Metal-CD-Review: CRYSTALLION – Hundred Days (2009)

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Alben-Titel: Hundred Days
Künstler / Band: Crystallion (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. Oktober 2009
Land: Deutschland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Dockyard 2 Records

Alben-Lineup:

Thomas – Vocals
Manuel – Keyboards
Martin – Drums
Stefan – Bass
Patrick – Guitars

Track-Liste:

1. Cloak and Dagger (02:22)
2. The Sleeping Giant (05:49)
3. A Cry in the Night (04:22)
4. Sole Survivors in Ligny (05:39)
5. Nations Falling (06:42)
6. Hougoumont (05:09)
7. Under Heavy Fire (04:51)
8. We Stand Aligned (06:19)
9. Hundred Days (04:56)
10. The Bravest of the Brave (06:03)

Die Geschichte von 100 denkwürdigen Tagen erzählt in 52 Minuten.

Gerade einmal ein Jahr nach einem der wohl bemerkenswertesten und intensivsten, aber leider gern vernachlässigten Metal-Alben des Jahres 2008 (Hattin – siehe Review) erschien mit HUNDRED DAYS bereits das nächste Konzeptalbum aus der Feder der Bayrischen Power Metal-Combo CRYSTALLION. Dabei hatten die Jungs die besten Voraussetzungen, um an den Erfolg des in mancherlei Kreisen legendären Albums über das Aufeinandertreffen der Christen und Muslime in Jerusalem anzuknüpfen. Das hierzu anberaumte neue musikalisch zu behandelnde Thema könnte sich dafür wohl kaum besser eignen: wieder geht es um eine äußerst geschichtsträchtige Periode, die sich weniger auf ein einzelnes Ereignis denn vielmehr auf ganz bestimmte bekannt gewordene Persönlichkeiten oder länger währende Zeitabschnitte bezieht. Dieses Mal geht es – und das verrät bereits das Cover, wenn auch nur dezent; um die sogenannte Herrschaft der 100 Tage durch den aus dem Exil zurückgekehrten Napoleon Bonaparte.

CRYSTALLION wären jedoch nicht CRYSTALLION, wenn sie sich nicht auch diesmal für eine besondere Art der musikalischen Inszenierung entschieden hätten: wie auf HATTIN wird das Geschehen aus zwei Ich-Perspektiven beleuchtet, die sich quasi gegenüberstehen und die Ereignisse auf ihre ganz eigene Art und Weise interpretieren. Gut ist, dass es dabei auch dieses Mal kein richtig oder falsch im eigentlichen Sinne gibt. CRYSTALLION lassen offen, ob sie für eine der beiden Seiten einstehen oder nicht; und nutzen diese Taktik eher als Form der akustisch erlebbaren – und durch die zwei Perspektiven so gesehen wieder recht neutralen – Nacherzählung.

Steigt man dann einmal tiefer in den Alben-Kosmos ein, ist aber doch eine dezente Veränderung festzustellen; wenn auch eher auf der musikalischen denn auf der inhaltlich-erzählerischen Ebene: HUNDRED DAYS wirkt insgesamt deutlich kompakter und auch etwas weniger spektakulär als der Vorgänger. Das bedeutet indes nicht, das die Qualität der einzelnen Titel eine ebenfalls niedriger anzusetzende ist – sondern nur, dass sich ein Großteil der Songs im Midtempo bewegt, die Refrains nicht mehr ganz so mitreißend sind und man sich des öfteren eher am Melodic- denn am Power Metal orientiert. So klingt HUNDRED DAYS schlicht etwas rockiger und vielleicht auch zugänglicher. Dennoch stehen bei CRYSTALLION weiterhin zwei Faktoren an der vordersten Front, und das nicht ohne Grund: der markant-starke Leadgesang von Thomas Strübler  sowie die gelungene Gitarrenarbeit von Patrick Juhász.

Dabei sind es vor allem die Riffs, die für einen ordentlichen Eindruck sorgen – und im Zusammenspiel mit dem zwar häufig, insgesamt aber relativ dezent genutzten Keyboard für eine ansprechende und atmosphärische Soundkulisse sorgen. Schade erscheint nur, dass CRYSTALLION dieses Mal komplett auf eingeschobene Uptempo-Nummern verzichten und das neue Soundgewand zu keinem Zeitpunkt durchbrechen. Das bedeutet: hat man die ersten drei oder vier Nummern gehört, wird man ungefähr wissen was noch auf einen zukommen würde; Überraschungen folgen keine mehr. Handwerklich ist das Ganze zwar zu jedem Zeitpunkt über alle Zweifel erhaben, doch spätestens nach den letzten gemäßigten Nummern und dem (noch langsameren) Rausschmeißer THE BRAVEST OF THE BRAVE wird einem klar, dass CRYSTALLION hie und da vielleicht doch etwas mehr Kraft, Tempo und Druck hätten anberaumen sollen.

CRYSTALLION’s HUNDRED DAYS reiht sich damit nahtlos in die Riege der besseren Power Metal-Alben ein, denen man so etwas wie einen historischen Anspruch unterstellen könnte. Einen bodenständigen, aber dennoch äußerst unterhaltsamen und musikalisch beinahe perfekt untermalten – wären da nicht die unüberhörbaren Längen und die insgesamt wenig packende Gesamtwirkung. Im direkten Vergleich mit dem legendären HATTIN kann HUNDRED DAYS somit nicht mithalten – es fehlt hie und da einfach an den nötigen i-Tüpfelchen oder einer handvoll Titel, die wirklich und nachhaltig aus der Tracklist hervorstechen. Dennoch bleibt es bei einem soliden Album, das man als Fan der Vorgänger keinesfalls missen sollte.

Absolute Anspieltipps: A CRY IN THE NIGHT, SOLE SURVIVORS IN LIGNY, UNDER HEAVY FIRE, HUNDRED DAYS


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„Ein gutes Konzept und ein guter Ansatz – nur wirkliche Highlights, die fehlen.“

Metal-CD-Review: CRYSTALLION – Killer (2013)

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Alben-Titel: Killer
Künstler / Band: Crystallion (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Melodic Metal / Melodic Rock
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Thomas Strübler – Vocals
Patrick Juhász – Guitar
Stefan Gimpl – Bass
Martin Herzinger – Drums

Track-Liste:

1. Run
2. Far Cry
3. Dead On Arrival
4. Heat Of A Thousand Flames
5. Ready To Strike
6. Killer
7. S.O.S.
8. I’m Alive
9. Push Comes To Shove
10. Change Your Heart
11. Full Moon Fever
12. The Unwanted

Power Metal ? Das war einmal.

Es ist immer wieder eine spannende Angelegenheit mit anzusehen, in wie weit sich Künstler im Laufe ihrer Karriere weiterentwickeln. Ob es sich dabei aber wirklich um ein wirklich nachvollziehbares, sinniges Wachsen im Sinne von Qualität, Gehalt und Ausrichtung handelt – oder nur um eine sprunghafte Änderung der Stilrichtung, das ist eine andere Frage. Eine nicht alles, aber sicherlich doch vieles entscheidende. Auch in Anbetracht des neuen Albums der deutschen Metal-Band CRYSTALLION, schlicht KILLER getauft; wird man sich nun eben solchen Fragen stellen müssen.

Warum das so ist, offenbart ein Blick auf die bisherige Diskografie der gebürtigen Bayern. Bereits im Jahre 2003 gegründet, legten sie mit ihrem Debütalbum A DARK ENCHANTED CRYSTAL NIGHT von 2006 (Review) ein grundsolides, wenn auch nicht spektakuläres Genre-Album ab. Ein Album, welches sich zweifelsfrei dem Power Metal zuschreiben liess; mit entsprechendem Double-Bass-Getöse, melodischen Strukturen und hochtrabend-hymnischen Refrains. Dann, und im Jahre 2008, sorgten sie plötzlich für eine Überraschung: HATTIN war nicht nur weitaus hochwertiger als das gerade einmal zwei Jahre ältere Debütalbum – es war zudem ein sagenhaftes Konzeptalbum von einer Intensität und Ausdruckskraft, die noch immer ihresgleichen sucht. Im entsprechenden Review auf Oliverdsw.Wordpress sahnte jenes Werk entsprechend ab – und auch allgemein gilt es gleichermaßen als Geheimtipp wie musikalischer Höhepunkt der Bandgeschichte von CRYSTALLION.

Bereits ein Jahr später folgte das dritte Studioalbum – HUNDRED DAYS, ebenfalls ein Konzeptalbum; jedoch mit einer insgesamt ruhigeren, unspektakuläreren, schlicht rockigeren Gangart. Während sich seit dem viele Fans also nach einem weiteren Hochkaräter a’la HATTIN sehnten, folgte einige Zeit später die Ankündigung für ein neues Album. Dieses sollte schlicht KILLER heissen – allerdings kein Konzeptalbum mehr sein und nach der Pleite des einstigen Labels eine neue musikalische Seite von CRYSTALLION offenbaren. Gut, gut – einmal über das schreckliche Cover-Artwork hinweggesehen, machte zumindest die Tatsache Mut, dass CRYSTALLION noch immer aus der gleichen Besetzung bestanden wie dereinst und zu HATTIN-Zeiten. Doch was dann, und in Form der nun 12 vorliegenden Titel tatsächlich folgen sollte, hat tatsächlich so gar nichts mehr gemein mit der ehemaligen Ausrichtung der Band.

Sicher, niemand hat etwas gegen eine Weiterentwicklungen oder gar musikalische Neuausrichtungen, wenn; und das ist nicht nur ein kleines Wörtchen, wenn die einst etablierte Qualität und Originalität nicht darunter leidet. Genau das ist CRYSTALLION jedoch passiert: KILLER ist ein leicht zu verwechselndes Album geworden, welches sich eher in Bereichen des Hardrock denn des Heavy Metal umschaut. Bands gibt es zwar auch im Power Metal (dem ehemaligen CRYSTALLION-Genre) wie Sand am Meer – doch im Hardrock, beziehungsweise jenem Metal, der eher Retro-orientiert ist und die einstigen Trends der 80er Jahre wieder aufleben lässt, sieht es gewiss nicht anders aus. Hier hätten CRYSTALLION schon weitaus mehr machen müssen, als sie es nun mit und auf KILLER veranstalten – sie gehen nur noch mehr in der Masse unter. Zumindest aus einem qualitativen, ehrlichen Blickwinkel heraus – während die Verkaufszahlen im Vergleich zu ehemaligen ‚Geheimtipps‘ a’la HATTIN natürlich steigen dürften. Anders gesagt: CRYSTALLION goes Kommerz, und darunter leidet verständlicherweise die Originalität und Qualität.

Und so wirkt KILLER vor allem wie aus einem Guss. Wirkliche Ausfälle oder gar Peinlichkeiten gibt es zwar keine, doch andererseits bleiben echte Highlights aus, und der Gesamteindruck des Albums könnte unspektakulärer nicht sein. Als direkter Vergleich böte sich eine ebenfalls noch junge, oldschool-orientierte Band wie ALPHA TIGER an – die das Ganze aber mit einer größeren Portion Charme und Authentizität zelebriert. Und offenbar auch soundtechnisch qualitativer: die Abmischungs- und Produktionsqualität von KILLER kann nur noch schwerlich mit den Vorgänger-Alben mithalten. Man sagt zwar, dass Artworks nicht immer mit der tatsächlichen Qualität eines Albums einhergehen müssen – in diesem Fall aber trifft es zu.

Fazit: KILLER bleibt eine Empfehlung für alle Freunde eines melodischen Heavy Rock ohne großartige Schnörkel, langjährige Fans der Band werden aller Wahrscheinlichkeit nach enttäuscht sein. Man sollte ein Album zwar auch immer unabhängig von der bisherigen Diskografie einer Band betrachten – doch selbst dann schneidet KILLER nicht deutlich besser ab.

Anspieltipps: READY TO STRIKE, FULL MOON FEVER, THE UNWANTED

Vergleichsbands: HARTMANN | PLACE VENDOME


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„In Anbetracht der früheren Alben ein Schlag ins Gesicht, nicht nur qualitativ“

CRYSTALLION – Killer (Metal News)

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Oh weh, kann das gutgehen… ?

CRYSTALLION machen es sich aber auch nicht leicht. Nach einem soliden Debüt (Review hier) und einem durchaus sagenhaften 2008’er Album (HATTIN, 10/10 – Review hier) veröffentlichten sie 2009 das schon nicht mehr ganz so gut aufgenommene HUNDRED DAYS – ebenfalls ein Konzeptalbum mit historisch fundiertem Einschlag. Dass Anfang 2013 nun endlich ein neues Studioalbum erscheinen sollte, war für viele eine gute Nachricht – wohl auch, da man sich in der Hoffnung wiegte, es könnte wieder ein ähnlich aussergewöhnlich-anspruchsvolles Material ans Licht kommen wie einst auf / mit HATTIN. Allerdings sprechen zur Zeit – und leider – mindestens drei Dinge dagegen. Sicher, eine jede Band entwickelt sich im Laufe ihrer jeweiligen Karriere weiter, was schön und gut ist – aber eine 180-Grad-Kehrtwende ist dabei nur allzu selten bekömmlich; gerade für die Fans. Doch kommen wir zu einer Aufstellung der ersten, schon vor dem Release ersichtlichen Missstände.

Erstens und ohne Zweifel diskutabel: das überraschend plumpe Cover-Artwork; welches unfreiwillig komisch wirkt und so gar nichts mit den bisherigen gemein hat. Eine echte Verschlechterung – da war selbst das (ebenfalls schlichte) Cover des Debütalbums ansehnlicher; gar nicht erst zu sprechen vom fantastischen Artwork von HATTIN. Zweitens: KILLER wird wohl kein in sich zusammenhängendes Konzept-Album werden, sondern vielmehr ein typisches Genre-Album mit einer Ansammlung von mal härteren, mal balladeskeren Titeln. Ein quasi-Sampler also – doch davon gibt es doch schon so viele. Warum also auf ein Band-Markenzeichen (wie das historischer Konzeptalben) verzichten ? Und drittens, was gleichzeitig am schwersten wiegt – die von der Band vorab veröffentlichte Kostprobe in Form des Titels READY TO STRIKE ist schlichtweg enttäuschend. Nicht nur, dass der Titel nicht hält, was er aufgrund seiner Bezeichnung verspricht – er klingt einfach viel zu mainstreamig und rockig, als dass er sich markant von der Masse abheben könnte. Wo sind nur die guten alten Power Metal-Klänge hin, wo die ansprechenden Textinhalte mit Lerneffekt, die sinnige Arbeit mit einer verdammt guten Power Metal-Stimme wie der von Leadsänger Thomas Strübler ? bis es zu einer endgültigen Antwort kommt, gibt es an dieser Stelle nur noch die Trackliste und den Preview-Track – zwecks eigener Meinungsbildung. Es sieht nicht allzu gut aus… aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Metal-CD-Review: CRYSTALLION – Hattin (2008)

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Album: Hattin | Band: Crystallion (weitere Band-Inhalte)

Land: Deutschland – Stil: Heavy / Power Metal – Label: Dockyard 1

Alben-Lineup:

Thomas Strübler – Gesang
Patrick Juhász – Gitarre
Florian Ramsauer – Gitarre
Stefan Gimpl – Bass
Martin Herzinger – Schlagzeug
Manuel Schallinger – Keyboard

01 The Ambush
01.56
02 Wings Of Thunder
05.28
03 Vanishing Glory
07.45
04 Under Siege
06.00
05 The Battle – Onward 06.55
06 The Battle – Higher Than The Sky
08.26
07 The Battle – Saracen Ascension
07.13
08 Preach With An Iron Tongue 11.08

Geschichte geht nicht epischer.

Was haben sich CRYSTALLION aus Deutschland / Bayern bloss dabei gedacht ? Nach einem guten, aber doch recht typischen Power Metal-Genrealbum als Debüt (A DARK ENCHATED CRYSTAL NIGHT, 2006 – Review) legten sie gute zwei Jahre später plötzlich HATTIN vor – ein Konzeptalbum mit schwerwiegendem historischen Inhalt. Dass sich Bands im Laufe der Jahre weiterentwickeln und sich dabei bestenfalls auch spürbar verbessern (musikalisch, technisch, inhaltlich), ist eine der Voraussetzungen, um in einem überlaufenen Genre zu bestehen – aber wirkliche Quantensprünge gelingen dabei den wenigsten. Ein Kandidat dieser wenigen ist die 2003 gegründete Band CRYSTALLION – und der handfeste Beweis das vorliegende Album. 

Dabei hätte das Ganze auch schnell in die Hose gehen können. Ein Konzeptalbum, welches sich hauptsächlich mit den Kreuzzügen und einer der wichtigsten Schlachten um Jerusalem (1187) beschäftigt, ist eben automatisch gespickt mit potentiell die Gemüter erhitzenden Themen. Besonders, wenn das Ganze dann auch noch – oder gerade noch – im musikalischen Bereich des Power Metals angesiedelt ist; der gerne mal etwas martialisch, ausschweifend und teilweise verherrlichend daherkommt. Doch selbst wenn nicht die Gefahr bestand, etwaige Gemüter allzu sehr zu erhitzen, so liefen CRYSTALLION immer noch Gefahr, ihr Projekt unfreiwilligerweise ins Lächerliche abdriften zu lassen. Es darf jedoch eine vollständige Entwarnung gegeben werden – CRYSTALLION umgehen beide Fettnäpfchen, und schaffen somit den schwierigen Spagat zwischen ernstzunehmender, neutraler Geschichtsstunde und zünftiger Power Metal-Kost. Das Ergebnis ist vor allem eines: absolut unterhaltsam.

Bereits das Intro THE AMBUSH macht klar, auf welche Reise sich der Hörer dieses Mal begeben würde: eine, die etwas weiter weg von den fantastischen Inhalten des Debütalbums führen würde, hinein in die Realität; respektive Vergangenheit. Die druckvollen, Soundtrack-artigen Klänge sorgen für einen frischen Wind, bis eine Erzählstimme einsetzt und dem Hörer die ersten nötigen Randdaten zur Verfügung stellt. Gerade in den Erzählparts liegt oft die Crux eines Power Metal-Albums, welches eine Geschichte erzählen will – doch CRYSTALLION geben sich auch hier keine Blösse. Richtig spannend wird es dann mit dem (durchaus sagenhaften) Opener WINGS OF THUNDER – eine melodischen Hymne, vollgepackt mit hochqualitativen Metal-Elementen und einem ganz speziellen Charme. Die ausserordentlich versierte Produktion lässt einen erst einmal innehalten – und die einzelnen Instrumenten-Parts ungetrübt genießen. Besonders auffällig und positiv hervorzuheben ist der markante Einsatz des Basses, sowie das rundum organische Schlagzeugspiel – endlich einmal gibt es wieder eine Band, die allen Mitgliedern gleichsam ihre Aufmerksamkeit schenkt, beziehungsweise ihnen einen entsprechenden Raum gibt.

Doch auch das Gitarrenspiel und der Gesang sind beileibe nicht von schlechten Eltern – auch wenn Leadsänger Thomas Strübler (eventuell bekannt aus JUVALIANT) eine vergleichsweise typische Power Metal-Stimme hat. Angesiedelt in den höheren Gesangslagen, gibt er sich jedoch keinen ausschweifenden Scream-Eskapaden hin, sondern bleibt im Sinne der Geschichsstunde weitestgehend bodenständig; und vor allem angenehm zu hören. Dieses Konzept wird nun auch im folgenden VANISHING GLORY weitergeführt. Ein kurzes Intro mit vollem Instrumenteneinsatz weicht alsbald einer harmonisch-sphärischen Passage, die die Spannung noch einmal bis zum Zerbersten aufbaut. Die Entladung erfolgt sogleich – und präsentiert sich in Form einer Bass- und Gitarren-lastigen Instrumentation voller Kraft, Ausdrucksstärke, aber eben auch (Fein-)Gefühl. Sehr gut, und weitestgehend dezent-unterstützend ist das Keyboardspiel von Manuel Schallinger, der genau darauf geachtet hat dass keine allzu plumpen oder kitschigen Klänge den Weg in die (Hintergrund-)Komposition finden.

Die (auch inhaltliche) Spannung spitzt sich zu – und präsentiert dem Hörer mit UNDER SIEGE eine scheinbar auswegslose Situation. Hier handelt es sich um einen weiteren sehr guten, vielleicht etwas ungewöhnlichen Titel mit einer ureigenen Dramatik. Die Grundstimmung scheint hier sehr variabel, eine grundsätzlich positiv anmutende Instrumentalstimmung im Midtempo-Bereich steht im Gegensatz zu den Textinhalten. Musikalisch 1A ist das Ganze ohne Zweifel – so lassen auch die Gitarrensoli keine Bedenken zu. Nun aber folgen drei zusammenhängende Titel, die sich – und das ist vielleicht gar keine große Überraschung – als das absolute Alben-Highlight herausstellen. Die epische THE BATTLE…-Sage ist nämlich genau das: verdammt episch, und in ihrer Wirkungskraft und Intensität einfach unschlagbar. Während ONWARD als Vorspiel mit allerlei Raffinessen und Stimmungswechseln auftrumpft, fungiert das schier unglaubliche HIGHER THAN THE SKY als die stellvertretende Hymne des Albums – von der Melodie über die unaufhaltsame Power, bis hin zum gut ausgearbeiteten Inhalt – hier stimmt einfach alles. Hier handelt es sich nicht nur um den besten Titel des Albums – sondern ohne Zweifel auch um einen der besten und herausragendsten aus dem Jahre 2008. Überwältigt von dem bisherigen Eindruck bleiben nur noch SARACEN ASCENSION (tolle Tempi- und Stimmungswechsel) und PREACH WITH AN IRON TONGUE (etwas lockererer Titel mit tollen Refrain und Instrumentalpart) als Ausklang.

Fazit: Gerade im Power Metal gibt es immer wieder Bands, die historische Ereignisse aufgreifen und sie in ihrer Musik – vielleicht auch in einem Konzeptalbum – verarbeiten. Das kann je nach Band und Erfahrung mal gelingen, mal missglücken – zumeist aber bewegt sich das Ergebnis auf einem akzeptablen Niveau, irgendwo anzusiedeln zwischen epischer Dramatik und der übertragenen Spielfreude des Power Metal. CRYSTALLION aber nehmen sich ihr anliegen so stark zu Herzen, dass sie mit HATTIN für die Entstehung einer bisher so nie dagewesenen, absolut ernstzunehmenden Power Metal-Geschichsstunde sorgen. Auf diesem Album findet sich weder Kitsch noch viel Schnickschnack – lediglich die teils hymnischen Refrains bedienen das Genre so wie man es sich vielleicht vorgestellt hat (und teilweise vom Vorgänger-Album kennt), und erinnern damit auch etwas an andere Genre-Vertreter – übertreffen diese aber auch in dieser Hinsicht. Wenn CRYSTALLION mit diesem Geschichts-Album nicht Geschichte schreiben, mit welchem dann ? HATTIN ist in jeder Hinsicht überragend, und lässt unzählige Geschichten-erzählenden Power Metal-Bands von Schweden bis Italien verdammt alt aussehen. Ein Meilenstein für die Band – ein Meisterwerk für alle.

Musik: 10/10 | Gesang: 9/10 | Produktion: 10/10 | Inhalt: 10/10 | Vielfalt: 10/10 | Wirkungskraft: 10/10

Anspieltipps: Grundsätzlich alle, insbesondere THE BATTLE… HIGHER THAN THE SKY


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Metal-CD-Review: CRYSTALLION – A Dark Enchanted Crystal Night (2006)

…A Dark Enchanted Crystal Night Kaufen…

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power Metal

01. A Dark Enchanted Crystal Night (00:55)
02. Guardians of the Sunrise (05:15)
03. Visions (08:05)
04. Eternia (06:42)
05. Crystal Clear (06:14)
06. Tears in the Rain (06:59)
07. Dragonheart (08:20)
08. Burning Bridges (06:46)
09. The Final Revelation (09:30)

„And now we’ll find a way to… ETERNIA !“

Vorwort: Viele haben es bereits damals, beziehungsweise im Jahr 2006 prophezeiht – aus den deutschen Melodie-Metallern von Crystallion könnte schon bald etwas ganz großes werden. Und tatsächlich: wenig später folgte mit Hattin ein sagenhaftes Konzeptalbum. Bis heute ist das aktuellste Album der Band Hundred Days (2009). In dieser (man muss es zugeben: verspäteten !) Rezension soll es jedoch nicht um die neueren Werke der Band gehen, sondern um jenes Einstiegsalbum; welches einerseits der Band als Sprungbrett diente (neben der vergriffenen Demo aus dem Jahr 2005), und andererseits auch den Fans. Genau deshalb empfiehlt es sich auch bis heute als sinnvollstes Album, um sinnig in das musikalische Universum von Crystallion einzusteigen. Legen wir los !

Kritik: Den Silberling eingelegt,  die Lautstärke vorsichtig aufgedreht – was wird den Hörer wohl auf dem etwas sperrig betitelten Album A Dark Enchanted Crystal Night wohl erwarten ? Nun, zu allererst ein kurzes Intro, welches kaum weitere Schlüsse zulässt. In den gerade einmal 55 Sekunden erklingen hauptsächlich stark künstlich wirkende Klänge; es klingt beinahe als ob man sich hier irgendeines drittklassigen Computerprogrammes bediente um einen Treffer zu landen – der Schuss geht verständlicherweise nach hinten los (4/10). Belassen wir es lieber dabei und schreiten zum Opener Guardians Of the Sunrise – denn hier kommt der Sound von Crystallion erstmals in seiner ganzen Bandbreite zum Zuge. Und auch die Produktionsqualität lässt sich anhand dieses Titels beurteilen – und die ist für ein Erstwerk glücklicherweise recht satt; geht also komplett in Ordnung. Doch auch der Inhalt überzeugt sofort – wahrlich ‚catchy‘ wirkende Kompositionen und eine auffällige Vorliebe für beschwingte Melodien machen bereits den Opener zu einem Freudenfest für Liebhaber eines etwas verspielteren, ‚freundlicheren‘ Power Metal. Das heisst de facto, auch Crystallion klingen stellenweise ‚episch‘, wie es sicherlich auch die Intention war – gerade aufgrund der Lyrics – doch definiert sich diese ‚Erhabenheit‘ anders als beispielsweise bei Rhapsody Of Fire. Eine Band wie Freedom Call könnte man schon eher zu einem Vergleich heranziehen. Wichtig sind vor allem eine fast schon übertriebene Eingängigkeit, ein klarer Gesang ohne Scream-Eskapaden; und ein hoher Unterhaltungswert, der vor allem aus der Schwunghaftigkeit der Musik hervorgeht. Into the neverland, take my hand… (8/10).

So knüpft auch Visions an diese Stimmung an, und serviert einen weiteren sehr eingängigen Titel; diesmal allerdings mit deutlicherem Keyboard-Einsatz. Das klingt zwar nicht immer perfekt, aber irgendwie dennoch (oder gerade deswegen ?) charmant, und macht Laune. Ein paar nette Riffs und abwechslungsreiche Soli-Parts machen diesen 8-minüter zwar zu keinem Highlight; aber doch zu einem überdurchschnittlichen Titel den man nicht überspringen wird. Beware the signs of these visions ! (8/10). Ganz anders sieht es dann schon im Fall von Eternia aus – diesen Titel wird man entweder lieben oder hassen. Wobei, wer sich dieses Album zulegt, weiss um die bereits angesprochene Eingängigkeit, und sollte dies auch. Was für andere ein Sakrileg ist, kann ich mir im Falle von Crystallion durchaus ‚antun‘ – etwas schnulzige Klavierklänge mit entsprechend-klischeehaften Gesang und einem typischen Refrain… aber: das Ganze wirkt. Ob nun bei schlechter Laune oder als Abwechslung zum sonstigen Musikkonsum sei einmal dahingestellt. On through the pouring rain and through the raging flame… (10/10).

Mit Crystal Clear folgt ein weitere Titel der Marke überaus eingängig. Hier kommen alle Stärken der Band zusammen: ein dezenter Doublebass im Hintergrund, markante Riffs und der angenehme Gesang machen diesen Titel zu einem echten Kracher. Die Lyrics sind vergleichsweise simpel gehalten, auch der Refrain in seiner Grundstruktur – aber darüber lässt es sich recht gut hinwegsehen, lässt man sich vollends auf die Wirkung des Titels ein. I’m still here, there’s no fear, I will never disappear, I am here, crystal clear (10/10). Das folgende Tears In The Rain hätte dem Titel nach eine Ballade sein können – ist es aber nicht. Und tatsächlich entwickelt das Stück nach einer obligatorischen anfänglichen Eingewöhnungszeit einen recht guten Drive, durch den nicht ganz so klischeebehafteten Refrain und die späteren Soli-Parts (sehr nett !) gerät dieser Titel zweifelsohne zu einem der ‚erwachseneren‘ Stücke der Band. Still unbroken for freedom I’m yearning… (10/10).

Das über 8 Minuten lange Dragonheart (wieder so ein Klischee-Titel !) beginnt noch recht balladesk, doch alsbald schlägt wieder die volle Instrumental-Breitseite zu. Es entstehen gemischte Gefühle: einerseits erscheint die gesamte Instrumentalisierung ein wenig dezenter als s0onst, doch andererseits wirkt gerade der Gesang auffällig ‚gezwungen‘ (erstmalig); die wenig überraschenden Lyrics tun da ihr übriges. Zwar gibt es spätere Soli-Parts, in denen die Gitarren wieder recht ordentlich schrammeln, doch insgesamt schafft es der Titel nicht sinnig über eine Laufzeit von 8 Minuten. Da hilft auch der kontinuierliche Einsatz des Keyboards nicht, beziehungsweise bewirkt eher das Gegenteil… Belive me you can’t kill what doesn’t die ! (5/10). Da lob‘ ich mir doch Burning Bridges – ein Titel, der sogleich mit einem wohligen 80-er Touch beginnt, und gleich darauf wunderbar markante Riff-Reihen präsentiert. So sollen Crystallion klingen – versiert, verspielt, und vielleicht auch mal ein klein wenig überraschend. We are back, back on the street again (10/10). Als Abschluss fungiert dann nur noch der 10-minüter The Final Revelation, welcher dem Album dann noch einmal eine Prise Extravaganz verleiht. Schließlich sind hier zwei Sänger am Werk, die sich ein episches Zwiegespräch liefern. Das lob‘ ich mir; es sorgt für die nötige Abwechslung und klingt auch noch verdammt gut. Ride with the wind, hymns of freedom we sing (10/10).

Fazit: Die Musik von Crystallion könnte im Falle ihres Debüts als absolut harmlos bezeichnet werden – wie das letztendlich zu beurteilen ist, muss jeder nach seinem eigenen Gusto entscheiden. Es wäre nur verständlich wenn das Ganze einigen einfach zu ‚lasch‘ und ‚gedudelhaft‘ daherkommt – doch andererseits gehört ein wenig ‚cheesyness‘ einfach zu einem Genre wie dem des Melodic Power Metal dazu. Nette Texte, ein arkant-klarer Gesang, rhythmische Melodieteppiche sowie manchmal nette und manchmal einfach nur bemühte Samples führen aber vor allem zu einem Gesamteindruck: auch wenn hier keine ‚Perfektion‘ herrscht, ist das Ganze Album äusserst angenehm ausgefallen. Liegt es an der Ehrlichkeit der Musik ? Vielleicht – wenn man sich für eine solche Richtung entscheidet, warum sollte man dem nicht auch nachgehen ? Mich konnten sie jedenfalls überzeugen, ich habe aber auch generell keine Bedenken mir einen ‚fröhlichen‘ (Power-)Metal zu Gemüte zu führen (Freedom Call lässt grüßen). Manche wollen’s eben ‚hart‘ – die sollten dann doch eher zu anderen Band greifen. Schade nur, dass zwei Titel die Durchschnittswertung merklich nach unten ziehen – das sinnlose Intro und das eher schwache (oder schlicht überflüssige) Dragonheart.