Metal-CD-Review: AVANTASIA – Moonglow (2019)

Alben-Titel: Moonglow
Band: Avantasia (mehr)
Veröffentlichung: 22. Februar 2019
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Symphonic Power Metal
Label: Nuclear Blast

Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass, Keyboards, Piano, Orchestrations
Sascha Paeth – Guitars, Keyboards, Piano, Orchestrations
Michael Rodenberg – Keyboards, Orchestrations

Track-Liste:

1. Ghost in the Moon (09:51)
2. Book of Shallows (05:00)
3. Moonglow (03:56)
4. The Raven Child (11:14)
5. Starlight (03:38)
6. Invincible (03:07)
7. Alchemy (07:28)
8. The Piper at the Gates of Dawn (07:20)
9. Lavender (04:30)
10. Requiem for a Dream (06:08)
11. Maniac (Michael Sembello cover) (04:31)

Und es ward wieder zur großen Power Metal-Tafelrunde gerufen.

Spätestens seit er im Rahmen des letztaktuellen AVANTASIA-Albums GHOSTLIGHTS (siehe Review) respektive der Singleauskopplung MYSTERY OF A BLOOD RED ROSE am prestigeträchtigen Eurovision Song Contest teilnahm, dürfte er auch einigen nicht unbedingt direkt mit dem hauptsächlich angepeilten Genre in Verbindung zu bringenden Musikfans bekannt sein: Tobias Sammet, das Mastermind hinter dem deutschen Power Metal-Schwergewicht AVANTASIA. Ein Schwergewicht ist die Band deshalb, da sie zu Zeiten der Jahrtausendwende maßgeblich mit beteiligt war an der Entstehung einer neuen, man nenne es Blütezeit des europäischen Power Metals – und natürlich, da sie wie keine zweite für das seinerzeit quasi neu erschaffene Genre der Metal Opera gilt. Um festzustellen was genau man sich darunter vorzustellen hat, könnte man bei eben jenen Ursprüngen – das heißt der METAL OPERA PART I (siehe Review) und PART II (siehe Review) beginnen – oder vielleicht auch, und das ist das schöne; mit dem vorliegenden MOONGLOW. Denn, und auch wenn man verständlicherweise nicht mehr von einem mit damals deckungsgleichen Sound sprechen kann: das eigentliche Konzept von AVANTASIA hat sich bis heute nicht großartig verändert.

Das bedeutet vornehmlich, dass MOOGLOW – wie im übrigen auch alle anderen zwischenzeitlich veröffentlichten AVANTASIA-Alben – mit einer vergleichsweise einzigartigen inhaltlichen Ausrichtung und Atmosphäre, einem hohen Grad an musikalischer Qualität und Vielfalt sowie natürlich auch zahlreichen Gastauftritten daherkommt. Und tatsächlich: wirklich alle Beteiligten zu nennen würde an dieser Stelle vermutlich den Rahmen sprengen. Es sei aber zumindest soviel gesagt: insbesondere eingefleischte AVANTASIA-Fans sollten zufrieden sein, da erneut einige sich mittlerweile bei der Band zuhause fühlenden Metal-Größen mit von der Partie sind. Seien es Jørn Lande, Ronnie Atkins, Bob Catley, Hansi Kürsch (der seit jeher das Gesangszepter von BLIND GUARDIAN in der Hand hält) sowie der in vielerlei Hinsicht legendäre Michael Kiske, der bekanntlich schon auf dem allerersten AVANTASIA-Album gastierte – Abwechslung ist wahrlich reichlich geboten. Dass alle beteiligten Musiker ihr Handwerk tadellos beherrschen, die angestammte AVANTASIA-Hauptband selbst keine Fehler zulässt und auch das Album selbst über jegliche Zweifel hinsichtlich der Aufnahmequalität, Abmischung und Produktion über jeden Zweifel erhaben ist; versteht sich da fast schon von selbst – und ist eines der besonderen Qualitätsmerkmale von AVANTASIA.

Das Album möglichst treffend zu bewerten, gelingt daher vornehmlich nur über eine Herangehensweise – und zwar indem man das enthaltene (und dabei nicht selten ausführliche, das heißt mit Spielzeiten jenseits von 5 Minuten ausgestattete) Liedgut möglichst einzeln betrachtet, und anhand der schieren musikalischen Wirkungskraft beurteilt. Andere Optionen, wie etwa MOONGLOW direkt mit früheren AVANTASIA-Werken zu vergleichen; könnte man ebenfalls anberaumen – doch vermutlich wäre eine Gegenüberstellung gerade mit den ersten Alben der Band dezent schwierig. Es waren einfach andere Zeiten – und die Ausrichtung der Band eine andere respektive eindeutiger einem klassischen europäischen Power Metal zugewandte. Will heißen: in all den Jahren haben sich AVANTASIA – auch wenn sie ihren Wurzeln grundsätzlich treu geblieben sind – natürlich weiterentwickelt, was sich unter anderem auch in einem insgesamt etwas breit gefächerteren musikalischen Repertoire bemerkbar macht.

Das heißt indes nicht, dass man nicht genau darüber streiten könnte. Denn: wie schon zuvor lassen AVANTASIA auf MOONGLOW des öfteren ihre eher weiche; man will nicht sagen angepasste Seite durchklingen. Die auserkorene Single-Auskopplung des Titeltracks MOONGLOW beispielsweise macht darauf bereits hinlänglich aufmerksam – und das nicht nur aufgrund des lieblichen Gastgesangs von Candice Night. Teilweise – und wenn man so will – lässt das Erinnerungen an die heftig umstrittenen damaligen AVANTASIA-Singles LOST IN SPACE und SLEEPWALKING wach werden – wobei man schlussendlich selbst entscheiden muss, in wie weit man sich dieser Facette des musikalischen Schaffens der Band öffnen möchte. Denn, und immerhin: es handelt sich nur um eine Facette. Das gilt wohl auch für die seit MYSTERY OF A BLOOD RED ROSE relativ hoch gehaltene, man nenne sie einmal eingängig-beschwingte Seite von AVANTASIA – die auf MOONGLOW mit Titeln wie dem Opener GHOST IN THE MOON (der sogar direkt Bezug auf eben jenen eben genannten Titel nimmt) oder dem späteren LAVENDER zelebriert wird.

Im Gegenzug dazu gibt es aber eben auch einige höchst interessante, vergleichsweise komplexe und kaum in ein einzelnes Schema passende Nummern – wie etwa der mannigfaltige, äußerst gesangsstarke und wandelbare Brecher THE RAVEN CHILD oder das ordentlich stampfende THE PIPER AT THE GATES OF DAWN. Ein waschechtes Highlight ist dann natürlich auch das durchaus passend betitelte REQUIEM FOR A DREAM – das mit seiner klassisch-antreibenden Gangart, dem Gastgesangspart von Michael Kiske, dem netten Solo-Part und letztendlich auch dem perfekten Zusammenspiel aus Gesang und Instrumenten (ja, auch der Bass bekommt die nötige Aufmerksamkeit) ordentlich punktet. Etwaige Kleinigkeiten – wie etwa die Feststellung, dass man den deutlich zu harsch vorgehenden Mille Petrozza von KREATOR vielleicht doch nicht für ein weiteres AVANTASIA-Album buchen sollte – fallen so nicht wirklich ins Gewicht.

Insgesamt betrachtet kann man nicht viel falsch machen mit einem Album wie MOONGLOW – dass neben einer schier atemberaubenden musikalischen Qualität und Vielfalt und den bemerkenswerten Leistungen aller Beteiligten Musiker auch die ein oder andere Überraschung bereithält. Und genau so soll es ja auch sein.

Anspieltipps: THE RAVEN CHILD, STARLIGHT, ALCHEMY, THE PIPER AT THE GATES OF DAWN, REQUIEM FOR A DREAM


„Ein AVANTASIA-Album, am dem man kaum vorbeikommt.“

AVANTASIA – Vote For Metal (Official Promo)

Metal-CD-Review: AVANTASIA – Ghostlights (2016)

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Alben-Titel: Ghostlights
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Januar 2016
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Keyboards, Vocals, Bass
Sascha Paeth – Guitars, Keyboards, Bass
Michael „Miro“ Rodenberg – Keyboards, Orchestration
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Mystery of a Blood Red Rose (03:51)
2. Let the Storm Descend upon You (12:09)
3. The Haunting (04:42)
4. Seduction of Decay (07:18)
5. Ghostlights (05:43)
6. Draconian Love (04:58)
7. Master of the Pendulum (05:01)
8. Isle of Evermore (04:28)
9. Babylon Vampyres (07:09)
10. Lucifer (03:48)
11. Unchain the Light (05:03)
12. A Restless Heart and Obsidian Skies (05:53)

Ob sich die Arbeit auch dieses Mal ausgezahlt hat ?

Nach drei Jahren ist es wieder soweit: EDGUY-Frontmann Tobias Sammet und sein Gefolge melden sich mit einem neuen AVANTASIA-Album zurück. Dieses horcht auf den Namen GHOSTLIGHTS, beinhaltet 12 Titel bei einer Spielzeit von guten 70 Minuten – und könnte wie einige AVANTASIA-Alben zuvor erneut die Geister scheiden. Vornehmlich, da die Band nach den beiden legendären METAL OPERA-Alben dezent von den Pfaden ihres ursprünglich angepeilten Genres abgewichen ist – und einen markanten Spagat zwischen ihren Wurzeln und dem; was man gemeinhin als Kommerzialisierung bezeichnen würde, hinlegte (Stichwort: LOST IN SPACE, siehe Review). Oder anders, und etwas positiver ausgedrückt: die Definition dessen, was einen guten Power Metal ausmacht hatte sich aus der Sicht von AVANTASIA schon früh verändert. Doch wie man es auch dreht und wendet oder in welche imaginäre Schublade man GHOSTLIGHTS auch geneigt ist einzuordnen – beinahe außer Frage steht, dass dem geneigten Hörer auch dieses Mal eine enorm hochwertige, ausgefeilte und extrem unterhaltsame Metal-Feinkost geboten wird. Eine, die vor allem in Bezug auf das an den Tag gelegte Handwerk, die Produktion und Präsentation keine Wünsche offen lässt – und zudem ein weiteres Mal mit zahlreichen hochkarätigen Gastauftritten daherkommt.

Und tatsächlich ist der erwähnte Unterhaltungsfaktor auch einer der stärksten Argumente für GHOSTLIGHTS. Auch wenn AVANTASIA nur noch vergleichsweise selten Tempo-Ausbrüche (wie überraschenderweise im Titeltrack) wagen, stimmt das Verhältnis von eher sanften und leichtgängigen, sowie gerne auch mal deutlich schmackigeren Momenten a’la dem dezent NIGHTWISHoesken MASTER OF THE PENDULUM. In diesem Zusammenhang ist die Single-Auskopplung MYSTEERY OF A BLOOD RED ROSE fast schon typisch für AVANTASIA – schließlich hat es wieder einmal den wohl unkompliziertesten und wenn man so will auch massentauglichsten Titel getroffen – aber nicht unbedingt einen repräsentativen. Man sollte sich also kein vorschnelles Urteil bilden, sondern erst tiefer in den deutlich breiter gefächerten Alben-Kosmos einsteigen. GHOSTLIGHTS wirkt dabei am ehesten wie eine abenteuerliche Mixtur einer Metal-Oper (womit man den Ursprüngen eben doch sehr nahe kommt) und eines Musicals. Eines emotional ansprechenden, einprägsamen und damit überaus gelungenen – im Gegensatz zu den neuerlichen Ambitionen einer Band wie DARK MOOR (PROJECT X, Review). AVANTASIA aber wissen um ihre wahren Stärken und inszenieren nicht nur sich selbst, sondern auch die zahlreichen Gast-Künstler stets in einem überaus vorteilhaften Licht.

Und genau das führt dann mitunter – und glücklicherweise – zu einem Wahnsinns-Titel wie LET THE STORM DESCENT UPON YOU. Mit seiner satten Spieldauer von 12 Minuten, dem gelungenen Spannungsbogen und der anberaumten Emotionalität punktet er in allen Belangen; von den kongenialen und dezent symphonisch angehauchten Instrumental-Passagen gar nicht erst zu sprechen. Aber auch selbst zunächst eher unscheinbare Titel wie THE HAUNTING haben das gewisse Etwas – wie in diesem Fall einen etwas anderen Hintergrund- respektive Chorgesang. Der Titeltrack GHOSTLIGHTS ist interessanterweise kein überlanges Epos – sondern eine eher kompakte Uptempo-Nummer mit höchst gelungenen Auftritten von Tobias Sammet und seinem Kollegen Michael Kiske. Die sehr bassigen und tiefen Gast-Vocals von Herbie Langhans (SINBREED) auf DRACONIAN LOVE sind dann schlimmstenfalls leicht gewöhnungsbedürftig – wie eventuell auch das sehr balladeske, aber zweifelsohne perfekt von Sharon den Adel eingesungene ISLE OF EVERMORE. Zum Ende hin ziehen AVANTASIA ohnehin noch einmal ordentlich an: BABYLON VAMPIRES strotzt nur so vor Kraft und Originalität, LUCIFER ist die Power-Ballade mit dem nötigen Pepp in Form eines wahrlich herausragenden Gesangs von Jorn Lande. Schlussendlich: es scheint, als seien AVANTASIA da angekommen; wo sie schon immer hingehörten. einen Grund zum Nörgeln oder den alten Zeiten hinterherzutrauern gibt es jedenfalls nicht mehr.

Absolute Anspieltipps: LET THE STORM DESCENT UPON YOU, THE HAUNTING, GHOSTLIGHTS, MASTER OF THE PENDULUM, BABYLON VAMPIRES, LUCIFER


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„GHOSTLIGHTS, oder: eines der besten AVANTASIA-Alben überhaupt.“

Metal-CD-Review: AVANTASIA – Angel Of Babylon (2010)

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Alben-Titel: Angel Of Babylon
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. April 2010
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass
Sascha Paeth – Guitars
Miro – Keyboards
Eric Singer – Drums

Track-Liste:

1. Stargazers (09:33)
2. Angel of Babylon (05:29)
3. Your Love Is Evil (03:53)
4. Death Is Just a Feeling (05:21)
5. Rat Race (04:07)
6. Down in the Dark (04:23)
7. Blowing Out the Flame (04:51)
8. Symphony of Life (04:30)
9. Alone I Remember (04:48)
10. Promised Land (04:47)
11. Journey to Arcadia (07:12)

Mach’s mir noch ein letztes Mal.

ANGEL OF BABYLON gehört als Teil einer Trilogie untrennbar zu den beiden vorherigen AVANTASIA-Alben THE SCARECROW (Review) und THE WICKED SYMPHONY (Review). Doch muss es sich auch als alleinstehendes Werk behaupten, dafür sorgte die entsprechende Releasepolitik – wobei speziell THE SCARECROW nicht sonderlich gut abschnitt und reichlich Luft nach oben ließ. Offenbar aber hatte sich in der Zwischenzeit tatsächlich etwas getan. THE WICKED SYMPHONY konnte wieder als eines der besseren AVANTASIA-Alben bezeichnet werden – und mit dem zeitgleich erschienenen ANGEL OF BABYLON wollte man diesen Eindruck festigen. Doch wie schon zuvor gilt: so unantastbar und zeitlos wie dereinst auf THE METAL OPERA agierten AVANTASIA schon lange nicht mehr. Zwar beginnt auch ANGEL OF BABYLON mit einem vergleichsweise starken Auftakt, der an noch am ehesten an die Glanzzeiten der Band erinnert – mit einer großen Portion Power Metal, Kraft (auch dank der wie immer starken Gastgesangsparts) und einer anständigen Produktion.

Doch wie zuvor liegt die Crux im deutlich zu schwachen, inkonsequenten Mittelteil des Albums begraben. Das in negativer Hinsicht denkwürdige DEATH IS JUST FEELING markiert schon früh einen absoluten Tiefpunkt des Albums; während auch RAT RACE, das langatmige DOWN IN THE DARK oder die kraft- und emotionslose Ballade BLOWING OUT THE FLAME wenig überzeugen. SYMPHONY OF LIFE klingt mit seinem heftigen Keyboardeinsatz, Gothic-Touch und rein weiblichen Leadgesang ebenfalls stark gewöhnungsbedürftig – es werden böse Erinnerungen an LUCA TURILLIS Nebenprojekt DREAMQUEST wach. Gegen Ende kann eigentlich nur noch PROMISED LAND etwas reißen – unter Mitwirkung von Jørn Lande (der zu einem echten Dauergast auf diesem Album avanciert ist) und auch Henjo Richter von GAMMA RAY an der Gitarre. Gerade von diesem Sound hätte es ruhig noch etwas mehr sein dürfen… und deutlich weniger von merkwürdig Musical-angehauchten und beinahe Radio-tauglichen Eskapaden a’la JOURNEY TO ARCADIA – der Refrain geht schlicht auf keine Kuhhaut.

Absolute Anspieltipps: STARGAZERS, ANGEL OF BABYLON, YOUR LOVE IS EVIL, PROMISED LAND


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„Nicht herausragend, kein Reinfall – sondern irgendwo dazwischen.“

Metal-CD-Review: AVANTASIA – Wicked Symphony (2010)

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Alben-Titel: The Wicked Symphony
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. April 2010
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass
Sascha Paeth – Guitars
Miro – Keyboards
Eric Singer – Drums

Track-Liste:

1. The Wicked Symphony (09:28)
2. Wastelands (04:44)
3. Scales of Justice (05:04)
4. Dying for an Angel (04:32)
5. Blizzard on a Broken Mirror (06:07)
6. Runaway Train (08:42)
7. Crestfallen (04:02)
8. Forever Is a Long Time (05:05)
9. Black Wings (04:37)
10. States of Matter (03:57)
11. The Edge (04:12)

Endlich nicht mehr LOST IN SPACE.

Nach der großen AVANTASIA-Reunion im Jahre 2006 führte Band-Mastermind Tobias Sammet die neue, mit THE SCARECROW (Review) begonnene Alben-Trilogie fort. Das besondere: nachdem THE SCARECROW bereits 2008 erschienen war, folgten Teil 2 und 3 zwar erst 2010 – dafür aber gleich auf einen Schlag, nämlich am 03. April 2010. Das wiederum konnte nicht wirklich als gutes Zeichen interpretiert werden, schließlich veröffentlichte man schon die beiden LOST IN SPACE-EP’s zeitgleich – und legte eine bemerkenswerte Bruchlandung hin, allerdings nicht nur aufgrund der fragwürdigen Release-Politik. Viel wichtiger aber war die Frage, ob sich AVANTASIA wieder näher an ihren Ursprüngen orientieren und endlich einen würdigen Nachfolger zu den beiden hervorragenden THE METAL OPERA-Alben abliefern würden. Und tatsächlich: Sammet schien mit WICKED SYMPHONY vermehrt zu alten Stärken zurückgefunden zu haben. Dies gelang ihm vor allem, indem er den zahlreichen Gastmusikern wieder etwas mehr Raum zugestand; und speziell mit Genre-Größen wie Russell Allen, Jørn Lande, Michael Kiske oder Tim „Ripper“ Owens abermals reichlich talentierte Musiker mit der nötigen Passion um sich sammelte.

Die lieferten auch alle entsprechend ab – und sorgten für einen angenehm abwechslungsreichen Eindruck; vor allem in Bezug auf den durch und durch starken Alben-Auftakt mit THE WICKED SYMPHONY, WASTELANDS und SCALES OF JUSTICE. Dem entgegen steht wohl nur der Eindruck, dass die Hardrock- und eher experimentellen Anteile einstweilen das Ruder übernehmen – und der Faktor Power Metal auch mal dezent in den Hintergrund rücken kann. Stellvertretend dafür steht grundsätzlich der gesamte Mittelteil des Albums – der mal mit explizit rockigen (DYING FOR AN ANGEL mit SCORPIONS-Sänger Klaus Meine), mal mit eher schlecht abgemischten und gesanglich ärgerlichen (BLIZZARD ON A BROKEN MIRROR, trotz der Mitwirkung von Andre Matos), mal mit merkwürdig Musical-angehauchten (RUNAWAY TRAIN) oder gar gänzlich fehlgeleiteten Nummern (CRESTFALLEN) an den Start geht. Gegen Ende hin wird es wieder etwas besser, doch grundsätzlich gilt: THE WICKED SYMPHONY ist so abwechslungsreich wie es qualitativ durchwachsen ist. Sicher spielt die Geschmacksfrage und der persönliche Bezug zu Tobias Sammet eine nicht unerhebliche Rolle – doch ein wenig mehr Konsequenz, Schnelligkeit und Härte hätten dem Album sicherlich gut getan; was auch für den einstweilen deutlich zu soften Gesang von Sammet und den nicht immer effizienten Gitarrensound gilt.

Absolute Anspieltipps: THE WICKED SYMPHONY, WASTELANDS, SCALES OF JUSTICE


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„Kein Meisterwerk, aber speziell im Vergleich zu ANGEL OF BABYLON ein Schritt in die richtige Richtung.“