Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Imaginations From The Other Side (1995)

Alben-Titel: Imaginations From The Other Side
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 05. April 1995
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Imaginations from the Other Side (07:19)
2. I’m Alive (05:31)
3. A Past and Future Secret (03:48)
4. The Script for My Requiem (06:09)
5. Mordred’s Song (05:28)
6. Born in a Mourning Hall (05:14)
7. Bright Eyes (05:16)
8. Another Holy War (04:32)
9. And the Story Ends (06:00)

Vom grünen Gras und der anderen Seite.

IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE ist das fünfte offizielle Studioalbum aus der illustren Diskografie von BLIND GUARDIAN – einer bereits im Jahre 1984 als LUCIFER’S HERITAGE gegründeten Speed- und Power Metal-Combo, die im Laufe der Jahre eine immer größere Fanbase gewann und sich dabei nicht von ungefähr einen gewissen Kultstatus sichern konnte. Neben der für den Sound von BLIND GUARDIAN maßgeblichen Entwicklung, die die Band insbesondere zu Beginn der 90er Jahre durchmachte; sollte es in Bezug auf den weiteren Werdegang der Power Metal-Pioniere aber weit mehr als nur einmal spannend werden. Einer der diesbezüglich interessanteren – und unter Umständen auch kritischen – Momente bezieht sich dabei auf die von der Band an den Tag gelegte Kontinuität oder auch Stilsicherheit, die zur Mitte der 90er Jahre und speziell in Anbetracht eines Release wie IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE noch gewissen Schwankungen ausgesetzt war.

Im Falle dieses Albums von einer genau so erwarteten, den bisherigen Werdegang der Band gewissermaßen sinnig fortführenden Maßnahme zu sprechen trifft es schließlich nicht wirklich. Anders gesagt: so zielstrebig und entschlossen wie der direkte Vorgänger SOMEWHERE FAR BEYOND klingt das Album nicht. Vielmehr scheint es, als wären BLIND GUARDIAN inmitten einer für sie maßgeblichen Experimentierphase gewesen – eben jener, die sich für den weiteren Werdegang der Band als geradezu essentiell herausstellen sollte. Der zweifelsohne interessante, aber eben auch alles andere als vollständig überzeugende Opener und Titeltrack IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE gibt hier einen ersten Hinweis: am ehesten scheint es, als hätten BLIND GUARDIAN hier versucht die Vorzüge des Vorgängers mit der unbändigen Kraft und Härte ihrer noch früheren Alben zu verbinden. Im Endergebnis aber entsteht ein so nicht unbedingt erwartetes Durcheinander – und ein Gefühl, dass Blind GUARDIAN hier noch weit hinter ihren eigentlichen Möglichkeiten (oder auch ihrer Effektivität) zurückgeblieben sind.

Eben dieses Gefühl ist es dann auch, welches einige der noch folgenden Nummern begleitet. Mit ein Grund dafür könnte auch das Zusammenspiel der instrumentalen Strukturen und der Stimme von Hansi Kürsch sein – die man zweifelsfrei als unverkennbar bezeichnen kann, sich im Falle von IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE aber durchaus den ein oder anderen Ausrutscher in eine zu forcierte, zu aggressive und zu überspitzte Richtung leistet. Das Problem ist hier aber weniger die raue und letztendlich eher wenig Feingefühl zulassende Herangehensweise selbst – sondern vielmehr die Tatsache, dass die Nummern dennoch nicht kräftiger oder antreibender klingen als beispielsweise das auf FOLLOW THE BLIND enthaltene Material. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat auch die Abmischungs- und Produktionsarbeit, die insgesamt eher auf den Gesang ausgerichtet zu sein scheint – und die Kompositionen weit weniger spektakulär und druckvoll dastehen lässt, als es potentiell möglich gewesen wäre.

Doch sind dies noch nicht alle der eventuell aufkommenden Probleme – schließlich zeigen sich insbesondere in Bezug auf die überlagerten Gesänge und Hintergrundchöre kleinere Mankos oder eher Wiederholungs-Effekte. So offenbart IMAGINATIONS FROM THE SIDE als erstes BLIND GUARDIAN-Album bis 1995 expliziter, dass einige von der Band inszenierten Soundelemente dazu neigen, sich zu wiederholen. Das gilt insbesondere für die sich oft recht ähnlich anfühlende Gangart der Refrains, aber eben auch in Bezug auf die wenig Spielraum offenbarende Darbietung von Hansi Kürsch. Die Sache nicht gerade besser macht dann ausgerechnet das vielversprechende MORDRED’S SONG als Zwitter-Wesen irgendwo zwischen atmosphärischer Ballade und knackigem Stampfer – die Gesangsstrukturen klingen ärgerlich unvorteilhaft, und auch an den Instrumenten gibt es bis auf den Soli-Part wenig zu holen.

Immerhin; und zur Beschwichtigung haben BLIND GUARDIAN spätestens mit der herausragenden Ballade A PAST AND FUTURE SECRET aufgezeigt, dass sie auch bestens mit eher ruhigen Stimmungen umgehen und dabei auch ohne das Bedienen von gängigen Klischees echte Emotionen entstehen lassen können – zumal die durch ihre harsche Gangart in den Strophen sowie den eingängigeren Momenten in den Refrains doch noch relativ problemlos zündenden Hymnen THE SCRIPT FOR MY REQUIEM, BORN IN A MOURNING HALL und ANOTHER HOLY WAR doch noch für sich sprechen. Dennoch, und wenn es nur eine Tendenz ist: die zuvor veröffentlichten Alben schienen noch ein stückweit stärker zu sein als IMAGINATIONS FROM THE THE OTHER SIDE.

Absolute Anspieltipps: A PAST AND FUTURE SECRET, THE SCRIPT FOR MY REQUIEM, BORN IN A MOURNING HALL


„Der letzte Schliff fehlt – es bleibt aber bei einem guten BLIND GUARDIAN-Album.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Somewhere Far Beyond (1992)

Alben-Titel: Somewhere Far Beyond
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Juni 1992
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Armin Siepen – Guitars
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Time What Is Time (05:46)
2. Journey Through the Dark (04:48)
3. Black Chamber (00:58)
4. Theatre of Pain (04:17)
5. The Quest for Tanelorn (05:57)
6. Ashes to Ashes (06:00)
7. The Bard’s Song – In the Forest (03:10)
8. The Bard’s Song – The Hobbit (03:54)
9. The Piper’s Calling (00:59)
10. Somewhere Far Beyond (07:30)
11. Spread Your Wings (Queen cover) (04:15)
12. Trial by Fire (Satan cover) (03:45)
13. Theatre of Pain (Classic Version) (04:15)

Was ist schon Zeit…

Ja, die späten 80er und frühen 90er waren eine gute Zeit für den europäischen Power Metal. Und das nicht zuletzt dank der frühen Ambitionen der drei vielleicht größten und für das Genre maßgeblichsten Bands, die glücklicherweise auch heute noch aktiv sind – und ihr musikalisches Erbe so gesehen mit vielen anderen, neueren Combos teilen. Dass die Rede hier hauptsächlich von HELLOWEEN, GAMMA RAY und BLIND GUARDIAN ist sollte eigentlich keine allzu große Überraschung sein – zumal insbesondere die jeweils frühesten Alben der Bands einen bis heute nachhallenden Eindruck hinterlassen haben. Im Falle von BLIND GUARDIAN wären das etwa das Debütalbum BATTALIONS OF FEAR (siehe Review), der Nachfolger FOLLOW THE BLIND (Review) und sicher auch das 1990 erschienene TALES FROM THE TWILIGHT WORLD (Review) – das als erstes Album dezent mit den bis dato von der Band an den Tag gelegten Gewohnheiten gebrochen hatte. Und das vornehmlich, indem es die deutschen Genre-Urgesteine nicht mehr nur von einer relativ explizit dem Speed Metal zuzuordnenden Seite zeigte – und Platz bot für jene Strömungen, mit der sich die Band wenig später endgültig profilieren sollte. Auf einem sowohl stilistisch als auch qualitativ mit dem Werk von HELLOWEEN und GAMMA RAY gleichzusetzenden Niveau, versteht sich.

Auch das 1992 veröffentlichte, vierte BLIND GUARDIAN-Studioalbum SOMEWHERE FAR BEYOND war ein wichtiger Meilenstein auf eben diesem Weg – schließlich hatten die Power Metal-Recken hörbar an ihrer Symbiose aus kräftigen Elementen des Speed Metal, dem mit mehr als nur einem Auge in Richtung TOLKIEN schielenden Fantasy-Kontext sowie der ebenso melodischen wie antreibenden Spielart des Power Metal gearbeitet. In der Folge entstanden Nummern wie der hier vertretene Opener TIME WHAT IS TIME oder das darauf folgende JOURNEY THROUGH THE DARK – die grundsätzlich alles beinhalten, was der geneigte Genre-Konsument als angenehm empfinden sollte. Seien es die knackig und alles andere als spannungsarm inszenierten Strophen, die melodisch-hymnischen Refrains, die extravaganten Soli-Parts oder die alles abrundenden handwerklichen Leistungen der Mitglieder – viel auszusetzen gab und gibt es hier nicht.

Neben den gewissermaßen zu erwartenden, typischen BLIND GUARDIAN-Brechern enthält SOMEWHERE FAR BEYOND dann aber auch eine größere Portion jener Elemente; die die Band schon auf dem Vorgänger TALES FROM THE TWILIGHT WORLD angedeutet hatte. Interessant ist, dass man ausgerechnet in Bezug auf eben diese von einer gewissen Zweischneidigkeit sprechen könnte; denn: einerseits schlossen sie die Verwandlung von BLIND GUARDIAN zu einer der bekanntesten, beliebtesten und unverkennbarsten Genre-Combos überhaupt ab – andererseits aber hatten sie das musikalische Konstrukt der Barden teils hörbar aufgeweicht. Zumindest wenn man so will, und in einem direkten Vergleich mit den insgesamt doch etwas zünftiger voranpreschenden Vorgängern. Das ist generell nichts schlechtes, ändert nichts an der letztendlich offenbarten musikalischen Qualität und spielt hier vornehmlich auf die doch recht großzügig in Szene gesetzte akustische Seite der Band an – sollte aber gerade in Bezug auf jene Erwähnung finden, die die alten BLIND GUARDIAN lieb gewonnen hatten und Veränderungen generell kritisch gegenüberstehen.

So muss letztendlich ein jeder für sich selbst entscheiden, ob er sanftere Zwischenspiele wie BLACK CHAMBER, den längst als kultig geltenden sanften ersten Teil von THE BARD’S SONG oder das zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftige Dudelsack-Intermezzo in THE PIPER’S CALLING nun als atmosphärische Aufwertungen oder Maßnahmen im blick auf einen noch variantenreicheren Sound der Band betrachtet – oder doch nur als eigentlich unnötiges Füllwerk. Immerhin: bei einer Nummer wie THEATRE OF PAIN, das die Band ebenfalls von einer bis dato unbekannten Seite zeigt; sollte die Entscheidung schon wesentlich leichter fallen. Die recht klassische, angenehm stampfende und gesanglich herausragende Darbietung passt einfach zu BLIND GUARDIAN – ob nun in der regulären Version oder die symphonischen Anteile noch mehr hervo4hebenden Bonus-Variante. Das wirkliche Highlight des Albums ist dann aber vermutlich erst der Titeltrack SOMEWHERE FAR BEYOND – der noch einmal alles abräumt was geht.

Absolute Anspieltipps: TIME WHAT IS TIME, SOMEWHERE FAR BEYOND


„Ein weiteres nicht zu verachtendes Werk aus einer der spannendsten Genre-Diskografien überhaupt.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Tales From The Twilight World (1990)

Alben-Titel: Tales From The Twilight World
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. Oktober 1990
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power / Speed Metal
Label: No Remorse Records

Alben-Lineup:

Thomen Stauch – Drums
Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars

Track-Liste:

1. Traveler in Time (06:02)
2. Welcome to Dying (04:50)
3. Weird Dreams (01:22)
4. Lord of the Rings (03:18)
5. Goodbye My Friend (05:36)
6. Lost in the Twilight Hall (06:02)
7. Tommyknockers (05:13)
8. Altair 4 (02:27)
9. The Last Candle (06:02)

Geschichten aus der Zwischenwelt.

Man erinnert sich: in einer Zeit, die für die Entwicklung des europäischen Power Metals kaum spannender hätte sein können; machte sich neben ebenfalls enorm früh aktiv gewordenen Genre-Pionieren wie HELLOWEEN eine zunächst als LUCIFER’S HERITAGE durchgestartete Combo auf, die hiesige musikalische Welt im Sturm zu erobern. Wie man heute weiß, ist ihnen das auch zweifelsohne gelungen: nach der Umbenennung in BLIND GUARDIAN und der Veröffentlichung des Debütalbum BATTALIONS OF FEAR (1988, siehe Review) war die deutsche Band alsbald in aller Munde. Und das auch oder gerade weil BLIND GUARDIAN im Gegensatz zu ihren frühen Mitstreitern auf eine vergleichsweise harsche Gangart mit Anleihen aus dem Speed- und Thrash Metal setzten – und so weniger als Konkurrenzband denn als vielversprechende Alternative betrachtet werden konnten. Nach dem ebenfalls im Geiste des Debütalbums verwirklichten zweiten Album FOLLOW THE BLIND (Review) erschien 1990 das vorliegende TALES FROM THE TWILIGHT WORLD – und damit auch das erste BLIND GUARDIAN-Album, welches die bisher eingeschlagenen Genre-Pfade mehr oder weniger dezent ausgeweitet und den Weg für den späteren Sound der Band geebnet hatte.

Denn, und das fällt nicht erst in Anbetracht eines für die damaligen BLIND GUARDIAN eher ungewöhnlichen Titels wie LORD OF THE RINGS auf: im Gegensatz zu den beiden Vorgängern weist TALES FROM THE TWILIGHT WORLD schon wesentlich mehr jener Anteile auf, die man im allgemeinen dem klassischen oder auch typisch europäischen Power Metal zuordnen würde. Das schöne dabei ist, dass BLIND GUARDIAN ihre Speed Metal-Vergangenheit aber niemals gänzlich abgelegt hatten – und das Album so eine bis dato erstmalige Symbiose aus enorm griffigen Metal-Elementen und einer so noch nicht von der Band gekannten hymnischen Komponente markiert. Eine Komponente, die dabei nicht von jedermann gleich gut aufgenommen wurde – aber offensichtlich ebenso sehr zu BLIND GUARDIAN gehört wie der hiesige Frontmann Hansi Kürsch. Überhaupt scheint es gerade die erstmals auf TALES FROM THE TWILIGHT WORLD anberaumte Kombination aus verschiedenen Soundelementen und Gangarten zu sein, die der noch jungen Band den letzten Schliff verpasste – und ihr ihren bis heute erhalten gebliebenen Status sicherte.

Anders gesagt: es ist nur gut und richtig, dass Nummern wie etwa der Opener TRAVELER IN TIME, das mächtige LOST IN THE TWILIGHT HALL oder der Rausschmeißer THE LAST CANDLE eben so gehalten sind wie sie es sind – also etwa mit extrem eingängigen und hymnischen Refrains versehen sind, die die sonst recht gradlinig und kräftig tönende Angelegenheit in einem positiven Sinne auflockern. Das gilt im übrigen auch für die teils furiosen Soli-Parts, mit denen BLIND GUARDIAN nicht gerade spärlich umgegangen sind – was sich lediglich beim etwas zu wilden WELCOME TO DYING als störend erweisen könnte. Überhaupt scheint die einzige Schwäche des Albums darin begründet zu liegen, dass es BLIND GUARDIAN schlicht verpasst haben ihrem dritten Studiowerk noch etwas mehr Abwechslung einzuverleiben – immerhin weichen selbst das Instrumental WEIRD DREAMS, das quasi-Zwischenspiel ALTAIR 4 oder das frech polternde TOMMYKNOCKERS kaum von der generell auf dem Album veranschlagten Marschrichtung ab. Das bedeutet vornehmlich, dass BLIND GUARDIAN hier so gut wie nie ihren Fuß vom Gaspedal nehmen, innerhalb der einzelnen Titel relativ ähnlich mit den Gitarren umgehen – und sich auch Hansi Kürsch nicht gerade von seiner variabelsten Seite zeigt.

Wen das nicht stört, und wer generell nichts gegen eine kleine Erweiterung oder auch Auflockerung des auf den beiden Vorgängern inszenierten Sounds einzuwenden hat; der wird mit TALES FROM THE TWILIGHT WORLD aber problemlos und im besten Fall auch nachhaltig glücklich werden können.

Absolute Anspieltipps: TRAVELER IN TIME, LORD OF THE RINGS, LOST IN THE TWILIGHT HALL


„Ein im wahrsten Sinne des Wortes umwerfendes Speed- und Power Metal-Album.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Follow The Blind (1989)

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Alben-Titel: Follow The Blind
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. April 1989
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power / Speed Metal
Label: No Remorse Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Bass, Vocals
André Olbrich – Guitars, Vocals (backing)
Marcus Siepen – Guitars, Vocals (backing)
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Inquisition (00:41)
2. Banish from Sanctuary (05:28)
3. Damned for All Time (05:00)
4. Follow the Blind (07:13)
5. Hall of the King (04:17)
6. Fast to Madness (05:59)
7. Beyond the Ice (03:31)
8. Valhalla (04:57)
9. Barbara Ann – The Regents Cover (01:43)

Speed Metal-Gewitter der allerersten Güteklasse ?

Mit ihrem zweiten Langspieler FOLLOW THE BLIND machten BLIND GUARDIAN im Jahr 1989 da weiter, wo sie mit ihrem furiosen Debütalbum BATTALIONS OF FEAR (Review) angefangen hatten. Im Original als Vinyl mit einer A- und B-Seite veröffentlicht beinhaltet es 7 vollwertige Titel, ein Instrumental und ein Cover – mit einer Gesamtspielzeit von knapp 38 Minuten. 38 Minuten, die auch heute noch wie im Fluge vergehen – und die die frühe musikalische Orientierung der Band hinsichtlich eines kräftigen, beinahe schon dem Trash Metal zuzuordnenden Power- respektive Speed Metal geradezu zelebriert. Im Gegensatz zu den Kollegen von HELLOWEEN und ihren früheren Werken – die für das Genre mindestens ebenso wichtig waren wie nun auch das Schaffen von BLIND GUARDIAN – etabliert FOLLOW THE BLIND somit auch eine etwas andere Atmosphäre. Eine etwas düsterere und wuchtigere möchte man sagen (trotz auch hier vorhandener Selbstironie) – die mindestens ebenso enthusiastisch und glaubwürdig transportiert wird wie frühere Werke anderer Pionier-Bands; BLIND GUARDIAN aber noch einmal zusätzlich von der Masse abhebt.

Und so kannte man auf FOLLOW THE BLIND auch nur eine Marschrichtung – es geht stets nach vorn, und das in einer zumeist relativ rauen Manier. Während das etwas fremdartig klingende Intro mit seinen verzerrten klassischen Gesängen noch zu vernachlässigen ist; zeigt bereits der Opener BANISH FROM SACTUARY auf, womit auf diesem Album zu rechnen ist – mit einer Extraportion Tempo, Kraft und wie auch schon auf dem Debüt hervorragenden handwerklichen Leistungen der einzelnen Mitglieder. Hinzu kommt das gelungene, zielstrebige Songwriting und die von einer gewissen Urkraft gekennzeichnete Performance von Leadsänger Hansi Kürsch. Der bildet eine schiere Einheit mit den Instrumentalkulissen; und wird nur hie und da von schmackigen Männerchören unterstützt – die nicht allzu pompös klingen und sich perfekt in das allgemeine Soundgewand der frühen BLIDN GUARDIAN einfügen. Der einzige Knackpunkt ist, auch wenn es sich zunächst nicht danach anhören mag; dass jene Stärken auf das gesamte Album zu beziehen sind. Das heißt de facto, dass es keine Ausfälle gibt und auch so gut wie nie vom Gaspedal gegangen wird (mit Ausnahme des Titeltracks) – doch gerade das führt einstweilen zu einem etwas gleichförmigen Eindruck. BANISH FROM SANCTUARY, DAMNED FOR ALL TIME, HALL OF THE KING und FAST TO MADNESS sind zwar alles andere als identische Nummern – aber doch solche vom gleichen Schlag.

Hier hätten etwas mehr Variationen sicherlich gut getan – einstweilen scheinen sich die Drumming-Parts und auch die Riffs stark zu ähneln. Umso angenehmer ist es dann auch, eine Nummer wie BEYOND THE ICE zu erreichen – wobei es sich um das einzige Instrumentalstück des Albums handelt. Hier stehen die Leadgitarren klar im Fokus, was sich äußerst gut macht – und einmal mehr aufzeigt, was BLIND GUARDIAN alles auf dem Kasten hatten respektive haben. Mindestens ebenso schön und überraschend ist dann auch VALHALLA – da es sich hier um eine Nummer handelt, bei der der Fokus einmal mehr auf den Refrain gelegt wird. Der fällt entsprechend eingängig und melodisch aus – der Gastauftritt von Kai Hansen rundet die Sache eindeutig in Richtung einer zeitlosen Genre-Hymne ab. Auch DON’T BREAK THE CIRCLE vermag es dann noch einmal für einen frischen Eindruck zu sorgen; ebenso wie das unterhaltsame Cover zu BARBARA ANN.

FOLLOW THE BLIND kann insgesamt zwar nicht mehr mit dem Überraschungs-Bonus des ersten BLIND GUARDIAN-Albums punkten, steckt hinsichtlich seiner Qualität aber kaum etwas hinter dem legendären Debüt zurück. Das einzige Problem könnte der etwas zu gleichförmige Eindruck sein, der sich vor allem durch die erste Alben-Hälfte zieht – wirkliche Highlights sind bis auf den vieles vorwegnehmenden Opner nicht auszumachen. Bis, ja bis es dann hinüber in die zweite Albenhälfte geht – wo sich mit dem Instrumental BEYOND THE ICE und der außergewöhnlichen Hymne VALHALLA mindestens zwei Nummern finden, die man hinsichtlich ihrer zeitlosen Wirkungskraft kaum überbieten kann. Im Endergebnis führt das noch immer zu einem reichlich soliden Album – aber eventuell keinem unantastbaren Meisterwerk. Sicher, die BLIND GUARDIAN-Diskografie ist eine besondere – aber auch hier sollte man zumindest leicht differenzieren.

Absolute Anspieltipps: BANISH FROM SANCTUARY, BEYOND THE ICE, VALHALLA


„Nicht mehr ganz so einschlagend wie das Debüt, aber noch immer verdammt stark. „

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Battalions Of Fear (1988)

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Alben-Titel: Battalions Of Fear
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. Februar 1988
Land: Deutschland
Stil / Genre: Speed Metal
Label: No Remorse Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Bass, Vocals
André Olbrich – Guitars, Vocals (backing)
Marcus Siepen – Guitars, Vocals (backing)
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Majesty (07:31)
2. Guardian of the Blind (05:12)
3. Trial by the Archon (01:45)
4. Wizard’s Crown (03:50)
5. Run for the Night (03:36)
6. The Martyr (06:18)
7. Battalions of Fear (06:09)
8. By the Gates of Moria (02:53)

Die Geburt einer Legende.

Kurz nachdem eine neuartige Spielart des Metal erstmals über den deutschen Musikmarkt fegte und mit HELLOWEEN’s ersten Studiowerken salonfähig gemacht wurde, folgten zahlreiche Bands die auf den Zug der immer größeren Power Metal-Bewegung aufgesprungen sind. Die ersten wichtigen Kandidaten, die den deutschen Urgesteinen dabei in nichts nachstanden waren BLIND GUARDIAN – die auf eine ganz ähnliche Spielart im Bereich des Speed Metals setzten. Und, die ihre Fähigkeiten erstmals mit BATTALIONS OF FEAR unter Beweis stellen konnten. Das bereits zu Beginn des Jahres 1988 veröffentlichte Album genießt dabei bei vielen Hörern einen legendären Status – was leicht dahergesagt erscheint; sich aber spätestens dann bestätigt wenn man den Silberling einmal einlegt und komplett durchhört. Dass fällt nicht nur in Anbetracht der kurzen Spieldauer von knapp unter 40 Minuten leicht – sondern auch, da BLIND GUARDIAN hier eine besondere Form der Energie versprühen, die es so gut wie unmöglich macht sich der Wirkungskraft dieses Release zu entziehen.

Das mag mitunter auch daran liegen, dass das Album auf mindestens zweierlei Art und Weise charmant erscheint: zum einen klingt BATTALIONS OF FEAR schlicht nach einem besonders zeitlosen, aber eben doch in den 80er-Jahren zu verortenden Musikwerk; und zum anderen sorgen das allgemeine Tempo und die alles andere als glatt geschliffene Produktion für einen schön rauen und ungekünstelten Eindruck. Wie auch die Tatsache, dass mit André Olbrich und Marcus Siepen zwar enorm starke Gitarristen am werkeln sind – und man erst gar keine anderen Spielereien braucht, um das Album schön gehaltvoll (in Bezug auf die Instrumentalkulisse) klingen zu lassen. Das selbe gilt dann wohl auch für den eigentlichen Inhalt und die Aussagekraft des Albums; wobei es letztendlich gar keine so große Rolle spielt was hier besungen wird. Wenn ein Album derart ehrlich und, man nenne es straightforward klingt; so hat es zu Recht die Geschichte des Power Metals beeinflusst respektive gar maßgeblich geprägt.

Entsprechend schwer wird es auch, sich einzelne Nummern herauszupicken – man kann und sollte sie alle genießen; selbst das Interludium TRIAL BY ARCHON – welches ebenfalls und trotz seiner Kürze kongenial ausfällt. Die volle Ladung ungekünstelter und sich direkt in das Gedächtnis brennender Riffs, Soli und einen Leadgesang der sich gewaschen hat; findet sich dann an allen anderen Stellen – mit dem wahrlich heftigen MAJESTY als Vorbote. Überhaupt verdient die Leistung von Hansi Kürsch alle nur erdenklichen Lobpreisungen – er scheint geradezu vor Kraft zu explodieren, bleibt aber dennoch stets im Rhythmus und klingt trotz der anberaumten Aggressivität auf seine ganz eigene Art und Weise emotional. Gänsehaut ist dann auch bei einem Refrain wie GUARDIAN OF THE BLIND garantiert – einer zweifelsohne sehr gut zur passenden Hymne. Refrain ist überhaupt ein gutes Stichwort – wer auf besonders eingängige (aber eben nicht zu süßlich klingende) aus ist, kommt um eine Scheibe wie diese kaum herum. Lediglich der einstweilen noch etwas ungestüme Eindruck des Albums und die fehlende Diversität (tatsächlich sind die Nummern alle recht ähnlich aufgemacht) könnten den ein oder anderen stören.

Aber: BATTALIONS OF FEAR ist ein absolutes Muss für alle, die sich auch nur ansatzweise für den Power Metal und seine Geschichte interessieren – und sicherlich auch all jene, die einfach nur einen rundum gelungenen Silberling in den Händen halten wollen. Ob damals oder heute, das Debütalbum von BLIND GUARDIAN verfehlt kaum seinen Zweck und beweist, dass die Jungs heute zu Recht als eine der erfolgreichsten deutschen Metal-Combos das Antlitz unzähliger Bestenlisten zieren. Später klangen sie natürlich noch professioneller und vielleicht auch majestätischer; doch auch dieser energetische und raue Beginn der Karriere lässt sich sehr gut zelebrieren. Vielleicht; und wenn man so will sogar noch ein stückweit mehr…

Absolute Anspieltipps: MAJESTY, GUARDIAN OF THE BLIND, BATTALIONS OF FEAR


„Ein Klassiker für (fast) alle Fälle.“