Metal-CD-Review: DRAGONHARP – Let The Dragon Fly (EP, 2016)

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Alben-Titel: Let The Dragon Fly (EP)
Künstler / Band: Dragonharp (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Juni 2016
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Roberto Como – Bass
Andrea Lentini – Drums
Paolo Albergoni – Guitars
Rossana Monico – Harp
Nicole Maselli – Vocals

Track-Liste:

1. Intro (Stormborn) (01:54)
2. Queen of Dragons (04:44)
3. Ironfield (03:43)
4. El Cid (04:16)
5. Let the Dragon Fly (04:26)
6. Eternal Moon (06:16)

Was sind schon Klischees, wenn du DRACHEN haben kannst.

Auf die Frage, ob es wirklich noch weitere Power Metal-Bands mit einem DRAGON im Bandnamen braucht; ist man wohl eher geneigt mit einem klaren nein zu antworten. Dass sich die Italiener von DRAGONHARP dennoch nicht davon abschrecken ließen, liegt auf der Hand. Etwas merkwürdig scheint, dass die Band schon im Jahre 2011 gegründet wurde; aber erst jetzt eine erste EP auf den Markt bringt – wobei die guten alten Drachen auch hier zugeschlagen haben. Das gute Stück horcht auf den Namen LET THE DRAGON FLY, und deutet im besten Fall einen ganz und gar fulminanten Kraftausbruch an. Einen solchen; der nach einer derart langen Vorlaufzeit, etwaigen kreativen Denkprozessen und der frischen Verpflichtung einer neuen Leadsängerin im Jahre 2015 doch wohl auch genau so zu erwarten ist.

Tatsächlich scheint aber das genaue Gegenteil eingetreten zu sein – zumindest, wenn man es vorsichtig formulieren wollte und geneigt ist; der Band trotz allem eine Chance zu geben. Immerhin, einen triftigen Grund könnte es dafür sogar geben: die hiesige Leadsängerin Nicole Maselli macht schließlich einen sehr guten Job. In ihrer Stimmfarbe erinnert sie ein wenig an die MORNINGSTARLETT-Frontfrau Ann Marie Nacchio – was sie zu einer interessanten Kandidatin für all jene macht, die mit typischen weiblichen Power Metal-Sängerinnen weniger anfangen können. Ausdrucksstark, und weitestgehend akzentfrei klingt sie in jedem Fall, sodass DRAGONHARP mit ihr durchaus die richtige Wahl getroffen haben.

Wäre das auch in allen anderen Bereichen so, könnte man dieses Review auch schon an dieser Stelle schließen und eine unbedingte Empfehlung aussprechen. Eben das wäre aber geradezu fatal – besitzen DRAGONHARP doch relativ viel von all dem, was man sich als geneigter Genre-Enthusiast nicht wünscht. Oder zumindest nicht mehr wünscht, denn Klänge wie die auf LET THE DRAGON FLY dargebotenen hat man so schon zigmal gehört. Die Texte sind relativ belanglos, die instrumentalen Kompositionen sind Highlight-arm und klingen dezent ausgenudelt; die Produktionsqualität sowie der Soundeindruck im gesamten sind gelinde gesagt bescheiden. Selbst das große Versprechen der eingesetzten Harfe als potentielle Besonderheit geht völlig in Luft; oder eher merkwürdigem Geklimper auf. Anders gesagt: wer schon von RHAPSODY behauptete, dass die eingesetzten klassischen Elemente ein wenig zu künstlich oder zu sehr nach Konserve klingen; wird hier völlig verzweifeln.

Am gravierendsten aber bleiben die unzähligen sich direkt anbietenden Parallelen zu anderen Bands – die es zumeist auch noch wesentlich besser machen als DRAGONHARP. In Bezug auf den Leadgesang gibt es mit den bereist erwähnten MORNINGSTARLETT sogar ein geradezu frappierendes Beispiel – dass das (übrigens sehr gute, sie Review) Debütalbum der Amerikaner dann auch noch Titel namens MOTHER OF DRAGONS beinhaltete, kann einfach kein Zufall mehr sein. Oder doch – aber dann wäre es ein eher unglücklicher, zumindest für DRAGONHARP. Neben RHAPSODY (in einer klanglich extrem nüchternen Version) sowie LUCA TURILLI (man beachte die Rhythmik der italienischen Textpassagen des Openers QUEEN OF DRAGONS) gilt es weiterhin speziell, SKYLARK zwecks eines Vergleiches zu Rate zu ziehen.

Tatsächlich klingen DRAGONHARP teils enorm stark nach eben jenen italienischen Landeskollegen – wobei sich nun beide dieselben Schwächen teilen. Die Metal-Elemente klingen viel zu hintergründig, generisch und eher lieblos dargeboten; die Soundqualität ist nicht optimal, es gibt Kitsch und austauschbares überall und allüberall. Dass hier und da mal ein gelungener Riff durchblitzt, ein einzelner Refrain punkten kann oder der Leadgesang wieder ein klein wenig wettmacht, reicht einfach nicht aus.

Absolute Anspieltipps: LET THE DRAGON FLY


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„Der Leadgesang ist mehr als passabel, der Rest leider viel zu generisch und verwechselbar.“