Metal-CD-Review: BLOODBOUND – War Of Dragons (2017)

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Alben-Titel: War Of Dragons
Künstler / Band: Bloodbound (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. Februar 2017
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Pelle Åkerlind – Drums
Tomas Olsson – Guitars
Fredrik Bergh – Keyboards
Henrik Olsson – Guitars
Patrik „Pata“ Johansson – Vocals
Anders Broman – Bass

Track-Liste:

1. A New Era Begins (00:30)
2. Battle in the Sky (04:24)
3. Tears of a Dragonheart (03:49)
4. War of Dragons (04:08)
5. Silver Wings (03:45)
6. Stand and Fight (03:34)
7. King of Swords (04:06)
8. Fallen Heroes (04:20)
9. Guardians at Heaven’s Gate (03:42)
10. Symphony Satana (04:57)
11. Starfall (03:55)
12. Dragons Are Forever (03:55)

Drachen zünden immer… sollte man meinen.

Kaum hat das Power Metal-Jahr 2017 so richtig begonnen, bringen einige allseits bekannte Genre-Vertreter auch schon wieder reichlich neues Material an den Start. So melden sich auch die Schweden von BLOODBOUND mit einem neuen Studioalbum im Gepäck zurück – dem nicht unbedingt überfälligen, aber auch nicht zu rasch kommenden Nachfolger zum 2014’er Bandoutput STORMBORN (Review). Und wie es eben so ist, bringt so mancher Jahresauftakt Schwung in müde Glieder. Tatsächlich haben sich die Schweden, die schon so manch entscheidende Wandlung hinter sich haben; wieder einmal neu orientiert – worauf der Albentitel WAR OF THE DRAGONS bereits dezent hinweist.

Und das mit alles andere als guten oder vielversprechenden Vorzeichen. Schließlich scheint es, als würden BLOODBOUND eine mehr und mehr simplifizierte Genre-Marschrichtung einschlagen – etwa so, wie sie es auch schon auf dem gerade noch soliden Metal-Tributalbum IN THE NAME OF METAL (Review) getan haben. Dass das reichlich schade ist, braucht man nicht zu erwähnen – ganz unabhängig davon, ob WAR OF THE DRAGONS trotz allem funktioniert. Denn: BLOODBOUND konnten bisher immer dann für Furore sorgen, wenn es eben nicht allzu konventionell zuging. Mit Werken wie dem gelungenen Debüt NOSFERATU (Review) sowie ihrem vermutlichen Meisterstück UNHOLY CROSS (Review) haben die Schweden einst mit Nachdruck aufgezeigt, dass mit ihnen und ihrer geballten Kraft allemal zu rechnen wäre.

WAR OF THE DRAGONS dagegen kommt selbst im Vergleich zum schon recht eingängigen STORMBORN wie ein fleischgewordenes Genre-Klischee mit der Länge einer guten Schulstunde daher – und vermag es dabei höchst gemischte Gefühle auszulösen. Sicher, gegen eine übergeordnete Eingängigkeit und ein gewisses Arena-Feeling ist gerade im Bereich des Power Metal nur selten etwas einzuwenden – doch wenn man sich wirklich sehr strikt an dieser Schiene orientiert und sie in 12 (oder zumindest 11, abzüglich des Intros) Titeln gnadenlos kontinuierlich fährt, könnte sich schnell eine Form der Ernüchterung breit machen. Anders gesagt: BLOODBOUND beweisen zwar auch dieses Mal, dass sie das Zeug dazu haben eingängig-knackige Hymnen mit allerlei launigen Mitsing-Refrains zu präsentieren – während auch der handwerkliche Part grundsätzlich beachtlich ausfällt. Doch etwas nachhaltig wirkendes erschaffen sie nicht.

Und schon gar nichts einzigartiges – auch wenn das heutzutage ohnehin immer schwieriger wird und manchmal auch gar nicht erst gewünscht ist. Doch was BLOODBOUND bei den wirklich sehr auffälligen SABATON-Parallelen gerade in der Gestaltung der Keyboard-Elemente geritten hat, wissen wohl nur die Bandmitglieder selbst. Nicht dass es grundsätzlich schlecht wäre einen Sound wie den von SABATON zu kopieren oder zu imitieren – doch es geht eben auch deutlich subtiler und geschickter. Im Zusammenhang mit den bisher wohl unspektakulärsten und vor Klischees nur so triefenden BLOODBOUND-Lyrics aller Zeiten, den sich insgesamt einstweilen stark ähnelnden Titeln inklusive einiger fast deckungsgleicher Refrains entsteht so jedenfalls ein auffällig uninspiriertes und absolut verwechselbares Power Metal-Häppchen.

Immerhin: eines, dass durchaus seine Momente hat und hie und da einen (oberflächlichen) Heidenspaß macht – wofür der Rausschmeißer DRAGONS ARE FOREVER ein absolutes Paradebeispiel ist. Auch wenn der Text wirklich wenig Sinn macht, und die Struktur des Refrains dezent an VALHALLA von VEXILLUM erinnert. Fans der Band werden mit dem Album also sicher nicht gänzlich falsch beraten sein – zumal der unverkennbare Leadgesang von Patrik „Pata“ Johansson weitestgehend überzeugt (auch ein HALFORDeskes Experiment kommt erneut vor, dieses Mal in KING OF SWORDS) und die Gitarren recht munter frickeln. Das ändert indes wenig daran, dass dem Keyboard viel zu viel Raum zugestanden wurde, die Abmischung gerade in Bezug auf den Leadgesang nicht wirklich vorteilhaft ausgefallen ist und das Album nach vielem schreit – nur nicht danach, ein klar erkennbares BLOODBOUND-Werk zu sein. Es scheint eben, als würden SABATON hier auf eine Priese FREEDOM CALL und HAMMERFALL treffen – und das, wo es eigentlich um BLOODBOUND gehen sollte.

Absolute Anspieltipps: BATTLE IN THE SKY, KING OF SWORDS, DRAGONS ARE FOREVER


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„Es muss nicht immer etwas besonderes sein – aber das hier ist dann doch zu viel des Guten respektive Einfachen.“

Metal-CD-Review: BLOODBOUND – In The Name Of Metal (2012)

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Alben-Titel: In The Name Of Metal
Künstler / Band: Bloodbound (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. März 2011
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tomas Olsson – Guitars
Fredrik Bergh – Keyboards
Pelle Åkerlind – Drums
Henrik Olsson – Guitars
Patrik „Pata“ Johansson – Vocals
Anders Broman – Bass

Track-Liste:

1. In the Name of Metal (04:16)
2. When Demons Collide (04:11)
3. Bonebreaker (03:05)
4. Metalheads Unite (05:00)
5. Son of Babylon (03:19)
6. Mr. Darkness (03:15)
7. I’m Evil (03:55)
8. Monstermind (03:34)
9. King of Fallen Grace (03:19)
10. Black Devil (03:47)
11. Bounded by Blood (04:07)
12. Book of the Dead 2012 (03:54)

Als wären MANOWAR und EDGUY intim geworden.

IN THE NAME OF METAL ist das fünfte offizielle Studioalbum der schwedischen Power Metaller von BLOODBOUND – und gleichzeitig eines, dass das bisher wohl größte Potential hat die geneigte Hörerschaft zu spalten. Die relative Streitbarkeit des Albums, die bereits anhand des Openers und Titeltracks IN THE NAME OF METAL auszumachen ist; liegt jedoch nicht an einem erneuten Wechsel des Lineups. Denn: mit der eher unschönen Tradition der durchwechselnden Leadsänger haben BLOODBOUND seit dem Vorgänger UNHOLY CROSS (Review) abgeschlossen – und mit Patrik „Pata“ Johansson endlich einen starken und hoffentlich dauerhaften Frontmann gefunden. Das potentielle Problem liegt eher woanders begraben – und zwar in der neuerlichen musikalischen Ausrichtung des Albums, und letztendlich auch der Band selbst.

Und tatsächlich: nachdem sich die Band bereits ausgiebig auf den vier Vorgängern austoben und vor allem ausprobieren konnte, hat man sich in Bezug auf IN THE NAME OF METAL offenbar auf eine nicht für jedermann bekömmliche Fahrtrichtung geeinigt. Der bereits erwähnte Opener (der auch aus Videosingle veröffentlicht wurde), aber auch einige der anderen Titelbezeichnungen weisen bereits dezent darauf hin – BLOODBOUND’s fünftes Album ist eher eine relativ einfache Zusammenstellung von Genre-Hymnen geworden, und kein thematisch eigenständiges Werk. Ganz im Stile von True Metal-Bands wie MANOWAR zelebrieren BLOODBOUND hier ihr heiß geliebtes Genre – was sicher berechtigt ist und den Hörer das eine oder andere Mal mitzureißen vermag. Andererseits öffnet man damit eine Tür für alle Kritiker, die sich an allzu simplen oder gar plumpen und selbst-verherrlichenden Genre-Hymnen wie etwa METALHEADS UNITE (das genauso gut von MANOWAR kommen könnte) stören. Und vielleicht auch all jenen denen schon auf UNHOLY CROSS aufgefallen war, dass BLOODBOUND es letztendlich relativ simpel angehen.

Doch was bei UNHOLY CROSS noch uneingeschränkt funktioniert hat, verhält sich nun etwas anders. Tatsächlich scheint BLOODBOUND das neue Album etwas zu leicht von der Hand gegangen zu sein – wirkliche Highlights, auf die man einfach immer wieder gerne zurückkommen könnte; lassen sich nur schwerlich ausmachen. Das mag Kritik auf einem vergleichsweise hohen Niveau sein – denn Fakt ist, dass die Schweden auch dieses Mal eine mehr als ordentliche handwerkliche Leistung sowie eine hervorragende Produktion vorlegen. Doch bleibt es dieses Mal eher bei einem recht kurzweiligen Gesamteindruck und dem Gefühl, dass BLOODBOUND noch so viel mehr aus dem hier vertretenen Material hätten machen können. So sind gerade das Riffing und der Leadgesang wunderbar kräftig, etwa in Nummern wie SON OF BABYLON, MR. DARKNESS oder I’M EVIL – doch inhaltlich, und speziell in Bezug auf die arg weichgespülten Refrains lässt sich einfach zu wenig holen. Schlussendlich geht IN THE NAME OF METAL somit noch immer als leicht überdurchschnittliches Genre-Album durch – doch waren BLOODBOUND schon einmal wesentlich stärker.

Absolute Anspieltipps: WHEN DEMONS COLLIDE, BONEBREAKER, KING OF FALLEN GRACE


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„Kein Totalausfall, nach dem grandiosen Vorgänger aber ein herber Rückschlag.“

Metal-CD-Review: BLOODBOUND – Unholy Cross (2011)

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Alben-Titel: Unholy Cross
Künstler / Band: Bloodbound (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. März 2011
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Patrik „Pata“ Johansson – Vocals
Tomas Olsson – Guitars
Henrik Olsson – Guitars
Anders Broman – Bass
Fredrik Bergh – Keyboards
Pelle Åkerlind – Drums

Track-Liste:

1. Moria (05:40)
2. Drop the Bomb (03:56)
3. The Ones We Left Behind (05:21)
4. Reflections of Evil (04:21)
5. In for the Kill (04:29)
6. Together We Fight (05:21)
7. The Dark Side of Life (03:58)
8. Brothers of War (05:06)
9. Message from Hell (03:30)
10. In the Dead of Night (04:01)
11. Unholy Cross (04:46)

Ob heilig oder nicht – das BLOODBOUND-Fieber kann jeden erwischen.

UNHOLY CROSS ist das vierte Studioalbum der Schwedischen Power Metaller von BLOODBOUND – und eventuell auch eines, welches einen wichtigen Meilenstein der Band markiert. Schließlich feierte der heutige Frontmann Patrik „Pata“ Johansson hier seinen gesanglichen Einstand – und sorgte dafür, dass BLOODBOUND in Zukunft endlich mit einem festen Leadsänger an den Start gehen sollten. Sicher, Urban Breed und Michael Boorman hatten als direkte Vorgänger ebenfalls einen guten Job gemacht; doch erst mit Patrik Johansson schien die Band wirklich angekommen. Indizien dafür gab und gibt es einige – wie etwa die Tatsache, dass UNHOLY CROSS deutlich weniger progressiv und verschnörkelt daherkommt als das beileibe nicht perfekt ausbalancierte TABULA RASA (Review). UNHOLY CROSS dagegen geht wieder einen deutlichen Schritt in Richtung der Ursprünge der Band – vor allem indem BLOODBOUND es irgendwie geschafft haben, den Überraschungseffekt und die Spielfreude des super-soliden Debütalbums NOSFERATU erneut aufzugreifen.

In erster Linie bedeutet das, dass UNHOLY CROSS deutlich zugänglicher daherkommt als sein Vorgänger – und wenn man so will unmittelbarer funktioniert. Während die handwerklichen Fähigkeiten der Band eigentlich noch nie einen Anlass gaben sich als Hörer Verbesserungen zu wünschen – was im übrigen auch das gesamte Produktions- und Präsentationspaket betrifft – kehrt auf UNHOLY CROSS nun auch wieder jener packende Effekt zurück, den einst das Debütalbum kennzeichnete. Das Album hat im Gegensatz zu seinen Vorgängern also einen markanten Vorteil: es ist verdammt unterhaltsam geworden und zieht sich zu keinem Zeitpunkt in die Länge. Das liegt auch daran, dass der Unterhaltungswert eben nicht aus unnötig verkomplizierten Strukturen hervorgeht – sondern aus einem insgesamt eher straighten Eindruck, einem gewissen Hymnen-Faktor und einem technisch ebenso versierten wie variablen Instrumentenspiel.

Anders gesagt: wenn man so will mag UNHOLY CROSS ein vergleichsweise simples Power Metal-Album geworden sein – und eines, das sich ein wenig so anhört als hätte man MANOWAR, HAMMERFALL und THE STORYTELLER in einen Topf geworfen. Jene Einfachheit erweist sich aber nicht als störend, im Gegenteil. Der antreibend-hymnische Gesamteindruck inklusive der eingängigen Refrains, der passigen Hintergrundchöre und der für BLOODBOUND schon typischen Symbiose aus rauen und melodischen Elementen geht in diesem Fall voll auf – und ist schlicht enorm effektiv. Ob man nun also eingefleischter Fan der Schweden ist oder nicht – dieses Album sollte in keiner gut sortierten Power Metal-Sammlung fehlen.

Absolute Anspieltipps: MORIA, REFLECTIONS OF EVIL, IN FOR THE KILL, TOGETHER WE FIGHT


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„Ein handwerklich überzeugendes, perfekt produziertes Power Metal-Album mit einem immensen Spaß- und Unterhaltungsfaktor.“

Metal-CD-Review: BLOODBOUND – Tabula Rasa (2009)

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Alben-Titel: Tabula Rasa
Künstler / Band: Bloodbound (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. April 2009
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Blistering Records

Alben-Lineup:

Tomas Olsson – Guitars
Fredrik Bergh – Keyboards
Pelle Åkerlind – Drums
Henrik Olsson – Guitars
Urban Breed – Vocals
Johan Sohlberg – Bass

Track-Liste:

1. Sweet Dreams of Madness (04:34)
2. Dominion 5 (05:06)
3. Take One (04:05)
4. Tabula Rasa (03:42)
5. Night Touches You (04:18)
6. Tabula Rasa Pt. II (Nothing at All) (03:33)
7. Plague Doctor (03:45)
8. Master of My Dreams (03:34)
9. Twisted Kind of Fate (03:45)
10. All Rights Reserved (04:32)

Ein ganz und gar nicht unbeschriebenes Blatt.

TABULA RASA ist das dritte Studioalbum von BLOODBOUND, einer 2004 gegründeten Heavy- und Power Metal-Combo aus Schweden. Und damit auch einer Band, die sich seit ihrem Debütalbum NOSFERATU (Review) als recht wandelbar erweist – und sich das ein oder andere mal neu erfindet. Das mag auch an den teils markanten Besetzungswechseln liegen, die sich bei BLOODBOUND fast ausschließlich auf den Leadgesangsposten beziehen. In Bezug auf TABULA RASA jedenfalls konnten die Fans erneut eine Überraschung erleben: Urban Breed (TAD MOROSE), der auch schon das Debütalbum der Band eingesungen hatte; kam zurück – und ersetzte damit den zwischenzeitlich engagierten Michael Bormann. Doch das ist nicht der einzige direkt auffallende Aspekt am dritten Studioalbum der Band – denn auch in Bezug auf den Sound hatte sich einiges getan. Von einer Sache konnte und kann man also in jedem Falle ausgehen: BLOODBOUND zeigten sich abermals experimentierfreudig, wiederholten sich nicht bloß; und kreierten somit ein weiteres enorm eigenständiges Album.

Tatsächlich wäre gerade das auch alles andere als gut gewesen, zeigten sich auf dem zweiten Studioalben BOOK OF THE DEAD (Review) erste deutlichere Schwächen. Solche, die längst nicht nur im Hinblick auf den Leadgesang festzustellen waren – im Gegenteil, Michael Bormann machte seine Sache sogar recht gut. TABULA RASA dagegen sollte allein von seinen Voraussetzungen her – das heißt vor allem mit einem zurückgekehrten Urban Breed – allemal das Zeug haben, mit dem Debütalbum mitzuhalten. Eben jener Gedankengang weist allerdings auch auf das an dieser Stelle noch gar nicht mit der Bewertung korrespondierende Problem, und damit auch die Crux und einen potentiellen Streitpunkt des Albums hin. Tatsächlich klingt TABULA RASA insgesamt anders als die vorherigen BLOODBOUND-Alben, was nur die eine Seite der Medaille ist – auch scheint es, als hätten sich die Schweden hier erstmals in eine deutlich AOR-lastigere Schiene; und analog dazu auch an für sie neuen progressiven Elementen orientiert.

Das führt erst einmal dazu, dass das Album etwas weniger zugänglich wirkt und man eventuell einige Anläufe mehr braucht als zuvor – was sicher noch zu verkraften wäre. Hinzu kommt indes, dass die einzelnen Titel schon nach dem noch recht schmackig-kräftigen Opener SWEET DREAMS OF MADNESS deutlich hinsichtlich ihrer Wirkungskraft einbüßen. Sicher, das Riffing ist weitestgehend kraftvoll und ansprechend, der Leadgesang von Urban Breed eine fulminante Mixtur aus rauen und melodischen Eindrücken – doch wirkt es auch so, als hätte das ein oder andere merkwürdig modern klingende Soundelement in die Kompositionen von BLOODBOUND Einzug gehalten. Gerade die Refrains von Titeln wie DOMINION 5, TAKE ONE, PLAGUE DOCTOR oder MASTER OF MY DREAMS klingen so eher zurückhaltend, wenn nicht gar misslungen – und wie eine verkappte Mischung aus progressiven und beinahe Chart-tauglichen modernen Elementen. In jedem Fall fühlt es sich oft so an, als ob die deutlich aggressiveren Strophen eine gewisse Spannung aufbauen – die dann in den Refrains geradezu zunichte gemacht wird.

Und so hat TABULA RASA vor allem dann seine Momente, wenn es ausnahmsweise doch mal wieder eher straight zugeht. Der Titeltrack beispielsweise erinnert schon stärker an die Atmosphäre des Debütalbums und wartet mit verspielteren Gitarren auf, während die eigentliche Überraschung des Albums ein ganz anderer Titel ist: THE NIGHT TOUCHES YOU. Hier handelt es sich um einen Titel, der mit einer längeren Instrumentalstrecke beginnt und schon dabei einen Spagat zwischen balladesken und wuchtigen Soundelementen wagt – im weiteren Verlauf avanciert das ganze dann zu einer ganz und gar vortrefflichen Power-Ballade. Gegen Ende hin zieht das Album dann ohnehin noch einmal ordentlich an. TWISTED KIND OF FATE und ALL RIGHTS RESERVED gehen gut ins Ohr, eben weil sie schon eher an die alten BLOODBOUND erinnern, nicht ganz so progressiv daherkommen – und vor allem starke Refrains haben. Insgesamt kann das Album noch überzeugen, und ist im gehobenen Mittelfeld einzuordnen. Damit steht es leicht hinter dem überraschenden Debütalbum an, aber eben auch klar vor dem eher langatmigen BOOK OF THE DEAD. Am besten funktioniert das Ganze noch, wenn man eine gewisse Vorliebe für progressive Strukturen mitbringt; die in diesem Falle leider nicht perfekt ausgearbeitet wurden und des ein oder anderen Höhepunktes entbehren. Anders gesagt: es gibt bessere, aber auch schlechtere BLOODBOUND-Alben – als einmaliges Experiment ist das Ganze allemal anzunehmen.

Absolute Anspieltipps: SWEET DREAMS OF MADNESS, TABULA RASA, NIGHT TOUCHES YOU, TWISTED KIND OF FATE


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„Ein eher ungewöhnliches und überraschendes Release irgendwo zwischen Perfektion und verschenktem Potential.“

Metal-CD-Review: BLOODBOUND – Book Of The Dead (2007)

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Alben-Titel: Book Of The Dead
Künstler / Band: Bloodbound (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Mai 2007
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metal Heaven

Alben-Lineup:

Tomas Olsson – Guitars
Fredrik Bergh – Bass, Keyboards, Vocals (backing)
Pelle Åkerlind – Drums
Henrik Olsson – Guitars (rhythm)
Michael Bormann – Vocals

Track-Liste:

1. Sign of the Devil (05:23)
2. The Tempter (04:53)
3. Book of the Dead (04:04)
4. Bless the Unholy (04:12)
5. Lord of Battle (05:06)
6. Flames of Purgatory (05:09)
7. Into Eternity (04:54)
8. Black Heart (05:03)
9. Black Shadows (05:52)
10. Turn to Stone (04:46)
11. Seven Angels (07:08)

Ist das Buch der Toten einmal geöffnet, gibt es kein zurück.

Nachdem die aus Schweden stammenden Power Metaller von BLOODBOUND schon kurz nach ihrer Bandgründung im Jahre 2004 ordentlich durchstarteten und mit NOSFERATU (Review) ein mehr als nur passables Debütalbum vorlegten, sollte die Laufbahn der Band im folgenden erstmals leicht durchgerüttelt werden. Schließlich stieg Leadsänger Urban Breed im Jahre 2006 nach nur einem Album überraschend aus – und ein neuer Sänger war nicht leicht gefunden. Zunächst probierte man es mit Kristian Andren (Ex-WUTHERING HEIGHTS), doch währte auch dieser neue (Gesangs-)Status Quo nicht lang. Erst mit Michael Bormann (POWERWORLD) konnten die Aufnahmen zum zweiten BLOODBOUND-Album BOOK OF THE DEAD beginnen. Doch auch wenn er zu jenem Zeitpunkt fest im Lineup der Band geführt war, weiß man heute dass auch er nicht lange bei der Band verweilte.

Somit kann auch BOOK OF THE DEAD als durchaus besonderes Album der BLOODBOUND-Diskografie betrachtet werden – ohne mit einer Formulierung wie dieser bereits die Wertung vorwegnehmen zu wollen. Zum einen, da es eine für die Band im wahrsten Sinne des Wortes einmalige Gesangsdarbietung eines deutschen Genre-Kollegen enthält – und zum anderen, da es die Band in einem sehr frühen Stadium und wenn man so will einer wilden Phase präsentiert. Und gerade die lässt sich hören, denn wie schon auf dem erfrischenden Debütalbum strotzen BLOODBOUND hier vor Energie und Spielfreude. Zumindest gilt das für den sehr starken Auftakt des Albums, der dem Hörer erneut einige jener markanten Trademarks der Bands kredenzt; die Fans seit jeher zu schätzen gelernt haben.

Anders gesagt: SIGN OF THE DEVIL, THE TEMPTER und der Titeltrack BOOK OF THE DEAD präsentieren sich wunderbar Riff-geladen, schwermetallisch und hymnisch  – und zusätzlich mit einer gewissen Portion Rauheit. Gerade die wird durch den neuen Leadsänger Michael Bormann noch verstärkt, da er noch ein stückweit aggressiver und kratziger agiert als sein Vorgänger Urban Breed. Gerade das könnte indes auch zu einem dezenten Problem werden – im Raum steht die Gefahr, sich schon nach wenigen Titeln an dieser so gesehen recht einseitigen Darbietung sattgehört zu haben, viel Variation gibt es nicht. Analog dazu verfallen BLOODBOUND zum Mittelteil hin auch noch in eine Art kreativen Halbschlaf – BLESS THE UNHOLY macht in seinem Refrain nicht viel anders als schon der Opener SIGN OF THE DEVIL; LORD OF BATTLE wirkt trotz seiner Qualitäten etwas länglich, und FLAMES OF PURGATORY bietet nur sehr wenig Anreize, überhaupt jemals zu diesem Titel zurückzukehren.

Geweckt wird man dann durch den wohl flottesten Titel des Albums, INTO ETERNITY – was auch nötig ist, da mit BLACK HEART auch schon wieder eine Ballade folgt; eine gesanglich und emotional leicht problematische noch dazu. Auch wenn der Kitschfaktor vergleichsweise minimal ist, gibt es wesentlich effektiveres im Genre – was leider auch für die noch verbleibenden Nummern gilt. BOOK OF THE DEAD avanciert damit zu einem kleinen Problemkind. Es handelt sich um ein aufregendes, angenehm raues und nicht zuletzt für die Band selbst wichtiges Album – doch von Perfektion oder einer dem Debütalbum entsprechenden Gesamtwirkung zu sprechen, kommt eben auch nicht in Frage. Dafür ist das Ganze dann doch etwas zu langatmig, vor allem nach mehreren Durchläufen – und der Leadgesang von Michael Bormann zu problematisch respektive gleichförmig.

Absolute Anspieltipps: THE TEMPTER, BLESS THE UNHOLY, LORD OF BATTLE, INTO ETERNITY


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„Nach dem Debütalbum eine Umstellung – eine, an die man sich nicht wirklich gewöhnen kann.“