Filmkritik: „Death Note“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Death Note (Manga)
Regie: Adam Wingard
Mit: Nat Wolff, Margaret Qualley, Lakeith Stanfield u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 101 Minuten
FSK: nicht geprüft / keine Angabe
Genre: Thriller / Horror / Fantasy
Tags: Death Note | Light Yagami | Ryuk | Shinigami | Japan | Manga | Anime-Serie

Einmal das Totenbuch, bitte… gut durch und auf Amerikansich.

Inhalt: Eigentlich ist der junge Light Turner (Nat Wolff) nur ein ganz normaler Schüler, der sich ab und an etwas mit den Hausaufgaben anderer dazuverdient. Eines Tages aber fällt ihm ein seltsames schwarzes Notizbuch in die Hände, welches die Aufschrift DEATH NOTE trägt. Schnell stellt er fest, dass das Buch außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt: stellt man sich das Gesicht einer Person vor und trägt den dazugehörigen Namen auf einer der Seiten ein, stirbt der betroffene. Als wäre das noch nicht unglaublich genug, taucht auch ein Todesgott namens Ryuk auf – der offenbar der eigentliche Besitzer des Buches ist, und Light dazu ermutigt seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Light’s Entschluss, die Welt mithilfe des DEATH NOTE zu einem besseren Ort zu machen; ist daraufhin schnell gefasst – sodass er schlicht einige der gefährlichsten Verbrecher tötet, deren Gesichter und Namen er in den Medien aufgeschnappt hat. Dabei kommt ihm eigentlich nur einer in die Quere, und dass ist der hiesige Chefermittler L (Lakeith Stanfield)…

Kritik: Ob Fans des originären DEATH NOTE-Mangas (2003-2006) oder der seinerzeit direkt im Anschluss verwirklichten, längst mit einem enormen Kult-Status geadelten Anime-Serie (siehe Rezension) explizit darauf gewartet haben oder nicht – mit DEATH NOTE erfährt die düstere, sich um ein mysteriöses Buch aus einer Art Zwischenwelt drehende Geschichte von Tsugumi Ōba eine weitere Realverfilmung. Dieses Mal, und im Gegensatz zu den bisherigen vier Realfilmen aus Japan (siehe unter anderem hier); haben sich mit den Warner Studios erstmals die nicht unbedingt für gute Anime-Adaptionen bekannten Amerikaner an den Stoff gewagt. Eben das sieht und merkt man dem von Adam Wingard (der durch die Neuverfilmung zu BLAIR WITCH bekannt geworden ist) gedrehten Film auch direkt an – was noch nicht zwingend als Qualitätsmerkmal interpretiert werden muss, aber doch schon die ungefähre Marschrichtung vorgibt.

Anders gesagt: es sei den Amerikanern durchaus gegönnt, dass sie hier ihre ganz eigene Version von DEATH NOTE auf die Beine gestellt haben – und schon der Auftakt des Films respektive die ausführlichen Intro-Szenen mit Ansichten einer Highschool, des hiesigen Football- sowie Cheerleading-Teams und allerlei amerikanischen Gesichtern auch mit Nachdruck darauf aufmerksam machen. Selbst die zugegebenermaßen recht unglückliche Besetzung des wichtigen Charakters L durch den farbigen und auch sonst eher unpassend wirkenden Darsteller Lakeith Stanfield markiert so gesehen keines der Hauptprobleme des neuen, durch und durch amerikanischen DEATH NOTE-Films – der sich seine größten Fehlgriffe vielmehr in der letztendlich doch auffallend unstimmigen inhaltlichen und atmosphärischen Portierung leistet.

Das besondere, und gewissermaßen auch fatale dabei ist; dass es zur Feststellung dieser Mängel erst gar keines intensiveren DEATH NOTE-Vorwissens bedarf – mit einem kleinen aber feinen Unterschied. So werden komplette Franchise-Neueinsteiger vielleicht nicht genau wissen oder benennen können, was dem neuen DEATH NOTE-Film fehlt – während Kenner der Vorlagen immer wieder darauf hingewiesen werden, wie viel Potential hier letztendlich verschenkt wurde. Sei es der plötzlich eher weichgespülte Charakter der eigentlich ebenso hoch intelligenten wie skrupellosen Hauptfigur Light, die perfiden Katz- und Mausspiele zwischen ihm und der durch den weltfremd agierenden Chefermittler L verkörperten Gegenseite; oder der schier unglaubliche Spannungsbogen hinsichtlich des geschickt hinausgezögerten Finales, welches man zumindest im Anime kaum vorhersehen kann – die Amerikanische Realverfilmung von DEATH NOTE lässt hinsichtlich der Darstellung dieser Kernkompetenzen einiges vermissen, oder stellt sie lediglich äußert vereinfacht und in einem regelrechten Schnelldurchlauf dar.

Sicher, es mag nicht leicht gewesen sein den doch recht ansehnlichen Umfang der Vorlagen in ein handelsübliches Filmformat zu verfrachten – doch ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hätte man dabei schon an den Tag legen können. Oder aber, und um es einmal gewagt auszudrücken: den Mut, zumindest die unvorbereiteten Zuschauer im schlimmsten Fall dezent zu überfordern. Dieses Wagnis sind die Verantwortlichen allerdings nicht eingegangen. Im Gegenteil: trotz der guten und spannenden Grundidee kommt die amerikanische DEATH NOTE-Verfilmung wie ein relativ typischer Teeniefilm oder auch Highschool-Thriller mit entsprechend bekannten Elementen daher, bei dem selbst die überraschend heftigen Splatter-Szenen nicht für viel Aufsehen sorgen können. Und schon gar nicht die Inhalte oder Charaktere, die hier auf das absolut nötigste reduziert wurden – und so erst gar keinen Vergleich zur Vielschichtigkeit und Intensität der Anime-Serie zulassen.

Auch in Bezug auf die handwerklichen und technischen Aspekte kann das Urteil eigentlich nur zwiespältig ausfallen, wofür schon die allgemein schwierige Darstellung des Todesgottes oder auch Shinigamis Ryuk spricht. Tatsächlich muten dessen Rückansicht und Silhouette ordentlich gruselig an – aber eben nicht die gerne mal direkt gezeigte Front respektive Gesichtspartie mit ihrem arg künstlichen Anstrich. Immerhin, und so gesehen: im Gegensatz zu den billig-plump wirkenden CGI-Eskapaden der japanischen Realfilme ist hier schon eine kleine Qualitätssteigerung erkennbar. In Bezug auf die Darsteller gilt es, ähnlich schwankendes festzuhalten. Der einst durch eine Kinderband (THE NAKED BROTHERS BAND) bekannt gewordene Nat Wolff beispielsweise ist grundsätzlich eine positive Überraschung – auch wenn er die Aufgabe, den Charakter von Light sinngemäß darzustellen; auch aufgrund des Drehbuchs schlicht unmöglich stemmen kann. Während die Kameraführung, die Wahl der Schauplätze und das das Setdesign inklusive der durchdachten Beleuchtung weitestgehend stimmig ausfallen; haben sich die Macher aber spätestens mit dem Soundtrack einen echten Fauxpas geleistet. Schließlich hätte man kaum noch unpassendere und noch aufdringlicher inszenierte Poprock-Titel wählen können als beispielsweise in Bezug auf die spätere Riesenrad-Szene.

Schlussendlich: mit der 2017’er Version von DEATH NOTE sind die Verantwortlichen ein Wagnis eingegangen. Ein Wagnis, dass es so allerdings schön öfter gab – und in nur selten wirklich zufriedenstellenden Fernost-Portierungen mündete, sei es in Bezug auf Manga-, Anime- oder Realfilmadaptionen. Daran ändert auch der neue DEATH NOTE-Film nichts – der alles andere als ein Meilenstein geworden ist, andererseits aber auch noch viel ärger hätte ausfallen können. Dennoch, selbst im besten Fall reicht es hier nur für eine eher besondere respektive indirekte Daseinsberechtigung – die darin besteht, zufällig geköderte Franchise-Neueinsteiger für die zugrundeliegenden Vorlagen zu sensibilisieren.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Netflix / James Dittiger

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„DEATH NOTE Minus DEATH NOTE, oder: es ging schief, was schief gehen musste.“

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TV-Kritik / Anime-Review: DEATH NOTE

Death Note ist eine von Tsugumi Oba ins Leben gerufene Geschichte um einen jungen Mann namens Light Yagami, der eines Tages ein seltsames Buch findet – das Death Note. Dieses Buch ist aber mehr als nur ein blosser Leseschmöker, denn es gibt dem jeweiligen Eigentümer die Möglichkeit, Menschen zu töten. Alles was man dazu benötigt, ist eine bildliche Vorstellung des Gesichts des Opfers, sowie den dazugehörigen Namen. So kann man auch über den Todeszeitpunkt und die Umstände entscheiden, indem man eine entsprechende Eintragung in das Death Note vornimmt. Doch wie für alles andere gibt es auch für dieses Buch ein Regelwerk – ein mysteriöses, welches im Verlauf der Geschichte teilweise vorgestellt wird.

Mindestens (!) einen weiteren Nebeneffekt hat die Benutzung des Death Note dann aber doch: dem Benutzer erscheint ein sogenannter Shinigami, ein Gott des Todes. Dieser ist der eigentliche Besitzer des Buches, und ist nur für den betreffenden „neuen“ Besitzer sichtbar. Im Falle von Light ist es der gleichzeitig bedrohlich und ulkig wirkende Ryuk, der ihn von nun an begleitet – seine wahre Intention bleibt vorerst verborgen. Nachdem sich Light dieser neuen Fähigkeit bemächtigt hat und entschließt, sie möglichst „sinnvoll“ zu nutzen, erwacht automatisch auch eine Gegenseite. Vorerst sind das die Polizei und weitere Ermittler, doch schon bald meldet sich ein gewisser L zu Wort. Es entbrennt ein erbarmungsloser Kampf zwischen zwei  Seiten, bei dem es nicht nur entscheidend ist ob man ein Death Note besitzt – es geht in erster Linie darum, wer klüger ist. Die Episoden (deutsche Titel):

1 Wiedergeburt
2 Konfrontation
3 Ein Geschäft
4 Verfolgt
5 Strategien
6 Das Detail
7 Wolkenverhangen
8 Blickwinkel
9 Kontakt
10 Der Verdacht
11 Offensive
12 Liebe
13 Das Geständnis
14 Freunde
15 Das Duell
16 Das Urteil
17 Vollstreckung
18 Kollegen
19 Matsuda
20 Das Provisorium
21 Aktivitäten
22 Hinführung
23 Tumult
24 Das Comeback
25 Schweigen
26 Erneuerung
27 Die Entführung
28 Ungeduld
29 Vater
30 Gerechtigkeit
31 Übertragung
32 Die Auswahl
33 Hohngelächter
34 Lauern
35 Tötungsabsicht
36 1.28
37 Eine neue Welt

In dieser Rezension geht es ausschließlich um die Ende 2006 ins Fernsehen portierte Adaption des Manga-Stoffes, verantwortlich zeichnet sich das bekannte Anime-Studio Madhouse. Filmrezensionen zu den Real-Life-Portierungen sind an gesonderter Stelle zu finden. Und: man muss schon sagen… diese Serie ist bisher eine der größten Überraschungen überhaupt für mich. Als Fan von SciFi angehauchten Animes (hauptsächlich) habe ich anfangs noch etwas gezögert – würde mich diese Geschichte um ein seltsames aber mächtiges Buch fesseln können ? Doch es brauchte keine zwei Folgen, um mich zu überzeugen. Death Note ist eine wahrlich aussergewöhnliche Anime-Serie. Alle Fans von plumper Action und oberflächlichen Liebesgeschichten habt Acht – davon gibt es in Death Note nichts zu sehen. Welch eine Wohltat ! Stattdessen regiert, wie sollte man dies in einem Stichwort formulieren – Intelligenz. Diese ist vom Zuschauer gefordert; steckt aber besonders in den vielschichtigen Dialogen, dem Wortwitz und den grandiosen Zweikämpfen auf Geistesebene. Es ist einfach spannend, den jungen Light dabei zu beobachten, wie er sich kontinuierlich ein gefährliches Doppelleben aufbaut – und sich später aus absolut jeder noch so kritischen Misere herausbugsiert und ständig als Sieger hervorgeht. Wie macht er das bloss… ? Nun, sicherlich auch mithilfe des Death Note, mit dem er eine völlig neue Welt erschaffen möchte. Mord, Leid und Verbrechen wird es dann nicht mehr geben – doch es ist klar, dass nun die Frage nach einer Moral aufkommt. Kann und darf Mord wirklich die Grundlage für die Erschaffung einer „neuen Welt“ sein… ?

Hat hier jemand noch ein paar Äpfel für mich… ?

Natürlich ist das Porträt der Gegenseite ebenso spannend und faszinierend. Das besondere an dieser Serie ist zweifelsohne, dass man als Zuschauer recht genau weiss, wer dieser Kira ist und was er vorhat – alle anderen Protagonisten aber eben nicht. So ist man in vielen Situationen schnell der Meinung, dass es das nun aber gewesen sein muss mit der Erfolgsgeschichte von Kira – doch Pustekuchen. Es gelingt ihm immer wieder, sich aus den gefährlichsten Situationen zu bugsieren, ebenso wie die Gegenseite ihm immer wieder (ansatzweise) auf die Schliche kommt. Diese eigentlich simple Grundvoraussetzung sorgt für einen enormen Spannungsbogen, der sogar über die 37 Episoden kontinuierlich gehalten werden kann – sicherlich keine leichte Aufgabe. Daher fällt es auch etwas schwer zu sagen, ob eine (reguläre) Episodenanzahl von 26 sinnvoller gewesen wäre. Eventuell ja, da die Stimmung noch intensiver ausgefallen wäre, und man der Gefahr, den Spannungsbogen zu überdehnen, definitiv aus dem Weg geräumt hätte – eventuell aber auch nein, weil Death Note nun einmal Death Note ist und aus irgendeinem Grund 37 Episoden hat.

Etwas unzufriedenstellend ist – aber dies haben viele Animes an sich – die Erläuterung der Hintergründe. Vieles wird  demnach für „selbstverständlich“ gehalten, dazu nur einige Stichwörter: wer sind die Shinigamis, wer ist ihr Meister, was ist der Ursprung und Sinn des Death Notes… natürlich funktioniert der Anime auch, ohne explizit auf diese (sicherlich aufkommenden) Fragestellungen einzugehen. Man muss es wohl so hinnehmen, wie es ist; und sich bezüglich der Interpretation (gegebenenfalls) selbst den Kopf zerbrechen… für alles weitere möchte ich erneut meine Plus-Minus-Liste zur Hand nehmen, in der (möglichst objektiv) versuchen werde, alle Positiv- und Negativaspekte der Serie festzuhalten.

Positivliste:

+ Intelligente, spannende Dialoge

+ Ausgefeiltes Charakterporträt von Light (Doppelleben, gut und böse)

+ Grandioser, sich kontinuierlich entwickelnder Spannungsbogen

+ Spannende Nebencharaktere (auf beiden Seiten)

+ Gute Zeichnungen und gute Animationsqualität

+ Genial-stimmiger Soundtrack

+ 2 passende Intros und Outros

Negativliste:

– Kaum Erklärungen über Sinn oder Unsinn der Hintergründe, vieles wird als „Selbstverständlichkeit“ vorausgesetzt

Schlussendlich… man könnte sicherlich viele seiten über diese Anime-Serie füllen. Der Inhalt wäre aber höchstwahrscheinlich stets derselbe: er wäre von einem positiven Grundton durchzogen. Denn Death Note ist zweifelsohne eine der besten Anime-Serien, die es je gegeben hat. Folglich muss sie einen gerechten Platz auf meinem Wertungsthron finden – und den bekommt sie mit satten 10/10 Punkten auch. Es bleibt festzustellen, dass die Serie zwar ein eher spezifisches Thema hat, nicht ganz so universell und erschütternd daherkommt wie beispielsweise Neon Genesis Evangelion – aber ansonsten alle erdenklichen Stärken (im Sinne eines Unterhaltungswertes) aus dem Gebiet der Detektivgeschichten, der Psychologie und einer ausgefallenen Ideologie (+ dem Versuch der Verwirklichung) in sich vereint. Ganz, ganz großes Anime-Kino; Death Note ist uneingeschränkt empfehlenswert. Ein Muss ! Noch ein (von Fans gemachter) Trailer zum Abschluss:

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„Einzigartig.“

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Filmkritik: „Death Note: L Change The World“ (2008)

Originaltitel: Death Note – L Change The World
Regie:
Hideo Nakata
Mit: Kenichi Matsuyama
Laufzeit: 129 Minuten
land:
Japan
Genre:
Thriller

Inhalt: Nachdem L seinen Widersacher Nummer eins besiegen konnte (wir wissen, dass dies im Manga / Anime etwas anders lief) bleiben ihm nur noch wenige Tage. Schließlich war er gezwungen, einen gewissen Eintrag der ihn selbst betrifft, in das mysteriöse Notizbuch zu schreiben. Was bleibt ihm, neben der Gewissheit, einen größenwahnsinnigen Death Note-Besitzer ausgeschaltet zu haben ? Genau, exakt 23 Tage, um weitere Verbrechen rund um den Globus zu bekämpfen. Eines Tages dann wird ihm von einer Art Experiment berichtet. Es geht um einen gefährlichen Virus, wie sich herausstellt – der unter keinen Umständen verbreitet werden darf. Ein seltsamer Junge überbrachte ihm diese Botschaft, und weicht von nun an nicht mehr von L’s Seite. Würden sie eine mögliche Epidemie gemeinsam verhindern können ?

Kritik: Also, was gibt es über dieses Sequel zu sagen… dieses, aber auch jenes ! Schließlich war bereits der erste Teil der Death Note-Verfilmungen eher durchwachsen – er ist vielmehr als „Einstieg“ in das komplexe und interessante Thema zu betrachten. Der zweite hingegen überzeugte beinahe zu 100% – es ist ein rundum perfekter und superspannender (Psycho-)Fantasy-Thriller geworden. Entsprechend schwierig gestaltete es sich wohl, diese Reihe mit dem dritten Teil noch „krönend“ abzuschließen, beziehungsweise das Niveau zu halten. Es ist kein Geheimnis: leider haben die Macher (es zeichnet sich im übrigen ein anderer Regisseur verantwortlich) es nicht geschafft.

Während der zweite Film noch alle Stärken des Death Note Universums ausspielte – das heisst hauptsächlich den epischen Geisteskampf zweiter Kontrahenten spannend in Szene setzte – hat der dritte Film eigentlich kaum noch etwas mit der Thematik zu tun. In einer der ersten Szenen werden 2 Death Note’s von L vernichtet – ein böses Omen, da von nun an eigentlich ein völlig neuer Teilabschnitt beginnt. Die Death Note’s sind weg, damit auch die Shinigamis (die Todesgötter), Light und Light’s Familie sind ebenfalls aus dem Spiel – man beginnt nun also quasi von vorn. Gut, einen Charakter nimmt man natürlich „mit“ aus den beiden ersten Teilen: L nämlich. Genau um den geht es hier. Aber leider fällt der Film weniger als ein exklusives oder ausführlicheres Charakterporträt aus, sondern vielmehr als plumper Weltrettungs-Actioner, in der einige wenige „wissende“ Personen die Ausbreitung eines Virus verhindern. Das Problem ist hierbei offensichtlich: das Drehbuch eignete sich, ginge es hierbei nicht mehr um L – viel eher für einen billigen Actionstreifen der privaten, ganz besonders die finale Szene bestätigt dieses Gefühl noch einmal.

Klar, er musste es tun – für den Film war dies aber eher schlecht…

Folglich gibt es wenige neue oder überraschende Elemente in diesem dritten Death Note Film. Dinge, die für den Zuschauer und „Fan“ wirklich interessant gewesen wären, deutet man lediglich ganz spärlich an (wer ist L eigentlich, woher kommt er, gibt es noch andere „Agenten“ wie ihn ? Und wer leitet diese merkwürdige Organisation ? Und so weiter). Immerhin ging der Anime in diese Richtung, indem er 2 neue, vollkommen gegensätzliche „Agenten“ vorstellte, Near und Mellow nämlich. In diesem Fall wird allerdings völlig auf möglicherweise komplexes verzichtet, stattdessen wird ein Haufen „Haudrauf-Terroristen“ als neue Charaktergruppe eingeführt. Das Problem: diese Charaktere sind allesamt uninteressant und wenig vielschichtig, ihre Ambitionen werden nicht ganz klar. Schauspielerisch mag das Ganze ein gewisses Niveau haben, doch das tröstet keinesfalls über die plumpe Handlung hinweg. L und ein seltsamer Junge jagen Terroristen… ? Vielleicht hätte man da mehr draus machen können, so aber überzeugt das Ganze nicht.

Fazit: Ganz besonders das Finale wirkt dann doch eher lächerlich. Ein Flugzeug als Schauplatz eines wichtigen „Kampfes“ der über Sieg oder Niederlage entscheidet ? Das kennt man doch eher aus TV-Serien oder billigen amerikanischen TV-Produktionen. Auf der Positivseite kann jedoch getrost das weiterführende Porträt von L verbucht werden, Voraussetzung wäre natürlich dass man diesen Charakter irgendwo mag (und die beiden vorherigen Filme gesehen hat). Als „Einstieg“ in das Death Note Universum eignet sich dieser Film wohl kaum. Nicht ansehen, sind die anderen beiden Filme noch nicht gesehen – sonst wird man sich nur noch mehr über die mangelnde Qualität wundern ! Diese setzt auch technisch da an, wo der erste Film aufgehört hatte. Leider nicht da, wo der zweite begann – die Schauplätze sind eher wieder uninteressant, die Optik mittelmässig, nichts markantes bleibt hängen. Hätte man den zweiten Film also noch ausweiten / nicht so vorschnell enden lassen sollen, oder war es so vielleicht besser, da nun wenigstens eben dieser zweite Film richtig glänzt ?


Filmkritik: „Death Note: The Last Name“ (2006)

Originaltitel: Desu Nôto – The Last Name
Regie:
Shusuke Kaneko
Mit:
Tatsuya Fujiwara u.a.

Laufzeit: 141 Minuten
Land:
Japan
Genre:
Thriller

Inhalt: Die Story wird im Review zum ersten Film schon im ungefähren beschrieben. Aber wie wird es nun weitergehen – wird es ähnlich spannend zugehen wie im Anime ? Wohlgemerkt, diese (und ähnliche) Filme werden vom Rezensenten alle im Originalton, mit entsprechenden Untertiteln gesehen. Es gibt also keine Kommentare zu einer möglichen Synchro. Kommentare gibt es allerdings zur Umsetzung der Story, beziehungsweise den nun immer merklicher werdenden Veränderungen im Vergleich zum Manga. In dem kommt nämlich einer der beiden Hauptprotagonisten (relativ frühzeitig) ums Leben… im Film jedoch… doch halt, Spoilergefahr. Nur soviel: dieser zweite Teil der Death Note Realverfilmung geht etwas anders aus als im Manga oder Anime. Andere wichtige Elemente bleiben jedoch gleich: Light beginnt nun mehr und mehr, sich zum neuen „Weltenführer“ hochzuarbeiten, eben mithilfe des mysteriösen Death Note. Er bekommt einen „Partner“ an seine Seite, Misa Amane nämlich (Erika Toda). Diese junge Frau gilt von nun an – zumindest offiziell – als Lights Freundin. In Wahrheit aber verfolgt dieser immer noch seine ganz eigenen Pläne. Selbstverständlich ebenfalls „neu“ und nun mit von der Partie: Shinigami Rem (sowie kurze Einblicke in die Welt der Shinigamis).

Kritik: Und jetzt, die große Überraschung: Dieser Film ist weitaus besser als der erste. Warum… ? Nun, man könnte den ersten Film eher als eine Art „Einleitung“ in die Trilogie betrachten, bei der alles etwas „gemäßigter“ ausfällt. Vielleicht wollte man den Zuschauer auch nicht gleich überrumpeln, wer weiss… klar ist jedenfalls, dass der zweite Film nun endlich vollends durchstartet. Ganz besonders in Bezug auf den Zweikampf zwischen Light und L, der jetzt sein volles Spannungs- und Intensitätslevel erreicht. Die Story wirkt komplex, dicht und spannend – ohne dabei zu sehr abzudriften oder gar allzu „kryptisch“ daherzukommen. Interessant ist natürlich auch das etwas andere Ende, welches eine zweite Ansicht auf das Death Note Universum ermöglicht. Welches Ende erscheint nun gelungener, das aus dem Film oder das aus dem Anime (wenn es um L geht) ? Man weiss es nicht, wirklich nicht. Beide Möglichkeiten haben ihren Reiz.

Eine dunkle Atmosphäre und nervenaufreibende Spannung ist nun auch allgegenwärtig, es bleibt im Sinne des Drehbuches weltbewegend, was da mit dem Death Note angestellt wird, sodass die Story durchaus ein weitreichendes Potential hat. Und zu einigen Interpretationen / moralischen Diskussionen führen kann – sofern man sich denn gerne an Filmdiskussionen beteiligt. Weiterhin: die Kameraführung, die Schnitte, die Szenenaufbauten und Schauplätze (mit überfüllten Plätzen, den Führungsgebäuden der Ermittler, Sakura-TV und so weiter) erreichen endlich ein höchstmögliches qualitatives und abwechslungsreiches Level. Wie auch die Musik – mit einer Ausnahme, das muss ich zugeben. Das Intro- und Outrolied, welches hier gewählt wurde… aua. Warum nur… ? Verraten wird nichts genaues, das sollte man schon selbst herausfinden. Es passt allerdings nur sehr, sehr bedingt – mit ein Grund, warum dieser Film (leider) nicht die Höchstwertung erreichen kann, solche „Maßnahmen“ (wie sie beispielsweise auch in The One vorgekommen sind), gehören einfach bestraft, auch wenn sie nicht direkt etwas mit dem Film zu tun haben.

Auch ein Shinigami kann menschliche Gefühle entwickeln… was fatal endet…

Fazit: Besonders positiv fällt das ausführlicher werdende Porträt von Shinigami Ryuk auf. Es ist irgendwie… zwiespältig ! Schließlich weiss man um den Grund seiner Existenz (zumindest ungefähr), aber dennoch verhält er sich stets ziemlich vergnügt. Und seine Vorliebe für Äpfel ist einfach nur köstlich ! Auch Shinigami Rem wirkt gut inszeniert (besonders die Stimme – männlich) und Jealus (recht nette Cgi-Szene), wenngleich besonders Rem nicht immer tadellos animiert daherkommt. Wie dem auch sei, es gibt sichtbare Verbesserungen im Vergleich zum ersten Teil, definitiv. Nicht nur in technischer Hinsicht. Heisst folglich: man wird sehr gut unterhalten. L weiß ja nun bereits, wer Kira ist, doch ein Problem bleibt – er hat einfach keinen richtigen Beweis ! Und Light auf der anderen Seite hat nur noch ein Ziel, nämlich L auszuschalten – nur möglichst unauffällig und intelligent. Desweiteren haben wir einige Nebencharaktere, wie Light’s Familie (allen voran der Vater als essentieller Charakter); und natürlich „Kira Nummer 2“, Misa – die stets voller Hoffnung ist, dass Light sie eines Tages doch lieben würde. Alles in allem resultiert daraus eine wirklich angenehme Mischung, die endlich einen der realen Death Note-Filme zu dem macht, was alle Wetl gehofft hatte: zu einem „todespoetischen“, psychologischen Meisterwerk voller Spannung und Unterhaltungswert.


Filmkritik: „Death Note“ (2006)

Originaltitel: Desu Nôto
Regie:
Shusuke Kaneko
Mit: Tatsuya Fujiwara u.a.
Laufzeit:
126 Minuten
Land:
Japan
Genre:
Thriller

Inhalt: Dieser Film basiert auf der relativ bekannten Manga-Reihe mit dem Titel Death Note. Hauptthema des Mangas: ein mysteriöses, schwarzes Buch findet den Weg in die Menschenwelt – ein Shinigami, ein sogenannter Gott des Todes – hat es verloren. Es gerät – ob zufällig oder nicht – in die Hände eines japanischen Studenten namens Light Yagami (Tatsuya Fujiwara). Mit diesem Buch ist er nun in der unfassbaren Lage, Menschen mit einigen wenigen Notizen sterben lassen zu können. Es scheint, als hätte Light nur auf eine solche Gelegenheit gewartet – er entschließt sich, mit dem Buch sein eigenes Verständnis von gut und böse in die Tat umzusetzen. Er beginnt damit, dass er unzählige Schwerverbrecher rund um den Globus ausschaltet – doch dies führt unweigerlich zu einiger Aufmerksamkeit. Einerseits bildet sich eine regelrechte Fangemeinde um Kira, wie sie ihn nennen – doch andererseits ruft dies auch die Behörden auf den Plan. Mysteriöser Anführer auf der Gegenseite: L (Ken’ichi Matsuyama). Ein Zweikampf der ganz besonderen Art entbrennt, und schon bald müssen auch die ersten unschuldigen Menschen sterben…

Kritik: Diese Realverfilmung eines Mangas (die Anime-Serie folgte später) ist sehr gut gelungen – hauptsächlich, weil sich der Film sehr nah an der Vorlage orientiert. Das heisst explizit: das Hauptthema bleibt der gnadenlose Zweikampf zwischen Light und L als Kontrahenten, und natürlich der fragwürdige Einsatz des Death Note als Tötungswerkzeug und Machtinstrument. Natürlich bietet der Manga eine enorme Menge an „Stoff“, der wohl kaum angemessen in einem Realfilmformat präsentiert werden kann. Diesem Faktum versucht man also, mit zweierlei Maßnahmen entgegenzuwirken. Zum einen wird es insgesamt 3 Filme (also eine Trilogie) zu Death Note geben, und zum anderen änderte man die Story etwas ab, besonders im späteren Verlauf. Doch dazu an geeigneter Stelle mehr !

Es handelt sich bei diesem Film weniger um einen satten Actioner, als einen eleganten und intelligenten Psycho-Thriller, bei dem die Charakterporträts einer der wichtigsten Aspekte sind. Die Charaktere des Films sind gut in Szene gesetzt, allen voran natürlich die beiden Hauptkontrahenten Light und L. Wenngleich man sich – zugegebenermaßen – ersteinmal an die Gesichter der Schauspieler gewöhnen muss. Man kann wohl zumindest hierzulande davon ausgehen, dass sie niemand kennt. Das ist nicht unbedingt ein Problem, da man so „unvoreingenommen“ an die Sache herangehen kann – aber wie gesagt, es ist eine Gewöhnungssache. Gerade wenn man den Manga oder den Anime kennt ! Einzig Watari (Shunji Fujimura) wirkt wie eins-zu-eins aus dem Manga übernommen – gut, das fiel natürlich auch ungleich leichter mit dem markanten Aussehen (älterer Mann, Hut, Brille). Light (gespielt von Tatsuya Fujiwara) scheint sich dagegen etwas von der „Version“ im Manga / Anime zu unterscheiden – dort ist er nämlich ein schwer intelligenter junger Mann, der immer etwas mehr wusste als alle anderen. Und genau dieser Tatsache war auch seine Mimik angepasst – im Film jedoch wirkte er einstweilen etwas verunsichert (unklar ob dies so gewollt ist oder an der schauspielerischen Leistung liegt). L (gespielt von Ken’ichi Matsuyama) wirkt schon eher „bekannt“, natürlich ist es auch sein Auftreten im Gesamten welches hier den Eindruck macht (Barfuß-laufen, Süßigkeitenfanatiker et cetera).


In Sachen Effekte(n) gibt es gar nicht so viel zu berichten – zum Glück ? Schließlich beschränken sich diese auf das notwendigste, das heisst in der Regel nur auf die Animationen der Shinigamis, der Todesgötter. Und die sehen… relativ gut aus. Denn: im dunkeln integrieren sie sich perfekt in die Szenerie, in helleren Szenen jedoch wirken sie etwas deplatziert und künstlich. Etwas schade ist auch, dass es keine wirklichen „Eyecatcher“ im Film gibt, wie etwa besondere Szenenaufbauten oder Spielereien mit der Optik im allgemeinen. Das ganze wirkt – zumindest technisch – wie absoluter Durchschnitt. Da hätte man sich vielleicht etwas mehr erhofft, gerade wenn es sich um eine Manga-Adaption handelt – ein paar Aspekte, die das Ganze auch optisch etwas aus der Masse der Filme herausstehen lassen – ohne den Einsatz von allzuviel Spezialeffekten. Sei’s Drum.

Fazit: Doch eines bleibt – die sehr spannende und gut umgesetzte Story, die wohl ihresgleichen sucht. Etwas ähnliches hat man bis dato wohl noch nie gesehen. Es macht einfach Spaß, den zwei Kontrahenten zuzuschauen, wie sie sich immer näher kommen und doch eine gewisse Distanz wahren – schließlich sind sie im Grunde Todfeinde ! Doch was wäre, wenn sie sich an anderer Stelle, unter anderen Umständen getroffen hätten ? In der Tat, vielleicht wären es die besten Freunde. Gerade das macht den Reiz an Death Note aus, dieser ungewöhnliche und einstweilen gar epische „Geisteskampf“ zweier intelligenter junger Männer – mit allem „Drumherum“, d.h. vielen anderen involvierten Personen und Institutionen. Und natürlich, das mysteriöse Death Note an sich, und die dahinter stehenden Geheimnisse. Was hat es mit den Shinigamis auf sich, was ist das für ein Reich indem sie leben ? Woher kommt dieser L eigentlich, und für wen arbeitet er ? Fragen über Fragen, auf die man direkt natürlich keine Antwort bekommt – gut so. Jedenfalls vermisste ich in diesem ersten Teil der Trilogie etwas, etwas; was den Film wirklich hätte einzigartig machen können. Ganz im Sinne der Grundidee eben. Der Schlagabtausch erreichte niemals sein volles Spannungspotential, Actionszenen gibt es kaum… doch, dieser Film macht definitiv Lust auf den zweiten Teil.