Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Reaching Into Infinity (2017)

Alben-Titel: Reaching Into Infinity
Künstler / Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. Mai 2017
Land: Großbritannien
Stil / Genre: Power Metal
Label: earMUSIC

Alben-Lineup:

Herman Li – Guitars
Sam Totman – Guitars
Vadim Pruzhanov – Keyboards
Frédéric Leclercq – Bass
Marc Hudson – Vocals
Gee Anzalone – Drums

Track-Liste:

1. Reaching into Infinity (01:25)
2. Ashes of the Dawn (04:33)
3. Judgement Day (06:13)
4. Astral Empire (05:24)
5. Curse of Darkness (05:35)
6. Silence (04:50)
7. Midnight Madness (06:21)
8. War! (05:19)
9. Land of Shattered Dreams (04:59)
10. The Edge of the World (11:03)
11. Our Final Stand (05:04)

Die Unendlichkeit ist zum Greifen nah.

Auch wenn man noch nicht genau weiß wie hochkarätig genau er letztendlich ausfallen wird – spannend ist der Metal-Monat Mai 2017 allemal. Nach einigen überraschend guten Neuerscheinungen wie etwa der OLD KINGS VISIONS-EP von VHÄLDEMAR (siehe Review) und dem wahrscheinlich besten bisherigen KALEDON-Album CARNAGUS: EMPEROR OF THE DARKNESS (Review) werden sich schließlich auch noch die Kollegen von RHAPSODY OF FIRE, ALESTORM und A HERO FOR THE WORLD zurückmelden. Mindestens eine weitere Band gibt es dann aber doch noch, die relativ markant aus der Aufstellung der Veröffentlichungen heraussticht – und das nicht nur, da sie zu den bekannteren und vielleicht auch umstritteneren gehört. In der Tat: die Briten von DRAGONFORCE sind zurück, und haben mit dem mächtig betitelten REACHING INTO INFINITY ihr mittlerweile siebtes Studioalbum im Gepäck.

Und wie es eben so ist, bleibt auch dieses Mal vieles beim alten. Oder besser gesagt: DRAGONFORCE setzen weiterhin auf ihre vor langer Zeit etablierten Trademarks, und verändern nur wenig an ihrem unverkennbaren Stil. Immerhin: eingeschworene Fans der Combo werden ihnen gerade das hoch anrechnen. Glücklicherweise aber erscheint die allgemeine DRAGONFORCE-Faszination nun auch aus einer etwas distanzierteren Sicht heraus greifbarer – zumindest greifbarer als im Vergleich zum 2014 erschienenen, etwas müden Vorgänger MAXIMUM OVERLOAD (Review). Mit REACHING INTO INFINITY indes holen DRAGONFORCE noch einmal zu einem allemal respektablen Rundumschlag aus – und überzeugen dabei vor allem mit einer allgemein höheren Durchschlagskraft und einem wirkungsvolleren Songwriting.

Selbiges scheint wohl auch gerade deshalb aufgegangen zu sein, da DRAGONFORCE ihrem jeweiligen Alben-Titel eigentlich so gut wie immer gerecht werden. Anders gesagt: wo INHUMAN RAMPAGE drauf steht ist auch INHUMAN RAMPAGE drin, wenn Begriffe wie MAXIMUM oder ULTRA fallen verhält es sich ganz ähnlich. Dazu kann man stehen wie man möchte, doch im Falle von REACHING FOR INFINITY kann sich dieses Rezept eigentlich nur positiv auswirken. Und tatsächlich: streckenweise ist es DRAGONFORCE gelungen, ihren Titeln wieder etwas mehr Melodie zu verleihen und vielleicht auch mit einer gewissen Eleganz auszustatten. Einer nach wie vor recht technischen, im schlimmsten Fall als klinisch zu bezeichnenden – doch das sollte die wenigsten stören. Denn: wer bisher noch keinen Gefallen an der Musik der Engländer gefunden hat, der wird wohl auch nicht mit REACHING INTO INFINITY bekehrt werden.

In jedem Fall ist es erfrischend zu sehen, dass es DRAGONFORCE dieses Mal nicht ganz so vehement darauf anlegen, ihre Nummern mit etwaigen absichtlich überakzentuierten Elementen zuzupflastern und sogar waschechte Verschnaufpausen – wie etwa das für die Band verhältnismäßig ruhige SILENCE – einstreuen. Doch natürlich gehören markante Temposchübe nach wie vor zum unbedingten Repertoire der Engländer – was im Falle von REACHING INTO INFINITY oftmals exakt so erwartete, aber auch mal überraschend wirksame Konsequenzen nach sich zieht. Uptempo-Nummern vom Schlage eines ASTRAL EMPIRE oder LAND OF SHATTERED DREAMS etwa können problemlos als typische DRAGONFIRCE-Nummern bezeichnet werden, während man es in WAR! etwas aggressiver angehen lässt – sich aber ebenfalls nicht allzu weit von ursprünglichen Konzept entfernt.

Positiv hervorstechend sind dann aber ausgerechnet jene Nummern, die für DRAGONFORCE ebenfalls alles andere als neu sind – dafür aber eine ungeahnte Kraft entwickeln. Vornehmlich wären hier das mit einigen sicher nicht jedermann gefallenden Spielereien ausgestattete JUDGEMENT DAY, oder aber das ganz ähnlich gehaltene MIDNIGHT MADNESS zu nennen. Beiden Titeln gemein ist dabei nicht nur das hohe Tempo und die relative Hymnen-Tauglichkeit – auch im kleineren, das heißt etwa in Bezug auf die hervorragenden Hintergrundchöre; stimmt hier vieles. Spannend wird es auch in Nummern wie CURSE OF DARKNESS, in der ein etwas ausgewogeneres Tempo vorlegt wird. Das 11-minütigen Opus THE EDGE OF THE WORLD indes löst höchst gemischte Gefühle aus. Einerseits erscheint es sinnig, dass DRAGONFORCE bestrebt sind nicht allzu einseitig zu klingen. Anderseits aber sorgt die Vermengung von harmlos-balladesken, trashig angehauchten und sogar dem Death Metal zuzuordnenden Elementen für einen etwas unstimmigen Gesamteindruck – sodass DRAGONFORCE solche Experimente vielleicht doch eher anderen Bands überlassen sollten.

Schlussendlich: mit REACHING FOR INFINITY haben DRAGONFORCE vieles richtig gemacht. Die vertreten Nummern sind insgesamt wieder deutlich vielschichtiger und abwechslungsreicher, haben damit auch einen höheren Wiedererkennungswert – und lassen vor allem in Bezug auf die erbrachten handwerklichen Leistungen keine Wünsche offen. Somit bleibt es eigentlich nur noch abzuwägen, ob man den Ambitionen von DRAGONFORCE generell eine Chance geben möchte – oder sich doch lieber einer eher klassischen Auslegung des Genres widmen möchte. Alternativen gibt es bekanntlich genug.

Absolute Anspieltipps: ASHES OF THE DAWN, JUDGEMENT DAY, MIDNIGHT MADNESS


„Ein handwerklich überzeugendes, höchst unterhaltsames DRAGONFORCE-Album.“

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Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Ultra Beatdown (2008)

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Alben-Titel: Ultra Beatdown
Künstler / Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. August 2008
Land: England
Stil / Genre: Power Metal
Label: Spinefarm Records

Alben-Lineup:

ZP Theart – Vocals
Dave Mackintosh – Drums, Vocals (backing)
Frédéric Leclercq – Bass, Guitars (rhythm) (additional), Guitars (acoustic), Vocals (backing)
Vadim Pruzhanov – Kaoss Pad, Keyboards, Piano, Theremin, Vocals (backing)
Sam Totman – Guitars (rhythm), Vocals (backing)
Herman Li – Guitars (lead), Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Heroes of Our Time (07:14)
2. The Fire Still Burns (07:50)
3. Reasons to Live (06:26)
4. Heartbreak Armageddon (07:41)
5. The Last Journey Home (08:12)
6. A Flame for Freedom (05:20)
7. Inside the Winter Storm (08:12)
8. The Warrior Inside (07:15)

Es ist wahr – man kann sie wieder hören… !

Nachdem die durchaus umstrittene Londoner Power Metal-Institution DRAGONFORCE mit dem dritten Studioalbum INHUMAN RAMPAGE (Link zum Review) eher einen gehörigen Schritt nach hinten machte, schien man mit dem knapp 2 Jahre später erschienenen ULTRA BEATDOWN plötzlich wieder in die richtige Richtung zu marschieren. Und das trotz des etwas… merkwürdigen Artworks (das immerhin einen dezenten Hinweis auf den etablierten Videospiel-Sound und die GUITAR HERO-Mania liefert) und einer Ansammlungen von Nummern, die hinsichtlich ihrer Titelgebung und der jeweils ausufernden Spieldauer genauso gut dem mauen und viel zu gleichförmigen Vorgänger hätten entsprungen sein können. Das dennoch ein markanter Unterschied vorhanden ist, bemerkt man erst wenn man sich einmal durch die Titel arbeitet – was schon wesentlich mehr Spaß macht als beim Vorgänger, und nicht von ungefähr an den bisherigen Höhepunkt der Band, SONIC FIRESTORM erinnert.

Tatsächlich wirkt ULTRA BEATDOWN nicht nur wesentlich strukturierter und differenzierter als INHUMAN RAMPAGE – auch setzt man in diesem Fall nicht mehr ausschließlich auf den Faktor der Geschwindigkeit als mitunter einzigen Garant für das Funktionieren der Titel. Das ist angenehm, und lässt einen genaueren Blick auf die restlichen Komponente der Musik zu – die nun ebenfalls wesentlich gehaltvoller und um ein vielfaches abwechslungsreicher erscheinen. Analog dazu kommen auch die berühmt-berüchtigten DRAGONFORCE-Soli und die schier orgiastischen Frickeleien an den Gitarren etwas kürzer – was gut ist, da man sich stattdessen auf allerlei andere Elemente besonnen hat und sich ULTRA BEATDOWN völlig ohne Kopfschmerzgefahr verköstigen lässt.

Somit wird vor allem eines auffallen, zumindest nach dem Genuss des noch typisch voranpreschenden, hymnischen Openers HEROES OF OUR TIME: DRAGONFORCE können sich und ihren Sound durchaus auch variabel inszenieren. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich das Tempo kontinuierlich auf dem schnellsten aller erdenklichen Levels bewegte und man keinerlei Ruhepausen einplante – ULTRA BEATDOWN spielt mit verschiedenen Tempi und Stimmungen, und wird gerade so zu einem kleinen musikalischen Abenteuer das es sich zu entdecken lohnt. Gerade die vielen Instrumentalstrecken, die viele neue Elemente einstreuen und das allgemeine Klangbild der Band deutlich reichhaltiger erscheinen lassen (siehe z.B. THE LAST JOURNEY HOME) gleichen einem kleinen Geniestreich – zwar nicht auf höchstem Niveau, aber immerhin. Die Folge: wieder einmal sieht man, wie einfach man einen einst etwas salopp geratenen Bandsound wieder etwas anspruchsvoller gestalten kann, sind nur ausreichend kreative Ansätze vorhanden. Passig erscheint, dass man dieses Mal auch keinen Hehl aus der relativen Nähe zur Videospiel-Szene machte und man hinsichtlich des allgemeinen Spaßfaktors deutlich angezogenen hat – was sich vor allem in den nun weitaus mehr Raum einnehmenden Keyboard-Elementen bemerkbar macht; aber auch in der generellen Stimmung des Albums.

Zwar konnte man der Musik von DRAGONFORCE schon immer eine gewisse, man nenne sie beflügelnde Wirkung nachsagen – doch die Tatsache, dass sich die Band dessen nun wahrlich nicht mehr schämt und den feucht-fröhlichen Faktor ihres kunterbunten Power Metal-Repertoires sogar noch einmal erhöht; macht die Sache zusätzlich interessant. Denn: warum sollte Musik nicht eine positive, die Laune aufhellende Wirkung haben dürfen ? Sicher wird nicht jeder so denken, doch nicht zuletzt Bands wie FREEDOM CALL zeigen auf, dass ein solches Konzept durchaus funktionieren kann und nicht zu Lasten der eigentlichen Qualität des Materials gehen muss – oder zumindest nur selten. ULTRA BEATDOWN jedenfalls hat weniger klar erkennbare Schwächen als der Vorgänger oder sogar das Debütalbum: dass sich einzelne Sound-Elemente oder ganze Refrains zu wiederholen drohen, dass man von der allgemeinen Gitarren-Frickelei erschlagen und auch mal viele Minuten am Stück auf eine Geduldsprobe gestellt wird, dass die Songtexte keine allzu große Relevanz haben – diese Gefühle bleiben beim vierten Werk aus der DRAGONFORCE-Schmiede weitestgehend aus.

Gerade nach einer regelrechten Enttäuschung wie INHUMAN RAMPAGE wirkt ULTRA BEATDOWN also durchaus wie eine kleine Offenbarung – geben sich DRAGONFORCE hier so kraftvoll, melodisch und auch kreativ wie noch nie zuvor. Alle potentiell nervigen, allzu exzessiv ausgelebten musikalischen Faktoren wie die endlosen, zu nichts führenden Soli gehören der Vergangenheit an – wie auch die kontinuierlich angezogene Geschwindigkeit.  ULTRA BEATDOWN bietet so viele musikalische Verschnaufpausen wie kein anderen DRAGONFORCE-Album – und erlaubt es somit erst recht, all das zu entdecken was die Band abseits der Geschwindigkeitsorgien noch zu bieten hat. Und das ist bekanntlich einiges – sofern man dem Power Metal-Genre allgemein zugetan ist und ohne große Vorurteile an die Sache herangeht. Aber keine Angst: die Soli, für die die Band berühmt und berüchtigt geworden ist, kommen auch auf diesem Album vor – nur sind sie wesentlich besser portioniert und schlicht hörbarer als das kurzlebige Geschredde a’la IMHUMAN RAMPAGE. ULTRA BEATDOWN ist ein durchaus überraschendes Album, auch oder gerade für DRAGONFORCE-Fans – da es vermutlich den bisherigen Höhepunkt der Band markiert.

Absolute Anspieltipps: Alle


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„Das vielleicht beste DRAGONFORCE-Album bis 2008.“

Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Inhuman Rampage (2006)

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Alben-Titel: Inhuman Rampage
Künstler / Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 9. Januar 2006
Land: England
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Herman Li – Guitars, Vocals (backing)
Dave Mackintosh – Drums, Vocals (backing)
Vadim Pruzhanov – Keyboards, Piano, Vocals (backing)
ZP Theart – Vocals
Sam Totman – Guitars, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Through the Fire and Flames (07:24)
2. Revolution Deathsquad (07:52)
3. Storming the Burning Fields (05:19)
4. Operation Ground and Pound (07:44)
5. Body Breakdown (06:58)
6. Cry for Eternity (08:12)
7. The Flame of Youth (06:41)
8. Trail of Broken Hearts (05:56)

Die Fortsetzung einer altbekannten Erfolgsgeschichte oder…

Wahrlich, die Londoner Jungs von DRAGONFORCE haben in den Jahren 2003 und 2004 einiges vorgelegt. Nach dem gleichermaßen überraschenden wie erfrischenden Debütalbum VALLEY OF THE DAMNED (Link zum Review) schickte man sich kurz darauf an, die begonnene Erfolgsgeschichte mit dem Nachfolger SONIC FIRESTORM (Link zum Review) auf einen neuen Höhepunkt zusteuern zu lassen. Ein Unterfangen, das DRAGONFORCE zweifelsohne gelungen ist – und eine Entwicklung, auf der man verständlicherweise weiter aufbauen wollte. Doch wie sollte es möglich sein, ein vielleicht schon perfektes Genre-Album noch einmal zu toppen ? Vielleicht ja, und das ist auch die Antwort die DRAGONFORCE mit ihrem dritten Studioalbum INHUMA RAMPAGE offerieren; indem man eben nicht von der bisherigen Strategie abweicht und den Hörern so gesehen ein SONIC FIRESTORM 2.0 serviert ?

Denn genau das ist INHUMANE RAMPAGE letztendlich geworden, zumindest gefühlt – mit einigen kleinen aber feinen Unterschieden, die nicht unbedingt für den 2006’er Output der Band sprechen. Schließlich übernimmt man so gut wie alle Qualitäten des bombastischen Vorgängers, auf dem so gut wie jede Nummern zündete – und verpackt sie in Analogie zum aussagekräftigen Alben-Titel in einem noch, man nenne es drastischerem Soundgewand. Tatsächlich bedeutet dass, das die ohnehin schon enorme Geschwindigkeit noch einmal angezogen wurde, und auch die Soli noch schneller und vertrackter ausfallen. Doch das macht die Titel nicht unbedingt aussagekräftiger – im Gegenteil, auf INHUMAN RAMPAGE herrscht sogar ein relativ eintöniger Gesamteindruck vor, der zum einen aus der nicht mehr wirklich angenehmen Zuspitzung der typischen DRAGONFORCE-Trademarks resultiert – und zum anderen aus den fehlenden Ideen, die man möglicherweise mit der durchtriebenen Soundkulisse zu kaschieren versucht.

Und so könnte INHUMAN RAMPAGE vielleicht zu Recht ein gefundenes Fressen für alle Kritiker der Band sein – die schon immer behaupteten, dass die Band mit Ausnahme der Uptempo-Blastbeats und den wenig melodiösen, wilden Gitarrenintermezzi (ein Solo kann hier auch mal 3 Minuten beanspruchen) gar nicht mal so viel anzubieten hat. Denn wagt man einmal ein Gedankenexperiment, dass auf SONIC FIRESTORM noch funktionierte – die Rede ist von der theoretischen Ausblendung aller exzessiven Soundelemente – dann wird man schnell feststellen, dass es INHUMAN RAMPAGE tatsächlich an einigem fehlt. Die schiere Länge der einzelnen Titel macht dies ebenfalls deutlich: die Nummern durchlaufen keine nennenswerten Entwicklungen, sie haben keinen Anfang und kein Ende. Vielmehr scheint es, als würden sich DRAGONFORCE geradezu in ihren Frickeleien verlieren. Ohne, und das ist der potentielle Knackpunkt – darauf zu achten, was für die Hörerschaft noch zuträglich wäre und was nicht.

Ebenfalls eher fatal ist, dass sich so gut wie alle Nummern auf INHUMAN RAMPAGE einander stark ähneln – mindestens ein oder zwei Elemente aus dem einen werden auch in einem anderen Titel auftauchen. Wer einmal die Refrains von THROUGH THE FIRE AND THE FLAMES und OPERATION GROUND AND POUND gehört hat oder die drei schier endlosen Frickel-Nummern REVOLUTION DEATHSQUAD, STORMING THE BURNING FIELDS und BODY BREAKDOWN miteinander verglichen hat, wird wissen worum es geht. Zu allem Überfluss scheinen sich DRAGONFORCE auch in Bezug auf ihre Texte verschlechtert zu haben – so gut wie jedes Klischee wird bedient, viele Schlagwörter wiederholen sich, zahlreiche Textpassagen wirken einfach nur belanglos.

Somit bleibt es hauptsächlich an den eigentlichen Stärken oder auch (Ur-)Kräften der Band, das Album zu retten – die sich vor allem in Bezug auf die handwerklichen Leistungen widerspiegeln. Nach wie vor werden die Instrumente perfekt beherrscht, nach wie vor sorgt Leadsänger ZP Theart für eine ansprechend-voluminöse Gesangskulisse. Auch die Qualität der Produktion lässt nichts zu wünschen übrig, zumindest theoretisch – doch wenn man sich für eine ganze Stunde (das ist die ungefähre Spielzeit des Albums) von einem derart druckvollen, keinerlei Ruhepausen vorsehenden Power Metal-Gewitter beschallen lässt, könnte das früher oder später an den Nerven zerren. Denn leider Gottes haben DRAGONFORCE die bisher obligatorische Ballade an das Ende des Albums verfrachtet – wohl, da sie alles andere als gut ist (besonders wenn gesungen wird) und im Vergleich mit den beiden der Vorgängeralben eher zusammenhanglos dasteht. Aber auch sonst sorgt man für keinerlei Zwischenspiel, welches die allgemein beinharte Gangart des Albums etwas auflockern würde – mit Ausnahme des instrumentalen Auftakts von THE FLAME OF YOUTH vielleicht.

Kurzum: es erscheint schade, aber DRAGONFORCE können den positiven Werdegang von ihrem überraschenden Debüt über das geniale SONIC FIRESTORM nicht fortsetzen. INHUMAN RAMPAGE ist viel zu gleichförmig ausgefallen und scheinbar nur noch auf Geschwindigkeit und endlose Soli ausgelegt – was eine generelle Ideenarmut vermuten lässt und in einer nervlichen Herausforderung für alle (Zu-)Hörer mündet. Im Gedächtnis bleiben werden so vor allem einige der durchaus gelungenen, sich des öfteren aber stark ähnelnden Refrains – alles andere, und insbesondere die Soli; wird man dagegen kaum auseinanderhalten können.

Absolute Anspieltipps: OPERATION GROUND AND POUND, BODY BREAKDOWN, THE FLAME OF YOUTH


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„Wie immer verdammt schnell – aber in diesem Fall auch arg belanglos.“

Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Sonic Firestorm (2004)

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Alben-Titel: Sonic Firestorm
Künstler / Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. April 2004
Land: England
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Herman Li – Guitars
Dave Mackintosh – Drums
Adrian Lambert – Bass
ZP Theart – Vocals
Vadim Pruzhanov – Keyboards, Piano, Guitars (acoustic)
Sam Totman – Guitars

Track-Liste:

1. My Spirit Will Go On (07:54)
2. Fury of the Storm (06:46)
3. Fields of Despair (05:25)
4. Dawn Over a New World (05:13)
5. Above the Winter Moonlight (07:31)
6. Soldiers of the Wasteland (09:45)
7. Prepare for War (06:15)
8. Once in a Lifetime (07:46)

Da hat sich aber jemand verbessert… oder war es perfektioniert ?

SONIC FIRESTORM ist das zweite Album der aus London stammenden Power Metaller von DRAGONFORCE. Dass es gerade einmal ein gutes Jahr nach dem Debüt VALLEY OF THE DAMNED (Review) erschien, ist in diesem Fall ein alles andere als schlechtes Zeichen: DRAGONFORCE haben keine Fließbandarbeit betrieben, sondern bereits in jener kurzen Zeit einiges dazugelernt und ordentlich an ihrem Sound gefeilt. Die Folge war ein Ergebnis, von dem man offenbar derart überzeugt war dass man es sogleich der ganzen Welt und der bereits etablierten Fan-Schar präsentieren musste. Was hier vielleicht etwas überheblich klingt, ist es indes nicht wirklich. Die investierte Arbeit, der unumstößliche Mut und der Drang , die Hörerschaft auch weiterhin mit einem ganz speziellen DRAGONFORCE-Sound zu beglücken; haben sich ausgezahlt.

Und wie – im direkten Vergleich mit dem Vorgänger ist DRAGONFORCE (und allen externen Verantwortlichen) noch einmal ein regelrechter Quantensprung gelungen. Nicht unbedingt was die Qualität des Songwritings oder die Handhabung der Instrumente betrifft; die ließ schon damals keine Wünsche offen – doch durch eine wesentlich druckvollere Produktion und eine bessere Abmischung kann sich auf SONIC FIRESTORM endlich und erstmals jener bombastische Eindruck entfalten, auf den die Band schon zuvor abgezielt hatte. Auch wirkt es nun so, als könnten sich die gesanglichen und instrumentalen Komponente vollständig das Wasser reichen – die jetzt durchaus gerecht erscheinende Abmischung bekommt beiden Seiten gut, und führt zu einem harmonischeren Ganzen.

Aber auch Leadsänger ZP Theart scheint noch einmal in sich gegangen zu sein um all seine Stärken heraufzubeschwören – die schon auf dem Debüt zu hören, aber nicht immer klar als solche zu identifizieren waren. Und noch etwas macht sich recht schnell bemerkbar: es hat sich einiges hinsichtlich der Drums getan, die auf dem Vorgänger eine gewisse Dynamik vermissen ließen. Nun aber, und mit Dave Mackintosh als neuem Trommler; gehört auch dieses Problem der Vergangenheit an. Die Drums auf SONIC FORESTORM klingen kraftvoll, organisch, und sogar recht variabel – auch wenn die schnelleren Parts dominieren, machen vor allem Stücke wie das durchaus epische ABOVE THE WINTER MOONLIGHT oder das längere SOLDIERS OF THE WASTELAND unendlich Laune. Schlicht, da hier nicht kontinuierlich aufs Gaspedal gedrückt wird – sondern nur an den gefühlt richtigen Stellen.

Während der Opener MY SPIRIT WILL GO ON super-solide ist – aber noch nicht allzu viel neues bietet und auch direkt dem Vorgänger entsprungen sein könnte – wird bereits im Folgetrack FURY OF THE STORM klar, dass DRAGONFORCE hier zu einer neuen Höchstleistung aufgefahren sind. Das Bestreben, eine extrem hohe Geschwindigkeit mit einem zutiefst melodischen Anspruch zu verbinden, wurde hier perfektioniert – auch, da man die perfekte Zutatenmischung herausgearbeitet hat. Eine Nummer wie diese ist schnell – aber auch nicht zu schnell, sodass beispielsweise der Drumming-Part organisch und lebendig bleibt und nicht nach der Arbeit einer Maschine klingt. Eine schönere Hymne hätte es nicht geben können – der pompöse Refrain rundet das Ganze wunderbar ab – ebenso wie die nach wie vor grandiosen, nun aber strukturierter wirkenden Gitarren-Intermezzi des DRAGONFORCE-Galionsfigurenduos Li und Totman. Somit können auch diese nun wesentlich besser im Gedächtnis bleiben, und selbst von Nörglern nicht mehr als sinnloses Geschredde abgetan werden.

Jene positiven Attribuierungen gelten indes für alle der vorhanden Titel – selbst für die Ballade DAWN OVER A NEW WORLD, die verständlicherweise weniger mit Geschwindigkeit als einem leicht andächtigen Anspruch aufwartet. Das funktioniert hier auch wesentlich besser als auf dem Debüt und mit STARFIRE – sodass die etablierte Abwechslung dieses Mal mit einem höher zu bewertenden Qualitätsfaktor einhergeht. Das macht sich auch in ONCE IN A LIFETIME bemerkbar, einem Titel; der die sinnige Weiterentwicklung von HEART OF A DRAGON vom Vorgängeralbum darstellt und in einem ganz ähnlich feucht-fröhlichem Gewand daherkommt.

Anders gesagt: spätestens mit SONIC FIRESTORM standen bei DRAGONFORCE alle Zeichen auf grün. Alle Schwächen des Debütalbums wurden endgültig ausgebügelt, selbst wenn es ohnehin nur kleinere waren – doch das Ergebnis wirkt so noch einmal um ein vielfaches eindrucksvoller. Die Tatsache, dass alle Mitglieder zum Zeitpunkt der Aufnahmen für das Album offenbar in ihrer Bestform waren, unterstützt den insgesamt rundum fulminanten Eindruck.

Absolute Anspieltipps: MY SPIRIT WILL GO ON, FURY OF THE STORM, ABOVE THE WINTER MOONLIGHT, ONCE IN A LIFETIME


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„Die Perfektion des DRAGONFORCE-Sounds.“

Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Valley Of The Damned (2003)

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Alben-Titel: Valley Of The Damned
Künstler / Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Januar 2003
Land: England
Stil / Genre: Power Metal
Label: Sanctuary Records

Alben-Lineup:

ZP Theart – Vocals
Vadim Pruzhanov – Keyboards, Piano
Didier Almouzni – Drums
Sam Totman – Guitars, Vocals (backing)
Herman Li – Guitars, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Invocation of Apocalyptic Evil (00:13)
2. Valley of the Damned (07:11)
3. Black Fire (05:46)
4. Black Winter Night (06:19)
5. Starfire (05:44)
6. Disciples of Babylon (07:06)
7. Revelations (06:57)
8. Evening Star (06:39)
9. Heart of a Dragon (05:26)

Der Ursprung der Drachenkraft.

Irgendwann hat jeder einmal angefangen – so auch die aus London stammende Bandcombo DRAGONFORCE, die sich im Laufe der letzten Jahre einen respektablen Status innerhalb der Metal-Szene erarbeitet hat. Und das nicht nur aufgrund der teils wahnwitzigen Gitarrensoli – auch wenn es hauptsächlich eben diese und die generell etwas angezogene Geschwindigkeit sein sollten, welche die wohl bekanntesten Wiedererkennungsmerkmale der Band stellen sollen. Auch auf dem aus dem Jahre 2003 stammenden Debütalbum VALLEY OF THE DAMNED sind jene technisch anspruchsvollen Frickeleien schon sehr gut herauszuhören – wobei markant ist, dass sich bis heute nichts an der Besetzung (zumindest nicht der Gitarren) geändert hat. Sam Totman und Herman Li stehen nach wie vor ihren Mann und duellieren sich das eine ums andere mal in geradezu epischen instrumentalen Konfrontationen, die später auch in allerlei Bandvideos und bei den zahlreichen Live-Performances zu einem waschechten Aushängeschild avancieren sollten.

Somit ist es umso spannender, auch einmal den Ursprung einer Band wie DRAGONFORCE zu erkunden – und zu erfahren, wie die Engländer auf ihrem Debüt geklungen haben. Eines steht dabei relativ schnell fest: die DRAGONFORCE-Grundzutaten, wie sie später auf so gut wie jedem Album zu finden sein sollten; sind bereits hier vorhanden. Das sind in erster Linie die bereits erwähnten Versatzstücke in Form der Gitarrensoli, der feurig-lebendigen Rhythmusgitarren und der antreibenden Geschwindigkeit (die in BLACK FIRE erstmals ihren Höhepunkt findet) – aber auch auf den harmonische Leadgesang und die dezent-hintergründigen Chor-Elemente wurden bereits hier ein wichtiges Augenmerk gelegt. Der einzige Unterschied zu späteren DRAGONFORCE-Produktionen besteht wohl darin, dass alle hier aufgefahrenen Titel noch nicht ganz so bombastisch inszeniert werden – was nicht zuletzt an der hier noch stark ausbaufähigen, allgemein etwas blechernen Produktionsqualität liegen mag. Besonders der Leadgesang von ZP Theart klingt hier manchmal merkwürdig hintergründig und wird beinahe von der allgemeinen Wucht der Instrumente erschlagen.

Dennoch weiß das Album grundsätzlich zu überzeugen – und das nicht nur, da es sich um das erste DRAGONFORCE-Album und somit um einen wichtigen Meilenstein handelt. Die Qualität des Songwritings ist enorm, die abgelieferte handwerkliche Arbeit beeindruckend. Fakt ist auch, dass ein Album wie VALLEY OF THE DAMNED eben doch weitaus mehr zu bieten hat als eine Ansammlung von wahnwitzigen Uptempo-Nummern und Blast-Beats. Wenn, und das ist der potentielle Knackpunkt; man sich auch auf den Sound der Band einlassen kann und keine Probleme mit einem vergleichsweise hektischen Anspruch und vielleicht auch einer Portion Kitsch hat. Ein Kitsch, der sich vor allem darin äußert; dass man sich mit dem Album einer typisch europäischen Spielart widmet und man die Musik von DRAGONFORCE nicht wirklich als hard oder heavy bezeichnen kann. Wahnsinnig schnell, technisch vertrackt, hymnisch und allgemein verspielt; das trifft es vermutlich schon eher.

Denn auch wenn man so gut wie immer auf das Gaspedal drückt, lässt man noch genügend Raum für allerlei ansprechende Melodien, kleinere Intermezzi und Verschnaufpausen. Die größere derer findet sich dann wohl in der Ballade STARFIRE, die mit den Klängen eines Klaviers und eines plätschernden Bächleins eingeläutet wird – und erst einmal so gar nicht in den Kontext des Albums passen will. Doch tatsächlich hat ein Album wie VALLEY OF THE DAMNED Momente wie diese absolut nötig – und auch wenn es sich sicher nicht um die beste Power-Ballade handelt die jemals geschrieben wurde, wird man sich für die somit eingestreute Abwechslung bedanken. Das gleiche gilt im übrigen auch für die Folgenummer DISCIPLES OF BABYLON – die zwar als typischer Uptempo-Brecher startet, im weiteren Verlauf mit einer vergleichsweise abenteuerlichen, fast schon jazzigen Instrumentalsektion aufwartet.

Nach diesen Nummern ist es dann allerdings vorbei mit der Ruhe und Abwechslung – es geht wieder stark nach vorn. Das Problem hierbei ist nur, dass weder das flotte REVELATIONS noch das rasante EVENING STAR wirklich nachhaltige Momente offerieren. Die Ansätze sind da, doch letztendlich reihen sich Nummern wie diese – zusammen mit BLACK FIRE – in die Riege der schnellen, aber eher unspektakulären Titel ein bei denen auch die Soli nicht mehr viel reißen können. Deutlich markanter klingt da schon der Rausschmeißer HEART OF A DRAGON – der erstmals auf einen zusätzlichen hymnischen Anspruch setzt und ein wenig klingt wie FREEDOM CALL auf Speed. Es muss eben immer das ein oder andere Element geben, das im Gedächtnis bleibt – und sei es ein besonders herausragender Refrain; ansonsten wird es schwer die einzelnen Titel überhaupt auseinanderzuhalten.

VALLEY OF THE DAMNED ist demnach nicht nur ein wegbereitendes Debütalbum einer damals aufstrebenden jungen Band – sondern auch allgemein ein Laune-machendes Genrealbum mit einem Hang zu atemberaubenden Geschwindigkeiten und interessanten technischen Frickeleien. Ein kleiner Wermutstropfen ist nur, dass sich einige der Titel noch zu gleichförmig anfühlen – auch wenn man mit der Ballade STARFIRE durchaus für (dringend benötigte) Abwechslung sorgt. Doch allein der starke Auftakt mit dem Titeltrack, das herrlich melodische BLACK WINTER NIGHT und der Rausschmeißer HEART OF A DRAGON machen klar, dass DRAGONFORCE hier durchaus einen Meilenstein abgeliefert haben. Für sich, für alle Geschwindigkeitsfanatiker – und für alle die sich bisher nicht vorstellen konnten, dass eine Band mit einem leicht klischeebehafteten Namen diesem auch tatsächlich gerecht werden würde.

Absolute Anspieltipps: VALLEY OF THE DAMNED, BLACK WINTER NIGHT, DISCIPLES OF BABYLON, HEART OF A DRAGON


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„Fulminates Debütalbum mit noch ausbaufähigen Stärken.“