Metal-CD-Review: DARK MOOR – Origins (2018)

Alben-Titel: Origins
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. Dezember 2018
Land: Spanien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Enrik García – Guitars
Alfred Romero – Vocals
Daniel Fernández – Bass
Roberto Cappa – Drums

Track-Liste:

1. Birth of the Sun (04:31)
2. The Spectres Dance (03:25)
3. Crossing Through Your Heart (03:49)
4. Raggle Taggle Gypsy (02:44)
5. In the Middle of the Night (03:52)
6. And For Ever (04:25)
7. Druidic Creed (03:25)
8. Iseult (04:16)
9. Mazy (03:04)
10. Holy Geometry (04:30)
11. Green Lullaby (02:42)

Von Ursprüngen, die keine sind.

Nein – eigentlich hat man nicht mehr wirklich damit rechnen können, dass sich DARK MOOR alsbald mit einem neuen Studioalbum zurückmelden. Und das vornehmlich, da die Karriere der Spanier dank ihres letztaktuellen – und zugegebenermaßen in vielerlei Hinsicht desaströsen – Albums PROJECT X aus dem Jahre 2015 (siehe Review) schon grundsätzlich am Ende schien. Und wer weiß – vielleicht hätte wirklich schon Schluss sein können, Schluss sein sollen mit der Geschichte der einst von der starken Frontfrau Elisa C. Martin (HAMKA) angeführten Genre-Pioniere – die ihre Blütezeit klar zu Beginn der 2000er Jahre hatten. Denn, und das bleibt bei einem näheren Betrachten der hiesigen Diskografie nicht lange ein Geheimnis: irgendetwas ist nach dem noch relativ guten ANCESTRAL ROMANCE (Review) aus dem Jahre 2010 mit der Band geschehen. Etwas, das sowohl mit der stilistischen Ausrichtung der Band als auch speziell mit dem Werdegang des 2003 akquirierten Frontmanns Alfred Romero in Verbindung steht – der seit einigen Jahren schlicht kaum wiederzuerkennen respektive nur noch ein Schatten seiner selbst (oder eher seiner früheren Gesangsleistung) ist. Was genau das ist oder welches die Gründe für einige der offensichtlich fälschlicherweise getroffenen Entscheidungen gewesen sein könnten – das wissen wohl nur die Mitglieder von DARK MOOR selbst. Zumindest ist das zu hoffen. Wobei, und das sei an dieser Stelle erwähnt; sicher niemand ernsthaft erwartet – geschweige denn es generell erwarten kann – dass die Spanier jemals wieder zu ihren alten Glanzzeiten zurückkehren.

Betrachtet man das Schaffen einiger anderer, ebenfalls langjährig aktiver Genre-Combos; scheint das auch gar nicht nötig. Zumindest prinzipiell – und wenn, ja wenn man sich nur nicht derart verirrt wie nun eben DARK MOOR. Entsprechend wenig überraschend ist dementsprechend, dass es die Spanier auch mit ihrem aktuellen ORIGINS nicht mehr schaffen, das Ruder nennenswert herumzureissen – auch wenn der Alben-Titel selbst durchaus in Richtung einer, man nenne es stilistischen Ursprungssuche interpretiert werden könnte. Doch dem ist leider nicht so. Viel eher bezieht sich der Begriff ORIGINS hier auf eine allgemein klassisch orientierte Herangehensweise, die sich vor allem hinsichtlich der angepeilten Spielart bemerkbar macht. Will heißen: DARK MOOR überhaupt noch als Power Metal-Combo zu bezeichnen fällt zusehends schwerer, ja; wird in Anbetracht der auf ORIGINS offerierten Klänge schier unmöglich. Die Zeiten, in denen sich die Spanier in mehr oder weniger symphonisch angehauchten Gefilden des Genres bewegten; scheinen jedenfalls endgültig vorüber. Anders gesagt: anstelle des wohligen, unverwechselbaren und für immer in Erinnerung bleibenden Sounds von Alben wie THE GATES OF OBLIVION (Review) tritt nun eine; gelinde gesagt etwas andere Klangkulisse – eine, an die man sich selbst mit bestem Wohlwollen und der Akzeptanz für Veränderungen nur schwerlich gewöhnen kann.

Schließlich macht schon der als Videosingle ausgekoppelte Opener BIRTH OF THE SUN klar, wohin die Reise auf und mit ORIGINS gehen soll. So haben sich DARK MOOR auch dieses Mal für einen insgesamt eher weichen, vielleicht sogar am ehesten im Bereich des Soft- beziehungsweise Radiorock zu verortenden Stil entschieden. Einen, der leider kaum Alleinstellungsmerkmale hat – und bei dem selbst die gut gemeinten Folk-Elemente grundsätzlich in einer schier endlosen Langeweile verpuffen. Ein gutes Beispiel dafür ist sicher auch das gleich auf den Opener folgende THE SPECTERS DANCE, das irgendwo (das heißt: so unterschwellig wie es nur irgendwie möglich ist) eine mitreißende Wirkung hat – insgesamt aber so langatmig, simpel und eintönig klingt dass es schmerzt. Und es geht weiter, denn: während schon das lahme CROSSING THROUGH YOUR HEART kaum Punkte sammeln kann – erst recht nicht in Anbetracht der absoluten, zu DARK MOOR einfach nicht passenden Radiotauglichkeit – wird es mit der Interpretation zu RAGGLE TAGGLE GYPSY erst so richtig düster. So verquer wie hier hat schlicht schon lange keine ehemalige Power Metal-Formation mehr geklungen – dem sich hier recht abenteuerlich gebenden Frontmann Alfred Romero und der peinlich-schwach klimpernden Instrumenten-Fraktion sei Dank. Im direkten Vergleich (und da sie den Titel ebenfalls erst kürzlich eingesungen haben) klingen selbst die nur vermeintlich raubeinigen Seemänner von SANTIANO so, als wären sie in ein Fass voll mit stärkendem Zaubertrank gefallen.

Vielleicht wäre all das nur halb so schlimm, wenn man nur das Gefühl hätte dass DARK MOOR wirklich wüssten was sie da machen – und vor allem auch, dass sie sich nicht in diverse Richtungen verbiegen. So aber klingt und wirkt ein Album wie ORIGINS nur wie ein schlechter Witz. Einem, der einem die Weihnachtszeit gehörig vermiesen könnte. Denn selbst wenn man jegliche stilistische Geschmacksfragen einmal außen vor lässt – oder sich am besten gleich selbst vormacht, dass es sich bei ORIGINS um ein Debütalbum einer bisher unbekannten Indie-Combo handelt – kann das Album einfach nicht bestehen. Der Gründe dafür gibt es schließlich und schlicht zu viele: seien es die einfach nur ärgerlich-schwache Gesangsdarbietung von Alfred Romero, der gefühlt kaum vorhandene Instrumental-Part mit seinem fast schon übertrieben weichen und reichlich unspektakulären Gesamteindruck, die eher belanglosen Texte, die ebenso simplen wie vorhersehbaren Strukturen, die dank der kargen Abmischung und Produktion wenig eindringliche Präsentation, absolut unterirdische Einzel-Nummern wie der Rausschmeißer-Ballade GREEN LULLABY und noch so viel mehr – es scheint, als wären DARK MOOR am Ende. Anders gesagt: wenn schon PROJECT X nicht der Sargnagel für die Karriere der Spanier war, dann ist es spätestens ORIGINS. Auch wenn das aktuell nicht viel hilft: Anfang und Ende sind bekanntlich eins – und die Spanier werden aufgrund ihrer früheren, allemal positiven Genre-Beiträgen in guter Erinnerung bleiben.

Absolute Anspieltipps: /


„Nicht weniger als das endgültige Ende einer Ära.“

Metal-CD-Review: DARK MOOR – Project X (2015)

dark-moor_project-x_500

Alben-Titel: Project X
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 6. November 2015
Land: Spanien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Enrik García – Guitars
Alfred Romero – Vocals (lead)
Roberto Cappa – Drums
Ricardo Moreno – Bass

Track-Liste:

1. November 3023 (01:07)
2. Abduction (04:43)
3. Beyond the Stars (04:57)
4. Conspiracy Revealed (03:06)
5. I Want To Believe (04:59)
6. Bon Voyage! (06:18)
7. The Existence (04:06)
8. Imperial Earth (04:30)
9. Gabriel (04:14)
10. There’s Something In The Skies (08:04)

Ein Höhenflug… oder doch eher der Fall nach ganz, ganz unten ?

Gute 2 Jahre nach ARS MUSICA (Review) legen die Spanier der mittlerweile legendären Genre-Combo DARK MOOR ein weiteres Studioalbum vor – das mittlerweile zehnte. Dieses horcht auf den Namen PROJECT X – und beschäftigt sich wie schon der Vorgänger mit einem vielversprechenden Konzept. Wer die bereits veröffentlichte Videosingle zu GABRIEL gesehen hat, wird dabei in etwa erahnen können worum es geht: um nicht weniger als Außerirdische, interstellare Entführungen respektive Offenbarungen – und vielleicht auch die Evolution der Menschheit. Das abermals gelungene Cover-Artwork unterstreicht die Idee, sich mit PROJECT X auf eine ganz besondere musikalische Entdeckungsreise innerhalb des übergeordneten Genres zu begeben – die Frage ist nur, ob DARK MOOR die ihnen gegebenen Chancen dieses Mal voll ausschöpfen. Zwar waren die Spanier stets weit davon entfernt, eine Krise zu durchleben (wobei der Weggang von Elisa C. Martin dem recht nahe kam) – doch nach dem eher lauwarmen ARS MUSICA wäre es doch mal wieder an der Zeit für ein rundum gelungenes Album.

Der große Schreck folgt jedoch sogleich, und das so schnell wie bei sonst keinem anderen Album dieses Jahres: PROJECT X hat einige alles andere als überhörbare Schwächen. Und das nicht nur in Bezug auf Feinheiten wie etwa die effektive Gesamtwirkung der Abmischung und Produktion, die einen viel zu kraftlosen und unspektakulären Eindruck hinterlassen. Nein, denn vielmehr scheint es plötzlich arge Probleme im Hinblick auf den vielleicht wichtigsten Mann der Combo zu geben: Leadsänger Alfred Romero. Was genau das oder vielleicht auch sein Problem ist, und wie viel davon mit der eher unvorteilhaften Abmischung zusammenhängt bleibt fraglich – Fakt ist derzeit und in Anbetracht der hier offerierten Leistung nur, dass der dereinst zu so manchem Höhenflug fähige DARK MOOR-Frontmann einfach nicht mehr er selbst ist. Derart angestrengt, stilistisch unsicher und vielleicht auch lustlos hat man ihn jedenfalls noch nie gehört. Selbst sein Akzent und sein offenbar gestiegener Drang zum Lispeln scheinen sich in eine nicht unbedingt wünschenswerte Richtung entwickelt zu haben: wo er auf den Vorgängern noch am ehesten als englischer native speaker durchgegangen wäre, hört man ihm nunmehr deutlich an dass er bezüglich seiner Aussprache zu kämpfen hat. Und das nicht zu knapp.

Sicher ist damit schon einmal, dass es PROJECT X nicht leicht haben wird. Sicher, der Leadgesang ist nur einer von vielen Aspekten – aber ein mitunter tragender, was sich in einem Fall wie diesem noch einmal deutlich zeigt. Vielleicht, aber auch nur vielleicht wäre es demnach zusätzlich ärgerlich, wenn DARK MOOR davon abgesehen ein rundum gutes Album gelungen wäre – ein Album, welches dann wohl absolut das Zeug dazu hätte, für einen Protest gegen den einst ehrwürdigen Romero zu sorgen. Doch leider – oder eben glücklicherweise – ist dem überhaupt nicht so, oder anders gesagt: PROJECT X ist auch vom Leadgesang abgesehen eine einzige musikalische Katastrophe. Eine recht bunte und so alles andere als erwartete zwar – doch das macht es auch nicht viel besser.

Tatsächlich fällt es schwer, sich in diesem Zusammenhang einzelne Nummern zwecks einer besseren Veranschaulichung herauszupicken. Fest steht nur: wer einen Titel wie die verquere quasi-Ballade BEYOND THE STARS gehört und richtigerweise für miserabel befunden hat, wird in etwa ahnen können worum es geht. Die schaurige Darbietung von Alfred Romero hin oder her – DARK MOOR klingen hier auch sonst nach nicht weniger als einer schlechten Parodie ihrer (früheren) selbst. Sicher, gegen ein wenig Leichtigkeit oder musikalische Experimente hat niemand etwas einzuwenden (man denke nur an das ebenfalls eher untypische JUST ROCK aus ANCESTRAL ROMANCE) – doch es scheint, als sei das gesamte PROJECT X eine Art flaches gute-Laune-Musical geworden. Folglich aber auch eines, dass leider keine Bilder vor dem geistigen Auge entstehen lässt – dafür ist allein die Gesangsdarbietung zu schwach und die Abmischung zu unvorteilhaft. Warum DARK MOOR nicht zumindest einen etwas schmackigeren Titel nachlegen bleibt daher mehr als fraglich – offenbar verlassen sie sich voll und ganz auf ihre neue Soundausrichtung. Die Folge: der Opener ABDUCTION bleibt der flotteste, kräftigste und aussagekräftigste Titel des Albums. Und das verheißt beileibe nichts gutes, zumal selbst der nicht unbedingt als starkes Stück bezeichnet werden kann. Immerhin wagt man mit IMPERIAL EARTH noch einmal einen Schritt in die richtige Richtung – doch dafür ist es bereits zu spät. GABRIEL ist keine Übernummer, geht als etwas kräftigere Ballade aber in Ordnung – während der unspektakuläre Rausschmeißer THERES SOMETHING IN THE SKIES auch nicht mehr viel herumreißen kann.

Trotz des augenscheinlich spannenden Konzeptes ist das einzige, was sich somit auf diesem Album wirklich hören lässt; das Schlagzeugspiel von Roberto Cappa – sowie die typischen DARK MOOR-Soliparts von Enrik García. Während der Bass eher untergeht, ist speziell die Darbietung von Alfred Romero höchst bedenklich – er scheint in jeder Hinsicht arge Probleme zu haben, das Album stimmlich markant und stilsicher zu präsentieren. Im Zusammenspiel mit den wenig effektiven, langatmigen Nummern – die zudem noch verdammt schlecht abgemischt sind – ergibt sich so ein zutiefst enttäuschendes Gesamtbild. Und das war von einer Band wie DARK MOOR trotz des leichten Qualitätsabfalls mit ARS MUSICA nicht unbedingt zu erwarten. Die Hoffnung, dass die Band mit PROJECT X endlich wieder durchstarten würde muss jedenfalls – und leider – begraben werden. Wer sich die Special-Edition mit einigen früheren, damals noch von Elisa C. Martin eingesungenen Nummern besorgt – der wird endgültig feststellen müssen, dass es momentan alles andere als gut um die Band bestellt ist. Warum nur konnte man nicht wenigstens diese Titel (unter anderem vom großartigen THE GATES OF OBLIVION) unangetastet lassen ? Die Antwort steht in den Sternen…

Absolute Anspieltipps: /


„Das mit Abstand schlechteste DARK MOOR-Album aller Zeiten.“

DARK MOOR: Gabriel (Official Video)

In der Tat melden sich dieses Jahr auch die spanischen Power Metal-Recken von DARK MOOR zurück – zunächst mit der Videosingle GABRIEL. Hier handelt es sich um das erste von insgesamt drei geplanten Musikvideos zum kommenden neuen Album PROJECT X, welches am 06. November 2015 erscheinen wird. Es bleibt dabei indes abzuwarten, welche musikalische Bandbreite die Band dieses Mal an den Start bringen wird. Man kann wohl nur hoffen, dass es nicht durchgängig romantisch-balladesk wird – und die Band mal wieder etwas Zunder abliefert. Ganz wie in alten Zeiten eben…

Metal-CD-Review: DARK MOOR – Tarot (2007)

dark-moor-tarot_500

Alben-Titel: Tarot
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. Februar 2007
Land: Spanien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Alfred Romero – Vocals
Enrik García – Guitars, Orchestral Arrangements
Daniel Fernández – Bass
Andy C. – Drums

Track-Liste:

1. The Magician (01:29)
2. The Chariot (04:24)
3. The Star (04:29)
4. Wheel of Fortune (03:59)
5. The Emperor (04:09)
6. Devil in the Tower (07:52)
7. Death (05:00)
8. Lovers (04:06)
9. The Hanged Man (05:31)
10. The Moon (11:31)
11. The Fool (04:12)

Ein Tarot mit guten Aussichten.

Nein, allzu lange ist es wirklich noch nicht her, dass sich die spanischen Power Metaller von DARK MOOR von einer ihrer wichtigsten Mitglieder (oder vielleicht auch: ihrer Galionsfigur) getrennt haben. Und doch, auch nach dem einschneidenden Weggang von Elisa C. Martin gibt es Hoffnung für die Band – mit der seit ihrem Debütalbum SHADOWLAND aus dem Jahre 1999 (siehe Review) immer wieder zu rechnen ist. Eine Hoffnung; die nach dem eher enttäuschenden, passenderweise schlicht DARK MOOR betitelten Rückkehr-Album aus dem Jahre 2003 (siehe Review) vielleicht noch nicht wirklich in Sichtweite war – mit dem nachgelegten BEYOND THE SEA (Review) aber endlich in greifbare Nähe rückte. Nun, und damit wieder einmal gute 2 Jahre später liegt es am mittlerweile sechsten offiziellen Studioalbum TAROT, die Weichen auch für die Zukunft vorteilhaft zu stellen.

Tatsächlich fällt in Anbetracht des insgesamt 11 Titel enthaltenen Albums eines recht schnell auf: DARK MOOR sind nach wie vor auf einem aufsteigenden Ast – und sollten sich mit ihrem Sound irgendwo zwischen einem gradlinig-antreibenden Power Metal (THE STAR), emotionalen Höhepunkten (LOVERS) und allerlei klassischen Intermezzos immer weiter in der internationalen Szene etablieren können. Zumal auch ihr an den Tag gelegten Handwerk immer (stil-)sicherer wird. Alfred Romero etwa macht als Leadsänger eine immer bessere Figur, und weiß den Spagat zwischen dem auch mal etwas bestimmter agierenden Frontmann (THE HANGED MAN) und seiner balladesken Seite perfekt zu meistern. Wenn dann auch noch derart passende Hintergrundgesänge (und sei es in Form der ungewöhnlichen, aber doch irgendwie passigen und keinesfalls störenden Growls in THE CHARIOT) sowie im allgemeinen recht gut inszenierte Chöre hinzukommen, ist die Sache geritzt – zumindest, was die Gesangsaspekte eines Albums wie TAROT angeht.

Aber auch auf der anderen Seite sieht es verdächtig gut aus – vor allem natürlich, was das angenehm variable Gitarrenspiel von Enrik García angeht. Der ist übrigens auch für die symphonische Ausstaffierung des Albums, das heißt etwa die immer wieder eingeworfenen Keyboard-Elemente oder die größeren orchestralen Arrangements verantwortlich. Tatsächlich, und auch wenn jene die sich dem Genre seit jeher notorisch verweigern auch dieses Mal nicht bekehrt werden können; gelingt ihm in der Gesamtheit damit ein recht umfassendes, üppig klingendes Album. Eines, das dabei aber nie wirklich überladen klingt – sondern in der Mixtur aus symphonischen Elementen und technisch versierten Gitarrenintermezzi tatsächlich eine nicht unwesentliche Tiefe entwickeln kann. Sicher gilt das nicht für jeden einzelnen Titel – und doch ist es bezeichnend, was DARK MOOR hier hinsichtlich einer wenn man so will poetischen und allemal kraftvollen Gesamtwirkung auf die Beine stellen.

Mit ein wenig Fantasie könnte man so auch einige Parallelen zu den Kollegen von KAMELOT entdecken – was hier nur gutes bedeutet, und keineswegs Zweifel an der Originalität von DARK MOOR aufkommen lassen soll. Einzig mit dem dann doch etwas überambitionierten THE MOON scheinen die Spanier gekonnt am Ziel vorbeigesegelt zu sein – derart anstrengend klang schon lange kein klassisches Stück mehr, das von einer Power Metal-Band in gänzlich neue musikalische Gefilde transportiert wurde. Leider, muss man sagen – aber andererseits war ähnliches schon beim ebenfalls überlangen DIES IRAE vom sonst hervorragenden GATES OF OBLIVION der Fall. Fest steht: wenn DARK MOOR weiter an derartigen Experimenten festhalten wollen, muss noch an einigen Schrauben gedreht werden – insbesondere was die Chöre betrifft. Alles in allem ist TAROT aber ein höchst solides Album geworden. Im besten Fall sogar eines, welches den Vergleich mit den bis dato besten der Band (THE HALL OF OLDEN DREAMS, THE GATES OF OBLIVION) nicht wirklich scheuen muss – auch wenn es anders klingt. Wenn die Band so oder so ähnlich weitermacht, stehen alle Zeichen auf grün.

Absolute Anspieltipps: THE CHARIOT, THE STAR, LOVERS, THE HANGED MAN


„Ein weiteres Highlight aus der DARK MOOR-Schmiede.“

Metal-CD-Review: DARK MOOR – Beyond The Sea (2005)

dark-moor-beyond-the-sea_500

Alben-Titel: Beyond The Sea
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Februar 2005
Land: Spanien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Alfred Romero – Vocals
Enrik García – Guitars, Orchestral Arrangements
Daniel Fernández – Bass
Andy C. – Drums

Track-Liste:

1. Before the Duel (03:50)
2. Miracles (06:12)
3. Houdini’s Great Escapade (04:59)
4. Through the Gates of the Silver Key (00:54)
5. The Silver Key (06:16)
6. Green Eyes (04:36)
7. Going On (04:42)
8. Beyond the Sea (03:59)
9. Julius Caesar (02:26)
10. Alea Jacta (05:01)
11. Vivaldi’s Winter (07:40)

Der Auftakt zu einer glorreichen Wiedergeburt ?

Für die spanischen Power Metaller von DARK MOOR war die Zeit zwischen 2002 und 2003 sicher keine leichte. Dass diverse interne Probleme und die daraus folgenden Besetzungswechsel eine tiefe Furche hinterlassen hatten, steht wohl außer Frage – sodass vor allem das erste Album ohne die ehemalige Leadsängerin Elisa C. Martin (DARK MOOR von 2003, Review) sicher nicht zum Besten gehörte, was die Spanier bisher von sich hören ließen. Und das nicht nur, da man sich zunächst an den neuen Ladesänger Alfred Romero gewöhnen musste – sondern auch, da DARK MOOR offenbar einige für sie neuartige musikalische Experimente wagten. Die Richtung ging eindeutig weg vom ehemals straighten und gleichermaßen hymnischen wie bombastischen Power Metal (siehe THE GATES OF OBLIVION von 2002, Review) – hin zu einem etwas komplexeren, reichhaltigeren akustischen Gesamtbild. Gerade dieses – welches sich unter anderem durch eine deutlich düsterere Stimmung, klassische Chorgesänge und auch ganz allgemein einem expliziten Hang zur Klassik auszeichnete – schien aber noch nicht vollständig ausgereift. Das Ergebnis war ein Album welches eben nicht nur ungewohnt experimentell, sondern mitunter deutlich zu plump und beliebig klang; und grundsätzlich keine markanten Höhepunkte servierte.

Nun aber – und mit BEOND THE SEA – scheinen DARK MOOR zu ihren alten Stärken zurückgefunden zu haben. Dennoch, und das ist das besondere; machen sie einen gewaltigen Schritt nach vorne – und vermengen die Vorzüge ihrer musikalischen Vergangenheit mit endlich vollständig ausgereift wirkenden neuen Elementen. Und das sind in erster Linie solcher der Klassik – sodass man nicht erst zum Bonustrack VIVALDIS WINTER kommen muss, um dies zu erkennen. Auch wenn hier vieles – oder gar alles – aus der Konserve stammt, schmälert dies nicht den Gesamteindruck des Albums, das zu keinem Zeitpunkt künstlich oder unnötig aufgeblasen klingt. Im Gegenteil, DARK MOOR geben sich hier eher geerdet – und dank einem Multitalent wie Enrik García (Gitarren, Keyboard und orchestrale Arrangements) bekommt BEYOND THE SEA eine ganz eigene, unverwechselbare und zutiefst angenehme Note. Somit klingt das Album mindestens ebenso vielfältig und variabel wie der eher schwache Vorgänger, doch entfaltet aufgrund des wesentlich ausgefeilteren Sounds eine ganz andere Wirkung. Das Gesamtpaket DARRK MOOR klingt hier nun wesentlich druckvoller, energischer und zielstrebiger – was sicher auch an der rundum gelungenen Produktion und Abmischung liegt, aber nicht zuletzt am Einsatz aller beteiligten Musiker.

Analog zu den nun kaum noch Wünsche offen lassenden Instrumetalkulissen scheint sich auch Alfred Romero gefangen zu haben – der auf BEYOND THE SEA nun endlich nicht mehr so klingt, als sei er nicht wirklich ein Teil der Band. Der sehr bodenständige, vergleichsweise tiefe Leadgesang und die Instrumentierungen ergänzen sich nunmehr perfekt. Interessant dabei ist, dass das Album eher als Ganzes betrachtet werden muss – einzelne Nummern herauszupicken bietet sich in diesem Fall nicht wirklich an. Zum einen, da DARK MOOR hier nicht mehr auf sofort wirksame und auch alleinstehend funktionierende Genre-Hymnen setzen; die Nummern vergleichsweise komplex sind – und zum anderen, da es jener ganz spezielle rote Faden ist der das Album erst so kraftvoll wirken lässt. Demnach können hier nicht mehr einzelne Titel als Brett bezeichnet werden; sondern eher das Album in seiner Gänze. Dafür sorgen nicht zuletzt die hier dargebotenen Geschichten, die dem Album auch inhaltlich einen ganz besonderen Schliff verpassen. Doch ob DARK MOOR nun dem berühmten Houdini oder gar Julius Ceaser einen Titel widmen – man hört ihnen einfach gerne zu.

Anders gesagt: nicht DARK MOOR’S gleichnamiges Album aus dem Jahre 2003 sollte als Nachfolger zum legendären THE GATES OF OBLIVION angsehen werden, sondern eher BEYOND THE SEA. Der zeitliche Zusammenhang mag dagegen sprechen, und auch die Tatsache dass es die Band nun wesentlich ruhiger, man will nicht sagen langatmiger angehen lässt – jedoch nicht die offerierte Qualität. Einzig und allein der Opener (der merkwürdigerweise auch als Videosingle ausgekoppelt wurde) und der Rausschmiss in Form der doch etwas gewöhnungsbedürftigen Tributzollung an Antonio Vivaldi stehen hier leicht hintenan – doch lohnt es sich (fast) alles zu entdecken, was sich dazwischen befindet. Hätte das Album noch etwas mehr Pepp und wäre nicht ganz so gleichförmig ausgefallen.. dann wäre auch eine noch höhere Wertung dringewesen.

Absolute Anspieltipps: HOUDINIS GREAT ESCAPE, THE SILVER KEY,  GOING ON, ALEA JACTA


80button

„Dark Moor im Jahre 2005, oder: der Phönix aus der Asche.“