Metal-CD-Review: DRAKKAR – Cold Winter’s Night (EP, 2018)

Alben-Titel: Cold Winter’s Night (EP)
Künstler / Band: Drakkar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. April 2018
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: My Kingdom Music

Alben-Lineup:

Dario Beretta – Guitars
Davide Dell’Orto – Vocals
Emanuele Laghi – Keyboards
Simone Pesenti Gritti – Bass
Daniele Ferru – Drums
Marco Rusconi – Guitars

Track-Liste:

1. Cold Winter’s Night (04:26)
2. Black Sails (04:48)
3. Leviathan Rising (Death from the Depths Part 1) (04:49)
4. Invincible (live) (04:31)

Neues Jahr, neues Glück – vielleicht ja auch für DRAKKAR ?

Man kann es nicht von jeder Band behaupten, in diesem Fall aber stimmt es: wer DRAKKAR nicht kennt, hat etwas verpasst. Und das selbst in Anbetracht der Tatsache(n), dass nicht alle Alben der schon seit 1995 aktiven Italiener Gold waren, die Band ab 2002 in einen längeren Winterschlaf verfiel – und das letztaktuelle Studiowerk RUN WITH THE WOLF (siehe Review) dezent mit den bis dato an den Tag gelegten Traditionen brach. Nun aber sind schon wieder gute drei Jahre vergangen – und DRAKKAR sind sowohl mit einem veränderten Lineup (2017 kamen drei neue Mitglieder) als auch mit einer neuen EP am Start. Zwar beinhaltet diese nur vier beziehungsweise drei (abzüglich der Live-Version) vollwertige neue Titel – und doch ist es spannend zu erfahren, was die einst mit Hymnen wie ERIDAN FALLS (vom Album GEMINI, siehe Review) so manche Hütte abreißenden Musiker da im Gepäck haben.

Unglücklicherweise aber erfolgt die relative Ernüchterung schnell – und das nicht nur, da sich DRAKKAR in Bezug auf die als Videosingle ausgekoppelte Halbballade COLD WINTER’S NIGHT, das etwas flottere BLACK SAILS sowie das grundsätzlich kräftige LEVIATHAN RISING niemals wirklich aus dem Vollen zu schöpfen scheinen. Nein, denn weitaus gravierender wirkt sich ein gänzlich anderes und so nicht unbedingt erwartetes Problem aus – das klar auf die Warte des allgemeinen DRAKKAR-Sounds zu beziehen ist. Zum einen, und das ist einfach nicht zu verhehlen; klingt die EP einfach nicht gut respektive sonderlich überzeugend. Seien es der ebenso schroffe wie merkwürdig gekünstelt klingende Sound der Gitarren, der kaum hörbare Bass oder die hie und da eingespielten Keyboard-Elemente im organischen Retro-Stil – in klanglicher Hinsicht wirklich rund und ausgegoren wirkt das hier präsentierte Material nicht.

Zum anderen, und auch das eines der größeren potentiellen Mankos; wirkt insbesondere der hiesige Frontmann Davide Dell’Orto relativ angestrengt. In Anbetracht seiner recht drucksigen, rauen und ungestümen Herangehensweise von einem akustischen Genuss zu sprechen, trifft es jedenfalls nicht wirklich. Anders gesagt: sollten DRAKKAR so auch auf einem möglicherweise demnächst kommenden Album agieren, könnte sich nach einer so sicher nicht gewollten hörerseitigen Anstrengung schnell Ernüchterung einstellen. Immerhin: zugute halten kann man den Italienern weiterhin, dass sie es nicht verlernt haben potentiell wirksame Songs zu schreiben. Mit ein wenig mehr Arbeit und Herzblut sollte also noch weitaus mehr drin sein… hoffentlich.

Absolute Anspieltipps: /


„Eine kurze und leider nicht ausreichend überzeugende EP.“

Metal-CD-Review: DRAKKAR – Run With The Wolf (2015)

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Alben-Titel: Run With The Wolf
Künstler / Band: Drakkar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. März 2015
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: My Kingdom Music

Alben-Lineup:

Dario Beretta – Guitars
Corrado Solarino – Keyboards
Davide Dell’Orto – Vocals
Simone Cappato – Bass

Track-Liste:

1. Rise of the Dark Lords (01:24)
2. Under the Banners of War (04:47)
3. Run with the Wolf (04:23)
4. Watcher on the Wall (04:31)
5. Ride the Storm (04:35)
6. Burning (04:50)
7. Southern Cross (04:09)
8. Gods of Thunder (05:13)
9. Invincible (04:33)
10. Call of the Dragonblood (07:01)

Wer ist hier der Wolf, und wer der Gejagte ?

DRAKKAR ist eine seit 1995 bestehende Power Metal-Combo aus Italien. Eine, die nach ihrer Blütezeit um die Jahrtausendwende plötzlich von der Bildfläche verschwunden war – und erst mit dem 2012’er Album WHEN LIGBHTNING STRIKES (Review) ein durchaus fulminantes Comeback feierte. Dieses Mal hat es glücklicherweise nicht ganz so lange gedauert, bis die Italiener wieder mit einem Album von sich hören ließen – RUN WITH THE WOLF heißt der neueste, 10 Titel starke Ableger in der Diskografie. Mit diesem Werk scheinen die Jungs sich und ihrem bisherigen Werdegang auch treu zu bleiben – die ganz große Überraschung fällt aus; dafür gibt es eine potentiell hochkarätige Mischung aus fetzig-schroffen Soundelementen a’la RAZORBLADE GOD und auch schon auf WHEN LIGHTNING STRIKES vertretenen Eindrücken einer gleichermaßen Hymnen-produzierenden wie das Genre an seiner Basis bedienenden italienischen Band. So werden nicht nur explizite Fans eines Power Metal der Marke Italy voll auf ihre Kosten kommen – sondern auch all jene, die sich seit jeher der europäischen Spielart im allgemeinen zugetan fühlten.

Dennoch ist etwas anders an und auf RUN WITH THE WOLF – vermutlich wäre hier hauptsächlich der Fakt zu nennen, das DRAKKAR etwas gemäßigter an Werk gehen. Das bedeutet in erster Linie, dass das Tempo eher gedrosselt erscheint – viele der auf dem Album enthaltenen Nummern präsentieren sich als kraftvolle Midtempo-Stampfer. Auch das gelingt den Italienern recht gut – zumal hier und da doch noch die nötigen Uptempo-Passagen eingebaut werden und das Ganze zusätzlich zu den ohnehin starken Riffs noch etwas Bumms bekommt. Ebenfalls neu, respektive so stark wie nie zuvor vertreten sind allerlei Keyboard-Elemente – die dem Ganzen einstweilen einen dezent Retro-lastigen Anstrich verpassen; wie etwa im Titeltrack RUN WITH THE WOLF. Im Gegensatz zum bärenstarken Vorgänger aber ist in diesem Fall nicht alles Gold, was glänzt – was doch etwas überraschend ist.

Beispielsweise wird der nun noch etwas schroffere Leadgesang von Davide Dell’Orto nicht jedermann zusagen. Im besten Fall könnte man ihn als markant, rau und kräftig bezeichnen; im schlimmsten als angestrengt und dezent nervig – zumal seine Performance mit nur wenigen Variationen ausgestattet ist. Immerhin bleibt es bei dem Vorteil, dass es sich eben nicht um einen typischen, klischeehaft agierenden Frontmann handelt. für Freunde einer etwas härteren Gangart respektive eines etwas aggressiveren gesanglichen Anstriches könnte DRAKKAR’s Frontmann daher genau das richtige sein – doch wer es eher melodisch oder auf eine wie-auch-immer geartete Weise emotional mag; der wird hier in die Röhre gucken. Ebenfalls nicht ganz so gut ausgefallen sind die einstweilen in den Ohrwurm-tauglichen Refrains anberaumten Chorgesänge – die erschreckend platt und nach einer Hinterhof-Laune klingen. Das konnten DRAKKAR schon wesentlich besser, selbst auf ihren früheren bzw. ersten Alben. Und auch Experimente wie das volkstümliche SOUTHERN CROSS wirken eher bemüht und fremdartig, als dass sie wirklich zünden.

RUN WITH THE WOLF wird damit vornehmlich Freunde einer etwas härteren Gangart des italienischen Power Metal zufriedenstellen – doch wer erwartet hier eine Fortsetzung zu WHEN LIGHTNING STRIKES serviert zu bekommen, könnte enttäuscht werden. Dafür wirkt das vorliegende Album einfach zu wenig variabel, zu wenig aussagekräftig und eventuell auch etwas zu beliebig. Da werden sich DRAKKAR in Zukunft etwas mehr einfallen lassen müssen, insbesondere wenn sie mit anderen direkten oder indirekten Konkurrenten wie DERDIAN mithalten wollen. Denn jene potentielle Vergleichscombo hat sich vor allem mit ihren letzten beiden Alben derart gemausert, dass RUN WITH THE WOLF dagegen nur wie ein laues Lüftchen wirkt und klingt.

Absolute Anspieltipps: UNDER THE BANNERS OF WAR, WATCHER ON THE WALL, BURNING


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„Trotz der aufgefahrenen metallischen Schlagkraft lässt dieses Release etwas vermissen.“

Metal-CD-Review: DRAKKAR – Classified (EP, 2007)

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Alben-Titel: Classified
Künstler / Band: Drakkar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: März 2007
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Magic Mushrooms

Alben-Lineup:

Dario Beretta – Guitars
Corrado Solarino – Keyboards
Davide Dell’Orto – Vocals
Simone Cappato – Bass
Giulio Capone – Drums

Track-Liste:

1. Killer Elite – (03:59)
2. Nights in the City of Vice (05:01)
3. A Sacrifice of Angels (04:44)
4. The Scarlet Legacy of Speed (04:28)

DRAKKAR’S Ausflug in ungewohnte Gefilde.

DRAKKAR ist eine gar nicht mal so bekannte und deswegen häufig zu Unrecht unterschätze Power Metal-Formation aus Italien. Eine, die bereits seit 1995 unterwegs ist; ihre eigentliche Blütezeit aber erst in den Jahren um die Jahrtausendwende herum hatte. In dieser Zeit entstanden auch die ersten drei mehr als soliden Alben der Band, QUEST FOR GLORY (Review), GEMINI (Review) und RAZORBLADE GOD (Review). Danach, beziehungsweise nach dem Jahre 2002 wurde es dann plötzlich still um die Combo – und das, obwohl mit Davide Dell’Orto erst kurz zuvor ein neuer und ambitionierter Leadsänger verpflichtet wurde. Und so sollten weitere 5 Jahre vergehen, bis plötzlich CLASSIFIED erschien – eine EP, die mit Ach und Krach als solche bezeichnen könnte; beläuft sich ihre Spielzeit auf gerade einmal 18 Minuten.

Doch das ist nicht das einzig verwunderliche an dieser aus dem Rahmen fallenden Veröffentlichung – auch die eingeschlagene Marschrichtung hinsichtlich der Spielart ist in diesem Fall eine etwas andere. Eine, die man so nicht unbedingt von DRAKKAR hat erwarten können, erst Recht nicht nach den drei doch recht gradlinigen und kräftigen Power Metal-Releases aus den Jahren zuvor. Man könnte oder sollte den Titel CLASSIFIED also vielleicht tatsächlich wortwörtlich nehmen – und das hier angebotene Material als solches einstufen, das unter anderen Umständen niemals das Licht der Welt erblickt hätte. So ist es auch entsprechend ungewohnt dieser bis dato unbekannten; eher groovig-rockigen und zumindest gefühlt direkt den 80ern entsprungenen Seite von DRAKKAR zu lauschen – wobei insbesondere der mit Synthie-Klängen unterlegte Opener KILLER ELITE einige Zeit braucht um zu zünden. Immerhin: zumindest das flotte Tempo und der reine Klang der Riffs lassen keinen Zweifel zu, dass es sich hier zweifelsfrei um DRAKKAR handelt.

Während der Folgetrack NIGHTS IN THE CITY OF VICE diese Ambitionen nur noch weiter unterstützt, und sich als feucht-fröhlicher Midtempo-Stampfer im besten 80er-Jahre-Gewans präsentiert (und dabei eigentlich im Bereich des AOR zuhause ist) geht es mit A SACRIFICE OF ANGELS und speziell THE SCARLET LEGACY OF SPEED schon wieder etwas kräftiger zu. Interessant ist, dass vor allem der letztgenannte Rausschmeißer unweigerlich an die Anfangszeiten einer Band wie BLIND GUARDIAN erinnert – und entsprechend rau und schmackig dargeboten wird. Neu ist das Ganze also nicht, aber immerhin anständig präsentiert.

Die CLASSIFIED-EP ist damit problemlos eines der kurioseren Releases in der nicht immer gradlinigen Diskografie von DRAKKAR. Und auch wenn sie nicht als besonders gehaltvoll eingestuft werden kann; so füllt sie doch die ewige Lücken zwischen RAZORBLADE GOD aus dem Jahre 2002 und der fulminanten Band-Rückkehr in From von LIGHTNING STRIKES (2012, Review). Fans der Band, die Wert auf Vollständigkeit legen kann sie also getrost ans Herz gelegt werden – alle anderen dürfte dieses kurze musikalische Zwischenspiel eher kalt lassen; trotz der recht lockeren und spielerischen Auslotung verschiedener Genres.

Absolute Anspieltipps: KILLER ELITE, A SACRIFICE OF ANGELS, THE SCARLET LEGACY OF SPEED


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„Eine spannende, aber viel zu kurze und zusammenhanglose EP einer zweifelsohne talentierten Band.““

Metal-CD-Review: DRAKKAR – Razorblade God (2002)

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Alben-Titel: Razorblade God
Künstler / Band: Drakkar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: April 2002
Land: Italien
Stil / Genre: Heavy Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Dario Beretta – Guitars
Corrado Solarino – Keyboards
Davide Dell’Orto – Vocals
Christian Fiorani – Drums
Daniele Persoglio – Bass

Track-Liste:

1. Razorblade God (05:23)
2. Man and Machine (04:36)
3. To the Future (04:49)
4. Inferno (04:55)
5. The Matrix (05:18)
6. Galadriel‘ Song (04:22)
7. Lo Shan Shen Long Pa (05:05)
8. The Next Generation (05:08)
9. Witches‘ Dance (05:56)
10. Kingdom of Madness (Magnum cover) (06:09)

Die Verpackung ist noch lange kein Hinweis auf den Inhalt. Oder… ?

Wahrlich, mit dem Cover-Artwork zu RAZORBLADE GOD werden die italienischen Power Metaller von DRAKKAR definitiv keinen Blumentopf gewinnen. Doch es sollte bekanntlich eher um das gehen, was drin ist – und das ist in erster Linie ein Sound, der sich im Vergleich zum direkten Vorgängeralbum GEMINI (Review) weiterentwickelt; oder zumindest hörbar verändert hat. Das wiederum liegt vor allem an einem einschneidenden Besetzungswechsel, denn: für den ehemaligen Leadsänger Luca Cappellari kam Davide Dell’Orto, der so ziemlich das absolute Gegenteil von dem darstellt was sein Vorgänger verkörperte. Das waren vor allem Genre-typische Gesänge in den höchsten Lagen, endlose Power Screams – und auch mal so manch wackelige Darbietung in etwaigen ruhigeren Momenten. All das waren Elemente die zweifelsohne nicht jedermann zugesagt; aber immerhin maßgeblich zum bisherigen Gesamtbild der Band im qualitativ oberen Mittelfeld beigetragen haben.

Nun aber sieht es etwas anders aus: Davide Dell’Orto hat eine wesentliche tiefere, rauere und wenn man so will auch männlichere Stimme – was an und für sich gut ist und dem neuen DRAKKAR-Sound eine schön geerdete Note verpasst. Doch scheint es, als würde auch er noch nicht so (stil-)sicher vorgehen wie er es vermutlich könnte – bereits der Opener und Titeltrack RAZORBLADE GOD ist ein gutes Beispiel dafür. Während im Refrain alles stimmt (auch, da es erfrischend klingt einmal einen tieferen Leadsänger von einem mehrstimmigen Gesang begleitet zu wissen) sieht es in den Strophen eher düster aus – er scheint die einzelnen Noten geradezu aus sich herauszupressen, was eher nach einer merkwürdigen Form der Anstrengung als nach einer sicheren Gesangsleistung klingt. Das ist auch der Fall, wenn er sich (seltenerweise) einmal in höhere Lagen vorwagt – dann wirkt das Ganze noch gezwungener. Glücklicherweise gilt das nicht unbedingt für das gesamte Album – sodass auch er durchaus seine glanzvollen Momente hat.

Analog zum nun merklich raueren Leadgesang hat man auch hinsichtlich des Riffings und des allgemeinen Gitarrensounds angezogen – dieser klingt nun ebenfalls etwas schroffer, hie und da schon fast trashig angehaucht (wie in TO THE FUTURE) – dem gegenüber steht allerdings noch immer das schon zuvor immer wieder gerne verwendete Keyboard. Das Ergebnis ist eine interessante Symbiose aus härteren und das Ganze dezent auflockernden Elementen, die größtenteils aufgeht und es schwierig macht das Album nur noch in einzelne Genre-Schublade zu stecken. Sicher fungiert das Ganze noch immer unter dem Oberbegriff des Power Metal – doch dieses Mal führen das härtere Soundgewand, die lose Orientierung an der Metal-Szene der 80er-Jahre und ein teils progressiver Anspruch DARKKAR eher hin zum Sound der NWOBHM.

Besonders gut funktioniert der neue Ansatz immer dann, wenn noch einige der typischen alten DRAKKAR-Soundelemente durchklingen – und man dem Hörer beispielsweise einige besonders schmackig-eingängige Refrains wie in RAZORBLADE GOD, MAN AND THE MACHINE oder TO THE FUTURE präsentiert. Bleiben derlei Elemente vollständig aus, wie beispielsweise in INFERNO (das stark auf das Keyboard setzt) oder THE MATRIX, fällt die Gewöhnung schon wesentlich schwerer – auch, da hier etwaige Abmischungs-Faktoren nicht vollständig ausgereift erscheinen. Überhaupt wirkt das Album nicht sonderlich gut produziert – insgesamt klingt das Ergebnis etwas zu sauber und glattgeschliffen, während der Gesang offenbar hier und da mit gewissen Effekten versehen wurde beziehungsweise schlicht nicht immer natürlich klingt.

Etwas überraschend kommt dann eine Nummer wie GALADRIEL‘ SONG daher – die mit ihrem rein akustischen und fantastischen Anspruch nicht so recht zu diesem Album, beziehungsweise dieser Titel-Position im Mittelfeld passen will. Dennoch handelt es sich um eine vergleichsweise starke Ballade mit Tiefgang – auch wenn der Leadgesang auch hier nicht das gelbe vom Ei ist. Der nächste interessante Kandidat ist dann THE NEXT GENERATION – der einerseits eine typisch voranpreschende Power Metal-Nummer ist, andererseits aber einige interessante instrumentale Komponente ins Feld führt. Auch WITCHES DANCE mit seinem furiosen Bass-Auftakt, seinen verzierenden Keyboard-Elementen und seiner ganz speziellen Rhythmik lassen einen schnell aufhorchen – DRAKKAR gehen auf RAZORBLADE GOD wesentlich mutiger vor als noch zuvor, und sorgen so für allerlei frische, wenn nicht gar noch nie dagewesene Soundeindrücke. Doch sind die Überraschungen erst mit dem Rausschmeißer KINGDOM OF MADNESS vorüber – hier präsentiert sich die Band einmal mehr in einem Soundgewand, welches man nicht unbedingt von ihr erwartet hätte. Das Ergebnis klingt aber dennoch verdächtig gut – wohl auch, da es an alte Glanzzeiten des (Heavy) Metals erinnert und vielleicht als eine Art Reminiszenz gesehen werden kann.

Schlussendlich: DRAKKAR sind auf ihrem RAZORBLADE GOD eigentlich kaum wiederzuerkennen – ob das gut oder schlecht ist, muss ein jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass das neue Soundgewand der Band interessant ist und sich zu entdecken lohnt – und das Album vor allem im Mittelteil noch einmal ordentlich anzieht. Vorbei sind die Zeiten des typisch-hymnischen, italienischen Bombast-Power-Metals – DRAKKAR geben sich hier so experimentierfreudig und vielseitig wie noch nie zuvor, und durchbrechen damit so manch gedachte Genre-Grenze. Wenn nun noch die Produktion etwas stimmiger ausfällt, sich Sänger Davide Dell’Orto noch ein wenig mehr ins zeug legt (oder gerade nicht, sodass mehr Lockerheit in seine Darbietung kommt) – dann steht einer glorreichen Zukunft von DRAKKAR nichts mehr im Wege.

Absolute Anspieltipps: MAN AND THE MACHINE, TO THE FUTURE, GALADRIEL‘ SONG, THE NEXT GENERATION


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„Nicht perfekt, aber merklich anders und vor allem härter als die Vorgänger – und somit enorm erfrischend.“

Metal-CD-Review: DRAKKAR – Gemini (2000)

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Alben-Titel: Gemini
Künstler / Band: Drakkar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: März 2000
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Luca Cappellari – Vocals
Eleonora Ceretti – Keyboards
Alessandro Ferraris – Bass
Christian Fiorani – Drums
Dario Beretta – Guitars

Track-Liste:

1. Beginning (intro) (01:34)
2. Eridan Falls (05:49)
3. Pure of Heart (04:30)
4. Soldiers of Death (06:09)
5. The Climb (05:29)
6. The Voice of the Wind (06:39)
7. Dragonship (05:13)
8. The Secret (05:19)
9. Until The End (10:57)
10. Death of Slayn (01:12)
11. The Price of Victory (04:37)

Die ‚Quest‘ hat ein Ende – DRAKKAR sind angekommen.

GEMINI ist das zweite offizielle Studioalbum der italienischen Power Metal-Formation DRAKKAR – die erst kurz zuvor mit ihrem Debütwerk QUEST FOR GLORY (Review) für Aufsehen gesorgt hatte. Nun also würde sich zeigen, ob die Band über ausreichend Ideen verfügt um mit der aufstrebenden italienischen Konkurrenz (auch der Label-internen, siehe z.B. DOMINE) mithalten können. Das Ergebnis ist dabei nicht wirklich überraschend; was vermutlich bereits ein Blick auf das herrlich kitschige Artwork des Albums aufzeigt – doch zeigt sich, dass sich DRAKKAR im Vergleich zu ihrem Vorgänger durchaus weiterentwickelt haben. Ob zum guten oder schlechten; daran werden sich indes die Geister scheiden.

Aber: wo sich zuvor die besonders markanten Stärken und Schwächen der Band oftmals gegeneinander ausgespielt haben, präsentiert sich nun – und immerhin – ein etwas stimmigeres und vor allem auch stilsicheres Ganzes. Selbst der Leadsänger Luca Cappellari scheint noch einmal an sich gearbeitet zu haben, und präsentiert sich nun ein stückweit treffsicherer – auch wenn er sich noch immer in schwindelerregende Höhen vorwagt und das Album so beinahe automatisch zu einem Problemkind für all jene macht, die allgemein weniger mit einem Power Metal der typisch italienischen Spielart anfangen können.

Doch gibt es noch immer ausreichend interessierte, dich sich nur allzu gern von einem leicht kitschigen, in vielerlei Hinsicht typischen Sound wie dem von DRAKKAR mitreißen lassen – und warum das so ist oder sein könnte, zeigt bereits der Opener ERIDAN FALLS auf. Der folgt gleich nach dem eher zu vernachlässigenden, da viel zu künstlich klingenden symphonischen Intro – und ist eine Power Metal-Hymne, wie sie im Buche steht. Sicher geht es rein textlich nicht allzu anspruchsvoll zu – doch die geballte Kraft der Instrumentierung und der kongeniale Refrain werden dafür sorgen; dass niemand still auf seinem Sitzplatz verharren wird. Ganz anders sieht es dagegen mit einer Nummer wie PURE OF HEART aus – die aufzeigt, dass die Musik von DRAKKAR noch immer mittelschweren Qualitätsschwankungen ausgesetzt ist. Denn wann immer es etwas langsamer, ruhiger und vielleicht auch balladesker zugeht machen sie sich wieder bemerkbar, die schon auf dem Debüt vorhanden Schwächen – die sich vor allem im Leadgesang niederschlagen. Der wird in solchen Fällen eben nicht mehr von einer bombastischen Soundkulisse aufgefangen, sondern steht an vorderster Front – was sich eher nachteilig auswirkt.

Glücklicherweise aber besteht GEMINI vor allem aus regelrechten Haudrauf-Nummern mit einem stark nach vorn preschenden Anspruch. Seien es das von einer kurzen Akustik-Passage eingeleitete THE VOICE OF THE WIND, das mächtige DRAGONHSIP oder das kleine Epos UNTIL THE END – DRAKKAR geben sich hier stets schön stampfend und mit einem Fokus auf ihre Stärken, die klar im Bereich des Drummings und der Gitarren liegen. Keyboard-technisch geht es dieses Mal schon wesentlich bunter zu als noch auf dem Debüt – was man mit gemischten Gefühlen betrachten wird. Zwar werden die hier und da eingeworfenen Elemente die allgemeine Soundkulisse auf, doch oftmals klingen sie einfach nicht gut – das heißt viel zu plump oder künstlich, wie eben auch des öfteren in UNTIL THE END.

DRAKKAR haben sich mit ihrem GEMINI aber durchaus weiterentwickelt – was sich vor allem in der Tatsache widerspiegelt; dass ihnen wesentlich schmackigere, Genre-Fans direkt ansprechende Nummern mit einer erhöhten Hymnen-Tauglichkeit gelungen sind. Allein das starke ERIDAN FALLS steht hier stellvertretend für den kämpferischen Anspruch des Albums. Doch hinsichtlich der offensichtlichen Schwächen der Band hat sich nicht allzu viel getan: der Leadgesang erweist sich nach wie vor als das störendste Element, und einen wie auch immer gearteten Originalitäts-Faktor muss man mit der Lupe suchen.

Absolute Anspieltipps: ERDIDAN FALLS, SOLDIERS OF DEATH, THE VOICE OF THE WIND


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„Kitschiger als das Debüt – aber trotz offensichtlicher Schwächen immer wieder beeindruckend.“