Metal-CD-Review: DARKFIRE – DarkFire (2003)

Alben-Titel: DarkFire
Künstler / Band: Darkfire (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2003
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Sacred Metal

Alben-Lineup:

Omar Zoncada (Bifrost) – Vocals
Stefano (Dagr) – Bass
Luca Bellani (Andvari) – Drums
Tommy Dell’Olio (Ivaldi) – Guitars
Giangiacomo Cattaneo (Mimir) – Keyboards

Track-Liste:

1. The Dark Fire (05:53)
2. Master of Bulls (05:07)
3. The Pure Sound (07:58)
4. Against the Erudite (05:23)
5. Colours (05:14)
6. Spiral of Smoke (04:14)
7. The Spice Islands (06:00)
8. From Hollow Trunk (04:45)
9. Gorgoroth’s Fire (04:11)

Ein solches Feuer sollte man eigentlich nicht unbeaufsichtigt lassen.

Im Zuge der sogenannten ein-Album-Wunder aus Italien könnten oder sollten dem geneigten Power Metal-Fan gleich mehrere entsprechende Kandidaten in den Sinn kommen. Immerhin gibt es tatsächlich eine handvoll Bands, die nach nur einem offiziellen Studioalbum komplett von der Bildfläche des europäischen Power Metals verschwunden sind – und sich im Gegensatz zu unverhofften Rückkehren wie den HOLY KNIGHTS (die eine mehr oder weniger plötzliche Pause von guten 10 Jahren eingelegt hatten) auch nicht auf anderen verfügbaren Plattformen an ihre potentielle Fangemeinde wandten. MORGANA wären hier so ein Beispiel, auch wenn sich die Band im Jahre 2009 ohne ein wirkliches Ergebnis kurzzeitig wiedervereinigt hatte – oder auch die bereits 1994 gegründete Combo DARKFIRE. Die brachte es nach einer ersten Demo (1998) immerhin zum vorliegenden, im Jahre 2003 über das Label Sacred Metal veröffentlichte Debütalbum DARKFIRE – welches 9 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 50 Minuten enthält, mit einem recht interessanten Cover-Artwork ausgestattet ist und vor allem eine Frage aufwirft. Und die lautet: wo, ja wo nur sind die Jungs von DARKFIRE (die sich für das Album sogar eigene Künstlernamen gegeben hatten) nach all den Jahren geblieben ?

Eines muss man dem Album schließlich in jedem Fall lassen: es ist ein ebenso vielversprechendes wie höchst solides Werk aus den Gefilden des italienischen Power Metals, dass den Vergleich mit zahlreichen anderen zu jener Zeit aktiven Genre-Combos keineswegs scheuen muss. Dabei hatten die Italiener sogar ein potentielles Alleinstellungsmerkmal, oder zumindest eine für diese Zeit als Besonderheit durchgehende Eigenschaft. Anders gesagt: in einer Zeit, in der RHAPSODY (OF FIRE) große Erfolge feierten; inszenierten sich DARKFIRE weniger als allzu bombastische oder explizit symphonisch angehauchte Combo – sondern vielmehr als weitestgehend klassisch inspirierte, recht bodenständig agierende und gerne mal in Richtung eines griffigen Melodic Metal schielende Formation. Wenn dann auch noch einige progressive Ansätze hinzukommen, wie etwa im recht variablen und von einem furiosen Soli-Part begleiteten AGAINST THE ERUDITE, böten sich noch am ehesten Bands wie LABYRINTH als Vergleichsmöglichkeit an – wobei DARKFIRE aber einen wesentlich eigenständigeren Sound an den Tag legten als Beispielsweise VISION DIVINE.

Wenn es darum zu beurteilen, ob dieser gefühlt etwas weniger beeinflusste Sound aber auch genauso gut funktioniert und klingt wie der der bekannteren Bands jener Zeit; sieht es dagegen schon etwas kritischer aus. Zwar nicht in einem wirklich fatalen Ausmaß, aber: während schon der allgemeine Soundeindruck des DARKFIRE-Albums nicht vollständig zu überzeugen vermag (was vor allem an der eher schwachen Produktion liegt), hätten sich die Italiener Nummern wie das absolut harmlos rockende COLOURS oder die schier unerträglich schmachtende Akustik-Ballade FROM HOLLOW TRUNK unbedingt schenken sollen. Auch oder gerade weil der hiesige Leadsänger Omar Zoncada zweifelsohne nicht über das nötige Stimmvolumen und die nötige Überzeugungskraft verfügte, auch in diesen Momenten glänzen zu können. Eben diese Tatsache markiert dabei auch den zweiten offensichtlichen Schwachpunkt des Albums: in Bezug auf ihren Leadgesang konnten DARKFIRE wahrlich nicht viel abfakeln, und schon gar nicht mit den feilgebotenen Gesangsleistungen anderer Genre-Combos mithalten.

Sieht man darüber hinweg, kann man mit Nummern wie dem flotten Opener und Titeltrack THE DARKFIRE, dem bereits erwähnten kräftigen AGAINST THE ERUDITE, dem markant stampfenden SPIRAL OF SMOKE sowie dem Rausschmeißer GORGOROTH’S FIRE (die Instrumental-Passage gegen Ende ist der Wahnsinn) durchaus einige direkt zündende Hymnen entdecken – gesetzt dem Fall, man kann das Aufkommen des doch recht überbordenden Keyboards sowie einiger nicht immer stimmig klingender Background-Shouts verkraften. Mit dem etwas ruhigeren, dezent an SECRET SPHERE erinnernden THE PURE SOUND sowie dem von einigen völlig unerwarteten Klang-Elementen begleiteten THE SPICE ISLANDS finden sich dann auch noch zwei längere Titel, die zweifelsohne einige interessante Ansätze mitbringen und eine Entdeckung wert sind – wobei man selbst entscheiden muss, wie gut oder schlecht DARKFIRE hinsichtlich dieser etwas komplexeren Ambitionen abschneiden. Schlussendlich: Das Debüt- und wohl auch Finalalbum von DARKFIRE gehört nicht zum besten, was das Genre jemals hervorgebracht hat und ist vielleicht auch nicht ganz so interessant wie etwa MORGANA’s Ein-Album-Angriff ANGEL – und doch steht fast außer Frage, dass es die Band zu noch viel mehr hätte bringen können.

Absolute Anspieltipps: THE DARKFIRE, AGAINST THE ERUDITE, SPIRAL OF SMOKE, GORGOROTH’S FIRE


„Viel zu gut, als dass die Band nach dem Release einen Grund dafür gehabt hätte in der Versenkung zu verschwinden.“