Metal-CD-Review: DOMINE – Ancient Spirit Rising (2007)

Alben-Titel: Ancient Spirit Rising
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 12. Februar 2007
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Riccardo Paoli – Bass
Stefano Bonini – Drums
Riccardo Iacono – Keyboards
Enrico Paoli – Guitars
Morby – Vocals

Track-Liste:

1. The Messenger (06:24)
2. Tempest Calling (05:59)
3. The Lady of Shalott (09:14)
4. I Stand Alone (After the Fall) (04:28)
5. Ancient Spirit Rising (09:28)
6. On the Wings of the Firebird (06:32)
7. Another Time, Another Place, Another Space (07:10)
8. Sky Rider (04:56)
9. How the Mighty Have Fallen (07:42)

Ein Aufstieg in ungeahnte Sphären ?

ANCIENT SPIRIT RISING ist das fünfte offizielle Studioalbum aus der italienischen Power Metal-Schmiede DOMINE. Aus einer vergleichsweise starken und musikalisch prägnanten, sollte man wohl sagen – schließlich schien die bereits 1983 (!) ins Leben gerufene Combo auf dem besten Wege zu sein, den ein oder anderen Rekord aufzustellen. Und, das versteht sich von selbst; dabei auch eine handvoll höchst gelungener Alben abzuliefern – von denen insbesondere das 1999 erschienene DRAGONLORD (siehe Review) sowie das 2001 nachgeschobene STORMBRINGER RULER (Review) noch lange nachhallen sollten. Nach dem etwas zumindest im direkten Diskografie-Vergleich etwas schwächeren EMPEROR OF THE BLACK RUNES (Review) erschien 2007 dann ANCIENT SPIRIT RISING, das heute zu Rezensionszwecken vorliegt. Gleichzeitig handelt es sich um das bis heute aktuellste Album der Italiener, die direkt nach der Produktion in eine Art Kältestarre verfielen – und das aus bisher ungeklärten Gründen. Immerhin: mittlerweile scheint die Band wieder etwas aktiver zu sein, von einer Auflösung scheint keine Rede – sodass man gespannt sein darf, ob DOMINE eines Tages doch noch mit ihrem sechsten Album um die Ecke kommen werden.

Bis es soweit ist, bleibt einem indes nicht viel mehr als die illustre Diskografie der Italiener zu durchstöbern. Eventuell ja auch, um das mit 9 Titeln bestückte und mit einer Gesamtspielzeit von einer guten Stunde ausgestattete ANCIENT SPIRIT RISING für sich zu entdecken. Zweifelsohne handelt es sich hierbei um ein Album, das etwas anders ist als die bisherigen DOMINE-Werke – und das nicht nur, da die berühmte (und zugegebenermaßen nicht gerade hübsche) Band-´Figur mit ihrer unverkennbaren Fratze nicht mehr im Mittelpunkt des Artworks steht. Vielmehr scheint sie das zeitliche gesegnet zu haben, was sicher auch den Alben-Titel erklärt – und vielleicht ja auch, warum sich DOMINE auf ihrem fünften Album etwas experimenteller inszenierten als noch zuvor. Ob sie selbiges allerdings wirklich im Sinne eines qualitativen Aufstiegs taten, sei einmal dahingestellt – denn gänzlich vor Schwächen gefeit ist ANCIENT SPIRIT keineswegs. In Anbetracht einer vergleichsweise hochkarätigen Gesamt-Diskografie wie der von DOMINE fällt das natürlich zusätzlich auf – auch wenn es nach dem Einlegen des Silberlings noch etwas dauert, bis die ersten wirklichen Streitpunkte auftauchen.

Denn: sowohl der Opener THE MESSENGER als auch das flotte TEMPEST CALLING sind zwei typische DOMINE-Gassenhauer, die wie so oft auf ein bestmögliches Zusammenspiel der Instrumente und den Einsatz des unverkennbaren Frontmanns Adolfo Morviducci aka Morby abzielen – was im Hinblick auf die schroffen Gitarren, den deutlich hörbaren Bass und den gewohnt wuchtigen bis epischen Anspruch auch relativ tadellos gelingt. Mit dem überlangen THE LADY OF SHALOTT indes brechen DOMINE erstmals deutlicher mit ihrer bisherigen Tradition – und präsentieren dem Hörer eine zutiefst gewöhnungsbedürftige Mixtur aus einer Ballade und – man will es eigentlich kaum aussprechen – einer Art Musical-Soundtrack. Der kaum aneckende, auffällig seichte Auftakt und die späteren Chorgesänge jedenfalls sprechen klar dafür – und weisen dezent darauf hin, dass nicht alles was DOMINE anfassen automatisch zu Gold wird. Das hie und da doch noch etwas mehr Feuer eingestreut wird, und das hauptsächlich seitens des Schlagzeugs; macht es schließlich auch nicht mehr viel besser. Unglücklicherweise ist jene Nummer aber noch nicht das Ende der qualitativ höchst diskutablen Fahnenstange – denn auch das folgende I STAND ALONE hat trotz seines immensen Tempos Tendenzen, die DOMINE einfach nicht gut zu Gesicht stehen. Der abermals Musical-artige Chorgesang sowie die generell eher schwachen Lyrics jedenfalls wollen einfach nicht so recht zur bisherigen, manche nennen sie mächtigen Diskografie der Italiener passen.

Entsprechend wenig verwunderlich ist demnach, dass auch der Titeltrack ANCIENT SPIRIT RISING die bisher gewonnen Eindrücke nicht mehr wirklich konterkarieren kann – und das bei einer Spieldauer von satten 9 Minuten. Stellenweise wirkt und klingt es gar so, als wären DOMINE hier einfach nicht sie selbst – was sowohl für die plötzlich arg langatmig erscheinende, man ist geneigt zu sagen dahindudelnde instrumentale Komponente als auch den wie aus dem Nichts an Alessio Garavello erinnernden Adolfo Morviducci gilt. Sicher, beides sind gute bis hervorragende Genre-Künstler – doch der Domine-Frontmann klang einfach deutlich besser, wenn er in tieferen Lagen und mit etwas mehr feurig-variabler Inbrunst sang. Und es geht weiter: während eine Combo wie ANGRA sicher mehr aus einer Nummer wie ON THE WINGS OF THE FIREBIRD hätte machen können, schweifen die Italiener auch mit den verbleibenden Titeln deutlich ab. Und das zumeist in Gefilde, die man so einfach nicht von der ehemals ebenso kraftvollen wie einzigartigen Combo gewohnt ist – und die man sich wenn überhaupt eher bei anderen Bands vorstellen könnte. Was das Album gerade noch im Mittelmaß hält, ist die wie immer hervorragende handwerkliche Komponente und die grundsätzlich keine Wünsche offenlassende Abmischung und Produktion – doch davon, und mit Ausnahme einiger vereinzelter Nummern sollte man besser nicht zu viel erwarten oder lieber gleich zu den anderen DOMINE-Alben greifen.

Absolute Anspieltipps: THE MESSENGER, TEMPEST CALLING


„Nach den bisherigen DOMINE-Alben eine ebenso herbe wie unerwartete Enttäuschung, leider.“

Metal-CD-Review: DOMINE – Emperor Of The Black Runes (2004)

Alben-Titel: Emperor Of The Black Runes
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. Februar 2004
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Riccardo Paoli – Bass
Stefano Bonini – Drums
Riccardo Iacono – Keyboards
Enrico Paoli – Guitars, Vocals (choirs)
Morby – Vocals

Track-Liste:

1. Overture Mortale (Intro) (01:09)
2. Battle Gods (of the Universe) (04:58)
3. Arioch, the Chaos Star (05:06)
4. The Aquilonia Suite – Part I (11:01)
5. The Prince in the Scarlet Robe (The Three Who Are One – Part I) (06:53)
6. Icarus Ascending (06:29)
7. The Song of the Swords (05:41)
8. The Sun of the New Season (An Homecoming Song) (08:41)
9. True Believer (05:58)
10. The Forest of Light (03:28)

Ein Feldzug der allemal überzeugenden Sorte.

Nein, wirklich hübsch waren die Cover zu den DOMINE-Alben noch nie. Dass das vorliegende, 2004 erschienene vierte Studioalbum EMPEROR OF THE BLACK RUNES den diesbezüglichen Vogel sogar noch einmal abschießt; muss indes nicht viel bedeuten. Immerhin hatten sich die Italiener mit ihren vorherigen Alben alles andere als die Blöße gegeben – und sich zu einer starken Power Metal-Combo entwickelt, mit der man um die Jahrtausendwende herum einfach rechnen musste. Alben wie DRAGONLORD (siehe Review) und STORMBRINGER RULER (Review) sollten jedenfalls in keiner gut sortierten Genre-Sammlung fehlen – so klischeehaft und vorhersehbar die dahinterstehenden Konzepte auch erscheinen mögen. Dabei zeigte sich gerade im Falle einer Band wie DOMINE, dass es sich durchaus lohnt einmal genauer hinzuschauen – und entsprechende Äußerlichkeiten (wie etwa auch die zutiefst gewöhnungsbedürftigen Artworks) einfach mal gekonnt zu ignorieren. Entsprechend wenig überraschend war und ist in jedem Fall, dass auch EMPEROR OF THE BLACK RUNES keinen nennenswerten Keil in die grundsätzlich hervorragende Diskografie der Italiener getrieben hatte – und mit seinem überschwänglichen Konzept sowie der für DOMINE typischen Gangart irgendwo zwischen einer ordentlichen Portion Pomp und einer noch größeren Portion Kraft alle Fans der Combo zufriedenstellen sollte. Und sicher auch generelle Freunde eines zünftigen italienischen Power Metals, der mit frühen Bands wie DRAKKAR ganz ähnliche und durchaus mit DOMINE vergleichbare Genre-Combos anzubieten hatte.

Allerdings, und diesen Vorwurf muss man EMPEROR OF THE BLACK RUNES unter Umständen machen: ganz so frisch, feurig und gnadenlos stampfend wie seine Vorgänger ist das Album dann doch nicht ausgefallen, was man schon mit dem dezent überzeichneten Intro OVERTURE MORTALE sowie dem Opener BATTLE GODS feststellen wird.  Zwar hatten sich DOMINE diese Messlatte durch allerlei denkwürdige Auftakte (wie zuletzt etwa mit dem furiosen THE HURRICANE MASTER) quasi selbst auferlegt – doch ein wenig mehr wäre sicher auch hier drin gewesen. Zumal die symphonischen Ausstaffierungen in BATTLE GODS nicht unbedingt das gelbe vom Ei sind, was auch für die hier ausnahmsweise mal eher plump wirkenden Chöre gilt – und DOMINE ihre Stärken weiterhin in der lebhaften Auslegung des Zusammenspiels aus wunderbar frickelnden Gitarren, einem antreibenden Schlagzeug und der unverkennbaren Leadstimme von Morby hatten. Der Bass wird in diesem Zusammenhang nicht explizit erwähnt, was man EMPEROR OF THE BLACK RUNES ebenfalls anlasten könnte – hier wurde einiges zugunsten eines noch, man nenne es voluminöseren Sounds links liegen gelassen.

Und das ist vermutlich auch das größte Problem des Albums: es klingt stellenweise einfach etwas zu aufgeblasen, und Nummern wie ICARUS ASCENDING oder THE SONG OF THE SWORDS kommen schlicht mit zu vielen ungünstigen bis dezent nervigen Elementen daher. Zwar ist es angenehm zu hören, dass DOMINE mit Maßnahmen wie diesen eine dezente Weiterentwicklung ihres Sounds angestrebt hatten – doch wenn dafür die ursprünglich so einzigartige, schlicht unwiderstehlich packende und mitreißende Gesamtwirkung des Liedguts auf der Strecke bleibt; ist klar wofür man sich eher entscheiden würde. Geht man noch weiter ins Detail und vergleicht etwa die Gesangsdarbietung von Morby mit den vorherigen, wären theoretisch auch hier einige Abstriche zu machen (was sicher auch für einen explizit balladesken Einschub wie THE FOREST OF LIGHT gilt), doch davon soll an dieser Stelle abgesehen werden. Und das auch, da EMPEROR OF THE BLACK RUNES trotz allem ein gutes bis sehr gutes Power Metal-Album geworden ist. Eines, dass den Vergleich mit den Werken anderer Genre-Combos keineswegs scheuen muss – und mit Titeln wie THE AQUILONIA SUITE oder TRUE BELIEVER noch immer einige waschechte Kracher im Gepäck hat. Lediglich im Vergleich mit den vorherigen drei Alben muss es dezent hintenan stehen – trotz der wahrlich sagenhaften Ideen-Konstrukte und der neuerlichen weiblichen Gesangsunterstützung in zumindest zwei Titeln.

Absolute Anspieltipps: BATTLE GODS, THE AQUILONIA SUITE, TRUE BELIEVER


„Kommt nicht ganz an die Vorgänger heran – viel falsch machen kann man aber auch hier nicht.“

Metal-CD-Review: DOMINE – Stormbringer Ruler (The Legend Of The Power Supreme) (2001)

Alben-Titel: Stormbringer Ruler – Legend Of…
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. Januar 2001
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Morby – Vocals
Enrico Paoli – Guitars
Riccardo Paoli – Bass
Riccardo Iacono – Keyboards
Stefano Bonini – Drums

Track-Liste:

1. The Legend of the Power Supreme (01:30)
2. The Hurricane Master (04:32)
3. Horn of Fate (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 2) (07:33)
4. The Ride of the Valkyries (07:15)
5. True Leader of Men (06:19)
6. The Bearer of the Black Sword (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 1) (07:21)
7. The Fall of the Spiral Tower (06:14)
8. For Evermore (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 3) (06:24)
9. Dawn of a New Day – A Celtic Requiem (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 4) (10:58)

Wenn die Herrschaft über Drachen nicht ausreicht.

Ja, die Italiener von DOMINE hatten nicht unbedingt einen guten Start. Zumindest keinen, den man so hätte erwarten können – wofür allein die lange Wartezeit von immerhin 14 Jahren steht, die die Band seit ihrer Gründung bis hin zum Debütalbum CHAMPION ETERNAL (siehe Review) verstreichen ließ. Doch offenbar musste die Zeit erst reif werden für die Italiener respektive ihre Musik, mit der DOMINE in den späten 90ern Jahren auf einen äußerst fruchtbaren Boden stießen – und das nicht nur in ihrem Heimatland Italien. Sicher, das Debütalbum hatte seine Schwächen; und das vor allem in Bezug auf die akustische Qualität der heroisch angehauchten Inszenierung – doch spätestens mit dem Zweitwerk DRAGONLORD (siehe Review) konnten derlei Probleme vollständig aus dem Weg geräumt werden. Wie man heute weiß, wurde es daraufhin aber noch lange nicht still um DOMINE; die schlicht ihr musikalisches Ding durchzogen und sich nicht wirklich um das scherten was all die anderen Genre-Bands fabrizierten – sodass mit dem dritten offiziellen Studioalbum STORMBRINGER RULER gewissermaßen zu rechnen war.

Entsprechend wenig überraschend ist, dass das Album in etwa dort ansetzt wo man mit und auf DRAGONLORD aufgehört hatte – wobei man aber keineswegs von einem Wiederholungseffekt im negativen Sinne ausgehen sollte. Anders gesagt: auch wenn STORMBRINGER RULER zweifelsfrei als DOMINE-Release zu identifizieren ist und einige der hier vertretenen Nummern genauso gut auf dem Vorgänger hätten Platz finden können, stellen sich dennoch kaum Ermüdungserscheinungen ein. Schließlich macht schon der Auftakt des Albums klar, wohin die Reise gehen soll: während das eigentliche Intro THE LEGEND OF THE POWER SUPREME bereits ordentlich Stimmung macht (und in der Retrospektive dezent an DRAGONLAND’s Intro zu UNDER THE GREY BANNER erinnert); gelang den Italienern mit THE HURRICANE MASTER eine ihrer wohl schlagkräftigsten Nummern überhaupt. Die hier präsentierte Energie, Spielfreude und auch Sangeslust seitens des sich alles andere als zurückhaltenden Leadsängers Adolfo Morviducci aka Morby wird man jedenfalls nur allzu gerne annehmen – und das vermutlich auch dann, wenn man der italienischen Power Metal-Szene schon immer ein wenig skeptisch gegenübersteht.

Das sich DOMINE aber nicht nur wiederholten oder versuchten Abwandlungen des immer gleichen musikalischen Schemas an den Mann zu bringen, zeigt sich mit Nummern wie HORN OF FATE (das eine für die Italiener typisch mitreißende bis extrem hymnische Wirkung etablieren kann, im Refrain aber etwas andere Wege geht), dem vergleichsweise ruhig-stampfenden sowie mit einigen klassischen Bezügen und symphonischen Verzierungen ausgestatteten THE RIDE OF THE VALKYRIES, dem von einer längeren Akustik-Passage eingeleiteten THE BEARER OF THE BLACK SWORD oder dem gesanglich erfrischenden THE FALL OF THE SPIRAL TOWER. Während TRUE LEADER OF MEN problemlos als weiterer hochkarätiger DOMINE-Brecher durchgeht, offenbaren sich mit FOR EVERMORE und DAWN OF A NEW DAY dann aber die vielleicht einzigen wirklichen Knackpunkte des Albums. Der Grund dafür ist schnell gefunden: im ersten Fall haben DOMINE zum ersten Mal in ihrer Bandgeschichte nicht davor zurückgeschreckt, eine waschechte Ballade zu inszenieren – und dazu noch eine, die grundsätzlich alle typischen Genre-Klischees bedient. Immerhin, einen in jedem Fall positiven Aspekt hat das Ganze: man bekommt erstmals auch eine gänzlich andere Seite von Leadsänger Adolfo Morviducci zu Gesicht, der den hier dargebotenen Stimmen-Spagat überraschend vorzüglich meistert. Im zweiten Fall dagegen haben DOMINE schlicht etwas zu viele Durststrecken eingebaut, und die albern gesprochene Einleitung hätte ebenfalls nicht sein müssen.

Schlussendlich: mit ihrem STORMBRINGER RULER haben sich DOMINE alles andere als die Blöße gegeben. Einfach und schlicht ausgedrückt bedeutet das vornehmlich eines: wer schon dem Vorgänger DRAGONLORD eine gewisse Wertschätzung gegenüberbringen konnte, wird auch mit dem dritten Album der Italiener glücklich werden. Und das beinahe wunschlos, zumal auch dieses Mal absolut keine Schwächen in Bezug auf die Handhabung und klangliche Präsentation der Instrumente, die Abmischung oder andere Sound-relevante Aspekte festzustellen sind. An die generelle Ausreizung diverser Klischees, die überladenen Alben- und Titelbezeichnungen sowie die stets nicht gerade ansehnlichen Alben-Artworks wird man sich dann wohl auch noch gewöhnen können… vielleicht auch, da sie einfach typisch DOMINE sind.

Absolute Anspieltipps: THE HURRICANE MASTER, HORN OF FATE, THE RIDE OF THE VALKYRIES, TRUE LEADER OF MEN


„Der Stoff, aus dem (Power Metal-)Träume sind.“

Metal-CD-Review: DOMINE – Dragonlord (Tales Of The Noble Steel) (1999)

Alben-Titel: Dragonlord (Tales Of The Noble Steel)
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. Juni 1999
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Riccardo Paoli – Bass
Riccardo Iacono – Keyboards
Enrico Paoli – Guitars
Morby – Vocals
Mimmo Palmiotta – Drums

Track-Liste:

1. Anthem (A Declaration of War) (01:34)
2. Thunderstorm (04:40)
3. Last of the Dragonlords (Lord Elric’s Imperial March) (06:43)
4. Blood Brothers‘ Fight (04:49)
5. Defenders (05:23)
6. Mars, the Bringer of War (01:03)
7. Dragonlord (The Grand Master of the Mightiest Beasts) (06:50)
8. Uriel, the Flame of God (06:32)
9. The Ship of the Lost Souls (06:31)
10. The Battle for the Great Silver Sword (13:13)

Wenn erst der zweite Schlag richtig sitzt.

Im Rahmen der auch heute noch gern gesehenen respektive gehörten musikalischen Relikte einer Zeit, in der sich nicht wenige italienische Power Metal-Combos auf den Weg gemacht hatten die Bühnen dieser Welt zu erobern; ist die Rechnung gewiss nicht ohne die bereits im Jahre 1983 gegründeten Musiker von DOMINE zu machen. Und das auch gerade weil die Band seinerzeit noch etwas brauchte, um ihren eigentlichen Siegeszug zu starten. Nach einigen kleineren Demos und der entscheidenden Verpflichtung des Leadsängers Adolfo Morviducci aka Morby war es dann aber endlich soweit – sodass DOMINE mit ihrem 1997 veröffentlichten Debütalbum CHAMPION ETERNAL (siehe Review) erstmals nachhaltig von sich hören lassen konnten; analog zu den ebenfalls in jenen frühen gestarteten Ambitionen von Bands wie etwa RHAPSODY OF FIRE. Dabei konnten sich DOMINE schon zu diesem Zeitpunkt insofern von ihrer Konkurrenz abheben, als dass sie einen extrem heroisch angehauchten, aber eben nicht symphonisch unterstützten oder progressiv angehauchten Power Metal inszenierten – wobei sich zunächst noch einige Schwächen hinsichtlich der Präsentation offenbarten.

Aber: schon im Zuge des zweiten Durchlaufs in Form von DRAGONLORD (TALES OF THE NOBLE STEEL), dem direkten (und auch inhaltlichen) Nachfolger zu CHAMPION ETERNAL; bewiesen DOMINE dass derartige Probleme von nun an der Vergangenheit angehören sollten – und legten ein rundum zufriedenstellend produziertes, wuchtiges und insgesamt 10 Titel starkes Nachfolgewerk vor. Eines, dass ebenfalls über das Label Dragonheart Records erschien und sich stilistisch eng am ähnlich episch aufgemachten Vorgänger orientierte; keine Frage. Dennoch vermochten es die Italiener, noch einmal eine ordentliche Schippe draufzulegen – und das in fast jeder Hinsicht. DRAGONHEART avancierte so nicht von ungefähr zu einem ebenso traditionellen wie packenden Power Metal-Pflichtprogramm – und hat auch heute noch nichts von seiner ursprünglichen Magie und Faszinationskraft eingebüßt. Gesetzt dem Fall natürlich, man ist dem Genre des Power Metal im allgemeinen zugeneigt – und hat auch nichts gegen eine ordentliche Priese Pomp, Pathos und je nach persönlicher Facón auch Kitsch einzuwenden. Immerhin: dass wie so oft mit typischen Begriffen um sich geworfen wird und die inhaltliche Gestaltung dementsprechend vorhersehbar ausfällt; wiegt bei einem bald 20 Jahre alten Album verständlicherweise nicht ganz so schwer wie bei neueren und eventuell verbrauchteren Genre-Erzeugnissen.

In jedem Fall aber hatten sich DOMINE Gedanken gemacht – und es dabei geschafft, den Vorgänger in vielerlei Hinsicht zu toppen. zum einen wären hier natürlich die bereits erwähnte Produktionsqualität und der allgemein wuchtige Soundeindruck zu nennen, der dem Album eine angenehm druckvolle Komponente verpasst. Zum anderen aber, und das ist das schöne; hatten sich DOMINE auch im Detail verbessert – wie etwa in Bezug auf ihre auf dem Vorgänger noch kaum auszuhaltenden Interludes mit den überschwänglichen, ellenlangen Sprechpassagen. Zwar gibt es ähnliche Momente auch auf DRAGONLORD, doch sind diese entweder extrem kurz (wie im Intro ANTHEM) oder aber so gehalten, dass sie problemlos zu überspringen sind (wie im recht überflüssigen MARS, THE BRINGER OF WAR). Vor allem aber lenken sie nicht vom Wesentlichen respektive dem ab, was DOMINE hier schon im Opener THUNDERSTORM abfackeln – was letztendlich nicht weniger als ein zeitlos gutes Power Metal-Feuerwerk der Extraklasse ist. Und das nicht zuletzt auch, da die Abmischung recht vorteilhaft ausgefallen ist – und man beispielsweise stets ein Ohr für den von Riccardo Paoli gespielten Bass hat.

Aber auch in Bezug auf den Faktor Abwechslung hat man einiges vorgelegt: während LAST OF THE DRAGONLORDS das Tempo zunächst etwas drosselt – und das glücklicherweise nicht zu Lasten der dennoch hervorragenden Instrumentalstrecke in der Mitte – offenbart sich in BLOOD BROTHERS‘ FIGHT plötzlich eine teils merklich düsterere Atmosphäre, die dank der tadellosen Leistungen des Gitarristen Enrico Paoli sowie des Leadsängers Morby ebenso aufgeht wie der Rest des Albums. Sicher, in einer Nummer wie DEFENDERS gibt es bis auf den von DOMINE bereits gewohnten instrumentalen Kraftakt inklusive des umwerfend-druckvollen Eindrucks nicht viel zu holen; wobei es schade ist dass der recht simpel gehaltene Refrain eher kontraproduktiv wirkt und klingt – doch spätestens wenn die Italiener in ihrem Titeltrack DRAGONLORD zum großen Rundumschlag ausholen, sollte niemand mehr still sitzenbleiben. Mit Nummern wie dem vergleichsweise ruhigen und klassisch-retrospektiv orientierten THE SHIP OF THE LOST SOULS haben es DOMINE dagegen problemlos geschafft, ihre Bandbreite um eine weitere interessante Facette zu erweitern – und vielleicht auch Genre-Grenzen zu sprengen. Dass selbst der überlange Rausschmeißer THE GREAT BATTLE FOR THE SILVER SWORD keine längeren Durststrecken offenbart, rundet das GAnze ab.

Natürlich, gänzlich vor Schwächen gefeit ist DRAGONLORD nicht – und dennoch ist die Entwicklung, die DOMINE von ETERNAL CHAMPION hin zu ihrem zweiten Studioalbum durchgemacht hatten; definitiv nicht zu verachten. Fest steht: ein Album wie dieses gehört damit in jede gut sortierte Power Metal-Sammlung. Erst Recht natürlich, wenn man sich für die Geschichte des Genres interessiert – oder aber bereits Gefallen an seinerzeit ganz ähnlich agierenden Combos wie etwa den CRYSTAL EYES bekundet hat.

Absolute Anspieltipps: THUNDERSTORM, BLOOD BROTHERS‘ FIGHT, DRAGONLORD, THE SHIP OF THE LOST SOULS


„Ein schon früh offenbartes Konzept in der erstmaligen Vollendung – ein echter Klassiker.“

Metal-CD-Review: DOMINE – Champion Eternal (1997)

Alben-Titel: Champion Eternal
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. September 1997
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Riccardo Paoli – Bass
Enrico Paoli – Guitars, Songwriting, Lyrics
Morby – Vocals
Mimmo Palmiotta – Drums

Track-Liste:

1. Hymn (01:56)
2. The Mass of Chaos (06:40)
3. The Chronicles of the Black Sword (08:08)
4. The Freedom Flight (06:14)
5. Army of the Dead (08:47)
6. The Proclamation (01:12)
7. Dark Emperor (05:06)
8. Rising from the Flames (05:30)
9. The Midnight Meat Train (04:35)
10. The Eternal Champion (12:26)

Ich glaub‘ ich hör nicht richtig.

Geht es um die italienische Power Metal-Szene der 90er Jahre, werden einem vor allem auch heute noch aktive Genre-Combos mit einer entsprechenden Wegbereiter-Funktion in den Sinn kommen – wie LABYRINTH, VISION DIVINE oder SECRET SPHERE als Vertreter eines etwas progressiveren Sounds; oder aber die Recken von RHAPSODY OF FIRE als Pioniere des Symphonic Power Metals. Dass das aber noch längst nicht alles ist, was die Italiener im Sinne von nennenswerten bis mitunter herausragenden Power Metal-Acts in Petto hatten (und haben); liegt auf der Hand – zumal sich immer auch ein Blick auf nicht ganz so bekannte, so gesehen unter dem Radar laufende Kollegen lohnt.

In Bezug auf die späten 90er und frühen 2000er Jahre etwa ist die Rechnung kaum ohne die Beiträge von Bands wie HEIMDALL, THY MAJESTY oder aber DOMINE zu machen – die sich interessanterweise bereits im Jahre 1983 (!) zusammengefunden hatten, bis zum eigentlichen Debütalbum mit dem ebenso klassischen wie bekannten Lineup unter der Führung des Leadsängers Adolfo Morviducci aka Morby aber noch etwas brauchten. 1997 war es dann aber endlich soweit, und CHAMPION ETERNAL erblickte als knapp einstündiges Power Metal-Werk das Licht der Welt – wobei es sich für die Band wie ein Befreiungsschlag angefühlt haben muss, die zahlreichen vorangegangen Demos (die ursprüngliche CHAMPION ETERNAL-Demo stammt aus dem Jahre 1989) endlich in eine entsprechend inszenierte Alben-Form zu bringen. Mit Dragonheart Records hatte man auch schnell ein passendes Label gunfunden – sodass der bestenfalls unaufhaltsame Siegeszug von DOMINE beginnen konnte.

Vielleicht sollte man aber auch sagen, der potentielle Siegeszug – denn ganz so erfolgreich wie es hätte sein können, war CHAMPION ETERNAL nicht. Und das, obwohl das Album so gesehen durchaus über Qualitäten verfügt, die man so noch nicht von der italienischen Genre-Szene kannte. Zumindest nicht bis dato, und von einer der kleineren Bands. So setzten DOMINE beispielsweise alles daran, CHAMPION ETERNAL wie eine einzige große Erzählung wirken zu lassen – mit entsprechenden Sprechpassagen, längeren Instrumentalstrecken, Interludes und längeren Einzel-epen wie etwa den Rausschmei´ßer und Titeltrack ETERNAL CHAMPION – was einerseits aufgeht und in einem hervorragenden Unterhaltungswert mündet, andererseits aber auch alles andere als ein makelloses Unterfangen ist.

Das wohl größte Manko an CHAMPION ETERNAL war und ist dabei klar die Abmischungs- und Produktionsqualität, die gelinde gesagt eher nach einer Garagenproduktion denn nach einem episch aufgemachten Power Metal-Epos klingt – und dem potentiellen Hörvergnügen ein mitunter recht massives Hindernis in den Weg legt. Außerordentlich darunter zu leiden haben etwa der allgemeine Gitarrensound sowie das Drumming, was wenn man nur auf diese beiden Instrumente achtet sogar eine Differenzierung zwischen den einzelnen Titeln schwierig macht. Ansatzweise gilt ähnliches auch für die spartanischen Hintergrundchöre sowie Darbietung des hiesigen Leadsängers Morby, der auf CHAMPION ETERNAL noch nicht ganz so stimmkräftig und variabel an den Start gegangen war wie auf den späteren DOMINE-Alben. Und ja, letztlich hätten auch die Zwischenspiele (oder auch die ellenlangen Titel-Einleitungen wie in THE CHRONICLES OF THE BLACK SWORD etwas knapper ausfallen können.

Dennoch – und um eine Lanze für das Album zu brechen – täuscht all dies nicht über die Tatsache hinweg, dass DOMINE ihr Handwerk schon früh verstanden und zweifellos dazu in der Lage waren, hervorragende Nummern respektive Genre-Hymnen mit einem gewissen atmosphärischen Tiefgang zu schreiben. So oder so, und auch wenn es nicht perfekt ist – ein Album wie CHAMPION ETERNAL gehört in jede gut sortierte Metal-Sammlung.

Absolute Anspieltipps: THE MASS OF CHAOS, THE FREEDOM FLIGHT, DARK EMPEROR, THE ETERNAL CHAMPION


„Nicht perfekt und gerade in klanglicher Hinsicht etwas unausgegoren – für ein Debütalbum einer zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unscheinbaren Band aber durchaus ein Brett.“