Metal-CD-Review: AXENSTAR – Where Dreams Are Forgotten (2014)

Alben-Titel: Where Dreams Are Forgotten
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. November 2014
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Inner Wound Recordings

Alben-Lineup:

Adam Lindberg – Drums
Joakim Jonsson – Guitars
Jens Klovegård – Guitars
Magnus Winterwild – Vocals, Bass, Keyboards

Track-Liste:

1. Fear (04:22)
2. Inside the Maze (04:30)
3. My Sacrifice (04:04)
4. Curse of the Tyrant (04:26)
5. The Return (03:32)
6. Demise (04:10)
7. Annihilation (05:10)
8. Greed (04:25)
9. The Reaper (04:44)
10. This False Imagery (04:49)
11. Sweet Farewell (06:03)

Wer wird denn gleich in Vergessenheit geraten…

Nein, innerhalb der Karriere von AXENSTAR lief nicht immer alles rund. Zumindest dem Anschein nach – und wenn man bedenkt, dass die Schweden durchaus eine etwas schwächere Phase hatten. Schließlich ließen gerade Alben wie THE FINAL REQUIEM (siehe Review) sowie die darauf angehängte Pause von 5 Jahren nicht unbedingt auf allzu gutes hoffen – bis, ja bis sich AXENSTAR doch noch zurückmeldeten. Das war 2011 und geschah in Form des vergleichsweise bärenstarken AFTERMATH (Review) – das so gesehen auch den Weg für das vorliegende und bis heute aktuellste Studioalbum WHERE DREAMS ARE FORGOTTEN ebnete. Wie schon zuvor gilt beim Genuss des insgesamt 11 Titel enthaltenen Werkes vornehmlich eines: die Veränderungen halten sich in Grenzen, doch wo es welche gibt fallen sie zumeist positiv aus. Anders gesagt: AXENSTAR sind auf ihrem WHERE DREAMS ARE FORGOTTEN noch immer eindeutig als AXENSTAR zu erkennen, und haben bis auf einen insgesamt etwas düsterer anmutenden Sound wenig an ihrem musikalischen Grundkonstrukt geschraubt – und doch ist das sechste Studioalbum der Jungs weit davon entfernt, dem Hörer eine ähnliche Eintönigkeit aufzuerlegen wie einst THE INQUISITION (Review) oder vielleicht auch THE FINAL REQUIEM.

So macht schon der richtigerweise als Videosingle ausgekoppelte Opener FEAR eine erstaunlich gute Figur – und auch in den folgenden Titeln ist zu bemerken, dass AXENSTAR alles daran setzen eine möglichst große Bandbreite an Eindrücken zu vermitteln. Dass das so gut gelingt, liegt vor allem auch an der schier perfekten Produktion und dem hervorragenden; von der Band bereits gewöhnten Handwerk: die Gitarren sind omnipräsent und werkeln ebenso schroff wie melodiös, das Drumming ist wuchtig, der Bass angenehm und die gesangliche Darbietung von Magnus Winterwild nach wie vor unverkennbar – während man sich am Keyboard eher zurückhält. Davon profitieren insbesondere kraftvoll-stampfende Nummern wie MY SACRIFICE, DEMISE oder ANNHILATION – während es lediglich Titel wie das atmosphärisch aufgemachte CURSE OF THE TYRANT, das ruhige THE RETURN oder das relativ zahme THE REAPER sind, denen vielleicht doch noch das gewisse Etwas fehlt. Und das auch oder gerade weil sich Magnus Winterwild zwar absolut stilsicher, aber eben auch vergleichsweise limitiert und wenig flexibel inszeniert. Immerhin: gegen Ende von DEMISE oder in GREED tönt er dann doch mal etwas tiefer und rauer als sonst. An der insgesamt etwas eingefahren klingenden und wirkenden Leadgesangs-Struktur ändert aber auch das nicht viel – wobei es die Tatsache, dass andere und vielleicht auch ganz ähnlich klingende Power Metal-Combos wesentlich überzeugender Leadsänger an den Start bringen; nicht viel besser macht.

Eben das führt auch zum mitunter einzigen aktuellen Problem von AXENSTAR: zwar ist das Handwerk der Schweden über so gut wie alle Zweifel erhaben, und die Präsentation eines Albums wie nun auch WHERE DREAMS ARE FORGOTTEN lässt grundsätzlich nur wenig Spielraum für Kritik – und dennoch lässt sich der Gedanke, dass wenn man ein AXENSTAR-Album gehört hat alle kennt; nicht gänzlich von der Hand weisen. Sicher handelt es sich hierbei um eine überspitzte Formulierung, die vor allem dann nicht zutrifft wenn man etwas tiefer geht – doch sollten AXENSTAR planen auch in Zukunft noch neues Material zu kreieren, müssen sie sich früher oder später etwas wirklich neues einfallen lassen. WHERE DREAMS ARE FORGOTTEN vermag es so vor allem einen hervorragenden Auftakt anzubieten – aber leider auch einen etwas schwächeren respektive leicht repetitiven Mittel- und Endteil. Fans der Combo werden ohnehin zuschlagen, wofür es noch immer genügend Gründe gibt – für alle anderen empfiehlt sich aber vielleicht doch ein intensiverer Blick auf den besseren Vorgänger AFTERMATH.

Absolute Anspieltipps: FEAR, INSIDE THE MAZE, MY SACRIFICE, GREED


„Ein weiteres nicht unbedingt herausragendes, aber dich grundsolides AXENSTAR-Album.“

Metal-CD-Review: AXENSTAR – Aftermath (2011)

Alben-Titel: Aftermath
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Januar 2011
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: IceWarrior Records

Alben-Lineup:

Adam Lindberg – Drums
Joakim Jonsson – Guitars
Jens Klovegård – Guitars
Magnus Winterwild – Vocals, Bass, Keyboards

Track-Liste:

1. Dogs of War (05:12)
2. The Escape (03:52)
3. Tears of the Sun (03:21)
4. Agony (05:26)
5. Aftermath (03:49)
6. The New Breed (04:50)
7. Dead Kingdom (04:51)
8. Until Your Dying Breath (05:06)
9. Signs of a Lie (04:27)
10. Forever the Pain (05:29)

Die Sache musste einfach ein Nachspiel haben.

Ja, sie hatten es endlich getan – und erstmals mehr als nur ein oder zwei Jahre zwischen zwei Studioalben vergehen lassen. In diesem Falle waren es sogar ganze 5, was durchaus eine Unregelmäßigkeit in der bis dato recht gradlinigen Diskografie der Schwedischen Power Metaller von AXENSTAR markiert. In gewisser Weise handelte es sich aber auch um eine unbedingt notwendige – schließlich waren die überambitionierten Musiker um den gesanglich unverkennbaren Frontmann Magnus Winterwild mit der vergleichsweise rasanten Veröffentlichungsstrategie ihrer ersten vier Alben dezent über das Ziel hinausgeschossen. Eine der unvermeidlichen (oder zumindest nicht gänzlich zu versteckenden) Folgen war ein spürbarer qualitativer Abfall nach dem ebenso überraschenden wie guten Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT (siehe Review), der letztendlich auf dem viel zu gleichförmigen und unspektakulären THE FINAL REQUIEM aus dem Jahre 2006 (Review) mündete. Umso spannender war und ist natürlich die Frage, in wie weit sich die lange (und im besten Fall kreative) Pause der Schweden auf ihre Musik ausgewirkt hatte – und ob sie es geschafft hatten, sich aus ihrem quasi selbst geschaufelten Loch der Bedeutungslosigkeit zu befreien. Schließlich, und auch das sollte man nicht vergessen; waren AXENSTAR längst nicht die einzigen, die sich Anfang der 2000er Jahre aufgemacht hatten um die Welt mit ihrer Interpretation eines melodischen Power Metals zu erobern.

In Bezug auf AFTERMATH ist auf den ersten Blick dann vornehmlich eines festzustellen: es hatte sich tatsächlich etwas getan in den musikalischen Welten von AXENSTAR. Insbesondere die dieses Mal deutlich schroffere Gangart der Gitarren sowie das kräftige Drumming fallen hier direkt, und damit schon im knackigen Opener DOGS OF WAR auf – der überdies auch einige Tempowechsel vorsieht und schnell zu einem der spannenderen AXENSTAR-Titel avancieren kann. Warum man in der Mitte der Nummern allerdings eine derart miserabel abgemischte Sprechpassage einbauen musste, wissen nur die Schweden selbst – der Atmosphäre ist sie jedenfalls nicht unbedingt dienlich. Doch was hilft es, sich mit (wieder einmal: völlig vermeidbaren) Kleinigkeiten aufzuhalten wenn es doch um das große Ganze geht – was zumindest im Vergleich mit dem müden Vorgänger THE FINAL REQUIEM recht angenehm ausfällt. Fast schon kurios in diesem Zusammenhang ist indes, dass es die Schweden erst jetzt geschafft hatten ihre Nummern so zu gestalten, dass man sie auch tatsächlich auseinander halten kann. Sei es ein plötzlicher Tempo- oder Rhythmuswechsel hier, ein überraschender Break dort; längere Instrumental- und Solipassagen oder das sich wieder etwas deutlicher zu Wort meldende Keyboard – AFTERMATH sprüht im Vergleich zu seinem Vorgänger geradezu vor Spielfreude und Abwechslung, und macht dementsprechend auch wesentlich mehr Spaß.

Das gilt natürlich auch für den unter Umständen noch immer etwas wenig variablen, dafür aber absolut stilsicherne Leadgesang von Magnus Winterwild – der dieses Mal geradezu perfekt von den lebendigen Kompositionen aufgefangen wird. Anders gesagt: in Bezug auf die schon immer sichere handwerkliche Komponente der Band hatte sich bis auf die etwas härtere und griffigere Gangart wenig getan, glücklicherweise – doch im Hinblick auf ihre Fähigkeiten wirklich gute und aussagekräftige Genre-Nummern zu schreiben, machten AXENSTAR im Rahmen der Pause zwischen THE FINAL REQUIEM und AFTERMATH einen wahren Quantensprung. Demnach kann man auch kaum etwas falsch machen, wenn man dem geneigten Power Metal-Konsumenten ein Album wie dieses ans Herz legt – ein Album, mit dem AXENSTAR endlich den Kreis zu ihrem gelungenen Debütalbum schließen konnten.

Absolute Anspieltipps: THE ESCAPE, TEARS OF THE SUN, AFTERMATH, THE NEW BREED, FOREVER THE PAIN


„Na also – dieses Mal gibt es fast nichts auszusetzen.“

Metal-CD-Review: AXENSTAR – The Final Requiem (2006)

Alben-Titel: The Final Requiem
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 8. September 2006
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Massacre Records

Alben-Lineup:

Magnus Winterwild – Vocals, Guitars, Keyboards
Joakim Jonsson – Guitars
Magnus Ek – Bass
Pontus Jansson – Drums

Track-Liste:

1. Final Requiem (03:53)
2. Condemnation (04:03)
3. The Divine (04:19)
4. Edge of the World (05:19)
5. Thirteen (04:41)
6. The Hide (04:59)
7. Underworld (05:46)
8. Spirit (04:07)
9. Pagan Ritual (03:56)
10. Seeds of Evil (04:37)
11. End of the Line (03:59)
12. Beyond the Lies (04:48)

Gut Ding will Weile haben.

Wenn eine Band mehrere Studioalben innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums auf den Markt bringt, kann das eigentlich nur zweierlei bedeuten. Entweder die Band hat viel zu sagen und legt neben vielen guten Ideen auch einen ausgesprochenen Tatendrang an den Tag – oder aber ihr fehlt schlicht das Gefühl für ein gutes Timing. Schließlich gilt auch oder gerade bei guter Musik (oder solcher von jeweils persönlichen Helden), dass man die Hörerschaft durchaus etwas zappeln lassen sollte und nicht zu schnell nachliefert – nicht zuletzt aufgrund der Gefahr, sich bloß zu wiederholen oder kaum Differenzierungsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Releases anzubieten. Etwas ganz ähnliches ist wohl auch den Jungs von AXENSTAR passiert, die sich bereits 1998 als POWERAGE zusammengefunden und ab dem Jahre 2002 einen Namen gemacht hatten. Und das vornehmlich aufgrund ihrer recht konsequenten Veröffentlichungs-Strategie, die mit dem gelungenen Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT (siehe Review) noch geradezu vorzüglich begann. Während auch das überraschend schnell nachgeschobene Zweitwerk FAR FROM HEAVEN (Review) noch relativ gnadenlos überzeugen konnte, sah es für das 2005 veröffentlichte THE INQUISITION (Review) schon nicht mehr ganz so gut aus – wobei auch das vorliegende THE FINAL REQUIEM mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen hat.

Anders gesagt: zwar haben AXENSTAR mit ihren ersten vier Alben zweifelsohne bewiesen, dass sie ihr Handwerk verstehen und problemlos dazu in der Lage sind; einen nicht zu weichen Melodic Power Metal mit dem ein oder anderen Alleinstellungsmerkmal (vornehmlich: der unverwechselbare Leadgesang des angestammten Frontmanns Magnus Winterwild) zu inszenieren – doch schienen sie es andererseits und mit der Veröffentlichung von 4 Alben innerhalb von gerade einmal 4 Jahren auch geradezu darauf anzulegen, die Gemüter zu spalten. Dass ein Album wie THE FINAL REQUIEM damit – und verständlicherweise – keinen ähnlichen Überraschungseffekt generieren kann wie einst das Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT ist aber nur der Anfang. Relativ problematisch ist beispielsweise, dass AXENSTAR schon immer eine vergleichsweise gradlinige; man will nicht sagen simpel vorgehende Genre-Combo waren – mit entsprechenden klaren Strukturen und wenigen Überraschungen innerhalb der einzelnen Titel, dafür aber einer tadellosen handwerklichen Komponente und einem angenehm emotionalen Unterton. Dementsprechend hätte man durchaus damit rechnen sollen, dass eben jenes Konzept spätestens auf THE FINAL REQUIEM etwas ausgelutscht erscheinen respektive eine eher ernüchternde Wirkung etablieren würde – und mit entsprechenden Gegenmaßnahmen kontern sollen.

Doch von eben solchen hat man auf THE FINAL REQUIEM leider nicht Gebrauch gemacht. Immerhin fällt schon die oberflächliche Strukturierung des Albums eher ungünstig aus, gelinde gesagt – auch wenn es grundsätzlich eine nette Sache ist, dem Hörer ganze 12 vollwertige Titel ohne viel Schnickschnack zu servieren. Im Falle von THE FINAL REQUIEM aber wirkt sich das Ganze zusätzlich negativ aus, zumal sich alle Titel stets grob um die 4-Minuten-Marke herum bewegen und in vielerlei Hinsicht ähnlich aufgemacht sind – woran auch ein hie und da eingeschobener Stimmverzerrungs-Effekt wie in EDGE OF THE WORLD oder das alles andere als atmosphärische PAGAN RITUAL nicht viel ändern. Überhaupt ist es kaum zu verstehen, dass es AXENSTAR hier nicht einmal schaffen den einzelnen Titel-Erwartungen ansatzweise gerecht zu werden – und sich selbst die vermeintlich bösen oder zumindest eine gewisse Härte versprechenden Titel (SEEDS OF EVIL) als absolut typische AXENSTAR-Nummern ohne viel Biss herausstellen. Demnach kann es durchaus vorkommen, dass man nach dem noch recht prägnanten Opener und Titeltrack FINAL REQUIEM nicht mehr so recht weiß wo und woran man jeweils ist – und das schlicht, da das Album im weiteren Verlauf deutlich zu gleichförmig und überraschungsarm daherkommt.

Sicher, all das ändert wenig an der grundsätzlich tadellosen handwerklichen Leistung der einzelnen Mitglieder sowie der im Vergleich zum Vorgänger sogar noch verfeinerten Abmischungs- und Produktionsqualität – die Fähigkeit wirklich kultverdächtige oder zumindest nachhaltig wirkende Song-Momente zu kreieren schien den Schweden auf THE FINAL REQUIEM aber dezent abhanden gekommen zu sein. Vielleicht könnte man auch sagen, dass zu viele Köche den Brei verderben – was unter Umständen auch für eine Flut von grundsätzlichen guten Genre-Nummern einer einzelnen Band gelten kann, die sich in ihrer Gesamtheit als überraschend zäh erweisen und sich letztendlich doch nur auf einem durchschnittlichen Niveau einpendeln können.

Absolute Anspieltipps: FINAL REQUIEM, CONDEMNATION


„Handwerklich und klangtechnisch über viele Zweifel erhaben – aber wie so oft zeigt sich, dass das längst nicht alles ist.“

Metal-CD-Review: AXENSTAR – The Inquisition (2005)

Alben-Titel: The Inquisition
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. Mai 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Magnus Winterwild – Vocals, Keyboards
Magnus Ek – Bass
Pontus Jansson – Drums
Thomas Eriksson – Guitars (lead)
Peppe Johansson – Guitars

Track-Liste:

1. The Fallen One (03:51)
2. Under Black Wings (05:38)
3. Salvation (03:57)
4. Inside Your Mind (05:52)
5. Daydreamer (04:32)
6. Drifting (02:27)
7. The Burning (07:16)
8. Run or Hide (05:04)
9. The Sands of Time (04:30)

Inquisition’s still alive.

Nachdem sich die schwedischen Musiker von AXENSTAR Anfang der 2000er Jahre erstmals aufgemacht hatten, die Power Metal-Szene mit ihren beiden überraschenden Erstwerken PERPETUAL TWILIGHT (siehe Review) und FAR FROM HEAVEN (Review) zu erobern; legten der angestammte Band-Frontmann Magnus Winterwild und sein Gefolge relativ schnell nach. So sollte es gerade einmal drei Jahre nach dem Debütalbum schon wieder so weit sein: THE INQUISITION erschien als offizielles drittes Studioalbum der Band, wobei sich weder das Label noch die Besetzung verändert hatte. Im Gegenzug dafür aber ergaben sich durchaus einige Änderungen am Soundkonstrukt der Schweden, die sich schon beim Sprung vom Debütalbum zum Nachfolger FAR FROM HEAVEN experimentierfreudig zeigten – auch wenn das längst nicht dazu führte, dass AXENSTAR ihr Debütalbum noch hätten übertreffen können. Dennoch schickte man sich auch auf THE INQUISITION an, die Entwicklungen in Richtung eines etwas bodenständigeren, erwachseneren und variableren Sounds weiter zu verfolgen – was die Bandbreite der Fähigkeiten der Band erneut ausgeweitet und ein in jedem Fall spannendes AXENSTAR-Album zur Folge hatte.

Dennoch – und wie schon beim Vorgänger – bleibt die Frage, in wie weit diese Entwicklungen im Falle von AXENSTAR überhaupt sinnig erscheinen. Immerhin starteten die Schweden als überaus prägnante, sich als wahres Kraftpaket herausstellende und mit zünftigen Genre-Hymnen nur so um sich werfende Genre-Combo mit einem entsprechenden Drang nach vorn – sodass es beileibe nicht jedermann gefallen wird, dass auch THE INQUISITION eher zurückhaltend wirkt und klingt. Zumindest im Vergleich und wenn man bedenkt, dass das Album grundsätzlich keine wirklich konsequent ausgeführte Uptempo-Nummer an den Start bringt – mit Ausnahme des späten Rausschmeißers IMAGINARY WORD eventuell, der aber auch eher markant stampft als tatsächlich in jeder Hinsicht über den Hörer hinwegzurollen. Sicher, Tempo ist nicht alles; und die grundsätzliche spielerische Kraft ist den Schweden auch in diesem Fall erhalten geblieben. Dennoch ist es dezent schade, dass es sich nicht so anfühlt als hätten AXENSTAR wirklich aus dem Vollen geschöpft – und das Album einen ganz ähnlichen Bremspedal-Effekt offenbart wie stellenweise auch der Vorgänger FAR FROM HEAVEN.

Selbiger ist dabei aber nicht nur auf das Tempo zu beziehen, sondern hauptsächlich auch auf das mittelmäßige Songwriting und die nicht gerade umwerfende Gesamt-Inszenierung des Albums – dass zwar handwerklich über so gut wie jeden Zweifel erhaben ist und mit einem soliden Produktions-Part aufwartet, dafür aber des Öfteren Gefahr läuft in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Und das macht sich schon mit dem Opener THE FALLEN ONE bemerkbar – bei dem trotz der ebenso versierten wie antreibenden Arbeit an den Gitarren und am Schlagzeug der Eindruck aufkommt, dass hier noch so viel mehr drin gewesen wäre. Unglücklicherweise handelt es sich dabei im ein Gefühl einer fehlenden Tiefe, dass auch einige der noch folgenden Nummern begleitet – wobei es tatsächlich keine einzige über das Niveau eines annehmbaren bis bestenfalls höchst soliden Genre-Beitrags schafft. Zwar ändert das nichts daran, dass sich AXENSTAR hier nicht die Blöße geben – doch gerade von einer Band wie dieser hätte man schlicht ein etwas knackigeres Gesamtpaket erwarten können.

Demnach gilt wie schon beim Vorgänger: das Bestreben von AXENSTAR, für einen noch reichhaltigeren und variableren Sound zu sorgen; avanciert ganz eindeutig zu einem zweischneidigen Schwert. Sicher, die Soli-Parts und die Instrumentalpassagen in den längeren Titel sind interessant und sorgen doch noch für die ein oder andere Überraschung; und wirklich langweilig wird es (fast) nie – doch ändert auch das nichts am insgesamt etwas zu gleichförmigen und vor allem Highlight-armen Eindruck. Ob die Schweden hier einfach etwas zu sehr auf Nummer sicher gegangen sind ist schwer zu sagen – in jedem Fall aber hört es sich so an, und lässt zweifelsohne den Wunsch nach einem erneuten Befreiungsschlag  von der Güte eines PERPETUAL TWILIGHT wach werden.

Absolute Anspieltipps: INSIDE YOUR MIND, IMAGINARY WORD


„Trotz des hervorragenden Handwerks bleibt das Album klar hinter seinen eigentlichen Möglichkeiten zurück.“

Metal-CD-Review: AXENSTAR – Far From Heaven (2003)

Alben-Titel: Far From Heaven
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. November 2003
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Magnus Winterwild – Vocals, Keyboards
Magnus Ek – Bass
Pontus Jansson – Drums
Thomas Eriksson – Guitars (lead)
Peppe Johansson – Guitars

Track-Liste:

1. The Descending (Intro) (01:05)
2. Infernal Angel (04:16)
3. Blind Leading the Blind (04:43)
4. Don’t Hide Your Eyes (05:12)
5. Far from Heaven (06:56)
6. Abandoned (05:19)
7. Children Forlorn (04:12)
8. Death Denied (04:31)
9. Blackout (04:59)
10. Northern Sky (04:55)

Der Weg ist das Ziel.

FAR FROM HEAVEN ist das zweite offizielle Studioalbum aus dem schwedischen Hause AXENSTAR – und damit auch jener 2001 gegründeten Power Metal-Combo, die sich seit ihrem Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT (siehe Review) für einen recht unverkennbaren Sound verantwortlich zeichnet. Zu nicht unerheblichen Teilen mitverantwortlich ist dafür auch der hiesige Frontmann Magnus Winterwild, der mit seiner ebenso sanften wie einzigartigen Stimme als Aushängeschild von AXENSTAR fungiert – analog zu den enorm melodischen Kompositionen einer wenn man so will typisch nordischen Spielart, versteht sich. Auf dem vorliegenden FAR FROM HEAVEN bekam das Gesangstalent dabei sogar etwas mehr Spielraum zugestanden als noch zuvor – was zum einen an der weitaus differenzierteren Abmischung liegt, und zum anderen an der im Vergleich mit PERPETUAL TWILIGHT doch etwas großzügiger ausfallenden Vielfalt des vertretenen Liedguts. Neben der schon vom Debütalbum bekannten Marschrichtung in Form von leicht melancholisch angehauchten Uptempo-Nummern mit starken Refrains und explizitem Hymnen-Einschlag (INFERNAL ANGEL, FAR FROM HEAVEN, DEATH DENIED, BLACKOUT) finden sich auf FAR FROM HEAVEN schließlich auch einige Titel, die man so von AXENSTAR noch nicht hatte hören können.

Beispiele dafür finden sich etwa im eigentlich recht flotten, rhythmisch dann aber doch etwas aus dem Rahmen fallenden LEADING THE BLIND; im nicht wirklich balladesken aber doch vergleichsweise sanften DONT HIDE YOUR EYES, in den deutlich zurückhaltenderen Rockern mit dezentem Retro-Touch und reichlich Keyboard-Einsatz (ABANDONED und THRILLS IN THE NIGHT) oder der durch und durch-Ballade NORTHERN SKY. Tatsächlich ist die hier von AXENSTAR angebotene Bandbreite an verschiedenen Marschrichtungen und Stimmungen grundsätzlich angenehm – zumal sie die handwerklichen Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder zusätzlich unterstreicht und FAR FROM HEAVEN so zu einer etwas spannenderen Angelegenheit macht als noch das Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT. Einer spannenderen, ohne Zweifel – doch ob es die Schweden dabei wirklich geschafft haben ihr Debütalbum auch qualitativ zu übertreffen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Immerhin profilierte sich gerade PERPETUAL TWILIGHT als vergleichsweise unkompliziertes und unmittelbar wirkendes Kraftpaket, dessen Gesamtwirkung selbst in Anbetracht der nicht gerade optimalen Abmischungs- und Produktionsarbeit kaum geschmälert wurde.

Anders gesagt: FAR FROM HEAVEN hält definitiv die größere Vielfalt bereit, verfügt über einen deutlich professionelleren technischen Part und zeigt insbesondere den hiesigen Leadsänger Magnus Winterwild von einer noch vorteilhafteren Seite – doch an die schiere Effektivität des Debütalbums kann der Nachfolger dennoch nicht ganz heranreichen. Der hauptsächliche Grund dafür, der im übrigen eng mit den bereits erwähnten Einzel-Titeln zusammenhängt; ist dann auch recht schnell gefunden: AXENSTAR agieren auf FAR FROM HEAVEN zwar weitaus variabler und auch professioneller als zuvor, haben dabei aber auch den Alltag oder eher die Routine in ihre Kompositionen einfließen lassen. Wie eine markante Kampfansage oder ein wie-auch-immer herausragender Moment innerhalb der Diskografie der Schweden wirkt und klingt das Album jedenfalls nicht. Wenn man so will und vom schlimmsten Fall ausgeht, könnte man sogar von einer gewissen Form der Gleichförmigkeit innerhalb der einzelnen Titel sprechen – die des Öfteren mit einigen eher langatmigen Passagen aufwarten, und die Schweden insbesondere in den langsameren und balladesken Momenten (NORTHERN SKY ist als Inbegriff eines jeden Power Metal-Klischees hoffentlich nur ein einmaliger Ausrutscher) alles andere als glanzvoll abschneiden lassen.

Schlussendlich ist es ebenso ärgerlich wie überraschend, dass ausgerechnet die von der Band an den Tag gelegte Vielfalt zu einer mehr oder weniger frappierenden Schwäche von FAR FROM HEAVEN avanciert – die analog zum auch insgesamt eher weichen Sound-Eindruck verhindert, dass das Album in ähnliche Sphären aufsteigen kann wie der Vorgänger. Selbstverständlich handelt es sich trotz allem noch um ein solides Power Metal-Album, dass im Vergleich mit vielen anderen noch locker die Nase vorn hat und gerade Fans von Combos wie SONATA ARCTICA ansprechen sollte. Doch gerade von einer Band wie AXENSTAR hätte man hier schlicht noch etwas mehr erwarten können.

Absolute Anspieltipps: INFERNAL ANGEL, FAR FROM HEAVEN, DEATH DENIED, BLACKOUT


„Nicht mehr ganz so stark wie das Debüt, aber noch immer ein solider Nachfolger.“