BLACK MESSIAH – Wildsau (Official Video)

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Manchmal ist es eben besser, schnell Fersengeld zu geben.

Was für ein episches Bandfoto (Promo für HEIMWEH – Review hier), was für ein… interessantes, nicht ganz passend erscheinendes Musikvideo ! Bisher war man von der Gelsenkirchener Combo BLACK MESSIAH ja eher ernste Töne gewohnt… doch mit dem kürzlich veröffentlichten Clip zu WILDSAU schießen sie den Vogel endgültig ab. Nun, warum denn auch nicht ? Immerhin scheinen alle involvierten großen Spaß beim Dreh gehabt zu haben. Eines ist in jedem Fall klar: spätestens ab jetzt wird es niemand mehr wagen, auch nur ein Mitglied von BLACK MESSIAH in Rage zu bringen… es herrscht akute WILDSAU- und Ohrwurmgefahr.

Metal-CD-Review: BLACK MESSIAH – Heimweh (2013)

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Alben-Titel: Heimweh
Künstler / Band: Black Messiah (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Symphonic Black / Folk / Viking Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Zagan – Vocals, Guitars, Violin
Garm – Bass
Brøøh – Drums
Agnar – Keyboards, Synthesizers
Frangus – Guitars

Track-Liste:

1. Symphonia Pagana (Intro) (03:59)
2. In the Name of Ancient Gods (07:22)
3. Jötunheim (06:57)
4. Wildsau (05:58)
5. Edmund von Ostanglien (06:20)
6. Nidhögg (07:04)
7. Heimweh (06:11)
8. Die Quelle der Weisheit (08:01)

Immer für eine freche Überraschung gut.

Auch wenn sie ihr Dasein noch immer mit einem Fuß im musikalischen Untergrund fristen, sind die Gelsenkirchener von BLACK MESSIAH eine Combo, mit der man allgemein rechnen muss. Immerhin sind die Jungs um Frontmann und Leadsänger Zagan schon mehr als 20 Jahre (!) im Geschäft, und haben getreu ihres Bandnamens seit jeher ihre ganz persönliche schwarze Botschaft verbreitet – auch wenn sich die musikalische Ausrichtung der Band keinesfalls ausschließlich auf den Black Metal bezieht. So richtig los ging es allerdings erst 2005, als mit OATH OF A WARRIOR das zweite Studioalbum erschien – das erste in einer langen Reihe von regelmäßigen Releases. Das letztaktuelle Album liegt dabei noch gar nicht so lange zurück – THE FINAL JOURNEY (Review) wurde 2012 veröffentlicht, besonders der eigens kreierte Videoclip zur Single WINDLONI (Link) konnte dabei für Aufsehen sorgen. Ende November 2013 erschien dann das siebte Studioalbum HEIMWEH, ebenfalls über AFM RECORDS.

Bis es zu einer ersten entscheidenden Feststellung kommt, wird es beim Genuss von HEIMWEH nicht lange dauern – BLACK MESSIAH geben sich auch auf ihrem neuesten Longlayer so brachial und abwechslungsreich wie eh und je; und sorgen mit den gerade einmal 8 Titeln für eine angenehme Bandbreite aus verschiedenen Eindrücken. Gerade jene Vielfalt ist es, die auch die bisherigen Veröffentlichungen der Band schmackhaft machte – eine Vielfalt, die unter anderem auch aus dem zweisprachigen Leadgesang resultiert. Im Gegensatz zu den früheren Alben besinnen sich BLACK MESSIAH nun allerdings vermehrt auf ihre Landessprache – was gut ist, blieben bisher vor allem jene deutschsprachigen Nummern a’la CHRISTENFEIND, VON RACHSUCHT UND LÜGE, DER RING MIT DEM KREUZ oder auch, etwas banaler: das höchst geniale Cover zu MOSKAU im Gedächtnis. So findet man dieses Mal eine höhere Anzahl von potentiellen Krachern, einerseits – andererseits scheint es dann aber doch nicht zu genügen, sich auf die markante Wirkung von BLACK MESSIAH im deutschsprachigen Gewand zu verlassen.

Denn: so richtig zünden will das Album nicht. Die einzelnen Nummern sind zwar alle stark und haben ihre markanten Höhepunkte, doch irgendwie wird man das Gefühl nicht los, ganz ähnliches schon einmal gehört zu haben; nur besser. Dabei sind es unglücklicherweise BLACK MESSIAH selbst, die stark vorgelegt haben. Die früheren düsteren Alben die in sich absolut stimmig waren, ein geschichtsträchtiges Mammutwerk wie FIRST WAR OF THE WORLD, ein vielschichtiges und buntes Album wie THE FINAL JOURNEY – HEIMWEH kann nicht wirklich mit den vorangegangenen Eindrücken mithalten, geschweige denn sie übertreffen. Somit bleibt es hauptsächlich bei einem starken Genre-Album für jene, die keine Probleme damit haben wenn allerlei Elemente des Black-, Viking- und Folk Metals in einem brachialen Ganzen aufeinandertreffen und mit zusätzlichen symphonischen Komponenten ausgestattet werden. Eine große Überraschung gibt es dann allerdings doch, und zwar in Form der für BLACK MESSIAH sicher ungewöhnlichen Nummer WILDSAU. Immerhin: Aufmerksamkeit sollten sie dank des dazugehörigen Videoclips erregen können, doch auch wenn die Nummer aufgrund des Klamauks einen Heidenspaß macht… sie fügt sich eher mäßig in den sonst bierernsten Alben-Kontext ein.

Fazit: Sicherlich konnten es BLACK MESSIAH schon einmal besser – doch die Blöße geben sie sich mit HEIMWEH auch nicht. Wie immer markant und stark ist der Faktor der Abwechslung: man kann einfach sicher sein, dass kein Titel dem anderen gleicht, und etwaige Genre-Grenzen stilsicher ausgelotet werden. Vom rein instrumentalen Intro (SYMPHONIA PAGANA) über klassisch-schwarzmetallische Songs (IN THE NAME OF ANCIENT GODS) und deutschsprachige Brecher (EDMUND VON OSTALGIEN) bis hin zu einfacheren Klamauk-Nummern (WILDSAU) ist einfach alles vertreten. Der Titeltrack HEIMWEH legt dann sogar noch mal eine Schippe drauf, und präsentiert BLACK MESSIAH von einer weiteren, bisher unbekannten Seite. Ob nun aggressiv, episch, witzig oder gar poetisch… BLACK MESSIAH sind die bunten Hunde des Pagan-; pardon, Symphonic Black Viking Folk Metals aus Deutschland.

Anspieltipps: EDMUND VON OSTALGIEN, NIDHÖGG


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„Für alle Metaller, die sich nicht gerne auf ein einzelnes Genre festlegen“

BLACK MESSIAH – Der Ring Mit Dem Kreuz (Official Track)

Kathedrale in Vilnius, Foto von jimbobx, Quelle http://piqs.de, some rights reserved

Manche Dinge muss man einfach bekannt(er) machen. Heute gibt es einen Auszug des neuen BLACK MESSIAH-Albums, THE FINAL JOURNEY. Nicht nur, dass das Teil unglaublich rockt – DER RING MIT DEM KREUZ rechnet ausserdem mit einem höchst dunklen Kapitel der Geschichte ab, welches nur allzu gerne totgeschwiegen wird. Es gilt wie immer: nicht das, an was man glaubt ist zu verurteilen; sondern die Institutionen die sich diesen Glauben zu Nutze machen und dabei selbst so manch unaussprechlichen Frevel begehen. Nieder mit der Scheinheiligkeit… ! Für die Richtigkeit des Songtexts übernehme ich keine Garantie, ich gab jedoch mein Bestes.

Strophe 1

An einem Morgen im Winter kamen sie an
Eine Horde von Kriegern, etwa vier Dutzend Mann
Mit weissen Mänteln, auf denen war ein rotes Kreuz
Leuchtet klar !
Aus einem Wagen sprang ein fetter Mann
Mit reich verzierter Kleidung an
Fünf andere Recken führten ihn dann
Zu mir – auf dass er mich betrachten kann…

Strophe 2

Auf die Knie mit ihm, ein Heide ist er !
Ihn umzustimmen wird sicher nicht schwer
Ich bringe Dich zum wahren Gott
Und wenn Du nicht willst – dann rauf auf’s Schafott
Die anderen Männer schlugen mich dann
zu Boden – da sprach mich der fette an
Widersage den heidnischen Göttern, Du Wicht !
Und einen Ring aus Gold hielt er mir vor’s Gesicht…

Refrain

Du magst verbrennen mein Heim und mein Herz
Du magst töten mein Vieh und mein Pferd
Du kannst morden im Namen Deines Herrn
Doch die Seele von mir wirst du niemals bekehrn‘ !

Du kannst mein Leben nehmen im Streit
Kannst mich quälen dazu bin ich bereit
Du magst mich blenden durch des Feuers Licht
Doch den Ring mit dem Kreuz, den küsse ich nicht !

Strophe 3

Ich weigerte mich, und wand‘ mich ab
Der Mann mit dem Ring sah auf mich herab
Er spie auf mich, und fing an zu verkünden
Die anderen sollten mein Heim anzünden !
Mit ernster Miene sagt er dann
Dass er mich sicher retten kann
Mir den Weg weisen würde, zum ewigen Licht
Nein mein Freund das schaffst du nicht !

Strophe 4

Als mein Heim daraufhin in Flammen stand
Und ich mich unter ihren Tritten wand‘
Da hörte ich Schreie, laut und klar
Von meiner Frau, die noch im Hause war
Gnade für die Kinder mein‘ !
Bettelte ich, und im Feuerschein
Wurde mir klar sie leben nicht mehr
Ich verfluchte das Kreuz und den fetten so sehr

Strophe 5

Als sie mich nach Stunden in Frieden liessen
Stand ich schwer verwundet auf meinen Füssen
Betrachtete stumm den leblosen Leib
Meines Sohnes und den von meinem Weib
In diesem Moment schwor ich den Eid
Die Kreuzträger für das verursachte Leid
Wann ich einen von ihnen sehe
zu töten – auf dass er zu seinem Gott gehe.

Refrain

Du magst verbrennen mein Heim und mein Herz
Du magst töten mein Vieh und mein Pferd
Du kannst morden im Namen Deines Herrn
Doch die Seele von mir wirst du niemals bekehrn‘ !

Du kannst mein Leben nehmen im Streit
Kannst mich quälen dazu bin ich bereit
Du magst mich blenden durch des Feuers Licht
Doch den Ring mit dem Kreuz, den küsse ich nicht !

Metal-CD-Review: BLACK MESSIAH – The Final Journey (2012)

Land: Deutschland – Stil: Pagan / Black / Viking Metal

Die Trackliste des Albums:

01. Windloni
02. Der Ring mit dem Kreuz
03. To Become A Man
04. Into The Unfathomed Tower (A Tribute To Candlemass)
05. Feld der Ehre
06. Lindisfarne
The Naglfar Saga
07. Prologue – The Final Journey
08. Mother Hel
09. On Board
10. Sailing Into Eternity

Entdecke die dunkle Seite des Metal…

Vorwort: 2012, da war doch noch was… richtig, eine schon einige Zeit währende Ankündigung eines schicken Black- beziehungsweise Pagan Metal-Albums der Deutschen Recken von BLACK MESSIAH. Nachdem die Wartezeit ihrer Fans mit einem ungewöhnlich ansehnlichen Videoclip zur Single WINDLONI überbrückt haben, steht THE FINAL JOURNEY endlich in den Läden. Ein Titel, der hoffentlich nicht auf das musikalische Schaffen der Band zu beziehen ist. 10 Titel sind enthalten – was nach nicht viel klingt, im Endeffekt ist es das auch nicht. Aber immerhin hat man kein Intro, Outro oder Interludes dazugemogelt; sodass es sich tatsächlich um 10 vollwertige Titel handelt. Sofort ins Auge sticht das blaue Artwork, welches in etwa derselben Stimmung gehalten ist wie auch das Musikvideo: es geht äußerst rau, eisig und leicht mystisch zu. Man befindet sich irgendwo in den Bergen, wo ein besonders mächtiger, aber sich im Schlafe befindender Herrscher lebt… doch es gibt derer nicht wenige, die nach der unsagbaren Macht gieren, die hier verbogenen liegt. Und so weiter, und so fort… man kann sich in etwa ausmalen, wie die Stimmung auf THE FINAL HOURNEY ausfällt. Angenehm abenteuerlich, dabei immer wild und verspielt; und außerdem voller (Lebens-)Energie.

Kritik: Was da in den ersten Sekunden nach Einlegen der Scheibe zu Hören ist, ist kein eigenständiges Intro – sondern der Auftakt zum ersten Titel, WINDLONI. Richtig, die Nummer, die auch als Video ausgekoppelt wurde – wahrlich eine gute Wahl, wie man es BLACK MESSIAH zweifelsohne attestieren muss. Durch den noch relativ unscheinbaren, eher ruhigen (aber dennoch bedrohlichen) Beginn verspricht man viel; man baut eine Spannung auf die schier unerträglich ist. Es gesellen sich schon Schlagzeug, Gitarren und eine volle Instrumentalbandbreite hinzu, doch so richtig starten will man noch nicht… bis der erste Ausbruch erfolgt, und sich der Leadsänger (natürlich auf deutsch) zu Wort meldet. Rumms – das sitzt. Und wie – so wunderbar kraftvoll und technisch versiert klingen wohl nur BLACK MESSIAH. Welch eine Wohltat, sie nach dem (ebenfalls guten) letzten Album nun endlich wieder – und auf dem Höhepunkt ihres Leistungsoutputs – hören zu können. Sie waren zwar schon immer außergewöhnlich, und sorgten stets für ein hohes Maß an schwarzmetallischer Qualität – aber das hier schlägt mal wieder alles. Unabhängig davon ob nun den Strophen, dem Refrain oder den Soli-Passagen lauscht, WINDLONI etabliert von Anfang an eine äusserst mitreissende, energetische Wirkung; der man sich kaum entziehen kann. Und bietet dabei eine wohlfeile Mischung aus ‚echtem‘ Pagan Metal, verspieltem Folk, eingängiger Metal-Hymne und eiskalter Poesie. Doch das sollte erst der Anfang sein…

Denn was dann in Form eines unscheinbar klingenden Titels wie DER RING MIT DEM KREUZ folgt, ist auch schon das wahre Herzstück des Albums. In der Tat – hier spielen BLACK MESSIAH nun endgültig all ihre Stärken aus. So episch, und gleichzeitig verspielt haben wir die Recken noch nie gehört – das toppt selbst den starken Opener noch bei weitem. Sicher, die Geschichte die hier erzählt wird ist keine allzu neue, doch die Form in der das Spektakel dargeboten wird ist es allemal. Die Strophen klingen schon beinahe heiter, da hier ein besonders knackiger Rhythmus zum Einsatz kommt – doch die wahren Highlights sind die Passagen, die darauf folgen: hier erwarten einen die wohl erhabensten Instrumentalpassagen der bisherigen BLACK MESSIAH-Diskografie. Es braucht nicht viel mehr als ein klein wenig Folk, die Kraft des Black Metal und einen ansprechend-ernsten Text – hier fusionieren mehrere Eindrücke zu einem äußerst harmonischen Ganzen. Starke, aber dezent eingesetzte orchestrale Elemente wabern bedrohlich im Hintergrund, ein gerade einmal 2 Mal zum Einsatz kommender Refrain (Klargesang) vermittelt alles, was man ‚wissen‘ muss. In diesem Sinne… Den Ring mit dem Kreuz, den küsse ich nicht… ! Wohl aber diejenigen, die für dieses höchst epische Liedgut verantwortlich sind – im übertragenen Sinne, versteht sich.

Weiter geht es mit dem ersten englischsprachigen Stück des Albums, TO BECOME A MAN. Tatsächlich machen es sich BLACK MESSIAH hier nicht ganz leicht, da bereits die ersten beiden Titel als absolute (deutschsprachige) Hymnen fungieren, und der Übergang zum englischen alles andere als spektakulär ausfällt. Dem versucht man, mit einem äusserst druckvollen und schon mehr in Richtung Black Metal gehenden Instrumentals entgegenzuwirken – sodass die unbändige Kraft und Spielfreude der Band abermals gut zum Ausdruck kommt. Aber eben nicht mehr ganz so wirkungsvoll wie in den ‚deutschen Momenten‘ – auch wenn der Leadsänger des englischen zweifelsohne mächtig ist; wie er es bereits auf den Vorgängeralben unter Beweis stellen konnte. TO BECOME A MAN ist also eher ein Durchschnittstitel mit einem ordentlichen Drive, der kein so großes Aufsehen erregen wird wie die beiden Vorgängertitel. Etwas anders sieht es dann schon mit dem Tribut für CANDLEMASS aus, INTO THE UNFATHOMED TOWER. Hier handelt es sich um ein reines Instrumentalstück, welches besonders von den perfekt eingesetzten Passagen einer Violine getragen wird. Diese bewegen sich stets irgendwo zwischen einer Osteuropäischen Verspieltheit, die beinahe zum Tanz aufzufordern zu scheint – und einer gewissen Melancholie und Erhabenheit. Zusammen mit dem äusserst starken Instrumental, welches den ein oder anderen Bombast-Moment bereithält,entsteht ein sehr ansprechender Titel der einfach Laune macht.

Dann folgt ein weiteres kleines ‚Special‘, und zwar in Form einer neu eingespielten Version von FELD DER EHRE. Hier findet sich dann – leider Gottes – einer der mitunter schwächsten Titel des Albums, der einfach nicht so wirkt wie es vielleicht beabsichtigt war. Dies liegt besonders am angestrengt wirkenden Gesang und selbstverständlich auch dem hier etwas plump daherkommenden Songtext; abgerundet wird der Eindruck durch das alles andere als spektakulär ausfallende Instrumental, welches hauptsächlich aus einem hämmernden Double-Bass besteht. Schalten wir also schnell weiter, um bei LINDISFARNE zu landen – einem der härteren, düsteren Titel des Albums. Erneut auf Deutsch vorgetragen, geht es äusserst brachial und angenehm schwarzmetallisch zu – man entwickelt ein gutes Gefühl für die hier erzählte Geschichte, und auch wenn der Instrumentalteil nicht ganz so vielschichtig ausfällt, macht er dennoch Laune. Wieder dominiert der unermüdliche Einsatz des Schlagzeugers, während einige der anderen Elemente schwerer zu erahnen sind, und zudem leicht hintergründig-verwaschen wirken. Kein Highlight, aber mit Sicherheit ein solider, stark nach vorn preschender Titel. Nun aber beginnt in etwa das, was die Jungs auf ihrem Vorgänger-Album in voller Länge zelebriert haben – ein zusammenhängender Story-Teil in Form der NAGLFAR SAGA. Hier fahren die Pagan-Metaller 4 Titel mit einer Spielzeit von über 20 Minuten auf, von denen einer den anderen zu toppen vermag. Der Auftakt kommt mit der Aufmachung als ruhiges Instrumentalstück mit kurzem Sprecherteil als willkommene, atmosphärische Abwechslung daher, MOTHER HEL begeistert als knallhartes Intermezzo aus Growls, verschwörerischem Klargesang sowie weiblichem Gastgesang, ON BOARD offeriert eine Mixtur aus knallhart vorgetragenen Strophen und Hörspiel, der Abschluss SAILING INTO ETERNITY beginnt als opernhafte Inszenierung eines Vikinger-Schauspiels, nur um danach ein letztes Mal in härtere Gefilde aufzubrechen. Rumms, das sitzt.

Fazit: BLACK MESSIAH sind nach wie vor ein Garant für eine ganz spezielle Form des Pagan Metals, welcher zwar durch-und-durch ’schwarz‘ ist, aber eben auch so manches verspielte beziehungsweise symphonische Element bereithält. So sorgen sie vor allem dafür, dass der Sound der Band recht unverkennbar ist – und, dass das Pagan Metal-Genre mal ordentlich durchgerüttelt wird. Schließlich zeigen BLACK MESSIAH, wie unter anderem auch EQUILIBRIUM auf, dass auch diese Stilrichtung (als eine der grundsätzlich ‚härteren‘, düsteren) durchaus episch und erhaben inszeniert werden kann – ohne dass man dafür in allzu kitschige Bereiche abdriften muss. So ist THE FINAL JOURNEY ein abwechslungsreiches, sehr gut unterhaltendes Werk; welches gleichermaßen für ‚treue Fans‘ des Genres, aber auch für Neueinsteiger geignet ist. Schließlich bieten BLACK MESSIAH einen erfreulichen Mix aus Zugänglichkeit und Härte – womit sie alles richtig machen. Für eine noch höhere Wertung, beziehungsweise ein potentielles nächstes Album wäre es vielleicht mal das Experiment wert, ein rein deutschsprachiges Album aufzunehmen… aber auch so rocken BLACK MESSIAH einfach. Weiter so !


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„Ein sehr gutes Genre-Album mit dem gewissen Etwas.“

Metal-CD-Review: BLACK MESSIAH – Of Myths And Legends (2006)

Land: Deutschland – Stil: Pagan Metal

Die Trackliste:

01. In Remembrance
02. Of Myths and Legends
03. Irminsul
04. Father Of War
05. Sauflied
06. Howl Of The Wolves
07. Erik, Der Rote
08. Lokis Tanz
09. Die Sühne Des Feuerbringers
10. Moskau
11. The Bestial Hunt of the Fenrizwolf

Abenteuerliches ‚Questen‘ und zwischendurch mal ordentlich abfeiern… BLACK MESSIAH zeigen, wie’s geht.

Vorwort: OF MYTHS AND LEGENDS ist das nunmehr dritte Studioalbum der Ruhrpott-Metaller von BLACK MESSIAH. Würden sie mit dem Werk, welches immerhin 2 Jahre Produktionszeit in Anspruch genommen hat, an den Erfolg der überraschend eingeschlagenen Vorgängeralben anknüpfen können ? Wir werden es herausfinden.

Kritik: Das Album startet recht ungewöhnlich, und zwar mit knapp 2-minütigen Intro IN REMEMBRANCE – einem symphonisch angehauchten Instrumental mit einer leicht ’sphärischen‘ Wirkung. Sicher, es klingt ausreichend episch und vielversprechend (in Anbetracht dessen, was da noch kommen mag), allerdings hat es nun nicht unbedingt die typische BLACK MESSIAH-Note oder einen kongenialen kompositorischen Touch, sodass man sagen könnte es handelte sich um ein Stück mit hohem Wiedererkennungswert. Mit den richtigen Tools und Samples könnte man dergleichen sogar in Eigenregie kreieren… was nun, und mit dem Opener und Titeltrack OF MYTHS AND LEGENDS allerdings nicht mehr möglich ist. Denn hier kommt nun endlich die gesamte Bandbreite an Instrumenten zum Einsatz, und der Leadsänger beginnt zum ersten Male so richtig schön zu ‚röhren‘. Hier handelt es sich um ein ultra-brachiales, genretypischen Pagan Metal-Stück, welches vor Aggressivität und ‚Power‘ nur so strotzt – und welches eindeutig von den markanten Riffs getragen wird. Diese sind gleichsam ‚brutal‘ wie melodiös (und unterstützen so die Growls), sodass man hier zum ersten Mal in den Geschmack der Fähigkeiten von BLACK MESSIAH kommen kann. NAch einen etwas nichtssagenden Intro ist nun also eine klare Marschrichtung vorgegeben. Und die verspricht, Laune zu machen.

Mit IRMINSUL wird es allerdings erst richtig interessant: es mag sich um eine Geschmacksfrage handeln, doch ich persönliche ziehe die deutschsprachigen Lieder von BLACK MESSIAH den englischen vor. Zudem wird in diesem Stück die perfekte Balance aus traditionell-folkigen Elementen (besonders zum Auftakt) und reißerischen Pagan-Passagen gefunden und etabliert. Das Teil hat also einen recht ordentlichen Drive, der nicht zuletzt durch den teils brachialen Schlagzeugeinsatz zur Geltung kommt – und natürlich auch durch den herben Gesang und die rauen IRMINSUL-Rufe im Refrain. FATHER OF WAR ist das nächste englischsprachige Stück im Bunde, welches im direkten Vergleich schon ein wenig gemäßigter, getragener daherkommt. Aber das ist auch ganz gut so – denn so bleibt mehr Raum für die fetten Riffs und nette Experimente, wie das einbringen einer (synthetischen) Orgel und weiteren symphonischen Klang-Elementen. Zum Schluss wird’s dann nochmal richtig klasse – sodass der Übergang zum nächsten, etwas… andersartigen Titel stimmig verläuft.

Aber, was ist denn das… ? Es erklingt das SAUFLIED, bei dem man allein vom Titel her an einen plumpen Lobgesang auf den Alkohol denken würde. Und, in der Tat – genau das macht den (einfachen) Titel auch aus. Nichts desto trotz handelt es sich um eine Art ‚Hymne‘ an und für die Fans – ein Titel, der bereits nach dem ersten Hören einen gewissen Kultstatus in den Ohren des Hörers erreichen wird. So darf man sich sicher auf die ein oder andere Live- und Mitgröhlperformance dieses Titels freuen… einfach, aber wirkungsvoll, und allerhöchstens im textlich-inhaltlichen Sinne etwas anspruchslos. Aber auch das darf man hie und da, und gerade wenn es gewollt ist; mal durchgehen lassen. Man sieht zudem, dass sich deutsche und englisch eingesungene Titel die Waage halten, sodass ein zusätzliches Maß an Abwechslung gegeben ist. Auch wenn der Leadsänger sich in deutsch ein klein wenig… authentischer anhört, dass muss man zugeben. Mit Ausnahme des nun folgenden HOWL OF THE WOLVES eventuell, welches – ÜBerraschung – einer der stärksten und markantesten Titel des Albums ist. Das Teil geht sofort ins Ohr und setzt sich fest – wofür besonders der melodische und klar strukturierte Aufbau verantwortlich ist. Zusätzlich werden die ‚klassischen‘ Samples in Verbindung mit den schroffen Riffs und den treibenden Blast-Beats für reichlich Stimmung sorgen – für eine düstere, geheimnisvolle versteht sich. Wie es sich für das Leben eines ‚Abenteurers‘ gehört, nachdem er sich vom letzten Saufgelage erholt hat. Eine echte Granate.

Und, es geht sogleich hochqualitativ und ebenso ‚aufregend‘ weiter – natürlich wieder auf deutsch. ERIK DER ROTE ist zweifelsohne eine weitere Hymne der Extraklasse. Nachdem bereits die Party- und Abenteurerfraktion beglückt wurde, folgt nun also die erste waschechte Brachial-Hymne mit reichlich ‚Epicness‘ und einer getragenen Erhabenheit.Tatsächlich scheint das Album immer besser zu werden, was sowohl die gefühlte Abwechslung als auch die kompositorischen Leistungen angeht. Es sind zahlreiche Hymnen vertreten – wobei niemals der Anspruch, ‚True‘ im Sinne des Pagan Metal zu bleiben, verloren geht. Denn natürlich fahren BLACK MESSIAH eine Linie. Eine durchaus angenehme, die in Anbetracht des manchmal etwas eingefahrenen Genres durchaus in der Lage ist, selbiges mal ein wenig auf- und durchzurütteln. Das macht Laune, und es kann gerne so weitergehen. Und tatsächlich wird man nicht enttäuscht, denn mit LOKIS TANZ folgt bereits das ungewöhnliche Instrumentalstück, welches wieder in einem stilleren Moment der abendlichen Feierlaune angesiedelt ist. Die Fidelei macht schlicht Spaß, und sorgt für die nötige Auflockerung bevor es zum mächtigen DIE SÜHNE DES FEUERBRINGERS übergeht. Hier handelt es sich um ein episches Stück, welches eine Geschichte erzählt und so bestens unterhalten kann. Ganz, ganz großes Pagan-Kino !

Und mit einer Coverversion eines nur allzu gut bekannten Titels legen BLACK MESSIAH gleich nochmal richtig los. Richtig – es handelt sich um MOSKAU, ein Lied, welches so gut wie jeder auswendig mitträllern kann. Es ist selten dass ich das sage, doch ich finde diese Coverversion inzwischen ansprechender als das Original. Denn die Mischung aus einem allgemeinen Fun- und Livefaktor und den wunderbar kraftvollen Metal-Elementen geht hier vollends auf. ICh zumindest würde zu diesem Titel Live viel, viel eher abfeiern als zum etwas plumpen SAUFLIED. Lasst es ordentlich krachen, Jungs… bleibt zum Abschluss ein weiterer englischsprachiger Titel, THE BESTIAL HUNT OF THE FENRIZWOLF. Hier geht’s wieder etwas agressiver und rauer zu, wobei auch die aufpeppenden Elemente nicht zu kurz kommen. Ein würdiger, wenn auch nicht mehr ganz so spektakulärer Abschluss des überraschend guten Albums.

Fazit: OF MYTHS AND LEGENDS ist ein Album, dem man ein klein wenig Zeit geben muss. Und vielleicht auch mehrere Anläufe – doch sofern dies erst geschehen, gibt es in Sachen Faszination und Begeisterung keine Grenzen mehr.  Nachdem die ersten 2, 3 oder 4 Titel zwar grundsolide Pagan Metal-Kost boten, aber es letztendlich noch nicht vermochten wirkliche Alleinstellungsmerkmale aufzuweisen, wird das Album im weiteren Verlauf einfach immer stärker und stärker. Eine Hymne reiht sich an die nächste, wobei die musikalischen Stimmung nicht unterschiedlicher hätten ausfallen können. Und das auf einem Album im Pagan Metal-Genre – wer BLACK MESSIAH kennt, der weiss (spätesten dann !), dass das Genre weitaus mehr zu bieten hat als blosses ‚Rumgekrächze‘ oder Instrumental-Dauerfeuer der unangenehmen Art. Glückwunsch zu einem rundum gelungenen, sehr abwechslungsreichen Album ! Für das nächste, beziehungsweise eine noch höhere Wertung sollte man sich vielleicht überlegen, ganz auf die englischsprachigen Titel zu verzichten… eventuell. Aber auch so macht’s ordentlich Spaß.

Anspieltipps: HOWL OF THE WOLVES, ERIK DER ROTE, DIE SÜHNE DES FEUERBRINGERS.


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„Die volle Ladung BLACK MESSIAH.“