Metal-CD-Review: DARK MOOR – Dark Moor (2003)

dark-moor-dark-moor_500

Alben-Titel: Dark Moor
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. November 2003
Land: Spanien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Alfred Romero – Vocals
Enrik García – Guitars
José Garrido – Guitars
Anan Kaddouri – Bass
Andy C. – Drums

Track-Liste:

1. A Life for Revenge (05:48)
2. Eternity (04:23)
3. The Bane of Daninsky, the Werewolf (05:30)
4. Philip, the Second (06:45)
5. From Hell (03:51)
6. Cyrano of Bergerac (07:41)
7. Overture (Attila) (02:48)
8. Wind Like Stroke (Attila) (05:16)
9. Return for Love (Attila) (04:19)
10. Amore Venio (Attila) (00:55)
11. The Ghost Sword (Attila) (04:53)
12. The Dark Moor (08:36)

Der Beginn einer neuen Ära.

Bei DARK MOOR’s gleichnamigen vierten Studioalbum handelt es sich wahrlich um ein einschneidendes Werk. Und das aus einem ganz simplen Grund: gleich 3 der Bandmitglieder, die THE GATES OF OBLIVION zu einem wahren Überflieger gemacht hatten; sollten von nun an nicht mehr mit von der Partie sein. Und das macht sich bemerkbar, nicht nur in Bezug auf die wohl auffälligste Neubesetzung in Bezug auf den Leadgesangsposten. Für Elisa C. Martin kam schließlich Alfred Romero – der von nun an die Rolle der Galionsfigur der Band übernehmen und die neue musikalische DARK MOOR-Ära einläuten sollte. Das Ergebnis ist dabei vor allem eines, was in diesem Moment noch eine völlig wertungsfreie Feststellung ist: es ist unglaublich spannend.

Denn: es hatte sich verständlicherweise einiges getan bei DARK MOOR. Dabei bleibt nur zu hoffen, dass man friedlich auseinandergegangen ist und die ’neuen‘ DARK MOOR die ‚alten‘ nicht verleugnen – worauf der Alben-Titel ein dezenter Hinweis sein könnte. Waren DARK MOOR mit DARK MOOR an einem Punkt angekommen, an dem sie endlich die Musik machen konnten die die Band definiert; die ihrem Bandnamen am ehesten entspricht ? Aber selbst wenn dem so war – es muss eine Mammutaufgabe gewesen sein, qualitativ an die beiden grandiosen Vorgänger anknüpfen zu können.

Der Weg, den man auf DARK MOOR einschlägt; weicht dabei zunächst auffällig von der bisherigen Marschrichtung der Band ab. Das allgemeine Soundgewand ist, obwohl noch immer von zahlreichen klassisch-symphonischen Elemente geprägt; ein andersartiges als noch auf THE GATES OF OBLIVION. Beispielsweise scheint das Tempo insgesamt etwas gedrosselt; es kommen weniger Keyboards zum Einsatz, dafür umso mehr Chorpassagen und Streicher – und durch die Performance von Alfred Romero bekommt das Album einen dezent theatralischen Anstrich, der DARK MOOR näher in die Richtung von Bands wie KAMELOT bewegt. Dabei könnten sich gerade an jenem neuartigen Leadgesang die Geister scheiden: das neue Konzept erscheint insgesamt vielversprechend, doch scheint es Alfred Romero hier und da schlicht an der nötigen Ausdruckskraft zu mangeln. Obwohl er vergleichsweise tiefe Stimmlage hat, mit der ein gewisser Druck eigentlich automatisch einhergehen sollte; fühlen sich viele der dargebotenen Nummern vergleichsweise lasch und unspektakulär an. Oder aber einfach nur aufdringlich – wie etwa das unsägliche WIND LIKE STROKE mit seinen reichlich überstrapazierten Sound-Elementen.

Aber auch die orchestralen- und Chor-Einschübe werden nicht jedermann zusagen – klingen sie insgesamt eher dumpf und wenig, wie sollte man es nennen; aus sich herausgehend. Somit wird ein Effekt erzielt, von dem man nicht wirklich weiss ob er so beabsichtigt war: das Album klingt insgesamt eher düster und bedrohlich. Den diesbezüglichen Höhepunkt erreicht man sicher mit dem finalen Rausschmeißer THE DARK MOOR – eine Nummer, die nur schwer zu beschreiben ist und am ehesten einem Theaterstück entsprungen sein könnte. Das Problem: so interessant das Konzept erscheint, durch den relativ peinlichen Refrain und die nervigen mehrstimmigen Gesänge macht man vieles wieder zunichte.

Das 2003 erschienene Album DARK MOOR markiert so eine neue, seitdem aufrecht erhaltene Ära der Band – der frühere Fans der Band mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen könnten. Doch dass sich die Besetzung derart verändert hat, daran ist nun einmal nicht mehr zu drehen – man muss sich mit dem neuen Sound der Band arrangieren. Das positivste Merkmal des Albums ist dabei der Fakt, dass DARK MOOR nun noch ein stückweit unverwechselbarer klingen – so eigenständig, unbeeinflusst und frisch klang die Band noch nie zuvor. Aber besser ? Das sollte ein jeder für sich selbst entscheiden. Die beileibe noch nicht ausgereifte Gesangsperformance von Alfred Romero, die oftmals nervigen klassischen (Chor-)Elemente und die vielen eher zutiefst durchschnittlichen Nummern sprechen hier jedoch eher dagegen. Doch bekanntlich markiert dieses Album lediglich den Beginn einer neuen Ära – es sollten noch einige weitere und auch wesentlich ansprechendere Alben folgen.

Absolute Anspieltipps: A LIFE FOR REVENGE, ETERNITY, CYRANO OF BERGERAC, THE GHOST SWORD


55button

„Innovativer, aber nicht unbedingt glanzvoller als die früheren DARK MOOR.“

Metal-CD-Review: DARK MOOR – Between Light And Darkness (EP, 2003)

dark-moor-between-light-and-darkness_500

Alben-Titel: Between Light And Darkness (EP)
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. April 2003
Land: Spanien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Enrik García – Guitars
Elisa C. Martín – Vocals
Albert Maroto – Guitars
Jorge Sáez – Drums
Anan Kaddouri – Bass

Track-Liste:

1. Memories (Acoustic) (05:47)
2. From Dawn to Dusk (Acoustic) (05:05)
3. A Lament of Misery (Acoustic) (05:36)
4. Echoes of the Seas (Acoustic) (03:34)
5. Mistery of Goddess (05:30)
6. Shadow of the Nile (06:02)
7. Dies Irae (Orchestral version) (10:30)
8. The Fall of Melnibonè (09:32)

Ein weiteres Zwischenspiel a’la DARK MOOR.

Wenngleich es sich in etwaigen Band-Diskografien oftmals nicht lohnt, sich auch mit den veröffentlichten Singles zu befassen – verhält es sich mit potentiellen Demos und EP’s schon wesentlich interessanter. So auch im Falle von DARK MOOR und ihrem BETWEEN LIGHT AND DARKNESS – einer EP, der neben der enthaltenen Musik etwas zusätzlich besonderes anhaftet. Einige werden es wissen: ein Teil der ehemaligen Besetzung von DARK MOOR hatte die Band nach den Aufnahmen zu dieser letzten gemeinsamen EP verlassen. So auch die markante Galionsfigur und das weibliche Stimmwunder der Band, Elisa C. Martin – die sich bald darauf zu den Kollegen von FAIRYLAND gesellen sollte um auch hier eine weitere Glanzleistung abzuliefern. So weit, so gut (beziehungsweise eben nicht) – doch die BETWEEN LIGHT AND DARKNESS-EP ist nicht nur deshalb ein interessantes Release, welches man jedem Fan der Band ans Herz legen sollte.

Schließlich gibt noch einen weiteren markanten Unterschied zur eher schwachen vorherigen, schieren Compilation-EP THE FALL OF MELNIBONE (Review) – dieses Mal sind gleich mehr als die Hälfte der enthaltenen Titel exklusiv, das heißt noch nie zuvor veröffentlicht worden. So beginnt das Album mit vier brandneuen DARK MOOR-Nummern, die interessanterweise alle reine Akustik-Versionen sind. Jene somit präsentierte, eher weiche und gefühlsbetonte Seite von DARK MOOR war so zwar schon immer in den Kompositionen der Band vorhanden, wenn auch unterschwellig – sie nun einmal in Reinkultur zu erleben ist ein Genuss der etwas anderen, erfrischenden Art. Einer, der vor allem durch Elisa C. Martin ermöglicht wird – die einmal mehr beweist, dass sie auch aus einer minimalen Soundkulisse stets das Maximum herausholen kann. Besonders ansprechend ist aber auch das rein instrumentale ECHOES OF THE SEA, welches aufzeigt wie gut DARK MOOR mit den ihn gegebenen klassisch-symphonischen Komponenten arbeiten können. So gesehen handelte es sich bei den vier Nummern also nicht um typische DARK MOOR-Nummern, sondern eher solche die sich auf einzelne Elemente des typisch-bombastischen Sounds der Band reduzieren. Das macht aber nichts – denn die offerierte Qualität ist noch immer eine ansprechende.

In der zweiten EP-Hälfte finden sich dann vor allem ein interessanter Titel: die orchestrale Version von DIES IRAE, dem bombastischen Rausschmeißer von THE GATES OF OBLIVION. Einmal mehr sieht man, wie sinnvoll man etwaige Genre-EP’s sinnig ausschmücken könnte – alternative, noch nicht fertiggestellte oder verworfene Versionen von bereits veröffentlichten Titeln gehören zu den wohl interessantesten diesbezüglichen Möglichkeiten. Es sei denn natürlich, man betrachtet eine EP als eigenständiges Mini-Release mit einem Konzept – dann wäre dergleichen wohl fehl am Platz. Doch hier erlaubt es einen tieferen Einblick in das Schaffen von DARK MOOR – auch wenn die Produktionsqualität nicht optimal ist und das Ganze eher dumpf durch die Boxen rauscht.

Mit den drei verbleibenden Titeln macht man dieses Prinzip jedoch wieder dezent zunichte, denn: man wird sie im besten Fall schon kennen. SHADOW OF THE NILE ist ein recht verbreiteter Bonustrack von THE GATES OF OBLIVION, MYSTERY OF GODESS ein immerhin nicht ganz so bekannter vom gleichen Album (Japan-Release über Victor Entertainment) – und THE FALL OF MELNIBONE kommt kurioserweise bereits zum dritten Male zum Zuge. Zunächst als Bonsutrack für die Japan-Edition von THE HALL OF OLDEN DREAMS veröffentlicht, folgte kurz darauf eine gleichnamige EP – warum man den Titel nun noch ein weiteres Mal (und schon wieder auf einer EP) veröffentlicht, erscheint absolut schleierhaft.

Die BETWEEN LIGHT AND DARKNESS-EP von DARK MOOR lohnt sich aber allemal – vor allem, wenn man seine Sammlung vervollständigen möchte und der eher akustischen Seite der Band nicht abgeneigt ist. Die vier diesbezüglichen neuen Nummern jedenfalls hinterlassen einen guten Eindruck – in der zweiten Hälfte der EP kann dagegen nur die alternative Orchester-Version von DIES IRAE für Aufsehen sorgen; alles andere ist bereits bekannt. Für eine EP mag das noch solide sein, gerade in Anbetracht dessen dass die alte DARK MOOR-Formation nach diesem Release nicht mehr bestehen sollte – doch den eigentlichen Abschied sollte man vielleicht doch eher mit einem grandiosen Album wie THE GATES OF OBLIVION zelebrieren. Immer und immer wieder…

Absolute Anspieltipps: MEMORIES, FROM DAWN TO DUSK, A LAMENT OF MISERY, ECHOES OF THE SEA


70button

„Schade dass nicht alle Titel exklusiv sind – doch es bleibt bei einer starken EP.“

Metal-CD-Review: DARK MOOR – The Fall Of Melnibone (EP, 2001)

dark-moor-the-fall-of-melibone_500

Alben-Titel: The Fall Of Melnibone (EP)
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2001
Land: Spanien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Elisa C. Martín – Vocals
Enrik García – Guitars, Vocals (backing)
Albert Maroto – Guitars, Vocals (backing)
Anan Kaddouri – Bass
Jorge Sáez – Drums
Roberto P.C. – Keyboards

Track-Liste:

1. The Fall of Melnibone (10:31)
2. Silver Lake (05:18)
3. Wood’s Song (03:09)
4. Halloween (Helloween cover) (13:24)
5. Cuentos de ayer y de hoy (Ñu cover) (03:41)

Eine Lücke ist da, um gefüllt zu werden.

Fans von DARK MOOR werden sie sicher bereits in ihren Regalen stehen haben – die erste offizielle EP der Band, betitelt THE FALL OF MELNIBONE. Dabei erscheint es zunächst wichtig, diese zeitlich einzuordnen – sie erschien ein Jahr nach dem legendären zweiten Album der Band, THE HALL OF OLDEN DREAMS (Review) – und ein Jahr vor dem vielleicht noch legendäreren THE GATES OF OBLIVION (Review). Beide haben dabei eines gemeinsam: es war noch Elisa C. Martin die den Leadgesangsposten von DARK MOOR innehatte und der Band zu einem entsprechenden Aufstieg verholfen hat. Das trifft glücklicherweise auch auf die vorliegende EP zu – die mit ihren gerade einmal 5 enthaltenen Titeln noch immer auf eine Spielzeit von knapp 36 Minuten kommt. Das wiederum liegt an zwei überlangen Titeln, die den Weg auf die EP gefunden haben: der Titeltrack THE FALL OF MELNIBONE und das Cover von HELLOWEEN’S Klassiker HALLOWEEN.

Doch so schön es auch ist, an weiteres Material aus der Blütezeit von DARK MOOR zu kommen – die THE FALL OF MELNIBONE-EP gehört nicht unbedingt zu dem Besten, was die Band jemals veröffentlicht hat. Gerade der Fakt, dass die EP zwischen zwei wahren Ausnahme-Alben erschienen ist, macht es zusätzlich schwierig. Doch offenbar waren sich auch DARK MOOR dieser Tatsache bewusst, weshalb man die EP eher als Appetithäppchen inszenierte – mit einer Nummer, die man erst gar nicht mit in die Wertungsvergabe einbeziehen kann da sie bereits genau so auf dem Vorgänger enthaltenen war (SILVER LAKE). Doch auch der Titeltrack und vermutlich der eigentliche Grund für die EP, THE FALL OF MELNIBONE wirkt insgesamt eher verhalten. Das muss nicht unbedingt daran liegen, dass sich DARK MOOR hier deutlich düsterer geben als allgemein gewohnt – es scheint schlicht, als würde die Band hier eine abgespecktere Version ihrer eigentlich Musik spielen. Das heißt im Detail, dass man in jeder Hinsicht einige Abstriche machen muss: die Instrumentalkulisse wirkt wenig mitreißend (was besonders am vergleichsweise schwachen Riffing liegt), die Chor-Elemente klingen etwas zu plump und aufdringlich, das Keyboard zu vordergründig. Selbst die Tatsache, dass man sich um Abwechslung bemüht hat macht es hier nicht unbedingt besser: die Akustik-Passagen klingen viel zu schwachbrüstig und langatmig. Nur Elisa C. Martin kann hier retten, was zu retten ist.

Wie auch in WOOD’S SONG, der ebenfalls eine eher akustisch inspirierte, sehr ruhige Nummer ist. Auch wenn die Abmischung etwas unvorteilhaft geraten ist, ist es einmal mehr Elisa C. Martin die hier gesanglich brilliert. Deutlicher kritischer wird es dann schon mit den beiden Cover-Versionen, die immerhin einen Vorteil haben: wenn DARK MOOR etwaiges Liedgut covert, dann lohnt es sich auch gewissermaßen. Will heißen: das jeweilige Original ist noch zweifelsfrei zu erkennen, doch lassen es sich DARK MOOR nicht nehmen ihre ganz eigene musikalische Note mit in die Komposition einfließen zu lassen. Das macht die Sache zumindest potentiell spannend – doch wenn das Ergebnis einfach nicht gut klingt, hat man eben doch nur die halbem Miete bezahlt.

Sicher ist es schade, dass es sich somit kaum lohnt die FALL OF MELNIBONE-EP für sich zu entdecken. Erst recht nicht, wenn man bereits mit entsprechenden (Bonustrack-)Versionen der jeweiligen Studioalben eingedeckt ist und so neben SILVER LAKE auch noch ein oder zwei der anderen enthaltenen Nummern kennen wird. Kurios ist schließlich, dass neben SILVER LAKE selbst der Titeltrack THE FALL OF MELNIBONE schon so manch geneigten Hörer bekannt vorkommen dürfte. Der Titel war bereits auf einer speziellen Japan-Edition von THE HALL OF OLDEN DREAMS enthalten – was die EP zusätzlich in einem dezent fragwürdigen Licht erstrahlen lässt. Doch wie man es auch dreht und wendet, bei den hier vertretenen Nummern handelt es sich nicht um die besten DARK MOOR-Titel – vielmehr fühlt es sich an, als wollte man die Zeit zwischen den beiden Ausnahme-Alben der Band nur irgendmöglich mit einem weiteren Release füllen.

Absolute Anspieltipps: THE FALL OF MELNIBONE, WOOD’S SONG


50button

„Nicht mehr als ein Lückenfüller zwischen zwei großartigen Alben.“

Metal-CD-Review: DARK MOOR – The Gates Of Oblivion (2002)

dark-moor-the-gates-of-oblivion_500

Alben-Titel:The Gates Of Oblivion
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. März 2002
Land: Spanien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Roberto Peña de Camús – Keyboards
Jorge Sáez – Drums
Anan Kaddouri – Bass
Albert Maroto – Guitars
Enrik García – Guitars
Elisa C. Martín – Vocals

Track-Liste:

1. In The Heart of Stone (04:39)
2. A New World (05:57)
3. The Gates of Oblivion (01:40)
4. Nevermore (04:49)
5. Starsmaker (Elbereth) (05:46)
6. Mist in the Twilight (00:52)
7. By the Strange Path of Destiny (05:51)
8. The Night of the Age (04:40)
9. Your Symphony (04:34 )
10. The Citadel of the Light (01:13)
11. A Truth for Me (05:09)
12. Dies Irae (Amadeus) (11:17)

Da lodert es wieder, das spanische Feuer.

Im hart umkämpften Genre des Symphonic Power Metals gibt es so manch klassisches Album, welches sich entweder auf Anhieb oder im Nachhinein einen waschechten Kultstatus gesichert hat. Dabei ist nicht nur spannend zu sehen von wem das jeweilige Werk kommt – sondern auch, welche Position es innerhalb der entsprechenden Diskografie einnimmt. Bei RHAPSODY OF FIRE, den gerne erwähnten Vorreitern des Gernes ging es relativ unvermittelt los – bereits ihr Debütalbum LEGENDARY TALES wurde sehr gut aufgenommen. Spätestens aber mit dem Nachfolger SYMPHONY OF ENCHANTED LANDS gelang den Italienern der absolute Durchbruch – handelt es sich um ein Album, welches auch heute noch zu Referenzzwecken angegeben wird.

Im Falle der spanischen Bandcombo DARK MOOR sollte es allerdings etwas länger dauern. Das Debütalbum SHADOWLAND (Review) litt an einer enorm schwachbrüstigen Produktion, der Nachfolger THE HALL OF OLDEN DREAMS (Review) war schon deutlich aufwendiger produziert und folglich um einiges stilsicherer – doch konnte keine besonders markante Bandbreite an Stimmungen abgedeckt werden, sodass die letztendlich erzielte Wirkung keine derart einschlägige war. Nun aber kommt das dritte Album THE GATES OF OBLIVION daher – und stellt alles bisher dagewesene in den Schatten. Dass die gesamte bisherige DARK MOOR-Diskografie endlich von einem komplett stimmigen Genrealbum garniert werden würde; war mit etwas Fantasie vielleicht noch abzusehen, respektive wurde es von vielen erhofft – dass die Band nun aber auch eine ernsthafte Konkurrenzposition in Bezug auf das Genre an sich einnehmen würde, nicht unbedingt.

Und so ist die Überraschung beim Hören von THE GATES OF OBLIVION in jedem Fall groß – ob man die Vorgängeralben der Band ebenfalls kennt oder nicht. Schließlich ist es geradezu bezeichnend, mit was für einer geballten Kraft DARK MOOR hier ans Werk gehen. Bereits der Opener IN THE HEART OF STOME macht hier keine Kompromisse, und präsentiert sich als einer der DARK MOOR-Titel schlechthin – indem die Spanier erstmals ein Level der Perfektion erreichen, welches man sich bisher nur hat ausmalen können. Die Produktion lässt nun keine Wünsche mehr offen, der Sound wirkt um ein vielfaches reichhaltiger, bombastischer und variabler als noch auf den Vorgängern. Doch nicht nur das: auch das Songwriting und die Ambition, DARK MOOR einen ganz eigenen, unverkennbaren Sound zu spendieren; erhalten einen weiteren Schub. Die klassischen Elemente harmonieren perfekt mit den neoklassischen Gitarrenarrangements, die Chorgesänge sind wie immer eher hintergründig aber nun deutlich atmosphärischer. Besonders auffallend aber ist eine ganz spezielle Rhythmik, die einen jeden einzelnen Titel zu etwas ganz besonderem macht.

Immer schön ist, wenn der positive Ersteindruck eines Albums auch im weiteren Verlauf gehalten werden kann – was bei THE GATES OF OBLIVION definitiv der Fall ist. Tatsächlich schaffen es die Spanier sogar, sich mit den folgetiteln stets selbst zu überbieten – im Falle des schon sehr gelungenen Openers beispielsweise mit dem Folgetitel A NEW WORLD. Was dann folgt, hätte man besser nicht inszenieren können. Nicht nur, dass man dem eigentlichen Genre Tribut zollt und einmal mehr aufzeigt, wie gut es eigentlich klingen kann – auch die musikalische Vielfalt ist bemerkenswert. Es gibt drei instrumentale Interludes, die mit ihren klassischen Kompositionen eine markante Soundtrack-Atmosphäre heraufbeschwören, es gibt Balladen (leicht kitschig, aber herausragend: MY SYMPHONY) , stampfende Midtempo-Nummern und – was besonders gut funktioniert – allerlei Uptempo-Brecher. Mit DIES IRAE wandelt man dann auch noch einmal auf explizit klassischen Pfaden – was der Band dank der genialen Gitarrenarbeit ebenfalls sehr gut zu Gesicht steht. Immer mit von der Partie ist ein enormes Engagement seitens der einzelnen Mitglieder, die allesamt glaubhaft agieren und dem Album den jeweils nötigen Feinschliff verpassen. Den größten Anteil hieran hat nach wie vor Leadsängerin Elisa C. Martin – die nun noch kräftiger und bestimmter agiert als auf dem Vorgänger. Es ist schon der Wahnsinn, was für eine Stimmgewalt hier an den Tag gelegt wird – und wie unverwechselbar das Ganze ist.

THE GATES OF OBLIVION ist damit nicht nur das bisher beste Album der spanischen Bandcombo DARK MOOR, sondern auch das erste welches ganz locker mit den musikalischen Outputs anderer Genregrößen mithalten kann. Wie bezeichnend ist es da, dass RHAPSODY OF FIRE ihre Blütezeit offenbar bereist hinter sich gebracht haben – und nun einer Band wie DARK MOOR das Feld überlassen. Dass man jene beiden Bands in einem Atemzug nennen kann, kommt dabei nicht von ungefähr: auch DARK MOOR setzen verstärkt auf die Integration von klassisch angehauchten Klängen, Chorgesang und wunderbar trickreichen Gitarrenintermezzi. Von einer bloßen Kopie zu sprechen, wäre indes reichlich frech: allein der einzigartig-markante weibliche Leadgesang macht hier einen enormen Unterschied – Leadsängerin Elisa C. Martin liefert eine schier unvergessliche Performance ab. Aber auch hinsichtlich der Melodien, der Strukturen und den etablierten Stimmungen ergeben sich zahlreiche Unterschiede, die beide Bands zu dem machen was sie sind. 2002 – das ist das Jahr von DARK MOOR, die mit GATES OB OBLIVION ein verdammt starkes Genrealbum abliefern, welches nicht nur alle Fans von RHAPSODY OF FIRE begeistern wird.

Absolute Anspieltipps: A NEW WORLD, THE NIGHT OF AGE, YOUR SYMPHONY, DIES IRAE


„DARK MOOR’s aussagekräftigstes Werk – und auch ganz allgemein ein Hammer.“

Metal-CD-Review: DARK MOOR – The Hall Of Olden Dreams (2000)

dark-moor-the-hall-of-olden-dreams_500

Alben-Titel: The Hall Of Olden Dreams
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. Dezember 2000
Land: Spanien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Elisa C. Martín – Vocals
Roberto Peña de Camús – Keyboards
Jorge Sáez – Drums
Anan Kaddouri – Bass
Albert Maroto – Guitars
Enrik García – Guitars

Track-Liste:

1. The Ceremony (01:31)
2. Somewhere in Dreams (04:51)
3. Maid of Orleans (05:04)
4. Bells of Notre Dame (04:48)
5. Silver Lake (05:17)
6. Mortal Sin (05:38)
7. The Sound of the Blade (04:00)
8. Beyond the Fire (06:12)
9. Quest for the Eternal Fame (06:49)
10. Hand in Hand (04:38)

DARK MOOR öffnen ihre heiligen Hallen.

Nachdem die Mitglieder der Symphonic Power Metal-Combo DARK MOOR auf ihrem 1999’er Debütalbum SHADOWLAND (Review) erstmals ihr Können unter Beweis stellen konnten; ist das gerade einmal ein gutes Jahr später erschienene Zweitwerk THE HALL OF OLDEN DREAMS der nächste (und absolut folgerichtige) Schritt in der Diskografie der Spanier. Dort, wo der Vorgänger noch merklich hinsichtlich einer schwachbrüstigen Produktionsqualität und Abmischung schwächelte, wurden die Mittel nun entsprechend angehoben – und etwaige Wünsche jener interessierten verwirklicht, die schon dem Debütalbum ein großes Potential zusprachen. Das Ergebnis ist ein Genrealbum, welches noch immer über den typischen, unverkennbaren DARK MOOR-Touch verfügt – dieses Mal aber aus rein akustischen Gründen einen direkten, unvermittelten Einstieg erlaubt. Und so kann man sich nur allzu schnell und gerne den hier präsentierten 10 Titeln hingeben, die einwandfrei dem Genre des Symphonic Power Metals zuzuordnen sind – und dabei verdächtig stilsicher klingen.

Während das Intro THE CEREMONY noch zu vernachlässigen ist, kommt SOMEWHERE IN DREAMS wie der lang ersehnte Befreiungsschlag daher – hier klingen DARK MOOR erstmals so, wie es ihnen und ihren Kompositionen gebührt. Die Gitarren präsentieren sich wunderbar vordergründig, während das Keyboard unterstützend im Hintergrund werkelt; das Drumming wirkt organisch, die Chorgesänge sind dezent aber stimmig. Vor allem aber kann erstmals eine komplett stimmige Atmosphäre für Leadsängerin Elisa C. Martin geschaffen werden – die aufgrund ihrer schieren Einzigartigkeit schon auf dem Vorgänger brillierte; nun aber endlich von einer passenden Klangkulisse unterstützt wird. Das folgende MAID OF ORLEANS setzt dann sogar noch einen drauf, und präsentiert sich mit seinen neoklassischen Gitarrenarrangements und dem hymnischen Refrain von seiner besten Seite. Stichwort Gitarren: zweifelsohne ist diesbezüglich alles, was auf dem Album dargeboten wird; Material der allerersten Güteklasse. Dazu braucht es nicht erst die wahrhaft furiose Instrumentalpassage in MORTAL SIN (auch wenn die Exklusivrechte für eine Titelvergabe wie diese weiterhin bei LABYRINTH bleiben sollten) die als Paradebeispiel fungieren könnte – beinahe ein jeder Titel bekommt entsprechend ansprechende, absolut unverbraucht klingende Soli-Parts spendiert.

Doch während vor allem die einzelnen Titel aufgrund ihrer offensichtlichen Stärken – in Bezug auf die instrumentelle und gesangliche Ausführung – überzeugen, ergibt sich ein unerwartetes Problem. Dieses tritt am ehesten auf, wenn man das Album in seiner Gesamtheit betrachtet und verköstigt: THE HALL OF OLDEN DREAMS hat schlicht Schwierigkeiten, variabel und spannend mit den etablierten Stimmungen umzugehen. Anders gesagt: es zieht sich eine recht gleichförmige, wenn man so will lamentierende Atmosphäre durch das Album. Die passt zwar des öfteren zum eigentlichen Inhalt der Lyrics, doch ist es schade dass dem Hörer so kaum Überraschungen präsentiert werden. Ein oder zwei besonders hervorstechende, markante; schlicht komplett andersartige Titel hätten dem Album zweifelsohne gut getan – doch wirken die 10 Titel vielmehr wie aus einem (Stimmungs-)Topf. Die mitunter einzige Ausnahme bildet hier das balladesk angehauchte THE SOUND OF THE BLADE – was insofern ernüchternd ist, als dass es sich quasi um die musikalische Vollendung der in den anderen Titeln angedeuteten Stimmung handelt. Der Weg, den das etwas kitschig anmutende QUEST FOR ETERNAL FLAME (ausnahmsweise mal kein FREEDOM CALL-Titel) geht, ist dagegen schon interessanter.

Schlussendlich: bei einem Album wie diesem wird die persönliche Geschmacksfrage eine enorme Rolle spielen. Denn auch wenn es grundsätzlich sinnig und erfrischend erscheint, dass das Album aufgrund seiner… nennen wir es getragenen Erhabenheit aus der Masse hervorsticht; werden vor allem Freunde des Uptempos, des Bombasts (bei gleichbleibender Stilsicherheit a’la RHAPSODY OF FIRE) und explizit ausgeführter symphonischer Elemente auf der Strecke bleiben. Zweifelsohne aber ist THE HALL OF OLDEN DREAMS ein handwerklich perfektes, vielleicht auch einzigartiges Genrealbum; dass den direkten Vergleich mit den Werken der Konkurrenz alles andere als schauen muss. Für den Nachfolger bleibt nur ein Wunsch offen: bitte DARK MOOR, lasst das Ganze etwas abwechslungsreicher und stimmungstechnisch variabler ausfallen. Und auch wenn produktionstechnisch definitiv der richtige Weg eingeschlagen wurde – ein klein wenig Spielraum nach oben ist noch immer offen.

Absolute Anspieltipps: MAID OF ORLEANS, SILVER LAKE, QUEST FOR ETERNAL FLAME

 

„Eine konsequente Weiterentwicklung des auf dem Debütalbum präsentierten Materials.“