geschafft haben. Aber sollte man sich wirklich daran stören, wenn zumindest die offerierte Qualität stimmt ? Gut, das etwas ungeschliffene Debütalbum könnte man noch vernachlässigen; doch zumindest mit A DREAM AT THE SUN ist ENDLESS ein höchst solides Genre-Album mit dem gewissen Etwas gelungen. Und das steigert die Spannung auf das kürzlich erschienene THE TRUTH, THE CHAOS, THE INSANITY natürlich umso mehr.

Der erste Unterschied zum 10 Jahre älteren Klassiker liegt dabei schnell auf der Hand: die Besetzung von ENDLESS hat sich dezent verändert. Tatsächlich sind von der alten Besetzung nur noch Drummer Sergio Sanchez sowie Leadsänger Vitor Veiga übrig geblieben – was eine gute Nachricht ist, schließlich verfügt gerade der über ein gewaltiges Potential und hat dereinst Alben wie AQUARIA’s LUXAETERNA (Review) zu etwas ganz besonderem gemacht. Doch spielen ENDLESS eben keinen Symphonic Power Metal – sondern einen eher gemäßigten Melodic Metal mit leicht progressiven Anleihen. Dass sie dieses Genre durchaus sinnig bedienen können, zeigte die Band schon vor 10 Jahren – wobei gerade diese Feststellung einen leicht faden Beigeschmack hat. Schließlich könnte man nunmehr einiges von THE TRUTH, THE CHAOS, THE INSANITY erwarten. Anders gesagt: ein Album das 10 Jahre in der Mache war, von zweifelsohne talentierten Musikern aufgenommen wurde und von einer soliden Produktion sowie der Unterstützung eines großen Labels begleitet gekennzeichnet ist; muss doch einfach gut sein.

Doch leider trifft das nur sehr, sehr eingeschränkt zu – auch ganz unabhängig von den Erwartungen, die meisten werden Vorgänger ohnehin nicht kennen. Das Problem des neuen ENDLESS-Albums ist schlicht, dass es den Hörer nur äußerst bedingt zu packen vermag. So fehlt es dem Album nicht nur an Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmalen (was noch zu verzeihen wäre), sondern eben auch an Biss, Kraft und Energie. Wenn man so will klingen ENDLESS hier sogar merkwürdig lamentierend, man will nicht sagen gelangweilt. Schon die ersten Titel wie THE CODE OF LIGHT, WILL OF DESTINY oder gar der Titeltrack THE TRUTH, THE CHAOS, THE INSANITY klingen auffallend monoton – wobei die eher ungünstige Abmischung weitere Abstriche nach sich zieht. Der Leadgesang klingt einstweilen stark übersteuert und etwas laut im Mix, das Keyboard sorgt für den ein oder anderen künstlichen Eindruck, das Riffing erscheint eher flach und repetitiv. Und als wäre das noch nicht genug, sind ENDLESS vor allem auch die Refrains misslungen. Was beispielsweise mit dem von BLACK VEIL OF MADNESS geschehen ist, ist nur schwer zu sagen. Nur leider klingt es alles andere als gut.

Wenn man nicht allzu unfair sein möchte, gilt es natürlich auch die dennoch vorhandenen Stärken hervorzuheben – doch sind diese eher rar gesät. Auch wenn die Soli hie und da ganz nett sind und einen zumindest teilweise aus dem Sekundenschlaf reißen, lassen ENDLESS einfach viel zu viel Zeit ungenutzt verstreichen. Man wartet schlicht auf den einen verheißungsvollen Titel, der das Album endlich Fahrt aufnehmen lassen würde – doch bleibt es bei entweder absolut belanglosen Nummern oder aber solchen, die nur ansatzweise und in Bezug auf einzelne Elemente zünden. VEINS OF BLOOD ist zum Beispiel einer jener Kandidaten, die Potential haben und noch so viel besser hätten klingen können. Das gilt indes kaum für schlicht total verunglückte Nummern a’la LADY OF THE LAKE – das trotz des dieses mal deutlich besseren Refrains wie eine verkappte LABYRINTH-Kopie klingt. Auch im großen Finale geht es kaum anders zu – wobei ENDLESS offenbar selbst gemerkt haben, dass ihr Album etwas langatmig ausgefallen ist. Die Versuche, diesem aber mit merkwürdigen Effekten (wie auch in UNDER THE SUN) entgegenzuwirken; schlagen aber deutlich fehl. Letztendlich kann man nur eines sagen: schade.

Absolute Anspieltipps: VEINS OF BLOOD, PUPPETS ON A STAGE


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„Leider nicht das erhoffte Highlight, eher im Gegenteil.“

Metal-CD-Review: ENDLESS – A Dream At The Sun (2006)

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Alben-Titel: A Dream At The Sun
Künstler / Band: Endless (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Juni 2006
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Avalon

Alben-Lineup:

Felipe Ximenes – Bass
Sérgio Sanchez – Drums
Gustavo Di Pádua – Guitars
Rodrigo Carriee – Keyboards
Vitor Veiga – Vocals

Track-Liste:

1. Silence to the Lord (01:05)
2. Running to Be Free (05:52)
3. Laments at the Sky of Winds (05:16)
4. Mystic Feelings (05:25)
5. The Playwright (05:29)
6. Shades of Night (05:01)
7. Shining on the Sky (03:59)
8. I Don’t Want to Surrender (06:54)
9. The King of Lies (04:59)
10. Memories I’ve Saved (05:20)
11. A Dream at the Sun (07:35)
12. Eternal Winds (2006 Version) (07:10)

Vieles an ENDLESS ist endlos – nur nicht die Anzahl ihrer Veröffentlichungen.

Wenn es ganze 6 Jahre dauert bis sich eine Genreband aus der regelrechten Versenkung zurückmeldet, kann es dafür mehrere Gründe geben. Im Falle der brasilianischen Combo ENDLESS scheint der ausnahmsweise mal auf der Hand zu liegen: Leadsänger Vitor Veiga hatte zwischenzeitlich einiges im Rahmen seiner neuen Band AQUARIA zu tun. Aber selbst wenn das gar nicht der eigentliche Grund war; fühlt man sich einfach etwas wohler bei dem Gedanken, dass er außergewöhnlich intensiv in die Entstehung von LUXAETERNA (Review) involviert war – eine Arbeit, die sich zweifelsohne gelohnt hat. Offenbar hatte diese Entwicklung auch anderswo Früchte getragen: das zweite ENDLESS-Album erschien schon ein gutes Jahr nach LUXAETERNA und ist – auch wenn es dezent hinter dem wuchtigen Eindruck eines LUXAETERNA anstehen muss – eine regelrechte Offenbarung. Diese Feststellung bezieht sich vor allem auf die einst problematischen Produktionsumstände, die seinerzeit verhinderten dass das ENDLESS-Debütalbum ETERNAL WINDS seine volle Wirkung entfalten konnte.

Fakt ist: den Beigeschmack einer Demo- oder gar Garagenproduktion hat das zweite Album A DREAM AT THE SUN nicht mehr. ENDLESS haben sich markant weiterentwickelt – und das auf so gut wie allen Ebenen. Bereits das überaus stimmige Intro und der Opener RUNNING TO BE FREE schöpfen diesbezüglich aus dem Vollen; auch da der Leadgesang von Vitor Veiga endlich vernünftig zur Geltung kommt. Auffällig ist dann vor allem eines: ENDLESS halten sich in Bezug auf das Tempo und den potentiellen Bobmast eher zurück – und inszenieren ihren Sound mit einer leicht progressiven Note. Nummern wie das wuchtige LAMENTS AT THE SKY OF WINDS klingen entsprechend durchdacht und abwechslungsreich – das Wechselspiel aus eher düsteren und erheiternden Elementen geht auf, und erinnert dezent an das Schaffen der Italienischen Kollegen von LABYRINTH. MYSTIC FEELINGS wiederum ist eine Ballade, mit der man wohl hat rechnen müssen – doch auch hier zeigt sich, dass ENDLESS einiges dazugelernt haben. Sicher, das Ganze ist noch immer relativ kitschig – doch vermag es Vitor Veiga wesentlich mehr Emotionen zu transportieren (und das glaubhaft) als unzählige andere Genre-Kollegen.

Dagegen muss die zweite Ballade des Albums SHINING ON THE SKY deutlich hintenan stehen – doch macht das (fast) nichts, da auch der Mittelteil des Albums überaus stark ausfällt. Nummern wie THE PLAYWRIGHT, I DONT WANT TO SURRENDER oder THE KING OF LIES mögen einige Extra-Durchläufe brauchen bis sie richtig zünden; doch die hervorragenden handwerklichen Leistungen und die immer wieder eingestreuten Instrumentalstrecken mit furiosen Soli halten einen definitiv bei der Stange. Das markante SHADES OF NIGHT dagegen überzeugt auf Anhieb – als überraschend europäisch klingende Genre-Hymne. Und auch wenn der Wunsch nach einem Re-Release des Debütalbums noch nicht erhört wurde; kann man sich immerhin anhand des Bonustracks ETERNAL WINDS ausmalen, wie gut selbiges klingen könnte. Die Unterschiede zur Originalversion sind jedenfalls gravierend, wohlgemerkt: im positiven Sinne. Sicher, auch A DREAM AT THE SUN hat einige zu vernachlässigende zahmere Momente, lässt noch Luft nach oben – aber schon wesentlich weniger als der Vorgänger ETERNAL WINDS. Diese Entwicklung kann man nur begrüßen – weshalb das Album auch als absolute Empfehlung zu betrachten ist.

Absolute Anspieltipps: RUNNING TO BE FREE, LAMENT AT THE SKY OF WINDS, SHADES OF NIGHT


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„Ein Quantensprung für ENDLESS.“

Metal-CD-Review: ENDLESS – Eternal Winds (2000)

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Alben-Titel: Eternal Winds
Künstler / Band: Endless (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2000
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Megahard Records

Alben-Lineup:

Sérgio Sanchez – Drums
Vitor Veiga – Vocals
Rey Araújo – Bass
Cris Moura – Guitars
Leandro Monteiro – Guitars
Márcio Brito – Keyboards

Track-Liste:

1. Visions of Tomorrow (04:57)
2. Wasting My Time (04:26)
3. Holy Ground (05:05)
4. Guiding Light (05:01)
5. Eagle’s Top (06:04)
6. Mind of Indecision (06:39)
7. Intro (01:02)
8. Ministrels of Dawn (05:05)
9. Eternal Winds (06:25)
10. I’m Alone (10:48)
11. Good Bye (01:03)

Wenn die Möglichkeiten ein Album zu produzieren eben doch ENDLICH sind.

ENDLESS ist zweifelsohne eine aus mehreren Gründen interessante Power Metal-Combo. Nicht nur, dass sie eine der wenigen wirklich hochkarätigen, seit vielen Jahren bestehenden Genrebands aus Brasilien ist – sie könnte auch als quasi-Geburtsstätte eines außergewöhnlichen Talentes betrachtet werden. Zwar dürfte der damit gemeinte Leadsänger Vitor Veiga nicht jedem ein Begriff sein – mindestens aber jenen, die die beiden großartigen AQUARIA-Alben LUXAETERNA (Review) und SHAMBALA (Review) gehört haben. Nun schreiben wir das Jahr 2016, und das Projekt AQUARIA gehört leider Gottes längst der Vergangenheit an. Umso schöner ist, dass es zumindest wieder neue Lebenszeichen von ENDLESS gibt: das dritte Studioalbum THE TRUTH, THE CHAOS, THE INSANITY (Link) steht bereits in den Startlöchern. Unter anderem aus diesem Anlass soll an dieser Stelle noch einmal ein Blick zurückgeworfen werden – auf das erste, mittlerweile altehrwürdige Album der Band aus dem Jahre 2000.

Selbiges gute Stück horcht auf den Namen ETERNAL WINDS, offeriert dem Hörer 11 Titel – und lässt zumindest zunächst einen eher verhaltenen Eindruck entstehen. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass das Album nicht nur aus heutiger Sicht etwas ungeschliffen daherkommt – man hört ihm den geringen Produktionsaufwand zweifelsohne an. Ganz so arg wie bei einer x-beliebigen Garagenband ist es zwar nicht, aber dennoch: die potentielle Größe der Musik von ENDLESS kann in diesem Fall nicht adäquat transportiert respektive dem Hörer nahegebracht werden. Der muss sich folgerichtig etwas anstrengen, oder eher ein gewisses Maß an Fantasie an den Tag legen – und versuchen, über einige Schwächen in der Abmischung und Produktion hinwegzusehen. Dann aber schimmert sie eben doch durch, jene Eleganz die ENDLESS seit jeher zu einem regelrechten Insider-Tipp machte. Fakt ist, und dafür ist bereits ETERNAL WINDS ein in Stein gemeißelter Beweis: das Potential der Band war und ist enorm.

Schließlich schaffen es ENDLESS als eine der wenigen brasilianischen Combos, ein überraschend eigenständiges und somit auch unverwechselbares Soundgewand zu präsentieren. Auch ohne; und das ist das besondere – dass sie explizit traditionelle Soundelemente mit in die Kompositionen fließen lassen wie später AQUARIA oder auch TIERRA MYSTICA. Im Grunde genommen besteht ETERNAL WINDS nur aus den gängigen Genre-Zutaten: verspielten Gitarren, einem hohen Leadgesang, einem großzügigen Einsatz des Keyboards sowie reichlich Tempo und Bombast. Dennoch klingt das Album erfrischend anders – ENDLESS haben hier ganz klar ihren eigenen Fingerabdruck hinterlassen, was nur zu begrüßen ist. Eher hymnisch angehauchte, flott-stampfende Titel wie VISIONS OF TOMORROW, WASTING MY TIME oder HOLY GROUND machen jedenfalls ordentlich Laune – während quasi-Balladen wie EAGLE’S TOP (trotz des guten Refrains) oder das gesanglich problematische MIND OF INDECISION verständlicherweise hintenan stehen müssen. Und warum genau das Intro in diesem Falle erst an siebter Stelle kommt, das weiß wohl auch nur die Band selbst.

Im Endeffekt ist es schade, dass die Präsentation des Albums (und damit ist nicht das Artwork, sondern eher die Produktion gemeint) vergleichsweise mäßig abschneidet und man so kaum in den potentiellen Genuss des Debütalbums kommen kann – dass eher wie eine lange DEMO-CD wirkt und klingt. Fest steht: während zig andere Genre-Alben neu veröffentlicht werden, und das oftmals ohne ersichtlichen Grund – wäre ETERNAL WINDS tatsächlich einmal ein nachvollziehbarer Kandidat für ein neu aufgenommenes Re-Release. Gleichzeitig würde es sich wohl auch um eine der wenigen Neuveröffentlichungen handeln, die eine höhere Wertung bekämen als das Original – man hat einfach das Gefühl, als würde das hier dargebotene Material zu so viel mehr imstande sein; was zweifelsohne ärgerlich ist.

Absolute Anspieltipps: VISIONS OF TOMORROW, ETERNAL WINDS


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„Eine grundsolides, teilweise sogar erfrischendes Debüt mit einer dezent problematischen Produktion.“

ENDLESS – The Truth, The Chaos, The Insanity (Metal News)

Quelle: ▶︎ The Truth, The Chaos, The Insanity | POWER PROG

Das könnte doch was werden… schön auch, mal wieder was neues von Sänger Vitor Veiga (Ex-AQUARIA) zu hören. Viel Glück, ENDLESS !