Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – To Hell (2015)

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Alben-Titel: To Hell
Künstler / Band: Dawn Of Destiny (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. Oktober 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Phonotraxx Publishing

Alben-Lineup:

Jens Faber – Guitars, Bass, Vocals (backing)
Dirk Raczkiewicz – Keyboards
Jeanette Scherff – Vocals (lead)
Philipp Bock – Drums
Felix Gebhart – Guitars

Track-Liste:

1. Hide Our Sorrow (04:55)
2. Fire (03:02)
3. From Paradise (03:45)
4. To Hell (03:37)
5. Scream (04:07)
6. Hateful Heart (06:23)
7. Burn in the Fire (05:25)
8. Only the Ocean Knows (07:38)
9. Light in the Night (04:35)
10. Destroy My World (05:10)
11. Belief (05:12)
12. Life (04:11)
13. Forgive (04:43)

Wer wird denn gleich zur Hölle fahren…

Allzu lange liegt das letzte Album der deutschen Power Metaller von DAWN OF DESTINY noch nicht zurück – und doch meldet sich die Band schon jetzt erneut zu Wort. Mit TO HELL erscheint das mittlerweile sechste offizielle Studioalbum der fleißigen Bochumer – welches wie der Vorgänger F.E.A.R. (Review) satte 13 Titel respektive eine gute Stunde extravagante Power Metal-Kost anzubieten hat. Warum auch nicht, sollte man meinen – schließlich hat die Diskografie der Band bereits jetzt einiges zu bieten, wobei ein Ende der Inspiration nicht abzusehen ist. Dabei ist vor allem der Wandel respektive der natürliche Reifeprozess der Band interessant, der sich auch im Soundgewand der Alben niederschlägt. Wobei diese schon immer eines gemeinsam hatten: sie entbehrten nicht einer gewissen musikalischen Tiefe; sowohl auf inhaltlicher als auch emotionaler Ebene. So konnte man sich bereits mit den frühen, nur auf den ersten Blick typischen Genre-Alben markant von der Konkurrenz abheben – und speziell mit REBELLION IN HEAVEN (Review) ein Power Metal-Feuerwerk der Extraklasse kreieren. Ein solches, dass man trotz einiger sofort zündender Titel in mehreren Durchläufen für sich entdecken konnte – und eines, das lange nachhallen sollte.

Mit den darauf folgenden Alben wurde der Sound von DAWN OF DESTINY dann noch ein stückweit; man nenne es ernster oder erwachsener – sodass das Tempo auch mal markant gedrosselt wurde und zahlreiche schwerere Elemente (klanglich, aber auch emotional) das Gesamtbild dominierten. Mit dem vergleichsweise düsteren F.E.A.R. aus dem letzten Jahr setzte man dieses Konzept dann konsequent fort – mit einem kleinen aber feinen Wermutstropfen. Denn: so richtig konnte die einst so präsente, ausschlaggebende emotionale Berg- und Talfahrt der Marke DAWN OF DESTINY nicht zur Geltung kommen. Wie immer gab es zahlreiche exzellente Momente – doch insgesamt konnte man sich nicht des Gefühls erwehren, dass sich vielleicht doch ein wenig zu viel Gleichförmigkeit eingeschlichen hatte. Umso interessanter ist es daher, das neue Werk TO HELL zu betrachten – und die Essenz desselben abermals in zahlreichen Durchläufen nach und nach für sich zu entdecken; oder wenn man so will auch freizuschaufeln. Denn das Angebot bezüglich eines vergleichsweise intensiven Hör-Erlebnisses ist nach wie vor vorhanden. Klar ist: DAWN OF DESTINY bieten keine leicht verdauliche Metal-Kost für zwischendurch – sondern eher eine ganzheitlich-intensive Erfahrung, für die man sich auch entsprechend Zeit nehmen sollte.

Etwas stellt sich dann aber doch relativ schnell heraus: TO HELL hat es wieder, das typische DAWN OF DESTINY-Flair als Ergebnis vieler verschiedener Eindrücke. Ein sehr gutes Beispiel dafür findet sich bereits mit dem Opener HIDE OUR SORROW, oder auch dem Titeltrack TO HELL – der mit einer flotten, dezent stampfenden und angenehm rhythmischen Instrumentierung daherkommt und so sofort ins Ohr geht. Doch zeigt sich, dass es sich nicht wirklich um eine Power Metal-Hymne im klassischen Sinne handelt – trotz des in dieser Hinsicht allemal konkurrenzfähigen Refrains. Schließlich transportieren die Textinhalte und einige der gut platzierten Sound-technischen Raffinessen ein anderes, auch mal dezent bedrohliches Gefühl. Was man bei anderen Bands eventuell als Unentschlossenheit attribuieren könnte, erfüllt in diesem Fall voll und ganz seinen Zweck: man kann die Wirkung der Nummer nicht vorschnell beschreiben; ein jeder Hörer wird sie anders aufnehmen und verarbeiten.

Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass viele der anderen markanten Band-Trademarks ebenfalls zurück respektive erneut stärker vertreten sind – von denen sich besonders die hie und da beigesteuerten männlichen Vocals von Jens Faber positiv bemerkbar machen. Überhaupt lässt TO HELL gesanglich keinerlei Wünsche offen: Jeanette Scherff agiert stark wie eh und je; ihre Darbietung in Titeln wie FIRE ist wenn man so will gar kultverdächtig und setzt ihren bisherigen Leistungen noch einmal die Krone auf. Noch etwas direkt deutlich werdendes gilt es dann ebenfalls nicht zu verhehlen: während man F.E.A.R. durchaus unterstellen konnte dass sich einige Lückenfüller auf dem Album befanden, sieht es in Bezug auf TO HELL wieder wesentlich besser aus. Insbesondere der Auftakt mit HIDE OUR SORROW, FIRE, FROM PARADISE und TO HELL fällt hier außerordentlich stark aus – und lässt den Gedanken, den Finger überhaupt in die Nähe der Skip-Taste zu bewegen; gar nicht erst aufkommen.

Doch natürlich sollen auch dieses Mal etwas getragenere Nummern vertreten sein – wie etwa HATEFUL HEART, welches interessanter- und seltenerweise von Jens Faber allein eingesungen wurde. Das ist eine willkommene Abwechslung; erst Recht wenn man den weiteren Verlauf der Nummer (unter anderem mit einer starken Akustik-Passage) betrachtet und sich vom abermals kongenialen Refrain und den tollen Riffs gefangennehmen lässt. Wer Abwechslung sucht, wird auf TO HELL ohnehin sehr gut bedient: schon die nächste Nummer BURN IN THE FIRE ist wieder eine, die man mit ihren deutlich aggressiveren Gesangspassagen so nicht erwartet hätte – und die durch ein außergewöhnliches Gesangs-Duett sowie dem Gegensatz aus lieblichen und schroffen Elementen abgerundet wird. Ähnliches gilt auch für ONLY THE OCEANS KNOWS – nur, dass das Ganze dieses Mal in eine dezent balladeskere Verpackung gehüllt wird.

Was bleibt, sind noch immer eine handvoll Titel – die mal mehr, mal weniger direkt zünden respektive begeistern. LIGHT IN THE NIGHT wirkt mit seinen noch stärkeren Gegensätzen beispielsweise etwas zu forciert, das abschließende FORGIVE als pure Ballade nicht mehr ganz so glanzvoll – während LIFE als mächtige Hymne an das Leben selbst noch einmal den Vogel abschießt und dabei angenehm an das ebenfalls starke PRAYING TO THE WORLD erinnert. Letztendlich gibt es also nur Kritik auf hohem Niveau: hätte man zwei oder drei der dezent schwächeren Nummern ausgespart und diese stattdessen in den anderen verbaut – wäre eine noch höhere Wertung sicher möglich gewesen. Nach dem dezent schwächeren F.E.A.R. sind DAWN OF DESTINY mit ihrem TO HELL aber wieder auf dem besten Wege, sich einen Platz im Genre-Olymp zu sichern. Doch nur von einer Steigerung zu sprechen, scheint in diesem Fall nicht wirklich auszureichen – TO HELL kann schließlich locker als eines der besten Studioalben der bisherigen Band-Diskografie angesehen werden. Und das ist in Anbetracht des bereits abgelieferten Materials durchaus etwas besonderes.

Absolute Anspieltipps: FIRE, TO HELL, BURN IN THE FIRE, LIFE


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„Ein rundum gelungenes, enorm facettenreiches Genre-Album mit starken Gesangsparts.“

Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – F.E.A.R. (2014)

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Alben-Titel: F.E.A.R.
Künstler / Band: Dawn Of Destiny (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. März 2014
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Phonotraxx Publishing

Alben-Lineup:

Jeanette Scherff – Vocals
Veith Offenbächer – Guitars
Dirk Raczkiewicz – Keyboards
Jens Faber – Bass, Vocals, Piano, Orchestration

Track-Liste:

1. And with Silence Comes the Fear (05:37)
2. Waiting for a Sign (03:22)
3. My Memories (04:28)
4. Innocence Killed (05:36)
5. End This Nightmare (03:50)
6. No Hope for the Healing (06:18)
7. Rising Angel (04:32)
8. Finally (04:34)
9. Prayers (03:58)
10. Then I Found You (04:13)
11. One Last Time (09:57)
12. Dying in Your Arms (03:40)
13. To Live Is to Suffer (03:49)

Gefangen im Wechselbad der Gefühle.

Die deutschen Power Metaller von DAWN OF DESTINY sind schon eine Nummer für sich. Mit ihren bisherigen Alben gaben sie sich jedenfalls zu keinem Zeitpunkt die Blöße – und sollten schon seit dem gelungenen 2007’er Debüt BEGINS (Review) auf so mancher Beobachtungsliste stehen. Was danach folgte, sollte das Ganze sogar noch einmal deutlich toppen – REBELLION IN HEAVEN (Review) ist bis heute ein Ausnahme-Album im positiven Sinne, und auch HUMAN FRAGILITY (Review) und PRAYING TO THE WORLD (Review) kratzten mit ihrer nun noch breiter gefächerten musikalischen Bandbreite nah am Genre-Thron. Dem allgemeinen – und natürlich dem der sogenannten Female-Fronted Metalbands. Dabei aber vornehmlich solchen, und das sollte man hervorheben; die mit weniger Bombast und ohne allzu Diven-hafte respektive Operreten-artige Attitüden daherkommen. DAWN OF DESTINY setzen seit jeher auf eine eher klassische Interpretation des Power Metal, und legen dabei einen besonderen Wert auf eine ganz spezielle, einstweilen gar ergreifende Form des lautmalerischen Geschichten-erzählens.

Das letztaktuelle Album PRAYING TO THE WORLD, welches 2012 erschien und diese Marschrichtung noch einmal explizit unterstrich; war dabei auch das erste Album nach einem markanten Lineup-Wechsel. Eventuell werden den einige schwer verkraftet haben, doch Fakt ist: für die einstige Galionsfigur Tanja Maul kam Jeanatte Scherff. Die konnte der eingeschworenen DAWN OF DESTINY-Hörerschaft erstmals zeigen was in ihr steckt, und wie gut ihre Stimme mit der instrumentellen Bandbreite der Band harmonieren würde. Markante Besetzungswechsel sind immer so eine Sache – doch in diesem Fall zeigten sich keinerlei Probleme, sodass sie (glücklicherweise) auch auf dem aktuellen Album wieder mit von der Partie ist. Wie natürlich auch Band-Mastermind Jens Faber, der sich für das Konzept und die teils schwergewichtigen Lyrics von F.E.A.R. verantwortlich zeichnet.

F.E.A.R. – oder ausgeschrieben auch FORGOTTEN, ENSLAVED, ADMIRED, RELEASED – ist das fünfte Studioalbum der deutschen Combo, die auch dieses Mal auf ein möglichst spannendes, unterhaltsames und nicht zuletzt wohlklingendes Wechselbad der Gefühle aus ist. Schlicht, weil dies eines der Markenzeichen der Band ist – und weil sie es besonders gut beherrscht. So weisen bereits das Artwork und der Opener AND WITH SILENCE COMES THE FEAR dezent darauf hin, dass es wie schon zuvor auf PRAYING TO THE WORLD einige Momente geben würde in denen man geneigt ist innezuhalten und sich von der einstweilen düsteren Atmosphäre gefangennehmen zu lassen. Der anfängliche Sprech-Part unterstützt diesen Eindruck – und die darauf folgende volle Schlagseite des DAWN OF DESTINY-Repertoires ebenfalls. Auffallend ist das schön schroffe Riffing, sowie natürlich der zweistimmige Leadgesang. Hierbei handelt es sich um eine Entscheidung, die vergleichsweise spät getroffen wurde; der Band aber in jedem Fall zugute kam. Zwar hätte auch Jeanette Scherff allein das Zeug dazu, das Album zu tragen – doch passen die gesanglichen Einschübe von Kollege Jens Faber perfekt zum spätestens mit HUMAN FRAGILITY gefestigten, erwachsenen Konzept der Band.

Die verbleibenden 12 Titel bieten dann vor allem eines: viele weitere Eindrücke, die von einer gewissen musikalischen Komplexität und einer vergleichsweise dichten Atmosphäre charakterisiert werden. Allerdings ist man trotz des gehobenen Anspruches der Band geneigt, dezente Unterscheidungen vorzunehmen. So werden sich einige Nummern finden, die man schnell als absolut gelungen und zeitlos einstufen möchte – und andere, die sich eher experimentell oder sogar schwergängig anfühlen. Ein repräsentativer Kandidat für die erstere der beiden Kategorien wäre zweifelsohne WAITING FOR A SIGN – das aufzeigt wie variabel DAWN OF DESTINY mit Stimmungen umgehen können; und das gänzlich ohne dabei ziellos zu wirken. Auch das etwas experimentellere NO HOPE FOR THE HEALING weiß mit seinem Gastauftritt von Jon Oliva und der insgesamt deutlich aggressiveren Gangart zu glänzen, gar einen markanten Aha-Effekt zu erzeugen. Flottere Titel wie RISING ANGEL oder FINALLY beschwören dann auch wieder deutlicher Stimmungen der ‚alten‘ DAWN OF DESTINY herauf, und wissen durch eine perfekte Gewichtung der einzelnen Sound-Elemente (beispielsweise das präsente, aber niemals zu aufdringliche Piano) zu überzeugen.

Vertreter der zweiten, nicht mehr ganz so edlen Kategorie wären demnach Titel wie das dezent balladesk angehauchte MY MEMORIES – das nach dem starken Auftakt deutlich abfällt und speziell vom (männlichen) Gesang her dezent problematisch ist. Oder aber das letztendlich zu viel Potential verschenkende WAITING FOR A SIGN, das trotz seines ungewöhnlichen Auftakts und des greifbaren Refrains einfach nicht zünden will. PRAYERS glaubt man ebenfalls schon einmal gehört zu haben, und sei es in Form von Versatzstücken auf dem Vorgänger PRAYING TO THE WORLD – nur, dass das Experiment dieses Mal nicht wirklich aufgeht. Vor allem im späteren Verlauf finden sich dann auch immer wieder Entscheidungen – mal kleinere, mal größere – die man nicht immer nachvollziehen kann respektive den Wunsch nach Veränderung entstehen lassen. Sei es in Bezug auf die spezielle Rhythmik bei THEN I FOUND YOU oder den ausnahmsweise mal rein männlichen Gesang in ONE LAST TIME.

Sicher, F.E.A.R. setzt die rundum gelungene Diskografie von DAWN OF DESTINY fort – ist schlussendlich aber nicht das beste, was die deutschen Power Metaller bisher zustande gebracht haben. Schließlich findet sich nur eine handvoll Nummern, bei denen man wirklich das Gefühl hat die besondere Genre-Mixtur der Band, der besondere Anspruch des Songwritings gingen vollends auf. Dazwischen finden sich immer wieder Nummern, die alles andere als schlecht sind – aber zum einen viel Potential verschenken, und zum anderen den vergangenen Glanzleistungen der früheren Alben nichts entgegensetzen können. Von der Präsentation und den technischen Aspekten her gibt es aber nichts zu mäkeln; sowie in Bezug auf das rundum durchdachte Konzept des Albums. Fans der Band; und Freunde lyrischer Mammutwerke mit zahlreichen Interpretationsmöglichkeiten werden nach wie vor auf ihre Kosten kommen.

Absolute Anspieltipps: WAITING FOR A SIGN, NO HOPE FOR THE HEALING, RISING ANGEL, FINALLY


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„Schwächer als die Vorgänger, die einem beim Hören von F.E.A.R. automatisch wieder ins Gedächtnis kommen werden – aber noch immer ein solides und abwechslungsreiches Genre-Album.“

Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – Human Fragility (2009)

Album: Human Fragility | Band: Dawn Of Destiny (weitere Band-Inhalte)

Land: Deutschland – Stil: Power Metal – Label: Shark Records

Alben-Lineup:

Jens Faber – Bass, Piano, Gesang (Background), Gitarre
Ansgar Ludwig – Schlagzeug
Patrick Klose – Schlagzeug
Tanja Maul – Gesang (Lead)
Dirk Raczkiewicz – Keyboard
Veith Offenbächer – Gitarre (Lead & Rhythmus)

01 Decadence Of A Heart 00.54
02 Silent Suffering
04.23
03 Unborn Child 03.42
04 In A Heartless World 04.30
05 Learning To Fly 04.44
06 A Better Time To Come 04.58
07 Human Fragility 05.42
08 Destiny Unknown 05.12
09 Ten Plagues Of Egypt 06.30
10 Dying Alone 03.48
11 Blown Away 04.43
12 End Of Pain 04.00
13 One Heart 04.33
14 Unchained Someday 03.10
15 For Love 05.39

Ein musikalisches Epos über die menschliche Fragilität.

Vorwort: HUMAN FRAGILITY ist das dritte Studioalbum der talentierten Bochumer Musiker von DAWN OF DESTINY. Nachdem sie bereits mit ihrem 2007’er Debüt BEGINS (Review) für reichlich frischen Wind in der Szene sorgen konnten, legten sie mit dem 2008’er Nachfolger REBELLION HEAVEN noch eine ordentliche Schippe drauf – und kassierten dafür auch auf Oliverdsw.Wordpress eine entsprechende Wertung (Review). Wie sollte eine solche Leistung, bei der kaum noch Luft nach oben ist, noch getoppt werden können ? Vielleicht ja mit HUMAN FRAGILITY, ein Album; welches dem Hörer abermals eine ansehnliche Titel-Zusammenstellung serviert. Mit 15 Titeln und einer Spielzeit von knapp 66 Minuten fällt es sogar noch ausführlicher aus als beide Vorgängeralben – nur ein Instrumentalstück (das Intro) ist vorgesehen. Besonders auffällig ist dieses Mal jedoch das Cover-Artwork, welches erstmals explizit düster erscheint – ein Hinweis auf die zu erwartende Grundstimmung des Albums ? Immerhin, auch der Albentitel lässt darauf schließen.

Kritik: Und tatsächlich scheint sich dieser erste Eindruck zu bestätigen – das Intro DECADENCE OF A HEART besteht allein aus äusserst schwermütigen, zarten Pianoklängen. Und einer beeindruckenden Melodie, doch bleibt kaum Zeit diesen Auftakt näher zu begutachten. Schließlich rollt mit dem Opener SILENT SUFFERING sogleich der erste Brecher über den Hörer herein. Etwas unerwartet und plötzlich zwar – doch war dies wohl exakt so beabsichtigt. Dementsprechend satt dröhnt nun der typische DAWN OF DESTINY-Sound aus den Boxen, gekennzeichnet von der super-soliden und gut inszenierten Instrument-Beherrschung der Mitglieder, aber natürlich auch dem Gesang von Leadsängerin Tanja Maul. Im Vergleich zum letzten Album (welches gerade einmal ein Jahr zurückliegt) aber scheint sich doch etwas verändert zu haben: DAWN OF DESTINY wirken hier nicht mehr ganz so verspielt und teils geradezu fröhlich; der Komposition wird ein ordentlicher Batzen Bedeutungsschwere hinzugefügt, der sich nun in der etwas düstereren Instrumentation widerspiegelt. Eines aber bleibt definitiv gleich: das Gespür für unverbrauchte, gute Melodien; und der Harmonie aus getragenen Strophen und hervorstechenden Refrains. Es folgt UNBORN CHILD, ein Titel, der sogleich mit ersten Überraschung in Form eines Gastsängers aufwartet: hier gibt sich Bernhard Weiß von AXXIS die Ehre. Es entsteht ein merklich düsterer, leicht mysteriös angehauchter Titel, der von diesem besonderen Gesangsduett natürlich enorm aufgewertet wird – auch wenn der Refrain etwas an den von LAST DAY (vom Vorgängeralbum) erinnert.

Es geht weiter mit IN A HEARTLESS WORLD – einem emotionalen Titel mit Tiefgang. Der Refrain zeugt abermals von einer enormen Qualität, und begeistert durch die Gesangslinien von Fronfrau Tanja Maul und den dezenten, aber äusserst wirkungsvollen Background-Gesängen. LEARNING TO FLY schließt sinnig an diese Nummer an, und präsentiert sich noch etwas gefühlvoller und zarter. Hier kann man schon deutlicher von balladesken Anleihen sprechen, doch die schweren Riffs und die markanten Instrumental-Abschnitte sorgen immer wieder für eine Auflockerung und die nötige Abwechslung hinsichtlich des akustischen Gesamteindrucks – während die Refrains als Hauptorientierungspunkt und sinnbildlicher Leuchtturm in der Komposition fungieren. Stichwort Abwechslung: nach diesen eher ruhigeren Nummern beginnt auch A BETTER TIME TO COME in dieser Manier, doch offenbart im weiteren Verlauf die ein oder andere Überraschung. Nicht nur, dass hier wieder merklich düstere Abschnitte vorgesehen sind, die in einem spannenden Gegensatz zu den harmonischen Passagen stehen; Jens Faber brilliert hier in seiner Unterstützungsrolle. Sogar zu einigen kräftigen Growls setzt er an – sodass das Klangspektrum schnell noch breiter und vielfältiger erscheint. Es folgt noch der Titeltrack, der die erste Ablen-Hälfte abschließt. Und das in eher ungewohnter Manier: der Titel beginnt mit einigen Hörspiel-Elementen. Und noch etwas ist anders, beziehungsweise speziell: ein weiterer Gastsänger gibt sich hier die Ehre, dieses Mal ist es Ian Parry (unter anderem ELEGY). Nun, der Gastauftritte sind es auf diesem Album nicht viele – doch wenn, dann liegt man goldrichtig. Zumal diese Auftritte das mit 15 Tracks recht ausführliche Album mit zusätzlichen Höhepunkten versehen.

Was könnte wirkungsvoller sein, als die zweite Albenhälfte nun endlich mit einem waschechten Kracher; einem deutlich aus der etwas getrageneren Emotion hervorstechenden Meisterwerk zu beginnen ? In der Tat ist DESTINY UNKNOWN genau das geworden – eine echte Hymne, in der sich Emotion und Kraft sinnig miteinander verbinden. Ein über alle Maßen erhabener Refrain, der einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen wird sorgt für einen leichten Zugang, die Keyboard-Elemente wirken wunderbar melodiös, die Backgroundgesänge sind wieder einmal klasse. Ein klares Highlight ! Mit TEN PLAGUES OF EGYPT wird es dann wieder merklich düsterer und schwermütiger – die Growls, sowie insbesondere einige auf ägyptisch getrimmte Keyboardsounds aber werten den sonst etwas unspektakulären Titel auf. DYING ALONE legt glücklicherweise wieder ein flotteres Tempo vor, und begeistert durch den schwermetallischen Anspruch inklusive Doublebass, Growls und Soli. END OF PAIN geht in der langen Titel-Liste leider etwas unter, die Strophen wirken etwas zu eintönig und der Refrain nicht mehr ganz so eigenständig und originell. Das gleiche gilt für BLOWN AWAY, auch wenn es durch gewisse Elemente (Audio-Einspieler, markanter Backgroundgesang, pompöse Darbietung der Strophen) gekennzeichnet ist. Hier wäre ein wenig mehr Bumms sicher nicht verkehrt gewesen, die Gitarren schrammen hier bis auf den Soli-Part etwas zu lustlos im Hintergrund.

Bleiben drei Titel – ONE HEART serviert eine eingängige Melodie, nette sphärische Elemente, flotte Power Metal-Passagen, überlagerte Gesangspassagen und einen episch anmutenden Refrain. Hier wurde wieder alles richtig gemacht – DAWN OF DESTINY klingen einfach am besten, wenn sie sich den eher hymnischen Momenten widmen und zeitlose Highlights wie dieses hier kreieren. Auch UNCHAINED SOMEDAY sorgt noch einmal für etwas Spannung gegen Ende – hier wurde ein weiterer, absolut eigenständiger und unverbraucht klingender Titel geschaffen. Das abschließende FOR LOVE lässt ein gelungenes Finale entstehen, und wirkt besonders durch die satten Keyboardeinsätze, die abwechslungsreichen Gitarren und die kurzweiligen Instrumental-Parts erhaben und fülliger als einige der Titel im Mittelteil. So gelangt man auch zur abschließenden Wertung: der Auftakt fiel reichlich fulminant, der Mittelteil etwas langatmig aus – und auf dem Weg zum Finale steigert man sich noch einmal Track für Track.

Fazit: DAWN OF DESTINY konnten sich spätestens mit dem grandiosen Vorgängeralbum als feste große im Melodic Power Metal etablieren – in internationaler Hinsicht, und in heimischen Gefilden sowieso. Doch nicht nur die Qualität und der Tiefgang der Musik sind es, die DAWN OF DESTINY auszeichnen – sondern speziell auch ihre enormen Alleinstellungsmerkmale. Sicher, Female Fronted Metalbands gibt es dieser Tage nicht wenige, doch sind DAWN OF DESTINY immer als eben jene zu identifizieren, hört man auch nur einige Sekunden in das Liedgut hinein. Jedoch muss man feststellen, dass HUMAN FRAGILITY nach den beiden Vorgängern etwas weniger pure Power Metal-Kost bietet – es ist ein deutlicher Anstieg der balladesken und progressiven Elemente zu verzeichnen. Das tut der Abwechslung (in Bezug auf die Gesamt-Diskografie) natürlich gut – aber es ist eben auch recht erhellend und zufriedenstellend, ab einem gewissen Zeitpunkt auch endlich mal wieder zu einer temporeichen, kräftig inszenierten, schlicht epischen Nummer wie DESTINY UNKNOWN zu gelangen. Solange sich solche Brecher mit eher getrageneren Nummern abwechseln beziehungsweise die Waage halten, ist alles gut. Es ist zu wünschen, dass sich DAWN OF DESTINY in Zukunft gerne weitere solcher ‚Ausbrüche‘ leisten, und ihre Alben auf diese Weise so vielschichtig und abwechslungsreich wie möglich halten. In diesem Fall handelt es sich noch immer um ein verdammt gutes, inhaltlich anspruchsvolles Album – doch sollte oder könnte man dem Vorgänger REBELLION IN HEAVEN (wenn auch nur knapp) den Vorzug geben.

Anspieltipps: A BETTER TIME TO COME, DESTINY UNKNOWN, DYING ALONE, ONE HEART, FOR LOVE


Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – Rebellion In Heaven (2008)

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power Metal

Lineup:

Tanja Maul – Gesang
Veith Offenbächer – Gitarre
Jens Faber – Bass, Piano, Hintergrundgesang
Dirk Raczkiewicz – Keyboard
Ansgar Ludwig – Schlagzeug

01. Angel Without Wings
02. Ending Dream
03. Days Of Crying
04. Tears
05. Last Day
06. Rain
07. Save Us
08. Lost
09. In Between
10. Inquisition
11. Heaven`s Falling Down
12. Perceive Me
13. Unexpected Guest
14. Where Are You Now

DAWN OF DESTINY holen aus zum zweiten Streich.

Vorwort: Nach dem erst ein Jahr zurückliegenden Überraschungserfolg BEGINS, dem Debüt-Album der vielversprechenden Power Metal-Combo DAWN OF DESTINY (Link) folgt bereits im Jahr 2008 das nächte vollwertige Album. REBELLION IN HEAVEN heisst das gute Stück – welches dieses Mal mit sage und schreibe 14 vollwertigen Tracks auffährt. Dies lässt vermuten, dass die Bochumer zumindest einiges an Ideen im Gepäch haben – ob es sicher aber um gänzlich neue und / oder frische handelt, bleibt abzuwarten. Mindestens für eine gute Stunde – denn auf ziemlich genau 60 Minuten beläuft sich die Spieldauer dieses umfangreichen Werks.

Kritik: Das Album startet sogleich mit dem OPENER ANGEL WITHOUT WINGS durch, bei dem man zu Beginn noch nicht recht erahnen kann in welche Richtung sich das Projekt REBELLION IN HEAVEN entwickeln würde. Erst Recht nicht, wenn man das Vorgägneralbum BEGINS noch nicht gehört hat – doch nach einigen dezenten Keyboardklängen offenbart sich alsbald die volle, mannigfaltige Soundkulisse von DAWN OF DESTINY. Die klingt etwa ebenso ausdrucksstark und vielfältig wie bereits auf dem Debüt – doch eine insgesamt bessere Soundqualität hievt die Komposition automatisch auf ein höheres Niveau. So begeistert der Opener durch die Symbiose aus typischen Power Metal-Elementen und dem Keyboardeinsatz mit eher klassischen Klängen; garniert vom starken Gesang der Leadsängerin Tanja Maul. Der Refrain wirkt wunderbar antreibend, und wird zusätzlich durch dezente Männerchor-Backgroundgesänge untermalt. ENDING DREAM startet dagegen etwas verhaltener und düsterer, mit einem stärkeren Fokus auf den Bass. Vielleicht wäre dieser Titel ein eher unspektakulärer geworden, wäre da nicht die stets spürbare Vorliebe für gute Melodien; und der wahrlich erhellende Refrain. Ebenfalls markant: die spätere Akustikpassage mit dem dezenten Duettgesang und dem Piano, sowie der finale Ausklang mit dem sich wiederholenden Refrain.

An dritter Stelle steht DAYS OF CRYING – hier kann es sich doch nur um eine Ballade handeln, oder ? Nun, nicht wirklich; auch wenn der Beginn noch einen kleinen Wink in eben jene Richtung gibt. Doch das ist das schöner an DAWN OF DESTINY: für eine (zumeist positive) Überraschung ist man hier immer gut. Denn bald schlägt die dröhend-wummernde Instrumentation in all ihrer Fülle zu, und legt dabei ein ähnlich flottes Tempo vor wie der Opener. Hinzu kommt allerdings noch eine dezente Prise Härte, die sich in harschen Gitarrenparts wiederspiegelt, sowie auch in einer überraschend eingebrachten Growl-Passage von einem von Tanja Maul’s männlichen Kollegen. Ja, wie soll man diese Melodien wieder aus dem Kopf kriegen ? In der Tat beweisen DAWN OF DESTINY, dass sie in eben jener Hinsicht ein ausserordentlich glückliches Händchen haben. Doch eines ist klar: lässt man sich auf ein Album von DAWN OF DESTINY ein, kommt auch um die typisch-verschwörerischen, mal düsteren, mal heiteren Halb-Balladen nicht herum. So wie TEARS eine ist, dafür aber noch mit einem recht kräftigen Instrumenteneinsatz. Tolle Instrumental-Strecken (+Soli) und ein abwechslungsreicher Einsatz der Gitarren und des Keyboards  machen diese Nummer zu einer gleichsam emotionalen wie abenteuerlichen. LAST DAY offenbart nun eine weitere Seite von DAWN OF DESTINY – leichte Gotic-Einflüsse zu Beginn und im Gesang von Tanja Maul und punktierte männliche Growls stehen im Gegensatz zum sanften, inhaltlich schwerwiegenden Refrain.

Mit RAIN erwartet den Hörer nun eine Art Epos in einem 6-Minuten-Rahmen – anders kann man es eigentlich gar nicht beschreiben. Wieder vermengen DAWN OF DESTINY verschiedene Genre-Anleihen zu einem großen Ganzen, sodass die Grenzen aus dramatischer Emotionalität, bedrohlicher Düsterheit und wohlkingend-flotten Passagen vollends ineinander verfliessen. Das ist ganz großes musikalisches Kino – ob nun als Ballade, als Midtempo-Stampfer oder als progressives Meisterstück; von allem ist etwas dabei. Das folgende SAVE US stellt sich ebenfalls als hymnentaugliche Nummer heraus, hier jedoch mit einem etwas epischeren / progressiveren Ansatz. Die Stimmung in den Strophen ist noch recht bedrohlich und leicht düster; während der Refrain ganz bandtypisch wie ein Licht im Dunkel daherkommt und für die nötige Auflockerung sorgt. Die Keyboard-Elemente wissen zu begeistern; lassen sie den Sound von DAWN OF DESTINY keinesfalls künstlich oder gar aufgeblasen erscheinen – sie gehören hier einfach dazu, und werden wunderbar in die Gesamtkomposition miteingeflochten. Hier handelt es sich zweifelsohne um einen der stärkeren, wenn nicht gar besten Titel des Albums. Doch es bleiben ja noch 7 weitere – von denen LOST den Auftakt zur zweiten Albenhälfte markiert. Hier gelingt ihnen nun eine weitere Überraschung der besonderen Art: LOST ist die wohl eingängigste Hymne des Albums, gehalten im besten Power Metal-Stil. Eine antreibende Wirkung, ein Über-Refrain und die eher simple, aber äusserst wirkugnsvolle Struktur begeistern sofort. Man sieht, die Band kann sich problemlos in verschiedene Richtungen orientieren, die Wirkungs- und Aussagekraft kommt dabei nicht abhanden. Bevor der Titel zu einem Ende kommt, ist es noch einmal Zeit für eine gehörige Portion Gänsehaut: beim finalen Refrain werden entgültig alle Grenzen gesprengt. Der liebliche Leadgesang, der fabelhafte Backgroundgesang; das schmetternde LOST… episch.

IN BETWEEN fällt dann schon wieder etwas verschachtelter und progressiver aus, was der Begeisterung allerdings keinen Abbruch verschafft. Ein Album wie REBELLION OF HEAVEN ist vergleichbar mit dem Aufschlagen eines guten Buches – und dem folgenden, völligen Abtauchen in eine andere Welt. Eine andere Welt, die jedoch eng mit der unseren verknüpft ist – nicht umsonst sorgt die Band für ansprechende, gehobene Lyrics mit starkem Wiedererkennungswert und Realitätsbezug. INQUISITION ist nach der stilechten Power Metal-Nummer die nächste Überraschung im Bunde: hier geht es erstmals ausserordentlich hart zugange, fast möchte man das Genre des Trashs zwecks eines Vergleichs anberaumen. Doch auch in diesen 3 Minuten geben DAWN OF DESTINY alles, und vor allem Tanja Maul sorgt für eine zwar enorm voranpreschende, aber doch erhabene Stimmung. Gute 3 Minuten geht das Stück – ebenso wie HEAVEN’S FALLING DOWN, wieder einer etwas lieblicheren Nummer. Hier bleiben die Überraschungen zwar langsam aber sicher aus – doch kann man noch immer von mehr als nur grundsolider Arbeit sprechen. Das gleiche gilt für die 3 Abschlusstitel PERCEIVE ME (welches im weiteren Verlauf immer besser wird), UNEXPECTED GUEST (einer düsteren, harten Nummer mit tollem Refrain) und WHERE ARE YOU NOW (mit stark balladesken Zügen). Was für ein Album, welch unterhaltsame 60 Minuten !

Fazit: Wer sich dazu entscheidet, ein Album wie REBELLION IN HEAVEN zu erstehen; kann sich sicher sein dass er die volle Bandbreite an musikalischer Vielfalt mit auf den Weg bekommt. DAWN OF DESTINY bewegen sich selbstverständlich weiterhin im Power Metal-Genre – doch fungiert dieses nur als grober Oberbegriff für das tatsächlich, weitaus vielfältigere musikalische Schaffen. Wer einer Form des anspruchsvollen Songwritings und thematischen / inhaltlichen Tragweiten gegenüber aufgeschlossen ist, wird ebenfalls begeistert sein. So ehrlich, ernst und ausdrucksstark klingen wahrlich nur wenige female-fronted Metalbands aus dem deutschen Raum. Alle Mitglieder beherrschen ihr jeweiliges Instrument, das steht ausser Frage – besonders nett ist es aber beispielsweise, dass auch mal der Bass stärker in den Fokus rückt und DAWN OF DESTINY so noch mehr als großes Ganzes, als kreative Ideenschmiede einiger besonders talentierter Musiker auftritt. Ob Ballade, Halb-Ballade, Progressive Metal, reinrassiger Power Metal im besten Hymnen-Stil – hier wird alles geboten, was das Musikerherz begehrt. Garniert von einer mehr als ordentlichen Produktion und einer starken Frontfrau avancieren DAWN OF DESTINY mit ihrem Zweitwerk zu einer echten Genregröße. REBELLION IN HEAVEN vermag es, den Vorgänger doch noch ein stückweit zu toppen – was nicht weniger bedeutet, als dass der Wertungsthron so gut wie erreicht werden kann.

Anspieltipps: ANGEL WITHOUT WINGS, RAIN, SAVE US, LOST, INQUISITION, PERCEIVE ME, UNEXPECTED GUEST

Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – Begins (2007)

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power Metal

01. Waiting (The Opening)
02. Healing Touch
03. Condemnation
04. All Those Lies
05. Break The Silence
06. Coldest Night
07. Another Fallen Angel
08. Flying Away
09. Torture Room
10. Alone At Night
11. D.O.D.
12. Place In Heaven

So manches mal lohnt es sich, zurückzublicken.

Vorwort: BEGINS ist das Debütalbum der deutschen Power-Metaller DAWN OF DESTINY aus Bochum. Während die Band aktuell mit ihrem Vierten musikalischen Werk PRAYING TO THE WORLD (Review) allerlei Lorbeeren einheimsen konnte, scheint es für Oliverdsw.Wordpress nun an der Zeit, sich expliziter mit dem bisherigen Schaffen der Band auseinanderzusetzen. Dabei fällt eines natürlich besonders auf: die Besetzung war zu den Gründungszeiten der Band (2005) eine andere als heute. Damals zeichnete sich noch Tanja Maul für den Gesang verantwortlich, und Ansgar Ludwig für das Schlagzeug. Veith Offenbächer (Gitarre), Jens Faber (Bass), Dirk Raczkiewicz (Keyboards) blieben der Band indes bis heute erhalten – sodass man nicht grundsätzlich von einer markanten Stiländerung ausgehen kann. Aber es ist immer so eine Sache, wenn man sich eine Diskografie ‚rückwärts‘ genehmigt – man hat schließlich bereits vom aktuellen Status Quo, und sieht sich nun mit der Band in ihrer, wenn man so will Urform konfrontiert. Bevor es losgeht noch eine kurze Randinfo: bis DAWN OF DESTINY mit dem heute vorliegenden Debüt-Album an den Start gingen, spielten sie bereits auf zahlreichen Live-Auftritten und wurden letztendlich – und glücklicherweise – von Shark Records unter Vertrag genommen, unter dessen Ägide das 12 Titel starke BEGINS auch erschien.

Kritik: Dann mal los im Sinne der rückwärtsgewandten Diskografie-Analyse von DAWN OF DESTINY – BEGINS startet sogleich mit einem Opener, WAITING (THE OPENING) tituliert, durch. Mit einer Spielzeit von etwas mehr als einer Minute und einem vermehrt sphärisch-klassischen Eindruck (ausgehend von einem breiten Keyboardteppich) nutzt die Band noch nicht die Chance, um sich explizit zu profilieren – wohl aber um für einen stimmigen, enorm atmosphärischen Auftakt zu sorgen. Der Opener HEALING TOUCH prescht derweil sofort und unvermittelt los – und sorgt von Anfang an für eine recht epische Bandbreite an Klängen. Die gitarrenlastige Komposition kommt mit einem angenehmen Druck durch die Boxen, der Gesang von Leadsängerin Tanja Maul geht sofort ins Ohr – und wirkt dabei niemals allzu aufdringlich wie bei manch anderen Genrekollegen. Eine dezente, aber doch nicht ganz unüberhörbare Unterstützung erhält sie dabei von ihren Bandkollegen, die so für die ein oder andere mehrstimmige Passage sorgen. Zweifelsohne – hier handelt es sich um einen grundsoliden, enorm eingängigen Titel, der sich so schnell nicht wieder aus den Gehörgängen verabschieden wird. Ein fulminant-kraftvoller Refrain, instrumentale Highlights wie gegen Minute 2 und die Gewichtung der inhaltlichen und textlichen Aspekte lassen grundsätzlich keine Wünsche offen.

Auch das folgende CONDEMNATION schlägt in diese Kerbe – vielleicht sogar noch ein stückweit mehr als der vorherige Titel. Die Instrumentation fällt im allgemeinen etwas härter aus, doch sind DAWN OF DESTINY stets bemüht der Komposition immer wieder einige markante ‚erhellende‘ Momente einzuverleiben. Diese charakterisieren sich mal durch die melodischen Keyboardklänge, mal durch die aussergewöhnliche Performance von Tanja Maul. Veith Offenbächer an der Gitarre ist – wie auch schon im Opener – überragend, gerade wenn er gegen Minute 2.30 einen wahnwitzigen Soli-Part abfackelt. Gegen Minute 4.30 gibt es das Ganze dann noch einmal serviert – nur noch schneller, griffiger, epischer; kurzum: beeindruckender. Auch Abwechslung wird reichlich geboten: so kommen gegen Ende nun erstmals auch deutlich schroffere, männliche Growls zum Einsatz. ALL THOSE LIES fesselt erneut recht schnell, und etabliert durch den Keyboardeinsatz und die ‚abgehackten‘ Riffs schnell eine angenehm-mysteriöse Stimmung. Zwischenzeitliche Piano-Parts und ein majestätischer Refrain stehen im Gegensatz zu den schroff-düsteren Growl-Passagen, die sich jedoch nahtlos in die Gesamtkomposition einfügen. Es entsteht ein abwechslungsreiches Gesamtbild – Ideenlosigkeit klingt anders. Übrigens: wer zuvor noch nicht auf das Bass – gespielt von Jens Faber – geachtet hat, bekommt hier eine explizitere Möglichkeit geboten, sich auch von dessen Fähigkeiten zu überzeugen.

Das nun folgende BREAK THE SILENCE fungiert als deutlich ‚entschleunigende‘ Nummer, die absichtlich etwas behäbig und düster daherkommt. Das Instrumentenspiel überzeugt, auch wenn es stellenweise gern ein wenig mehr hätte sein dürfen – zwischenzeitlich wirkt der Song etwas zu still und orientierungslos. Die eingespielten ‚Schreie‘ sind zwar der Stimmung dienlich, hier hätte es wiederum gerne ein etwas weniger übertriebenes Stilelement sein können. COLDEST NIGHT ist nun die (manche belieben zu sagen, die obligatorische) Ballade des Albums. Ob obligatorisch oder nicht – DAWN OF DESTINY überzeugen auch in solcherlei ruhigen Momenten. Die nötige Portion Schwermetall gibt es ohnehin als Zugabe; wie ein nettes Solo gegen Mitte und die schwere Riffs. Die eher weichen Pianoklänge, der gefühlsbetonte, höchst emotionale Gesang und die Keyboard-Elemente dominieren aber den Klangeindruck – was in Sachen Abwechslung gerade recht kommt. Stichwort Abwechslung: der polternde Übergang zum nächsten Uptempo-Brecher ANOTHER FALLEN ANGEL definiert sich durch eben diese. Plötzlich dominiert wieder eine enorm antreibende, druckvolle Instrumentierung, und ein generelles nach-vorne-preschen. Sicher, auch hier schwingt ein gewisses Maß an Melancholie zwischen den Zeilen mit – doch gerade das ist eines der Markenzeichen von DAWN OF DESTINY. Zweifelsohne – in diesem Titel wird man die nächste eingängige Hymne entdecken.

Im weiteren Alben-Verlauf wechseln sich tempolastige Nummern wie das beschwingte FLYING AWAY mit dem düsteren TORTURE ROOM ab – der sich erstmal als eine Art Duett inszeniert und eine wahrlich bedrohliche Stimmung vorgibt. Das alles wäre nur halb so schön, würden DAWN OF DESTINY nicht auch hier auf einen deutlich erhellenden Refrain und die nachhallenden ‚Room‘-Gesänge setzen. Wer glaubt, das Album würde nun und gegen Ende keine weiteren Highlights mehr offenbaren täuscht sich: das brachiale ALONE AT NIGHT definiert sich durch markante Keyboardklänge und eine wunderbare Song-Struktur, avanciert im Refrain gar zu einer der eindringlichsten Alben-Hymnen überhaupt. Zwischenzeitlich gibt es eine weitere klassische Passage auf die Ohren, die sich abermals perfekt in die Komposition einfügt und so in einem markant-verträumten Finale enden kann. D.O.D. und PLACE IN HEAVEN runden das Album als etwas komplexere (und jeweils knapp 7 Minuten lange) Titel ab, und beweisen abermals dass sich DAWN OF DESTINY mit nicht gerade wenigen Genrekollegen messen können. Eventuell ist das sogar vielleicht noch untertrieben – im Bereich des Female Fronted Power Metals wird man nur wenige gleichwertige Bands finden.

Fazit: Ob man nun bereits damals und zu Gründungszeiten Zeuge des ersten Eintrages in der DAWN OF DESTINY-Diskografie wurde oder viel später – ein Album wie BEGINS sollte man in seiner Metal-Sammlung haben. Für ein Debütalbum ist es satt produziert, lässt keine Kritik an Instrumenten- oder Gesangseinsatz zu – und bietet ein großes Maß an musikalischer Vielfalt und Abwechslung. Waschechte, zutiefst melodische und dabei stets poetische Hymnen wechseln sich mit vielschichtigen, manchmal auch etwas düsteren oder balladeskeren Titeln ab – wer ein größtmögliches Maß an Vielfalt auf nur einem Album sucht, sollte unbedingt zugreifen.

Anspieltipps: HEALING TOUCH, CONDEMNATION, ANOTHER FALLEN ANGEL, ALONE AT NIGHT