Die Besten Power Metal Bands Aller Zeiten #1: DREAMTALE (Finnland)

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„Just Memories of Time
Live forever over our lives
They will see the future
To the end of the time
This little moment that we live here
Don’t let us waste it in vain
Let’s sail at full speed straight on…“

Eines steht fest: geht es um nennenswerte Power Metal-Combos aus Finnland, so darf man die Rechnung keineswegs ohne DREAMTALE machen. Schließlich ist die bereits 1999 in der Stadt Tampere gegründete Band nach zwei frühen, zweifelsohne vielversprechenden Demos (SHADOWS OF THE FROZEN SUN und REFUGE FROM REALITY) direkt durchgestartet – und das auch in internationaler Hinsicht.

Mit ein Grund dafür war sicher das starke und in gewisser Weise überraschende Debütalbum BEYOND REALITY aus dem Jahre 2002, das unter anderem auch das Material der Demos in überarbeiteten Versionen enthält. Jenes Album markiert bis heute einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Band, und spielt womöglich auch in Bezug auf das übergeordnete Genre selbst eine essentielle Rolle. Entsprechendes kann man auch in der dazugehörigen Rezension nachlesen, wobei die Analyse mit einer satten 10/10-Wertung abgeschlossen wurde. Das geschieht beileibe nicht allzu häufig und ist schon einmal eine echte Hausnummer – erst Recht, da es sich um ein Debütalbum einer bis dato relativ unbekannten Band handelte.

Glücklicherweise aber ging die Erfolgsgeschichte von DREAMTALE munter weiter – und das trotz potentiell einschneidender Besetzungswechsel speziell in Bezug auf den Leadgesangsposten. Gerade diesbezüglich scheint sich die Band bis heute von einigen anderen abzugrenzen, denn: zumindest auf Oliverdsw.Wordpress und unter Einbeziehung der zugehörigen Wertungs-Standards hat sich die Band noch keinen Ausrutscher geleistet. Eventuell könnte das 2008’er Album PHOENIX zu den etwas schwächeren gezählt werden – was in Anbetracht der gegebenen Wertung von 7.5/10 Punkten aber noch immer ein Niveau ist, welches so manche Band womöglich gar nicht erst erreichen wird.

Schlussendlich kommt die Band mit ihren 6 Studioalben, die im Zeitraum von 2002 bis 2013 in angenehmen und für die Band offenbar optimalen Abständen veröffentlicht wurden; so auf einen Wertungsdurchschnitt von 8.67 von 10 Punkten. Trotz dessen, dass in der Liste der besten Power Metal Bands des Blogs noch 4 andere vor DREAMTALE erscheinen; ist das ein Rekord – denn jene anderen haben bisher teils deutlich weniger als 6 Alben veröffentlicht. Wenn man so will, könnte man DREAMTALE also tatsächlich als eine der besten Power Metal-Bands überhaupt – oder zumindest aus dem europäischen Raum – bezeichnen. Das mag wie immer eine höchst subjektive Einschätzung sein, mit der nicht jeder einverstanden sein wird. Doch ist eine derartige Einstufung hier vielleicht etwas realistischer als bei anderen Bands, wie beispielsweise HELLOWEEN, GAMMA RAY, SONATA ARCTICA oder STRATOVARIUS. Zwar handelt es sich hier ebenfalls um verdammt hochkarätige Bands, durchaus auch mit einer gewissen Vorreiter-Funktion – doch haben sich diese eben auch schon den ein oder anderen markanten Ausrutscher geleistet. DREAMTALE aber noch nicht – was hoffentlich auch so bleiben wird.

Hier noch einmal die Links zu den Reviews der bisherigen Alben:

Beyond Reality (2002)
Ocean’s Heart (2003)
Difference (2005)
Phoenix (2008)
Epsilon (2011)
World Changed Forever (2013)

Und nun gilt es, die hauseigene Power Metal-Sammlung mit den entsprechenden Alben aufzustocken – sofern noch nicht geschehen. Im Falle von DREAMTALE lohnt es sich schließlich wirklich.

„And your soul’s released
As you’re watching the feast
Where angels of light
Are dancing with the beast
It’s a wind, weird scene
Yes, It’s hard to believe
But the good and bad
Are the same at last…“

Metal-CD-Review: DREAMTALE – Phoenix (2008)

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Alben-Titel: Phoenix
Künstler / Band: Dreamtale (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. Juni 2008
Land: Finnland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Mötley Records

Alben-Lineup:

Erkki Seppänen – Vocals
Rami Keränen – Guitars
Seppo Kolehmainen – Guitars
Pasi Ristolainen – Bass
Arto Pitkänen – Drums
Akseli Kaasalainen – Keyboards

Track-Liste:

1. Yesterday’s News (03:32)
2. Eyes of the Clown (04:43)
3. Payback (04:44)
4. Failed States (03:49)
5. Take What the Heavens Create (02:53)
6. Great Shadow (05:15)
7. No Angels No More (03:49)
8. Faceless Men (04:16)
9. Firebird (03:47)
10. The Vigilante (04:46)

Noch wechselhafter als jeder Wetterlage.

Wenngleich die Finnen von DREAMTALE vor allem für ihren erstklassigen Power Metal bekannt sind oder es sein sollten, gesellt sich in Anbetracht der Beobachtung ihrer Bandgeschichte noch ein weiteres besonderes Merkmal hinzu. Eines, das schon nicht mehr ganz so positiv klingt, sich aber dennoch nicht auf die bisherigen Releases ausgewirkt hat; was wiederum eine besondere Anerkennung verdient. Die Rede ist natürlich von den zahlreichen Lineup-Wechseln, die mit dem vorliegenden PHOENIX wieder einmal enorm an Bedeutung gewinnen. Denn: PHOENIX ist nicht nur das vierte Studioalbum der wechselhaften Finnen, sondern präsentiert auch den nunmehr vierten Leadsänger. Und auch an der Instrumenten-Front gab es einige Wechsel zu verzeichnen – sodass man durchaus von einem gewissen Durcheinander sprechen kann. Während man dem Vorgänger DIFFERENCE überhaupt nicht anhörte, dass es hinter den Kulissen möglicherweise stark brodelte; ist PHOENIX erstmals nicht gänzlich vor derartigen negativen Auswirkungen gefeit. Denn: insgesamt klingt das Album vielmehr so, als würden DREAMTALE einen Schritt zurück machen – speziell in Bezug auf das Konzept und die Textinhalte. Somit näheren sie sich wieder stärker an ihren eigentlichen Ursprung an, was sicher einigen gefallen wird – doch die große Überraschung bleibt folglich aus.

Wenn man einen ganz speziellen Faktor benennen müsste, welcher den klanglichen Unterschied begründet; so wird man dagegen nicht unbedingt beim (wieder einmal) neuen Leadsänger landen – sondern vielmehr beim allgemeinen Eindruck der Produktion und des Drumsounds. Die klingen gerade im Vergleich zu den Vorgängern erstmals wenig organisch und dezent aufgesetzt, ebenso wie die nun völlig übertriebenen Keyboard-Elemente in FAILED STATES. Analog zum insgesamt etwas verwascheneren Soundeindruck und dem gefühlt etwas zu leisen und dumpfen Leadgesang kann das durchaus zu einem gewissen Gefühl der Ernüchterung führen. Ein Gefühl, das im besten Fall durch die klassische, mitreißende Wirkung von eher einfach gestrickten Hymnen wie THE VIGILANTE aufgefangen werden kann. Doch schlussendlich überwiegt der Eindruck, dass es sich die Finnen hier etwas zu einfach gemacht haben. PHOENIX wirkt wie ein Neuaufguss der bisherigen DREAMTALE-Alben ohne das gewisse Etwas – macht aber noch immer Spaß und bietet grundsolide Genre-Kost für alle Finnland- und Keyboard-Verliebten.

Absolute Anspieltipps: GREAT SHADOW, FACELESS MEN, THE VIGILANTE


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„nicht mehr so spektakulär wie die Vorgänger, aber noch immer enorm unterhaltsam.“

Metal-CD-Review: DREAMTALE – Difference (2005)

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Alben-Titel: Difference
Künstler / Band: Dreamtale (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. Februar 2005
Land: Finnland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Spinefarm Records

Alben-Lineup:

Petteri Rosenbom – Drums
Turkka Vuorinen – Keyboards
Esa Orjatsalo – Guitars
Jarkko Ahola – Vocals
Rami Keränen – Guitars
Pasi Ristolainen – Bass

Track-Liste:

1. Lost Souls (03:12)
2. Wings of Icaros (04:54)
3. New Life (04:50)
4. Lucid Times (07:31)
5. Mirror (03:28)
6. World’s Child (03:57)
7. Sail Away (03:46)
8. Fly (04:07)
9. Secret Door (03:55)
10. We Are One (04:19)
11. Green Fields (03:11)

Die Finnen wissen einfach, wie’s geht.

DIFFERENCE ist das dritte offizielle Studioalbum aus dem Hause der Finnischen Melodic Power Metal-Schmiede DREAMTALE. Wie es der Albentitel sowie das etwas andere Cover-Artwork bereits implizieren, wird hier tatsächlich ein wenig mit den bisherigen Maßstäben gebrochen – was vornehmlich in Bezug auf den Leadgesang gilt. Oder sollte man eher sagen, wieder einmal ? Denn gerade der kann und muss im Falle von DREAMTALE als äußerst wechselhaft bezeichnet werden. Schon beim Debütalbum BEYOND REALITY (Review) und dessen Nachfolger OCEAN’S HEART (Review) waren zwei verschiedene Frontmänner am Werk, nämlich Rami Keränen (der DREAMTALE immerhin noch als Gitarrist und Backgroundsänger erhalten blieb) und Tomi Viiltola (später Frontmann bei ULTIMATIUM). Wenngleich es schön gewesen wäre, zumindest einen von beiden auch auf DIFFERENCE zu hören; stellt DIFFERENCE plötzlich einen gewissen Jarkko Ahola vor – seines Zeichens nun der dritte DREAMTALE-Sänger. Hier den Überblick zu behalten fällt nicht ganz leicht – denn auch einige andere Mitglieder verließen zwischenzeitlich die Band respektive kamen neu hinzu. Wer mag, kann ruhig mal versuchen die bisherige Band-Historie schlüssig für sich aufzudröseln.

Das besondere, oder auch positiv-kuriose dabei ist; dass es DREAMTALE dennoch gelang mehr als grundsolide Genre-Alben auf die Beine zu stellen. Etwaige Unstimmigkeiten oder Anwandlungen einer Unentschlossenheit fanden also wenn überhaupt nur hinter der Bühne statt – gerade die ersten beiden DREAMTALE-Alben konnten und können noch immer problemlos als Fest für alle Genre-Fans bezeichnet werden. Und DIFFERENCE ? In der Tat geben sich DREAMTALE hier erstmals etwas entspannter und klanglich rockiger; analog zum neuen Leadsänger – der eine deutlich gemäßigtere und dezent rauere Stimme hat als seine beiden Vorgänger. So könnte man sich in Anbetracht der ersten Strophe des Openers LOST SOULS durchaus fragen, ob das tatsächlich noch DREAMTALE sind die hier agieren – doch folgt auf den ersten Schreck schnell die Erleichterung. Denn: zum einen klingt DIFFERENCE noch immer eindeutig nach DREAMTALE, nicht zuletzt aufgrund der unverkennbaren Chor-Elemente und des relativ dick aufgetragenen Keyboards – und zum anderen sorgt die neue Sound-Ausrichtung für einen markant-frischen Eindruck.

In erster Linie einen kräftigen – der durchaus noch den Hymnen-Faktor der Vorgänger mitbringt, aber insgesamt etwas progressiver, kantiger und schroffer klingt. Titel wie das schmackige WINGS OF ICAROS oder das episch stampfende LUCID TIMES werden etwaige Fans der Band somit direkt zufriedenstellen, während Nummern wie LOST SOULS oder NEW LIFE für einen frischen Wind sorgen. Das einzige Problem könnten einige in der relativen Nähe zu Bands wie SONATA ARCTICA sehen – speziell WORLD’S CHILD oder SECRET DOOR könnten genauso gut von den Finnischen Kollegen stammen, ein ähnlich exzessiv-fluffiger Keyboardeinsatz inklusive. Doch fällt das letztendlich wenig ins Gewicht, wenn DREAMTALE mit Nummern wie WE ARE ONE voll aufdrehen – auch wenn der Textinhalt gerade hier etwas anderes, deutlich kitschigeres vermuten lässt. Doch selbst wenn es um die Liebe geht beziehungsweise etwas balladeskere Stimmungen anberaumt werden (MIRROR, SAIL AWAY, GREEN FIELDS) klingen DREAMTALE noch immer vergleichsweise kräftig, und gerade im direkten Genre-Vergleich enorm glaubwürdig und emotional. Von daher sollte man von einem Verlgleich – gerade mit den späteren SONATA ARCTICA – vielleicht doch lieber absehen. Mit einem album wie DIFFERENCE kann man also (fast) nichts falsch machen – vor allem natürlich dann, wenn man ohnehin eine gewisse Vorliebe für einen guten Power Metal aus Finnland hegt.

Absolute Anspieltipps: LOST SOULS, WINGS OF ICAROS, LUCID TIMES, WE ARE ONE


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„Trotz der Lineup- und Stilexperimente ein überraschend starkes DREAMTALE-Album.“

Metal-CD-Review: DREAMTALE – Ocean’s Heart (2003)

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Alben-Titel: Ocean’s Heart
Künstler / Band: Dreamtale (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2003
Land: Finnland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Spinefarm Records

Alben-Lineup:

Tomi Viiltola – Vocals
Turkka Vuorinen – Keyboards
Petteri Rosenbom – Drums
Pasi Ristolainen – Bass
Esa Orjatsalo – Guitars
Rami Keränen – Guitars, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Ocean’s Heart (01:18)
2. Chosen One (03:37)
3. Angel Eyes (05:10)
4. Fool’s Gold (03:52)
5. Two Hundred Men (05:32)
6. The Awakening (03:28)
7. Tears (05:18)
8. Garden of Eternity (04:15)
9. My Only Wish (04:49)
10. If You Will Go (05:22)
11. Rising Wind (05:34)
12. Return to the Sea (07:29)
13. Whisper (01:51)

Was das Herz des Ozeans so alles hervorbringt.

Nach dem schier sensationellen Debütalbum BEYOND REALITY (Review), welches den aus Finnland stammenden Jungs von DREAMTALE endgültig zu ihrem viele Jahre währenden Aufstieg innerhalb der Melodic Power Metal-Szene verhelfen sollte; war es ein gutes Jahr später schon wieder an der Zeit für ein neues Werk. Dieses schimpft sich OCEAN’S HEART, und kam sogleich mit einem Besetzungswechsel daher mit dem eher nicht gerechnet hätte: der einstige Leadsänger Rami Keränen wurde durch Tomi Viiltola ersetzt, und für Alois Weimer am Bass kam Pasi Ristolainen. Eine einschneidende Entwicklung möchte man meinen – doch letztendlich, und das ist eine Form der Entwarnung; wirkt sich diese nicht allzu sehr auf das vorliegende Album aus. Im Gegenteil: DREAMTALE haben nichts von ihrer schon auf dem Debüt vorgelegten Ausdrucksstärke eingebüßt, sondern sich sogar weitestgehend noch verbessert.

Das mag auch daran liegen, dass der ehemalige Leadsänger nicht völlig von der Bildfläche verschwunden ist – sondern weiterhin als Backgroundsänger und Gitarrist der Band fungiert. Und auch wenn er seine klaren Stärken hatte, war es vermutlich der richtige Schritt einen Mann wie Tomi Viiltola einzusetzen – der noch einmal ein stückweit einzigartigeres, kräftigeres Organ besitzt (das am ehesten mit dem von OLAF HAYER zu vergleichen ist) und OCEAN’S HEART so zu einer unvergesslichen Reise macht. Bei DREAMTALE scheinen es aber ohnehin hauptsächlich die instrumentalen Kompositionen zu sein, die für ihren unverkennbaren Sound sorgen: an satten und auch gerne mal etwas kitschigen Keyboard-Arrangements wird beileibe nicht gespart, weibliche Gastgesänge und Melodien die schon fast zu schön sind um wahr zu sein führen zu einem melodischen Festmahl für alle Genrefans, die nichts gegen eher weiche Elemente wie diese einzuwenden haben.

Aber: so bunt, verträumt und einstweilen auch kitschig so manche Komposition der Band auch anmuten mag – billig oder plump wirkt das hier dargebotene Material zu keinem Zeitpunkt. DREAMTALE verkörpern das, was sie da machen recht glaubwürdig – und scheinen keine Probleme damit zu haben als (musikalische) Softies bezeichnet zu werden. Nur bei den regelrecht expliziten Herzschmerz-Nummern wie IF YOU WILL GO oder MY ONLY WISH scheint man dann doch so manch imaginäre Grenze zu überschreiten. Immerhin kann hier ausnahmsweise mal der Part das Bassisten für Aufsehen sorgen, was vor allem durch die relative Zurückhaltung des Keyboards ermöglicht wird. Aber: so richtig fulminant wird es ohnehin erst, wenn DREAMTALE ihr Tempo deutlich anziehen, Leadsänger Tomi Viiltola vollends aus sich herausgehen kann und so manche Genre-Hymne erschaffen wird. Sei es der Auftakt in Form von CHOSEN ONE, das gleichermaßen verträumte wie voranpreschende THE AWAKENING oder der wunderbare Rausschmeißer RETURN TO THE SEA – hier sprüht die Band nur so vor Energie und Spielfreude und wird vermutlich selbst die überzeugen können; die zuvor bekundet haben dass ihr der allgemeine DREAMTALE-Sound etwas zu soft daherkommt.

Noch interessanter wird es allerdings – und das kommt leicht überraschend – wenn DREAMTALE eine stampfende Nummer wie ANGEL EYES präsentieren. Hier handelt es sich um den wohl stärksten und markantesten Titel des gesamten Albums – zusammen mit FOOLS GOLD, bei dem man das Tempo auch eher drosselt und dabei mindestens ebenso energetisch klingt wie in den Uptempo-Nummern; wenn auch auf eine etwas andere Art und Weise. Das Zeug um wirkungsvolle Hymnen mit einem Spannungsbogen, starken Refrains und allerlei instrumentalen Überraschungen zu zaubern haben DREAMTALE jedenfalls. So fallen selbst die nicht ganz so guten Nummern wenig ins Gewicht, und können den super-soliden Gesamteindruck des Albums kaum schmälern.

OCEAN’S HEART ist damit allemal ein würdiger Nachfolger zum sensationellen, ein Jahr älteren Debütalbum von DREAMTALE geworden. Der Wechsel bezüglich des Leadgesangspostens ging der Band offenbar leicht von der Hand; das Ergebnis ist noch ein stückweit beeindruckender als zuvor – und auch wenn DREAMTALE nicht selten an so mancher Grenze zum schier unerträglichen Kitsch schrammen, ist OCEAN’S HEART ein Genuss für alle Genre-Fans und solche die es werden wollen. Ein rund produziertes noch dazu.

Absolute Anspieltipps: CHOSEN ONE, ANGEL EYES, THE AWAKENING, GARDEN OF ETERNITY, RETURN TO THE SEA


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„Teilweise im Schatten des Debütalbums stehend, doch allemal eine Empfehlung wert.“

Metal-CD-Review: DREAMTALE – Beyond Reality (2002)

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Alben-Titel: Beyond Reality
Künstler / Band: Dreamtale (mehr)
Land: Finnland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Spinefarm Records

Alben-Lineup:

Rami Keränen Vocals, Guitars
Petteri Rosenbom Drums
Turkka Vuorinen Keyboards
Alois Weimer Bass
Esa Orjatsalo Guitars

Track-Liste:

1. The Dawn (4:05)
2. Memories Of Time (4:44)
3. Fallen Star (4:25)
4. Hearts Desire (8:08)
5. Where The Rainbow Ends (5:01)
6. Time Of Fatherhood (5:23)
7. Dreamland (3:35)
8. Call Of The Wild (5:24)
9. Dancing In The Twilight (4:57)
10. Refuge From Reality (4:46)
11. Silenth Path (4:52)
12. Farewell… (7:17)

Sternstunden des Melodic Power Metal.

Die finnische Power Metal-Band DREAMTALE feierte bereits im Jahre 1999 ihre Auferstehung. Nach 2 Demos folgte 2002 endlich das heiß erwartete, heute vorgestellte Debütalbum BEYOND REALITY – so gesehen ein unscheinbares Album einer gerade erst auf der Bildfläche erschienenen Band. Schließlich gab es auch 2002 genügend andere Bands, die sich einer ähnlichen Spielart verschrieben hatten, und schon ungleich bekannter und / oder etablierter waren. So hatten DREAMTALE keinen allzu leichten Start – sie mussten sich nicht nur gegen eine schiere Masse von Kunkurrenzbands durchsetzen, sondern sich auch zahlreiche Vorwürfe hinsichtlich eines musikalischen Klondaseins gefallen lassen. Glücklicherweise gab es damals wie heute einige wenige, die das wahre Potential der Band erkannt und nicht den Fehler gemacht haben, DREAMTALE expliziterweise als Nachahmer zu bezeichnen. So wurde das Album über das bekannte Metal-Label Spinefarm Records auf den Markt gebracht, und erhielt zumindest teilweise gerechtfertigte Rezensionen. Eben solche, die sich nicht in allzu vorschnellen Bandvergleichen verhaspelten, und DREAMTALE als das betrachteten, was sie waren: als eine enorm talentierte Newcomer-Band.

Sollte man das Debütalbum BEYOND REALITY dennoch mit den Veröffentlichungen anderer Bands vergleichen, oder sich auf eine musikalische Ursprungssuche begeben wollen, so kann man dies mit Leichtigkeit tun – auch ganz ohne zu pauschalisieren. DREAMTALE stammen aus Finnland; sodass beinahe kein Weg an potentiellen Vorbildern a’la STRATOVARIUS oder SONATA ARCTICA vorbeiführt – Bands, von denen sich streng genommen unzählige andere die ein oder andere Scheibe abgeschnitten haben. Ob sich die Bandmitglieder von DREAMTALE nun tatsächlich von dieser Musik haben beeinflussen lassen, das können sie uns nur selbst sagen – Fakt ist, dass sie auf ihrem Debütalbum vergleichsweise eigenständig und vor allem sehr ambitioniert klingen. Sie sind also kein Vergleich zu Bands wie INSANIA aus Schweden – die auf ihrem ersten und zweiten Album eigentlich nichts anderes machten als HELLOWEEN nachzueifern  (und dennoch eine Band von gewisser Größe wurden). Das markante und besondere an der Bandgeschichte von DREAMTALE ist also zwangsläufig, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen gleich absolut hochkarätig durchstarteten – und das somit etablierte Niveau kontinuierlich und über die vielen Jahre halten konnten, bis zum zuletzt veröffentlichten 2013’er Werk WORLD CHANGED FOREVER (Review).

2002 war aber eben doch alles noch ein klein wenig anders, vor allem was die Besetzung betrifft. Gitarrist und Gründungsmitglied Rami Keränen spielte hier nicht nur die Leadgitarre, sondern übernahm auch den Gesang. Da dies aber nicht sein angestammter Posten war, holte er sich Unterstützung ins Boot – in Form von Marco Hietala (TAROT) und Sanna Natunen. Alle anderen Bandmitglieder, die auf BEYOND REALITY vertreten sind, haben die Band übrigens im Laufe der Jahre verlassen – mit Ausnahme von Drummer Petteri Rosenbom, der 2010 nach einer 5-jährigen Pause zu DREAMTALE zurückkehrte. So kommt ein ganz spezielles Gefühl der Nostalgie hinzu, entdeckt man das Album erst heute, beziehungsweise aus heutiger Sicht – so wie hier sollten DREAMTALE nie wieder auftreten, und demnach auch nicht mehr klingen.

Doch zum eigentlichen Album, und den insgesamt 12 vertretenen Titeln. Auffällig ist, dass man grundsätzlich auf eine typische Strukturierung im Power Metal-Stil verzichtete: das Intro ist mit über 4 Minuten Laufzeit ein überlanges, Interludes gibt es keine; das Outro ist mit über 7 Minuten der zweitlängste (vollwertige) Track des Albums. Im eben genannten Intro THE DAWN gibt man sich noch zurückhaltend und lässt hauptsächlich ein Piano und dezente symphonische Komponente durchklingen. Später folgt noch der kure Einschub einer Erzählstimme und der Einsatz von Gitarre, Schlagzeug und Keyboard; sodass man erstmals erahnen kann, welch melodiöses Feuerwerk den Hörer auf BEYOND REALITY am ehesten erwarten könnte. Ohne Zweifel erfährt man kurz darauf, dass heißt im Opener MEMORIES OF TIME, Bestätigung: mit einer Riesenportion Charme zelebrieren die Finnen hier einen lebendig-energetischen Power Metal, der irgendwo wischen einer transportierten Freude und Melancholie balanciert. Überraschend ist vor allem die Produktionsqualität, die in Anbetracht eines Debütalbums recht satt, druckvoll und ausgewogen daherkommt. Der Vorteil: die treibenden Uptempo-Strophen, die Instrumentalpassagen und der leicht sphärische Refrain mit Backgroundgesängen und Keyboard klingen jeweils bombastisch, und ergeben letztendlich auch ein stimmiges Ganzes mit starken Übergängen.

Mit FALLEN STAR zeigen DREAMTALE nun erstmals die der Band in Zukunft so oft zugesprochene Bandbreite an verschiedenen Einflüssen und Richtungen auf; sodass es einstweilen schwerfällt, den Titel in eine einzige Schublade einzusortieren. Die Nummer ist sicher nicht die schnellste, aber doch flotter als ein Midtempo-Stück. Die weiblichen Gastgesangs-Einschübe könnten dagegen auch recht gut zu einer Ballade passen, sodass ein recht reichhaltiger, abwechslungsreicher Gesamteindruck entsteht. Jene Reichhaltigkeit wird im folgenden HEART’S DESIRE dann noch einmal auf die Spitze getrieben: hier wirkt es tatsächlich so, als würden zwei oder drei verschiedene Titel miteinander verschmelzen. Das ist auch das richtige Stichwort: denn trotz der Tempi-, Stimmungs- und in diesem Fall sogar Sängerwechsel (Marco Hietala performt hier erstmals ausführlicher) sind alle Passagen absolut miteinander kompatibel und ergeben ein stimmiges Ganzes. Als besonders auffällig und extrem stark kristallisiert sich in diesem Fall schnell der allgemeine Instrumentalpart heraus: das ist europäischer Power Metal wie er klingen sollte – treibend, gitarrenlastig, emotional. In jene Kerbe der Emotionalität schlägt dann auch der Refrain, der separat betrachtet einer Ballade entstammen müsste; im Zusammenspiel mit den abwechslungsreichen Strophen aber lediglich den Ruhepol des Songs markiert.

In den ersten Sekunden von WHERE THE RAINBOW ENDS glaubt man sich dann plötzlich in einem ganz anderen Genre – bis das Instrumentenspiel und der wahnsinnig starke Gesang von Marco Hietala einsetzt. Ohne Zweifel handelt es sich hier um eine der stärksten Nummern des gesamten Albums – selbst hören und überzeugt werden. TIME OF FATHERHOOD geht daraufhin am ehesten als ‚echte‘ Ballade durch – wenn auch eine mit vergleichsweise ordentlich Schmackes im Midtempo-Bereich. Doch dann folgt DREAMLAND – die Nummer, auf die man eventuell gewartet hat. Auch wenn es sich um eine vergleichsweise simple Uptempo-Nummer handelt – schneller, hymnischer und vor allem erhabener klingen DREAMTALE auf BEYOND REALITY zu keinem Zeitpunkt, woran auch der geniale Refrain einen nicht unerheblichen Anteil hat. Die Überraschung: in den verbleibenden Titeln ziehen DREAMTALE noch einmal ordentlich an, was sowohl das Tempo als auch die Hymnentauglichkeit betrifft. Das rasante CALL OF THE WILD begeistert mit den dezenten Growl-Einschüben und dem Hammer-Refrain, DANCING IN THE TWILIGHT durch die geniale Melodie und die nun auch mal folkigen Klänge, REFUGE FROM REALITY durch die geballte Kraft der Instrumentierung und die energisch vorgetragenen Strophen. Satte Instrumentalparts und Soli haben sie ohnehin alle gemeinsam. Erst mit SILENT PATH und dem abschließenden FAREWELL wird es wieder etwas ruhiger – hier erwarten den Hörer noch zwei solide Balladen, die hauptsächlich vom weiblichen Gastgesang getragen werden. Wobei FAREWELL eigentlich mehr ist als eine Ballade – die Nummer klingt schön episch und wird durch allerlei symphonische Komponente aufgewertet. Der perfekte Rausschmeißer !

Fazit: Debüt-Alben sind immer etwas besonders, stellen sie doch nicht weniger als die erste markante Grundsteinlegung einer Band dar. Trotz dessen, dass sich solche Alben (gerade bei später ungleich erfolgreicheren Bands) einen Ehrenplatz verdient haben, ist qualitativ nicht immer von einem Durchbruch zu sprechen. Mal ist die Produktionsqualität (Mangel an Geld und Möglichkeiten) eher mau, mal das Instrumentenspiel noch nicht so meisterlich, mal der Leadsänger (noch) nicht auf der Höhe. Auch das hat etwas Gutes: im späteren Werdegang kann (und meistens: wird) die Band noch ordentlich nachlegen, und sich immer weiter steigern. Es gibt jedoch auch andere, eher seltene Fälle – solche, bei denen bereits das Debüt kaum oder keine Wünsche offen lässt, un abhängig davon ob noch weitere Alben folgten oder nicht. Neben INTO THE ENCHANTED CHAMBER von TIMELESS MIRACLE oder CONQUISTADOR von OLYMPOS MONS reiht sich nun auch DREAMTALE’s BEYOND REALITY in die diesbezügliche Bestenliste ein – zumindest wenn man vom Genre des Melodic Power Metal spricht und kein Problem mit regelrechten gute-Laune-Hymnen a’la FREEDOM CALL hat. Ganz mit der Debüt-Konkurrenz mithalten können DREAMTALE dann aber doch nicht, weshalb keine Höchstwertung vergeben wird. Kleinere Schwächen im Leadgesang und der Produktion bilden hier den Tropfen auf dem heißen Stein. Ein absolutes Muss !

Anspieltipps: MEMORIES OF TIME, HEART’S DESIRE, WHERE THE RAINBOW ENDS, DREAMLAND, CALL OF THE WILD

Vergleichsbands: STRATOVARIUS | FREEDOM CALL | SONATA ARCTICA

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„Ein überaus starkes, markantes Debütalbum“